Honorius, anfangs unter Vormundschaft des Vandalen Stilicho, unfähig, das Reich zu schützen.
Valentinian III., lange unter Vormundschaft seiner Mutter Placidia, sieht sich auf den unsicheren Besitz Italiens beschränkt. Auf ihn folgen in schnellem Wechsel ohnmächtige Kaiser, die teils von dem Sueben Ricimer († 472), dem Anführer der germanischen Soldtruppen, teils vom oströmischen Kaiser ernannt werden. Zuletzt wird
Romulus Augustus, der Sohn eines Feldherrn Orestes aus Pannonien, von den Truppen seines Vaters auf den Thron erhoben, jedoch von Odovakar, dem Anführer der germanischen Truppen, abgesetzt. Odovakar beherrscht Italien, dem Namen nach unter Oberhoheit des oströmischen Kaisers Zeno, der ihm den Titel eines Patricius verleiht und die Verwaltung der Diöcese Italien überträgt.
In den Kulturkreis des Altertums dringen die Germanen mit frischer Volkskraft ein, zunächst vieles zerstörend. Bald aber gründen sie neue Staaten, in welche die antike Kultur aufgenommen wird. Der Schauplatz der Geschichte erweitert sich über ganz Europa; es scheiden sich romanische und germanische Staaten; im Osten treten die Slaven hinzu.
Sitze germanischer Volksstämme um 375 nach Chr.
Ostgoten im südlichen Rußland, Westgoten in Dacien (östl. Ungarn, Rumänien), Vandalen in Pannonien (südwestl. Ungarn), Sueben in Mähren, Böhmen und Bayern, Burgunder am Neckar und Main, Alamannen am Oberrhein, ripuarische Franken zu beiden Seiten des Niederrheins (bei Köln), salische Franken in Belgien und an den Rheinmündungen, Sachsen von der Elbe bis fast an den Rhein, Thüringer in Mitteldeutschland, Langobarden an der untern Elbe, Friesen an der Nordseeküste.
Religion und Staatswesen der Germanen:
Verehrung der Götter auf Bergen oder in heiligen Hainen; keine Tempel und Götterbilder. Wodan der Himmelsgott, Donar der Donnergott, Ziu der Kriegsgott. Glaube an ein Fortleben der Helden nach dem Tode in Walhalla.
Keine Städte; die Volksstämme teilen sich nach der Lage der vereinzelten Wohnstätten in Gaue. Unvollkommener Ackerbau, meist den Hörigen (Unfreien) überlassen. Jagd und Krieg die Hauptbeschäftigung der Freien.
Die Versammlung der Freien entscheidet über Krieg und Frieden und schwere Rechtsfälle; sie wählt Gauvorsteher (Richter) und für den Kriegsfall Herzöge, meist aus den Edlen, die aber keinen geschlossenen Stand mit besonderen Vorrechten bilden. Kampflustige Freie schließen sich als Gefolge, zur Treue verpflichtet, an hervorragende Edle an.
Größere Kriege führen zur Ausbildung des Königtums, welches während der Völkerwanderung bei den meisten germanischen Völkern durchdringt. Grenzkriege mit den Römern am Rhein und an der Donau; germanische Heerscharen oft in römischem Solde. Die Goten, welche um 180 von der Weichsel nach der unteren Donau vordringen, sind bis 270 gefährliche Feinde des römischen Reiches; dann meist friedliches Verhältnis. Eine Schar christlicher (arianischer) Westgoten unter dem Bischof Ulfila wird 348 in Mösien angesiedelt; Ulfilas Bibelübersetzung das erste Schriftwerk in gotischer Sprache; er stirbt 381 in Konstantinopel.
Anfang der Völkerwanderung.
Die Hunnen, ein mongolisches, nomadisches Reitervolk, unterwerfen, nachdem sie etwa 372 die Wolga überschritten und die nichtgermanischen Alanen besiegt haben, das Ostgotenreich (am Dnjepr, König Ermanarich aus dem Geschlechte der Amăler) und stürzen sich dann auf die Westgoten. Der heidnische Teil der Westgoten unter Athanarich zieht sich nach Siebenbürgen und in die Karpathen zurück, der christliche unter Fritigern und Alaviv erhält von Kaiser Valens Sitze in Mösien und Thrakien zugesichert. Streitigkeiten mit den römischen Beamten nach dem Übergang über die Donau führen zum Kampf, die Goten dringen verwüstend vor.
Schlacht bei Adrianopel. Valens besiegt und getötet.
Sein Nachfolger Theodosius schließt Frieden mit den Westgoten, welche gegen Sold und Wohnsitze in Mösien und Thrakien als foederati die Grenze des römischen Reiches schützen sollen. Das Reich der Hunnen breitet sich in den Ländern nördlich der Donau aus.
Alarich, König der Westgoten, verwüstet, da nach Theodosius’ Tode Arcadius den Sold nicht zahlt, Makedonien, Illyrien und Griechenland und dringt bis in die Peloponnes vor. Stilicho, Feldherr des weströmischen Reiches, kommt dem oströmischen zu Hilfe, schließt die Westgoten am Gebirge Pholoë in Arkadien ein, läßt sie aber entkommen. Alarich zieht nach Illyrien, wird vom Kaiser Arcadius zum Dux von Illyricum orientale ernannt. Das Vordringen der germanischen Völker richtet sich nun gegen das weströmische Reich.
