1104 (?)

dorische Wanderung

hat die Gründung dorischer Staaten zur Folge. Nach der Sage sind die Herakliden Tēmenos, Kresphontes, Aristodēmos Anführer der Dorier; Temenos wird König in Argos, Kresphontes in Messenien; die Söhne des Aristodemos, Eurysthĕnes und Prokles, herrschen gemeinsam in Sparta. Oxylos, Anführer der Ätōler, wird König in Elis. Ein Teil der älteren achäischen Bevölkerung zieht sich nach Achaja zurück und vertreibt die dort wohnenden Ionier, die sich nach Attika wenden, in Arkadien bleiben die alten Einwohner; dorisch dagegen werden, Korinth, Sikyon, Phlius, Epidauros, Megara, Ägina, Kreta.

1066 (?)

Kodros, König von Athen, fällt, nach der Sage sich freiwillig opfernd, im Kampf gegen die aus der Peloponnes nach Norden vordringenden Dorier; Attika wird von ihnen nicht unterworfen.

1000–900.

Äolische, ionische, dorische Kolonien an der Küste Kleinasiens und auf den Inseln.

Äŏler und Achäer gründen Mytilēne und Methymna auf der Insel Lesbos; Kyme, Smyrna u. a. Städte auf dem kleinasiatischen Festlande; Smyrna wird später ionisch.

Ionier, nach der Sage meist von Athen ausgewandert unter Führung der Söhne des Kodros, besetzen die Inseln Chios und Samos und gründen an der lydischen und karischen Küste 12 Städte, namentlich Milet, Ephĕsos, Kolŏphōn, Klazomĕnä, Phokäa. Gemeinsames Heiligtum (Panionion) der Tempel des Poseidon am Vorgebirge Mykăle.

Dorier besetzen die Inseln Melos, Thera, Kōs und Rhodos und gründen an der karischen Küste Halikarnassos und Knidos. Auch Kreta galt als dorisch.

Auf Cypern sind Ansiedlungen von Peloponnesiern aus vor-dorischer Zeit nachgewiesen; nach Euböa und den Kykladen sind die Ionier früher als nach Asien gekommen.

In Ionien entstanden in der Zeit von 900–800 v. Chr. die homerischen Gesänge (Ilias, Odyssee, Hymnen). Homēros nach der Sage ein blinder Sänger aus Smyrna oder Chios; Sängerschule der Homeriden auf Chios. Wandernde Rhapsoden sangen dem Volk und den Edlen von den Taten der Götter und Helden und erweiterten allmählich die überlieferten Sagenkreise. Die epische Dichtung wurde die Grundlage hellenischer Bildung und Gesittung. Zu dem heroischen Epos trat ergänzend hinzu das Lehrgedicht; Hesiodos aus Askra in Böotien um 700: Theogonie, Werke und Tage.

Staatsverfassungen. Das patriarchalische Königtum der heroischen Zeit wird allmählich verdrängt durch die Herrschaft der Edlen (Aristokratie). Diese entartet oft zu einer drückenden Herrschaft weniger (Oligarchie), gegen welche sich in manchen Staaten Tyrannen als Führer der Gemeinde (Demos) erheben; in andern findet friedlicher Ausgleich durch einen erwählten Schiedsrichter (Aisymnētes) statt. Tyrann heißt der nicht auf gesetzliche Weise zur Herrschaft gelangte Herrscher, ursprünglich ohne die Nebenvorstellung willkürlicher oder grausamer Regierung. Auf die Tyrannis folgt meist eine gemäßigtere Aristokratie oder Demokratie. In der Demokratie entscheidet die Mehrzahl der Bürger über die Staatsangelegenheiten; die Fremden und Sklaven sind von politischen Rechten ausgeschlossen.

Der spartanische Staat wurde das Vorbild der Aristokratie, besonders für die dorischen Staaten, der athenische Staat das Vorbild der Demokratie, besonders für die ionischen Staaten.

In dem dorischen Sparta bestand die Bevölkerung aus drei streng geschiedenen Klassen: 1. Spartiaten, die dorischen Eroberer, welche die fruchtbarsten Teile des lakonischen Landes, das Eurotastal und die Niederungen bis zum Meere, besaßen. 2. Periöken (d. h. Herumwohnende), Nachkommen der vertragsmäßig unterworfenen Achäer. Sie waren persönlich freie, aber zinspflichtige Eigentümer ohne politische Rechte, wurden jedoch zum Kriegsdienst herangezogen. 3. Heloten, Leibeigene des Staats. Sie waren auf die Landlose der Spartiaten verteilt, bestellten deren Äcker und lieferten ihren Herren einen bestimmten Teil des Ertrages ab. Im Kriege dienten sie als Schildknappen und Leichtbewaffnete.

820. (?)

Lykurgische Verfassung und Gesetzgebung.

Lykurgos, nach sagenhafter Überlieferung aus königlichem Geschlecht, Vormund des jungen Königs Charilāos, schlichtet die Streitigkeiten und ordnet das Verhältnis der drei Klassen der Bevölkerung zu einander. Seine Gesetze, auf die Autorität des delphischen Orakels gegründet und nur mündlich in kurzen Aussprüchen überliefert, gelten als die Grundlage spartanischer Tüchtigkeit.

An der Spitze des Staats bleiben zwei erbliche Könige aus heraklidischem Geschlecht, der eine ein Agiade (von Agis, nach der Sage Sohn des Eurysthenes), der andere ein Eurypontide (von Eurypon, Enkel des Prokles, s. S. 28). Sie bringen die Staatsopfer dar, entscheiden Streitigkeiten des Familienrechts, führen das Heer, ernennen die Beamten, namentlich die 5 Ephoren (d. h. Aufseher, ursprünglich wohl für die 5 Bezirke des Periökengebietes).

