Beschränkung des Areopags; ein Gesetz des Ephialtes entzieht ihm die altherkömmliche Oberaufsicht über die bürgerliche Ordnung und die Staatsverwaltung und läßt ihm nur die richterliche Tätigkeit. Zugleich Ausdehnung der Volksgerichtsbarkeit; auf Perikles’ Antrag wird den Heliasten (S. 35) ein Richtersold aus der Staatskasse gewährt. Kimon durch Ostrakismos verbannt.
Weitere Maßregeln der durch den Areopag nicht mehr gehemmten demokratischen Partei: Einführung des Ratssoldes und des Schaugeldes (Theorikon) für die Theateraufführungen an Festtagen; das Archontat wird auch der dritten Vermögensklasse zugänglich. Einschätzung in die Vermögensklassen nicht mehr nach dem Grundbesitz, sondern nach dem Gesamtvermögen.
Fortsetzung des Krieges gegen Persien; eine athenische Flotte fährt nach Cypern und leistet dann den aufständischen Ägyptern unter Inaros Hilfe (S. 21). Das Unternehmen endet 455 unglücklich; die Athener, auf einer Nilinsel eingeschlossen, müssen sich ergeben. Zwiespalt der Griechen untereinander kommt den Persern zustatten.
Kriege der Peloponnesier und Böoter gegen Athen.
Athen nimmt das benachbarte Megara in seine Symmachie auf, befestigt den Hafen. Korinth und Ägina dadurch bedroht, erklären den Krieg. Seesieg der Athener bei der Insel Kekryphaleia. Nunmehr kommt ein spartanisches Heer 457 den Doriern in Mittelgriechenland (S. 28) gegen einen Angriff der Phokier zu Hilfe; die Athener verlegen ihm den Rückweg, werden aber bei Tanăgra in Böotien von den Spartanern besiegt. Die Spartaner kehren nach Hause zurück; die Athener dringen abermals in Böotien ein, siegen bei Oinophy̆ta über die Thebaner und gewinnen die andern böotischen Städte, die Phokier und die opuntischen Lokrer zu Bundesgenossen. Ägina muß sich nach langer Belagerung unterwerfen (456), die Kriegsschiffe ausliefern und dem attischen Seebunde beitreten.
Die attische Flotte unter Tolmides umfährt die Peloponnes, verbrennt die spartanische Schiffswerft bei Gytheion, landet an den Küsten von Ätolien und Sikyon, siedelt die Messenier (S. 43), welchen die Spartaner freien Abzug aus Ithome bewilligen, in Naupaktos am Eingang in den Korinthischen Meerbusen an.
Verlegung der Bundeskasse von Delos nach Athen. Die Bundesgenossen, zu regelmäßigen Beiträgen verpflichtet (jährlich 460 Talente) und der Gerichtshoheit Athens unterworfen, werden tatsächlich zu Untertanen. Athen ist Hauptstadt eines ansehnlichen Insel- und Küstenreiches, welches nach den erhaltenen Tributlisten in 5 Provinzen geteilt war: Hellespont, Thrakien, Ionien, Karien, Inseln.
Seezug des Perikles von dem megarischen Hafen Pagä aus, die Achäer schließen sich dem athenischen Bunde an; ein Angriff auf Öniadä (an der akarnanischen Küste) mißlingt. Aussöhnung zwischen Perikles und Kimon, welcher aus der Verbannung zurückberufen wird. Durch Kimons Einfluß kommt 451 ein Waffenstillstand zwischen Athen und Sparta zustande.
Neuer Seezug gegen die Perser. Kimon fährt mit 200 Schiffen nach Cypern, sendet 60 davon nach Ägypten, stirbt aber während der Belagerung von Kition an einer Krankheit. Seine Truppen erringen in der
Doppelschlacht bei Salamis auf Cypern einen glänzenden Sieg über die persische (d. h. phönikisch-kilikische) Flotte und die am Lande befindlichen feindlichen Truppen, kehren dann aber nach Hause zurück. Alsbald erneut sich der Krieg in Mittel-Griechenland.
Schlacht bei Koroneia; Sieg der von Athen abgefallenen Böoter. Gleich darauf Einfall eines spartanischen Heeres in Attika, um einen Aufstand auf Euböa gegen Athen zu unterstützen. Perikles bewirkt durch Bestechung des spartanischen Königs Pleistoanax den Abzug des Heeres, unterwirft darauf Euböa, ist aber zum Frieden und zum Verzicht auf die Landhegemonie bereit.
Dreißigjähriger Friede zwischen Athen und Sparta.
Gegenseitige Anerkennung der peloponnesischen und der athenischen Bundesgenossenschaft.
Um diese Zeit (jedenfalls nach Kimons Tode) finden auch Friedensverhandlungen zwischen Athen und Persien statt, eine athenische Gesandtschaft unter Kallias geht nach Susa. Doch wird kein förmlicher Friede geschlossen, man begnügt sich mit stillschweigender Anerkennung des Besitzstandes. Die Athener geben Cypern auf und schicken den aufständischen Ägyptern keine weitere Hilfe. Später erzählte man von einem Kimonischen Frieden, in welchem der Perserkönig die Unabhängigkeit der kleinasiatischen Griechen anerkannt und versprochen haben soll, kein Kriegsschiff mehr ins Ägäische Meer zu schicken.
