Alexander der Große.
Er zieht mit Heeresmacht nach Korinth (Diogenĕs) und läßt sich die Machtstellung seines Vaters übertragen, sichert dann die Nordgrenze seines Reiches durch einen Zug gegen die Triballer, Geten und Illyrier, wobei er die Donau überschreitet. Auf die Nachricht von einer Erhebung der Griechen erscheint er 335 zum zweitenmal in Griechenland, schlägt die Thebaner, zerstört Theben mit Ausnahme der Kadmeia, der Tempel und des Hauses des Dichters Pindar (522–422), und läßt die Einwohner als Sklaven verkaufen. Die Athener unterwerfen sich und erhalten Verzeihung. Antipăter bleibt als Reichsverweser in Makedonien zurück.
Zug Alexanders gegen Persien.
Alexander fährt mit 30000 Fußsoldaten und 5000 Reitern (Feldherren Perdikkas, Kleitos, Parmenion, Hephaistion, Kratĕros, Ptolemaios, Antigŏnos) bei Abȳdos über den Hellespont, schlägt die persischen Satrapen und Memnon, den Führer der griechischen Söldner des Dareios, in der
Schlacht am Granīkos,
einem kleinen Flusse in Troas. Rettung Alexanders durch Kleitos.
Alexander zieht südwärts, erklärt die griechischen Städte und Inseln für frei von der persischen Herrschaft (S. 55), erobert Milet und Halikarnassos. Weiterer Marsch durch Karien und Lykien, dann nordwärts in das Innere; Aufenthalt zu Gordion in Phrygien, wo Verstärkungen seines Heeres eintreffen; er löst den gordischen Knoten mit dem Schwert.
Zug durch Kappadokien nach Kilikien, Erkrankung in Tarsos (Bad im Flusse Kydnos, der Arzt Philippos); durch die syrischen Pforten nach der Küstenstadt Myriandros in Syrien. Unterdes ist König Dareios III. (Kodomannos) mit einem großen Heere vom Euphrat herangezogen und den Makedoniern in den Rücken gekommen. Auf die Kunde hiervon kehrt Alexander um und erficht über die Perser in der
Schlacht bei Issos
an der Küste von Kilikien einen glänzenden Sieg. Dareios entkommt, seine Mutter, Gemahlin und Kinder fallen in die Hände des Siegers.
Um die persische Seemacht aufzulösen, erobert Alexander Syrien und Phönikien (7monatige Belagerung der Inselstadt Tyros) dringt dann in Ägypten ein, wird in Memphis als Befreier begrüßt. Gründung der Stadt Alexandreia in trefflich gewählter Lage. Zug durch die libysche Wüste nach der Oase Siwah zum Orakel des Zeus Ammon. Von Ägypten zieht Alexander 331 zurück nach Tyros, dann durch Syrien zum Euphrat, den er bei Thapsakos überschreitet, dann durch Mesopotamien. Jenseits des Tigris schlägt er mit 47000 Mann das vielfach überlegene Heer der Perser in der
Schlacht bei Gaugamēla oder Arbēla
nicht weit von den Ruinen von Ninive. Während Dareios nach Medien entflieht, wendet sich Alexander nach Süden, zieht, ohne Widerstand zu finden, in Babylon ein, nimmt darauf Susa, dringt durch die persischen Pässe, zieht als Sieger in Persepŏlis und Pasargădä ein. Verbrennung des Königspalastes der Achämeniden in Persepolis,
Alexander zerstört das Perserreich.
Dareios flieht weiter nach Osten; Alexander zieht in Agbatana ein, gelangt dann durch die kaspischen Pässe nach Parthien. Dareios wird in der Nähe von Hekatompylos von dem Satrapen Bessos ermordet, der nach Baktrien entweicht und den Königstitel annimmt. Die Leiche des Königs auf Alexanders Befehl feierlich in Pasargadä bestattet. In Hyrkanien unterwerfen sich dem Sieger die noch übrigen griechischen Söldner des Dareios. Alexander zieht weiter durch Areia nach Drangiana; hier wird in Prophthasia die Verschwörung des Philōtas entdeckt. Er wird vom Heere verurteilt und hingerichtet, sein Vater Parmenion wird auf Alexanders Befehl in Agbatana getötet. Dann Zug durch Arachosien bis zum Fuße des Paropamīsos (Hindukusch).
Alexander überschreitet den Paropamisos und dringt in Baktrien ein; Bessos wird ihm ausgeliefert und hingerichtet. Dann Zug durch Sogdiana bis zum Jaxartes (Sir Darja), wo er an der Grenze gegen die Skythen die Stadt Alexandreia Eschăte gründet. Durch einen gefährlichen Aufstand unter Spitamĕnes wird er längere Zeit in diesen Gegenden festgehalten. In Marakanda (jetzt Samarkand) ersticht er im Jähzorn den Kleitos 328. In Baktra Vermählung mit Roxane, der Tochter eines baktrischen Fürsten. Alexander beginnt orientalische Kleidung und Lebensweise anzunehmen. Verurteilung seines Jugendgefährten Kallisthĕnes, der dies mißbilligte.
Zug Alexanders nach Indien.
Mit seinem durch asiatische Truppen ansehnlich verstärkten Heere gelangt Alexander unter harten Kämpfen mit den Bergvölkern zum Indus, überschreitet den Strom und betritt das Fünfstromland (Pendschab). Vereint mit dem indischen Fürsten von Taxila (Taxĭles), der sich ihm unterwirft, besiegt er in der
Schlacht am Hydaspes
den Pōros, der gefangen, großmütig behandelt und als Vasall wieder in seine Herrschaft eingesetzt wird.
