Die Preußen erstürmen die Düppeler Schanzen (118 Geschütze erobert). Die Dänen ziehen sich nach Alsen, Fünen und Nordjütland zurück, räumen auch die Festung Fridericia.
Waffenruhe, Verhandlungen zu London. Da man sich weder über eine Personal-Union der Herzogtümer mit der Krone Dänemark, noch über eine Teilung Schleswigs nach den Nationalitäten einigen kann (Dänemark hofft vergeblich auf Hilfe von England und Rußland), so sagt Preußen sich von dem durch Dänemark so oft gebrochenen Londoner Protokoll los, und der Krieg beginnt von neuem. — Die Preußen unter General Herwarth von Bittenfeld bewerkstelligen bei Nacht auf Kähnen den
Übergang nach der Insel Alsen, schlagen die Dänen auf allen Punkten und treiben sie nach Fünen hinüber. Auch Nordjütland wird von den Verbündeten besetzt.
Zur See hatten am 17. März drei preußische Schiffe bei Jasmund (an der Ostseite von Rügen), am 9. Mai zwei österreichische und drei preußische Schiffe bei Helgoland gegen die Dänen gekämpft; vom 13. bis 17. Juli gelang mit Hilfe der Kanonenboote die Besetzung der Inseln Sylt und Föhr.
Waffenstillstand, Verhandlungen in Wien.
Genfer Konvention zum Schutz der Verwundeten und Kranken im Kriege, von den meisten europäischen Staaten unterzeichnet (das Rote Kreuz).
Friede zu Wien: König Christian IX. von Dänemark tritt die Herzogtümer Schleswig, Holstein und Lauenburg an Österreich und Preußen ab.
Die Bundestruppen verlassen Holstein; Österreich und Preußen setzen für die Herzogtümer eine gemeinschaftliche Regierung ein. Mißstimmung darüber in den Herzogtümern und vielfach in Deutschland; man wünscht ein selbständiges Schleswig-Holstein. Österreich begünstigt die Einsetzung des Prinzen Friedrich von Augustenburg; der preußische Minister v. Bismarck verlangt (Febr. 1865) für den Fall, daß zu den in Deutschland vorhandenen Kleinstaaten ein neuer hinzutreten soll: 1. Daß dessen gesamte Streitkräfte ein Teil der preußischen Armee und Flotte werden, 2. Seine Eisenbahnen, sein Post- und Telegraphenwesen unter preußische Leitung kommen, 3. Eintritt der Herzogtümer in den Zollverein und Abtretung einiger militärisch wichtiger Orte, namentlich Friedrichsort an der Kieler Förde und Sonderburg.
Um Streitigkeiten zwischen den Regierungskommissaren der beiden Großmächte fernerhin zu vermeiden, schließen Österreich und Preußen den
Vertrag zu Gastein: 1. Beide Mächte behalten die gemeinschaftliche Oberhoheit über beide Herzogtümer; Österreich übernimmt vorläufig die Verwaltung in Holstein, Preußen in Schleswig. Rendsburg soll Bundesfestung, Kiel Bundeshafen werden; die Benutzung dieses Hafens bleibt gemeinschaftlich, doch erhält Preußen dort den Oberbefehl; auch werden ihm zwei Militärstraßen, Telegraphen- und Postlinien durch Holstein zugesichert. 3. Österreich tritt das Herzogtum Lauenburg (S. 341) an Preußen ab gegen Zahlung von 2½ Millionen dänischer Taler. Bald zeigt sich, daß diese Einigung keinen Bestand haben kann. Österreich, entschlossen, eine wesentliche Machtvergrößerung Preußens nicht zuzugeben, verständigt sich mit den deutschen Mittelstaaten; Preußen, welches eine kriegerische Entscheidung der deutschen Frage als unvermeidlich ansieht, tritt mit Italien in Unterhandlung. Es beginnt ein Krieg, der durch das energische Vorgehen der preußischen Heeresmacht schnell zu Ende geführt wird.
Verbündete Preußens: Die kleineren norddeutschen Staaten und Italien (s. S. 379).
Verbündete Österreichs: Bayern, Württemberg, Sachsen, Hannover, Baden, beide Hessen.
Ursache: Das Verlangen der deutschen Nation nach größerer Einheit. Eine Neugestaltung Deutschlands mit starker Bundesgewalt gegenüber den Einzelstaaten war unmöglich, solange sich im Deutschen Bunde zwei Großmächte gegenüberstanden, von welchen die eine größtenteils nicht deutsche Bevölkerung und nicht deutsche Interessen hatte.
Veranlassung: Der Streit über die Zukunft der Herzogtümer Schleswig und Holstein.
Preußen stellt bei dem Bundestage in Frankfurt den Antrag auf Reform der Verfassung des Deutschen Bundes unter Mitwirkung eines aus allgemeinem Wahlrecht hervorgehenden Parlaments.
Die von Frankreich, England und Rußland (24. Mai) angebotene Vermittelung wird vereitelt durch die Forderung Österreichs, daß auf der etwaigen Friedenskonferenz von keiner Gebietsveränderung die Rede sein solle.
Österreich stellt (1. Juni) die Entscheidung der schleswig-holsteinischen Erbfolgefrage dem Deutschen Bunde anheim und läßt durch den Gouverneur v. Gablenz die holsteinische Ständeversammlung einberufen. Preußen erklärt dies für einen Bruch des Gasteiner Vertrages; Gen. v. Manteuffel, Gouverneur von Schleswig, rückt mit Truppen in Holstein ein. Gablenz mit den österreichischen Truppen zieht sich unter Protest zurück.