Alarichs erster Einfall in Italien, Stilicho tritt ihm entgegen. Schlacht bei Pollentia (402); Alarich kehrt nach Illyrien zurück.
Germanische Heerhaufen, namentlich Ostgoten unter Radagais, fallen in Italien ein, werden aber von Stilicho mit Hilfe der rheinischen Legionen bei Fäsulä besiegt und durch Kampf und Hunger aufgerieben. Die Rheingrenze seitdem verloren.
Heerhaufen von Vandalen, Sueben und Alanen ziehen aus den Donauländern unter hartem Kampf mit den Franken über den Rhein und brechen dann 409 in Spanien ein. Die Vandalen besetzen den südlichen Teil (Andalusien = Vandalicia), die Alanen den Südwesten (Lusitanien), die Sueben den Nordwesten (Gallaecia).
Um dieselbe Zeit breiten sich die salischen Franken im nördlichen Gallien aus; die Burgunder setzen sich am mittleren Rhein fest, Worms ihre Hauptstadt.
Stilicho gestürzt und auf Befehl des Kaisers Honorius ermordet. Alarichs zweiter Einfall in Italien, er belagert Rom, zieht aber gegen Lösegeld ab. Da der kaiserliche Hof zu Ravenna sich weigert, den Goten Landbesitz in Noricum zu gewähren, rückt Alarich zum zweiten Male vor Rom (409) und erzwingt vom Senate die Ernennung des Stadtpräfekten Attălus zum Gegenkaiser. Alarich belagert Honorius vergeblich in Ravenna, entzweit sich mit Attalus, setzt ihn ab und rückt zum dritten Male vor Rom.
Einnahme und Plünderung Roms durch Alarich. Er zieht darauf nach Unteritalien, um nach Sicilien und von da nach Afrika überzusetzen, stirbt aber unterwegs (im Busento bei Cosenza begraben).
Athaulf, Alarichs Schwager, führt die Westgoten nach Gallien, vermutlich infolge eines Übereinkommens mit dem Kaiser Honorius zur Bekämpfung der dort eingedrungenen Germanen. Er vermählt sich in Narbo 414 mit Placidia, Schwester des Honorius, wird aber bald darauf von dem kaiserlichen Feldherrn Constantius angegriffen, zieht nach Spanien, erobert Barcelona, wird dort ermordet. Sein Bruder
Wallia schließt wiederum Vertrag mit Honorius, sendet Placidia zurück und kämpft für die Römer gegen Vandalen, Alanen und Sueben. Ihm wird das südliche Gallien unter römischer Hoheit abgetreten.
Westgotenreich in Südgallien und Spanien, bald von Rom unabhängig. Hauptstadt Tolosa (Toulouse), später Toledo.
König Genserich führt die Vandalen aus Spanien nach Afrika hinüber, herbeigerufen von dem abtrünnigen römischen Statthalter Bonifatius, der nachher vergeblich die Eingedrungenen bekämpft. Augustinus, Bischof von Hippo Regius, † 430 während der Belagerung dieser Stadt durch die Vandalen. Karthago, die Hauptstadt der römischen Provinz, wird erst 439 von ihnen erobert.
Vandalenreich in Afrika.
Die Vandalen (Arianer) gründen eine Seemacht und beginnen die Küsten und Inseln des Mittelmeeres zu plündern. Ihre früheren Wohnsitze in Spanien werden von den Westgoten in Besitz genommen.
Die Burgunder, unter ihrem König Gundahar, von dem römischen Feldherrn Aëtius mit Hilfe hunnischer Söldner besiegt, erhalten Wohnsitze an der oberen Rhone und Saône. Die Alamannen breiten sich (an Stelle der Burgunder) über die frühere römische Provinz Germania superior (Elsaß) und die Schweizer Ebene aus.
Britannien besetzt von Sachsen, Angeln und Jüten, die von den Briten gegen die räuberischen Stämme der nördlichen Gebirge (Picten und Scoten) zu Hilfe gerufen werden. Sie setzen (nach der Sage unter den Führern Hengist und Horsa) nach Britannien über und gründen dort 7 Staaten: Kent, Sussex, Wessex, Essex, Ostangeln, Mercia, Northumbria. Die christlichen Briten werden teils nach der Westseite der Insel (Wales, Sagen von König Artus) gedrängt, teils siedeln sie nach der Küstenlandschaft Aremorica (Bretagne) in Gallien über.
Attila (Etzel), König der Hunnen, bricht verheerend in Gallien ein; in seinem Gefolge auch die Heerscharen der ihm unterworfenen germanischen Völker, Ostgoten, (Attila gotisch = Väterchen) Gepiden, Heruler, Rugier u. a. Er belagert vergeblich Orléans (Civitas Aureliani).