Gründung der Städte Nikäa und Bukephăla. Alexander rückt nach Osten bis zum Hyphăsis vor. Hier weigern sich die Makedonier weiter zu marschieren; Alexander entschließt sich zur Umkehr, führt aber seinen Vorsatz, den Ozean zu erreichen, durch. Bau einer großen Flotte, auf der ein Teil des Heeres den Hydaspes hinab in den Akesĭnes einfährt, während der andere (mit 200 Elefanten) am Flußufer entlang marschiert. Kampf mit den Mallern; Alexanders tollkühne Tapferkeit und schwere Verwundung. Nach seiner Genesung setzt er Marsch und Fahrt fort und gelangt zum Einfluß der vereinigten Pendschabströme in den Indus.
Fahrt und Zug den Indus hinunter. Kratĕros tritt mit einem Teile des Heeres auf dem näheren Wege nach Westen den Rückzug nach Persien an, Alexander marschiert und fährt mit dem andern Teile bis zum Indus-Delta. Hier läuft die Flotte unter Nearchos in den Indischen Ozean ein (Ebbe und Flut). Nearchos fährt die Küste nach Westen entlang in den Persischen Meerbusen, während Alexander mit dem Landheer durch das wüste Gedrosien (Belutschistan) zieht. Nach beschwerlichem Marsche kommt er in Karmanien an, trifft mit Kratĕros zusammen und später an der Küste mit Nearchos, der dann weiter fahren und die Mündung des Euphrat und Tigris erkunden muß. Damit ist der Seeweg von Babylon nach Indien erforscht.
Rückkehr Alexanders nach Persien und Strafgericht über habsüchtige und grausame Statthalter, die den König und sein Heer für verloren gehalten hatten. Ankunft in Susa. Hier enthüllt Alexander seinen großen Plan, den Orient zu hellenisieren, Sieger und Besiegte zu einer Nation zu verschmelzen und ein großes makedonisch-persisches Weltreich zu gründen. Er vermählt sich mit Stateira, der älteren Tochter des Königs Dareios III., sein Feldherr Hephästion mit der jüngeren; viele Offiziere des Heeres und über 10000 Soldaten nehmen asiatische Frauen. Große Pläne zur Eröffnung neuer Handelswege (Umfahrt Arabiens), zum Bau von Verkehrsstraßen für die mehr als 70 in allen Provinzen des Reiches gegründeten griechischen Städte. Alexander beansprucht als Nachfolger des »Großkönigs« göttliche Verehrung.
Aufstand des makedonischen Heeres in Opis am Tigris, durch Alexanders Mut und Klugheit beschwichtigt. Entlassung der reich belohnten Veteranen unter Kratĕros nach Makedonien, während Antipăter von dort neue Truppen herbeiführen soll. — Zug nach Agbatana, wo Hephästion stirbt. Im Lager unweit Babylon erscheinen vor Alexander zahlreiche Gesandtschaften aus Griechenland, Italien und Afrika (Karthago). Von Babylon aus wird eine Erforschung des Euphrat unternommen.
Tod Alexanders des Großen
in dem zur Hauptstadt des neuen Weltreichs bestimmten Babylon.
In Griechenland erheben sich 330 die Spartaner unter ihrem Könige Agis III., Antipăter besiegt sie in der blutigen Schlacht bei Megalopŏlis. Gleich darauf in Athen Prozeß des Äschines gegen Ktesiphon, welcher 336 einen Ehrenkranz für Demosthenes beantragt hatte. Äschines geht nach der glänzenden Verteidigungsrede des Demosthenes in die Verbannung nach Rhodos. Neue Aufregung 324, als Alexanders Schatzmeister Harpălos nach Griechenland flüchtet und Alexander das Gebot verkünden läßt, ihn als Gott zu verehren und die Verbannten wieder aufzunehmen. Demosthenes, fälschlich angeklagt wegen Veruntreuung der dem Harpalos abgenommenen Gelder, wird nun verbannt, kehrt aber bald zurück und bewirkt, als die Kunde von Alexanders Tode kommt, in Gemeinschaft mit Leosthĕnes und Hypereides eine Erhebung der Griechen unter Athens Führung,
Lamischer Krieg.
Die Hellenen kämpfen anfangs glücklich unter Leosthĕnes und schließen Antipăter in Lamia ein, doch wird er durch ein von Leonnātos herangeführtes Entsatzheer befreit. Auch Kratĕros mit den Veteranen Alexanders kommt ihm zu Hilfe; beide vereinigt siegen bei Krannon in Thessalien (322). Das griechische Heer zerstreut sich, die Staaten unterwerfen sich einzeln. Die Athener müssen eine makedonische Besatzung in Munychia aufnehmen und die demokratische Verfassung beschränken (Phokion und Demādes an der Spitze des Staats), das Bürgerrecht wird an einen Census geknüpft. Demosthenes flüchtig, nimmt auf der Insel Kalaurĭa (an der Küste von Argŏlis) Gift (322).
Kämpfe der Diadochen (Nachfolger Alexanders).
