Schlacht bei Aspern und Eßling. Napoleon zum erstenmal geschlagen von Erzherzog Karl. Er muß über die Donau zurückweichen (Masséna), behauptet aber Wien und vereinigt sich mit dem Vizekönig Eugen, welcher den Erzherzog Johann aus Ober-Italien nach Ungarn verfolgt und bei Raab besiegt hatte. Mit 180000 Mann geht Napoleon wieder über die Donau, schlägt den Erzherzog Karl in der mörderischen
Schlacht bei Wagram und verfolgt ihn nach Mähren. Waffenstillstand zu Znaim. An die Stelle des Grafen Stadion tritt Metternich als leitender Minister Österreichs.
Friede zu Wien (Schönbrunn): Österreich tritt ein Gebiet von 110000 qkm (2000 □ Meilen) ab: Salzburg und das Innviertel an Bayern, Westgalizien an das Herzogtum Warschau, einen Teil Ostgaliziens an Rußland, die Länder jenseits der Sau nebst Istrien und Dalmatien an Napoleon, der daraus einen neuen Staat der illyrischen Provinzen bildet.
Die Tiroler, welche dreimal die Feinde aus Innsbruck vertrieben hatten (Kämpfe am Berge Isel), kämpfen tapfer weiter, unterliegen aber der Übermacht (Nov.). Hofer wird verraten und (1810, Febr.) von den Franzosen in Mantua erschossen. Tirol bleibt unter bayrischer Herrschaft; Süd-Tirol kommt an das Königreich Italien.
Kühner Zug des preußischen Majors v. Schill, der mit seinem Husarenregiment von Berlin auszieht und die Deutschen zum Freiheitskampf aufruft. Oberst Dörnberg will Jérômes Regierung in Kassel stürzen. Die Nachrichten von Napoleons ersten Siegen vereiteln diese Unternehmung. Dörnberg rettet sich nach Böhmen. Schill kämpft bei Dodendorf (unweit Magdeburg) gegen westfälische Truppen, zieht weiter nach Dömitz (an der unteren Elbe), fällt tapfer kämpfend in Stralsund (31. Mai). 11 seiner Offiziere werden in Wesel kriegsrechtlich erschossen, die gefangenen Soldaten auf Napoleons Befehl zur Zwangsarbeit verurteilt und nach Frankreich geschleppt.
Rachezug des Herzogs Friedrich Wilhelm von Braunschweig gegen die Räuber seines Landes. Er sammelt eine Freischar in Schlesien und Böhmen, zieht durch Sachsen, erstürmt Halberstadt, zieht in Braunschweig ein (31. Juli), muß aber alsbald vor der feindlichen Übermacht weichen, kämpft tapfer bei Oelper, erreicht die Weser bei Elsfleth (unterhalb Bremen), führt seine »schwarze Schar« zu Schiffe nach England. Der Herzog und die meisten seiner Getreuen treten dann in die englisch-deutsche Legion, welche in Spanien kämpft.
König Gustav IV. von Schweden, erbitterter Feind der Revolution und Napoleons, seit 1808 in unglücklichem Kriege mit Rußland, wird durch einen Militäraufstand zur Abdankung gezwungen. Sein Oheim Karl XIII. übernimmt die Regierung, schließt Frieden mit Rußland, indem er Finnland abtritt (S. 277, 327), adoptiert 1810 den französischen Marschall Bernadotte als Thronfolger.
Der Kirchenstaat mit Frankreich vereinigt durch Dekret Napoleons von Schönbrunn, weil Papst Pius VII. (S. 319f.) die Forderung, seine Häfen den Engländern zu verschließen, standhaft ablehnt. Er spricht den Bann aus, wird verhaftet und nach Grenoble, von da nach Savona (bei Genua) geführt. Dort lebt er als Gefangener, während Napoleon ein Konzil der Bischöfe seines Reichs nach Paris beruft (1811). In Fontainebleau unterzeichnet Pius (1813, Jan.) ein Konkordat, widerruft es aber bald und wird nach Savona zurückgebracht, wo er bis zu Napoleons Sturz 1814 verbleibt.
Napoleon, von Josephine Beauharnais († 1814) geschieden, heiratet Marie Luise, die Tochter des Kaisers Franz I. von Österreich.
Abdankung und Flucht des Königs Louis Bonaparte von Holland, der sein Land nicht durch die Kontinentalsperre zugrunde richten will. Holland dem französischen Kaiserreich einverleibt, ebenso bald darauf der Kanton Wallis.
Das nördliche Hannover, Oldenburg, die Hansestädte dem französischen Kaiserreich einverleibt zur strengeren Durchführung der Kontinentalsperre.
In Spanien dringen die Marschälle Soult, Viktor, Mortier nach Andalusien vor; vergebliche Belagerung von Cadiz, wo die spanischen Cortes (Landstände) zusammentreten und eine neue Verfassung beschließen (vollendet 1812). Wellington zieht sich auf die befestigten Höhen von Torres Vedras zwischen dem Tejo und der portugiesischen Küste zurück, von wo er 1811 gegen Masséna siegreich vordringt.
Geburt eines Sohnes Napoleons, dem der Titel König von Rom verliehen wird († 1832).
Napoleon I. auf dem Gipfel seiner Macht.
