Frankreich nimmt Tunis in Besitz, ohne die Proteste der Türkei und die Verstimmung Italiens zu beachten.
Das Reich Anam in Hinterindien (vgl. S. 369) tritt die Provinz Tonking an Frankreich ab und wird bald darauf französischer Schutzstaat. Frankreich behauptet diese Erwerbung im Kriege gegen China (1884–1885).
Die Insel Madagaskar kommt unter französische Schutzherrschaft; die Regierung der Königin der malaiischen Hova, Ranavalo Manjaka III., in Tananarivo 1896 aufgehoben.
Präsident Carnot; Wehrgesetz, Freundschaft mit Rußland. Carnot wird von einem Italiener ermordet, sein Nachfolger Périer dankt Jan. 1895 ab, dann folgt Faure, 1899–1906 Loubet, beide bemüht, die Freundschaft mit Rußland zu erhalten. 1897 Unfallversicherung, 1901 Vereinsgesetz zur Beschränkung der geistlichen Orden und Kongregationen. 1903 Unterrichtsgesetz, Einrichtung weltlicher Volksschulen an Stelle der von Geistlichen geleiteten. 1905 Gesetz über Trennung von Kirche und Staat; deshalb Streit mit der katholischen Kirche. Der Kirchenbesitz wird den Gemeinden überwiesen. Gesetz über Altersunterstützung und Sonntagsruhe. Seit 1906 Präsident Fallières. 1907 und 1911 Winzerunruhen. Die Beziehungen Frankreichs zu England gestalten sich immer enger; das Bündnis mit Rußland bleibt erhalten.
Frankreichs Herrschaft im Gebiet des mittleren Niger (Sudan), der westlichen und mittleren Sahara von England anerkannt (S. 407) und 1904 erweitert (s. S. 405).
Tahiti, schon früher französischer Schutzstaat, wird nach dem Tode des englisch-protestantischen Königs Pomare V. französisches Gebiet.
Behanzin, König von Dahomey, (Ober-Guinea) besiegt. Sein Reich wird französische Kolonie.
In Hinterindien weiter vordringend nimmt Frankreich einen großen Teil des Reiches Siam in Besitz. 1904 der Menam als Grenze der französischen und englischen Einflußsphäre festgesetzt. 1907 wieder 3 Provinzen an der Grenze von Kambodscha an Frankreich abgetreten.
Frankreich versucht vom Kongo aus vordringend Faschoda am oberen Nil zu besetzen (General Marchand), wird aber durch Kriegsdrohung Englands und Einmarsch des Gen. Kitchener genötigt, dies aufzugeben.
Nach Abschluß eines Vertrages mit England (8. April 1904), der alle kolonialen Differenzen aus dem Wege räumt (Frankreich erkennt Englands Herrschaft in Ägypten an, England räumt den Franzosen die Vorherrschaft in Marokko ein u. a. m.), sucht Frankreich die Schutzherrschaft über das Reich Marokko zu erwerben. Widerspruch Deutschlands; Reise Kaiser Wilhelms II. nach Tanger. Eine Konferenz der am Handel mit Marokko beteiligten Staaten in Algeciras (bei Gibraltar) beschließt (Febr. 1906) Reformen für Marokko unter gemeinsamer Aufsicht der in Tanger wohnenden Gesandten. Frankreich erhält eine bevorzugte Stellung in Marokko.
Ein östlicher, an Tunis angrenzender Teil des Reiches Marokko bleibt von den Franzosen besetzt; 1907 besetzen sie auch die Hafenstadt Casablanca und das benachbarte Schauja-Gebiet. Sultan Muley Hafid, seit 1908 von den europäischen Staaten anerkannt, sucht sich ihren Forderungen zu entziehen. 1909 Krieg Spaniens gegen die Rifkabylen. Schwere Kämpfe um Melilla (s. S. 413). Die Häuptlinge unterwerfen sich. Gleichzeitig der Thronprätendent Bu Hamara im Kampfe gegen Muley Hafid. Ersterer besiegt und gefangen. Die Konsuln der Mächte schreiten ein gegen Muley Hafids Grausamkeiten.
Neue Unruhen in Marokko. Der Sultan, von feindlichen Stämmen in Fez eingeschlossen, ruft Frankreichs Hilfe an. Darauf französische Expedition nach Fez, angeblich zum Schutz der bedrohten Europäer. Der Sultan gerät ganz in die Gewalt der Franzosen. Diese treten ziemlich unbeschränkt im Lande auf. (Juli) Entsendung eines deutschen Kriegsschiffes nach Agadir zur Verteidigung bedrohter deutscher Interessen. Nach schwierigen Unterhandlungen, wobei Frankreich von dem verbündeten England geleitet und unterstützt wird, 4. Nov. Marokkoabkommen zwischen Deutschland und Frankreich: Deutschland verzichtet auf jeden Landerwerb im Scherifenreich (Sus-Provinz), nachdem seine handelspolitischen und wirtschaftlichen Interessen nach Möglichkeit sicher gestellt sind. Frankreich übernimmt das Protektorat in Marokko, tritt von Äquatorial-Afrika ein Gebiet von etwa 300000qkm im Süden und Osten von Kamerun mit Zugang zum Kongo und Ubangi an das Deutsche Reich ab. Das Dreieck zwischen Logone und Schari (12000 qkm) von Deutschland an Frankreich überlassen.