Diese langen und verwickelten Kämpfe, die unmittelbar nach Alexanders Tode ausbrechen, zerstören das kaum gegründete makedonisch-persische Weltreich, führen aber das von Alexander begonnene Werk der Hellenisierung des Orients, der Ausbreitung griechischer Kultur und Sprache, in anderer Weise erfolgreich weiter.
Perdikkas wird 323 zum Reichsverweser ernannt für die regierungsunfähigen »Könige«, Alexanders Halbbruder Philipp Arrhidaios († 317) und seinen nachgeborenen Sohn von der Roxane, Alexander († 311). Die Verwaltung Makedoniens und seiner Nebenländer führen Antipăter und Kratĕros. Auch die übrigen Feldherren erhalten Statthalterschaften, namentlich Ptolemaios: Ägypten; Antigŏnos: Groß-Phrygien, Pamphylien und Lykien; Eumĕnes, Alexanders Geheimschreiber: Paphlagonien und Kappadokien, die er noch erobern soll; Leonnātos († 322): das hellespontische Phrygien; Lysimachos: Thrakien. Der Plan des Perdikkas, sich selbst zum Könige zu machen, bewirkt ein Bündnis der meisten übrigen Feldherren gegen ihn; er wird auf einem Zuge gegen Ptolemaios von seinen eigenen Truppen getötet.
Antipăter Reichsverweser, neue Verteilung der Statthalterschaften, wobei namentlich Seleukos die Satrapie Babylon erhält. Krieg zwischen Antigŏnos und Eumĕnes.
Polysperchon Reichsverweser, gelangt zu keinem Ansehen. In den fortdauernden Kämpfen siegt Antigŏnos in Kleinasien über Eumĕnes; Kassander, Antipaters Sohn, gewinnt die Herrschaft in Makedonien, läßt Alexanders Mutter Olympias töten und vermählt sich mit Alexanders Schwester Thessalonīke, gründet ihr zu Ehren eine bald aufblühende Handelsstadt (jetzt Saloniki).
Da Antigŏnos das ganze Reich unter seine Botmäßigkeit bringen will, so entsteht ein.
Krieg zwischen Antigŏnos und den übrigen Statthaltern.
Antigŏnos und sein Sohn Demetrĭos Poliorkētes (der Städtebelagerer) nehmen 306 den Königstitel an. Diesem Beispiele folgen Ptolemaios, Seleukos, Lysimachos, Kassander.[17]
Demetrios belagert 304 vergeblich die feste Stadt Rhodos, sucht dann sich in Griechenland festzusetzen.
Schlacht bei Ipsos (in Phrygien).
Antigŏnos fällt, sein Sohn Demetrĭos entflieht und führt mehrere Jahre lang ein abenteuerliches Freibeuterleben.
In Asien für die nächste Zeit Friede; in Europa dauern die Kämpfe fort. Nach Kassanders Tode (297) bemächtigt sich Demetrios der Herrschaft in Makedonien, wird aber 287 vertrieben und stirbt als Gefangener in der Gewalt des Seleukos in Syrien. Sein Sohn Antigŏnos Gonātas behauptet sich nach wechselvollen Kämpfen im Besitz Makedoniens.
Aus dem Weltreich Alexanders d. Gr. sind drei große Monarchien entstanden (Ägypten, Syrien, Makedonien), in denen Griechisch die Sprache des Hofes, der Regierung und der Gebildeten ist. Daneben mehrere kleinere Monarchien, griechische Freistädte und im Osten halbgriechische Staaten (S. 65ff).
Ptolemaios I. Lagi (d. h. Sohn des Lagos), auch Sotēr genannt, weil er den Rhodiern Hilfe brachte, sorgt für gute Verwaltung, herrscht auch über Cypern, setzt in Kyrene seinen Stiefsohn Magas ein.
Ptolemaios II. Philadelphos gründet in der Hauptstadt Alexandrīa das Museum und die Bibliothek, gewinnt im Kriege gegen das Seleukidenreich Phönikien, Cölesyrien und die Südküste Kleinasiens.
Ptolemaios III. Euergĕtes (der Wohltäter) behauptet noch den Umfang des Reiches, fördert Wissenschaften und Künste. Mit Ptolemaios IV. Philopātor (221–205) beginnt der Verfall; unter Ptolemaios V. Epiphănes (205–181) beginnt die Abhängigkeit von den Römern, doch erst 30 v. Chr. wird Ägypten römische Provinz.
Seleukos I. Nikātor herrscht weithin nach Osten bis zu den durch Alexander festgesetzten Grenzen; nur das Indusland wird aufgegeben (S. 16). Viele griechische Städte gegründet (Seleukeia am Tigris, Edessa, Hekatompylos); Residenz Seleukeia neben Antiochīa am Orontes. Durch den Sieg bei Ipsos gewinnt er einen großen Teil Kleinasiens, erweitert dies Gebiet 281 durch den Sieg in der Koros-Ebene (im hellespontischen Phrygien) über Lysimăchos, fällt aber bald darauf durch Mörderhand.
Antiochos I. Soter schlägt die Gallier zurück (s. S. 66), behauptet noch den Umfang des Reiches. Unter Antiochos II. Theos (261–248) entstehen selbständige Königreiche in Baktrien und Parthien.
Antiochos III. der Große kämpft gegen Ägypten, gegen die Parther und Baktrer, wird 190 von den Römern gedemütigt, behält aber immer noch ein ansehnliches Reich.