Im Seekriege mit England hat Frankreich (und Holland) nur Verluste. Die Engländer erobern 1806 das Kapland, 1809 Cayenne, Martinique, Senegal, San Domingo, 1810 Guadeloupe, Isle Bourbon, Isle de France, 1811 Java.
Die Vereinigten Staaten, am Handel mit Frankreich durch die englische Flotte gehindert, beginnen 1812 Krieg gegen England, werden aber 1814 durch Besetzung der Hauptstadt Washington zum Frieden genötigt (S. 302).
Krieg Frankreichs gegen Rußland.
Die Weigerung Rußlands, das Kontinentalsystem, welches Napoleon selbst durch käufliche Lizenzen umging, streng durchzuführen, erregt den Unwillen des Gewalthabers. Die Vergrößerung des Herzogtums Warschau durch Westgalizien (S. 330) erfüllt den Kaiser Alexander mit Besorgnis vor einer Wiederherstellung Polens; die Absetzung des Herzogs von Oldenburg, seines nahen Verwandten, (S. 293) wird von ihm als schwere Beleidigung empfunden.
Bündnis Napoleons mit Preußen, welches 20000 Mann, und mit Österreich, welches 30000 Mann zu dem russischen Zuge stellen muß. Schweden (Bernadotte) benutzt die Gelegenheit, um sich von der französischen Abhängigkeit zu befreien und durch ein Bündnis mit Rußland sich Norwegen als Ersatz für Finnland zu sichern. England und die Türkei schließen Frieden mit Rußland; die Türkei tritt im Frieden von Bukarest das Land zwischen Dnjestr und Pruth an Rußland ab.
Napoleon wird in Dresden von Kaiser Franz I., König Friedrich Wilhelm III. und den Rheinbundfürsten begrüßt, reist von da über Posen und Thorn nach Königsberg zu seiner Armee, deren Durchzug Preußen schwer belastet. Berlin hat wiederum französische Besatzung.
Die große Armee (über 600000 Mann) vereinigt Franzosen, Deutsche, Italiener, Schweizer, Niederländer, Polen. Beim Vormarsch bilden die Österreicher unter Schwarzenberg, zusammen mit Franzosen und Sachsen unter Reynier, den rechten Flügel, welcher nach Wolhynien vorrückt; die Preußen unter York gehören dem linken Flügel an, welcher unter Macdonalds Oberbefehl nach Livland zieht, um Riga zu belagern. Das Hauptheer überschreitet Ende Juni den Niemen; Napoleon verweilt 18 Tage in Wilna; die Hoffnung der Polen auf Wiederherstellung ihres Staates verwirklicht sich nicht.
Die Russen (260000 Mann in 3 Heeren) weichen kämpfend zurück. Ihre Hauptmacht unter Barclay de Tolly kämpft am 17. August bei Smolensk; die brennende Stadt wird den Franzosen (18. Aug.) überlassen. Unter Kutūsows Oberbefehl
Schlacht bei Borodinó an der Moskwa: beide Teile erleiden ungeheuere Verluste. Rückzug der Russen in guter Ordnung bis hinter Moskau. Das französische Hauptheer, auf 100000 Mann zusammengeschmolzen, besetzt die von den Einwohnern verlassene Stadt. Napoleon im Kreml.
Brand von Moskau (der Gouverneur Rostopschin). Plünderung der Stadt unter Schutt und Trümmern; der Kreml wird gegen das Feuer geschützt. Kaiser Alexander lehnt auf Steins Rat Friedensanträge Napoleons ab. Nach fünfwöchigem Aufenthalt in Moskau
Rückzug aus Rußland, von Napoleon erst nach Südwesten, dann in der Richtung auf Smolensk angetreten, beunruhigt durch das russische Hauptheer unter Kutūsow und zahllose Kosakenschwärme.
Eintreten der Kälte. Furchtbares Elend durch Hunger und Frost. Fortwährende Gefechte, namentlich bei Krasnoi (Ney) und Borissow (Oudinot).
Schrecklicher Übergang über die Beresina.
Brückenbau bei Studienka; Ney und Oudinot wehren am 28. die andringenden Russen auf dem rechten Ufer ab, Viktor auf dem linken, doch fallen Tausende von Nachzüglern den Russen in die Hände. Von da ab völlige Auflösung des Heeres bei erneuter Kälte; Napoleon verläßt das Heer (5. Dez.) und eilt nach Paris. Murat, dann Eugen Beauharnais leiten den Rückzug.
York schließt zu Tauroggen (nahe der preußischen Grenze) einen Neutralitätsvertrag mit dem russischen General Diebitsch.
Schwarzenberg führt sein Heer fast ohne Verluste nach Galizien zurück (Febr. 1813).
Der deutsche Befreiungskrieg.
König Friedrich Wilhelm III. erläßt in Breslau einen Aufruf zur Bildung freiwilliger Jäger-Abteilungen. Begeisterte Erhebung in Preußen. Männer und Jünglinge jedes Standes eilen zu den Waffen.
Der ostpreußische Landtag zu Königsberg beschließt Ausrüstung von 30000 Mann Linie und Landwehr.
Bündnis zu Kalisch zwischen Rußland und Preußen. Das russisch-preußische Hauptheer sammelt sich in Schlesien.
Die Franzosen räumen Berlin und Hamburg. Die Herzöge von Mecklenburg sagen sich vom Rheinbund los. Tettenborn mit den Kosaken zieht als Befreier in Hamburg ein (18. März).
