1911.

Englisch-amerikanischer Schiedsvertrag. Japan (Spannung seit der Besetzung der Sandwich-Inseln und der Philippinen, durch den Bau des Panamakanals noch gesteigert) knüpft wieder freundschaftliche Beziehungen mit den Vereinigten Staaten an.

§ 19. Asien.

In Persien (S. 219), das auf eine fast 2500 Jahre alte Kultur zurückblickt, hat das autokratische Regiment die Entwickelung und die Wohlfahrt des Volkes sehr beeinträchtigt. Von persischen Gebieten sind jedoch bisher nur Georgien, Transkaukasien und ein Teil Armeniens an Rußland verloren gegangen (S. 297, 348).

1906.

Verfassung eingeführt. Doch gerät der Schah Mohammed Ali bald in Streit mit dem Parlament (Medschlis) und löst es auf. Daher Aufstand im Lande.

1909.

England und Rußland als die Nachbarn fordern vom Schah Wiederberufung des Medschlis, Gewährung einer Verfassung und Reform der Verwaltung als Bedingung für die Zulassung einer Anleihe. Diese Einmischung abgelehnt. Einmarsch russischer Truppen in Täbris; englische besetzen Abuscher am Persischen Golf. Straßenkämpfe in Teheran. Mohammed Ali abgesetzt, begibt sich nach Rußland. Der Titel Schah abgeschafft. Seitdem Sultan Ahmed Mirsa (geb. 1897). Regent Ali Reza Chan. Verfassung wiederhergestellt. Schwierigkeit für das Parlament, das Reichsbudget im Gleichgewicht zu halten. Anleihe in Rußland und England genehmigt gegen Verpfändung persischer Zolleinkünfte. England und Rußland grenzen ihre Interessensphären ab (S. 403, vgl. Deutsch-russisches Abkommen über Persien, S. 397). Berufung belgischer Beamten für Zoll- und Postverwaltung, amerikanischer Beiräte für die Ordnung der Finanzen. Der Amerikaner Morgan Shuster Generalschatzmeister. Protest der Jungperser gegen die russisch-englischen Pläne.

1910.

Tod des Regenten. Sein Nachfolger Nasr el Mulk. Landung englischer Truppen am Persischen Golf.

1911.

Rückkehr des Exschahs Mohammed Ali. Im Norden Persiens wechselvolle Kämpfe zwischen seinen Anhängern und den Regierungstruppen. Russisches Ultimatum; u. a. Morgan Shusters Entlassung gefordert. Landung und Vormarsch russischer Truppen von Rescht aus. Alle russischen Forderungen erfüllt. Nordpersien gerät immer mehr in Abhängigkeit von Rußland. Die Wirren dauern fort.

Der Emir von Afghanistan (S. 353) beherrscht trotz des Verlustes weiter Gebiete an Rußland (S. 402) und England (S. 406 f.) noch ein Land von 624000 qkm. — 1893 Vertrag zwischen dem Emir Abdurrhaman und der englischen Regierung, die ihm eine jährliche Rente von etwa 3½ Mill. Mark bewilligt.

1907.

Englisch-russischer Vertrag mit dem Emir Habib Ullah (seit 1901) über die Aufrechterhaltung des gegenwärtigen Besitz- und Rechtsstandes in Afghanistan.

Das Königreich Siam in Hinterindien ist trotz der Begehrlichkeit seiner Nachbarn, England (S. 409) und Frankreich (S. 404), immer noch größer als das Deutsche Reich (600000 qkm, 6½ Mill. Einwohner). König Maha Chulalongkorn (1868 bis 1910) war ein großer Freund Europas und seiner Sitten (sein Besuch bei Bismarck in Friedrichsruh 1897), schuf eine moderne Armee und Flotte, Eisenbahnen und Dampferlinien, richtete Steuer-, Post- und Münzwesen nach europäischem Muster ein und suchte seine Unabhängigkeit durch Verträge mit England und Frankreich sicher zu stellen. Handelsverträge zwischen Siam und Europa seit Mitte des vorigen Jahrhunderts (S. 368, 411). Seit 1910 Maha Wajirawudh Herrscher im Reiche des weißen Elefanten.

China, seit 1842 dem europäischen Handel geöffnet (S. 353), bald auch mit den Vereinigten Staaten in Handelsbeziehungen, nimmt nicht wie Japan (S. 369) an den Fortschritten europäischer Kultur teil; im Volke Haß gegen die Fremden verbreitet. Verlust des Amurgebietes (S. 369).

1894–1895.

Krieg Japans gegen China wegen der Schutzherrschaft über Korea (S. 251). Korea wird unabhängig, Japan gewinnt die Insel Formosa (Taiwan). Die im Frieden zu Schimonoseki durch Li-hung-tschang zugestandene Abtretung der Halbinsel Liau-tung mit dem Hafen Port Arthur wird durch Rußland, Deutschland und Frankreich rückgängig gemacht.

1897. Nov.

Deutschland besetzt das Hafengebiet Kiau-tschou; ein Pachtvertrag mit China auf 99 Jahre wird 1898 geschlossen.

1898.

Rußland besetzt den Hafen Port Arthur an der Einfahrt zum Meerbusen von Petschili, England den gegenüberliegenden Hafen Wei-hai-wei.

1900.

Aufstand in China gegen die Christen und Ausländer (vergl. S. 251), geleitet von weitverzweigten Geheimbünden (Boxer). Zweideutige Haltung der chinesischen Regierung; da sie weder Ordnung noch Genugtuung schafft, vereinigen sich hierzu Deutschland, England, Rußland, Frankreich, Österreich, Italien, Japan und die Vereinigten Staaten. Kriegsschiffe der Verbündeten erscheinen vor der Mündung des Peiho und entsenden eine Schutzwache für die Gesandten nach Peking.