Folgen der Perserkriege: 1. Die politische Freiheit der Griechen in Asien und Europa ist gesichert gegen die Machtansprüche des persischen Despotismus. 2. Die griechische Kultur entfaltet sich zu ihrer höchsten Blüte in Gewerbtätigkeit und Handel, Kunst und Wissenschaft, besonders in Athen, während Sparta zurückbleibt.
Nachdem Thukydĭdes (Sohn des Melesias, nicht der gleichnamige Geschichtschreiber), eine Zeitlang Führer der kimonischen Partei, durch den Ostrakismos verbannt ist, beginnt die Blütezeit Athens unter der Verwaltung des Perikles, welcher, obwohl niemals Archon, den Staat durch seinen Einfluß als Redner in der Volksversammlung und in amtlicher Eigenschaft als Strateg, als Finanzvorsteher und Vorsteher der öffentlichen Bauten leitet.
Unbestrittene Herrschaft Athens im Gebiet seines Seebundes; nur Samos versucht 441 einen Aufstand. Verstärkung der Kolonie auf der thrakischen Chersones (S. 36, 43), Flottenfahrt des Perikles nach dem Schwarzen Meere zur Unterstützung der dortigen Griechenstädte Sinōpe, Amīsos, Pantikapaion (letztere wichtig für den Getreidehandel nach Athen). Neue Kolonien Thurii in Unter-Italien, an der Stelle des zerstörten Sybăris (443), und Amphipŏlis am Strymon (437). — Vollendung der Befestigung Athens durch eine dritte lange Mauer (parallel mit der nach dem Peiraieus führenden, s. S. 43). Neubau der Hafenstadt Peiraieus, Tempel zu Eleusis, in Athen das Odeion neben dem vergrößerten Dionysostheater am Südabhang der Akropolis, in der Nähe das noch gut erhaltene Theseion.
Prachtbauten auf der Akropolis: Der Parthĕnon, von Iktīnos und Kallikrătes erbaut, von dem Bildhauer Pheidĭas mit dem Standbild der Göttin Athene aus Gold und Elfenbein, an den Außenseiten mit Marmorskulpturen geschmückt;[15] die Karyatidenhalle des Erechtheion; die Propyläen, als Eingangstor von Mnesĭkles erbaut; daneben die Pinakŏthek mit Wandgemälden von Polygnōtos. Tempel der Athena Nike. Auf dem freien Platz vor den beiden Tempeln das große eherne Standbild der Athene Promăchos von Pheidias, welcher auch nach Olympia berufen wurde, um dort das Standbild des Zeus aus Gold und Elfenbein aufzurichten.
Athen jetzt der Brennpunkt des wirtschaftlichen Lebens in Hellas. Handel nach allen Plätzen des Mittelmeeres. Großindustrie durch Sklaven betrieben. Bedeutende Ausfuhr von Erzeugnissen des Gewerbefleißes, Einfuhr von Getreide, Schiffsbauholz und Rohstoffen aller Art.
Blüte der dramatischen Dichtung: Die drei Tragiker Aischy̆los (526–455, die Perser 472, die Oresteia 458, eine Trilogie), Sŏphŏkles (496–405, Antigone 441, Ödipus auf Kolōnos), Euripĭdes (480–406, Medeia 431. Iphigeneia in Tauris 412). Etwas später entfaltet sich die Komödie; besonders bedeutend sind die politischen Komödien des Aristophănes in der Zeit des Peloponnesischen Krieges (die Ritter 424, die Wolken 423, der Friede 421, die Vögel 414). Dramatische Aufführungen fanden statt an den Diony̆sosfesten (kleine Dionysien oder Lenäen, große Dionysien); die Ausstattung des Chores war eine den reicheren Bürgern obliegende Liturgie (vgl. S. 39).
Geschichtschreibung: Herodot von Halikarnaß (484–424?), Teilnehmer an der Koloniegründung in Thurii; Thukydĭdes von Athen (470–400?).
Philosophie: Anaxagŏras von Klazomĕnä, Lehrer des Perikles (Empedŏkles in Akragas. Demokritos in Abdēra, um 450). Protagŏras von Abdera, neben Gorgias von Leontini und Prodikos von Keos der berühmteste unter den Sophisten, welche als Lehrer der Weisheit und der Redekunst auftraten. Sokrătes von Athen (469–399), Gegner der Sophisten. Ihrer subjektiven Richtung (der Mensch ist das Maß der Dinge) stellt er das Streben nach objektivem, begriffsmäßigem Wissen entgegen.
Nach kurzer Friedenszeit erneuert sich die Feindschaft der auf Athens politisches und wirtschaftliches Übergewicht eifersüchtigen aristokratischen Peloponnesier gegen die attische Demokratie; es beginnt ein fast dreißigjähriger, für Griechenland verderblicher Krieg.
Veranlassungen: 1. Einmischung Athens in den Krieg, welcher zwischen Kerkyra und Korinth wegen der Kolonie Epidamnos (S. 33) entstanden war.[16] Die Athener erklären sich für Kerkyra und nehmen (zunächst mit 10 Schiffen) teil an der Schlacht bei Sybŏta (432) zwischen den Korinthern und Kerkyräern, in der die Korinther erst Sieger sind, sich aber nach dem Erscheinen weiterer 20 attischer Trieren zurückziehen. 2. Die Bewohner von Poteidaia (S. 33) fallen vom athenischen Bunde ab (432), werden von Korinth unterstützt, aber von den Athenern geschlagen und in ihrer Stadt belagert.