Der Rat der Alten (Gerusia), bestehend aus 28, mindestens 60 Jahre alten, auf Lebenszeit gewählten Geronten unter dem Vorsitz der beiden Könige, hat: 1. die Vorberatung über alles der Volksversammlung Vorzulegende, 2. die Gerichtsbarkeit über Kapitalverbrechen.

Die Volksversammlung, bestehend aus allen über 30 Jahre alten Spartiaten, beschließt endgültig über Gesetze, Verträge, Krieg und Frieden, doch ohne Beratung und Abstimmung, nur durch Zuruf.

Die Spartiaten sollen unter sich gleich sein in Besitz und Kriegstüchtigkeit. Jeder Spartiatenfamilie wird aus dem nach Kriegsrecht von den Doriern gewonnenen Landbesitz ein unveräußerliches Erbgut (Klēros, d. h. Los) zugewiesen, dessen Bestellung den Heloten obliegt. Man zählte 4500, später 9000 Landlose der Spartiaten, 30000 der Periöken. Verbot der Reisen und des Fremdenverkehrs in Sparta; eisernes Geld, nur der Staat darf Gold und Silber besitzen.

Gemeinschaftliche Erziehung der Knaben vom 7. Jahre an, auf Abhärtung und kriegerische Übung gerichtet, doch wurden auch die homerischen Gesänge und Chorlieder lyrischer Dichter (Tyrtaios) gelernt. Zusammenleben der Männer; die Zeltgenossenschaften hatten auch im Frieden ihre gemeinsamen Mahlzeiten (Syssitien).

Sehr ähnliche Gesetze galten in Kreta, wo zahlreiche selbständige dorische Städte bestanden. Später dort auch schriftliche Gesetze; eine 1884 gefundene Inschrift enthält das Recht der Stadt Gortyn, Bestimmungen über Familienrecht, Erbrecht, Stellung der Sklaven u. a.

776.

Erste Olympiade,

Beginn einer gemeinsamen griechischen Zeitrechnung, die sich an die alle 4 Jahre dem höchsten Gotte Zeus zu Ehren in Olympia gefeierten Spiele knüpfte. In Elis, am Flusse Alpheios, lag der ummauerte heilige Bezirk, die Altis, mit Altar und Tempel des Zeus, Säulenhallen und Schatzhäusern, wo die Weihgeschenke aufgestellt wurden.[12] Die Spiele fanden außerhalb der Altis statt im Stadion (Springen, Laufen, Diskoswerfen, Speerwerfen, Ringen) und im Hippodrom (Wettfahren der Viergespanne). Den Siegern wurden Kränze von Ölzweigen zuteil; Dichter verherrlichten sie im Liede. Unter dem Schutze Spartas gewannen die Olympischen Spiele große Bedeutung für die Erhaltung des Nationalbewußtseins unter dem politisch sehr zersplitterten Griechenvolke.

Ähnliche Spiele, doch vermehrt durch musische Wettkämpfe der Sänger und Zitherspieler, wurden seit 586 bei Delphi dem Apollon zu Ehren gefeiert, in jedem dritten Olympiadenjahr (Pythische Spiele). Das Orakel zu Delphi, oft befragt bei wichtigen Unternehmungen, z.B. Gründungen von Kolonien, Kriegszügen, stand unter dem Schutze der delphischen Amphiktyonie (Umwohnerschaft), zu welcher die Phokier, Lokrer, Böoter, Thessaler u. a. gehörten.

Dem Poseidon zu Ehren wurden auf dem Isthmos, dem Zeus zu Ehren zu Nemea in Argolis alle zwei Jahre Spiele gefeiert. Die Wettkämpfe stählten die Volkskraft und weckten den Sinn für freie Entwickelung der Persönlichkeit.

Die Hellenen, ihrer körperlichen und geistigen Überlegenheit über die Barbaren sich bewußt, breiten sich, Städte gründend, weit über die Grenzen des Mutterlandes aus. Die Ansiedlungen an den Küsten des Ägäischen Meeres genügen nicht mehr, Milet allein sendet gegen 80 Kolonien aus.

750–550.

Ionische, dorische, achäische Kolonien

an den pontischen Küsten und im westlichen Teile des Mittelmeers.

Ionier von Milet gründen Abȳdos und Lampsăkos am Hellespont, Kyzĭkos an der Propontis, Sinōpe und Trapĕzūs an der Südküste des Schwarzen Meeres, Olbia, Istros, Odessos an der Westecke, Pantikapaion und Theodosia auf der Krim (Chersonēsus Taurica), Tanais am Asowschen Meer (Palus Mäotis), Phasis und Dioskurias an der Ostküste des Schwarzen Meeres. Zu Naukrătis in Ägypten gemeinsame Kolonie der kleinasiatischen Griechen.

Dorier von Megara gründen Chalkēdon und Byzantion (659) am Bosporus, Herakleia an der Südküste des Schwarzen Meeres, Megăra (Tochterstadt Selinūs) auf Sicilien.

Ionier von Chalkis auf Euböa besiedeln die Chalkidike mit mehr als 30 Städten, darunter Olynthos (Poteidaia korinthische Niederlassung), gründen Kyme (Cumae) in Campanien (Tochterstadt Neapolis), Naxos auf Sicilien (Tochterstädte Leontini und Katăna), Zankle (später Messana) und gegenüber auf dem Festlande Rhegion.

Dorier von Korinth gründen 734 Syrakūs, später Kerkyra, Dorier von Sparta 708 Tarent; Dorier von Rhodos Gela; und Akrăgas auf Sicilien; Dorier von Thera Kyrēne (um 630) und Barka in Afrika.

Achäer gründen Sybăris, Kroton, Metapontion, Lokrer das epizephyrische Lokri in Unteritalien (Groß-Griechenland).

