Landsieg des englischen Generals Wolfe bei Quebec, Kanada erobert. Seesiege bei Lagos in Portugal und Quibéron.
Georg III., Enkel Georgs II., zum Frieden geneigt. Frankreich verbündet sich mit Spanien (Bourbonischer Familienpakt 1761); Pitt tritt aus dem Ministerium, weil nicht sofort Krieg an Spanien erklärt wird. Sein Nachfolger Bute sucht den Frieden herbeizuführen, sieht sich aber doch zur Kriegserklärung gegen Spanien genötigt. Die englische Flotte erobert 1762 Martinique, Havanna, Manila; Spaniens Seemacht fast vernichtet.
Friede zu Paris: 1. Frankreich tritt Louisiana östlich vom Mississippi (seit 1682 französische Kolonie), Kanada und die Insel Cap Breton, sowie seine afrikanischen Besitzungen am Senegal an England ab, erhält seinen Besitz in Ostindien (Pondichery und Chandarnagar) zurück. 2. Spanien erhält Cuba und die Philippinen zurück, tritt Florida an England ab, erhält von Frankreich Louisiana westlich vom Mississippi.
Eroberung Ostindiens. Die ostindische Kompagnie (S. 246) hatte 1639 Madras, 1664 Bombay erworben, um 1700 Kalkutta angelegt. Robert Clive siegt 1757 bei Plassey über den mit Frankreich verbündeten Nabob von Bengalen und erobert dieses reiche Land. Der Großmogul in Delhi (S. 219) behält nur den Schein der Herrschaft; die indischen Fürsten müssen hohen Tribut zahlen. Clive 1765 abermals nach Indien gesandt, unterdrückt Aufstände und erweitert das englische Gebiet. Warren Hastings, seit 1773 General-Gouverneur, besiegt die Mahratten und den Sultan Hyder Ali von Mysore 1781, unterwirft dadurch den größten Teil von Dekhan.
East-India-Bill des jüngeren Pitt (Minister 1783 bis 1801); die Kompagnie wird in militärischen und politischen Angelegenheiten einer königlichen Aufsichtsbehörde untergeordnet, behält aber die Verwaltung der ausgedehnten Gebiete in eigner Hand (bis 1858).
Hyder Alis Sohn Tippu Sahib, der sich nochmals gegen die englische Herrschaft erhoben hat, fällt bei der Erstürmung seiner Hauptstadt Seringapatam.
Durch diese Erfolge ist England zur vorherrschenden See- und Kolonialmacht geworden. Zugleich bedeutende Entwickelung der Industrie, Birmingham und Manchester entwickeln sich als Fabrikstädte, London und Liverpool als Haupthandelsplätze. Einen Verlust erleidet England durch den Abfall seiner nordamerikanischen Kolonien.
Nordamerikanischer Freiheitskrieg
Das englische Parlament, in welchem die Kolonien nicht vertreten sind, beschließt 1765 die Einführung einer Stempel-Abgabe, 1760 eine Steuer auf Tee, Glas, Papier und Farben. Die Kolonien widersetzen sich einer Besteuerung ohne ihre Zustimmung; im Hafen von Boston wird 1773 eine Teeladung ins Meer geworfen. Die englische Regierung verhängt Hafensperre über Boston und verändert die Verfassung der Kolonie Massachusetts; ein Kongreß von Abgeordneten der Kolonien in Philadelphia 1774 beschließt das Aufhören des Handelsverkehrs mit dem Mutterlande.
1775 erstes Gefecht bei Lexington. Die Engländer, in Boston belagert, räumen diese Stadt im Frühjahr 1776, werden durch 12000 von ihrem Landesherrn verkaufte Hessen und andere deutsche Mietstruppen verstärkt, besetzen Long-Island und die Stadt New-York. George Washington (geb. 1732 in Virginien, † 1799, am Ende des französischen Krieges Oberst) erhält den Oberbefehl und bildet ein Heer.
Unabhängigkeits-Erklärung der 13 Vereinigten Staaten.
Washington, von französischen Freiwilligen (Marquis v. Lafayette) begleitet, kämpft zunächst mit wechselndem Erfolge. Der früher preußische Major v. Steuben unterstützt ihn bei der kriegsmäßigen Ausbildung der Truppen.
General Gates nimmt ein englisches Korps von 6000 Mann bei Saratoga (am Hudson) gefangen.
Bündnis Frankreichs mit den amerikanischen Freistaaten, abgeschlossen durch Benjamin Franklin (geb. 1706 in Boston, Buchdrucker, Schriftsteller, Erfinder des Blitzableiters, General-Postmeister der Kolonien, seit 1776 Gesandter in Versailles). Bald tritt Spanien dem Bündnis bei; andererseits erklärt England den Krieg an Holland (S. 297).
Gibraltar von Franzosen und Spaniern vergeblich belagert, von Elliot tapfer verteidigt; dagegen nehmen die Spanier 1782 die Insel Menorka (S. 274).
Seesiege des englischen Admirals Rodney bei S. Vincent 1780 und Dominika 1782. Unentschiedene Seeschlacht zwischen Engländern und Holländern an der Doggerbank in der Nordsee 1781.