Befreiungskampf der Juden unter Führung der Makkabäer (Mattathias und seine Söhne) gegen Antiochos IV. Epiphănes und dessen Nachfolger. Palästina wird ein unabhängiger Priesterstaat, seit 63 unter römischem Schutze.
Tigrānes, König von Armenien, macht dem durch das Vordringen der Parther geschwächten Seleukidenreiche ein Ende.
Syrien wird römische Provinz.
Das Reich der Parther, die unter den Arsakiden (250 vor Chr. bis 226 nach Chr.) alle Länder zwischen Euphrat und Indus erobern, bildet im Orient einen Damm erst gegen den Hellenismus, dann gegen die Römerherrschaft.
a) Bithynien, das sich 298 von dem thrakischen Reich des Lysimachos losriß; Residenz Nikomedeia, gegründet um 264 von König Nikomedes I. Nikomedes III. setzt 74 die Römer zu Erben ein.
b) Das pergamenische Reich unter den Attaliden mit der Hauptstadt Pergămon in Mysien,[18] nach Lysimachos’ Tode 281 selbständig, aufblühend unter König Attălos I. († 197), der die Galater (s. u.) zurückschlug und die Bibliothek gründete, und seinem Sohne Eumenes II. († 159), dem treuen Bundesgenossen der Römer. Attalos III. setzt 133 die Römer zu Erben ein.
c) Die griechischen Seestädte, namentlich Sinōpe, Herakleia am Pontus, Lampsăkos, Smyrna, Ephesos, Rhodos.
d) Der Bundesstaat der Galăter, gegründet von gallischen Heerhaufen, welche 280 in Makedonien und Griechenland einbrachen, dann den Hellespont überschritten und sich in Phrygien niederließen; drei Stämme (Tolistobojer, Tektosagen, Trokmer) unter je 4 Tetrarchen; Hauptstädte Ankȳra (Angora) und Pessinūs.
e) Kappadokien, Pontus, Armenien, drei Königreiche unter einheimischen Dynastien, welche ebenso wie die Galăter nur zum Teil griechische Kultur annahmen.
Antigonos Gonātas (277–239) beruhigt das durch die Thronkämpfe und den Einfall der Gallier verwüstete Land, gibt die Ansprüche auf Herrschaft über Griechenland nicht auf. Sein zweiter Nachfolger Antigonos Doson (229–220) befestigt diese Herrschaft aufs neue (s. S. 68); Philipp V. (220–179) muß 197 darauf verzichten. Perseus (179–168) wird von den Römern entthront; 146 wird Makedonien römische Provinz.
In Italien (Großgriechenland) behaupten sich die Griechenstädte, besonders Tarent, Thurii, Metapont, Lokri, öfters vom Mutterlande her unterstützt (338 Archidamos von Sparta, Sohn des Agesilaos, 330 Alexander von Epirus, Bruder der Olympias), gegen Angriffe der Lukaner und Bruttier; ebenso in Gallien Massalia gegen die einheimischen Stämme. Später treten sie unter römische Schutzherrschaft, Massalia erst 125 v. Chr.
Syrakus behauptet nach Abwehr des athenischen Angriffs (S. 50) noch lange eine bedeutende Stellung.
Dionysios I., Tyrann nach glücklicher Abwehr der Karthager. Er vereinigt die sicilischen Griechenstädte unter seiner oft grausamen Herrschaft, unterwirft auch Rhegion und Kroton, bekämpft noch dreimal die Karthager. Auf Veranlassung seines Schwagers Dion verweilt der athenische Philosoph Platon eine Zeitlang an seinem Hofe. Ihm folgt sein Sohn
Dionysios II., anfangs unter Leitung des Dion und Platon. Er wird 357 von Dion vertrieben, wendet sich nach Lokri, kehrt 346 zurück, wird 344 von dem korinthischen Feldherrn Timoleon besiegt und nach Korinth gesandt, wo er noch einige Jahre als Privatmann lebt.
Timoleon, der Befreier Siciliens, schlägt die Karthager am Flusse Krimīsos.
Agathŏkles, Tyrann von Syrakus, bekämpft die Karthager in Afrika, erkennt aber schließlich ihre Herrschaft über den Westen Siciliens an.
Pyrrhos, König von Epirus, schützt die sicilischen Städte gegen Angriffe der Karthager.
Hieron II., König von Syrakus, schließt mit den Römern ein Bündnis. Unter seiner milden Regierung blüht die Stadt wieder auf.
Syrakus von den Römern erobert, wird zinspflichtige Provinzialstadt.
In Athen kommt während des Kampfes gegen Kassander (S. 64) die demokratische Partei noch einmal zur Herrschaft; Phokion wird 318 zum Giftbecher verurteilt. Bald aber muß Athen sich der makedonischen Macht wieder unterwerfen. Demetrios von Phalēron regiert als Statthalter Kassanders, wird 307 von Demetrios Poliorkētes vertrieben. Nach der Schlacht bei Ipsos versucht Athen seine Freiheit wieder herzustellen, wird aber 294 dem Demetrios Poliorkētes als König von Makedonien untertan.
Befreiungskrieg der Athener unter Glaukon und Chremonides, doch ohne Erfolg.
König Antigonos Doson zieht, auf Verwendung des Aratos (s. S. 68), die makedonische Besatzung zurück. Athen ist fortan selbständig, aber ohne politische Macht, es bleibt jedoch Sitz der Bildung und Gelehrsamkeit.