Frankreich erwirbt einen erheblichen Teil der Negerrepublik Liberia. Östlich von Tunis besetzt es die Oase Djanet (zu Tripolis gehörig).
England 1837–1901 unter der Königin Viktoria (S. 353) ist hauptsächlich bestrebt, sein ungeheures Kolonialreich zu erhalten und zu erweitern.
Krieg gegen Negus Theodor von Abessinien. Magdala von Sir Robert Napiers mit indischen Truppen erstürmt; Theodor †. Abessinien wird von den Engländern geräumt.
Der Suez-Kanal eröffnet, 160 km lang; nach zehnjähriger Bauzeit vollendet unter Leitung des Franzosen Ferdinand de Lesseps (früher franz. Konsul in Kairo). Abkürzung des Seewegs nach Indien, Ostasien, Australien. Jährlich benutzen den Kanal jetzt gegen 4000 Schiffe.
Die Königin Viktoria nimmt auch den Titel Kaiserin von Indien an. Seitdem nach jedem Thronwechsel besondere Krönungsfeierlichkeiten in Delhi (S. 219).
Krieg in Afghanistan, um die dem Emir 1869 auferlegte Schutzherrschaft zu erhalten General Roberts besetzt 1879 die Hauptstadt Kabul und dringt bis Kandahar vor (s. S. 419f.).
Erweiterung des Besitzes in Südafrika. Die Transvaalrepublik, begründet 1848 von holländischen Buren, die aus der Kapkolonie[61] auswanderten, wird dem englischen Kolonialgebiet einverleibt; bald wird auch ein großer Teil des Kaffernlandes englischer Schutzstaat. Unabhängig bleibt der 1854 von England anerkannte Oranje-Freistaat.
England nimmt Cypern in Verwaltung (S. 401).
Krieg gegen die Zulukaffern (Cetewayo). Prinz Louis Napoleon † (S. 403).
Erhebung der Buren gegen die englische Herrschaft und Sieg bei Majubahill. Die Transvaalrepublik (Südafrikanische Republik) wieder hergestellt, doch behält England in dem 1884 geschlossenen Vertrage sich die Genehmigung der Verträge dieses Staates mit anderen Staaten vor.
Besetzung von Ägypten, veranlaßt durch einen Militäraufstand in Alexandrien unter Arabi Pascha gegen den Khedive Tewfik und durch die Ermordung vieler Europäer; Arabi bei Tel-el-Kebir von Wolseley besiegt und gefangen. Dem Namen nach bleibt die Regierung des dem türkischen Sultan tributpflichtigen Vizekönigs (Khedive); tatsächlich wird Ägypten ein englischer Schutzstaat. Neuordnung der Verwaltung und des Heeres (Baring und Kitchener); Nilstauwerk bei Assuan.
Aufstand des ägyptischen Sudan gegen die Engländer unter Führung des Mahdi, eines mohammedanischen Propheten. Vernichtung eines ägyptischen Heeres von 11000 Mann (Hicks Pascha) bei El Obeïd. Der englische General Gordon versucht Khartum zu behaupten, wird bei der Eroberung der lange belagerten Stadt von den Truppen des Mahdi getötet (Jan. 1885). Fruchtlose Nilexpedition der Engländer; sie behalten im Sudan nur den Hafen Suakin, verteidigen aber Ägypten mit Erfolg gegen wiederholte Angriffe der Mahdisten (1885–1898). In der Äquatorprovinz (Wadelai) hält sich der deutsche Afrikaforscher Emin Pascha (Dr. Schnitzer) als Statthalter des Khedive, bis er 1889 von Stanley nach der Küste (Bagamoyo) geführt wird. 1893 wird Emin bei einem Versuch, bis zum Kongo vorzudringen, ermordet.
Britisch Neu-Guinea wird unter englischen Schutz gestellt.
England erweitert sein indisches Reich durch völlige Unterwerfung von Birma in Hinterindien (S. 353).
Vertrag mit Deutschland und den Vereinigten Staaten über die Samoa-Inseln.
Vertrag mit Deutschland über Ostafrika. Das Wituland, Uganda und Sansibar englisch; das deutsche Gebiet zwischen Kilimandscharo und Rovumafluß reicht im Innern bis zu den großen Seen.
Vertrag mit Frankreich über Westafrika: England herrscht im Gebiet des unteren Niger (Nigeria) bis zum Tsadsee. Abgrenzung der englischen und französischen Gebiete gegen das Deutsche Hinterland von Kamerun durch Verträge mit dem Deutschen Reiche 1893 und 1894.
England erweitert sein Gebiet in Südafrika durch Unterwerfung des Betschuana- und Matabele-Landes. Cecil Rhodes, Leiter der Britischen Südafrika-Gesellschaft, seit 1890 Minister der Kapkolonie, verfolgt noch weitergreifende Pläne, findet aber Widerstand bei den Buren-Republiken (S. 408). Transvaal wehrt einen Einfall englischer Streifscharen (800 Mann) unter Jameson bei Krügersdorp ab (1. Jan. 1896). Jameson gefangen, an England ausgeliefert, zu längerer Haft verurteilt, aber bald begnadigt.
Die Engländer besetzen Tirah, ein afghanisches Grenzgebiet.
England gewinnt die Herrschaft über den ägyptischen Sudan zurück; General Kitchener siegt bei Omdurman und erobert Khartum.