Aufrufe Friedrich Wilhelms III. »An mein Volk« und »An mein Kriegsheer«; Verordnung zur Errichtung der Landwehr und des Landsturmes. Eisernes Kreuz gestiftet.
Dresden wird nach Abzug des Marschall Davout durch Russen und Preußen unter Wittgenstein und Blücher besetzt. Flucht des Königs von Sachsen.
Gefecht bei Lüneburg (Johanna Stegen). Der französische General Morand mit 2000 Mann von Russen und Preußen gefangen. Die Erhebung in Bremen wird von General Vandamme unterdrückt.
Gefecht bei Möckern (östlich von Magdeburg). Eugen Beauharnais, (S. 329) von Preußen (unter York, Bülow und Borstell) und Russen geschlagen, zieht sich auf das linke Elbufer zurück. Französische Besatzungen behaupten sich in Magdeburg, Stettin, Küstrin, Glogau, Danzig, Modlin, Zamosc.
Napoleon führt ein neugebildetes Heer (120000 Mann) über den Rhein, zieht die Truppen der Rheinbundfürsten an sich, überschreitet den Thüringer Wald, wird beim Vorrücken nach Sachsen von den Russen und Preußen (85000 Mann) angegriffen.
Schlacht bei Groß-Görschen oder Lützen. Der Sieg bleibt trotz größerer Verluste den Franzosen. Die Verbündeten ziehen sich über Dresden nach der Lausitz zurück. Scharnhorst, in der Schlacht verwundet, stirbt in Prag (28. Juni).
Napoleon zieht in Dresden ein, führt den aus Prag zurückgekehrten König von Sachsen dorthin zurück.
Schwedische Truppen unter Führung des Kronprinzen (Bernadotte) landen in Pommern.
Schlacht bei Bautzen. Napoleon erzwingt den Übergang über die Spree und siegt mit großen Verlusten. Die Verbündeten ziehen sich nach Schlesien zurück. Blüchers Reitergefecht bei Haynau (26. Mai).
Hamburg nach Abzug der Russen von Davout besetzt und furchtbar gebrandschatzt.
Waffenstillstand zu Poischwitz (bei Striegau) auf sechs Wochen, verlängert bis zum 10. August. Beide Teile erschöpft, erwarten Verstärkung und bewerben sich um Österreichs Bundesgenossenschaft.
Subsidienverträge Englands mit Preußen und Rußland zu Reichenbach.
Franzosen und Rheinbundtruppen überfallen die Reiterei der Lützowschen Freischar bei Kitzen (unweit Lützen).
Verhandlungen zu Prag. Österreich übernimmt die Vermittelung; Napoleon geht auf Metternichs Bedingungen (Auflösung des Herzogtums Warschau, Rückgabe der illyrischen Provinzen an Österreich, Räumung der preußischen Festungen, der Hansestädte und Oldenburgs) nicht ein.
Österreich erklärt den Krieg an Frankreich. Die Verbündeten, durch englische Hilfsgelder unterstützt, stellen drei Heere auf:
1. Das Böhmische oder Hauptheer unter Fürst Schwarzenberg: 123000 Österreicher, 75000 Russen unter Wittgenstein, 49000 Preußen unter Kleist. Beim Heere befinden sich die drei verbündeten Monarchen Alexander, Franz, Friedrich Wilhelm.
2. Das Schlesische Heer unter Blücher: 38000 Preußen unter York, 61000 Russen unter Sacken und Langeron; Gneisenau Chef des Generalstabes.
3. Das Nordheer unter dem Kronprinzen Karl Johann von Schweden (Bernadotte): 75000 Preußen unter Bülow und Tauenzien, 30000 Russen unter Winzingerode, 20000 Schweden, 27000 Mann gemischte Truppen (russisch-deutsche Legion, Kosaken, Hannoveraner, Mecklenburger, Hanseatische Legion, Lützowsche Freischar) unter Wallmoden.
Im ganzen 485000 gegen 440000 Franzosen und Rheinbundtruppen.
Napoleon beginnt die Feindseligkeiten mit einem Angriff auf Blücher, der hinter die Katzbach zurückgeht. Indessen rückt Schwarzenberg aus Böhmen gegen Dresden vor. Napoleon eilt dorthin und läßt Macdonald gegen Blücher zurück. Ehe es auf diesen beiden Punkten zur Schlacht kommt, wird Oudinot, dessen Angriff auf Berlin durch Davout von Hamburg aus unterstützt werden sollte, in der
Schlacht bei Großbeeren von Bülow geschlagen, während der Kronprinz von Schweden untätig zusieht, Berlin wird durch diesen Sieg vor Einnahme und Plünderung gerettet.
Davout kehrt nach einigen Gefechten gegen die Truppen des Generals Wallmoden (Th. Körner † 26. Aug. bei Gadebusch) nach Hamburg zurück. Ein von Magdeburg gegen Berlin heranziehendes Korps von 9000 Mann wird bei Hagelberg 27. August von der kurmärkischen Landwehr vernichtet.
Schlacht an der Katzbach. Macdonald, der mit 80000 Mann in Schlesien vorrückt, wird von den Preußen und Russen unter Blücher (später zum Fürsten von Wahlstatt ernannt) entscheidend geschlagen.