Da die Unruhen fortdauern, zieht der englische Admiral Seymour mit 2000 Mann gegen Peking, muß aber, da die Eisenbahn zerstört ist und starke Scharen ihm entgegentreten, umkehren. Beim Marsch auf Tientsin stete Gefechte, in schwierigster Lage »the Germans to the front«. Inzwischen in Peking der deutsche Gesandte v. Ketteler ermordet (20. Juni).

17. Juni.

Erstürmung der Taku-Forts (S. 368), um eine Landung zu ermöglichen (das deutsche Kanonenboot Iltis). Tientsin nach schweren Kämpfen erobert; Peking erreicht (14. Aug.), die Gesandten befreit. Der Kaiser und die Kaiserinwitwe fliehen nach Sianfu.

20. Sept.

Erstürmung der Peitang-Forts nahe der Küste, Besetzung des Hafens Schan-hai-kwan, für die Russen »Tor zur Mandschurei«.

27. Sept.

Der deutsche Feldmarschall Graf Waldersee übernimmt den Oberbefehl über die verbündeten Truppen (zuletzt 64000 Mann, darunter 19000 Deutsche). Die Amerikaner zurückgerufen; die Russen wenden sich hauptsächlich nach der Mandschurei, um dort den Bau der Eisenbahn zu schützen.

Während des Winters Kriegszüge von Peking und Tientsin aus. Paoting-fu, Hauptstation der Boxer, 19. Okt. besetzt; Erstürmung der Bergfeste Tse-kin-kwa 29. Okt. Russen und Engländer geraten in Streit über den Besitz der Eisenbahn Tientsin-Peking; Waldersee erreicht die Fertigstellung der Bahn bis Mitte Dezember.

1901. März.

Vorrücken der Deutschen bis zur Großen Mauer. 23. April Sieg bei Huolu.

Mai.

Nach Besetzung eines großen Teils der Provinz Petschili und Flucht ihrer Truppen hinter die Große Mauer bewilligt die chinesische Regierung alle Forderungen: Bestrafung der Urheber des Aufruhrs, Befestigung der Gesandtschaftsgebäude in Peking, Schutzwachen der verbündeten Mächte daselbst, Schutz der Eisenbahn von Peking bis zur Küste durch befestigte Plätze mit Garnisonen, Schleifung der Küstenforts, Zahlung von 450 Mill. Taels (1350 Mill. Mark) in 39 Jahren aus den Erträgen der Seezölle, deren Verwaltung von Beamten der verbündeten Mächte geleitet wird (S. 368).

Nach dem Abzug der verbündeten Truppen bleiben größere Besatzungen, namentlich in Tientsin und Schanghai. Prinz Tschun, Bruder des Kaisers von China, überreicht (Sept.) dem Deutschen Kaiser in Potsdam ein Entschuldigungsschreiben wegen Ermordung des Gesandten; diesem in Peking ein Denkmal errichtet.

Die Erschließung Chinas in den folgenden Jahren durch, eine Reihe von Eisenbahnbauten (auch amerikanisches Kapital beteiligt) gefördert. 1906 schon 6300 engl. Meilen in Betrieb. Lebhafter Dampfschiffsverkehr auf den großen Strömen.

1905.

Die Mandschurei an China zurückgegeben (S. 423). »Offene Tür« daselbst allen Mächten garantiert.

1909.

Streitigkeiten mit Rußland und Japan über die Abgrenzung der Rechte in der Mandschurei geregelt. Der Tumenfluß als Grenze zwischen der Mandschurei und Korea festgesetzt. 1911 Pest in der Mandschurei (Charbin).

Das Eindringen der europäischen Kultur und der Vergleich mit Japan erwecken in weiten Kreisen den Wunsch nach zeitgemäßen Reformen. Manche Vizekönige Anhänger dieser Reformpartei, z. B. Juanschikai. Er wird 1909 abgesetzt, weil er die Gleichstellung der Mandschu mit den Chinesen und die Beseitigung ihrer Renten gefordert hatte. 1910 die Abschaffung der Sklaverei von der Regierung verfügt. Vorbereitungen für die Berufung eines Parlaments getroffen. Kaiserlicher Erlaß über die Bildung eines verantwortlichen Ministeriums.

1911.

In den südlichen Provinzen (Kanton) bricht eine Revolution aus. Beseitigung der Mandschudynastie gefordert. Hankau erobert (Eingreifen deutscher Marinetruppen zu Gunsten der Regierung), ebenso Nanking. Dr. Sunyatsen Leiter der Revolutionäre. Juanschikai erhält Vollmacht zu allen ihm geeignet erscheinenden Maßregeln. Kaiserlicher Erlaß verheißt Einführung einer Verfassung und Amnestie. Juanschikai Ministerpräsident. Der Prinzregent Tsaifeng (Kaiser Pu Yi geb. 1906) leistet den Eid auf die Verfassung. Waffenstillstand. In Schanghai Versammlung der Abgeordneten der 14 südlichen Provinzen. Sunyatsen vorläufig zum Präsidenten der »Vereinigten Staaten von China« gewählt. Abfall der Mongolei (S. 403). Juanschikai sucht eine konstitutionelle Monarchie unter den Mandschu zu erhalten. Als die Aufständischen Truppen gegen die nördlichen Provinzen senden, erfolgt die

1912. Febr.

Abdankung der Mandschudynastie (S. 251). China Republik. Juanschikai Präsident.

