1701.

Prinz Eugen von Savoyen (1663–1736) als Feldherr Kaiser Leopolds eröffnet den Krieg siegreich in Oberitalien, wird aber 1702 vom Herzog von Vendôme in seinem Vordringen gehemmt.

1703.

Die Bayern fallen als Verbündete Frankreichs in Tirol ein, werden aber zurückgetrieben. Der englische Feldherr Marlborough dringt in den Niederlanden vor.

1704.

Erzherzog Karl landet in Portugal, die Engländer erobern Gibraltar. Prinz Eugen und Marlborough vereinigen sich an der Donau und siegen (unweit Donauwörth) über die Franzosen und Bayern in der

1704.

Schlacht bei Höchstädt und Blindheim. Bayern von den kaiserlichen Truppen besetzt.

1706.

Erzherzog Karl gewinnt auf kurze Zeit Madrid; Marlborough siegt bei Ramillies (nördlich von Namur), Prinz Eugen bei Turin mit Hilfe der Preußen unter Leopold von Dessau. Die Franzosen werden aus Italien verdrängt, Mantua (s. S. 239) von Österreich in Besitz genommen, dann auch Neapel (S. 241).

1708.

Sieg Marlboroughs und Prinz Eugens bei Oudenarde; Lille belagert und genommen. Strenger Winter in Frankreich.

Friedensverhandlungen. Die Verbündeten fordern Herausgabe der spanischen Monarchie an Erzherzog Karl von Österreich, der niederländischen Grenzfestungen an die Holländer, für das Deutsche Reich Wiederherstellung des im Westfälischen Frieden festgesetzten Besitzstandes. Dies alles wird von Ludwig XIV. bewilligt. Aber die Forderung, daß er seinen Enkel Philipp mit französischen Waffen aus Spanien vertreiben soll, bewirkt den Abbruch der Verhandlungen.

Fortgang des Krieges. Die Franzosen aufs neue gedemütigt durch den

1709.

Sieg Prinz Eugens und Marlboroughs bei Malplaquet. Neue Friedensanträge Ludwigs, der sogar Hilfsgelder gegen seinen Enkel zahlen will, während die Verbündeten verlangen, daß er ihn durch seine Heere vertreiben soll.

Der Fall des Whigministeriums in England (1710) und der Tod Kaiser Josephs I. (1711) ändern alle Verhältnisse zu Gunsten Ludwigs XIV. Marlborough abberufen; Erzherzog Karl verläßt Spanien, um die österreichischen Erblande zu übernehmen. England beginnt Friedensverhandlungen (S. 299).

1712.

Kongreß zu Utrecht. Der französische Feldherr Villars siegt bei Denain (an der Schelde) über einen Teil von Prinz Eugens Heer.

1713.

Friede zu Utrecht (ohne Beteiligung Kaiser Karls VI.):

1. Philipp V., Enkel Ludwigs XIV., wird als König von Spanien anerkannt. Die meisten Nebenländer (Niederlande, Mailand, Neapel, Sardinien) sollen Karl VI. zufallen, Sicilien als Königreich dem Herzog von Savoyen.

2. England erhält von Frankreich Neufundland, Neuschottland (Akadien) und die Hudsonsbailänder, von Spanien Gibraltar und Menorka. Anerkennung der protestantischen Thronfolge versprochen (S. 284).

3. Holland erhält das Besatzungsrecht in einigen Grenzfestungen der bisher spanischen Niederlande, Lille wird an Frankreich zurückgegeben.

4. Preußen erlangt Anerkennung des Königstitels und des Besitzes von Neuchâtel und Valengin (aus der oranischen Erbschaft nach Wilhelms III. Tode 1702, vgl. die Stammtafel S. 244), dazu Obergeldern (an der Maas). Es überläßt an Frankreich seine Ansprüche auf das Fürstentum Oranien oder Orange (an der Rhone, S. 242 Anm.).