Indessen mißglückt der Angriff der Böhmischen Armee auf Dresden. Napoleon erkämpft in der
Schlacht bei Dresden nochmals einen großen Sieg auf deutschem Boden. Doch wird General Vandamme, welcher der Böhmischen Armee den Rückzug abschneiden will, in der
Schlacht bei Kulm und Nollendorf, nicht weit von Teplitz, von Russen und Österreichern geschlagen und durch das rechtzeitige Erscheinen der Preußen in seinem Rücken (General v. Kleist) mit 10000 Mann zur Ergebung genötigt.
Schlacht bei Dennewitz (unweit Jüterbog).
Marschall Ney, welcher mit 70000 Mann Berlin besetzen soll, von Bülow und Tauenzien geschlagen.
Napoleon zieht nach Bautzen gegen Blücher, der ihm ausweicht, dann gegen die Böhmische Armee, die ihm bei Nollendorf (17. Sept.) erfolgreich Widerstand leistet, dann nochmals gegen Blücher (Gefecht bei Bischofswerda). Blücher gibt dem Feldzug die entscheidende Wendung durch seinen Übergang über die Elbe.
Tapferer Kampf des Yorkschen Korps bei Wartenburg gegenüber der Einmündung der Schwarzen Elster. Auch die unter Bernadottes Führung zögernde Nordarmee überschreitet nun die Elbe.
Vertrag zu Ried zwischen Österreich und Bayern, welches sich vom Rheinbunde lossagt und dem Bündnis gegen Napoleon beitritt. Dafür wird dem König Max Joseph von Bayern (1799–1825) die Erhaltung seines durch Napoleon vergrößerten Gebietes zugesichert.
Als die 3 Hauptheere der Verbündeten eine Vereinigung im Rücken Napoleons versuchen, verläßt dieser Dresden, zieht nach Düben (an der Mulde) gegen Blücher, der ihm ausweicht, versammelt dann seine Truppen bei Leipzig gegen die inzwischen durch die Elbpässe gedrungene Böhmische Armee. Reitergefecht bei Libertwolkwitz (14. Okt.).
Völkerschlacht bei Leipzig.
Am 16. Okt. unentschiedener Kampf Napoleons gegen die Böhmische Armee (Schwarzenberg) bei Wachau (südl. von Leipzig); Sieg Blüchers bei Möckern (nördl. von Leipzig) über Marmont.
Am 17. Stillstand des Kampfes; Napoleon schickt Friedensanträge an Kaiser Franz, die jedoch wegen ihrer Unzulänglichkeit keine Berücksichtigung finden. Gegen Abend Vereinigung der vier Heere der Verbündeten: die Nordarmee und die russische Reservearmee (unter Bennigsen) schließen den Kreis nördlich, östlich und südlich von Leipzig (die Straße im Westen nach Lindenau nicht besetzt); 255000 gegen 160000 Mann.
Am 18. allgemeiner Angriff und nach neunstündigem Kampfe vollständiger Sieg der Verbündeten. Kampf um Probstheida südlich, Schönfeld an der Parthe und Paunsdorf östlich von Leipzig; bei Paunsdorf gehen die meisten Sachsen und Württemberger zu den Verbündeten über.
Am 19. Erstürmung von Leipzig und Gefangennehmung des Königs von Sachsen. Nach Verlust von mehr als 60000 Mann tritt das geschlagene Heer Napoleons den Rückzug an. Voreilige Zerstörung der Elsterbrücke. Viele Fliehende, unter ihnen der tapfere Fürst Poniatowski, Neffe des letzten polnischen Königs, finden ihren Tod in der Elster.
Auf dem Rückzuge Kampf Napoleons an der Unstrut gegen Yorks Vorhut; Sieg bei Hanau (30. und 31. Okt.) über ein österreichisch-bayrisches Heer unter Wrede.
Unmittelbare Folgen der Schlacht bei Leipzig: Flucht des Königs Jérôme aus Kassel, Ende des Königreichs Westfalen, der Großherzogtümer Frankfurt und Berg. Wiederherstellung der alten Regierungen in Hessen-Kassel, Braunschweig, Hannover, Oldenburg. Die »Zentralverwaltung für die in Deutschland eroberten Länder«, unter dem Freiherrn vom Stein, sorgt in Sachsen, Frankfurt und Berg für die weiteren Rüstungen.
Napoleon geht bei Mainz über den Rhein zurück. Württemberg, Hessen-Darmstadt, Baden und die noch übrigen Glieder des Rheinbundes schließen sich den Verbündeten an. Allmählich werden die von den Franzosen besetzten Festungen befreit: Dresden (11. Nov.), Stettin (21. Nov.), Lübeck (5. Dez.), Zamosc, Modlin, Torgau (26. Dez.), Danzig (30. Dez.), Wittenberg (12. Jan. 1814), Küstrin (7. März).
In Glogau, Magdeburg, Hamburg (Davout), Erfurt, Würzburg, Wesel, Mainz halten sich die französischen Besatzungen bis zum Frieden.
Aufstand in Holland (Nov.), die französischen Behörden verjagt. Ein Teil der Nordarmee unter Bülow rückt in Holland ein, während der Kronprinz von Schweden in Holstein einfällt und in einem kurzen Winterfeldzug Dänemark zum Verzicht auf Norwegen zwingt (Friede zu Kiel, Jan. 1814).