Die Korinther, unterstützt durch Beschwerden der Megărer, welche von allen attischen Häfen und Märkten ausgeschlossen worden waren, und der Ägineten, klagen gegen die Athener in Sparta. Die Volksversammlung der Spartiaten erklärt, daß die Athener die Verträge gebrochen haben, worauf die peloponnesische Tagsatzung Kriegsbereitschaft beschließt.
Streitkräfte beider Parteien: Achaja und Argos bleiben zunächst neutral; mit den Peloponnesiern verbündet: die Megărer, Böoter, opuntischen Lokrer, Phokier.— Selbständige Bundesgenossen der Athener: Platää, Naupaktos, Kerkyra, Zakynthos, Chios, Lesbos, die Thessăler und Akarnanen. Flotte von 300 Trieren, Bürgerheer von 29000 Hopliten, Staatsschatz von 6000 Talenten, Jahrestribut aus dem Bundesgebiet 600 Talente.
Perikles behauptet sein Ansehen gegen alle Anfeindungen (Anklagen gegen Pheidias, Anaxagoras, gegen seine Gemahlin Aspasia, endlich gegen ihn selbst wegen der Verwaltung des Staatsschatzes). Sein Kriegsplan: Verteidigung in der befestigten Stadt, Angriff mit der Flotte.
Der Archidamische Krieg. 431–421. Der Krieg beginnt mit einem Überfall von Platää durch die Thebaner, welche zurückgeschlagen werden. Darauf Einfall der Peloponnesier in Attika unter dem Spartanerkönig Archidāmos. Verwüstung des Landes. Die Landbewohner flüchten in die befestigte Stadt Athen oder lagern zwischen den langen Mauern. Die athenische Flotte verheert die Küsten der Peloponnes und nimmt Ägina in Besitz; das Gebiet von Megăra von dem Landheer verwüstet.
Zweiter Einfall der Peloponnesier, in Athen bricht die Pest aus (der Arzt Hippokrătes aus Kōs). Perikles verheert mit der Flotte die Küste von Argolis, wird im Rechenschaftsprozeß verurteilt, aber für das nächste Jahr wieder zum Feldherrn erwählt.
Die Athener nehmen Poteidaia ein; ihre Flotte unter Phormion ist siegreich im korinthischen Meerbusen bei Naupaktos.
Perikles stirbt an der Pest. An die Spitze der demokratischen Partei tritt Kleon, der »Gerber«, d. i. Besitzer einer durch Sklaven betriebenen Lederwarenfabrik, an die Spitze der aristokratischen Nikĭas.
Dritter Einfall der Peloponnesier, dann Abfall der Stadt Mytilēne auf Lesbos vom athenischen Seebunde (Methymna bleibt den Athenern treu). Die Spartaner belagern Platää.
Während des vierten Einfalls der Peloponnesier in Attika wird Mytilēne auf Lesbos von der athenischen Flotte zur Übergabe gezwungen. Die athenische Volksversammlung beschließt auf Kleons Antrag, alle Bürger von Mytilēne, am andern Tage jedoch, nur die Aristokraten hinrichten zu lassen. Über tausend werden getötet, die Mauern der Stadt geschleift, die Äcker der Insel, mit Ausnahme des Gebiets von Methymna, an attische Bürger verteilt.
Die Spartaner nehmen Platää ein, die letzten 225 tapferen Verteidiger der Stadt werden hingerichtet. — Blutige Parteikämpfe in Kerkyra, wo zuletzt mit Hilfe Athens die Demokraten Sieger bleiben.
Glückliche Kämpfe der Athener unter Demosthĕnes in Akarnanien gegen die von den Peloponnesiern unterstützten Ambrakioten.
Fünfter Einfall der Peloponnesier. Demosthenes, mit einer nach Sicilien (S. 50) bestimmten Flotte aussegelnd, landet in Messenien und besetzt die verfallene Burg von Pylos. Die Peloponnesier (Brasĭdas) besetzen die gegenüberliegende Insel Sphakteria, werden aber durch die athenische Flotte abgeschnitten. Der von spartanischen Gesandten in Athen angebotene Friede auf Kleons Antrag verworfen. Kleon und Demosthenes erobern Sphakteria; 292 Hopliten, darunter 120 Spartiaten, werden nach Athen gebracht. Die Athener drohen diese hinzurichten, wenn ein neuer Einfall in Attika geschehe.
Die Insel Kythēra von den Athenern unter Nikias besetzt. Von Kythēra und von Pylos aus beunruhigen sie fortwährend das lakonische Gebiet. Ihr Landheer bei Delion in Böotien von den Böotern geschlagen (Sokrates von Alkibiades gerettet).
Brasĭdas, der durch Böotien und Thessalien nach Makedonien und Thrakien gezogen ist, bringt die dortigen Küstenstädte zum Abfall von Athen, nimmt auch Amphipŏlis ein. Der athenische Feldherr Thukydĭdes (der Geschichtschreiber), der mit einem Geschwader bei Thasos lag und diesen Verlust nicht hatte verhindern können, wird deshalb verbannt. Nach abermals vergeblichen Friedensverhandlungen senden die Athener Kleon nach Thrakien. Er wird in der
Schlacht bei Amphipŏlis
von Brasidas geschlagen und fällt auf der Flucht, Brasidas stirbt an seinen Wunden.