Entscheidung des Landkrieges zu Gunsten der Amerikaner; Washington und Lafayette nehmen ein englisches Korps von 7200 Mann bei Yorktown (in Virginien) gefangen.
Friede zu Versailles: 1. Anerkennung der Unabhängigkeit der 13 Vereinigten Staaten. Das Western Territory erhalten die Amerikaner, die Schiffahrt auf dem Mississippi bleibt gemeinschaftlich. 2. England tritt an Frankreich in Westindien ab: Tabago; in Afrika: das Gebiet des Senegal;
3. Spanien bleibt im Besitz von Menorka und Florida (S. 300), verzichtet auf Gibraltar (S. 274).
George Washington, erster Präsident der Vereinigten Staaten (United States of America).
Verfassung des Bundesstaates: Über Krieg und Frieden, Heer und Flotte, Verträge mit fremden Staaten, Münze, Maß und Gewicht, Zölle und Steuern beschließt der Kongreß, bestehend aus Senat und Repräsentantenhaus. Die Einzelstaaten verwalten nur ihre inneren Angelegenheiten. Der Präsident, auf 4 Jahre durch Wahlmänner aus allen Staaten erwählt, ernennt die Beamten und leitet die Regierung nach den Beschlüssen des Kongresses. Gegen dieselben steht ihm ein aufschiebendes Veto zu, bis der Kongreß mit Zweidrittelmajorität entscheidet.
Aufblühen des neuen Staatswesens durch Einwanderung. Vordringen der Ansiedler nach Westen, Cincinnati 1791 gegründet, die Bundeshauptstadt Washington 1793. Auf dem Kapitol hält der Kongreß seine Sitzungen, das Weiße Haus die Amtswohnung des Präsidenten.
Krieg mit England (S. 331). Die Amerikaner dringen in Kanada ein. Die Engländer treiben sie zurück, besetzen Washington und zerstören das Kapitol, werden aber nach einer Landung bei New-Orleans besiegt (Jan. 1815). Unterdessen bereits (Dez. 1814) Friede zu Gent. Die Eroberungen gegenseitig zurückgegeben.
Die 13 Staaten vermehren sich bis 1821 auf 26; Louisiana, von Spanien 1800 an Frankreich zurückgegeben, wird 1803 von den Vereinigten Staaten durch Kauf erworben, ebenso Florida 1819, Texas und Kalifornien 1848 durch Krieg gegen Mexiko. Alaska 1867 durch Kauf von Rußland, Portorico und die Philippinen 1898 durch Krieg gegen Spanien, 1900 Sandwichinseln annektiert. Jetzt 47 Staaten, 3 Territorien und 1 Bundesdistrikt.
Neuen Machtzuwachs für England bringt die Erschließung der seit 1600 durch Portugiesen, Spanier (Torres) und Holländer (Tasman) entschleierten australischen Inselwelt durch die Entdeckungsreisen von James Cook 1768–1779. Er wird bei der dritten Reise auf Hawaii, der größten der Sandwichinseln, von den Eingeborenen 1779 erschlagen. Andere bisher unbekannte Gebiete werden erschlossen durch die Reisen des Schotten Bruce (Abessinien) und Mungo Park (Nigerstrom).
Sydney erste englische Kolonie in Australien. Weitere Entfaltung der englischen Literatur und Wissenschaft: Shaftesbury, Pope, Swift, Prior, Defoe, Addison, Steele, (»Tatler«, »Spectator« erste moralische Wochenschriften), Sterne, Fielding, Goldsmith, Richardson, Gray, Sam. Johnson (Macphersons Ossian 1760). Der Naturforscher Robert Boyle († 1691 in London), der Philologe Rich. Bentley in Oxford und Cambridge († 1742), der Philosoph und Geschichtschreiber David Hume in Edinburg († 1776), der Geschichtschreiber Gibbon († 1794); Adam Smith, Prof. in Glasgow, begründet 1776 die Volkswirtschaftslehre. Aufschwung der englischen Malerei: Hogarth († 1764), Joshua Reynolds († 1792), Gainsborough († 1788).
Portugal, unter den ersten Königen aus dem Hause Braganza (S. 245) wieder zu einiger Macht gelangt, seit dem Besitz Brasiliens 1500 (S. 222) als Kolonialmacht nicht unbedeutend, gerät durch einen 1703 geschlossenen Handelsvertrag in Abhängigkeit von England. Große Macht der Geistlichkeit unter Johann V. (1706–1750); wohltätige Reformen unter Joseph I. (1750–1777) durch den Minister Carvalho, Marquis von Pombal.
Lissabon durch Erdbeben größtenteils zerstört, Pombal sorgt für die Wiederherstellung.
Vertreibung der Jesuiten infolge eines Mordversuchs gegen den König.
Im Bunde mit England Krieg gegen Spanien. Pombal beruft den Grafen Wilhelm von Schaumburg-Lippe nach Portugal. Dieser organisiert Heer und Flotte. Im Frieden von Paris 1763 gibt Spanien die eroberten Plätze zurück.
Unter der Königin Maria, der Tochter Josephs I. (1777 bis 1792), Wiederherstellung der geistlichen Macht, Pombal vor Gericht gestellt, aber begnadigt, † 1782.