Aus Spanien werden die Franzosen, nachdem sie schon 1812 den Süden des Landes und vorübergehend auch Madrid hatten aufgeben müssen, während des Jahres 1813 fast ganz verdrängt. Entscheidender Sieg Wellingtons bei Vittoria (21. Juni).
In Deutschland erfolgt, da Napoleon auf ein von Metternich gemachtes Anerbieten, welches ihm die Alpen- und Rheingrenze verspricht, nicht ernstlich eingeht, am
der Beschluß, den Krieg energisch weiterzuführen und den Rhein zu überschreiten. Das Hauptheer unter Schwarzenberg geht Ende Dez. bei Basel über den Rhein, um die Hochebene von Langres zu erreichen, das Schlesische Heer unter Blücher in der Neujahrsnacht 1814 bei Mannheim, Kaub und Koblenz.
Feldzug in Frankreich.
Um die Vereinigung der verbündeten Heere zu verhindern, greift Napoleon bei Brienne Blücher an, der sich zurückziehen muß, sich aber dann mit Teilen des Hauptheeres (Kronprinz von Württemberg, Wrede) vereinigt und den Kaiser in der
Schlacht bei La Rothière schlägt und über die Aube zurückdrängt. Darauf wieder Trennung; das Hauptheer soll an der Seine, das Schlesische an der Marne entlang nach Paris vorrücken. Napoleon läßt 40000 Mann gegen Schwarzenberg zurück, wirft sich mit 30000 auf die getrennten Teile des Schlesischen Heeres, schlägt
sie in vier Treffen bei Champaubert, Montmirail, Château-Thierry und Vauchamps und zwingt Blücher zum Rückzug über Etoges. Dann wendet
er sich gegen die vorgeschobenen Teile des Hauptheeres und schlägt sie bei Nangis und Montereau; Schwarzenberg ordnet den Rückzug nach Troyes an. Beide Heere der Verbündeten vereinigen sich wieder auf kurze Zeit an der Aube. Mittlerweile waren Bevollmächtigte der Verbündeten mit dem Gesandten Napoleons, Caulaincourt, zu einem
Kongreß in Châtillon (an der Seine) zusammengetreten, auf dem man Napoleon den Besitz Frankreichs mit den Grenzen von 1792 zugestanden hätte; allein die Verhandlungen werden infolge seines übermütigen und zweideutigen Benehmens abgebrochen.
Die beiden Heere trennen sich wieder. Das Hauptheer unter Schwarzenberg siegt in der
Schlacht bei Bar-sur-Aube über Oudinot und Macdonald, rückt aber dann nur langsam vor.
Blücher dringt vor bis in die Nähe von Meaux (an der Marne), wendet sich dann nordwärts und vereinigt sich bei Soissons mit dem Nordheer unter Bülow und Winzingerode, welches inzwischen Holland und Belgien befreit hat. Die vereinigten Heere besiegen Napoleon in der
Schlacht bei Laon, doch ohne ihn vernichten zu können. Er zieht mit 30000 Mann gegen das Hauptheer, welches ihn in der
Schlacht bei Arcis-sur-Aube besiegt. Unterdes von der spanischen Seite her gleichfalls siegreiches Vordringen Wellingtons gegen Soult. Besetzung von Bordeaux (12. März), wo die königliche Fahne der Bourbons zuerst aufgepflanzt wird.
Napoleon faßt den verwegenen Plan, sich den Verbündeten in den Rücken, nach Lothringen, zu werfen, die Besatzungen der Festungen an sich zu ziehen und die gesamte Bevölkerung zu den Waffen zu rufen. Die Verbündeten senden ihm 8000 Reiter nach, die übrigen Truppen, 170000 Mann, ziehen gegen Paris. Die Marschälle Marmont und Mortier werden bei La Fère Champenoise (25. März) zurückgeschlagen und ziehen sich nach Paris zurück. Die Regentin Marie Luise entflieht nach Blois.
Schlacht bei Paris, auf der Ostseite (Pantin, Vincennes), zuletzt Erstürmung des Berges Montmartre auf der Nordseite.
Einzug der Verbündeten in Paris, wo der Senat auf Veranstaltung Talleyrands den Kaiser und seine Familie des Thrones für verlustig erklärt. Napoleon war, seiner Hauptstadt zu Hilfe eilend, wenige Stunden zu spät gekommen. Da ihm zu einem verzweifelten Sturme auf Paris die Marschälle den Gehorsam verweigern, entsagt er in Fontainebleau der Krone (6. und 11. April). Er erhält von den Verbündeten die Insel Elba als Fürstentum mit 2 Millionen Franks Einkünften aus Frankreich; 800 seiner alten Soldaten dürfen ihn begleiten. Seine Gemahlin erhält das Herzogtum Parma; beide behalten den kaiserlichen Titel.
Wellington besiegt Soult in der Schlacht bei Toulouse.
Ankunft Napoleons auf Elba. Rückkehr der Bourbons nach Frankreich. Ludwigs XVI. Bruder, der sich als König
Ludwig XVIII. nennt, erteilt dem Lande eine der englischen nachgebildete, gemäßigte Verfassung (Charte octroyée: Pairskammer und Deputiertenkammer) und schließt mit den Verbündeten den
Ersten Frieden zu Paris: 1. Frankreich nimmt im allgemeinen seine Grenzen von 1792 wieder an (gegen 1790 Vermehrung um 8200 qkm [150 □ Meilen]: Avignon und Venaissin, Teile von Savoyen, Elsaß und Belgien). 2. England gibt die französischen Kolonien zurück mit Ausnahme von Tabago, St. Lucie und Isle de France, behält ferner Malta (S. 320f) und die früher holländischen Kolonien Kapland (S. 331) und Ceylon. 3. Die Verbündeten verzichten auf alle Summen, welche sie als Entschädigung für französische Erpressungen zu fordern haben (!).