Theben, von Kassander wieder hergestellt (vgl. S. 59), sendet 278 zusammen mit Athen, Phokis, Lokris und den Ätolern ein Heer zur Verteidigung des Thermopylenpasses gegen die durch Makedonien vordringenden Gallier (S. 66); diese erobern den Paß, kehren aber um nach einer Niederlage bei Delphi. Thessalien, Euböa, Korinth sind um diese Zeit makedonisch. Die vollständige Unterwerfung Griechenlands unter die makedonische Herrschaft verhindert der um
erweiterte Ätolische Bund und der zur selben Zeit erneuerte Achäische Bund.
Letzterer gelangt zu ansehnlicher Macht durch den von Arātos bewirkten Beitritt der Städte Sikyon und Korinth; aus Korinth wird 243 die makedonische Besatzung vertrieben. Bald schließen sich Megara, Megalopolis, Argos u. a. peloponnesische Städte dem Achäischen Bunde an. Verfassung des Bundes: An der Spitze ein jährlich gewählter Feldherr (Strategos), ihm zur Seite ein Kanzler (Grammateus) und ein Rat von 10 Demiurgen; in den Bundesversammlungen (zu Ägion) dürfen alle über 30 Jahre alten Bürger der verbündeten Städte erscheinen, jede Stadt hat eine Stimme. Ähnlich ist die Verfassung des Ätolischen Bundes, zu welchem auch Lokris, Phokis, Teile von Akarnanien und Thessalien gehören.
In Sparta, das unter der Herrschaft einer reichen Oligarchie entartet ist, büßt der junge König Agis IV. den Versuch, die lykurgischen Einrichtungen herzustellen, mit dem Leben (241). Besseren, aber nur vorübergehenden Erfolg hat der gleiche Versuch des Königs Kleomĕnes III., welcher die Ephoren überfallen und töten läßt, 80 Oligarchen verbannt und eine Verfassungsreform durchsetzt (226). Aber unheilvoll ist die Feindschaft zwischen Sparta und dem Achäischen Bunde. Arātos ruft den makedonischen König Antigŏnos Doson herbei und übergibt ihm die Burg von Korinth. Die Spartaner werden in der
Schlacht bei Sellasĭa
geschlagen; Kleomĕnes flieht, stirbt 220 in Ägypten. Antigonos rückt in Sparta ein und stellt dort die Herrschaft der Oligarchen wieder her. Die makedonische Oberhoheit wird durch Abschluß eines makedonisch-hellenischen Bundes befestigt. Dagegen erhebt sich ein neuer Krieg von Seiten des Ätolischen Bundes, mit welchem die Spartaner sich verbinden; die Peloponnes wird furchtbar verwüstet (220–217).
Nach kurzer Friedenszeit abermals Krieg (211–205) der mit Rom verbündeten Ätōler und Spartaner gegen Philipp V. von Makedonien; dieser behauptet die Herrschaft über Thessalien, Euböa, Phokis, Lokris, Korinth. Im dritten Kriege (200–197) schließt sich auch der Achäische Bund den Feinden Philipps an.
Aufhebung der makedonischen Herrschaft über Griechenland. Die Römer walten fortan als Schiedsrichter über den griechischen Staaten.
Philopoimen, Feldherr des Achäischen Bundes, bringt Sparta zum Anschluß an den Bund, nachdem der von ihm bekämpfte Tyrann Nabis gefallen ist. Bald schließen auch Elis und Messenien sich an; die Freundschaft mit Rom wird aufrecht erhalten.
Die Ätoler wegen feindlicher Erhebung gegen Rom bestraft.
Philopoimen von den abtrünnigen Messeniern gefangen und getötet; der Achäische Bund durch Streitigkeiten zerrüttet.
Tausend angesehene Achäer werden zur Verantwortung nach Rom gefordert.
Krieg des Achäischen Bundes gegen Rom, veranlaßt durch Klagen der Spartaner gegen den Bund. Der Bundesfeldherr Kritolāos wird von Q. Caecilius Metellus bei Skarpheia am Malischen Meerbusen besiegt, sein Nachfolger Diaios von L. Mummius bei Leukopĕtra auf dem Isthmos.
Korinth von den Römern erobert und zerstört.
Die griechischen Staaten werden zum Teil tributpflichtig; sie behalten ihre eigene Verfassung und Verwaltung, stehen aber fortan unter der Aufsicht des römischen Statthalters von Makedonien.
Einrichtung der römischen Provinz Achaja (Peloponnes, Mittel-Griechenland, Thessalien und Epirus).
Das in Griechenland frühzeitig entwickelte Geistesleben (S. 28 f., 37 f.), welches in Athen zu Perikles’ Zeit zu hoher Blüte gelangte (S. 46), hat auch nachher noch mannigfaltige und bedeutende Erscheinungen aufzuweisen.
In der bildenden Kunst sind berühmte Zeitgenossen des Pheidias Myron von Eleutherä in Böotien (Diskobolos) und Polykleitos von Argos (Hera in Argos); Schüler des Pheidias Alkamĕnes und Paionios (Skulpturen in Olympia). Dann folgen Skopas von Paros (Mausoleum zu Halikarnaß 350, Niobegruppe) und Praxitĕles von Athen (Hermes zu Olympia); in Alexanders Zeit der Erzgießer Lysippos von Sikyon. Nach den Diadochenkämpfen die pergamenische Kunstschule (Zeusaltar zu Pergamon, der sterbende Fechter) und die rhodische Kunstschule (Laokoongruppe, farnesischer Stier).