Spanien, seit 1701 unter Königen aus dem Hause Bourbon (S. 274), in der auswärtigen Politik mit Frankreich verbündet, gelangt nicht wieder zu seiner früheren Machtstellung. Unter Karl III. (1759–1788) Reformen des Ministers Aranda, welcher 1767 die Jesuiten vertreibt.
Sardinien, Königreich seit 1720 (S. 278), tritt unter Karl Emanuel I. (1730–1773) im Polnischen Thronfolgekrieg kriegerisch gegen, im Österreichischen Erbfolgekrieg für Österreich auf, erwirbt 1748 durch den Frieden zu Aachen (S. 284), einen Teil des Herzogtums Mailand.
Die Republik Genua hat fortdauernd ihre Unabhängigkeit gegen mächtige Nachbarn (Savoyen, Frankreich, Österreich) zu verteidigen. Die Bewohner der seit Ende des 11. Jahrh. von den Pisanern und Genuesen umstrittenen Insel Korsika, seit 1300 unter genuesischer Herrschaft, empören sich 1729. Nach wechselvollem Kampfe, wobei ein deutscher Abenteurer, Baron Neuhof aus Westfalen, kurze Zeit als König Theodor I. von Korsika auftritt (1736), ruft Genua Frankreichs Hilfe an; die Insel wird 1739 unterworfen. Doch bald neue Kämpfe, seit 1755 Pasquale Paoli an der Spitze. Genua tritt 1768 die Insel an Frankreich ab; Paoli flieht 1769 nach England, versucht 1790–1796 nochmals Korsika zu befreien, † in England 1807.
Venedig kann die frühere Blüte nicht wieder erreichen, doch werden noch ruhmvolle Kriege gegen die Türken geführt:
Krieg um Kandia (Kreta); die Türken mehrmals von der venetianischen Flotte besiegt; trotz tapferer Verteidigung, welche Morosini leitet, endet der Krieg mit dem Verlust der Insel für Venedig.
Krieg um Morea (Peloponnes). Venedig mit Kaiser Leopold I. und Polen verbündet (S. 266). Morosini, verstärkt durch deutsche Mietstruppen unter Graf Königsmark, vertreibt die Türken aus Morea, erobert 1687 Athen, bei dessen Belagerung der Mittelbau des Parthenon (S. 46) durch eine venetianische Bombe zerstört wird. Darauf zum Dogen erwählt, kehrt er 1693 auf den Kriegsschauplatz zurück, stirbt aber 1694 in Nauplia. Im Frieden zu Karlowitz (S. 266) bleibt Morea den Venetianern, welche die Halbinsel durch griechische Kolonisten neu bevölkern und bessere Verwaltung einführen.
Die Türken erobern Morea für immer (vgl. S. 278); nach dem Frieden von Passarowitz 1718 bleibt Venedig immer noch im Besitz eines ansehnlichen Festlandsgebietes (Verona, Brescia, Bergamo, Udine, Istrien, Dalmatien) und der Ionischen Inseln.
Toskana, nach dem Aussterben des Hauses Medici 1737 österreichische Sekundogenitur (S. 279), erfreut sich des Wohlstandes unter dem Großherzog Leopold (1765–1790), dem zweiten Sohne Maria Theresias und nachmaligen Kaiser Leopold II. Diesem folgt sein zweiter Sohn Ferdinand III. (1790 bis 1824).
Parma mit Piacenza und Guastalla seit 1748 spanische Sekundogenitur (S. 284); Modĕna im Besitz des Hauses Este (S. 210); am Hofe des Herzogs Franz III. lebt der Geschichtsforscher Muratori († 1750).
Der Kirchenstaat behauptet sein ansehnliches Gebiet (das alte Latium, Umbrien, die Marken, Ancona, Rimini, Ravenna, Bologna, Ferrara) in gutem Einvernehmen mit Österreich und Spanien.
Papst Clemens XIV., dem Andringen katholischer Staaten nachgebend, hebt den Jesuiten-Orden auf, nachdem der Ordensgeneral Ricci jede Reform abgelehnt hat (sint, ut sunt, aut non sint).
Neapel mit Sicilien unter Königen aus dem Hause Bourbon (1735–1799, dann wieder 1815–1860). Karl IV., bis 1759 (als Karl III., König von Spanien, S. 303), verbessert die Verwaltung mit Hilfe des Ministers Tanucci, der auch unter Karls Sohn Ferdinand IV. (1759–1825) bis 1777 im Amte bleibt; 1767 Vertreibung der Jesuiten. Nach Tanuccis Sturz führt die Königin Caroline Marie, Tochter der Maria Theresia, die Regierung. Ihr Minister Arcton. 1799 muß der König vor den eindringenden Franzosen nach Sicilien entweichen (S. 317).
Ludwig XV., Urenkel Ludwigs XIV., dessen Sohn und Enkel vor ihm gestorben waren (S. 349). Während der Minderjährigkeit führt der Herzog Philipp von Orléans, Sohn der Elisabeth Charlotte von der Pfalz († 1721), die Regentschaft; dieser gibt durch seine Ausschweifungen dem Volke ein übles Beispiel († 1723). Mißglückter Versuch des Schotten John Law, durch Gründung einer Bank (1718) und Ausgabe von Papiergeld die zerrütteten Finanzen in Ordnung zu bringen. Gemäßigte Staatsverwaltung des Kardinals Fleury 1726–1743, dann Herrschaft der Buhlerinnen (Marquise von Pompadour 1745–1764, Gräfin Dubarry 1769–1774).