Abermaliger Vertrag über die Samoa-Inseln; sie werden geteilt zwischen Deutschland und den Vereinigten Staaten. England verzichtet auf einen Anteil, erhält dafür bedeutenden Gebietszuwachs im Hinterlande von Togo, außerdem die Tongainseln und die Inseln Choiseul und lsabel (Salomoninseln).
Krieg Englands gegen die Buren in Südafrika.
Äußerer Anlaß: Zurücksetzung der Ausländer in Transvaal. Die Buren in Transvaal (Präsident Krüger) schließen ein Bündnis mit dem Oranje-Freistaat (Präsident Steijn) und erklären den Engländern den Krieg. Sie dringen in das englische Gebiet Natal ein und führen den Krieg anfangs erfolgreich. Einschließung einer englischen Division in Ladysmith; die Entsatzversuche des Gen. Buller werden (Dez.) bei Colenso und (Jan. 1900) am Spion-Kop abgeschlagen. Ebenso werden englische Truppen, die in den westlichen Teil von Transvaal eingedrungen sind, in Kimberley und Mafeking eingeschlossen.
Umschwung zu Gunsten der Engländer, nachdem Lord Roberts den Oberbefehl übernommen hat; ihr Heer wird bald auf 100000 Mann gebracht, gegen etwa 45000 Buren. Doch erschwert die weite Ausdehnung des Kriegsschauplatzes die Erfolge. Im Febr. wird Kimberley entsetzt, Gen. Cronje mit 4000 Buren am Modderfluß gefangen. Auch Ladysmith wird von Gen. Buller entsetzt. Roberts mit der Hauptmacht besetzt Blomfontein, Hauptstadt des Oranje Freistaats, dann weiter Johannesburg, Pretoria, Hauptstadt von Transvaal, Middelburg, Lydenburg. Im Rücken des englischen Heeres beginnen die Burenführer de Wet und Olivier einen erfolgreichen Kleinkrieg; in der Kapkolonie erheben sich die Afrikander zu Gunsten der Buren. Präsident Krüger reist nach Europa, um Hilfe zu suchen, wird in Frankreich und den Niederlanden begeistert aufgenommen, erlangt aber keine Einmischung in den Krieg. († 1904 in der Schweiz.)
Fortdauer des Kleinkrieges. Die Engländer unter Kitchener (über 200000 Mann) versuchen vergeblich die von Botha, de Wet u. a. geführten Streifscharen der Buren einzuschließen, führen aber viele Gefangene, namentlich Frauen und Kinder, hinweg in die durch Stacheldraht eingehegten Konzentrationslager. Andere werden nach Ceylon, Indien, St. Helena gebracht. Unterstützung mit Geldmitteln und Kriegsbedarf aus den Niederlanden, Frankreich und Deutschland reicht nicht aus, um den Buren zum Siege zu verhelfen. Friedensschluß 31. Mai 1902: die Burenstaaten sind aufgehoben: die Buren müssen in die Einverleibung ihrer beiden Staaten in das britische Südafrika willigen; jedoch wird ihnen baldige Selbstverwaltung versprochen (S. 409). Sie erhalten als englische Untertanen zur Herstellung zerstörter Wohnorte eine Beihilfe von 3 Mill. Pfund Sterling (60 Mill. Mark).
Die englischen Kolonien in Australien (S. 302) werden durch eine Bundesverfassung zu einem Staat (Commonwealth) vereinigt.
Unter der langen Regierung der Königin Viktoria wechseln konservative und liberale Ministerien miteinander. 1843 irische Waffenbill (verbietet Einführung von Waffen nach Irland). 1845 Steuer- und Zollreform. 1869 Aufhebung der irischen Staatskirche. 1881 irische Landbill, vom Minister Gladstone beantragt, um die Mißstände und Unruhen in Irland zu bessern. 1885 Parlamentsreform (vgl. S. 348), nachdem schon 1867 das Wahlrecht erweitert war; Bildung gleichmäßiger Wahlkreise, das Wahlrecht bleibt an den Nachweis einer eigenen, wenn auch gemieteten Wohnung geknüpft (Minimalmietzins 10 Pfund Sterling). Der 1886 mit großer Mehrheit verworfene Antrag Gladstones, für Irland ein eigenes Parlament einzurichten (Home-rule-bill) wird 1893 vom Unterhaus angenommen, vom Oberhaus und dann von den Wählern verworfen. 1897 Haftpflichtgesetz zum Schutze der Arbeiter.
König Eduard VII. (S. 352). Der Minister Chamberlain betreibt einen engeren Anschluß der Kolonien an das Mutterland (Zollbund und Beiträge zur Unterhaltung der Kriegsflotte), tritt aber 1903 zurück. Neue irische Landbill 1903; die Pächter können mit Beihilfe des Staates Landeigentümer werden. Die Einsetzung eines Verwaltungsrats für Irland, 1907 vom Unterhause beschlossen, wird nicht vollzogen, da die Iren Widerspruch erheben und ein eigenes Parlament fordern. 1908 Gesetz über Altersunterstützung. 1909–1910 sozialpolitische Gesetzgebung. Lord Roberts’ Antrag auf Einführung der allgemeinen Wehrpflicht 1909 vom Oberhaus abgelehnt.
Englisch-französischer Vertrag über Ägypten und Marokko (s. S. 405). Die Neutralität des Suezkanals durch England garantiert.