Am weitesten nach Westen gehen die Ionier von Phokäa; ihre Kolonien sind Massalia (600) an der gallischen Küste, Mainăke im südlichen Spanien, Alalia auf Korsika. Als die Küste Kleinasiens unter persische Herrschaft kam (s. S. 18), verließen die Phokäer ihre Stadt und segelten zuerst nach Korsika; von dort vertrieben (S. 14), gründeten sie Elĕa in Unteritalien.

Infolge dieser Kolonisation griechische Kultur über einen großen Teil der Mittelmeerküsten verbreitet. Lebhafter Seeverkehr und Eintausch von Rohprodukten gegen die Erzeugnisse der griechischen Kunst und Industrie. An die Stelle der Naturalwirtschaft tritt nach und nach die Geldwirtschaft.

Spartas Hegemonie in der Peloponnes.

In älterer Zeit Argos der bedeutendste Staat. König Pheidon von Argos leitet die Festfeier zu Olympia (748, nach anderer Ansicht erst 668), ordnet Maß und Gewicht (dem babylonischen (S. 20) entsprechend, Vermittler die Phöniker), läßt zuerst in Ägina Münzen prägen. Bald aber erhebt sich Sparta zu höherer Macht durch die Eroberung der argivischen Landschaft Kynuria und Messeniens. Argos seitdem für immer mit Sparta verfeindet.

Um 740.

Erster Messenischer Krieg. Tapfere Gegenwehr der Messenier unter ihrem Könige Aristodēmos, namentlich auf der Bergfeste Ithōme. Ein Teil ihres Landes wird von den Spartanern in Besitz genommen, das übrige zinspflichtig.

708.

Die aus Sparta infolge von Zwistigkeiten auswandernden Parthenier gründen Tarent. Seitdem Auswanderung in Sparta verboten. Um diese Zeit Beschränkung des spartanischen Königtums durch die vergrößerte Macht der Ephoren, welche fortan jährlich von der Spartiatengemeinde erwählt werden.

Um 640.

Zweiter Messenischer Krieg. Aristomĕnes Held der Messenier; 11 Jahre lang wird die Feste Eira verteidigt. Der athenische (?) Sänger Tyrtaios begeistert die Spartaner durch seine Marschlieder. Nach dem Fall von Eira flüchten viele Messenier nach Unteritalien (Rhegion); die nicht auswandernden werden Heloten. Von Rhegion aus besetzen später (um 500) Nachkommen der Ausgewanderten die Stadt Zankle auf Sicilien, die dann den Namen Messana erhält.

Um 600.

Aufschwung Korinths unter dem Tyrannen Periander, dem Sohne des Kypsĕlos, der um 650 die Adelsherrschaft der Bakchiaden gestürzt hat. Entfaltung der Seemacht; Korinth wird erste Handelsstadt Griechenlands. Zu der älteren korinthischen Kolonie auf Kerkyra kommen unter Kypselos hinzu Leukas und Ambrakia, unter Periander Epidamnos und Apollonia an der illyrischen Küste, Poteidaia auf der Halbinsel Chalkidĭke. Perianders Neffe Psammetich wird 582 gestürzt, die Aristokratie hergestellt.

In Megăra um 630 Tyrannis des Theagĕnes, nach dessen Sturz Parteikämpfe (der Dichter Theognis um 540), endlich siegt die Aristokratie.

In Sikyon um 600 Tyrannis des Kleisthĕnes, welcher die Genossen der delphischen Amphiktyonie zum ersten heiligen Kriege gegen die phokischen Städte Krisa und Kirrha (Hafenstadt) vereinigt. Beide Städte zerstört, ihr Gebiet dem pythischen Apollon geweiht. Nach Kleisthenes’ Tode wird die Aristokratie hergestellt.

Auch in Milet, Ephesos u. a. Koloniestädten herrschen um dieselbe Zeit vorübergehend Tyrannen, in Mytilene auf Lesbos waltet um 600 der weise Pittăkos als Äsymnet. Vergl. S. 37.

Um 550.

Sparta vereinigt die peloponnesischen Staaten (außer Argos und Achaja) zum peloponnesischen Bunde unter seiner Hegemonie. Die Griechenstädte an der Westküste Kleinasiens stehen unter lydischer (S. 15), seit 545 unter persischer Herrschaft (S. 18). Auch die Inseln Cypern, Chios, Lesbos werden den Persern untertan; Samos erst 522 nach dem Sturz des mächtigen Tyrannen Polykrates.

Athens Emporkommen.

Nach Kodros’ Tode (S. 28) wird das Königtum eingeschränkt, aber nicht beseitigt; Adelsherrschaft der Eupatriden (S. 26). Den Königen treten erwählte Beamte zur Seite; seit 683 werden jährlich neun Archonten erwählt. Der erste, Archon epōny̆mos, führt den Vorsitz und wacht über das Familien- und Erbrecht; der zweite, Basileus, bringt die früher den Königen obliegenden Opfer dar, hütet das heilige Recht und leitet den Areopag; der dritte, Polemarchos, ist Heerführer und Gerichtsherr für die Metöken und Fremden, die andern sechs, Thesmotheten genannt, leiten die bürgerliche Gerichtsbarkeit. Die Oberaufsicht über das gesetzliche Verhalten der Bürger führt der Areopag, der auf dem Areshügel vor der Burg (Akropŏlis) sich versammelnde Gerichtshof, aus früheren Archonten gebildet; er richtet auch über die schwersten Verbrechen, Mord und Brandstiftung.

Um 632.

Aufstand Kylons, der sich, unterstützt von seinem Schwiegervater Theagĕnes von Megara, an der Spitze des über die Bedrückung der Adligen (s. u.) empörten Volkes der Akropolis bemächtigt. Er wird von dem Archon Megăkles, aus dem Geschlecht der Alkmäoniden, vertrieben, seine an den Altären Schutz suchenden Anhänger werden ermordet. Wegen dieses Frevels Verbannung der Alkmäoniden. Der Priester Epimenĭdes aus Phaistos auf Kreta berufen, um die Stadt durch Sühnopfer zu reinigen,

Um 620.