Lothringen erworben 1738 (S. 279); erfolglose Teilnahme am österreichischen Erbfolgekrieg und am Siebenjährigen Krieg, unglücklicher Krieg mit England (S. 299f.). Verlust der Kolonien in Nordamerika (S. 300). Vertreibung der Jesuiten 1761 durch den Minister Choiseul. Opposition des höchsten Gerichtshofs, des Parlaments zu Paris; Aufhebung der Parlamente 1771. Beim Tode des Königs 4000 Mill. Livres Staatsschulden; der Staat heillos zerrüttet.
Ludwig XVI., dessen redlicher Wille bei dem Mangel an Tatkraft den herannahenden Sturm der Revolution nicht mehr durch schwache Reformversuche zu beschwichtigen vermag. Wiederherstellung der Parlamente 1774. Ludwig XVI., Enkel seines Vorgängers, persönlich ehrbar und sittenrein. Seine Gemahlin Marie Antoinette, Tochter Maria Theresias von Österreich, anfangs beim Volke nicht unbeliebt, wird bald Gegenstand der gehässigsten Verleumdungen, namentlich infolge des anstößigen Halsbandprozesses (Kardinal Rohan, Gräfin Lamotte). Frankreichs Teilnahme am Nordamerikanischen Freiheitskriege (S. 301) verschärft den alten Gegensatz gegen England.
Die französische Literatur im 18. (philosophischen) Jahrhundert ist ein getreues Abbild der Sitten des französischen Hofes und Volkes: Lesage († 1747), Montesquieu († 1755), Voltaire (1694–1778), Rousseau (1712–1778), B. de St-Pierre († 1814), A. Bertin († 1790), Beaumarchais († 1799). Als Maler verdienen Erwähnung: Watteau (Hauptmeister des Rokoko, † 1721), Boucher († 1770), Fragonard († 1806).
Ursachen: 1. Der auf Vernichtung oder Umbildung des Bestehenden gerichtete Geist des 18. Jahrhunderts. Angriffe französischer Schriftsteller auf Staat und Kirche. Montesquieu (Esprit des lois 1748) und Rousseau (Contrat social 1762) bekämpfen das unbeschränkte Königtum und stellen neue Staatslehren auf. Voltaire (Henriade 1723, Prozeß des Jean Calas 1762) bekämpft die religiöse Unduldsamkeit und das Christentum überhaupt; die Enzyklopädie, ein philosophisches Wörterbuch, 1751–1780 herausgegeben von Diderot und d’Alembert, verbreitet die Lehren der Aufklärung und Freigeisterei.
2. Die großen Mißbräuche im französischen Staatswesen, verschuldet durch die willkürliche und entartete Regierung, während in allen übrigen europäischen Staaten Verbesserungen durchgeführt werden. Seit 1614 die altherkömmlichen Reichsstände (États-généraux) nicht mehr einberufen (s. S. 238). Verfügung über die Freiheit der Untertanen durch willkürliche Verhaftsbefehle (lettres de cachet, Bastille), über ihr Vermögen durch willkürliche Besteuerung. Gegen den Anspruch des Pariser Parlaments, die Eintragung der Steueredikte verweigern zu können, wendet der Hof königliche Thronsitzungen (lits de justice) und Verweisung der Parlamentsmitglieder an. Käuflichkeit der Offizierstellen im Heere, der Sitze in den Parlamenten, der höheren Ämter, aber meist nur für den Adel. Die bevorrechtigten Stände (Adel und Geistlichkeit) sind bei den direkten Abgaben sehr begünstigt, obgleich keineswegs ganz frei von denselben; die Bauern durch Frondienste gedrückt, die Entwickelung von Handel und Gewerbe durch Zunftzwang gehemmt.
Veranlassung: Die ungeheure Staatsschuld. Entstanden durch die Kriege Ludwigs XIV., seine kostspieligen Bauten und seine verschwenderische Hofhaltung, wächst der jährliche Fehlbetrag durch die Verschwendung Ludwigs XV. und die Kosten des nordamerikanischen Krieges unter Ludwig XVI. bis fast auf die Hälfte der jährlichen Einnahme.
Turgots Maßregeln zur Verbesserung der Verwaltung (Aufhebung der Binnenzölle, Abschaffung der Wegefronden und der Zünfte) werden mit seiner Entlassung 1776 aufgegeben. Necker (bis 1781) sucht durch Anleihen und Sparsamkeit zu helfen, Calonne (1783–1787) wirtschaftet sorgloser und beruft zuletzt eine Notabelnversammlung, die keine durchgreifenden Beschlüsse zu fassen wagt. Necker, 1788 wieder berufen, veranlaßt die
Berufung der Reichsstände nach Versailles, mit einer doppelten Vertretung des Bürgerstandes (tiers état): Geistlichkeit 300, Adel 300, Bürger 600. Streit über die Art der Beratung und Abstimmung, ob nach Ständen oder nach Köpfen. Bei der Prüfung der Vollmachten verlangen Geistlichkeit und Adel eine getrennte, der Bürgerstand eine gemeinschaftliche Prüfung. Auf Sieyès’ Vorschlag erklären sich die Abgeordneten des Bürgerstandes als Nationalversammlung (Assemblée nationale) und laden die beiden anderen Stände zum Beitritt ein.