Als Maler ragen hervor Zeuxis von Herakleia, Parrhasios von Ephesos (beide in Athen zu Sokrates’ Zeit), Apelles von Kos in Alexanders Zeit.
In Athen entfaltete sich Philosophie, Geschichtschreibung und Beredsamkeit zur höchsten Blüte; Platon von Athen (427–347) und seine Nachfolger (Akademiker) lehrten in der Akademie, Aristoteles von Stageira, Lehrer Alexanders des Großen (388–322), lehrte im Lykeion; seine Schüler die Peripatetiker. Um 300 gründete Zenon von Kition in der Stoa (Halle) die Schule der Stoiker, Epikūros von Samos die Schule der Epikureer. Diese vier Philosophenschulen erhalten sich bis weit in die römische Kaiserzeit hinein.
Geschichtschreiber: Xenophon von Athen, Ephŏros von Kyme, Theopompos von Chios († um 320), Timaios von Tauromenion († um 250). Redner: Antĭphon, Lysias, Isokrătes († 338), Demosthenes († 322), Äschines, Hypereides, Lykurgos.
Dichter der neuern Komödie: Philēmon und Menander um 300 zu Athen.
In Alexandria um 270 die Dichter Kallimachos von Kyrene, Theokrit von Syrakus, Apollonios, der später in Rhodos lebte; der Mathematiker Eukleides um 300, der Geograph Eratosthĕnes um 240, die Grammatiker Zenodotos um 280, Aristarchos um 180 (Erklärung des Homer).
Für die Aufnahme der griechischen Bildung bei den Römern waren besonders wirksam der Stoiker Panaitios von Rhodos und der Geschichtschreiber Polybios von Megalopolis, beide mit dem jüngeren Scipio befreundet (um 146). Nachblüte der griechischen Literatur und Kunst in der römischen Kaiserzeit.
Italia,[19] ursprünglich Name des südlichsten Teils der Halbinsel, wird allmählich Gesamtname. Ursprünglich von sehr verschiedenen Völkerschaften bewohnt, gelangt Italien durch die Machtausbreitung der Stadt Rom zu nationaler und politischer Einheit, ohne die landschaftlichen Unterschiede zu verlieren.
Als älteste Einwohner erscheinen in Ober-Italien westlich die Ligŭrer, östlich die Venĕter, beides illyrische Stämme. Ihnen verwandt sind in Unter-Italien die Japyger. Die Mitte der Halbinsel bewohnen westlich die Latiner und Ausoner (Latium und Campanien), östlich die Umbrer und die sabellischen Stämme, welche sich erobernd ausbreiten: nach Latium dringen die Aequer und Volsker vor, in südlicher Richtung die Samniten und Lucaner, im Stammlande bleiben die Sabiner.
Höhere Kultur entwickelt sich zuerst bei den Etruskern oder Tyrrhenern (etrusk. Rasenna), die in Etrurien und in der mittleren Po-Ebene wohnen, unter phönikischem Einfluß (s. S. 13). Sie gründen Städte und stehen seit etwa 750 v. Chr. in lebhaftem Handelsverkehr mit Karthagern und Griechen. In den Gräbern (Gewölbebauten) bei Tarquinii, Caere, Clusium, Bononia (jetzt Bologna) haben sich bedeutende Reste ihrer Kultur erhalten: Wandmalereien, Goldschmuck, Waffen, Tongefäße. Sie dringen um 600 v. Chr. erobernd vor nach Latium und Campanien, werden aber gehemmt durch die selbständige Entwickelung Roms und verlieren seit 438 Campanien an die vordringenden Sabeller. In die Po-Ebene dringen um diese Zeit keltische Stämme von Norden her ein; nach ihnen heißt dieses Land fortan Gallia cisalpina.
In Latium bestand in alter Zeit ein Bund von 30 Gemeinden mit jährlichem Bundesfest auf dem Albanerberge zu Ehren des höchsten Gottes Juppiter; Vorort war Alba longa, auf halber Höhe des Berges gelegen. Rom, als Grenzplatz gegen die Etrusker gegründet, verstärkt durch Aufnahme von Sabinern, erhebt sich zur herrschenden Stadt. An der Spitze der Latiner unterwirft es die andern Völker Italiens nach und nach und wird dann Mittelpunkt eines Weltreiches. Die ältere Geschichte Roms ist in der Überlieferung sagenhaft ausgeschmückt.
Gründungssage: König Numĭtor von Alba longa, Nachkomme des mit trojanischen Flüchtlingen in Latium gelandeten Aenēas, wird von seinem Bruder Amulĭus des Thrones beraubt, sein Sohn getötet, seine Tochter Rea Silvia, damit das Geschlecht des Numĭtor aussterbe, unter die vestalischen Jungfrauen aufgenommen. Die Zwillinge Romŭlus und Remus, Söhne der Rea Silvia und des Kriegsgottes Mars, befiehlt Amulĭus in den über die Ufer getretenen Tiber zu werfen. Die Kinder werden gerettet, von einer Wölfin gesäugt und von dem königlichen Hirten Faustŭlus auferzogen. Zu Jünglingen herangewachsen, machen Romulus und Remus an der Spitze anderer Hirten Jagd- und Beutezüge. Remus wird gefangen und vor Numitor geführt, dieser erkennt seine Enkel. Sie töten den Amulius, setzen Numitor wieder als König ein und gründen mit seiner Erlaubnis an der Stelle des Tiberufers, wo sie einst ausgesetzt wurden, eine Stadt. Bei dem Streit darüber, wer sie nach seinem Namen nennen und beherrschen soll, wird Remus getötet; Romulus, alleiniger König, gründet die Stadt Roma auf dem Hügel Palatinus. Als Gründungstag galt seit Varro (1 Jahrh. vor Chr.) der 21. April (Fest der Hirtengöttin Pales) des Jahres 753 v. Chr.