Japan seit seinem Siege über China (S. 420) die herrschende Macht in Ostasien. Korea gerät immer mehr unter japanischen Einfluß.

1904–1905.

Krieg zwischen Rußland und Japan wegen der beiderseitigen Ansprüche auf Korea und die Mandschurei. Japan seit 1902 mit England verbündet, doch greift England in den Krieg nicht ein. Die japanische Flotte blockiert Port Arthur und Wladiwostok; japanische Landtruppen besetzen einen Teil von Korea, dringen nach der Mandschurei vor, siegen 1. Mai 1904 am Jalufluß. Eine zweite Armee landet auf der Halbinsel Liau-tung und schließt Port Arthur von der Landseite ein. Die russische Flotte versucht die Blockade zu brechen, wird 10. August mit großem Verlust zur Rückkehr genötigt. Verstärkungen des Landheeres kommen auf der Sibirischen Eisenbahn nur langsam heran.

1904. 24.–31. Aug.

Schlacht bei Liau-jang in der Mandschurei. Die Japaner (160000 Mann unter Marschall Ojama) drängen die Russen (Gen. Kuropatkin) in hartnäckigen Kämpfen zurück.

15.–18. Okt.

Schlacht am Flusse Schaho; Kuropatkins Angriffe mißlingen.

1905. 2. Jan.

Port Arthur, von Gen. Stössel verteidigt, kapituliert (Gen. Nogi); über 40000 Mann kriegsgefangen.

24. Febr. bis 10. März.

Schlacht bei Mukden; die Russen müssen nach starken Verlusten (90000 Mann) weichen, behaupten sich aber noch in der Mandschurei.

1905. 27.–28. Mai.

Seeschlacht bei Tschuschima (Insel in der Straße von Korea). Die russische Ostsee-Flotte (16 große Schiffe, 4 kleine Kreuzer) von Admiral Togo annähernd vernichtet.

Juli.

Die Japaner besetzen den südlichen Teil der Insel Sachalin.

1905. 5. Sept.

Friede zu Portsmouth (amerikanische Küstenstadt unweit Boston) unter Vermittlung des Präsidenten Roosevelt. Japan erhält die Schutzherrschaft über Korea, Port Arthur mit umliegendem Gebiet, Sachalin bis zum 50. Breitengrad. Rußland zahlt keine Kriegsentschädigung, behält Wladiwostok und sein Amur-Gebiet. Die Mandschurei soll an China zurückgegeben werden, doch behalten Japan und Rußland ihre dort angelegten Eisenbahnen (s. S. 422).

In den folgenden Jahren macht Japan, dessen Heer überall Bewunderung erweckt hat, weitere Fortschritte auf dem Wege finanzieller Erstarkung und politischer Vorherrschaft auf Korea. 1909 Koreanische Gerichtshoheit, 1910 Polizeigewalt auf Japan übertragen. Fürst Ito, früher Generalresident in Korea, 1909 von einem Koreaner ermordet. 1910 die Annexion Koreas durchgeführt; Kaiser Ytschak dankt ab.

1911.

Bündnis zwischen Rußland und Japan (S. 402 f.). Infolgedessen Revision des englisch-japanischen Bündnisses von 1902 (S. 422). Anknüpfung freundschaftlicher Beziehungen mit den Vereinigten Staaten von Amerika (S. 419).

§ 20. Entwickelung der deutschen Kolonien.

Gründung s. S. 395. Zweck: Gewinnung von Rohprodukten; Absatzgebiete für den heimischen Handel und Besiedelung. Das Reich stellte auf Nachsuchen die kaufmännischen Niederlassungen unter seinen Schutz, zur Sicherung gegen fremde Herrschaft (Deutsche Schutzgebiete). Die Kolonisation begann an den Küsten und dehnte sich allmählich in das Innere aus; hierfür von größtem Einfluß die Erschließung durch Eisenbahnen und die Wasserversorgung. Sicherung durch Schutzverträge mit den einheimischen Häuptlingen mit Handelsvorteilen, namentlich für europäische Waren. Verwaltung durch Gouverneure mit Bezirksämtern und Stationen; militärische Sicherung durch die Schutztruppen.

Erweiterung der Kolonien (S. 396, 397, 405). Der deutsche Kolonialbesitz ist jetzt über fünfmal größer als das Heimatsgebiet, hat aber kaum ein Viertel der Einwohnerzahl. Am Handelsergebnis der Kolonien (Einfuhr und Ausfuhr) war Deutschland 1910 mit 66,3 v. H. beteiligt. Regelmäßige Seeverbindung durch Hamburg-Amerika- und Woermann-Linie nach der afrikanischen Westküste, Norddeutschen Lloyd (Bremen) und Reichspostdampfer nach Ostafrika, Australien und Ostasien. Telegraphische Verbindung fehlt noch nach den Besitzungen in der Südsee; deutsche Seekabelverbindung schreitet kräftig fort, ist aber nur nach Ostasien von fremden Leitungen unabhängig; besonders nach Ostafrika sind englische Kabel beteiligt. Funkenstationen in allen afrikanischen Kolonien und in Kiautschou.

Deutsche Kolonialgesellschaft in Berlin (Herzog Johann Albrecht von Mecklenburg), Kolonialinstitut in Hamburg und mehrere Kolonialschulen.

1. Südwestafrika (835100 qkm). Missionsstationen bestanden seit 1860 im Damara- und Namaqualande; das Küstengebiet Angra Pequena wurde 1883 von dem Bremer Kaufmann Lüderitz erworben; 1884 Erweiterung durch Verträge mit den einheimischen Häuptlingen; 1893 der Hafen Swakopmund angelegt.