Preußen legt den deutschen Regierungen den Entwurf einer neuen bundesstaatlichen Verfassung unter preußischer Leitung mit Ausschluß Österreichs vor. Der Bundestag zu Frankfurt beschließt auf Österreichs Antrag
Mobilmachung der gesamten Bundesarmee mit Ausnahme der drei preußischen Bundesarmeekorps. Austritt Preußens und Auflösung des Deutschen Bundes.
Aufforderung Preußens an Sachsen, Hannover und Kurhessen, von dem Bundesbeschluß zurückzutreten, ihre Truppen auf Friedensfuß zu setzen und sich dem vorgeschlagenen neuen Bunde unter preußischer Leitung anzuschließen. Diese Aufforderung wird abgelehnt.
Preußen: Erste Armee (Prinz Friedrich Karl) i. d. Lausitz, 93000 M. Elbarmee (General Herwarth v. Bittenfeld) i. d. Provinz Sachsen, 46000 M. Erstes Reserve-Korps (General v. d. Mülbe) bei Berlin, 24000 M. Zweite Armee (Kronprinz Friedrich Wilhelm) in Schlesien, 115000 M.
Österreich: Nordarmee (Feldzeugmeister v. Benedek) in Böhmen und Mähren, 240000 M.
Sächsische Armee (Kronprinz Albert) 24000 M.
Einmarsch der preußischen Elbarmee in Sachsen. König Johann begleitet seine Truppen nach Böhmen; nur die Festung Königstein bleibt von sächsischen Truppen besetzt.
Die Elbarmee besetzt Dresden; bei ihrem weiteren Vormarsch bleibt die 1. Division des Korps v. d. Mülbe als Besatzung in Sachsen.
Die preußische Elb- und die erste Armee überschreiten die österreichische Grenze ohne Gefecht, die zweite Armee folgt am 26. Juni; gemeinsames Ziel Gitschin.
Erstes Zusammentreffen an der Iser: Siegreiche Gefechte der Preußen am 26. Juni bei Podol (Teile der ersten Armee) und bei Hühnerwasser (Teile der Elbarmee); dann gewinnen beide Armeen Anschluß und sind bei Münchengrätz (28. Juni) und Gitschin (29. Juni) siegreich.
Das zur preußischen zweiten Armee gehörige Korps v. Bonin wird am 27. Juni von den Österreichern bei Trautenau geschlagen, aber die preußische Garde dringt siegreich vor bei Soor (28. Juni) und besetzt Königinhof (29. Juni). Vereinigung mit dem Korps des Generals von Steinmetz, welcher drei österreichische Korps bei Nachod (27. Juni), Skalitz (28. Juni), Schweinschädel (29. Juni) zurückgeschlagen hat.
König Wilhelm I. trifft am 1. Juli in Gitschin ein und übernimmt den Oberbefehl über alle preußischen Heere; Chef des Generalstabes General v. Moltke. Es wird beschlossen, mit vereinten Kräften die Österreicher anzugreifen, welche hinter dem Flüßchen Bistritz auf den Höhen von Chlum, im Rücken gedeckt durch die Festung Königgrätz, ihre Aufstellung genommen hatten (206000 Mann mit über 500 Geschützen).
Schlacht bei Königgrätz. Harter Kampf der ersten preußischen Armee bei Sadowa und Benatek gegen die Österreicher; große Verluste erleidet die Division des Generals v. Fransecky im Walde von Masloved. Auf dem rechten Flügel kämpft die Elbarmee bei Nechanitz gegen Sachsen und Österreicher. Am Nachmittag kommt die zweite (schlesische) Armee unter dem Kronprinzen nach anstrengendem Marsche von links her den Österreichern in die Flanke; das Gardekorps erstürmt die Höhe von Chlum. Rückzug der Österreicher nach Königgrätz, die Preußen erbeuten 5 Fahnen, 161 Geschütze, machen 20000 Gefangene. Weiterer Rückzug nach Olmütz.
Kaiser Franz Joseph ruft Frankreichs Vermittelung an und tritt Venetien an Napoleon III. ab; der von Frankreich begehrte Waffenstillstand wird jedoch von Preußen und von Italien zurückgewiesen. Ein großer Teil der österreichischen Südarmee wird aus Italien zum Schutze der bedrohten Hauptstadt Wien herangezogen. Die Preußen besetzen Prag (8. Juli) und Brünn (12. Juli); die erste Armee rückt von Brünn aus rasch gegen Wien vor, während die zweite nach dem Treffen bei Tobitschau (15. Juli, General v. Bonin) durch Besetzung von Prerau die Eisenbahnverbindung zwischen Olmütz und Wien abschneidet.
Benedek führt seine Truppen über die Kleinen Karpathen, um Wien auf dem Umwege durch das Waagtal zu erreichen. Das preußische Hauptquartier wird am 18. Juli nach Nikolsburg (südlich der Taya) verlegt. Das Treffen bei Blumenau (unweit Preßburg) am 22. Juli (General v. Fransecky) entscheidet sich bereits zu Gunsten der Preußen, als es um 12 Uhr abgebrochen werden muß infolge der mittlerweile abgeschlossenen fünftägigen Waffenruhe. Darauf
Waffenstillstand zu Nikolsburg, nachdem ohne Frankreichs Mitwirkung, aber mit Rücksicht auf seine Forderungen, die Friedenspräliminarien unterzeichnet worden sind.
a) Preußen gegen Hannover und Kurhessen.