Romulus, kriegerischer König, nimmt Flüchtlinge aus anderen Städten auf (Asyl auf dem Mons Capitolinus), erwählt einen Senat von 100 Mitgliedern. Raub der Sabinerinnen beim Fest der Consualia; deshalb Krieg mit den Nachbarstädten Caenina, Antemnae, Crustumerium (Romulus gewinnt die ersten spolia opima) und mit den Sabinern, deren König Titus Tatius sich durch den Verrat der Tarpeia des Burgfelsens bemächtigt. Die Schlacht zwischen Römern und Sabinern wird durch die geraubten Sabinerinnen unterbrochen. Vereinigung der Römer und Sabiner zu einem Staate unter gemeinschaftlicher Regierung des Romulus und Tatius bis zu des letzteren Tode. Romulus führt Kriege gegen die Etruskerstädte Fidenae und Veii. Er wird während eines Gewitters zu den Göttern entrückt und fortan als Gott Quirīnus verehrt.
Numa Pompilius, aus Cures, nach einjährigem Interregnum von den Römern aus den Sabinern erwählt. Friedlicher König, Ordner des römischen Gottesdienstes, nach dem Rat der Camene Egerĭa, seiner Gemahlin. Janustempel, ein in Kriegszeiten geöffnetes Tor zwischen den beiden Ansiedelungen auf dem Palatinus und Quirinalis, am Fuße der gemeinschaftlichen Burg auf dem Capitol. Einsetzung der Pontifices, Augŭres, Flamĭnes, Salii, Fetiales, virgines Vestales.
Tullus Hostilius, kriegerischer König. Krieg mit Veii und Fidenae, Verrat des Diktators von Alba, Mettius Fuffetius, der von Pferden gevierteilt wird. Alba longa zerstört (Horatier und Curiatier), die Bewohner siedeln nach Rom über.
Ancus Marcius, Enkel des Numa, zugleich friedlicher und kriegerischer König (»et Numae et Romuli memor«). Er stellt die von seinem Vorgänger vernachlässigten gottesdienstlichen Ordnungen wieder her und verpflanzt die Einwohner kleiner latinischer Ortschaften nach Rom, gilt deshalb als Begründer der Plebs (S. 74). Befestigung des Ianiculum, Bau der Pfahlbrücke (pons sublicius) über den Tiber. Gründung der Hafenstadt Ostĭa.
Tarquinius Priscus, aus der etruskischen Stadt Tarquinii mit seiner Gemahlin Tanaquil nach Rom eingewandert (ihm wird griechische Abstammung von dem Bakchiaden Demaratus aus Korinth zugeschrieben), wird Vormund der Söhne des Ancus und zum römischen Könige gewählt. Er beginnt den Bau des Juppitertempels auf dem Kapitol, der Kloaken (Abzugsgräben für die Niederungen zwischen den Hügeln der Stadt) der Stadtmauer und des Circus maximus. Der Senat wird auf 300 Mitglieder gebracht (patres minorum gentium). Verdoppelung der Zahl der Ritter; der Augur Attus Navius widersetzt sich der Bildung neuer Rittercenturien. Kriege gegen Sabiner und Latiner. Nach Ermordung des Tarquinius durch die Söhne des Ancus wird durch die List der Tanaquil König
Servius Tullius, Sohn der Sklavin Ocrisia und eines Gottes, von Tanaquil infolge eines Wunderzeichens königlich erzogen, Schwiegersohn des Tarquinius. Krieg gegen Veii, Aufnahme Roms in den latinischen Bund. Bau der Ringmauer um die 7 Hügel der Stadt (Palatinus, Capitolinus, Aventinus, Caelius, Esquilinus, Viminalis, Quirinalis), Einrichtung des Census und der Centurieneinteilung (s. S. 74). Servius Tullius wird ermordet von seinem Schwiegersohn
Tarquinius Superbus, den die Sage als grausamen Despoten darstellt. Er befragt den Senat nicht und zwingt das Volk zu Frondiensten beim Bau des kapitolinischen Tempels; er unterwirft sich den latinischen Bund, bemächtigt sich durch die List und den Verrat seines Sohnes Sextus der Stadt Gabii. Er erwirbt die sibyllinischen Bücher, sendet aber seine Söhne auch zum delphischen Orakel, wohin sie ihr Vetter L. Iunius Brutus begleitet, der den Spruch des Orakels am besten versteht. Während der Belagerung von Ardĕa Frevel des Sextus Tarquinius gegen Lucretia, die Gemahlin des L. Tarquinius Collatinus. Diese tötet sich selbst; Brutus ruft vor ihrem Leichnam das Volk in Rom zu den Waffen und wiegelt das Heer gegen den König auf, der die Tore der Stadt verschlossen findet und in die Verbannung geht.
Die letzten drei Könige gehören einer etruskischen Dynastie an; durch ihre Vertreibung wird Rom wieder eine latinische Stadt.