1894.

Gouverneur Leutwein geht mit der verstärkten Schutztruppe gegen unzuverlässige Häuptlinge vor. Nach den Gefechten bei Naukluft verbündet sich Hendrik Witboi mit den Deutschen und leistet Hilfe bei ferneren Kämpfen, so noch 1903 gegen die Bondelzwarts-Hottentotten.

1904–1906.

Allgemeiner Aufstand gegen die auf weites Gebiet verteilte Schutztruppe. Die Hereros zerstören die Eisenbahn Swakopmund–Windhuk und ermorden viele Ansiedler. Mühsame Kriegführung in dem wasserarmen, vielfach gebirgigen Lande. Die Schutztruppe verteidigt Omaruru und andere Stationen, wird unterstützt durch ein Landungskorps vom Kreuzer Habicht, dann durch das Seebataillon; bald erscheint eine kriegsstarke Division, gebildet aus Freiwilligen des ganzen deutschen Heeres.

1904. 11. u. 12. Aug.

Sieg des Generals v. Trotha am Waterberge; er drängt die Hereros nach Osten in die Kalahariwüste, wo viele umkommen. Darauf allmähliche Unterwerfung des nördlichen Landesteils, aber im Süden erhebt sich nun Witboi gegen die Deutschen.

1905.

Hartnäckige Kämpfe um die Wasserstelle bei Groß-Nabas, dann in den Karasbergen und am Großen Fischfluß; Witboi †. Der deutsche Reichstag bewilligt den Bau der Eisenbahn Lüderitzbucht–Kubub (100km).

1906.

Kämpfe am Oranjefluß; Oberstlt. v. Estorff drängt die Hottentotten nach Osten. Ihr Führer Morenga flüchtet auf englisches Gebiet, versucht 1907 nochmals in das inzwischen unterworfene Land einzudringen, wird in einem Gefecht mit englischen Truppen getötet. Der Reichstag bewilligt 5 Mill. Mark für die Verluste der Ansiedler.

Gesamtbevölkerung 1911: rund 14000 Weiße und 72000 Farbige, also nur 0,1 Einwohner auf l qkm. Jede Selbständigkeit der Häuptlinge hat aufgehört. Regierungssitz: Windhuk. Wassererschließung schreitet fort. Eisenbahnen: 1909 km im Betrieb, 217 km im Bau. Ausfuhr vornehmlich: Diamanten und Kupfererze, ferner Blei, Häute, Straußenfedern und Vieh. Handelsergebnis 1910: Ausfuhr für über 34½ Mill. Mark. Einfuhr für rund 44½ Mill. Mark.

2. Ostafrika (995000 qkm). Verkehr nach Sansibar seit etwa 1860; Landerwerbungen 1884 im Auftrage der Gesellschaft für deutsche Kolonisation durch K. Peters, Jühlke, Graf Pfeil, 1885 vom Sultan von Sansibar anerkannt nach dem Erscheinen deutscher Kriegsschiffe.

1888–1890.

Aufstand der Eingeborenen, veranlaßt durch arabische Sklavenhändler (Buschiri), niedergeworfen durch Kriegszüge des Reichskommissars Major Wißmann unter Mitwirkung von Kriegsschiffen.

1889.

K. Peters dringt nach Uganda vor (Nordufer des Victoria-Nyanza) und schließt dort Verträge; die Ostafrikanische Handelsgesellschaft erwirbt das Wituland (nördlich von Sansibar); beide Gebiete werden 1890 an England überlassen (S. 407).

1905–1906.

Aufstände im Süden durch die Schutztruppe niedergeschlagen.

Gesamtbevölkerung 1911: 4230 Weiße und etwa 10 Mill. Farbige. Gute Häfen, hierunter der Regierungssitz Daressalam und Tanga, welche Ausgangspunkte der beiden Bahnlinien sind (1199 km im Betrieb, die Zentralbahn wird von Tabora nach dem Tanganjika-See weitergeführt). Die Siedelungen am Viktoria-See sind noch auf Karawanenstraßen und die englische Ugandabahn angewiesen. Die Sultane westlich des Sees stehen unter Kaiserlichen Residenten.

Wirtschaftlich maßgebend sind Ackerbau und Viehzucht. Der Hauptertrag wird im Lande verzehrt. Zur Ausfuhr kommen vornehmlich: Kautschuk, Hanf, Häute, Kopra. Handelsergebnis 1910: Einfuhr für fast 38½ Mill. Mark, Ausfuhr für 20¾ Mill. Mark.

3. Kamerun, bisher 495600 qkm mit rund 1450 Weißen und über 2½ Mill. Farbigen, also 5,4 Einw. auf 1 qkm. Regierungssitz Buea, Hafen Duala. Eisenbahnen 160 km im Betrieb, 360 km im Bau. Zur Ausfuhr kommen vornehmlich: Kautschuk, Palmkerne, Kakao, Palmöl, Elfenbein. Handelsergebnis 1910: Ausfuhr für rund 20 Mill. Mark, Einfuhr für rund 25½ Mill. Mark.

1911.

Nordmakas Aufstand (Major Dominik †). Erweiterung usw. durch das Marokkoabkommen (s. S. 405).