Preußische Westarmee: General Vogel v. Falckenstein; sie ist zunächst noch getrennt: Division Goeben bei Minden, Division Manteuffel in Holstein, Division Beyer bei Wetzlar, zusammen 48000 M.
Hannoveraner 21000 M., Kurhessen 8000 M.
Die preußische Westarmee besetzt Hannover und Kurhessen.
Abmarsch der hannoverschen Truppen über Göttingen nach Heiligenstadt zur Vereinigung mit den süddeutschen Bundeskorps, die aber nicht erreicht wird. König Georg V. begleitet sein Heer. Die Kurhessen gewinnen durch schleunigen Abmarsch Anschluß an die Süddeutschen, finden im Laufe des Feldzuges als Besatzung von Mainz Verwendung. Kurfürst Friedrich Wilhelm von Hessen kommt als Gefangener nach Stettin.
Gefecht bei Langensalza zwischen 20500 Hannoveranern und 8500 Preußen und Koburg-Gothaern (Gen. v. Flies). Die Preußen müssen sich nach 7stündigem, hartem Kampfe zurückziehen; aber durch schnelles Herbeiziehen von Verstärkungen (Generale v. Manteuffel und v. Beyer) wird der Zweck erreicht, der hannoverschen Armee den Weg zu ihren süddeutschen Verbündeten zu verlegen.
Kapitulation von Laugensalza. Das Heer wird aufgelöst und entwaffnet (mit Ausnahme der Offiziere); König Georg V. begibt sich nach Österreich.
b) Preußen gegen die Süddeutschen.
Die preußische Mainarmee, bisher Westarmee (S. 377) 45000 M. Bei dem später eintreffenden Korps des Großherzogs Friedrich Franz von Mecklenburg-Schwerin die Truppen von Mecklenburg, Sachsen-Altenburg und Braunschweig.
Nach Langensalza erhält die Mainarmee den Auftrag, über Fulda auf Schweinfurt zu marschieren, um die Vereinigung der beiden süddeutschen Korps zu verhindern und zunächst die Bayern zu schlagen.
Für Österreich: Das VII. Bundes-Armeekorps (Bayern-Versammlung bei Schweinfurt) 40000 M. und das VIII. Bundes-Armeekorps (Württemberg, Baden, Hessen-Darmstadt, Nassau und eine österreichische Brigade-Versammlung bei Frankfurt a. M.) 46000 M. Oberbefehl: Prinz Karl von Bayern.
Die Mainarmee besiegt die Bayern bei Dermbach (4. Juli) und an der Fränkischen Saale (Kissingen 10. Juli), die Hessen bei Laufach (13. Juli) und das VIII. Korps bei Aschaffenburg (14. Juli). Dadurch werden die Verbündeten (dauernd getrennt) auf das linke Mainufer gedrängt; am 16. Juli besetzt General v. Falckenstein Frankfurt, von wo sich der Bundestag nach Augsburg geflüchtet hat.
Fortsetzung des Feldzuges unter dem Oberbefehl des Gen. v. Manteuffel. Gefechte bei Tauberbischofsheim gegen die Württemberger und bei Werbach gegen die Badener (24. Juli), bei Roßbrunn gegen die Bayern (26. Juli). Die Bayern behaupten noch die Citadelle von Würzburg, aber das von Leipzig her vorrückende Reservekorps des Großherzogs von Mecklenburg (25000 M.) besetzt Nürnberg (31. Juli). Waffenstillstand am 2. August.
Italien zum Bündnis mit Preußen veranlaßt durch die günstige Gelegenheit, Venetien zu gewinnen.
Die österreichische Südarmee (138000 Mann) unter Erzherzog Albrecht sammelt sich bei Verona. Von den Italienern (210000 Mann) rückt ein Korps von Bologna her gegen den Po vor, der größte Teil überschreitet unter Führung des Königs Viktor Emanuel den Mincio, wird aber am 24. Juni bei Custozza geschlagen. Neues Vorgehen der Italiener, nachdem ein großer Teil der österreichischen Truppen zum Schutze Wiens abberufen ist. Die italienische Flotte wird am 20. Juli bei der Insel Lissa von der österreichischen (Admiral Tegethof) geschlagen. Waffenstillstand am 25. Juli.
Friede zu Prag zwischen Preußen und Österreich: 1. Der Kaiser von Österreich erkennt die Auflösung des Deutschen Bundes an, gibt seine Zustimmung zu einer Neugestaltung Deutschlands ohne Österreich, erkennt im voraus die in Norddeutschland von Preußen vorzunehmenden Gebietsveränderungen an, bedingt aber dem Königreich Sachsen unveränderten Bestand (als Glied des neuen Norddeutschen Bundes) aus. 2. Österreich überträgt seine Rechte auf Schleswig-Holstein an Preußen, nur soll der nördliche Teil Schleswigs mit Dänemark wieder vereinigt werden, wenn die Bevölkerung den Wunsch dazu durch freie Abstimmung zu erkennen gibt (aufgehoben 1878). 3. Österreich zahlt 20 Millionen Taler Kriegskosten. 4. Preußen bedingt die Übergabe Venetiens an Italien aus.