Englische Expedition von Indien aus nach Tibet. Lhassa, Residenz des Dalai-Lama, des Oberhauptes der Buddhisten, erreicht. Ergebnis: Tibet darf ohne Englands Zustimmung kein Gebiet an eine fremde Macht abtreten und keine Erlaubnis zur Anlage von Eisenbahnen, Telegraphenlinien und Bergwerken geben.
Englisch-russisches Abkommen über Persien (s. S. 403). Das englische Parlament genehmigt eine Bundesverfassung für die Südafrikanische Union mit Einschluß der früheren Burenstaaten, welche die 1902 versprochene Selbstregierung 1906 erhielten. Botha Premier-Minister.
Siam tritt die Staaten Kelantan, Trengganu und Kedah (auf Malakka) an England ab.
König Georg V.
Englisch-amerikanischer Schiedsvertrag. Infolgedessen Revision des englisch-japanischen Bündnisses (s. S. 423).
Japan nähert sich Rußland wieder (s. S. 402).
Durch die radikale Parlamentsbill (Vetobill) des Ministers Asquith wird das Oberhaus fast aller seiner Rechte beraubt; es behält nur ein aufschiebendes Veto.
Während des Krönungsdurbar in Indien (Delhi) wird der alte Herrschersitz Delhi (S. 219, 300, 368) von König Georg V. an Stelle von Kalkutta zur Hauptstadt Indiens erhoben.
Englisch-ägyptische Truppen besetzen den Hafen und das Gebiet von Solum im Osten der Cyrenaica (Tripolis).
Das Königreich der Niederlande unter Wilhelm III. 1849 bis 1890 (vgl. S. 340 u. 363). 1873–1879 Krieg gegen den Sultan von Atschin auf Sumatra. Der Widerstand der Atschinesen erst 1895 gebrochen. 1887 Verfassungsrevision. Nach dieser folgt dem König seine Tochter Wilhelmina, bis 1898 unter Vormundschaft der Mutter Emma von Waldeck, seit 1901 mit dem Prinzen Heinrich von Mecklenburg-Schwerin vermählt. 1911 Gesetz über Alters- und Invalidenversicherung.
Das Großherzogtum Luxemburg (S. 380), seit 1842 im deutschen Zollverein, kommt 1890 durch männliche Erbfolge an Adolf, den früheren Herzog von Nassau (S. 379). Ihm folgt 1905 sein Sohn Wilhelm, der letzte männliche erbberechtigte Oranier. Regentin die Großherzogin Maria Anna von Braganza. Thronerbin: Prinzessin Marie (kath.).
Belgien unter Leopold II. (1865–1909, s. S. 350) in friedlicher Entwickelung als Industriestaat, doch nicht ohne Parteikämpfe (Liberale und Klerikale) und Arbeiterunruhen.
Konferenz zu Berlin unter Vorsitz des Fürsten Bismarck über das durch Stanleys Reise 1876 bis 1877 erschlossene Kongo-Gebiet. Ein neutraler Kongostaat wird gegründet unter der Oberhoheit Leopolds II., Königs der Belgier.
Der Kongostaat wird Kolonialgebiet des Königreichs Belgien.
König Albert I. Neffe Leopolds II. (S. 352). Gemahlin Elisabeth, Herzogin in Bayern.
Weltausstellung in Brüssel, zum Teil durch Feuer zerstört.
In Dänemark unter Christian IX. (1863–1906) lange Zeit Zwiespalt zwischen Regierung und Volksvertretung, besonders wegen der Befestigung von Kopenhagen, 1901 beigelegt durch Nachgeben des Königs. Kopenhagen befestigt. Herstellung freundlicher Beziehungen zu Deutschland seit dem Tode der Königin Luise 1898 (S. 362). König Friedrich VIII. seit 1906, vermählt mit Luise von Schweden. Befestigung der Verbindung mit den auswärtigen Besitzungen. 1904 neue Verfassung für Island. Reise des Königs Friedrich VIII. nach Island. Eifrige Pflege der Handels- und Verkehrsbeziehungen. 1903 Dampffähre für Eisenbahnzüge zwischen Warnemünde und Gjedser eröffnet. (Direkte Dampferlinie Kopenhagen-Bangkok.) Entsendung des Prinzen Waldemar zur Krönung des Königs von Siam 1911.
Schweden, 1872–1907 unter Oskar II., Bruder Karls XV. (S. 363), kann die seit 1814 bestehende Personalunion mit Norwegen nicht behaupten. Norwegen sagt sich 1905 los. Prinz Karl von Dänemark, Sohn Friedrichs VIII., Großneffe Oskars II., nennt sich als König von Norwegen Hakon VII. (s. S. 215). Seine Gemahlin Maud, Tochter Eduards VII. von England. In Schweden seit 1907 Gustav V., Gemahlin Viktoria von Baden. 1909 Dampffähre zwischen Trelleborg und Saßnitz (Rügen) eröffnet.
In der Schweiz 1874 Änderung der Bundesverfassung; für neue Gesetze wird der Bundesversammlung (S. 354) die Entscheidung entzogen und Volksabstimmung (Referendum) vorgeschrieben, wenn 8 Kantone oder 30000 Bürger sie verlangen. Ein Gesetz über Kranken- und Unfallversicherung wird 1900 durch Volksabstimmung verworfen, 1912 angenommen.