Eid im Ballspielhaus (Jeu de paume). Die Abgeordneten des dritten Standes schwören, sich nicht zu trennen, bis sie dem Lande eine Verfassung gegeben.
Fruchtlose königliche Sitzung. Der Befehl des Königs, daß die drei Stände getrennt beraten sollen, wird nicht ausgeführt infolge des von Mirabeau[51] erhobenen Widerspruchs. Der König gibt nach; Geistlichkeit und Adel vereinigen sich mit dem dritten Stand. Die Versammlung beginnt eine neue Verfassung für Frankreich zu beraten, wird deshalb bezeichnet als
Verfassunggebende Versammlung (Assemblée constituante).
Gerüchte von einer beabsichtigten Auflösung der Nationalversammlung und die Entlassung Neckers (11. Juli) veranlassen Unruhen in Paris.
Einnahme und Zerstörung der Bastille. Necker zurückberufen, Lafayette Befehlshaber der neuerrichteten Bürgerwehr (Nationalgarde).
Unruhen in den Provinzen, Schlösser und Klöster verwüstet. Viele Adlige verlassen Frankreich. Karl Philipp, Graf von Artois, zweiter Bruder des Königs, an der Spitze der Emigranten, seit 1791 in Koblenz am Hofe des Kurfürsten von Trier.
Freiwillige Verzichtleistung (Vicomte de Noailles) der Abgeordneten des Adels auf alle Feudalrechte, der Geistlichkeit auf den Zehnten. Abschaffung des Feudalstaates. Gleichheit der Besteuerung und gleiche Zulassung aller Bürger zu allen öffentlichen Ämtern wird festgesetzt. Öffentliche Werkstätten eingerichtet.
Erklärung der Menschenrechte (Freiheit, Eigentum, Sicherheit, Widerstand gegen Unterdrückung) auf Lafayettes Antrag.
Aufstand in Paris, hervorgerufen durch Brotmangel und Gerüchte von einer beabsichtigten Reaktion. Zug der durch Agenten des Herzogs Philipp von Orléans aufgeregten Volksmenge zum König nach Versailles. Die königliche Familie, von Lafayette durch die Nationalgarde gerettet, muß nach Paris übersiedeln, ebenso die Nationalversammlung; 200 Mitglieder scheiden aus. Der Pariser Pöbel beherrscht seitdem die Versammlung.
Die von der Assemblée constituante ausgearbeitete Verfassung überträgt die gesetzgebende Gewalt der Nationalversammlung und gesteht dem König nur ein aufschiebendes Veto zu. Er darf die Versammlung, die Inhaberin der Souveränität, nicht auflösen, ja nicht einmal mit Gesetzesvorschlägen an sie herantreten, geschweige denn ihre Beschlüsse rundweg ablehnen. Er ist vielmehr nur der Vollstrecker dieser Beschlüsse. Da aber den nach Aufhebung der alten Provinzen neu geschaffenen 83 Departements nahezu volle Selbstverwaltung und auch das Recht der Beamtenwahlen verliehen wurde, so war Frankreich in 83 fast souveräne Republiken aufgelöst, in denen es königliche Beamte, d. h. Vollstrecker des königlichen Willens nicht mehr gab. Der König also tatsächlich machtlos.
Die Ausübung des Aktivbürgerrechts an die Entrichtung einer direkten Steuer, ein Alter von 25 Jahren und einjährigen Wohnsitz in der Gemeinde geknüpft. Die aus den Urwahlversammlungen hervorgehenden Wahlmänner wählen die Volksvertreter für eine Legislatur von 2 Jahren, desgleichen die Behörden der Departements und ihrer Distrikte; die Gemeindebeamten und die Richter werden ebenfalls von den Aktivbürgern gewählt. Aufhebung der Parlamente; neue Gerichtsverfassung mit Geschworenengerichten. Abschaffung des Adels, der Titel und Wappen, sowie der Beschränkung der Presse.
Um der Finanznot abzuhelfen, erklärt man die geistlichen Güter für Nationaleigentum und gibt Papiergeld aus (Assignaten, Anweisungen auf den Wert der Nationalgüter). Der Staat übernimmt den Unterhalt der Geistlichen.
Auch die Geistlichen werden fortan von den Aktivbürgern gewählt (Constitution civile du clergé), jedes Departement bildet ein Bistum. Nur ⅓ der Geistlichkeit unterwirft sich der neuen Verfassung durch den geforderten Eid, daher fortan kirchlicher Zwiespalt.
Die Aufregung wird vorübergehend beschwichtigt durch das Verbrüderungsfest (Föderationsfest, 14. Juli 1790), zu welchem Tausende aus den Provinzen nach Paris kommen. Lafayette schwört im Namen sämtlicher Nationalgarden der Nation, dem Gesetz, dem König treu zu sein. Der König gelobt die von der Nationalversammlung beschlossene und von ihm angenommene Verfassung anzuwenden.