Schleswig-Holstein, Hannover, Kurhessen, Nassau und die freie Stadt Frankfurt werden mit der preußischen Monarchie vereinigt. Die süddeutschen Staaten und Sachsen müssen einzeln Frieden schließen und Kriegskosten zahlen. — Von den beabsichtigten Gebietsabtretungen der Südstaaten wird in der Hauptsache Abstand genommen (nur Bayern und Hessen müssen Grenzstriche abtreten, jenes Orb und Gersfeld, dieses die eben geerbte Landgrafschaft Hessen-Homburg), weil Napoleon III. Deutschland gegenüber das Verlangen nach einer »Grenzberichtigung« zeigt (s. S. 377).
Zwischen Preußen und den Südstaaten werden Schutz- und Trutzbündnisse geschlossen: Gegenseitige Garantie des Gebiets, die süddeutschen Staaten stellen für den Fall eines Krieges ihre gesamten Streitkräfte unter den Oberbefehl des Königs von Preußen. Das Verlangen Napoleons III. (Abtretung der bayrischen Rheinpfalz und des linksrheinischen Hessen mit Mainz) wird zurückgewiesen.
Friede zu Wien zwischen Österreich und Italien. Venetien wird mit dem Königreich Italien vereinigt.
Beilegung des Verfassungsstreits in Preußen (S. 372) durch ein vom Landtage angenommenes Indemnitätsgesetz wegen der seit 1862 ohne Staatshaushaltsgesetz geführten Verwaltung.
Der Norddeutsche Bund, gebildet von Preußen, den im Kriege mit ihm verbündet gewesenen Staaten, dem Königreich Sachsen und der nördlichen Hälfte des Großherzogtums Hessen. Erster Reichstag des Norddeutschen Bundes 1867 in Berlin; die Verfassung wird vereinbart. Bundesleitung bei der Krone Preußen, welche den Bund völkerrechtlich vertritt, in seinem Namen Krieg erklärt, Frieden und Bündnisse schließt, Gesandte beglaubigt. Die Vertretung der Regierungen bildet der Bundesrat, in dem Preußen 17, die übrigen 21 Bundesglieder zusammen 26 Stimmen haben. Reichstag aus allgemeinen und direkten Wahlen. Einheitliches Heer unter dem Oberbefehl des Königs von Preußen (allgemeine Wehrpflicht), einheitliche Zoll-, Post- und Telegraphenverwaltung. Graf Bismarck Bundeskanzler.
Deutsches Zollparlament. Abgeordnete aus den süddeutschen Staaten erscheinen im norddeutschen Reichstag, um die durch Vertrag zwischen den Regierungen 1867 angebahnte Wiederherstellung des Zollvereins (S. 361) durchzuführen.
Die preußische Flotte (S. 361) wird zur norddeutschen Kriegsflotte; Kriegshäfen werden in Kiel und Wilhelmshaven angelegt. Bestand der Flotte 1870: 3 Panzerfregatten, 2 Panzerfahrzeuge, 9 Korvetten, 2 Avisos, 22 Kanonenboote.
Streit über Luxemburg. Napoleon III. unterhandelt, um für Frankreich doch eine Vergrößerung zu gewinnen (S. 379), mit dem König der Niederlande über Abtretung des Großherzogtums Luxemburg an Frankreich gegen eine Geldentschädigung und verlangt, daß die früher zum Deutschen Bunde (S. 341), nicht aber zu dem neuen Norddeutschen Bunde gehörende Festung Luxemburg von der preußischen Besatzung geräumt werde.
Ausgleich durch Beschluß einer Konferenz der Großmächte zu London (Italien als sechste Großmacht anerkannt): 1. Die Neutralität des Großherzogtums wird von den Großmächten gemeinsam gewährleistet; 2. Die preußische Besatzung räumt die Stadt Luxemburg, deren Festungswerke geschleift werden.
Ende des Kirchenstaates. Italienische Freischaren machen mit stillschweigender Gutheißung ihrer Regierung 1867 (Sept.) einen Angriff auf das päpstliche Gebiet. Napoleon III. erklärt den früheren Vertrag (S. 370) für gebrochen und schickt dem Papste Hilfe. Die Freischaren werden bei Mentana geschlagen; ihr Führer Garibaldi wird nach kurzer Haft wiederum nach Caprera entlassen. Rom erhält von neuem eine französische Besatzung (S. 363, 370).
Eröffnung des Vatikanischen Konzils in Rom, durch welches das Ansehen des Papsttums nach der Einschränkung seiner weltlichen Herrschaft gesichert und erhöht werden soll. Verkündung des Unfehlbarkeits-Dogmas am 18. Juli 1870. Am 20. Sept. 1870 wird Rom von den italienischen Truppen besetzt, da die französische Besatzung zurückgezogen ist (s. S. 385). Aufhebung des Kirchenstaates. Rom wird Hauptstadt des geeinigten Italiens.
Ursache: Die Meinung der Franzosen, daß ihrer Nation auf dem europäischen Festlande eine herrschende Machtstellung zukomme. Letztere hatte die Schwäche der Nachbarstaaten, vor allem Deutschlands zur Voraussetzung. Die Begründung des italienischen Einheitsstaates und die Entstehung eines mächtigen deutschen Bundesreiches erschien den Franzosen wie eine Schmälerung ihres Ruhmes.