1905 Internationale Arbeiterschutz-Konferenz in Bern. Durchstich des Simplon 1906 vollendet, neue Eisenbahnverbindung mit Italien, für Frankreich erwünscht seit der Eröffnung der St. Gotthardbahn 1882. Bundespräsident ist seit 1903 Dr. Deucher.
Italien, seit 1861 einheitliches Königreich unter Viktor Emanuel II. (S. 370, 379, 381).
Dem Papste ist durch das Garantiegesetz von 1870 der Besitz der Peterskirche, des Vatikan- und des Lateranpalastes, dazu ein Jahreseinkommen von über 3 Mill. Francs gesichert; aber der Anspruch auf Herstellung des Kirchenstaats wird von päpstlicher Seite nicht aufgegeben. Aufhebung vieler Klöster, doch bleiben die Ordensgenerale und die geistlichen Seminare in Rom unter dem Schutz des Papstes.
Unter König Humbert (1878–1900) schließt der Minister Robilant 1887 den Dreibund (S. 395), den der Ministerpräsident Crispi, mit Bismarck persönlich befreundet, aufrecht erhält. Sorge für Besserung der Finanzen, Ausbau der Eisenbahnen, Anbau der römischen Campagna, Ausgrabungen und Neubauten in Rom. Der König wird 1900 (Juli) von einem Anarchisten in Monza ermordet.
Italien nimmt den Hafen Massaua am Roten Meer in Besitz. Erweiterung des Gebiets im Kriege gegen den Negus Negesti Johannes von Abessinien 1887–1889 zur Colonia Eritrea. Neue Kämpfe mit dem Negus Menelik (reg. 1889–1910 in Addis Abeba, seitdem sein Enkel Lidj Jeassu [geb. 1896], zunächst unter Vormundschaft). 1896 Niederlage der Italiener bei Adua, nur Massaua mit dem Küstengebiet (118000 qkm.) wird behauptet.
Italien erwirbt das Somaligebiet.
Viktor Emanuel III. (Gem. Elena von Montenegro). Der Dreibund wird trotz aller Vorliebe der Italiener für die Franzosen aufrechterhalten. (1909 Begegnung des Königs mit Zar Nikolaus II. in Racconigi.)
Verderblicher Ausbruch des Vesuv.
Messina und Reggio durch Erdbeben zerstört.
Papst Leo XIII. † (S. 393). Ihm folgt Pius X., der sich 1907 in einer Allocution und einer Encyclica gegen den Reformkatholizismus und die sog. Modernisten wendet.
Krieg Italiens gegen die Türkei: Italien, schon lange auf Ausbreitung seiner Macht in Nordafrika bedacht (S. 404), erhält 1901 von Frankreich (und bald darauf auch von England) die Anerkennung seiner Anwartschaft auf Tripolis. Zunächst nur wirtschaftliche Durchdringung des Landes geplant. Infolge des deutsch-französischen Abkommens über Marokko 1911 will Italien seine Entschädigung in Tripolis suchen. Die Stadt Tripolis nach kurzem Bombardement besetzt (Okt.), ebenso Benghasi, Derna und andere Hafenplätze. Im Nov. die unwiderrufliche Besitzergreifung von Tripolis und Cyrenaica verfügt und den Mächten angezeigt. Das Deutsche Reich übernimmt den Schutz der Italiener in der Türkei und der türkischen Untertanen in Italien. Einspruch von Rußland, Frankreich und England gegen eine Blockade der Dardanellen (S. 401). Unterstützung der Türken durch die Araber und die islamitische Welt. Die Eroberung des tapfer verteidigten Hinterlandes (Oasen Ain Zara, Tadjura, Birtobras, Gargaresch) geht nur langsam vorwärts. Im Roten Meer werden Jan. 1912 sieben türkische Kanonenboote durch italienische Torpedobootzerstörer vernichtet. Der Krieg dauert noch fort.
Spanien: 1868 (Sept.) Aufstand; Königin Isabella II. (S. 351, 363) vertrieben, flüchtet nach Frankreich. Die nach Madrid einberufenen Cortes beschließen, trotz des Widerstandes der republikanischen Partei, eine neue konstitutionell-monarchische Verfassung; Marschall Serrano einstweilen Regent. Nach mehrfachen Verhandlungen mit auswärtigen Fürsten nimmt Prinz Leopold von Hohenzollern-Sigmaringen 1870 die spanische Krone an. Nach seinem Rücktritt wird während des deutsch-französischen Krieges der Herzog von Aosta, zweiter Sohn des Königs Viktor Emanuel II. von Italien, von den Cortes zum König gewählt und besteigt als Amadeo I. 1870 (s. a. S. 381) den spanischen Thron. Jedoch fortdauernde Parteikämpfe veranlassen Amadeo schon 1873 zur Abdankung. Dann Bürgerkrieg; gegen die in Madrid eingesetzte republikanische Regierung kämpfen die Anhänger des Don Carlos (Enkel des S. 351 erwähnten). Herstellung der Monarchie 1875; König Alfons XII., Sohn der 1868 vertriebenen Königin Isabella bringt dem Lande Frieden, unterstützt von dem Minister Canovas. Don Carlos entflieht nach Frankreich. Alfons XII. stirbt 1885; für seinen Sohn Alfons XIII. regiert bis 1902 die Mutter Marie Christine von Österreich, unterstützt von dem Minister Sagasta.
Krieg mit den Vereinigten Staaten von Amerika (S. 418).