Friede des Nikĭas,
geschlossen auf 50 Jahre. Beide Teile geben die Gefangenen und die Eroberungen heraus, doch wird diese Bestimmung nur unvollständig ausgeführt. Schon nach drei Jahren bricht der Krieg wieder aus, da Alkibiădes die Athener beredet, dem Bündnis beizutreten, welches Argos mit anderen peloponnesischen Staaten (Elis und Mantineia) geschlossen hatte, um dem drückenden Übergewicht Spartas entgegenzutreten.
Die vereinigten Argiver und Athener werden in der
Schlacht bei Mantineia
geschlagen. Die Spartaner stellen durch diesen Sieg ihre Herrschaft über die Peloponnes wieder her. In Athen bekämpfen sich die Parteien des Nikias und Alkibiădes; durch Anwendung des Ostrakismos wird nur der unruhige Hyperbŏlos verbannt.
Die Athener nehmen Mēlos und töten alle Bürger der Insel.
Unternehmung der Athener gegen Syrakus.
Syrakus, nach dem Siege bei Himĕra über die Karthager (S. 41) aufblühend unter der milden Herrschaft Hierons (Bruder des Gelon) seit 466 mit demokratischer Verfassung, steht an der Spitze der sicilischen Griechenstädte.
Hilfsgesuch der Stadt Leontini (der Redner und Sophist Gorgias) bei den Athenern gegen Syrakus; eine athenische Flotte wird nach Rhegion gesandt, doch gelingt es den Athenern nicht, sich auf Sicilien festzusetzen. Der Syrakusaner Hermokrătes vermittelt 424 Frieden unter den sicilischen Städten.
Hilfsgesuch der Stadt Egesta und der vertriebenen Leontiner gegen Selinus und Syrakus, bei den Athenern von Alkibiădes befürwortet, von Nikias widerraten. Eine Flotte von 134 Trieren fährt unter Anführung von Alkibiădes, Nikias und Lamăchos nach Sicilien. Nachdem Naxos und Katăna besetzt sind, wird Alkibiades zurückgerufen, abwesend angeklagt wegen Teilnahme an Religionsfreveln, die kurz vor Abfahrt der Flotte begangen waren (Verstümmelung der Hermen. Verspottung der eleusinischen Mysterien). Er flieht nach Argos, wird abwesend zum Tode verurteilt, seine Güter werden eingezogen. Hierauf begibt er sich, um Rache an Athen zu nehmen, nach Sparta.
Die Athener erfechten einen Sieg vor Syrakus und beginnen mit Erfolg die Belagerung der Stadt, wobei Lamăchos fällt. Die Spartaner schicken auf Alkibiades’ Antrieb ein kleines Geschwader unter Gylippos den Syrakusanern zu Hilfe. Die Athener werden zurückgedrängt, leiden durch Krankheit und Mangel. Nikias der Lage nicht gewachsen.
Sie erhalten Verstärkung aus Athen (73 Trieren, 5000 Hopliten) unter Demosthĕnes, werden aber bei einem nächtlichen Angriff auf die Höhen von Epipŏlä besiegt. Der Abmarsch beschlossen, verzögert durch abergläubische Bedenken des Nikias wegen einer Mondfinsternis (27. August). Unglückliche Seeschlacht in dem von den Feinden gesperrten Hafen von Syrakus; das zu Lande abziehende Heer wird am Flusse Assinăros teils niedergemacht, teils gefangen. Nikĭas und Demosthĕnes in Syrakus hingerichtet, 7000 Gefangene in die Steinbrüche gesteckt, wo viele elend umkommen, oder als Sklaven verkauft.
Auf Alkibiădes’ Rat halten die Spartaner, gereizt durch eine Landung attischer Schiffe in Lakonien, den Flecken Dekeleia in Attika besetzt. Von dort aus machen sie (unter König Agis) oft wiederholte Streifzüge. Die dauernde Besetzung wirksamer als die früheren vorübergehenden Einfälle, Die letzten 9 Jahre des Peloponnesischen Krieges heißen deshalb der
Dekeleïsche Krieg.
Bedrängnis der Athener, Flucht vieler Sklaven, Geldnot des Staates. Die aristokratische Partei kommt wieder zu Ansehen. Einsetzung einer neuen Behörde von 10 Vorberatern. Ordnung der Finanzen; die Tribute der Bundesgenossen werden in Hafenzölle umgewandelt. Neue Rüstungen.
Alkibiădes bewirkt den Abfall von Chios, Erythrä, Klazomĕnä und Milēt vom athenischen Bunde. Er bringt ein Bündnis zustande zwischen den Spartanern, die sich bereit erklären, dem Perserkönig alle ihm ehemals untertänigen Griechenstädte wieder zu überlassen, und dem persischen Satrapen Tissaphernes in Sardes, der den Spartanern Hilfsgelder zahlt.
Eine neue athenische Flotte erscheint an der ionischen Küste; die Peloponnesier werden im Landkampf bei Milēt geschlagen, aber die Einnahme der Stadt wird durch das Erscheinen syrakusischer Schiffe (unter Hermokrates) gehindert. Die athenische Flotte, wieder auf 104 Schiffe gebracht, ankert vor Samos. Alkibiădes, von den Spartanern angefeindet und beargwöhnt, begibt sich zu Tissaphernes, auf den er bald großen Einfluß gewinnt. Zugleich knüpft er Unterhandlungen mit den Oligarchen (Gegnern der Demokratie) im athenischen Heere an.