Nach dem Pariser Frieden kehrt Papst Pius VII. nach Rom, der König von Sardinien Viktor Emanuel nach Turin, der König von Spanien Ferdinand VII. nach Madrid zurück. In Spanien beginnt, nachdem der König die sehr freisinnige Verfassung der Cortes vom Jahre 1812 verworfen hat, sofort ein grausamer Kampf der unumschränkten Gewalt gegen die liberale Partei. — Pius VII. stellt den Jesuitenorden (s. S. 304) wieder her.
Besuch Kaiser Alexanders und König Friedrich Wilhelms III. in London (Juni 1814), begleitet von ihren siegreichen Feldherren (Blücher); begeisterter Empfang von seiten der englischen Nation.
Wiener Kongreß,
unter persönlicher Teilnahme der Kaiser von Österreich und Rußland, der Könige von Preußen, Dänemark, Bayern und Württemberg und vieler deutscher Fürsten. Vertreten sind alle Staaten Europas, mit Ausnahme der Türkei. Die geschäftliche Leitung der Verhandlungen hat der österreichische Staatskanzler Fürst Metternich; für Frankreich weiß Talleyrand als Gesandter Ludwigs XVIII. großen Einfluß zu gewinnen. Streit entsteht namentlich über die künftige Gestaltung Sachsens und Polens, doch ist der Ausgleich schon gefunden, ehe die Nachricht von Napoleons Entweichen aus Elba anlangt.
1. Österreich erhält seine alten Gebiete zurück: Tirol, Vorarlberg, Kärnten, Krain, Triest, Galizien, Mailand, dazu das 1797 erworbene venetianische Gebiet und das 1805 erworbene Erzbistum Salzburg, tritt aber den Breisgau und seine oberschwäbischen Besitzungen an Baden und Württemberg, Belgien an Holland ab.
2. Preußen erhält zurück: einen Teil des Herzogtums Warschau (Provinz Posen) und Danzig, die alten Besitzungen in Westfalen und am Rhein, auch Neuchâtel. Zur Entschädigung für nicht zurückerhaltene frühere Besitzungen (Ansbach und Baireuth an Bayern, Ostfriesland, Goslar, Hildesheim an Hannover, polnische Gebiete an Rußland) werden die Rheinprovinz und Westfalen außer anderem besonders durch die Herzogtümer Jülich und Berg, die Kurlande Köln und Trier vergrößert, ferner Schwedisch-Pommern mit Rügen und die Hälfte des Königreichs Sachsen hinzugefügt.
3. Bayern wird durch Ansbach und Baireuth, Aschaffenburg, Würzburg und die linksrheinische Pfalz vergrößert; die rechtsrheinische mit Heidelberg und Mannheim bleibt bei Baden (S. 320).
4. Ein Königreich der Niederlande wird gebildet aus der früheren Republik der Niederlande (Holland) und dem früher österreichischen Belgien. König Wilhelm I., Sohn des letzten Erbstatthalters von Holland (S. 314, 321), erhält zum Ersatz für seine nassauischen Stammlande auch das Großherzogtum Luxemburg.
5. Die deutsche Kaiserwürde nicht wiederhergestellt. Der Deutsche Bund tritt an die Stelle des früheren Deutschen Reiches, gebildet von 35 souveränen Fürsten und 4 freien Städten. Grundgesetz die Bundesakte vom 8. Juni 1815, ergänzt durch die Wiener Schlußakte 1820. Oberste Behörde der Bundestag zu Frankfurt a. M., eine Versammlung von Gesandten der Bundesstaaten unter Vorsitz des österreichischen Gesandten. Bundesheer aus Kontingenten der Einzelstaaten; Bundesfestungen: Mainz, Luxemburg, Landau, Ulm, Rastatt. Österreich und Preußen gehören nicht mit ihrem ganzen Gebiet zum Bunde, ersteres nicht mit seinen polnischen, ungarischen und italienischen Gebieten, letzteres nicht mit Preußen und Posen. Bayern, Württemberg, Sachsen (letzteres verkleinert) bleiben Königreiche; dazu kommt das frühere Kurfürstentum Hannover (vergrößert) ebenfalls als Königreich, in Personal-Union mit England (seit 1714, vgl. S. 299). Der König von England ist als König von Hannover, der König von Dänemark als Herzog von Holstein und Lauenburg, der König der Niederlande als Großherzog von Luxemburg am Deutschen Bunde beteiligt.
6. Rußland erhält den größten Teil des Herzogtums Warschau als Königreich Polen. Krakau wird Freistaat unter dem Schutze Rußlands, Österreichs und Preußens.
7. England behält Malta, Helgoland, die ihm früher zugesicherten Kolonien (S. 339) und die Schutzherrschaft über die Republik der 7 Ionischen Inseln (S. 316). Auf Englands Antrag gemeinsame Erklärung der Großmächte gegen den Sklavenhandel.