An Deutschland werden gegen eine Geldentschädigung überlassen: die Marianen, Karolinen (schon 1885 von Deutschland besetzt, aber durch Schiedsspruch des Papstes Leo XIII. den Spaniern zuerkannt) und Palau-Inseln (S. 396). Spanien behält von seinem alten Kolonialbesitz nur noch die Kanarischen Inseln, Span. Guinea (Rio Muni, Fernando Po, Corisco), die Küste von Rio de Oro und die 5 Presidios (Ceuta, Velez de la Gomera, Alhucemas, Melilla, Chafarinas) an der Küste von Marokko.
Sozialistische Aufstände, namentlich in Barcelona; doch bleibt die Monarchie erhalten.
Vermählung des Königs mit Viktoria Eugenie (Ena) von Battenberg (Nichte Eduards VII. von England). Bombenattentat am Hochzeitstage des Königpaares.
Tod des Prätendenten Don Carlos.
Krieg gegen die Rifkabylen in Marokko, die ein 300 km langes, 100 km breites Gebiet vom Kap Tres Forcas, unweit Melilla, bis an die Straße von Gibraltar beherrschen. Blutige Kämpfe um Melilla. Infolge der Truppensendungen nach Afrika schwere Ruhestörungen in Barcelona und ganz Katalonien. Der »Freiheitsapostel« Ferrer trotz vieler Protestkundgebungen hingerichtet.
Erneuerte Kämpfe um Melilla. 1911 (Jan.) Reise des Königs Alfons XIII. nach Marokko. Endlich (Nov.) Friedensvertrag mit den Kabylen.
Unterdessen und besonders infolge des deutsch-französischen Marokkoabkommens (S. 405) auch manche Reibereien zwischen Spaniern und Franzosen in Marokko. Die Verhandlungen mit Frankreich über die Abgrenzung der spanischen Besitzungen und Rechte in Marokko sind zur Stunde noch nicht abgeschlossen.
Portugal (S. 363) gelangt nach früheren Bürgerkriegen zu ruhigeren Zuständen unter den Königen aus dem Hause Koburg, seit 1853 (S. 352). Doch erhebt sich 1907 eine starke Bewegung gegen den Ministerpräsidenten Franco; am 1. Febr. 1908 wird König Karl I., mit ihm der Kronprinz Ludwig Philipp von Verschwörern erschossen. Sein zweiter Sohn und Nachfolger Manuel II. wird 1910 (Okt.) durch eine Revolution vertrieben, lebt in England. Portugal als Republik von den Mächten anerkannt. Trennung von Kirche und Staat durchgeführt. Bewegungen zu Gunsten der Monarchie mehrfach unterdrückt. Präsident: Manuel d’Arriaga (seit 1911).
Rumänien (S. 367, 399ff.) nimmt auf fast allen Gebieten einen erfreulichen Aufschwung. Eifrige Sorge des Fürsten Karl für Heer und Landesbefestigungen, Finanzen und Unabhängigkeit des Landes, Handel und Ackerbau, Volksbildung und Gesetzlichkeit. 1881 erklären die Kammern Rumänien als Königreich. König Karl I. erhält gute Beziehungen zum Dreibund, schließt eine Militärkonvention mit Österreich.
In Serbien nimmt Fürst Milan (Obrenowitsch) 1882 den Königstitel an, dankt aber 1889 ab zu Gunsten seines 12jährigen Sohnes Alexander. Dieser erklärt sich bereits 1893 für mündig, wird 1903 samt seiner Gemahlin Draga durch eine Verschwörung ermordet. Milan, von seiner Gemahlin Natalie geschieden, † 1901 in Wien. Seit 1903 Peter I. (Karageorgiewitsch) König von Serbien (s. S. 399).
In Montenegro seit 1860 Fürst Nikita (Nikolaus). Bei der Feier seines Regierungsjubiläums 1910 nimmt er ebenfalls den Königstitel an.
In Bulgarien wird 1879 Prinz Alexander von Battenberg (Hessen), ein Neffe des russischen Kaisers Alexander II. von der Sobranje (Deputiertenkammer) zum Fürsten erwählt.
Erhebung der Bulgaren gegen die Türken; Ostrumelien (S. 401) vereinigt sich mit dem Fürstentum Bulgarien, gegen Rußlands Willen. Serbien (König Milan) beginnt Krieg gegen Bulgarien. Fürst Alexander besiegt die Serben bei Slivnitza und Pirot (Nov. 1885), schließt aber auf Verlangen Österreichs Frieden. Er wird 1886 von der russischen Partei vertrieben, doch bleibt Ostrumelien mit Bulgarien vereinigt. Sein Nachfolger Ferdinand I. von Koburg-Kohary (S. 352) stützt sich zunächst auf Österreich, wird 1896 auch von Rußland anerkannt. Seine Diplomatie und das Ansehen seines Heeres setzen ihn in den Stand, 1908 die Erhebung Bulgariens (mit Ostrumelien) zu einem von der Türkei völlig unabhängigen Königreich ohne Schwertstreich durchzusetzen. Seitdem entschiedene Anlehnung an Rußland.
Griechenland, seit 1863 unter König Georg I. (v. Dänemark), 1864 durch Abtretung der Ionischen Inseln von seiten Englands (s. S. 341) vergrößert, erhält 1881, da die Großmächte ihr Verlangen an die Türkei (S. 401) erneuern, Thessalien und einen kleinen Teil von Epirus.