Verfassungsänderung in Athen,
von der oligarchischen Partei (Antĭphon, Theramĕnes) gewaltsam durchgesetzt. Rat von 400 Mitgliedern eingesetzt, die Volksversammlung auf 5000 Bürger beschränkt, alle Staatsbesoldungen, mit Ausnahme des Soldes der im Heere dienenden Bürger, werden abgeschafft. Friedensverhandlungen mit Sparta. Aber das Heer bei Samos weigert sich, die Verfassungsänderung anzuerkennen, erwählt neue Feldherren (Thrasybūlos) und ruft Alkibiades zurück. Dieser übernimmt den Oberbefehl, weigert sich aber, die Flotte gegen die Oligarchen nach Athen zu führen, und verlangt, daß sie vor dem Feinde bleibe. In Athen wird auch ohne Eingreifen des Heeres die Oligarchie nach kurzer Dauer gestürzt, der alte Rat der 500 wieder eingesetzt, bald auch der Zutritt aller Bürger zur Volksversammlung wieder hergestellt.
Die Spartaner brechen jede Verbindung mit Tissaphernes ab und schließen ein Bündnis mit Pharnabāzos, dem Satrapen von Bithynien. Aber die peloponnesische Flotte (unter Mindăros) wird von den Athenern in zwei
Seegefechten bei Abȳdos geschlagen und schließlich unter Alkibiădes’ Oberbefehl vernichtet in der
Doppelschlacht bei Kyzĭkos (Mindaros † im Landkampf an der Küste). Alkibiădes sichert die athenische Herrschaft auf der thrakischen Chersones, erobert Chalkēdon, schließt Vertrag mit Pharnabazos, erobert endlich auch die von dem Spartaner Klearchos verteidigte, für die Getreidezufuhr aus den Pontusländern wichtige Stadt Byzanz (409).
Alkibiădes kehrt nach Athen zurück.
Seine Verurteilung wird widerrufen, die Athener ernennen ihn zum unumschränkten Feldherrn zu Wasser und zu Lande. Er schützt mit seinem Heere den langentbehrten Festzug nach Eleusis, fährt dann an der Spitze der athenischen Flotte wieder nach Kleinasien. Dort hatte unterdessen der Spartaner Lysander den Oberbefehl erhalten, und des persischen Königs Dareios II. jüngerer Sohn Kyros, Freund der Spartaner, war Satrap in Sardes geworden. Während Alkibiădes sich an einer Belagerung von Phokäa beteiligt, wird die von seinem Unterfeldherrn Antiochos befehligte Flotte von Lysander in dem
Seetreffen bei Notion im Golf von Ephĕsos geschlagen. Wegen dieses unverschuldeten Unglücks wird Alkibiădes von den Athenern des Oberbefehls entsetzt. Er zieht sich nach der thrakischen Chersones zurück.
Der neue spartanische Nauarch (Admiral) Kallikratĭdas schließt die athenische Flotte unter Konon im Hafen von Mytilene ein. Die Athener rüsten mit äußerster Anstrengung eine neue Flotte aus; diese schlägt die Peloponnesier in der großen
Seeschlacht bei den Arginusen,
kleinen Inseln an der Küste Kleinasiens, südöstlich von Lesbos; von 120 peloponnesischen Schiffen entkommen nur 43. Aber die siegreichen Feldherren werden in Athen angeklagt, weil sie die Schiffbrüchigen bei dem nach der Schlacht eingetretenen Sturm nicht gerettet und die Leichen nicht bestattet haben; 6 von ihnen, die sich dem Gericht stellen, werden zum Tode verurteilt. Vergeblicher Widerspruch des Sokrates, der am zweiten Verhandlungstage Vorsteher der Prytanen (S. 36) war, gegen das abgekürzte (summarische) Gerichtsverfahren. Lysander, wiederum Anführer der spartanischen Flotte, vernichtet die athenische Flotte in der
Schlacht bei Aigospotamoi (Ziegenflüsse), Lampsăkos am Hellespont gegenüber. Nur Konon rettet sich mit wenigen Schiffen. Niedermetzelung von 3000 gefangenen Athenern. Lysander vernichtet die athenische Herrschaft über die Küsten und Inseln, richtet überall oligarchische Verfassungen ein, die durch spartanische Statthalter (Harmosten) überwacht werden, erscheint dann mit seiner Flotte vor dem Peiraieus, während die Landtruppen unter den beiden spartanischen Königen Agis und Pausanias Athen von der Landseite einschließen. Unterhandlungen durch Theramĕnes. Endlich bewirkt der Hunger die
Übergabe Athens, Ende des Krieges.
Die Mauern des Peiraieus und die langen Mauern zwischen Stadt und Häfen werden niedergerissen. Anerkennung der spartanischen Hegemonie, Verzicht auf alle auswärtigen Besitzungen, Auslieferung der Kriegsschiffe bis auf 12. Nach Annahme dieser Friedensbedingungen wird unter Lysanders Einfluß die Neuordnung des Staates dreißig Männern der oligarchischen Partei (Tyrannen) übertragen.