Veranlassungen: 1. Die inneren Verlegenheiten der Regierung Napoleons III., welcher, für seinen Thron fürchtend, dem gesetzgebenden Körper (S. 355) erweiterte Rechte zögernd zugesteht; 2. Die Ablehnung der seit 1866 wiederholt verlangten Ausgleichungen für die Vergrößerung Preußens an Land und Macht (S. 379, 380). Der von Napoleon durch Benedetti 1867 schriftlich in Berlin eingereichte Vertragsentwurf, nach welchem Napoleon Luxemburg und Belgien besetzen und dafür Preußen die Aufnahme der süddeutschen Staaten in den Norddeutschen Bund gestatten wollte, war von Bismarck »dilatorisch« behandelt worden.
Vorwand: Die Übertragung der spanischen Krone an den Prinzen von Hohenzollern (s. u. § 16), die in Paris als eine preußische, Frankreich gefährdende Intrige dargestellt wird.
Das durch den französischen Botschafter Benedetti in Ems (9. Juli) an König Wilhelm I. gestellte Verlangen, »dem Prinzen von Hohenzollern die Annahme der spanischen Krone zu verbieten«, wird zurückgewiesen. Nach dem freiwilligen Rücktritt des Prinzen verlangt die französische Regierung eine Erklärung des Königs, »daß er die Bewerbung des Prinzen um die spanische Krone in Zukunft niemals wieder zulassen werde«. König Wilhelm weist den französischen Botschafter ab (13. Juli); Graf Bismarck läßt die Nachricht davon gebende »Emser Depesche« in verkürzter Form alsbald durch die Zeitungen verbreiten. Darauf Kriegserklärung Frankreichs (19. Juli). Die süddeutschen Staaten schließen sich unverzüglich auf Grund der bestehenden Bündnisse (S. 379) der Kriegsrüstung des Norddeutschen Bundes an.
Deutsche Streitkräfte, Oberbefehl König Wilhelm I.
Chef des Generalstabes: General v. Moltke.
Am 31. Juli stehen bereit:
| I. | Armee (General v. Steinmetz) südlich von Trier, 60000 M. |
| II. | Armee (Prinz Friedrich Karl) südlich von Mainz, 194000 M. einschl. Reserve. |
| III. | Armee (hierbei zwei Bayr. Korps, sowie Württemb. und Badische Div.; Kronprinz von Preußen) zwischen Landau und Speier, 130000 M. |
Drei Armeekorps (100000 M.) werden Anfang August zur Verstärkung herangezogen.
Zur Küstenverteidigung: General-Gouverneur Vogel v. Falckenstein, 17. Division und Landwehr.
Zusammen (einschl. aller Besatzungs- und Ersatztruppen) nahezu eine Million Mann.
Feldzugsplan: Eroberung von Paris, auf dem Wege dahin Abdrängen des Feindes von dem reichen Süden in das engere Hinterland des nördlichen Frankreichs. Angreifen unter Zusammenhalten der Kräfte, wo sich der Feind stellt.
Französische Streitkräfte: 300000 M., vorläufig als Rheinarmee unter Oberbefehl des Marschalls Bazaine. Davon stehen:
Marschall Mac-Mahon bei Straßburg mit 100000 M.,
Marschall Bazaine bei Metz mit 150000 M.,
Reserven bei Nancy und im Lager von Châlons-sur-Marne,
zusammen 50000 M. Außerdem können noch 115 Bataillone ins Feld rücken, sobald die Nationalgarde sie im Innern des Landes ersetzt.
Auch der französische Feldzugsplan geht auf überraschenden Angriff aus, wird aber zu langsam ausgeführt.
Eine französische Flotte erscheint in der Ostsee, bald darauf eine zweite in der Nordsee; es kommt aber zu keiner Landung. Die norddeutsche Flotte bewacht die Flußmündungen; 17. Aug. Gefecht der Grille, von 3 Kanonenbooten unterstützt, bei Rügen gegen 8 französische Schiffe. Im Sept. ziehen beide französische Flotten sich zurück. 9. Nov. Kampf des Kanonenboots Meteor bei Havanna gegen ein größeres französisches Schiff, das zum Rückzug in den Hafen genötigt wird. Im Januar 1871 nimmt die Korvette Augusta in der Gironde französische Transportschiffe weg, muß dann aber in einem spanischen Hafen Schutz suchen.
Bismarck erreicht (29. Juli) durch eine aktenmäßige Enthüllung
der Anerbietungen Napoleons auf Kosten Süddeutschlands,
Luxemburgs und Belgiens, daß England, Dänemark,
Österreich und Italien neutral bleiben. Rußland tritt diplomatisch
für Preußen in Wien ein.
Die Franzosen, von Metz her vorrückend, besetzen durch ein Armeekorps in Gegenwart des Kaisers Napoleon die nur von 1500 Mann preußischer Truppen verteidigte Stadt Saarbrücken
Treffen bei Weißenburg. Die Vorhut der III. Armee (Preußen und Bayern) erstürmt Weißenburg und den stark befestigten Geisberg.
Mac-Mahon vereinigt seine Truppen und erwartet den Feind in starker Stellung, erleidet aber in der
Schlacht bei Wörth durch das Heer des Kronprinzen Friedrich Wilhelm eine vollständige Niederlage. Mac-Mahon zieht sich auf das befestigte Lager bei Châlons zurück.
Daselbst trifft bald auch Kaiser Napoleon III. ein und überträgt Mac-Mahon den Oberbefehl über die neugebildete Armee.