Mit diesem Gang der Dinge sind die demokratischen Klubs nicht zufrieden. Ihr Ziel ist die völlige Beseitigung der Monarchie und die Gründung einer Republik. Der zahlreichste und einflußreichste ist der nach seinem Versammlungsort, einem aufgehobenen Jakobinerkloster, genannte Klub der Jakobiner (Robespierre); zu den in einem Franziskanerkloster Sitzung haltenden Cordeliers gehören Danton, Marat, Camille Desmoulins, Hébert; ihnen gegenüber die gemäßigten, am Königtum festhaltenden Feuillants (Lafayette, Bailly).
Verbindung des Hofes mit Mirabeau, der, nachdem die konstitutionelle Monarchie begründet ist, die Revolution hemmen und den Umsturz des Thrones verhindern will. Necker tritt aus dem Ministerium (Sept. 1790), da er die Finanzen nicht in Ordnung zu bringen vermag.
Mirabeau †. Flucht des Königs (20. Juni). Er wird mit seiner Familie in Varennes (unweit Verdun) angehalten, nach Paris zurückgebracht, suspendiert und eine Zeitlang in den Tuilerien streng bewacht, dann wieder eingesetzt, nachdem er am 14. Sept. den Eid auf die revidierte Verfassung geleistet hat. Die Nationalversammlung löst sich auf, nachdem sie auf Robespierres Antrag beschlossen hat, daß keins ihrer Mitglieder für die folgende Versammlung wählbar sei.
Gesetzgebende Versammlung (Assemblée législative).
745 neue Abgeordnete. Parteien: die rechte Seite (Feuillants) wird täglich schwächer. Die linke, herrschende Seite zerfällt in 1. gemäßigte Republikaner (Ebene, la plaine), darunter die Gruppe der Girondisten, so genannt wegen hervorragender Mitglieder aus Bordeaux, dem Departement der Gironde: Vergniaud, Brissot u. a., meist Anhänger der Föderativ-Republik, 2. Bergpartei (la montagne, les montagnards), Radikale, Anhänger der einen, unteilbaren Republik (une et indivisible).
Der König wird unbeliebt, da er gegen die Beschlüsse über Bestrafung der den Eid verweigernden Priester und über Nötigung der Emigranten zur Rückkehr von seinem Veto Gebrauch macht und auf Hilfe von Österreich hofft.
Ein girondistisches Ministerium (Roland, Dumouriez) nötigt den König, Österreich den Krieg zu erklären. Vermehrte Aufregung, da der Krieg (S. 313ff.) bei dem zerrütteten Zustande des französischen Heerwesens anfangs ungünstig verläuft.
Aufruhr in Paris, Erstürmung der Tuilerien. Der König flüchtet sich in den Sitzungssaal der Gesetzgebenden Versammlung, sendet an die treue Schweizer-Garde den Befehl, das Feuern einzustellen. Die abziehenden Schweizer vom Volk ermordet. Der König wird wieder suspendiert und als Gefangener in den Temple (früheres Ordenshaus der Tempelherren, S. 207) gebracht.
Berufung eines Nationalkonvents zur Feststellung einer neuen Verfassung.
Ermordung von etwa 3000 »Verdächtigen« in den Gefängnissen von Paris, auf Anstiften des Gemeinderates (la Commune) und des Justizministers Danton. Die dadurch eingeschüchterte Bevölkerung wählt nur Radikale in den Convent.
Nationalkonvent (Convention nationale).
Parteien: Girondisten und Bergpartei.
Abschaffung des Königtums, Frankreich wird für eine Republik erklärt.
Ludwig XVI. vor dem Konvent angeklagt wegen Verrats an der Freiheit der Nation. Meisterhafte Verteidigungsrede von de Sèze; Robespierre dringt auf Verurteilung des Königs, Vergniaud fordert vergebens Entscheidung durch Volksabstimmung.
Die Mehrheit des Konvents erklärt den König für schuldig; bei der Abstimmung über die Strafe stimmen 361, unter ihnen der Herzog Philipp von Orléans (Égalité) unbedingt für den Tod, 360 für Gefängnis, Verbannung oder Aufschub der Todesstrafe.
Ludwig XVI. hingerichtet. Die Guillotine stand unweit der Tuilerien auf dem Revolutionsplatze, der später Place de la Concorde genannt und mit dem Obelisken von Luxor geziert wurde.
Royalistischer Aufstand in der Vendée südlich von der Loiremündung. Der im Temple gefangen gehaltene Dauphin wird als König Ludwig XVII. ausgerufen. Heftige Kämpfe bis zu Ende des Jahres, endlich siegen die Republikaner (12. Dez. bei Le Mans) und üben blutige Rache.
Im Konvent bekämpfen sich Girondisten und Bergpartei, letztere erlangt das Übergewicht. Die Regierung führt in diktatorischer Weise der aus 9 Mitgliedern bestehende Wohlfahrtsausschuß (Comité du salut public); an der Spitze Danton, später Robespierre. Das Revolutionstribunal (Fouquier-Tinville) eingesetzt als außerordentlicher Gerichtshof zur Verurteilung der »Verdächtigen«. Zwangskurs für die Assignaten, Maximum des Kornpreises beschlossen.