Gesetzgebung Drakons. Die bestehenden Übelstände nicht beseitigt. Die Adelsherrschaft bleibt; geschriebene Gesetze, aber sehr hart; das Recht von den adligen Richtern auch weiterhin nicht selten gebeugt; seit Einführung der Geldwirtschaft Geld nur gegen hohe Zinsen ausgeliehen; daher wachsende Unzufriedenheit der ärmeren Bürger, besonders über das strenge Schuldrecht. Solon, aus Kodros’ Geschlecht stammend, 594 zum ersten Archon erwählt, erhält Vollmacht, durch neue Anordnungen Frieden zu stiften. Er war dadurch zu Ansehen gelangt, daß er die Wiedereroberung der von den Megarern besetzten Insel Salamis bewirkte; auch hatte auf seinen Antrieb Athen am heiligen Kriege teilgenommen, und das delphische Orakel war ihm deshalb günstig gesinnt.

594.

Gesetzgebung Solons. 1. Entlastung der ärmeren Bürger (Seisachtheia): die auf dem Grundbesitz haftenden Schulden werden aufgehoben, alle Schuldsklaven in Freiheit gesetzt, Schuldknechtschaft für die Zukunft verboten Festsetzung eines Höchstmaßes von Grundbesitz, damit das attische Land nicht in den Besitz weniger Reicher komme, Abzahlung anderer Schulden erleichtert durch Herabsetzung des Münzfußes; 100 Drachmen neuen Geldes = 73 älteren; das euböische Talent, der persischen Goldwährung entsprechend tritt an die Stelle des äginetischen (S. 32).[13]

2. Bestimmung der bürgerlichen Pflichten und Rechte nach dem Ertrage des Grundbesitzes. Die Bürger werden in vier Klassen geteilt: 1. Pentakosiomedimnen, deren Güter 500 Scheffel Getreide bezw. Maß Öl und Wein oder mehr bringen; 2. Ritter, 300–500 Scheffel; 3. Zeugiten, d. h. die mit einem Gespann wirtschaften, 150–300 Scheffel; 4. Thēten, die ärmeren. Nach der Absicht des Gesetzgebers sollten alle Bürger Grundbesitz haben; bei steigender Bedeutung des Geldbesitzes wurde der Ertrag des Getreides in Geld umgerechnet und danach die Klasseneinteilung bestimmt.

Die Mitglieder der drei ersten Klassen dienen im Kriege als Hoplīten (schwerbewaffnete Fußsoldaten), die der zwei ersten Klassen auch als Reiter; für die Ausrüstung der Flotte bestand schon eine Einteilung der Bürger in 48 Naukrarien. Die Theten sollen nur zur Verteidigung des Landes als Leichtbewaffnete oder (seit Themistokles) zur Bemannung der Flotte aufgeboten werden. Eine regelmäßige Besteuerung der Vollbürger gab es nicht, die Ämter wurden umsonst verwaltet, die Staatsausgaben durch den Ertrag der Bergwerke, die Strafgelder, das Kopfgeld der Metöken, d. h. der eingewanderten Kaufleute und Handwerker, durch Markt- und Hafenzölle bestritten. Außerordentliche Steuern wurden in Zeiten der Not auf Volksbeschluß nach den Vermögensklassen erhoben, die vierte war steuerfrei.

3. An der Spitze des Staates bleiben die neun Archonten, jährlich erwählt aus den Bürgern der ersten Vermögensklasse. Neu eingerichtet wird der Rat der Vierhundert, jährlich erwählt aus den über 30 Jahre alten Bürgern der drei ersten Klassen. Die Volksversammlung (Ekklesia) besteht aus allen über 20 Jahre alten Bürgern. Sie erwählt die Beamten und entscheidet über die durch Vorbeschluß des Rates an sie gebrachten Angelegenheiten. Zur Entscheidung wichtigerer Prozesse werden Geschworenengerichte aus der richtenden Bürgerschaft, der Heliaia (Gesamtzahl 6000) gebildet. Der Areopag behält seine Gerichtsbarkeit und Oberaufsicht über das Privatleben der Bürger sowie über das gesamte Staatsleben.

Diese Verfassung wird als Timokratie bezeichnet; erst später entstand durch Aufhebung der Klassenunterschiede volle Demokratie. Ausgeschlossen von politischen Rechten blieben auch später die Schutzverwandten (Metöken), die vor Gericht eines Bürgers als Vertreter bedurften, und die sehr zahlreichen Sklaven, die jedoch durch Gesetz und Sitte gegen Mißhandlung geschützt waren.

Solon gab auch Gesetze für das bürgerliche Leben (Familienrecht, Strafrecht, Beschränkung des Luxus, Schutz des Ackerbaues und der Ölbaumzucht, Sorge für die körperliche Ausbildung der Jünglinge in den 3 Gymnasien: Akademie, Lykeion, Kynosarges). Nach Vollendung der Gesetzgebung verließ er Athen auf 10 Jahre und unternahm Reisen nach Ägypten, Cypern, Kleinasien. Rechtfertigung seiner Maßnahmen in seinen Elegieen.

Neue Parteiungen in Athen. Den Grundbesitzern in der Ebene (Pediäer) treten gegenüber die handeltreibenden Küstenbewohner (Parăler) und die ärmeren Gebirgsbewohner (Diakrĭer), letztere geführt von Peisistrătos, der trotz der Gegenbemühungen Solons immer mehr Anhang gewinnt und sich zuletzt der Akropolis bemächtigt.

560–527.

Peisistrătos, Tyrann von Athen.