Folgen des peloponnesischen Krieges: 1. Fortdauernde Zersplitterung der Griechen, Beginn ihres politischen Niedergangs, erfolgreiche Einmischung Persiens. 2. Sparta ist mit persischer Hilfe wiederum im Besitze der Hegemonie, aber durch Auflösung der altspartanischen Zucht entartet. 3. Athen, die Siegerin über den Nationalfeind, ist gedemütigt, hat jedoch noch Kraft zu neuer Erhebung und bleibt die geistige Hauptstadt Griechenlands.
Da Sparta seine Hegemonie gegen die Abneigung der anderen Staaten, besonders gegen das aufstrebende Theben nicht behaupten kann, erheben sich neue Kriege unter den griechischen Staaten, bis sie der Herrschaft Makedoniens untertan werden, welches unter den Königen Perdikkas II. (454–413) und Archelāos (413–399) allmählich erstarkt war, dann unter Thronstreitigkeiten zu leiden hatte bis zum Regierungsantritt Philipps 359.
Herrschaft der Dreißig in Athen.
Sie nehmen eine spartanische Besatzung in die Akropolis auf, verhängen Verbannung und Hinrichtung über mißliebige Bürger, die von Angebern (Sykophanten) angeklagt sind. Theramenes, der als Mitglied der Dreißig zur Mäßigung rät, wird auf Betreiben des leidenschaftlichen Kritias ebenfalls hingerichtet. Darauf sammelt Thrasybūlos in Theben die aus Athen entflohenen Anhänger der Demokratie, besetzt mit ihnen die Bergfeste Phyle im Parnēsgebirge, schlägt die Truppen der Dreißig und bemächtigt sich der Hafenstadt Munychia (403); Kritias fällt. An Stelle der 30 wählen die Bürger in Athen 10 gemäßigtere Oligarchen. Unter Vermittelung des Spartanerkönigs Pausanĭas kommt ein Vergleich zwischen diesen und Thrasybūlos zustande. Die vereinigten Bürger ziehen gegen Eleusis, wo die meisten der Dreißig getötet werden, dann wird Amnestie verkündigt.
Herstellung der Demokratie; neue Aufzeichnung der Gesetze unter dem Archon Eukleides. Bald werden auch die Besoldungen und Schaugelder (S. 44) wieder eingeführt, erstere sogar vermehrt durch den Volksversammlungssold.
Aufstand des von Sparta unterstützten Kyros (S. 21) gegen König Artaxerxes Mnemon. Alkibiădes, welcher schon im Jahre 404 den König hatte warnen wollen, war auf der Reise zu ihm in Phrygien auf Betreiben Lysanders getötet worden. 13000 griechische Söldner kämpfen für Kyros in der Schlacht bei Kunaxa (unweit Babylon); mühsamer Rückzug unter Führung des Atheners Xenophon. Nicht ganz 10000 erreichen bei Trapezūs das Schwarze Meer, die meisten treten bei dem spartanischen Feldherrn Thibron (s. u.) in Dienst.
Sokrates in Athen zum Tode verurteilt und durch Gift hingerichtet. Sein Schüler Platon erhebt die Philosophie zur umfassenden Wissenschaft.
Krieg der Spartaner gegen Persien, gehemmt durch Zwiespalt unter den Griechen.
Der persische Satrap Tissaphernes will die griechischen Städte Kleinasiens für ihren Anschluß an die Sache des Kyros züchtigen. Die Spartaner kommen den Städten zu Hilfe, erst unter Thibron, dann unter Derkyllĭdas, endlich unter dem König Agesilaos. Dieser dringt 396 siegreich in Asien vor, schlägt am Paktōlos die Reiter des Tissaphernes, der auf Befehl des Großkönigs von seinem Nachfolger Tithraustes hingerichtet wird. Aber Athen, Theben, Korinth, Argos verbünden sich, durch persisches Geld unterstützt, gegen Sparta, dessen Harmosten sich überall verhaßt gemacht hatten.
Lysander fällt bei Haliartos (in Böotien) im Kampf gegen die Thebaner.
Seeschlacht bei Knidos; die spartanische Flotte wird von der persischen, von dem Athener Konon geführten Flotte besiegt. Vertreibung der Harmosten aus den griechischen Städten Kleinasiens. Agesilāos, aus Asien zurückberufen, zieht durch Thrakien, Makedonien und Thessalien, schlägt die Verbündeten in der
Schlacht bei Koroneia (im westl. Böotien)
und gelangt in die Peloponnes zurück. Konon stellt mit persischem Gelde die 2 langen Mauern zwischen Athen und dem Peiraieus wieder her. Darauf Landkrieg in der Gegend von Korinth, das den Zugang zur Peloponnes beherrscht; die athenischen Peltasten Iphikrătes bringen den Spartanern schwere Verluste bei.
Der Spartaner Antalkĭdas gewinnt die Gunst des persischen Satrapen Tiribazos; Sparta sendet nochmals eine Flotte nach der asiatischen Küste aus, die aber vor der athenischen unter Thrasybūlos zurückweicht. Endlich entscheidet der Perserkönig; die griechischen Staaten nehmen die von ihm gestellten Bedingungen an.
Friede des Antalkĭdas. Die Griechenstädte Kleinasiens, sowie die Inselstadt Klazomĕnä und Cypern werden den Persern preisgegeben. Die Athener behalten nur die Herrschaft über Lemnos, Imbros und Skyros, alle übrigen Staaten und Inseln sollen selbständig sein. Messenien jedoch bleibt unter spartanischer Herrschaft. Gewalttätiges Auftreten der Spartaner zur Durchführung dieser Bestimmungen.