Ein von dem Pariser Gemeinderat geleiteter Pöbelaufstand erzwingt vom Konvent die Verhaftung von 32 Girondisten.
Die vom Konvent beschlossene zweite, völlig demokratische Verfassung geht an die Urwählerversammlungen zur Bestätigung, kommt aber nie zur Ausführung.
Marat von Charlotte Corday, einer Anhängerin der Girondisten, ermordet.
Schreckensherrschaft in Frankreich.
Robespierre an der Spitze. Revolutionsausschüsse im ganzen Lande. Kommissare des Wohlfahrtsausschusses wüten in den großen Provinzialstädten (Tallien in Bordeaux, Lebon in Arras, Carrier in Nantes, Chalier in Lyon). In Toulon Erhebung der Bürger gegen den Konvent, Aufnahme einer englisch-spanischen Flotte in die vom Konvent geächtete Stadt.
Hinrichtung der Königin Marie Antoinette und der verhafteten Girondisten. Schändung der Königsgräber in St. Denis. Einführung des republikanischen Kalenders (Beginn des Jahres und der neuen Zeitrechnung mit dem 22. Sept. 1792; Monate: Vendémiaire, Brumaire, Frimaire; Nivose, Pluviose, Ventose; Germinal, Floréal, Prairial; Messidor, Thermidor, Fructidor). Lyon von einer Revolutionsarmee erobert und zum Teil zerstört (Commune affranchie).
Philipp Egalité, der Herzog von Orléans, Bailly u. a. hingerichtet. Abschaffung des christlichen Gottesdienstes, Einrichtung des Kultus der Vernunft.
Eroberung der von englischen, spanischen, sardinischen, neapolitanischen Truppen verteidigten Seefestung Toulon, hauptsächlich durch die geschickten Anordnungen des Artillerie-Hauptmanns Napoléon Bonaparte.[52]
Greueltaten der Republikaner in der Vendée.
Robespierre stürzt seine beiden Gegenparteien, den »ultrarevolutionären« Gemeinderat und die »gemäßigten« Dantonisten. Nach einem mißlungenen Aufstandsversuch werden zuerst die Ultrarevolutionären (Chaumette, Hébert, Cloots u. a.), dann die »Gemäßigten« und »Verderbten« (Danton, Camille Desmoulins u. a.) aufs Blutgerüst geschickt. Robespierre macht dem Vernunftkultus ein Ende und läßt durch den Konvent das Dasein eines höchsten Wesens (Être suprême) anerkennen, dessen Fest im Tuileriengarten er als Oberpriester leitet. Eine Verschwörung unter den Mitgliedern des an Zahl bereits sehr verringerten Konvents führt
27. Juli (9. Thermidor) den Sturz Robespierres herbei. Im Konvent von Tallien angeklagt und verhaftet, von den Truppen der Commune (S. 310) befreit, wird er im Stadthause nach kurzem Kampfe überwältigt und am folgenden Tage mit 21 seiner Anhänger hingerichtet; am 29. Juli noch 71 hingerichtet, fast die ganze Commune.
Der Nationalkonvent unter der Herrschaft der Gemäßigteren.
Öffnung der Gefängnisse; gegen den Pöbel und die Jakobiner tritt die Jugend der wohlhabenden Stände (Jeunesse dorée) auf, der Jakobinerklub wird geschlossen, die noch lebenden Girondisten werden in den Konvent zurückberufen. Zwei Pöbelaufstände in Paris (1. April und 20. Mai 1795) zu Gunsten der Jakobiner werden von der Nationalgarde und herbeigerufenen Linientruppen unterdrückt.
Tod des schändlich mißhandelten 10jährigen Dauphins (Ludwig XVII.) im Temple.
Verkündigung einer neuen (dritten) Verfassung: Die ausübende Gewalt wird einem Direktorium von fünf Personen, die gesetzgebende dem Rate der Alten (250) und dem Rate der Fünfhundert übertragen, doch sollen für diesmal ⅔ der Mitglieder beider Räte aus den Konventsmitgliedern gewählt werden. Gegen diese Wahlbeschränkung erheben sich die von den Royalisten bearbeiteten Pariser Sektionen (Stadtviertel) zum Aufstande. Auf Barras’ Antrag wird General Bonaparte an die Spitze der Truppen des Konvents gestellt.
Blutiger Sieg in den Straßen von Paris. Darauf Vollziehung der Wahlen, der Konvent löst sich auf.
Direktorialregierung in Frankreich.
Vergebliche Versuche, die zerrüttete Staatsordnung wieder herzustellen. Den entwerteten Assignaten immer neue hinzugefügt. Unerhörtes Raubsystem in den besetzten oder eroberten Ländern angeordnet, um Geld und Kunstschätze aller Art nach Paris zu bringen. Unterdrückung der Royalisten und der kommunistischen Verschwörung des Gracchus Babeuf (1796).
l. Frankreich ist nach dem Sturz des unbeschränkten Königtums und nach schweren inneren Kämpfen zu einer freieren, aber noch wenig befestigten Verfassung gelangt. 2. Frankreichs Eroberungslust, genährt durch die Notstände im Innern, gefährdet den Bestand des europäischen Staatensystems. 3. In den übrigen europäischen Staaten (mit Ausnahme Englands) macht sich das Streben nach Einführung freier Verfassungen geltend, doch lehren die zunächst folgenden Kriegszeiten auch den Wert einer starken Monarchie erkennen.