Schlacht auf den Katalaunischen Feldern (nach Catalaunum, d. i. Châlons-sur-Marne, das Schlachtfeld selbst näher bei Troyes). Attila von dem römischen Heer unter Aëtius und den Westgoten (mit Hilfstruppen der Burgunder, Franken u. a.) in gewaltigem Kampfe besiegt, geht über den Rhein zurück.
Attila zieht nach Italien, zerstört Aquileia, dessen Bewohner in die Lagunen flüchten (Entstehung der Stadt Venedig). Er verwüstet die Po-Ebene, bedroht Rom, kehrt aber um auf Bitten einer Gesandtschaft, an deren Spitze der römische Papst Leo I. steht.
Attila stirbt in Pannonien; nach seinem Tode Zerfall des Hunnenreiches. Die bisher den Hunnen unterworfenen germanischen Völker werden frei; die Gepiden begründen ein Reich in Dacien, die Ostgoten in Pannonien.
Vordringen slavischer Völker in die von den Germanen verlassenen Gebiete bis zur Elbe.
Rom nach Ermordung Valentinians III. 14 Tage lang von den Vandalen geplündert, welche Eudoxia, die Witwe Valentinians, herbeigerufen haben soll. Die Vandalen beherrschen die Nordküste Afrikas bis Kyrēne und die Inseln des westlichen Mittelmeeres.
Odovakar, Anführer von Herŭlern und anderen Germanen in römischem Solde, wird nach Absetzung des letzten weströmischen Kaisers Herrscher in Italien (vgl. S. 138).
Der Merowinger Chlodwig (Chlodovech), König der salischen Franken (481–511), besiegt bei Soissons den römischen Statthalter Syagrius und vernichtet dadurch den letzten Rest des weströmischen Reiches.
Chlodwig besiegt die Alamannen im Elsaß (nicht bei Zülpich, wo früher ein Kampf zwischen Alamannen und ripuarischen Franken stattgefunden hatte). Chlodwig gelobt in der Schlacht, Christ zu werden, nimmt mit seinem Volke die katholische Lehre an, wird in Reims vom Bischof Remigius getauft.
Chlodwig besiegt die Burgunder bei Dijon, doch behauptet König Gundobad seine Herrschaft. Durch List und Gewalt macht Chlodwig sich zum Alleinherrscher aller Franken, s. unten und S. 145 ff.
Ostgotenreich in Italien.
Theoderich der Große, christlicher König der Ostgoten, führt nach Übereinkunft mit dem oströmischen Kaiser Zeno, der ihm den Rang eines Patricius (S. 138) und Konsuls verlieh, sein Volk aus Pannonien nach Italien, siegt über Odovakar am Isonzo 489, belagert ihn in Ravenna, läßt ihn 493 nach Einnahme der festen Stadt hinrichten. Er sorgt in Italien für Erhaltung der römischen Kultur und friedliches Zusammenleben von Römern und Goten. Seine Regierung für Italien eine Zeit des Glückes und Wohlstandes. Sein Minister Cassiodorius schreibt die Geschichte der Goten und verkündet Gesetze in lateinischer Sprache. Doch bleibt der Zwiespalt zwischen beiden Nationen, da die Goten Arianer sind. Boëthius und Symmachus 525 hingerichtet wegen geheimer Verbindungen mit dem oströmischen Kaiser.
Theoderich schließt Frieden mit den Vandalen, welche ihre Raubzüge gegen Italien aufgeben, nimmt die Alamannen und Westgoten gegen die wachsende Macht des Frankenreiches in Schutz, waltet als Friedenshort und Völkerhirt unter seinen germanischen (arianischen) Stammverwandten.
Chlodwig besiegt die Westgoten bei Voullon oder Voullé (unweit Poitiers) und besetzt ihr Land bis zur Garonne: in Arles behaupten sie sich mit Hilfe der Ostgoten. Theoderich vereinigt die Provence mit seinem Reiche und übernimmt die vormundschaftliche Regierung für seinen Enkel Amalarich, den Sohn des bei Voullon gefallenen Westgotenkönigs Alarich II.
Theoderich † zu Ravenna; sein Grabmal dort erhalten. In den deutschen Heldenliedern erscheint er als Dietrich von Bern (Verona).
Das Westgotenreich behauptet sich in Spanien (Hauptstadt Toledo) bis 711. Gegen das Vandalenreich und das Ostgotenreich erhebt sich die wieder erstarkte Macht des oströmischen Kaisertums.
Belisar, Feldherr des oströmischen Kaisers Justinian (S. 147), zerstört das Vandalenreich in Afrika.
Verfall des Vandalenreichs seit Genserichs Tode (477). Den letzten König Gelimer nimmt Belisar gefangen.
Vernichtungskrieg Justinians gegen das Ostgotenreich.
Veranlassung: Amalaswintha, Tochter Theoderichs d. Gr., 526–534 Regentin für ihren unmündigen Sohn Athalarich, wird nach dessen Tode ermordet von Theodahad, den sie zum Mitregenten angenommen hat. Kaiser Justinian tritt als ihr Rächer auf.