Religion. Die altitalischen Götter wurden nicht wie die griechischen menschenähnlich gedacht, sondern als unsichtbare Gewalten; Tempel und Götterbilder wurden allmählich eingeführt unter griechischem Einfluß, zuerst bei den Etruskern. Janus, Saturnus, Juppiter, Mars (Quirinus), Juno, Vesta, Ceres, Minerva sind italische Gottheiten, die später mit griechischen Göttern gleichgestellt wurden; ihre Verehrung wurde von besonderen Priestern geleitet (drei Flamines: Dialis, Martialis, Quirinalis: zwölf Salii, Diener des Mars, Träger der heiligen Schilde, ancilia; sechs Vestalinnen). Neben diesen Hauptgöttern viele andere, die als Beschützer des Landbaues an bestimmten Festen und heiligen Stätten verehrt wurden: Pales, Consus, Ops, Faunus, Silvanus, Terminus, Feronia, Flora, Pomona, Vertumnus u. a. Als Beschützer des Hauses und der Vorräte wurden die Lares und Penates angerufen. Auch sittliche Begriffe wurden als Götter gedacht und verehrt: Fides, Pietas, Honor, Virtus, Fortuna, Concordia.
Den Willen der Götter erforschten die Augŭres aus Himmelszeichen (Donner und Blitz), Vogelflug (Auspicien) und anderen Zeichen; aus Etrurien kamen die Haruspĭces hinzu, die namentlich aus den Eingeweiden der Opfertiere weissagten. Besondere Priester hatten die im kapitolinischen Tempel aufbewahrten sibyllinischen Bücher aufzuschlagen. Die Aufsicht über den gesamten Götterdienst, auch über die von einzelnen Geschlechtern und Genossenschaften (z. B. den fratres Arvales) dargebrachten Opfer hatten die Pontifices; ihnen lag daher auch die Ordnung des Kalenders ob. Verträge mit fremden Völkern unter heiligen Gebräuchen zu schließen und zu lösen war die Aufgabe der Fetiales.
Älteste Verfassung: Das Bürgerrecht umfaßt commercium, conubium, suffragium, honores (Berechtigung zu Ämtern). Die Hausväter (patres) mit ihren nächsten Angehörigen (patricii) bilden die Bürgergemeinde (populus) und zugleich die Kriegerschaft (Quintes). Sie sind eingeteilt in drei Stämme (tribus), die Ramnes, Tities und Luceres, jeder Stamm in 10 curiae, jede Curie in 10 gentes (Geschlechter). Die vom Könige zu einer Mitteilung oder Befragung berufene Bürgergemeinde der Patrizier bildet die comitia curiata. Der von ihnen erwählte König übt die Befehlsgewalt (Imperium) als oberster Priester, Richter und Heerführer aus. Beratend steht ihm zur Seite der Senat (Rat der Ältesten); er bestellt, wenn das Königtum erledigt ist, aus seiner Mitte den interrex, alle 5 Tage wechselnd. Die außerhalb der Geschlechter stehenden Schutzverwandten, welche einen Beschützer (patronus) haben müssen, heißen diesem gegenüber clientes (Hörige, von cluēre). Ihre Nachkommen, vermehrt durch Einwohner der im Kriege unterworfenen latinischen Nachbargemeinden, bilden allmählich eine Gemeinde der Nichtbürger (plebs oder plebes, verwandt mit pleo, plenus, die Menge). Sie sind ohne politische Rechte. Ihre erste Ansiedelung auf dem Aventinus.
Die Änderung dieser Verfassung beginnt mit der Heranziehung der Plebejer zum Kriegsdienst durch die dem Servius Tullius zugeschriebene Heeres- und Steuerverfassung. Er bildet 18 Reitercenturien und 80 Centurien schwerbewaffnete Fußsoldaten; Besitzmaß 20 Morgen Land, nach späterem Ansatz in Geld 100000 As.[20] Zu dieser ersten Klasse der Bürger treten vier weitere hinzu, 90 Centurien mit leichterer Bewaffnung, ohne Panzer, dem geringeren Besitz entsprechend; 2 besondere Centurien bilden die Schmiede und Zimmerleute (fabri), ebenso die Hornbläser und Trompeter (cornicines et tubicines); die Armen ohne Grundbesitz (proletarii) bilden als Ersatzmannschaft eine große Centurie. Gesamtzahl 193 Centurien.
In der Volksversammlung (comitia centuriata) fortan Abstimmung der Bürger nach Centurien. Die Begüterten haben also mit 98 Stimmen stets das Übergewicht über die anderen 95 Centurien.
Das Fußvolk bildet 2 Legionen für den Felddienst (centuriae iuniorum) und 2 für die Stadtverteidigung (centuriae seniorum). Behufs der Aushebung und Entrichtung der Kriegssteuer (tributum) wird Stadt und Gebiet in eine Anzahl von Quartieren (tribus) geteilt. Alle 4, später alle 5 Jahre findet eine neue Einschätzung (census) der Bürger nach dem Vermögen statt; sie schließt mit einem Reinigungsopfer (lustrum). Die nicht in Tribus aufgenommenen Einwohner ohne Bürgerrecht sind vom Kriegdienst frei und zahlen ein Schutzgeld (aerarii).
Diese Kriegsverfassung, getragen von Sittenstrenge und bürgerlicher Zucht, machte die Römer ihren Nachbarn überlegen.