Krieg Griechenlands gegen die Türkei, veranlaßt durch einen Aufstand auf der Insel Kreta gegen die türkische Herrschaft. Die Griechen werden in Thessalien und Epirus geschlagen, müssen Frieden schließen und Kriegskosten zahlen. Kreta erhält auf Verlangen der europäischen Großmächte selbständige Verwaltung unter türkischer Oberhoheit; Prinz Georg von Griechenland Gouverneur bis 1906. Die Nichtbenutzung der Gelegenheit, die Insel Kreta in dem Augenblick anzugliedern, wo Österreich und Bulgarien 1908 Bosnien und Ostrumelien einverleibten, ruft in Griechenland lebhafte Erregung hervor, besonders im Heere. Mehrere Prinzen scheiden 1909 aus Armee und Flotte aus und erhalten mehrjährigen Auslandsurlaub. Auf Kreta (August 1909) überall die griechische Flagge gehißt. Die türkische Oberhoheit bleibt jedoch erhalten.
Das türkische Reich, seit 1878 (russisch-türkischer Krieg, s. S. 399ff.) in seinem europäischen Bestande sehr eingeschränkt (S. 401), hat immer wieder mit Empörungen seiner christlichen Untertanen zu kämpfen.
Blutige Verfolgung der Armenier und der syrischen Christen; England, Frankreich und Rußland gebieten Einhalt.
Aufstand in Macedonien, von den Bulgaren unterstützt; Österreich und Rußland nötigen die türkische Regierung zu Reformen, die aber nur halb zur Ausführung kommen. Der Kriegszustand dauert fort.
Für die Türkei erzwingt ein Militäraufstand (Jungtürken) vom Sultan Abdul Hamid (1876–1909) die Gewährung einer Verfassung (Senat und Deputiertenkammer), die schon 1876 verkündet, aber nach kurzer Zeit wieder aufgehoben worden war. Bosnien (S. 398 f.), Ostrumelien (s. oben) verloren; Novipazar wieder gewonnen (S. 398, 399).
Sultan Abdul Hamid ebenso wie 1876 sein älterer Bruder Sultan Murad V. abgesetzt. Seitdem Sultan Mohammed V.
Die türkische Regierung beschränkt die Weiterführung der von Konstaninopel ausgehenden Anatolischen Eisenbahn (Bagdadbahn; ihre Erbauung 1893 durch Georg von Siemens für die deutsche Arbeit [Deutsche Bank] gesichert, zunächst bis Kaisarie gestattet, 1902 einem deutsch-französischen Syndikat übertragen) auf die Strecke El Halif (zwischen Harran und Mosul) bis Bagdad. Später soll Kuweit am Persischen Meerbusen Endpunkt sein. Zweigbahn nach Alexandrette, Anschluß an die Hedschasbahn von Damaskus nach Medina-Mekka und die russisch-persischen Bahnen über Teheran nach Bagdad gesichert (S. 397).
Italienisch-türkischer Krieg (s. S. 412).
Die Vereinigten Staaten von Amerika, deren Gebiet seit 1848 bis zum Stillen Ozean reicht (S. 301 f.), an Volkszahl schnell wachsend durch Einwanderung aus Europa (1860: 31½ Mill. Einwohner), aufblühend durch Handel und großstädtische Industrie, geraten in schwere Gefahr durch Zwiespalt zwischen den Nordstaaten und den Sklaven haltenden Südstaaten. Die Wahl Abraham Lincolns zum Präsidenten der Union von seiten der Nichtsklavenstaaten führt zum
Bürgerkrieg. Die 11 Südstaaten erklären ihren Austritt (secession) aus der Union und schließen einen Sonderbund. Jefferson Davis Präsident. Sie erklären die Fortdauer der Negersklaverei wegen des Plantagenbaues (Zucker, Reis, Tabak, Baumwolle) für notwendig. Hauptschauplatz des Krieges der zu den Südstaaten gehörige Staat Virginia und das angrenzende Maryland. Die Sonderbundstruppen bedrohen 1861 nach dem Siege bei Bull-Run und 1862 nach der siebentägigen Schlacht bei Richmond die Bundeshauptstadt Washington, werden jedoch wieder zurückgedrängt. Die Unionstruppen erobern 1862 New-Orleans, 1863 Vicksburg am Mississippi.
Eine Proklamation Lincolns erklärt alle Sklaven der Südstaaten für frei. Der Südstaatengeneral Lee siegt bei Fredericksburg (Virginia), überschreitet den Grenzfluß Potomac, wird aber bei Gettysburg in Pennsylvanien zurückgeschlagen.
Der Nordstaatengeneral Grant kämpft gegen Lee in der Wilderness und bei Spotsylvania, belagert ihn dann in der starken Stellung zwischen den Festungen Richmond und Petersburg. Ein zweites Heer der Nordstaaten unter Sherman siegt bei Atlanta im Staate Georgia, dringt bis zur Küste vor nach Savannah, zieht im Frühjahr 1865 gegen Petersburg heran.
General Lee räumt Richmond und Petersburg, kapituliert mit 26000 Mann, bald darauf ergeben sich auch die übrigen Truppen der Südstaaten. Die Union bleibt erhalten, doch fügen die Südstaaten sich nicht bedingungslos.