Belisar erobert zuerst Sicilien, dann Neapel, bekämpft Vitigis, den die Ostgoten an Stelle Theodahads zum König erwählt haben, erobert Rom und führt Vitigis als Gefangenen nach Konstantinopel. Während er dann im Osten des Reichs die Perser bekämpft, erobern die Ostgoten unter König Totila den größten Teil Italiens wieder.
Belisar, aufs neue nach Italien gesandt, kämpft mit wechselndem Erfolge gegen Totila. Nach Belisars zweiter Abberufung wird Rom von Totila wieder erobert.
Narses, Belisars Nachfolger, siegt mit germanischen Hilfstruppen über Totila bei Tagīnä (in Umbrien, nicht weit von Sentinum); Totila fällt. Teja, der letzte Ostgotenkönig, fällt im Verzweiflungskampfe am Mons lactarius (in der Nähe des Vesuv); die Reste seines Heeres erhalten freien Abzug.
Scharen von Franken und Alamannen, welche über die Alpen in Italien eindringen, werden von Narses zurückgeschlagen, die letzten am Volturnus vernichtet. Italien wird Provinz des oströmischen Reiches (Exarchat). Narses erster Exarch, sein Sitz in Ravenna.
Langobardenreich in Italien.
Alboin, König der seit etwa 500 in Pannonien ansässigen Langobarden, zerstört mit Hilfe der Avaren, eines den Hunnen verwandten, asiatischen Volkes, welches bis zur Donau vorgedrungen ist, das Reich der Gepiden (566) und führt bald darauf (568) sein Volk nach Italien, vielleicht von Narses, der am byzantinischen Hof in Ungnade gefallen war, herbeigerufen. Pavīa (Ticīnum), erst nach dreijähriger Belagerung erobert, wird Hauptstadt seines Reiches. Unter seinen Nachfolgern werden langobardische Herzogtümer in Friaul, Spoleto, Benevent gegründet. Unter oströmischer Herrschaft bleiben nur Venedig, Ravenna, Neapel, und Kalabrien.
Die Bischöfe von Rom wissen ihrem Gebiete, dem Patrimonium Petri, die Unabhängigkeit zu sichern (später Berufung auf eine Schenkung Konstantins in den um die Mitte des 9. Jahrh. entstandenen, gefälschten pseudo-isidorischen Dekretalen).
Authari (Sohn Klephs), der 3. König des Langobardenreiches, vermählt mit Theodelinde, Tochter des Bayernherzogs Garibald, durch deren Einfluß der Übertritt der Langobarden vom Arianismus zur katholischen Lehre bewirkt wird. Gleichzeitig vollzieht sich dieselbe Umwandlung im spanischen Westgotenreich, welches 585 durch Unterwerfung des Suebenreiches erweitert ist.
Gregor I. (der Große), Bischof von Rom, befestigt das Ansehen des Papsttums. (Pápa, d. h. Vater, früher der Name jedes christlichen Bischofs, bald dem Nachfolger Petri ausschließlich beigelegt.) — Sendung von Glaubensboten zu den Angelsachsen nach England (597), der Abt Augustinus begründet das Erzbistum Canterbury. — Ausbreitung der Klöster; Mönchsregel des h. Benedikt von Nursia, der 529 das Mutterkloster des Benediktiner-Ordens auf dem Monte Cassino in Kampanien gründete. Nach dem Untergang des weströmischen Reiches ist die römische Kirche von größter Bedeutung für die Erhaltung und Fortbildung der aus dem Altertum überlieferten Kultur.
(Vgl. S. 143.)
Nach Chlodwigs Tode erste Teilung (doch nicht völlige Gebietstrennung) des Frankenreiches. Seine vier Söhne herrschen gemeinsam, aber mit gesondertem Hofhalt zu Metz, Orléans, Paris, Soissons.
Das Reich der Thüringer wird von Theoderich, dem ältesten der Brüder, durch den Sieg bei Scheidungen, das der Burgunder von den jüngeren Söhnen Chlodwigs: Chlodomer, Childebert, Chlotar, erobert.
Der nördliche Teil Thüringens (bis zur Unstrut) fällt an die Sachsen als Bundesgenossen der Franken in dem Kriege; in das Maingebiet, welches ebenfalls zum alten Thüringerreich gehörte, ziehen fränkische Ansiedler ein (Ostfranken).
Nach dem Untergang des ostgotischen Reiches Erwerbung der Provence (536); auch die Bayern (entstanden aus Vereinigung der Markomannen und Quaden (S. 131) mit anderen Volks-Stämmen) schließen sich dem Frankenreiche an; sie behalten aber ihr heimisches Herzogsgeschlecht, die Agilolfinger.
Das Frankenreich wieder vereinigt unter Chlotar I., Chlodwigs jüngstem Sohn, der seine Brüder überlebt. Nach seinem Tode zweite Teilung, zuerst in vier, dann in drei Reichsteile: Austrasien, Neustrien, Burgund. Es folgt eine Zeit der Zerrüttung; Brunhild, eine westgotische Königstochter, veranlaßt ihren Gemahl Sigibert von Austrasien zum Kriege gegen seinen Bruder Chilperich von Neustrien, der ihre Schwester verstoßen und sich mit Fredegunde vermählt hat. Chilperich ermordet 584, darauf Kampf der Adelsparteien.