Karl VI. verweigert seine Zustimmung, der Krieg wird am Rhein weitergeführt. Villars erobert Landau und Freiburg. Darauf

1714.

Friede zu Rastatt und Baden (im Aargau, Schweiz). Karl VI. nimmt die ihm bestimmten Länder an. Österreich gewinnt damit nach der Erwerbung Ungarns unter Leopold I. (S. 266) unter dessen Sohn Karl VI. auch noch die Niederlande und die Herrschaft in Italien. Für das Deutsche Reich wird nur der Friede von Ryswyk bestätigt; Landau bleibt französisch. Die in die Reichsacht erklärten Kurfürsten von Bayern und Köln werden in ihre Würden und Länder wieder eingesetzt.

1700–1721.

§ 6. Der Nordische Krieg.

Peter der Große (S. 269) will Rußland zur Seemacht erheben und Schwedens Herrschaft über die Ostsee (S. 256) brechen. Er schließt unter Vermittelung des livländischen Edelmanns Patkul ein Bündnis mit August dem Starken (S. 266), welcher Livland wieder für Polen beansprucht (S. 249, 268). Friedrich IV. von Dänemark schließt sich an, um das Haus Holstein-Gottorp (jüngere Linie des dänischen Königshauses) aus dem Mitbesitz von Schleswig-Holstein zu verdrängen.

Karl XII., König von Schweden (geb. 1682, reg. 1697 bis 1718), Enkel Karls X. Gustav von Pfalz-Zweibrücken (S. 250), nimmt sich des Herzogs von Holstein-Gottorp, seines Schwagers, an, landet 1700 auf Seeland, bedroht Kopenhagen und erzwingt den Frieden zu Travendal (in Holstein a. d. Trave); Dänemark gibt den Angriff auf. Dann wendet er sich gegen Peter d. Gr. und besiegt mit 8000 Schweden 40000 Russen bei Narwa (in Ingermanland). Sächsische Truppen haben inzwischen Riga belagert. Karl XII. dringt 1701 in Polen ein und verlangt Absetzung Augusts II., zieht 1702 in Warschau ein, siegt bei Klissow und 1703 bei Pultusk über sächsische und polnische Truppen.

1704.

Stanislaus Lesczinski vom polnischen Reichstag zum König gewählt.

Währenddessen legt Peter den Grund zu der neuen Hauptstadt St. Petersburg 1703 und erobert Narwa 1704.

Fortgang des Krieges in Polen und Litauen, Siege Karls XII. bei Punitz 1704 und seines Generals Rehnskjöld bei Fraustadt 1706. Karl dringt durch Schlesien in Sachsen ein und erzwingt den

1706.

Frieden zu Altranstädt (bei Leipzig): 1. August II. entsagt der polnischen Krone und erkennt Stanislaus Lesczinski als König von Polen an. 2. Er gibt das Bündnis mit dem Zaren auf und liefert dessen Bevollmächtigten Patkul aus (welchen Karl grausam hinrichten läßt). 3. Sachsen sorgt den Winter über für Unterhalt und Sold des schwedischen Heeres.

Karl bricht dann gegen den russischen Zaren auf (Sept. 1707), der die Zeit zur Festsetzung an der Ostsee und zur Bildung eines kriegstüchtigen Heeres trefflich benutzt hatte. Der Weg nach Moskau versperrt durch Verwüstung des Landes. Durch den von Rußland abgefallenen Kosakenhetman Mazeppa läßt sich Karl verleiten, über den Dnjepr (1708) nach der Ukraine zu gehen. Vergebliche Belagerung Pultawas; Peter eilt zum Entsatz herbei und schlägt mit überlegener Streitmacht die durch Märsche und Mangel ermatteten Schweden in der

1709 (8. Juli).

Schlacht bei Pultāwa, welche Schwedens Übermacht mit einem Schlage vernichtet. Das schwedische Heer völlig aufgelöst und größtenteils gefangen. Karl flüchtet zu den Türken.

1709–1714.