Krieg zwischen Theben und Sparta,
veranlaßt durch die Besetzung der Kadmeia (383). Ein spartanisches Heer war gegen die Stadt Olynthos gesandt, welche ihre Hegemonie über die kleineren Städte der Halbinsel Chalkidĭke nicht aufgeben wollte. Phöbĭdas, mit einer zweiten Abteilung nachgesandt, besetzt die Kadmeia, die Burg von Theben, im Einverständnis mit der aristokratischen Partei daselbst. Olynth wird 379 von den Spartanern erobert.
Thebanische Flüchtlinge, die in Athen Aufnahme gefunden haben, befreien von dort aus unter Führung des Pelopĭdas ihre Vaterstadt und nötigen, unter Mitwirkung des Epameinondas, die Spartaner zum Abzug aus der Kadmeia.
Die spartanischen Könige Kleombrŏtos und Agesilāos ziehen gegen Theben zu Felde, kämpfen aber ohne Erfolg. Der Versuch eines spartanischen Unterfeldherrn, sich des Peiraieus zu bemächtigen, veranlaßt die Athener zum Bündnis mit Theben. Darauf gründen sie den zweiten athenischen Seebund (Chios, Lesbos, Rhodos, Byzanz, Euböa, Kerkyra, chalkidische Städte, Kykladen; keine Kleruchieen in bundesgenössischem Gebiet, geringere Geldbeiträge). Seesiege des Chabrias (bei Naxos) und Timotheos (bei Leukas) über die peloponnesische Flotte. Olynth wird wieder selbständig. Sparta und Athen als Vertreter ihrer Bundesgenossen schließen 371 Frieden; Theben aber weigert sich, seine Hegemonie über Böotien aufzugeben, soll von den Spartanern dazu gezwungen werden.
Schlacht bei Leuktra.
Der spartanische König Kleombrotos von Epameinondas besiegt. Schiefe Schlachtordnung, Pelopĭdas mit der heiligen Schar auf dem linken Flügel bringt durch sein Vordringen den Kampf zur Entscheidung.
Angriff der Thebaner auf Sparta. Spartas Hegemonie wird durch den Abfall der Arkăder und die von Epameinondas angeordnete Befreiung der Messenier schwer erschüttert. Gründung der Städte Megalopŏlis in Arkadien und Messēne am Fuß der Berges Ithōme. Die offene Stadt Sparta wird von Agesilaos erfolgreich verteidigt; ein athenisches Heer kommt den Spartanern zu Hilfe; Rückzug der Thebaner.
Epameinondas zieht noch zweimal nach der Peloponnes, um den erlangten Einfluß zu sichern; Pelopidas bekämpft in Thessalien den Tyrannen Alexander von Pherā und schlichtet einen Thronstreit in Makedonien, wird auf dem Rückweg unweit Pherä gefangen genommen, aber von Epameinondas befreit.
Gesandte der griechischen Staaten gehen nach Susa; Thebens Versuch, einen Vertrag auf Grund der vom Perserkönige gutgeheißenen Vorschläge zustande zu bringen, mißlingt.
Pelopidas fällt im Kampfe gegen den Tyrannen von Pherä bei Kynoskephălä; Epameinondas unternimmt mit einer neugebildeten Flotte eine Fahrt bis Byzanz, um der athenischen Seemacht entgegenzutreten. Unterdessen neue Streitigkeiten in der Peloponnes; Epameinondas unternimmt einen vierten Zug dorthin.
Schlacht bei Mantineia,
Epameinondas fällt als Sieger im Kampfe gegen die Spartaner und ihre Bundesgenossen (darunter 6000 Athener). Damit endet die kurze Zeit der thebanischen Hegemonie (371 bis 362).
Friedensvertrag unter den griechischen Staaten, doch treten die Spartaner nicht bei, da sie die Unabhängigkeit Messeniens nicht anerkennen wollen. Agesilāos geht nach Ägypten zur Unterstützung der Aufständischen gegen die Perser (s. S. 21), deren Flotte der Athener Chabrĭas befehligt. Agesilāos stirbt auf der Rückfahrt (360).
Philipp, König von Makedonien,
Sohn des Königs Amyntas, war von Pelopidas als Geisel auf 3 Jahre nach Theben gebracht worden und hatte dort griechische Bildung und Kriegskunst kennen gelernt. Er wird, 23 Jahre alt, nach dem Tode seines älteren Bruders Perdikkas, König von Makedonien. Tapfer und staatsklug befestigt er seinen Thron in dem von Parteikämpfen zerrissenen Lande, sichert die Grenzen gegen die unruhigen Nachbarvölker (Päŏner, Illyrier) und richtet ein stehendes Heer ein (Phalanx). Hauptwaffe die Sarissa, ein 5 m langer Speer. Dann beginnt er die Ausbreitung seiner Herrschaft an der thrakischen Küste und greift in das Bundesgebiet der Athener ein, die er durch schlaue Unterhandlungen täuscht.