Zweite Wiedervereinigung des ganzen Frankenreiches durch Chlotar II. von Neustrien, Sohn der Fredegunde. Brunhild gefangen, gemartert und zu Tode geschleift.
Verfassung des Frankenreiches: Das Land ist in Gaue (pagi) eingeteilt, deren Vorsteher die vom König ernannten Grafen (comites) sind; die Gaue zerfallen in Hundertschaften (centenae). Jede Hundertschaft hat ihre Gerichtsstätte, Malberg genannt, wo unter Leitung ihres Vorstehers (centenarius) oder des Grafen die Freien zum Gerichtstag (Ding) erscheinen. Das Volksrecht aufgezeichnet als lex Salica (schon unter Chlodwig) und lex Ripuaria; das Deutsche war Volkssprache, aber nicht Schriftsprache. Altgermanisches Gerichtsverfahren: Eideshelfer, Zweikampf, Gottesurteile durch siedendes Wasser oder glühendes Eisen. Totschlag kann durch Wergeld gesühnt werden. Oberstes Gericht das Hofgericht des Königs.
Stände des Volkes: Freie, Halbfreie oder Hörige (liti) und Unfreie (Leibeigene). Die Mitglieder des königlichen Gefolges (antrustiones) haben das dreifache Wergeld der Freien. Freie, die sich in den Schutz eines Mächtigeren oder des Königs begeben, sind dessen Vasallen. Sie empfangen von ihm Grundbesitz zum Nießbrauch; daraus entwickelt sich in der karolingischen Zeit das Lehnswesen (beneficium oder feudum, das Lehngut, im Gegensatz zum Eigengut, allodium).
Die aus römischer Zeit vorhandenen Städte behalten eine gewisse Bedeutung als Bischofsitze; die Einwohner sind aber meistens Halbfreie oder Unfreie. Die zahlreichen Kirchengüter erhalten allmählich Befreiung von der Gerichtsbarkeit der Grafen (Immunität); ein von dem Bischof oder Abt erwählter Schutzherr (advocatus, Vogt) übt dann die Gerichtsbarkeit.
Zum Kriegsdienst sind alle Freien verpflichtet (Heerbann); die Vasallen ziehen unter Führung ihres Beschützers (senior) zu Felde, die übrigen unter Führung des Grafen. In Reichsteilen, die früher selbständig waren (Aquitanien, Bretagne, Bayern, Thüringen), hat der Herzog (dux) den Oberbefehl über den Heerbann mehrerer Grafschaften. Bei der jährlichen Heeresmusterung (Märzfeld, später Maifeld) versammelt der König die Großen zu Beratungen (placita) und verkündet mit ihrer Zustimmung Gesetze.
Die wichtigsten Hofämter sind: Seneschall, Marschall (comes stabuli), Kämmerer, Mundschenk, Kanzler, Pfalzgraf (comes palatii oder palatinus). Der Majordomus, ursprünglich Vorsteher der königlichen Hofhaltung, gewinnt allmählich die größte Macht als Stellvertreter des bald hier, bald dort residierenden Königs.
Unter Chlotar II. hat jeder der drei großen Reichsteile einen eigenen Majordomus; unter seinem Sohne Dagobert kommt Pippin (der Ältere) zu besonderem Ansehen in Austrasien. Dessen Enkel Pippin (der Mittlere) macht sich durch den
Sieg bei Testri (unweit St. Quentin) über den Majordomus von Neustrien zum Majordomus des ganzen Frankenreiches.
Sein Sohn Karl Martel gilt, obgleich er noch nicht den Königstitel annahm, als Begründer der Dynastie, welche das entartete Haus der Merowinger verdrängte.
Nach Attilas Tode (S. 142) Aufhören der Bedrängnis durch die Hunnen. Das wieder erstarkende Reich bewahrt unter despotischen, aber oft von ihrer Umgebung abhängigen Herrschern noch Jahrhunderte lang die griechische Kultur.
Justinian I. läßt durch seinen Minister Tribonianus aus den Gesetzen früherer Kaiser und den Schriften früherer Rechtsgelehrter ein umfassendes Gesetzbuch, Corpus iuris civilis, zusammenstellen. Teile desselben: 1. Institutiones, 2. Pandectae oder Digesta, 3. Codex Justinianeus, 4. Novellae später hinzugefügt.
Nika-Aufstand in Konstantinopel, veranlaßt durch die Parteien der Rennbahn, die sich mit dem Schlachtruf Nika gegen die Regierung erheben, aber bald unter sich uneinig werden. Die Blauen, von Belisars Truppen unterstützt, siegen über die Grünen. Ein großer Teil der Stadt durch Brand zerstört, dann schöner wiederhergestellt. Großartige Prachtbauten, z.B. 25 neue Kirchen, darunter die Sophienkirche.