Auswanderung von athenischen Adligen, zum Teil nach der thrakischen Chersŏnēs, unter des älteren Miltiădes Führung. Solon † 559, wahrscheinlich in Athen, nach anderen in Soloi auf Cypern (Unterredung mit Kroisos in Sardes?).

Peisistrătos regiert in Athen innerhalb der Formen der solonischen Verfassung, die er nicht aufhebt. Er versteht es, das Volk Archonten wählen zu lassen, welche ihm genehm sind. Zweimal durch Bündnis der Gegenparteien vertrieben, gewinnt er zuletzt eine dauernde Herrschaft. Die durch Solon zurückgeführten Alkmāoniden (S. 34) gehen abermals in die Verbannung, da ihr Führer Megăkles (an der Spitze der Parăler) sich gegen Peisistrătos nicht behaupten kann. Er erhöht das auswärtige Ansehen Athens: Sigeion am Eingang in den Hellespont athenische Kolonie, Schutzherrschaft über Delos, Befreundung mit den Tyrannen Lygdămis von Naxos und Polykrătes von Samos. Er erweitert und schmückt die Stadt Athen durch Bauten (der große Zeustempel bleibt unvollendet), baut eine Wasserleitung, ordnet die Feier der Panathenäen und der Dionysien (die Dithyramben des Thespis Anfänge der Tragödie), zieht Dichter an seinen Hof, z.B. Simonides, Anakreon, läßt die homerischen Gesänge schriftlich aufzeichnen und ordnen. Er vererbt die Herrschaft auf seinen Sohn

527–510.

Hippĭas. Dieser herrscht gemäßigt im Sinne des Vaters, bis sein Bruder Hipparchos von Harmodios und Aristogeiton aus Privatrache am Panathenäenfest ermordet wird (514). Hippias übt grausame Vergeltung, wird von dem ausgewanderten Adel (Kleisthĕnes an der Spitze der Alkmäoniden) in Verbindung mit einem spartanischen Heere unter Kleomĕnes vertrieben (510). Er begibt sich nach Sigeion und sucht später Hilfe beim Perserkönige Dareios.

509.

Gesetzgebung des Kleisthĕnes (Sohn des Megăkles, Enkel des Kleisthĕnes von Sikyon); die solonische Verfassung wird in demokratischem Sinne weiter gebildet. Die 4 Vermögensklassen bleiben bestehen, an Stelle der 4 alten Phylen (S. 26) treten zehn Phylen (Bezirke), deren Unterabteilungen die Demen (Ortsgemeinden) sind. Dadurch soll der Einfluß des Adels gebrochen und das Wiederaufleben der früheren Parteien verhindert werden. Jede Phyle wählt jährlich 50 Mitglieder in den Rat, dessen Zahl also von 400 auf 500 erhöht wird. Die 10 Abteilungen des Rats wechseln in der Geschäftsleitung ab, so daß das Amtsjahr nach dem Wechsel der 50 Ratsvorsteher (Prytanen) in 10 Prytanieen zerfällt. Die Besetzung der meisten Ämter wird fortan durch das Los entschieden, nach Vorwahl durch die Phylen; durch Abstimmung erwählt wurden die Archonten und die 10 Feldherrn. Für alle Ämter war eine Prüfung in bezug auf das bürgerliche Verhalten vor dem Amtsantritt und Rechenschaft nach Ablauf des Amtsjahres vorgeschrieben. Die Volksversammlung hat nach wie vor die Entscheidung über Gesetze, Bündnisse, Krieg und Frieden.

508.

Die Eupatriden unter Führung des Archon Isagŏras rufen abermals die Spartaner zu Hilfe, um die Durchführung dieser Staatsordnung zu hindern. Kleisthĕnes flüchtet, die Akropolis wird den Spartanern überliefert. Aber ein Aufstand des athenischen Volks zwingt den König Kleomĕnes zum Abzug. Die adligen Parteiführer werden hingerichtet; Kleisthĕnes zurückberufen.

507.

Ein Feldzug der Spartaner gegen Athen unter den Königen Kleomĕnes und Demarātos scheitert infolge des plötzlichen Abzugs der Korinther und der Uneinigkeit der spartanischen Könige. Die mit Sparta verbündeten Böoter und Chalkidier von Euböa werden von den Athenern geschlagen. Diese erobern einen Teil von Euböa, wo 4000 Bauerngüter an ärmere attische Bürger (Kleruchen) verteilt werden. So gewinnt Athen nach Befestigung seiner inneren Verfassung auch Ansehen nach außen.

Damit nicht eine Tyrannis wiederkehre, ordnet Kleisthĕnes den Ostrakismos an: die Volksversammlung ist befugt, mittels geheimer Abstimmung durch Tonscherben (Ostrăka) die Verbannung eines die Freiheit gefährdenden Bürgers zu beschließen; doch müssen 6000 Stimmen abgegeben sein.

Auch in den westgriechischen Städten herrschen zeitweise Tyrannen: Phalăris in Akrăgas (Agrigentum) um 570, Anaxĭlas in Rhegion 494. Zu besonderem Ansehen gelangt Syrakus unter der Herrschaft Gelons (seit 485), der mit Theron von Akragas befreundet ist. Die unteritalischen Städte behaupten sich gegen Angriffe der einheimischen Völkerschaften; die Bürger von Kroton zerstören 510 die reiche Nachbarstadt Sybaris.

Entwickelung der Kultur. Baukunst und bildende Kunst besonders zur Ausschmückung der Tempel geübt (dorische, später ionische Säulen, Weihgeschenke aus Erz, Marmor, Gold und Elfenbein). Erhalten sind namentlich der Tempel von Pästum am Tyrrhenischen Meer und die Skulpturen des Athenetempels zu Ägina (aus der Zeit um 510, jetzt in München).