Schlacht bei Spichern (Saarbrücken). Teile der I. und II. Armee (Gen. v. Kameke, v. Alvensleben, v. Goeben) erstürmen die stark verschanzten Spicherer Höhen.
Der Kronprinz mit der III. Armee rückt, nach Absendung eines Korps unter General v. Werder zur Belagerung von Straßburg, durch die unverteidigten Pässe des Wasgen-Waldes nach Nancy. Die I. Armee marschiert auf Metz, die II. Armee auf Pont à Mousson mit der Absicht, das französische Heer in und bei Metz von Paris abzuschneiden.
Um dem zuvorzukommen, beschließt Bazaine den Rückzug über Verdun nach Châlons-sur-Marne, zur Vereinigung mit Mac-Mahon und neu herangezogenen Truppen. Napoleon III. eilt voraus nach Châlons. Bazaine nimmt, als ihn unweit Metz die Vorhut der I. Armee angreift, den Kampf auf dem rechten Moselufer an. Durch die
Schlacht bei Colombey-Nouilly wird deutscherseits der Zweck erreicht, den Abzug des Gegners auf Verdun zu verzögern. Der Abmarsch wird gänzlich vereitelt durch die
Schlacht bei Vionville — Mars la Tour, in welcher Prinz Friedrich Karl mit Teilen der II. Armee (die Brandenburger unter Gen. v. Alvensleben) die weit überlegenen feindlichen Streitkräfte bei Metz festhält. Verlust 16000 Mann, ebensoviel auf französischer Seite.
Nachdem die übrigen Truppen der I. und II. Armee herangekommen sind, werden die Franzosen in ihren befestigten Stellungen westlich von Metz von neuem angegriffen.
Schlacht bei Gravelotte-Saint Privat. 180000 Deutsche unter dem Oberbefehl König Wilhelms gegen mindestens ebensoviel Franzosen. Mörderischer Kampf auf dem linken Flügel; die preußische Garde, von den Sachsen unterstützt, erstürmt die Höhen von St. Privat. Verlust der Deutschen 20000, der Franzosen 13000. Bazaines Armee wird in die Festung Metz gedrängt und daselbst eingeschlossen.
Prinz Friedrich Karl leitet die Belagerung von Metz, während die III. Armee (Kronprinz) von Nancy her gegen Châlons vorrückt. Mit ihr wirkt zusammen eine von der II. Armee (die vor Metz bleibt) abgetrennte IV. (Maas-) Armee unter Kronprinz Albert von Sachsen.
Mac-Mahon verläßt, von Napoleon III. begleitet, Châlons und versucht auf dem Umwege über Reims Metz zu erreichen, um sich mit Bazaine zu vereinigen. Dies Unternehmen wird deutscherseits rechtzeitig entdeckt; die III. und IV. Armee schwenken deshalb vom Vormarsch gegen Paris rechts ab; die IV. Armee erreicht die Franzosen an der Maas, greift an und verhindert durch die siegreiche
Schlacht bei Beaumont den geplanten Entsatzversuch von Metz, drängt auch die Mac-Mahonsche Armee in eine äußerst ungünstige Lage.
Bazaine versucht die Einschließung von Metz zu durchbrechen, wird aber durch die
Schlacht bei Noisseville zurückgetrieben.
Gleichzeitig wird Mac-Mahon von der III. und IV. deutschen Armee bei Sedan an der Maas eingeschlossen (über 200000 Deutsche gegen 124000 Franzosen).
Schlacht bei Sedan. Heftiger Kampf der Bayern bei Bazeilles, der Sachsen bei Daigny, der Preußen bei Givonne, Illy und Floing. Die Franzosen werden in die Stadt hineingedrängt. Nach Beginn der Beschießung wird in der Stadt die weiße Fahne aufgezogen. Napoleon III. gibt sich gefangen, verläßt die Stadt am 2. Sept. früh. Zusammentreffen mit Graf Bismarck bei Donchery, wo während der Nacht über die Bedingungen der Übergabe verhandelt war (Moltke, Bismarck, Wimpffen, Mac-Mahon war verwundet).
Übergabe von Sedan, 39 Generale, über 2300 Offiziere, 83000 Mann (außerdem schon während der Schlacht über 20000 M.) kriegsgefangen, 419 Feld- und 139 Festungsgeschütze erbeutet.
3090 Mann erreichen die belgische Grenze und werden dort entwaffnet; das Korps Vinoy entkommt von Mézières nach Paris.
Zusammenkunft zwischen Kaiser Napoleon III. und König Wilhelm I. in dem Schlosse Bellevue bei Donchery; Napoleon als Kriegsgefangener nach Wilhelmshöhe (bei Kassel) gebracht.
Frankreich Republik (Dritte Republik). Provisorische »Regierung der nationalen Verteidigung«: Trochu Präsident und Gouverneur von Paris, Favre Auswärtiges, Gambetta Inneres. Für den Krieg »bis aufs Äußerste« wird die ganze Nation zu den Waffen gerufen, die Flotten werden aus der Nordsee und Ostsee zurückgezogen. Die Kaiserin Eugenie flieht mit ihrem Sohn nach England.
Alle deutschen Truppen, welche bei Sedan gekämpft haben, marschieren gegen Paris und erreichen bis 19. Sept. die Einschließung (S. 387ff.).