Kriege gegen die Germanen (s.S. 144); Afrika und Italien für die oströmische Herrschaft wiedergewonnen. Im Osten Bedrängnis durch die Perser, welche in Syrien eindringen. Blüte des Sassanidenreiches (S. 133) unter König Kosru I., die altpersische Masdareligion (S. 17) herrscht dort in neuer Kraft. Die Donaugrenze wird mit Mühe geschützt gegen Einfälle der Bulgaren und slavischen Stämme; zu deren Bekämpfung wird das mongolische Volk der Avaren gewonnen, welches seine Wohnsitze in den Steppen an der Donau und Theiß nimmt, wo früher die Hunnen hausten.
Unter den folgenden Kaisern Verfall des Reiches. Italien geht größtenteils verloren (S. 145); Bulgaren und Serben siedeln sich südlich der Donau an, doch unter Oberhoheit des Reiches.
Heraklios II. besiegt die Perser bei den Ruinen von Ninive, verliert aber bald darauf Syrien und Ägypten durch das erobernde Vordringen der Araber. Der übrige Bestand des Reiches ist gesichert.
Unter Kaiser Konstantin IV. Abwehr der wiederholten Angriffe der Araber auf Konstantinopel (das griechische Feuer).
Leo III. verbietet nach abermaliger Abwehr der Araber den Bilderdienst. Dadurch werden langdauernde kirchliche Streitigkeiten veranlaßt; die Parteien der Bilderdiener und Bilderstürmer bekämpfen einander, bis die Kaiserin Irene 787 den Bilderdienst wiederherstellt. Nach ihrem Tode erneuter Streit: Leo V., siegreich gegen die Bulgaren, verbietet 815 den Bilderdienst, wird 820 von Verschwörern ermordet; endlich entscheidet 842 die Kaiserin Theodora zu Gunsten des Bilderdienstes.
Die Arăber, lange Zeit durch die Natur ihres Landes vom Völkerverkehr ferngehalten, erheben sich unter der Einwirkung einer neuen Religion aus der Stammverfassung zur Gründung einer Reichsmacht. Diese tritt in Kampf gegen das christliche Europa.
Mohammed, geb. 571 zu Mekka, aus dem Stamme Kureïsch, lernt auf Handelsreisen nach Syrien die jüdische und die christliche Religion kennen, zieht sich öfters in die Einsamkeit zurück, tritt dann unter seinem Stamme als Prophet auf. Hauptsatz seiner Lehre, des Islâm: Es ist nur ein Gott (Allah), und Mohammed sein Prophet. Die Gläubigen (Moslemin) sind zu Gebeten, Fasten, Almosen, Wallfahrten verpflichtet; Gerechtigkeit die Haupttugend. Vielweiberei gestattet. Glaube an Vorherbestimmung (Fatalismus), sinnliche Vorstellungen vom Fortleben im Paradiese.
Mohammeds Flucht (Hedschra) von Mekka nach Medina Anfang einer neuen Zeitrechnung bei den Völkern, die den Islam annehmen.
Mohammeds Rückkehr; er reinigt die Káaba, das alte Heiligtum in Mekka, von Götzenbildern. Bald ganz Arabien ihm untertan. Er stirbt 632, sein Grab in Medīna. Seine Nachfolger die Kalifen:
Abu Bekr, Schwiegervater des Propheten. Entstehung des 114 Suren umfassenden Koran, der später ergänzt wird durch Aufzeichnung mündlich überlieferter Aussprüche des Propheten (die Sunna). Spaltung der Gläubigen in Sunniten, welche diese anerkennen, und Schiiten, welche sie verwerfen und Ali, den Schwiegersohn Mohammeds, als dessen einzig rechtmäßigen Nachfolger betrachten. (Die Perser z. B. sind Schiiten, die Türken Sunniten.)
Omar, Begründer der arabischen Herrschaft im Orient: 1. Zerstörung des Neupersischen Reiches der Sassaniden; der Feldherr Saad zieht 636 als Sieger in Ktesiphon ein.
2. Dem oströmischen Reiche entreißt Omar Syrien und Palästina (Damaskus 635, Jerusalem 637); sein Feldherr Amru erobert Ägypten (Alexandria 641). Gründung der Städte Kairo und Basra (am Schatt el Arab). Die erobernden Araber nehmen vieles von der persischen und griechischen Kultur an, machen aber ihre Religion und Sprache zur herrschenden.
Innere Kriege unter den beiden folgenden Kalifen; Othman wird 656 in einem Aufstande zu Medina ermordet, Ali, Mohammeds Schwiegersohn, 661 durch Verschwörer.
Die Omaijaden.
Muawija, Urenkel des Omaija, eines Verwandten Mohammeds, gründet eine sunnitische Dynastie, verlegt die Residenz von Medina nach Damaskus. Seine Feldherrn belagern Konstantinopel vergeblich; in Kleinasien beginnen langdauernde Kämpfe, da das byzantinische Reich starken Widerstand leistet. Nordafrika wird von den Arabern gewonnen; 697 zerstören sie Karthago.
Der Feldherr Tarik setzt nach Spanien über, herbeigerufen von Graf Julian, dem Statthalter von Ceuta, gegen den Westgotenkönig Roderich. Er landet bei dem nach ihm benannten Berge Dschebel al-Tarik (Gibraltar) und vernichtet durch die siebentägige Schlacht am Guadalete und Saladofluß bei Xeres de la Frontera das Westgotenreich. Nur ein kleines christliches Königreich Asturien behauptet sich im Norden der Halbinsel.