Zu hoher Blüte entfaltete sich die Dichtkunst; bei den Ioniern namentlich die Elegie: Kallīnos von Ephĕsos um 670, Mimnermos von Kolŏphon um 600, Tyrtaios und Solon von Athen, auch Theognis von Megara (S. 33) dichtete in ionischem Dialekt;

bei den Doriern der lyrische Chorgesang: Terpander von Lesbos um 676 in Sparta, Alkmān von Sardes um 650 ebendaselbst, Stesichŏros von Himera um 600, Arion von Lesbos, Freund des Periander, Iby̆kos von Rhegion um 550;

bei den Äŏlern der lyrische Einzelgesang: Alkaios und Sappho von Lesbos um 600; der Ionier Anakrĕon von Teos um 540. Jambische Spottgedichte des Archilŏchos von Paros (um 650) und Hippōnax von Ephesos (um 540). Die Vollendung der lyrischen Dichtung in mannigfaltigen Formen zeigt sich in Simonĭdes von Keos und Pindăros von Theben, beide zur Zeit der Perserkriege.

Anfänge der Philosophie (zunächst Naturforschung) und der Himmels-, Erd- und Völkerkunde bei den Ioniern: Thales von Milet (s. S. 15). Herakleitos von Ephesos um 500: »Alles ist in ewigem Wechsel«. Pythagŏras von Samos wandert um 530 nach Kroton aus (Bund der Pythagoreer), Xenophănes von Kolophon um dieselbe Zeit nach Elĕa in Unteritalien (seine Schüler Parmenides, Zeno). Hekataios von Milet um 510.

In späterer Überlieferung werden als die sieben Weisen dieser Zeit genannt: Thales von Milet, Bias von Priēne, Pittăkos von Mytilene, Periander von Korinth, Cheilon von Sparta, Kleobūlos von Lindos, Solon von Athen.

§ 3. Perserkriege und Blütezeit Athens.

500–449.

Perserkriege.

500–494.

Aufstand der ionischen Griechen gegen die Perser (s. S. 20). Der von Athen und Eretrĭa ihnen geleistete Beistand ist die Veranlassung zu dem Versuch der Perser, auch das europäische Griechenland zu unterwerfen.

492.

Erster Zug der Perser unter Mardonios.

Das Landheer unterwirft das Küstenland von Thrakien, die Flotte die Insel Thasos. König Alexander von Makedonien erkennt die persische Hoheit an. Dann aber erleidet das Landheer große Verluste im Kampf mit den Thrakern, und ein großer Teil der Flotte wird am Vorgebirge Athōs durch Sturm vernichtet; dies bestimmt den Mardonios zur Rückkehr.

An der thrakischen Küste werden feste Plätze angelegt als Stützpunkt für spätere Feldzüge; Byzanz, Sēstos, Abdēra erhalten persische Besatzungen.

491.

Persische Herolde, welche Erde und Wasser als Zeichen der Unterwerfung verlangen, werden in Sparta und Athen getötet. Die Kykladen und Ägīna dagegen, auch manche Gemeinden des Festlandes versprechen dem Perserkönige Unterwerfung. Der spartanische König Kleomĕnes zwingt die Ägineten, den Athenern Geiseln zu stellen.

490.

Zweiter Zug der Perser unter Datis und Artaphernes, dem jungen Neffen des Dareios.

Eine große Flotte (nach Herodot 600 Trieren) durchfährt das Ägäische Meer, landet auf Naxos, dann auf Euböa, wo die Stadt Eretria zerstört wird, dann an der Ostküste von Attika. Hippias (S. 36) im Gefolge des Artaphernes. Das athenische Heer, 9000 Hopliten und außerdem leichtbewaffnete Sklaven (eine tüchtige Reiterei nur bei den Thessalern), geführt vom Polemarchos und den 10 Feldherrn, unter welchen Aristides und der vor den Persern aus der Chersones (S. 36, 20) geflüchtete (jüngere) Miltiades, lagert mehrere Tage dem Feinde gegenüber in verschanzter Stellung. Durch 1000 Platäer verstärkt, greift es, ohne die Ankunft der Spartaner abzuwarten, unter Führung des Miltiădes an und siegt in der

490. (Sept.)

Schlacht bei Marăthon.

Der Plan der Perser, Athen von der Seeseite zu überraschen, wird durch schleunigen Rückmarsch des Heeres nach der Stadt vereitelt. Die persische Flotte kehrt nach Kleinasien zurück. Hippias stirbt auf Lemnos.

489.

Unglücklicher Zug des Miltiădes gegen Paros. Verwundet nach Athen zurückgekehrt, wird er von Xanthippos angeklagt und zur Erlegung der Kosten des Unternehmens (50 Talente) verurteilt, welche sein Sohn Kimon nach dem Tode des Vaters zahlt.

Parteikämpfe in Athen; 487 Wahl der Archonten durch das Los eingeführt, 485 Xanthippos durch Ostrakismos verbannt, 483 der bedächtige und am Althergebrachten hängende Aristides. Themistokles erhält dadurch freie Hand zur Durchführung seines Planes, Athen zur ersten Seemacht Griechenlands zu machen. Schon 493 hatte er als Archon die Befestigung des Hafens Piraieus durchgesetzt; jetzt werden, zunächst um gegen Ägina Krieg zu führen, auf seinen Antrag die bisher zur Austeilung an die Bürger bestimmten Einkünfte aus den Silberbergwerken von Laurion dazu verwendet, die Flotte bis auf 200 Trieren zu bringen. Die bisherigen Naukrarien (S. 35) werden aufgehoben und durch die Einrichtung der Trierarchie ersetzt. Der Staat liefert die Schiffe; den wohlhabenderen Bürgern liegt ihre Ausrüstung als Staatsleistung (Liturgie) ob; dafür erhält der Trierarch die Anführung des von ihm ausgerüsteten Schiffes. Die Theten zum Flottendienst herangezogen,

480.