Karl XII. in der Türkei (Lager bei Bendēr), sucht die Pforte zum Kriege gegen Rußland zu bewegen. Dies gelingt endlich 1711. Peter, verbündet mit dem Fürsten der Moldau, geht über den Dnjestr, wird am Pruth eingeschlossen, erkauft von den Türken durch Bestechung des Großwesirs (auf Rat seiner Gemahlin Katharina) den

1711.

Frieden am Pruth: 1. Asow an die Pforte zurückgegeben (S. 266) 2. Dem Könige von Schweden freie Rückkehr in seine Staaten zugesichert.

Karl XII., über diesen Frieden entrüstet, verweigert starrsinnig die Abreise, wird 1713 von den Türken in seinem Lager bei Bender gefangen genommen und nach Demotika (bei Adrianopel) gebracht. Währenddessen nutzen seine Feinde die Zeit aus. August II. vertreibt den König Stanislaus aus Polen; die Dänen suchen (allerdings vergeblich) die südlichen Provinzen Schwedens zu erobern. Peter der Große nimmt Livland, Estland, Ingermanland, Karelien, Finnland vollständig in Besitz.

Im Haager Konzert (1710) war, um den Krieg von Deutschlands Grenzen fern zu halten, die Neutralität aller deutsch-schwedischen Provinzen, sowie Schleswigs und Jütlands festgesetzt worden. Da aber Karl XII. gegen diesen Vertrag von der Türkei aus protestiert, so nehmen die Dänen dem Herzog von Holstein-Gottorp Schleswig weg und erobern die seit 1648 (S. 260) schwedischen Herzogtümer Bremen und Verden (1712), welche dann gegen eine Geldzahlung dem Kurfürsten von Hannover überlassen werden.

1712. Dez.

Der schwedische General Stenbock besiegt die Dänen bei Gadebusch (in Mecklenburg), rückt dann nach Holstein vor, verbrennt Altona, wird aber (Febr. 1713) von Dänen und Russen bei Tönning a. d. Eider gefangen.

1713.

König Friedrich Wilhelm I. von Preußen (S. 279) schließt sich den Feinden Schwedens an und besetzt Stettin nach Abschluß eines Vertrages mit dem russischen General Menschikow, wonach Stettin und Vorpommern gegen Zahlung von 400000 Talern vorläufig von Preußen beschlagnahmt (sequestriert) werden.

1714.

Karl XII. kehrt endlich in seine Staaten zurück. Abenteuerlicher Ritt durch Ungarn und Deutschland über Wien, Nürnberg, Braunschweig nach Stralsund.

1715.

Belagerung von Stralsund durch preußische, dänische und sächsische Truppen. Der preußische Feldmarschall Fürst Leopold von Dessau erobert die Insel Rügen.

Karl XII. gibt Stralsund auf und kehrt nach Schweden zurück.

1716–1717.

Peters d. Gr. zweite Reise (vgl. S. 269) nach Deutschland, Dänemark, Holland, Frankreich.

Karl XII. unterhandelt mit Peter d. Gr. durch den Freiherrn von Görz, der trotz des Hasses der schwedischen Großen auch an die Spitze der inneren Verwaltung Schwedens gestellt wird. Vor Abschluß der Verhandlungen, die ihm Aussicht auf russische Hilfe geben, beginnt Karl einen neuen Krieg gegen Dänemark, indem er in Norwegen einfällt, wird aber bei der

1718.

Belagerung von Frederikshall durch eine Kugel getötet. Ende des Hauses Pfalz-Zweibrücken (seit 1654) in Schweden.

Der schwedische Reichsrat, schon lange mit Karls Regierung unzufrieden, beruft nicht den Sohn seiner älteren Schwester, Karl Friedrich von Holstein-Gottorp (S. 293), zur Regierung, sondern die jüngere Schwester Ulrike Eleonore und deren Gemahl, Prinz Friedrich von Hessen-Kassel (1720–1751).