Erster Koalitionskrieg.
Veranlassung: Zusammenkunft des Kaisers Leopold II. und des Königs Friedrich Wilhelm II. von Preußen zu Pillnitz bei Dresden (Aug. 1791); auch Vertreter der Emigranten (S. 307) erscheinen dort. Eine gebieterische Erklärung gegen Frankreich wird beschlossen und veröffentlicht. Leopold II. ist noch um Erhaltung des Friedens bemüht, schließt aber (Febr. 1792) mit Preußen ein Verteidigungsbündnis. Sein Sohn und Nachfolger
Franz II. (als Kaiser von Österreich Franz I. bis 1835) empfängt von Frankreich die Kriegserklärung (S. 310). Der erste Angriff der Franzosen auf das österreichische Belgien mißlingt. Lafayette führt seine Absicht, mit Truppen der Nordarmee dem bedrängten König Ludwig XVI. zu Hilfe zu kommen, nicht aus, wird auf der Flucht (19. Aug.) von den Österreichern ergriffen und als Gefangener nach Olmütz gebracht (1797 entlassen).
Drohendes Manifest des Herzogs Karl Wilhelm Ferdinand von Braunschweig, welcher mit 80000 Mann Preußen und Österreichern von Koblenz aus langsam in Frankreich einrückt. Die Festungen Longwy und Verdun genommen.
Treffen bei Valmy; der Herzog von Braunschweig bricht den Kampf ab. Rückzug durch die Champagne.
Im Süden Savoyen und Nizza von den Franzosen besetzt, da der König von Sardinien sich dem Bündnis gegen Frankreich angeschlossen hat.
Der französische General Custine dringt über den Rhein vor, erobert Speier, Worms, Mainz und Frankfurt. Nur Frankfurt wird von preußischen und hessischen Truppen bald wieder gewonnen.
Der französische General Dumouriez besiegt die Österreicher bei Jemappes und erobert Belgien.
Nach der Hinrichtung Ludwigs XVI. treten England, Holland, Spanien, Neapel, das Deutsche Reich dem Bündnis gegen Frankreich bei.
Dumouriez, von den Österreichern (unter dem Prinzen Friedrich Josias von Koburg) bei Neerwinden geschlagen, flüchtet mit dem Herzog von Chartres (Ludwig Philipp, Sohn des Herzogs von Orléans) in das österreichische Lager, später nach England.
Die Österreicher erobern die Festungen Condé und Valenciennes. Custine, welcher nach Dumouriez’ Flucht in Belgien befehligt, deshalb abgesetzt und bald darauf in Paris hingerichtet.
Die Preußen erobern nach längerer Belagerung Mainz. Der französische General Beauharnais bringt zu spät Hilfe, wird abgesetzt und hingerichtet.
Der Konvent verfügt die Aushebung aller Waffenfähigen vom 18.–25. Lebensjahre (levée en masse). Energie des Wohlfahrtsausschusses; Carnot stellt 600000 Mann unter Waffen.
Erfolgreiche Wendung des Krieges für die Franzosen; die Nordarmee (General Jourdan) siegt bei Hondschoote (unweit Dünkirchen) über die Engländer, Hannoveraner und Hessen, bei Wattignies (an der Sambre) über die Österreicher; die Moselarmee (General Hoche) erobert die von General Wurmser besetzten Weißenburger Linien im Elsaß wieder.
Jourdan siegt bei Fleurus über den Prinzen von Koburg und erobert Belgien.
Die Preußen, zweimal siegreich bei Kaiserslautern in der Rheinpfalz (Mai und Sept., Blüchers Reiterangriffe), gehen dann doch über den Rhein zurück; die Franzosen besetzen die Reichsstädte Aachen und Köln.
Der französische General Pichegru erobert Holland. Flucht des Erbstatthalters Wilhelm V. (aus dem Hause Nassau-Diez, welches 1748 dem Hause Nassau-Oranien in der Statthalterwürde gefolgt war) nach England, Begründung der Batavischen Republik (1795–1806). Die Engländer besetzen die holländischen Kolonien Kapland und Ceylon.
Friede zu Basel zwischen Frankreich und Preußen. Öffentliche Bedingungen: 1. Frankreich bleibt bis zum endgültigen Frieden mit dem Deutschen Reich im Besitz des preußischen Gebiets am linken Rheinufer (halb Cleve, Mörs, Obergeldern). 2. Eine Demarkationslinie (vom Main bis nach Schlesien) setzt die Neutralität, des nördlichen Deutschlands fest. Geheime Bedingung: Für den Fall, daß beim allgemeinen Frieden das linksrheinische Deutschland an Frankreich abgetreten wird, erhält Preußen eine Entschädigung aus rechtsrheinischem Gebiet zugesichert.
Auch Spanien schließt mit Frankreich Frieden zu Basel, indem es seinen Anteil an der Insel San Domingo abtritt; der Minister Godoy erhält den Titel Friedensfürst. Die Verwaltung Spaniens unter Karl IV. (1788–1808) zerrüttet, die Seemacht durch die Engländer fast vernichtet.