Dritter Zug der Perser unter König Xerxes.

Große Rüstungen, das Landheer sammelt sich schon 481 bei Kritalla in Kappadokien, von dort führt Xerxes es nach Sardes. Zwei Schiffbrücken über den Hellespont geschlagen, für die Flotte Kanal bei Akanthos gegraben, um das Vorgebirge Athos zu vermeiden. Im Frühjahr 480 Aufbruch von Sardes; Demaratos, der abgesetzte König von Sparta, und Peisistratos, Sohn des Hippias, begleiten den König. Musterung des Heeres bei Doriskos in Thrakien, nach Herodots übertreibender Angabe 1700000 Mann Fußvolk, 80000 Reiter und zahlreicher Troß; eine Flotte von 1207 Trieren.

Nachdem die Griechen den Plan, den Paß von Tempe zu verteidigen, aufgegeben haben, durchzieht das persische Heer Thessalien, ohne Widerstand zu finden. Die Thessăler und die böotischen Städte, mit Ausnahme von Platää und Thespiä, senden dem Könige Zeichen der Unterwerfung. Argos, Achaja und das westliche Mittelgriechenland nehmen am Kampfe gegen ihn nicht teil.

480. (Juli.)

Schlacht bei Thermopylä.

Der spartanische König Leonĭdas an der Spitze von etwa 6000 Schwerbewaffneten (Hopliten) (darunter 300 Spartiaten, 1000 lakedämonische Periöken und 700 Thespier) verteidigt 2 Tage lang den Engpaß, während 1000 Phokier den Fußpfad über den Kallidrŏmos bewachen. Die Perser, durch den Verräter Ephialtes auf diesen Pfad geführt, vertreiben die Phokier und kommen dem griechischen Heere in den Rücken. Leonidas befiehlt den Periöken und den Bundesgenossen, nach Hanse zu gehen und stirbt mit den noch übrigen Spartiaten und Thespiern, welche sich weigern, ihn zu verlassen, den Heldentod. Bekannte Grabschrift des Simonides. (S. Schillers »Spaziergang«). Die gezwungen (?) mit Leonidas fechtenden Thebaner strecken die Waffen, werden teils niedergemacht, teils auf des Königs Befehl gebrandmarkt nach Theben zurückgeschickt.

Zu gleicher Zeit unentschiedene Seegefechte bei Artemision, einem Vorgebirge und Tempel an der Nordspitze von Euböa. Dreitägige Kämpfe; Verluste der Perser namentlich durch den Untergang der um die Südspitze von Euböa herum entsandten Schiffe. Auf die Kunde von der Einnahme des Passes von Thermopy̆lä zieht die hellenische Flotte sich zurück nach der Bucht von Salămis. Das peloponnesische Landheer beginnt am Isthmos den Bau einer Schutzmauer.

Xerxes durchzieht Mittelgriechenland. Die Lokrer und Dorier unterwerfen sich. Das Gebiet der Phokier wird verwüstet, die gegen Delphi geschickte Truppe soll durch Gewittersturm zurückgeschreckt worden sein. Böotien wird als Freundesland behandelt, nur Thespiä und Platää werden zerstört.

Die Athener verlassen ihre Stadt, nur die Akropolis bleibt besetzt. Die waffenfähigen Bürger besteigen die Flotte, die »hölzerne Mauer«; Greise, Frauen und Kinder werden mit der beweglichen Habe nach Salămis, Ägina und Troizen gebracht. Den Verbannten wird die Rückkehr gestattet. Die Akropolis wird von den Persern erstürmt; Zerstörung der Stadt Athen.

480. (Ende Sept.)

Seeschlacht bei Salămis.

Die vereinigte hellenische Flotte (378 Trieren, 7 Fünfzigruderer) steht unter dem Oberbefehl des Spartaners Eurybiădes. Uneinigkeit im Kriegsrat; der athenische Feldherr Themistŏkles bewirkt durch eine geheime Botschaft an Xerxes, daß die Griechen in der Meerenge zwischen Salamis und Attika von der persischen Flotte eingeschlossen werden. Xerxes schaut von dem Berge Ägāleos dem Kampfe zu. Glänzender Sieg der Griechen. Aristides, von Ägina herbeigeeilt, nimmt während des Flottenkampfes die von den Persern besetzte kleine Insel Psyttaleia, macht viele vornehme Gefangene.

Die persische Flotte sammelt sich in der Bucht von Phalēron, Xerxes beschließt den Rückzug. In Thessalien bleibt Mardonios mit einem großen Teil des Heeres zurück. Xerxes erreicht nach großen, durch Seuchen und Mangel an Lebensmitteln verursachten Verlusten den Hellespont, wo er die Flotte findet, die das Heer übersetzt, da die Brücke vom Sturm zerstört worden ist.

Die griechische Flotte, statt, wie Themistokles wollte, die persische zu verfolgen, wendet sich gegen die Inseln, belagert Andros vergeblich und löst sich beim Eintritt des Winters auf. Rückkehr der Athener nach ihrer Stadt, deren Wiederaufbau sofort begonnen wird.

480.

Schlacht bei Himera,

Sieg der sicilischen Griechen unter Gelon von Syrakus und Theron von Akragas (S. 37) über die mit Persien verbündeten Karthager. Diese sollen den Frieden durch Zahlung von 2000 Talenten erkauft haben; sie bleiben im Besitz ihrer sicilischen Städte (Panormos, Soloeis, Motye).

479.