Konstantinopel wiederum vergeblich belagert; dagegen wird das Indusland, Baktrien, Sogdiana dem Islam unterworfen. Im Innern häufige Kämpfe mit den Anhängern Alis; Entfaltung der Künste und Wissenschaften, namentlich unter Welid I. (705–715), welcher die prachtvolle Moschee zu Damaskus baut.
Merwan II. wird in der blutigen Schlacht am Zab (Nebenfluß des Tigris) besiegt von Abul Abbas, der das Geschlecht der Omaijaden ausrottet; nur Abdurrahman entkommt nach Spanien und gründet dort ein selbständiges Kalifat in Cordova. Hier wie in Granada (Alhambra) großartige Baudenkmäler aus jener Zeit erhalten.
Die Abbassiden.
Neue Residenz Bagdad; glänzende Regierung Harun al Raschids 786–809, von den Dichtern gepriesen. Blüte des Handels, der Architektur und der Wissenschaften (Philosophie, Mathematik, Geographie, Naturforschung, Medizin) unter seinem Sohne Mamun 813–833. Bagdad, Damaskus, Mekka, Kairo Mittelpunkte der arabischen Kultur. Die Nachfolger haben mit Aufständen zu kämpfen.
Karl Martel (der Hammer, Majordomus 714–741) unterwirft die unbotmäßigen Großen des Reiches, bekämpft die Friesen und Sachsen, sichert das Frankenreich gegen die vordringenden Araber durch die siebentägige
Schlacht zwischen Tours und Poitiers.
Er regiert seit 737 ohne König, seine beiden Söhne Karlmann und Pippin setzen 743 wieder einen König (Childerich III.) ein. Karlmann tritt 747 von der Regierung zurück.
Pippin, König der Franken,
nachdem Childerich III. unter Zustimmung des Papstes Zacharias durch die zu Soissons versammelten fränkischen Großen abgesetzt und in ein Kloster geschickt ist. Pippin wird auf den Schild erhoben, dann von den Bischöfen gesalbt. 753 Kriegszug gegen die Sachsen.
Papst Stephan II., der als Schutzflehender erscheint, wiederholt zu St. Denys (bei Paris) die Salbung an Pippin und seinen Söhnen. Pippin zieht darauf nach Italien und drängt den Langobardenkönig Aistulf zurück, welcher Rom seinem Reiche einverleiben will. Pippin bestätigt den Papst in dem Besitz des Ducats von Rom (Kirchenstaat, S. 145) und erweitert ihn durch Schenkung des Exarchats Ravenna und der Pentapolis (Gebiet von Ancona und Rimini). Er beansprucht für sich und erhält vom Papst den Titel Patricius von Rom (S. 138, 143).
Bonifatius, der Apostel der Deutschen.
Im inneren Deutschland hatten in der Merowingerzeit irische und fränkische Missionare, gestützt auf die aus römischer Zeit her bestehenden Bistümer in Basel, Konstanz, Straßburg, Augsburg, Mainz, Trier, Köln, an mehreren Orten Kirchen und Klöster gegründet: Columba und Gallus um 610 bei den Alamannen am Bodensee (Kloster St. Gallen), Pirmin (Kloster Reichenau), Emmeram in Regensburg, Kilian in Würzburg, Rupert in Salzburg u. a.
Bonifatius (sein ursprünglicher Name Winfried), ein Angelsachse aus Wessex, erhält 719 in Rom von Papst Gregor II. den Auftrag, in den noch heidnischen Gegenden Deutschlands das Christentum zu verkündigen. Er predigt zuerst in Gemeinschaft mit seinem Landsmann Wilibrord, dem Bischof von Utrecht, in Friesland, wendet sich dann nach Ostfranken, Thüringen, Hessen, Bayern. Bei Geismar in Hessen fällt er die Wodanseiche. Seit 722 Bischof, 732 Erzbischof ohne bestimmten Bischofsitz, bringt er alle neu gegründeten Bistümer (Salzburg, Regensburg, Freising, Passau, Würzburg, Eichstätt, Erfurt, letzteres bald zu Mainz gezogen) und Klöster (Fritzlar, Fulda, Ohrdruf) in strenge Abhängigkeit vom römischen Stuhle. Auch im westlichen Teile des Frankenreichs ordnet er die verfallenen kirchlichen Einrichtungen wieder. Er wird 748 Erzbischof von Mainz, 755 bei einer letzten Missionsreise von den heidnischen Friesen bei Dokkum erschlagen; begraben in Fulda.
Karl der Große,
anfangs gemeinschaftlich mit seinem Bruder Karlmann regierend, nach dessen Tode 771 Alleinherrscher. Karlmanns Söhne fliehen zu Desiderius, dem König der Langobarden, dessen Tochter Desiderata Karl geheiratet, dann verstoßen hatte. Zur Sicherung der Reichsgrenze beginnt Karl die langwierigen Sachsenkriege; durch die Unterwerfung der noch heidnischen Sachsen (geteilt in Westfalen, Engern, Ostfalen, Nordalbinger) wird die Einigung der deutschen Volksstämme im Frankenreiche vollendet.