4. Togo, 87200 qkm mit rund 360 Weißen und 1 Mill. Farbigen. Regierungssitz und Haupthafen Lome, von wo drei Bahnen ausgehen (im Ganzen 323 km im Betrieb). Vornehmliche Ausfuhr: Palmkerne, Palmöl, Kautschuk, Baumwolle. Handelsergebnis 1910: Ausfuhr für rund 7¼ Mill. Mark, Einfuhr für rund 11½ Mill. Mark.

5. Neu-Guinea, Regierungssitz Rabaul (Neupommern). a) Altes Schutzgebiet, erworben 1884/85: Kaiser Wilhelmsland und Bismarck-Archipel: zusammen 240000 qkm mit rund 750 Weißen und 530000 Farbigen. Friedrich Wilhelmshafen, keine Eisenbahnen. Vornehmliche Ausfuhr: Kopra, Paradiesvögel, Perlmutter, Kakao. Handelsergebnis 1910: Ausfuhr für fast 3¾ Mill. Mark, Einfuhr für fast 4 Mill. Mark; b) Inselgebiet seit 1898 erworben: Ost- und Westkarolinen, Palau, Marianen, Marschall-Inseln, zusammen 2476 qkm mit rund 1000 Weißen und 65000 Farbigen (Insel Guam gehört zur Union).

1910–1911. Dez. Febr.

Aufstand auf Ponape und Dschokadsch (Ostkarolinen) niedergeworfen durch Landungstruppen von 4 deutschen Kriegsschiffen. Vornehmliche Ausfuhr: Phosphat, Kopra, Trepang. Handelsergebnis 1910: Ausfuhr für rund 10 Mill. Mark, Einfuhr für rund 2 Mill. Mark.

6. Samoa-Inseln (2572 qkm) mit 491 Weißen und 40000 Farbigen (1911). Schon 1879 erwarb das Deutsche Reich hier eine Marinestation, um den von Hamburger Kaufleuten begründeten Handel zu schützen. 1889 Vertrag mit England und Nordamerika, um den Parteikämpfen der einheimischen Könige ein Ende zu machen; 1899 Aufhebung des Königtums. Deutschland erwirbt die vier westlichen Inseln (S. 407). Hafenstadt Apia auf der Insel Upolu. Fruchtbares Land; Ausfuhr von Kopra und Kakao. Handelsergebnis 1910: Ausfuhr und Einfuhr für je rund 3½ Mill. Mark. Das Christentum schon seit 1830 eingeführt durch englische Missionare.

7. Kiautschou (550 qkm), 1898 auf 99 Jahre gepachtet, jetzt 1680 Weiße (ohne Truppen) und 162000 Eingeborene. Hafenstadt Tsingtau, gute Handels- und Flottenstation, Ausgangspunkt der nordost-chinesischen Eisenbahnen. Im Hinterlande reiche Steinkohlenlager.

Anhang.

I. Brandenburgisch-preußische Geschichte.

Um 780.

Grenzmarken des deutschen Reiches an der Elbe und Saale zum Schutz gegen die Wenden gegründet von Karl d. Gr. Befestigung und Erweiterung derselben durch die Feldzüge Heinrichs I. (928).

937–965.

Markgraf Gero, von König Otto I. eingesetzt, unterwirft das Wendenland bis zur Oder. Bistümer Havelberg und Brandenburg. Nach Geros Tode Teilung des Gebiets der Mark: Nordmark, Ostmark, Meißen.

983.

Aufstand der Wenden, die Nordmark auf das linke Elbufer beschränkt, Residenz der Markgrafen zu Salzwedel.

1134–1320.

Askanische (anhaltische) Markgrafen.

1134–1170.

Albrecht der Bär, von Kaiser Lothar mit der Nordmark (Altmark) belehnt, erobert die Priegnitz auf dem rechten Elbufer, erwirbt das Havelland durch Vertrag mit dem christlichen Wendenfürsten Pribislav, der ihn zum Erben einsetzt, und nennt sich Markgraf von Brandenburg (S. 179). Wiederherstellung der beiden Bistümer, deutsche Ansiedler namentlich aus den Niederlanden herbeigezogen.

1220–1267.

Johann I. und Otto III., als Brüder gemeinsam regierend, erweitern die Mittelmark durch das Gebiet zu beiden Seiten der unteren Spree (Barnim und Teltow) und gewinnen die Uckermark und Neumark hinzu; Otto III. erwirbt die Oberlausitz durch Vermählung mit der Schwester Ottokars von Böhmen. Viele Städte gegründet: Spandau, Berlin um 1240, Frankfurt a. O., Landsberg u. a.

1166–1309.

Otto IV. (mit dem Pfeil) führt Krieg mit dem Erzbistum Magdeburg, bis er die Erwählung seines jüngeren Bruders Erich zum Erzbischof durchsetzt, erwirbt die Niederlausitz.

1309–1319.

Markgraf Waldemar der Große kämpft rühmlich gegen die Nachbarfürsten (Pommern, Mecklenburg, Meißen), nimmt die Hansestadt Stralsund in Schutz gegen Dänemark und den Fürsten von Rügen.

1320–1324.

Interregnum in der Mark nach dem Erlöschen des askanischen Hauses. Als Verwandte erheben die Herzöge von Sachsen-Wittenberg (S. 184) und die Fürsten von Anhalt Ansprüche, aber Kaiser Ludwig der Bayer zieht das Land als erledigtes Lehen ein (S. 198). Die Lausitz kommt wieder an Böhmen.

1314–1373.

Bayrische Markgrafen.

Ludwig I., Sohn des Kaisers Ludwig des Bayern; gegen ihn 1348–50 der falsche Waldemar (S. 199).