Nachdem Mardonios den Athenern durch Alexander von Makedonien (s. S. 38) vergebens einen Sonderfrieden angeboten hat, rückt er, verstärkt durch griechische Bundesgenossen (Thessăler, Böoter, Lokrer, Phokier) in Attika ein. Die Athener retten sich wieder nach Salămis. Was in der Stadt aufgebaut worden, wird von den Persern von neuem zerstört. Endlich rückt die ganze peloponnesische Streitmacht (30000 Hopliten und zahlreiche Leichtbewaffnete) über den Isthmos vor, Mardonios geht zurück und nimmt eine vorteilhafte Stellung in Böotien am Asōpos ein. Mehr als 10000 Athener, Platäer und Thespier vereinigen sich mit dem peloponnesischen Heere. Anführer der gesamten Streitmacht (angeblich 110000 Mann, doch keine Reiterei) war Pausanïas (Regent in Sparta für den unmündigen Sohn des Leonidas).

479. (Sept.)

Schlacht bei Platää.

Nach längerem Zaudern entschließt sich Pausanias zum Kampfe. Glänzender Sieg, Mardonios fällt. Die Griechen erobern das persische Lager; von der reichen Beute wird den Göttern der Zehnte geweiht.[14] Das griechische Heer rückt vor Theben, die Häupter der persischen Partei werden ausgeliefert und auf dem Isthmos hingerichtet.

Die hellenische Flotte unter dem Oberbefehl des Spartanerkönigs Leotychĭdas (die athenischen Schiffe unter Xanthippos) eröffnet den Angriffskrieg gegen die Perser, der mit Unterbrechungen bis 445 dauert. Der persische Flottenführer Mardontes, den kleinasiatischen Griechen in seinem Heere mißtrauend, wagt nicht, die ihm bei Samos angebotene Seeschlacht anzunehmen. Er läßt dieser Insel gegenüber bei dem Vorgebirge Mykăle die Schiffe aufs Land ziehen und verschanzt sich. Die Griechen landen und siegen in der

479. (Ende Sept.)

Schlacht bei Mykăle,

nehmen das Lager und stecken die persischen Schiffe in Brand. Mehrere Inselstädte (namentlich Samos, Lesbos und Chios), dann die Küstenstädte Kleinasiens, auch das hergestellte Milet (S. 20), werden als Bundesgenossen aufgenommen. Die Peloponnesier fahren nach Hause zurück, die Athener und Ionier erobern Sēstos (S. 38).

Wiederaufbau der Stadt Athen; sie wird trotz des Einspruchs der Peloponnesier mit einer starken Mauer von vergrößertem Umfang (60 Stadien) umgeben. List des Themistokles, der als Gesandter nach Sparta geht.

478.

Unter Anführung des Spartaners Pausanĭas vertreibt die vereinigte Flotte der Peloponnesier, Athener und Ionier persische Besatzungen von der Insel Cypern, fährt dann nach Byzanz und befreit diese Stadt. Hochmut des Pausanias gegen die Bundesgenossen, er tritt mit dem persischen Hofe in geheime Verbindung. Das gewinnende Auftreten der Anführer der Athener, Aristides und Kimon, hat nach Abberufung des Pausanias durch die Ephoren zur Folge, daß die Führung (Hegemonie) zur See von Sparta auf Athen übergeht,

477.

Gründung des attischen Seebundes.

Die Insel- und Küstenstädte des Ägäischen Meeres schließen ein dauerndes Bündnis mit Athen; die größeren stellen Schiffe zum Kampf gegen die Perser, die kleineren zahlen Geldbeiträge. Organisation des Bundes durch Aristides. Bundeskasse im Apollotempel zu Delos.

Themistokles, bei den olympischen Spielen 476 von den versammelten Hellenen geehrt, gerät bei den Athenern allmählich in Mißgunst, wird 470 durch den Ostrakismos verbannt und geht nach Argos. Dort wird er der Teilnahme an den fortgesetzten hochverräterischen Umtrieben des Pausanias verdächtig. Dieser, von den Ephoren mit Verhaftung bedroht, rettet sich in Sparta in den Tempel der Athene und stirbt durch Hunger (468). Themistokles muß aus Argos fliehen, geht nach Kerkȳra, dann nach Epīrus, endlich nach Susa zum Perserkönig Artaxerxes (s. S. 21), dem er seine Dienste anbietet. Er erhält eine fürstliche Schenkung in Kleinasien, stirbt (460) zu Magnesia (am Maiandros).

Fortsetzung des Angriffskriegs gegen die Perser unter Führung Kimons, des Sohnes des Miltiades (S. 39). Er erobert mit der Bundesflotte die noch von den Persern besetzt gehaltenen Plätze an der thrakischen Küste, namentlich Eïon an der Strymonmündung, besetzt die Insel Skyros (die Gebeine des Theseus von dort nach Athen gebracht), unterwirft die vom Bunde abgefallene Insel Naxos, besiegt Flotte und Landheer der Perser in der

466.

Doppelschlacht am Eurymĕdon

in Pamphylien. Darauf vertreibt er die Perser von der thrakischen Chersŏnēs, stellt die athenische Kolonie daselbst wieder her und unterwirft die abtrünnige Insel Thasos. — Bauten in Athen; Stoa Poikile am Markt mit Wandgemälden von Polygnōtos, Befestigung der Akropolis, Bau der langen Mauern nach dem Peiraieus und nach Phalēron.

464.

Erdbeben in Sparta, Aufstand der unterdrückten Messenier und Heloten. Die Spartaner bitten Athen um Hilfe; sie wird auf Kimons Antrag gewährt. Aber bald schicken die Spartaner aus Argwohn das athenische Hilfsheer zurück. Dadurch beleidigt, treten die Athener in ein Bündnis mit Argos. Mit Mühe unterdrücken die Spartaner 455 den Aufstand (dritter Messenischer Krieg) (S. 44).

In Athen erhebt sich gegen Kimons Politik, die auf gutes Einvernehmen mit Sparta, Fortsetzung des Kriegs gegen Persien und Mäßigung der Demokratie im Sinne Solons gerichtet ist, die demokratische Partei, geleitet von Ephialtes und Perikles, dem Sohne des Xanthippos (S. 39).