In zahlreichen Festungen Frankreichs stehen noch kaiserliche Truppen, die sich aber den Geboten der Republik fügen. Nach dem Sturz des Kaisertums zunächst Friedensverhandlungen in Ferières zwischen Bismarck und Favre. Sie bleiben erfolglos, da Frankreich jede Gebietsabtretung verweigert. Thiers bereist die europäischen Höfe, findet aber keine Unterstützung (S. 382f.). Besonders aus England erhält Frankreich starke Zufuhr an Waffen und Munition.
Das Korps des Großherzogs von Mecklenburg (s. S. 378), bisher zum Schutz der deutschen Küste tätig, sichert die Eisenbahnverbindung nach Deutschland durch Einnahme der Festungen Toul und Soissons. Demselben Zwecke dient die nach und nach folgende Einnahme der Festungen Schlettstadt, Verdun (8. Nov.), Diedenhofen, Montmédy, Mézières u. a. Schwieriger Schutz der Etappenstraßen gegen Überfälle französischer Franctireurs. Das besetzte französische Gebiet wird in 4 General-Gouvernements eingeteilt.
Übergabe von Straßburg nach längerer Belagerung (bei der die wertvolle Bibliothek zerstört wurde) durch preußische und badische Truppen unter Gen. v. Werder. Besatzung von 17000 Mann kriegsgefangen. Die preußische Garde-Landwehr zieht gegen Paris; mit der badischen Division und einigen preußischen Regimentern marschiert Gen. v. Werder durch den Wasgau nach Südwesten (Epinal — Vesoul — Dijon, S. 387ff.).
Gambetta, welcher Paris im Luftballon verlassen hat, übernimmt (9. Okt.) die Diktatur in Tours. Seinem Organisationstalent gelingt es, im Laufe der nächsten vier Monate etwa 800000 M. ins Feld zu stellen: aus Resten der alten Armee, Zuzügen aus Algier, Marinetruppen und durch Massenaufgebot. Es entstehen vier neue Heere; die Loire-Armee bei Orléans, die Westarmee bei Rouen, die Nordarmee bei Lille, die Ostarmee bei Besançon. Eroberung oder Rettung von Paris bleibt Hauptziel des Krieges.
Übergabe von Metz (belagert seit 19. August). Nach mehreren vergeblichen Ausfällen ergibt sich Bazaine, durch Hunger gezwungen, mit seiner großen Armee; 6000 Offiziere, 187000 Mann kriegsgefangen, 622 Feld-, 876 Festungsgeschütze erbeutet.
Prinz Friedrich Karl mit der II. Armee marschiert gegen die französische Loire-Armee, General v. Manteuffel mit einer neu eingeteilten I. Armee gegen die französische Nordarmee (S. 387).
Die Loire-Armee (etwa 30000 M. stark und noch nicht kriegsbereit) ergreift in den ersten Oktobertagen von Orléans aus die Offensive auf Paris. Gegen sie marschiert südlich von Paris General v. d. Tann mit dem I. bayrischen Korps und der 22. Division, drängt die Franzosen nach empfindlicher Niederlage bei Artenay (10. Okt.) zurück und besetzt Orléans (11. Okt.).
Zweite Offensive der auf 200000 Mann verstärkten Loire-Armee, welche den General v. d. Tann bei Coulmiers (9. Nov.) zum Rückzug auf Artenay und zur Räumung von Orléans nötigt, v. d. Tann gewinnt (nicht verfolgt) Anschluß an den Großherzog von Mecklenburg, tritt in den Verband der diesem unterstellten Armee-Abteilung (50000 M.), welche die Einschließung von Paris gegen Westen und Süden sichern soll. Sie drängt zunächst ein von Westen her anrückendes französisches Korps in beschwerlichem Kleinkriege gegen Freischaren nach Le Mans zurück.
Inzwischen hat die Loire-Armee sich befestigte Stellungen nördlich von Orléans geschaffen; von deutscher Seite aber rückt Prinz Friedrich Karl heran, und der Großherzog von Mecklenburg kommt von Westen her zu gemeinsamem Angriff. Das erneute Vorrücken der Loire-Armee wird durch die
Schlacht bei Beaune la Rolande (II. Armee) und die
Schlacht bei Loigny-Poupry (Großherzog von Mecklenburg) rechtzeitig vereitelt.
Nach weiteren harten Kämpfen der beiden deutschen Heere wird Orléans von ihnen besetzt.
Von der Loire-Armee entweicht ein Teil nach Süden, wo General Bourbaki neue Streitkräfte organisiert (vgl. S. 388), der andere wird durch General Chanzy nach Westen zurückgeführt und auch durch Verstärkungen neu gefestigt. Chanzy versucht, über Vendôme auf Paris zu ziehen; dies vereitelt die deutsche Armee-Abteilung durch schwere Kämpfe
bei Beaugency-Cravant. Chanzy geht hinter die Loir auf Le Mans zurück. Deutsche Erkundungsgefechte: Das Detachement Boltenstern bei Montoire (27. Dez.). Die Regierung von Tours wird nach Bordeaux verlegt. (Gambetta in Bourges.)
Die Armee-Abteilung wird aufgelöst und findet teils bei der II. Armee, teils bei Orléans und Paris Verwendung. Prinz Friedrich Karl, unaufhaltsam vorrückend trotz der Winterkälte, vernichtet die Armee des General Chanzy (150000 M.) in der
Schlacht vor Le Mans (20000 Gefangene). Die deutsche II. Armee bleibt bei Le Mans und an der Loire, das Korps des Großherzogs von Mecklenburg-Schwerin marschiert nach Rouen.