Ludwig II. (der Römer) wird 1356 Kurfürst. Otto (der Faule) tritt 1373 das Land an Kaiser Karl IV. ab.

1373–1415.

Luxemburgische Markgrafen.

Karl IV. vereinigt die Mark mit seinem Königreich Böhmen, ordnet die Verwaltung durch Anlegung des Landbuchs. Residenz Tangermünde. Sein Sohn Sigismund (1378) wird König von Ungarn (1387) und verpfändet die Mark an Jobst von Mähren, die Neumark an den Deutschen Ritterorden. Zerrüttung des Landes durch die Willkürherrschaft des Adels.

1411–1414.

Friedrich VI., Burggraf von Nürnberg, aus dem Hause Hohenzollern, als Statthalter von Sigismund eingesetzt, bricht die Macht des märkischen Raubadels (Dietrich v. Quitzow auf Burg Friesack).

1415–1701.

Kurfürsten aus dem Hause Hohenzollern.

Die schwäbischen Grafen von Zollern (Ahnherr: Burchard von Zolorin, † 1061) seit 1192 Burggrafen von Nürnberg. 1227 Teilung in zwei Linien: die schwäbische behält die Stammgüter Hechingen und Sigmaringen, die fränkische erweitert ihren Besitz zu den Fürstentümern Ansbach und Baireuth.

1415–1440.

Friedrich I., von Kaiser Sigismund als Kurfürst eingesetzt, belehnt zu Konstanz 1417 (S. 204), erkämpft von Pommern die Uckermark, von Mecklenburg die Priegnitz zurück, wendet sich dann wieder seinen fränkischen Fürstentümern zu und bekämpft als Reichsfeldherr die Hussiten. Sein Sohn Johann Statthalter in der Mark, kann sie gegen die Hussiten nicht schützen. Ihm folgt in Brandenburg der zweite Sohn

1440–1470.

Friedrich II. (der Eiserne). Er unterwirft die Städte, namentlich Berlin-Kölln, gründet das Schloß zu Kölln an der Spree, kauft 1455 die Neumark vom Deutschen Orden zurück, erwirbt 1462 von Böhmen einen Teil der Niederlausitz (Kottbus und Peitz).

1470–1486.

Albrecht (Achilles). 1473 Hausordnung (Disposito Achillea). Die Mark soll ungeteilt an den ältesten Sohn fallen, in den fränkischen Fürstentümern nur 2 Regenten. Die schlesischen Herzöge (vgl. S. 182) treten 1482 Krossen und Züllichau an Brandenburg ab. Streit mit Herzog Bogislav X. von Pommern wegen der Lehnshoheit über Pommern.

1486–1499.

Johann (Cicero). Die fränkischen Fürstentümer kommen an seine jüngeren Brüder. Zossen 1490 durch Vertrag mit dem König von Böhmen erworben. Sorge für die Landesverwaltung im Einverständnis mit den Landständen (Vertreter des Adels und der Städte).

1499–1535.

Joachim I. Räubereien des Adels streng bestraft; Universität in Frankfurt a. O. gestiftet 1506. Judenverfolgung 1510. Kammergericht in Berlin. Vertrag zu Grimnitz 1529: Die Herzöge von Pommern erkennen das Erbfolgerecht Brandenburgs an; dieses verzichtet auf die Lehnshoheit. Joachim I. eifriger Gegner der Reformation. Sein Bruder Albrecht, Erzbischof von Mainz und Magdeburg, sendet Tetzel aus (s. S. 227).

1535–1571.

Joachim II. In der Neumark sein Bruder Markgraf Johann von Küstrin.

1537.

Erbverbrüderung mit dem Herzog von Liegnitz, Brieg und Wohlau; diesem werden Krossen, Kottbus, Peitz und Zossen zugesagt für den Fall, daß das kurfürstliche Haus aussterbe (vgl. S. 281).

1539.

Einführung der Reformation. Vom König von Polen erlangt Joachim die Mitbelehnung über Preußen. Seine beiden jüngeren Söhne nacheinander evangelische Erzbischöfe in Magdeburg. (S. auch S. 233.)

1190.

Der Deutsche Ritterorden gestiftet bei der Belagerung von Akkon (s. S. 178f.).

1230–1283.

Unterwerfung des Landes Preußen (s. S. 217).

1525.

Umwandlung des Ordensstaates in ein weltliches Herzogtum unter polnischer Oberlehnshoheit; Einführung der Reformation. Erster Herzog der bisherige Hochmeister Albrecht von Brandenburg (aus der Ansbachischen Linie).

1571–1598.

Johann Georg vereint als Kurfürst von Brandenburg wieder die ganze Mark. 1578 die Mitbelehnung über Preußen erneuert (s. o.). Sein Enkel Johann Sigismund vermählt sich mit Anna, der ältesten Tochter des Herzogs Albrecht Friedrich von Preußen, durch ihre Mutter Nichte und Erbin des Herzogs Johann Wilhelm von Jülich (S. 252).

1598–1608.

Joachim Friedrich, seit 1566 Administrator des Erzbistums Magdeburg; diese Würde geht 1598 auf seinen Sohn Christian Wilhelm über. Geraischer Vergleich (1599) mit dem kinderlosen Markgrafen Georg Friedrich aus der fränkischen Linie: Die Mark verbleibt ungeteilt der kurfürstlichen Linie, die Stiefbrüder des Kurfürsten erhalten Ansbach und Baireuth, sein zweiter Sohn das schlesische Fürstentum Jägerndorf (1523 von der fränkischen Linie erworben).

1604.