Erster Sachsenkrieg. Maifeld zu Worms, von da aus Zug gegen die Engern. Eroberung der Eresburg (Stadtberge an der Diemel), Zerstörung der Irminsul, eines heiligen Denkmals.
Zug nach Italien; Zerstörung des Langobardenreiches.
Da Papst Hadrian I. sich weigert, Karlmanns Söhne zu Königen der Franken zu krönen, besetzt Desiderius die Pentapolis und bedroht Rom. Karl als Patricius von Rom kommt dem Papst zu Hilfe. Einnahme von Pavīa nach langwieriger Belagerung; Desiderius in ein Kloster gebracht. Karl krönt sich mit der eisernen Krone der Langobarden und wird König von Italien (Langobardenreich, also Nord- und Mittel-Italien; Süd-Italien bleibt teils im Besitz der Byzantiner, teils selbständig unter dem Herzog von Benevent). Karl bestätigt dem Papst die Schenkung seines Vaters.
Fortsetzung des Sachsenkrieges: 775 Zug von Düren aus nach Westfalen, Eroberung der Sigiburg (Hohensyburg am Einfluß der Lenne in die Ruhr). 776 von Worms aus Wiederherstellung der von den Sachsen zerstörten Eresburg und Zug bis zur Lippe, 777 Maifeld in Paderborn.
Zug nach Spanien, veranlaßt durch ein Hilfsgesuch des Emirs von Saragossa gegen den Kalifen von Cordŏva. Pamplona erobert, Saragossa belagert. Beim Rückzuge überfallen die Basken im Tal Roncesvalles die Nachhut des Heeres. Tod des in der Sage gefeierten Helden Roland. Infolgedessen die spanischen Eroberungen verloren.
Inzwischen neue Erhebung der Sachsen unter Widukind. Karl siegt 779 bei Bocholt an der Aa (nördlich von Wesel), zieht 780 von der Eresburg aus nach Lippspringe und von da bis zur Elbe. Die Sachsen unterwerfen sich, Einführung des Christentums.
Zug nach Italien, Zusammenkunft mit dem Papste in Rom.
Abermals Aufstand der Sachsen unter Widukind. Sie vernichten ein fränkisches Heer, welches mit ihnen zusammen die wendischen Sorben bekämpfen soll, am Berge Süntel. Deshalb Strafgericht zu Verden an der Aller, 4500 Sachsen getötet. 783 infolge dieser Bluttat neuer, furchtbarer Aufstand. Karl siegt erst bei Detmold, dann an der Hase, dringt bis zur Elbe verwüstend vor. 785 unterwirft sich Widukind und wird Christ.
Einführung der fränkischen Grafschaftsverfassung in Sachsen. Anfänge des städtischen Lebens knüpfen sich an die nach und nach gegründeten Bischofsitze: Bremen, Münster, Paderborn, später Osnabrück, Verden, Minden; unter Ludwig dem Frommen Hildesheim und Halberstadt.
Zug nach Italien; Herzog Arichis von Benevent unterwirft sich.
Aufhebung des Herzogtums Bayern nach zweimaliger Auflehnung des Herzogs Tassilo; dieser wird in ein Kloster geschickt.
Krieg gegen die Slaven (Wenden); Karl zieht von Köln aus durch Sachsen, überschreitet die Elbe, besiegt den Stamm der Wilzen, dringt bis zur Peene vor.
Krieg gegen die Avaren (S. 148), welche Tassilo unterstützt hatten; Zug von Regensburg aus bis zur Raab.
Karl und sein gleichnamiger ältester Sohn unterdrücken einen neuen Aufstand der Sachsen, mit zwei getrennten Heeren eindringend. Fernere Züge 795–799, viele Sachsen hinweggeführt und in fränkischem Gebiet angesiedelt.
Karls Sohn Ludwig bekämpft die Mauren, gründet bis 811 die spanische Mark (Barcelona 801 erobert).
Karls Sohn Pippin erstürmt den Königsring (Hauptlager) der Avaren zwischen Donau und Theiß. Das Land zwischen Enns und Raab wird als Avarische Mark mit deutschen Ansiedlern besetzt, Salzburg 798 zum Erzbistum erhoben, ebenso um dieselbe Zeit Köln.
Karl erneuert das weströmische Kaisertum.
Papst Leo III., von Verwandten seines Vorgängers Hadrian bei einem Aufstande mißhandelt und verjagt, sucht Schutz bei Karl im Lager zu Paderborn (799). Karl läßt ihn mit bewaffnetem Geleit nach Rom zurückführen, begibt sich zunächst nach Aachen, dann nach der Nordseeküste, um eine Flotte und befestigte Küstenplätze einzurichten zur Abwehr der seeräuberischen Normannen, zieht dann nach Italien und wird am Weihnachtsfest 800 in der Peterskirche zu Rom vom Papste als römischer Kaiser gekrönt. Gesandte des Kalifen Harun al Raschid begrüßen ihn 801 in Ivrea, Gesandte des oströmischen Reiches 802 in Aachen.