Um die Einschließung von Paris gegen Truppenansammlungen im Norden Frankreichs zu sichern, rückt die I. Armee, drei preußische Korps unter General v. Manteuffel, von Metz aus in nordwestlicher Richtung vor (S. 386). Sie schlägt die aus Marinetruppen und Mobilgarden gebildete französische Nordarmee in der
Schlacht bei Amiens, nimmt diese Stadt ein und besetzt dann Rouen (5. Dez.); die dort auftretende französische Westarmee (S. 385) weicht ernsten Kämpfen aus. Die Nordarmee, von General Faidherbe wieder gesammelt und verstärkt, rückt wieder gegen Amiens vor.
Schlacht an der Hallue (Nebenfluß der Somme). Die Franzosen ziehen sich unter Mangel und Kälte auf Arras zurück. Die Deutschen belagern darauf die Festung Péronne; Faidherbes Versuch, diese zu entsetzen, wird vereitelt durch die Schlacht bei Bapaume (3. Jan. 1871); Péronne ergibt sich 9. Jan. Die bei Rouen verbliebenen Ostpreußen (I. A.-K.) zerstreuen eine Ansammlung der Westarmee durch das Gefecht bei Robert-le-Diable (4. Jan.).
Am 8. Jan. hat für den zum südöstlichen Kriegsschauplatz abberufenen Gen. v. Manteuffel Gen. v. Goeben den Oberbefehl übernommen. Der Plan der Franzosen, über St. Quentin und Reims auf Paris zu marschieren, wird rechtzeitig erkannt; sie werden durch das Gefecht bei Tertry-Poeuilly (18. Jan.) aufgehalten.
Schlacht von St. Quentin, in welcher General v. Goeben die Nordarmee entscheidend schlägt. Die Nordfestungen verhindern ausgiebige Verfolgung.
General v. Werder wendet sich nach der Einnahme von Straßburg (S. 385) gegen die Franctireurs in den Vogesen und die französische Ostarmee in Ober-Elsaß und Burgund, insbesondere um den Heeren vor Paris und Metz die Verbindung nach Deutschland zu sichern. Die Ostarmee will den Abstieg aus den Vogesen bei St. Dié verwehren, wird aber auf Besançon zurückgedrängt. Die badischen Truppen besetzen Dijon (31. Okt.); die aus dem Elsaß nachrückende Landwehr-Division v. Tresckow schließt die Festung Belfort ein (8. Nov.).
Die Franzosen verstärken sich durch Heranziehung der vor Orléans (S. 386) geschlagenen und bei Bourges wieder gesammelten Loire-Truppen; den Oberbefehl übernimmt Gen. Bourbaki. Gen. v. Werder tritt den von Süden her anrückenden Feinden bei Nuits entgegen (18. Dez.), räumt dann aber freiwillig Dijon, um die Belagerung von Belfort zu decken, und vereinigt sein Korps in starker Stellung bei Vesoul (30. Dez.). Bourbaki, von Gambetta getrieben, aber durch mangelnde Ausrüstung der Truppen gehemmt, beginnt seinen Vormarsch. Dijon wird von den unter Garibaldis (S. 370, 381) Befehl stehenden Freischaren besetzt.
Treffen bei Villersexel, anfangs glücklich für die Franzosen, aber bei Abbruch des Nachtgefechts ist die Stadt in deutscher Hand.
General v. Werder durchkreuzt die Absicht Bourbakis, ihn von Belfort abzudrängen, durch Abmarsch hinter die Lisaine (Nebenfluß des Doubs) und schiebt sich in einer Stellung Héricourt-Montbéliard zwischen die französische Ostarmee und Belfort.
Schlacht an der Lisaine. In dreitägigem Kampfe bei strenger Kälte gelingt es den Franzosen (140000 M.) nicht, die deutschen Linien (43000 M., Badener und preußische Landwehr) zu durchbrechen; in voller Auflösung strömt die Ostarmee auf Besançon zurück.
Zu derselben Zeit erreichen die zur Unterstützung gesandten deutschen Truppen (II. und VII. A.-K.) unter General v. Manteuffel die Gegend westlich Vesoul. Auf die Nachricht von Werders Sieg wendet sich Manteuffel sofort südlich nach Besançon; Werder schließt sich diesem Vormarsch an. Weitestes Vordringen einer deutschen Südarmee.
Hierdurch ist für Bourbaki der Rückzug nach Westen oder Süden abgeschnitten; nach seiner Absetzung führt General Clinchant die Ostarmee auf Pontarlier, in der Hoffnung, längs der Grenze zu entkommen. Durch den Jura drängen aber die Deutschen kräftig nach, und unter letzten Gefechten bei La Cluse und Pontarlier tritt die Ostarmee (80000 Mann) auf Schweizer Gebiet (1.–3. Febr.) über und gerät damit in Kriegsgefangenschaft. Nur Teile der Division Cremer entkommen nach Südfrankreich.
Beim Vormarsch auf Belfort (Vesoul) hatte General v. Manteuffel die Brigade v. Kettler gegen Dijon geschickt. Das dort stehende Korps Garibaldi (20000 M.) beschränkt sich darauf, die Angriffe dieser 5 Bataillone am 21. und 23. Januar abzuwehren (Verlust der einzigen deutschen Fahne — aufgefunden unter Leichen). Als Verstärkung für General v. Kettler anrückt, ziehen sich Garibaldis Scharen mit Benutzung der Eisenbahn nach Lyon zurück.