Philipp erobert Amphipŏlis (reiche Goldbergwerke in der Nähe), Pydna, Poteidaia, schließt Bündnis mit Olynth. Athen unterdessen bedrängt durch Abfall der Bundesgenossen. Chios, Kos, Rhodos, Byzanz sagen sich vom Seebunde los. Nach kraftloser Kriegführung (Chabrias † im Hafen von Chios) erkennt Athen 355 auf Antrag des Eubūlos ihre Selbständigkeit an. Der Seebund fortan unbedeutend. Eubūlos Vertreter der Friedenspolitik; die Überschüsse der Staatsverwaltung werden auf seinen Antrag der Festgelderkasse (S. 54) überwiesen.
(Zweiter) Heiliger Krieg gegen die Phokier,
die wegen Benutzung des dem delphischen Gotte geweihten Landes von Kirrha (s. S. 33) von den Amphiktyonen zu einer hohen Geldstrafe verurteilt waren. Die Thebaner übernehmen die Eintreibung dieser Geldstrafe, die Phokier aber bemächtigen sich der Schätze des delphischen Tempels, verstärken sich durch Söldner und verteidigen sich längere Zeit mit Erfolg.
Onomarchos, Feldherr der Phokier, fällt in Thessalien im Kampfe gegen Philipp, welcher von den mit Theben verbündeten Thessălern zu Hilfe gerufen war. Ein athenisches Heer hindert durch Besetzung des Passes von Thermopy̆lä Philipp am Einmarsch in Mittel-Griechenland; die Phokier behaupten sich noch weiter.
Philipp wendet sich wieder nach Thrakien und greift Olynth an. Demosthĕnes, seit 351 (erste Philippika) Führer des nationalen Widerstandes gegen die drohende makedonische Macht, veranlaßt Hilfssendungen der Athener nach Olynth.
Philipp erobert Olynth
durch Verrat, zerstört diese Stadt sowie eine große Zahl kleinerer Orte auf der Halbinsel Chalkidike und verkauft die Einwohner als Sklaven.
Friede zwischen Philipp und den Athenern auf Antrag des Philokrătes. Demosthenes und Äschines Gesandte an Philipp. Dieser zieht, abermals von den Thessalern und Thebanern zu Hilfe gerufen, nach Phokis und gewährt dem phokischen Feldherrn Phalaikos und seinen Söldnern freien Abzug.
Philipp unterwirft die Phokier,
zerstört ihre Städte, wird an ihrer Stelle in den Amphiktyonenbund aufgenommen. In Athen Unwille über sein gewaltsames Vordringen; Demosthenes’ Rede vom Frieden.
Philipp tritt an die Spitze des thessalischen Bundes, unterstützt Argos, Messenien, Elis gegen Sparta. Demosthenes’ zweite Philippika.
Philipp bringt Epirus und einen Teil von Euböa in Abhängigkeit. Äschines, von Demosthenes wegen seines Verhaltens bei der Gesandtschaft angeklagt, wird freigesprochen.
Philipp dringt in Thrakien bis zum Pontos vor, gründet Philippopolis am Hebros, unterstützt die Stadt Kardia in ihrem Streit mit den athenischen Kolonisten der thrakischen Chersones (S. 46). Die nationale Partei in Athen (Demosthenes’ dritte Philippika) bringt ein Bündnis hellenischer Staaten (Megarer, Korinther, Euböer, Achäer, Akarnanen u. a.) unter Athens Leitung gegen Philipp zustande.
Philipp belagert vergeblich Perinthos und Byzanz. Die Athener erklären ihm den Krieg, schicken zwei Flotten mit Hilfstruppen (unter Chares und Phokion) nach Byzanz und erzwingen die Aufhebung der Belagerung.
(Dritter) Heiliger Krieg gegen Amphissa, nachdem die Amphiktyonen, auf Veranstaltung des von Philipp bestochenen Äschines, die Lŏkrer von Amphissa wegen Aneignung eines dem delphischen Gotte geheiligten Ackers in Strafe genommen hatten. Philipp, von den Amphiktyonen mit der Ausführung des Beschlusses beauftragt, besetzt die Stadt Elateia, welche den Zugang zu Böotien beherrscht. Große Bestürzung in Griechenland. Die Athener rüsten Flotte und Landheer; Demosthenes bringt ein Bündnis mit Theben zustande. Philipp zerstört Amphissa und besiegt die verbündeten Athener, Thebaner, Phokier, Korinther, Achäer in der
Schlacht bei Chaironeia.
Sein Sohn Alexander entscheidet die Schlacht durch Vernichtung der heiligen Schar der Thebaner. Philipp straft die Thebaner hart (Aufhebung der Hegemonie über Böotien, Rückkehr der Verbannten, makedonische Besatzung in der Burg Kadmeia); den Athenern bewilligt er einen günstigen Frieden. Er rückt in die Peloponnes ein, nimmt den Spartanern einen großen Teil ihres Gebietes und gibt es den Messeniern, Argivern und Arkadern.
Makedonische Hegemonie. Auf einer Nationalversammlung zu Korinth, an der nur die Spartaner nicht teilnehmen, läßt sich Philipp zum unumschränkten Heerführer der Griechen gegen die Perser wählen. Im übrigen behalten die griechischen Staaten ihre Selbständigkeit; eine Bundesversammlung (Synedrion) zu Korinth soll ihre Streitigkeiten schlichten.
Philipp, der bereits Truppen nach Asien gesandt hat, um den Krieg gegen die Perser zu beginnen, wird 336 von Pausanias, einem seiner Leibwächter, ermordet. Ihm folgt sein von Aristotĕles gebildeter zwanzigjähriger Sohn