8. Schweden wird, gemäß dem Kieler Frieden (S. 337), mit Norwegen durch Personal-Union vereinigt; Dänemark wird entschädigt durch Schwedisch-Pommern mit Rügen, wofür es das von Hannover an Preußen abgetretene Lauenburg eintauscht (bis 1689 deutsches Herzogtum, vgl. S. 189, 204, dann mit Hannover vereinigt, 1803 von den Franzosen besetzt).
9. Die 19 Kantone der Schweiz (S. 316) werden durch Genf, Wallis und Neuchâtel (zugleich Kanton und Fürstentum im Besitz der Krone Preußen, S. 274) auf 22 vermehrt, die Bundesverfassung neu geordnet.
10. Wiederherstellung der alten Dynastien in Spanien, Portugal, Sardinien (das durch Genua vergrößert wird) und Toskana. Moděna wird gleich Toskana österreichisches Nebenfürstentum, da die Erbtochter des letzten Herzogs aus dem Hause Este (Herkules III., S. 304) sich mit dem Erzherzog Ferdinand vermählt hat (S. 282). Parma, Piacenza und Guastalla (S. 304) kommen an Napoleons Gemahlin, die Erzherzogin Marie Luise, sollen aber nach ihrem Tode († 1847 als Witwe des Grafen v. Neipperg) an die in Lucca herrschenden Bourbonen zurückfallen. Auch der Kirchenstaat wiederhergestellt, dagegen wird in Neapel Murat (S. 327) als König anerkannt.
Nachrichten von der Mißstimmung in Frankreich gegen die Regierung der Bourbons und von den beim Wiener Kongreß besonders wegen der polnisch-sächsischen Frage ausgebrochenen Streitigkeiten ermutigen Napoleon zur Rückkehr nach Frankreich.
Landung Napoleons bei Cannes mit 7 Schiffen. Schneller Marsch auf Paris. Alle gegen ihn gesandten Truppen, auch Ney mit seinem Korps, gehen zu ihm über. Ludwig XVIII. entflieht nach Gent.
Einzug Napoleons in Paris (les cent jours). Die auf dem Wiener Kongreß vertretenen Staaten erlassen eine gemeinschaftliche Achtserklärung gegen ihn und schließen ein neues Kriegsbündnis.
Napoleon macht der liberalen Partei in Frankreich einige Zugeständnisse durch die in einer großen Volks- und Heeresversammlung bei Paris (Maifeld) verkündete Zusatzakte zur Verfassung des Kaiserreichs, in Belgien wird ein preußisches Heer unter Blücher und ein englisch-deutsches unter Wellington gegen ihn zusammengezogen.
Murat, der sich wieder für Napoleon erklärt, wird von den Österreichern bei Tolentino (3. Mai) geschlagen und entflieht nach Frankreich. Ferdinand IV. (aus dem Hause Bourbon) kehrt von Sicilien (S. 304, 324) nach Neapel zurück, nennt sich als »König beider Sicilien« fortan Ferdinand I. († 1825).
Schlacht bei Ligny. Napoleon, in Belgien vorrückend, schlägt die Preußen trotz tapferer Gegenwehr. Blücher in Lebensgefahr, von seinem Adjutanten Nostiz gerettet. Gneisenau befiehlt den Rückzug nach Wavre. An demselben Tage wird Marschall Ney von Wellington, dessen Truppen erst nach und nach auf dem Kampfplatz erscheinen, bei Quatre-Bras zurückgeschlagen. (Herzog Friedrich Wilhelm von Braunschweig †.) Napoleon sendet 32000 Mann unter Grouchy zur Verfolgung des preußischen Heeres ab in der Richtung auf Namur und wendet sich mit über 72000 Mann gegen Wellington.
Schlacht bei Belle-Alliance (Waterloo). Am Nachmittag ist Wellingtons Heer (24000 Engländer, 13000 Niederländer, 30000 Hannoveraner, Braunschweiger, Nassauer) an mehreren Punkten bereits zum Weichen gebracht, als Blücher mit den Preußen (über 40000) anlangt und den Sieg nach mehrstündigem, erbittertem Kampfe zu Gunsten der Verbündeten entscheidet. Vollständige Niederlage der Franzosen, ihr von Gneisenau verfolgtes Heer wird gänzlich zersprengt. Zur selben Zeit kämpft Grouchy, auf dessen Hilfe Napoleon gerechnet hatte, fruchtlos gegen ein preußisches Korps bei Wavre. Napoleon eilt nach Paris, wo er zu Gunsten seines Sohnes abdankt; dieser ist genötigt, in Österreich zu bleiben († 1832 als Herzog von Reichstadt).
Zweite Einnahme von Paris. Einzug Blüchers und Wellingtons, bald darauf Rückkehr Ludwigs XVIII., Ankunft der beiden Kaiser und des Königs von Preußen.
Unterdes flüchtet Napoleon nach Rochefort, wo er sich nach vergeblichen Versuchen, nach Amerika zu entkommen, dem britischen Admiral Hotham ausliefert, der ihn an Bord des »Bellérophon« nach England bringt. Von dort wird er, nach gemeinschaftlichem Beschluß der verbündeten Mächte, als Kriegsgefangener nach St. Helena gebracht († 5. Mai 1821. Seine Leiche seit 1840 im Invalidendom zu Paris, S. 353).