Präsident Lincoln, der umsichtige Leiter der Union, wird von einem Anhänger der Südstaaten ermordet (14. April); sein Nachfolger Johnson zeigt sich nachgiebiger in der Sklavenfrage und gerät deshalb in Konflikt mit dem Kongreß, welcher die Aufhebung der Sklaverei im ganzen Unionsgebiet als Gesetz verkündet und den Negern Bürgerrecht und Stimmrecht verleiht. Daraus ergeben sich Übelstände, die zur Folge haben, daß unter dem Präsidenten Grant (1869–1877) die Südstaaten in mancher Hinsicht noch unter der Diktatur des Kongresses bleiben.
Aussöhnung erst unter Präsident Hayes (1877–1881), der auch die bei großer Steigerung des Handelsreichtums eingerissene Bestechlichkeit und Ämterjagd bekämpft, unterstützt von dem Deutschen Karl Schurz als Minister des Innern. Sein Nachfolger Garfield, der diese Bestrebungen weiterführt, wird nach wenigen Monaten ermordet (1881).
Erwerbung des russischen Amerika (Alaska) für 7200000 Dollar.
Eröffnung der ersten Pacificbahn (Omaha bis San Francisco). Schnellere Verbindung zwischen den Küsten des Atlantischen und des Großen Ozeans.
Auf die Streitigkeiten der mittel- und südamerikanischen Republiken wirkt die Union oft vermittelnd ein, so 1869 bei dem Frieden zwischen Spanien und dem erfreulich aufstrebenden Chile, das 1879–1884 Bolivia und Peru niederwirft, aber 1891 in einen gefährlichen Bürgerkrieg hineingerissen wird. In Brasilien wird 1889 eine Föderativrepublik von 20 Staaten (Vereinigte Staaten von Brasilien) eingerichtet (1888 die Sklaverei plötzlich abgeschafft); Kaiser Pedro II. (S. 346) zieht sich nach Portugal zurück. Seit 1910 Präsident Hermes da Fonseca. Gegenüber den europäischen Staaten nimmt die Union öfters eine feindliche Haltung an; s. Frankreich S. 371. Streit mit England über Schadenersatz, weil während des Bürgerkrieges Kaperschiffe für die Südstaaten in England ausgerüstet waren; ein Schiedsgericht zu Genf entscheidet 1872, daß England über 3 Mill. Pfund Sterling zu zahlen habe.
In der Union stark anwachsende Bevölkerung; 1890: 63 Mill., 1910: 88 Mill. Einwohner. Viele Eisenbahnen gebaut, um das weite Gebiet aufzuschließen (vgl. S. 421). Die Mac Kinley-Bill 1890 erhöht den Zolltarif der Vereinigten Staaten, um die europäische Einfuhr zu beschränken; 1891 Gesetz gegen die Einwanderung unbemittelter Personen.
Präsident Mac Kinley; die Union beginnt auswärtige Besitzungen zu erwerben, zuerst 1897 die Sandwich-Inseln annektiert (seit 1900 Territorium).
Krieg gegen Spanien zur Unterstützung der schon 1895 auf Cuba und den seit 1569 spanischen Philippinen (S. 223, 242) ausgebrochenen Aufstände. Die spanische Flotte wird in zwei Seetreffen, bei Cavite (Insel Luzon) und Santiago (Insel Cuba) vernichtet. Im Frieden zu Paris tritt Spanien Puerto Rico und die Philippinen gegen eine Geldentschädigung an die Union ab. Cuba wird eine Republik, muß aber der Union gewisse Aufsichtsrechte und mehrere Flottenstationen einräumen (Insel Guam s. S. 426).
Bei der Teilung der Samoa-Inseln (S. 407) nimmt die Union Tutuila mit dem Hafen Pago-Pago und die Manuagruppe (203 qkm).
Präsident Roosevelt, Nachfolger des ermordeten Mac Kinley. Das Deutsche Reich tritt in engere Beziehungen zur Union. Als Deutschland, England und Italien wegen Handelsstörungen mit der Republik Venezuela (Präsident Castro) in Streit geraten und ihre Küste durch Kriegsschiffe blockieren, Vermittlung durch den Vertrag zu Washington (Juli 1903); Venezuela muß bedeutende Entschädigung zahlen.
Vertrag der Union mit Colombia (S. 346) über Gebietsabtretung zum Ausbau des 1881 von französischen Kapitalisten (Panamagesellschaft, 1889 aufgelöst) begonnenen Panama-Kanals. Da in Colombia sich Widerspruch erhebt, bildet sich eine besondere Republik Panama unter dem Schutze der Vereinigten Staaten. Der Kanal (Schleusenkanal) soll am 1. Jan. 1915 eröffnet werden, wie der Suezkanal neutral und allen Völkern unter den gleichen Bedingungen geöffnet sein.
San Franzisko durch Erdbeben größtenteils zerstört, doch bald wiederhergestellt.
Verschärftes Gesetz über die Einwanderung.
Präsident Taft, vorher Kriegsminister und Gouverneur der Philippinen, hält das gute Einvernehmen mit dem Deutschen Reiche aufrecht.
Aufstand in Mexiko. Verschwörung gegen den Präsidenten Porfirio Diaz (S. 371). Die Vereinigten Staaten ziehen Truppen an der Grenze zusammen. Porfirio Diaz dankt 1911 ab. Madero, der Hauptführer der Aufständischen, wird zu seinem Nachfolger gewählt, Ende des Aufstandes. 1912 neue Unruhen.