Der Geheime Rat als oberste Regierungsbehörde eingesetzt. Seit 1605 regiert der Kurfürst mit Zustimmung des Königs von Polen in Preußen als Administrator für den geisteskranken Herzog Albrecht Friedrich.

1608–1619.

Johann Sigismund. Nach dem Tode des Herzogs Johann Wilhelm von Jülich Erbfolgestreit (1609) zwischen Pfalz-Neuburg und Brandenburg. Johann Sigismund tritt 1613 zur reformierten Kirche über.

1614.

Vertrag zu Xanten wegen der jülichschen Erbschaft: Cleve, Mark und Ravensberg an Brandenburg, die ersten Erwerbungen im Westen Deutschlands (s. S. 252).

1618.

Johann Sigismund nach Albrecht Friedrichs Tode Herzog von Preußen.

1619–1640.

Georg Wilhelm, geleitet von dem kaiserlich gesinnten Grafen Adam v. Schwarzenberg. Furchtbare Zerrüttung des Landes im Dreißigjährigen Kriege. Jägerndorf von Kaiser Ferdinand II. eingezogen (S. 280 f.). Gustav Adolf mit der Schwester des Kurfürsten vermählt, zwingt ihn zum Bündnis 1631 (S. 256). Brandenburg tritt dem Prager Frieden bei 1635 (S. 258).

1637.

Erlöschen des pommerschen Herzogshauses. Brandenburg kann trotz kaiserlicher Hilfe sein Erbrecht auf Pommern gegen die Schweden nicht durchsetzen.

1640–1688.

Friedrich Wilhelm der Große Kurfürst erhebt den brandenburgisch-preußischen Staat zu einer europäischen Macht, begründet durch Einschränkung der Rechte der Landstände die unbeschränkte Monarchie (s. auch S. 265).

Als Kurprinz hatte er in den Niederlanden (1634–1638) Staatsverwaltung und Kriegskunst gelernt. Er schützt sein Land durch Waffenstillstandsverträge mit den Schweden, sorgt für den Ackerbau, begründet ein stehendes Heer (miles perpetuus). Seine Gemahlin Luise Henriette von Oranien (s. S. 244).

1648.

Erwerbungen im Westfälischen Frieden: Hinterpommern, Halberstadt, Minden, Magdeburg (s. S. 260). Magdeburg zunächst noch im Besitz des Administrators August von Sachsen, wird 1666 besetzt (der Bürgermeister Otto von Guericke). Postverbindung zwischen den getrennten Landesteilen eingerichtet, ohne Rücksicht auf das Reichspostprivilegium der Fürsten von Thurn und Taxis. Ordnung der Steuern, Accise für die Städte eingeführt. Universität Duisburg 1655 gegründet (1818 aufgehoben), Bibliothek im Schlosse zu Berlin. Friedrich-Wilhelms-Kanal zwischen Oder und Spree 1662–1668 erbaut.

1656.

Sieg bei Warschau über die Polen, im Bunde mit Schweden (s. S. 267).

1657.

Erwerbung von Lauenburg und Bütow in Hinterpommern durch den Vertrag zu Wehlau.

1660.

Friede zu Oliva; das Herzogtum Preußen souverän, d. h. frei von polnischer Lehnshoheit (S. 268). Der Widerstand der preußischen Stände (Hieronymus Roth, v. Kalkstein) wird durch strenge Maßregeln gebrochen.

1672.

Teilnahme am Reichskrieg gegen Frankreich, 1674 Feldzug im Elsaß (s. S. 263).

1675.

Sieg bei Fehrbellin über die Schweden (Prinz Friedrich von Homburg, Feldmarschall Derfflinger, der Stallmeister Froben). Der Kurfürst vertreibt die Schweden aus Pommern, erobert 1677 Stettin, 1678 Rügen und Stralsund, vergilt einen Einfall der Schweden von Livland her durch einen Kriegszug über das Frische und Kurische Haff (Jan. 1679), muß aber fast alle Eroberungen im

1679.

Frieden zu St. Germain en Laye (S. 263 f.) an Schweden zurückgeben und schließt noch 1679 ein Bündnis mit Frankreich.

1683.

Gründung einer Kolonie an der Goldküste von Guinea (Fort Großfriedrichsburg), nachdem eine Kriegsflotte mit Hilfe des Holländers Raule eingerichtet war. Kriegshafen Pillau; Afrikanische Handelsgesellschaft in Emden.

1685.

Bruch mit Frankreich. Aufnahme französischer Protestanten, namentlich in Berlin.

1686.

Vertrag mit Kaiser Leopold I. über Schlesien (S. 281).

1688–1713.

Friedrich III., als König Friedrich I. Das Testament des Großen Kurfürsten, das den Söhnen aus zweiter Ehe Länderbesitz erteilt, wird aufgehoben, da es der von Albrecht Achilles gegebenen Hausordnung und dem Geraischen Vergleich widerspricht.

1688.

Brandenburgische Truppen unterstützen Wilhelms III. von Oranien Zug nach England (S. 271).

Universität Halle gestiftet 1694; ebenda gründet Aug. Herm. Francke das Waisenhaus. Der Schwiebuser Kreis 1695 an den Kaiser zurückgegeben (S. 281). Der Minister Danckelmann, gestürzt 1697. Charlottenburg für des Kurfürsten Gemahlin, die geistvolle Sophie Charlotte von Hannover, angelegt. Ausbau des Schlosses zu Berlin (Schlüter). Akademie der Künste 1696 gegründet, Akademie der Wissenschaften 1700 auf Veranlassung des Philosophen Leibnitz.