Auf Kaiser Alexanders Wunsch Stiftung der Heiligen Allianz zur Erhaltung des Friedens in Europa, zunächst zwischen Rußland, Österreich und Preußen; bald schließen sich die übrigen europäischen Staaten an, mit Ausnahme Englands, der Türkei und des Kirchenstaates.
Murat, der in Kalabrien gelandet ist, um das Königreich Neapel wiederzuerobern, wird gefangen und kriegsrechtlich erschossen.
Zweiter Friede zu Paris: 1. Frankreich tritt die Festungen Philippeville und Marienburg an das Königreich der Niederlande, Saarlouis und Saarbrücken an Preußen, Landau an Bayern, den im ersten Pariser Frieden belassenen Teil von Savoyen an das Königreich Sardinien ab. 2. Die Nord- und Ostgrenze Frankreichs mit 17 Festungen bleibt (auf höchstens 5 Jahre) von 150000 Mann verbündeter Truppen auf Kosten Frankreichs besetzt. 3. Frankreich bezahlt 700 Millionen Franks Kriegskosten. Außerdem werden die nach der ersten Einnahme von Paris dort belassenen, von den Franzosen weggeführten Kunstschätze zurückgenommen.
Dem Verlangen deutscher Patrioten, auch des preußischen Staatskanzlers v. Hardenberg, Frankreich wenigstens einen Teil der alten Vorlande des Deutschen Reichs, Lothringen und Elsaß, namentlich Straßburg, wieder abzunehmen und es dadurch seiner Angriffsstellung gegen Deutschland zu berauben, wird auch diesmal nicht entsprochen.
Aufschwung der Gewerbetätigkeit und des Verkehrs, auch politische Annäherung der Nationen durch praktische Anwendung der Naturwissenschaften:
1. Die ersten Versuche, den Dampf als bewegende Kraft zu verwenden, reichen ins 17. Jahrhundert zurück. Die Franzosen schreiben die Erfindung dem Physiker Denis Papin aus Blois (um 1690), die Engländer dem Marquis von Worcester (1663) und dem Kapitän Savery (1698) zu. Benutzung einer Dampfmaschine beim Bergbau durch Newcomen 1706 in Devonshire. Hauptverbesserer der Dampfmaschine, durch dessen Erfindungen es erst möglich wurde, dieselbe in den verschiedensten Gewerben zu verwenden, war James Watt (1769 in Birmingham, † 1819).
2. Versuche mit Dampfschiffen wurden (nach Papins Vorgang 1707) 1774 und 1775 auf der Seine, 1786 durch Symington in Edinburg gemacht. Den ersten regelmäßigen Dampfschiffsverkehr richtete der Amerikaner Fulton 1807 auf dem Hudsonflusse ein, 1818 ging das erste Dampfschiff von New-York nach Liverpool. Dampfschiffahrt auf dem Rhein seit 1825. Hamburg-Amerika-Linie 1847, Norddeutscher Lloyd in Bremen 1857 gegründet.
3. Gewaltige Entwickelung des Landverkehrs durch die Eisenbahnen. Holzbahnen mit Eisenschienen seit 1767 in englischen Bergwerken gebräuchlich. Erfinder der Lokomotive George Stephenson 1814 (in Newcastle am Tyne). Erste größere Eisenbahnlinie für den Personenverkehr Liverpool-Manchester 1830, in Deutschland Nürnberg-Fürth 1835, Leipzig-Dresden 1837, Berlin-Potsdam 1838, Berlin-Hamburg 1845.
4. Den elektrischen Telegraphen erfand 1809 Sömmering in München; den Elektromagnetismus benutzten 1833 Gauß und Weber in Göttingen zuerst für Fernverständigung; die ersten für Verkehrszwecke brauchbaren Apparate baute 1837 Wheatstone in London. Den Schreibtelegraphen erfand Morse in New-York 1837. Erstes unterseeisches Kabel 1851 von Dover nach Calais; erste ozeanische Verbindung 1866 von der Insel Valencia (an der Westküste von Irland) nach Neufundland.
5. Erweiterte Anwendung der elektrischen Kraft: Fernsprecher (Telephon), erfunden 1861 von Philipp Reis in Friedrichsdorf bei Homburg. Elektrische Beleuchtung (1879 Edison in New-York) neben der seit 1814 (zuerst in London, 1826 in Berlin) üblich gewordenen Gasbeleuchtung. Elektrische Eisenbahn (1879 Werner Siemens in Berlin). Drahtlose Telegraphie: Elektrische Wellen im Luftraum, hergestellt und beobachtet 1887 von H. Hertz in Karlsruhe, zu telegraphischen Zwecken seit 1897 benutzt von Marconi u. a.
6. Die Motorwagen (Automobile), seit 1895 in Frankreich beliebt, dann auch in andern Ländern immer mehr eingeführt, fördern schnellen Verkehr, ohne an Schienenwege gebunden zu sein.
7. Motor-Luftschiffahrt, seit 1907 erfolgreich betrieben von Graf Zeppelin (Friedrichshafen am Bodensee), Major v. Parseval (Berlin), Major Groß (Berlin, Militär-Luftschiff). Auch andere Staaten benutzen das lenkbare Luftschiff zu Kriegszwecken, ebenso wie in neuester Zeit auch die Flugmaschine (Aeroplan). Die Gebrüder Wright in Amerika u. a..