1701. 18. Januar

Preußen wird Königreich (s. S. 267). Krönung zu Königsberg, Stiftung des Schwarzen Adlerordens. Anteil am Spanischen Erbfolgekriege (s. S. 272 f.). Streit um die oranische Erbschaft nach dem Tode Wilhelms III. (1702). Preußen erlangt 1702 Mörs und Lingen, Neuchâtel und Valengin. Durch Kauf erworben das Schutzrecht über die Abtei Quedlinburg, Grafschaft Tecklenburg in Westfalen.

1713–1740.

Friedrich Wilhelm I. Strenge Sparsamkeit; der glänzende Hofhalt des Vaters sogleich aufgelöst. Neuordnung der Steuern; auch den Rittergütern wird 1717 eine Abgabe (statt des Lehnsdienstes zum Kriege) auferlegt. Oberste Finanzbehörde das General-Direktorium 1723; unter ihm die Kriegs- und Domänenkammern. Sorge für den Landbau, besonders in Ostpreußen; hier 1732 die aus dem Erzbistum Salzburg vertriebenen Protestanten angesiedelt. Schutz der Bauern gegen Willkür der Gutsherrn und der königlichen Beamten. Sorge für die Volksschulen, 1717 der Grundsatz der allgemeinen Schulpflicht verkündet. Beträchtliche Vermehrung des stehenden Heeres; Kanton-Einteilung des Landes 1733 zum Zwecke der Aushebung; daneben die Anwerbung beibehalten. Die Riesengarde in Potsdam. Fürst Leopold von Anhalt-Dessau (s. auch S. 280).

Teilnahme am Nordischen Kriege (S. 276 f.). Stettin und Vorpommern bis zur Peene erworben 1720; die afrikanische Kolonie 1717 (überlassen 1721) an die Holländer verkauft.

1740–1786.

Friedrich II., der Große (S. 280–291), erwirbt Schlesien 1742, Ostfriesland 1744, Westpreußen 1772 und erhebt seinen Staat zu einer europäischen Großmacht. Friedrichs eifrige Fürsorge für sein Land, um die Wunden der Kriege zu heilen: Verteilung der Vorräte aus den Magazinen, Steuererlaß für einzelne Provinzen; Gründung der Landschaftsbanken, der Bank und der Seehandlung in Berlin. 1766 strenges Steuersystem (Regie meist mit französischen Beamten); viele Verbrauchsgegenstände besteuert, besonders Kaffee und Tabak.

Sorge für die Rechtspflege: die Folter 1740 abgeschafft, neue Gerichtsordnung 1747 (codex Fridericianus, der Justizminister v. Cocceji). Allgemeines preußisches Landrecht (v. Carmer, Suarez) erst 1794 vollendet. Sorge für den Landbau: das Oderbruch urbar gemacht 1746–53, das Netzebruch 1773–80. Sorge für Fabriken in den Städten (1751 Berliner Porzellanmanufaktur), Förderung des Verkehrs durch Kanäle: Plauescher, Finow- und Bromberger Kanal. General-Landschul-Reglement 1763. Erlaß über das Unterrichtswesen 1779. Bauwerke in Berlin (Opernhaus, Dom, Bibliothek) und Potsdam (Sanssouci, Neues Palais). Unermüdliche Tätigkeit des Königs für Verwaltung und Heer (150000 Mann stark); jährliche Reisen in die Provinzen.

1786–1797.

Friedrich Wilhelm II. (S. 291, 297f., 313f.) erwirbt Ansbach und Baireuth 1791, Posen 1793, Südpreußen mit Warschau 1795.

Hertzberg 1791 entlassen. Die drückende Regie aufgehoben. Üppigkeit am Hofe, sorglosere Verwaltung, doch wird der Verkehr durch Anlage von Kunststraßen (Chausseen) gefördert, das Schulwesen durch Einsetzung eines Ober-Schulkollegiums. Religionsedikt des Ministers Wollner 1788. Brandenburger Tor 1789–1793 erbaut.

1797–1840.

Friedrich Wilhelm III. (S. 316 ff.) erwirbt Münster, Paderborn, Hildesheim u. a. 1803 (S. 321), tritt Ansbach ab 1805 (S. 323), alles Land links der Elbe und die polnischen Gebiete 1807 (S. 327), erwirbt halb Sachsen, Schwedisch-Pommern, einen großen Teil Westfalens und der Rheinprovinz 1815 (S. 340).

Aufhebung des Religionsedikts 1797. Große Reformen von 1807–1811 s. S. 328, 329: Die Aufhebung der Erbuntertänigkeit und Feststellung des bäuerlichen Grundbesitzes befreien den Bauernstand; die Aufhebung des Zunftzwanges, Gewöhnung an Selbstverwaltung (Städteordnung) und Einführung der Gewerbefreiheit fördern den Bürgerstand; die Einführung der allgemeinen Wehrpflicht kommt der sittlichen Erziehung des ganzen Volkes zugute. Einziehung der geistlichen Güter. Einteilung des Staates in 8 Provinzen und 25 Regierungsbezirke 1815. Vereinigung der lutherischen und reformierten Kirche zu einer evangelischen Landeskirche (Union) 1817. Zollgesetz 1818. Neuordnung der Steuern und des Staatsschuldenwesens 1820. Einrichtung der Provinzial-Landtage 1823. Deutscher Zollverein 1833. Gesetz über die Anlage von Eisenbahnen 1838. — Universitäten zu Berlin 1810, Breslau 1811, Bonn 1818; Entwickelung der Gymnasien unter dem Minister v. Altenstein seit 1817; Museum zu Berlin 1830.