Görz wird verurteilt und hingerichtet (1719). Das Königtum wird gänzlich abhängig von dem Reichsrat, dessen nächste Sorge auf Herstellung des Friedens gerichtet ist.

Den Nordischen Krieg beenden die Friedensschlüsse zu Stockholm 1719 mit Hannover, welches Bremen und Verden behält und an Schweden 1 Mill. Taler zahlt; 1720 mit Preußen, welches Stettin, Vorpommern bis an die Peene, die Inseln Usedom und Wollin erhält und 3 Mill. Taler zahlt; zu Friedrichsburg auf Seeland 1720 mit Dänemark, welches alle Eroberungen zurückgibt. Dafür zahlt Schweden 600000 Taler, entsagt der Zollfreiheit im Sunde (s. S. 250) und gibt den Herzog von Holstein-Gottorp preis, dem Dänemark seinen Anteil an Schleswig nimmt. Mit Polen bleibt es bei dem 1719 geschlossenen Waffenstillstand. August der Starke als König anerkannt. Stanislaus Lescynski führt den Königstitel weiter und erhält 1 Mill. Taler (S. 279).

1721.

Friede zu Nystadt zwischen Schweden und Rußland: 1. Schweden tritt an Rußland ab: Livland, Estland, Ingermanland, Karelien und die dazu gehörigen Inseln (Ösel, Dagö u. a.). 2. Rußland gibt Finnland zurück und zahlt 2 Mill. Taler.

Schweden, seiner früheren Machtstellung beraubt, behält doch noch deutsche Gebiete: Wismar, welches erst 1803 durch Verpfändung (1903 endgültig) an Mecklenburg kommt, und Vorpommern nördlich der Peene mit Rügen (1815 an Preußen). Karl Friedrich von Holstein-Gottorp geht nach Rußland, vermählt sich mit Anna, Tochter Peters d. Gr. Sein Sohn ist der Zar Peter III., 1728 in Kiel geboren, Stammvater des russischen Kaiserhauses (S. 293).

Rußland hat sich an Schwedens Stelle zur europäischen Großmacht erhoben und nach langem Ringen die Ostsee erreicht. Peters d. Gr. innere Regierung ist auf Förderung von Handel und Gewerbe, Bergwesen und Forstkultur, Volksbildung, Ordnung der Verwaltung gerichtet. Dem Erbadel setzt er einen Amtsadel zur Seite; 14 Rangstufen der Offiziere und Beamten (Tschin), die oberen adlig. Oberste Behörde der Senat, 1711 an Stelle des früheren Rats der Bojaren errichtet; zur Leitung der Kirche der Heilige Synod 1721 errichtet, dessen Mitglieder der Zar ernennt. Die Zahl der Klöster eingeschränkt. Mönche und Nonnen zu nützlicher Tätigkeit angehalten.

Peters d. Gr. letzte Kriegstat ist eine Heerfahrt gegen Persien und die Eroberung von Derbent (am Kaspischen Meere) 1722; doch wird dieser Küstenstrich 1732 an Persien zurückgegeben. Die Küstenlandschaften am Schwarzen Meere sind noch ganz im Besitz der Türken; den Grenzschutz leistet das Reitervolk der Kosaken in der Ukraine.

§ 7. Deutschland.

Das Deutsche Reich vermag in den europäischen Kriegen das Eindringen fremder Truppen nicht abzuwehren, ist aber selbst nicht Gegenstand des Angriffs. Die letzten habsburgischen Kaiser (S. 272) sind nur auf ihre Hausmacht bedacht; Ausbildung der österreichischen Monarchie.

1711–1740.

Kaiser Karl VI. erwirbt 1714 die spanischen Nebenländer (S. 274). Im Bunde mit Venedig 1715–1718 glücklicher Türkenkrieg. Prinz Eugen siegt 1716 bei Peterwardein, 1717 bei Belgrad. Der Besitz dieser Stadt und eines Teils von Serbien samt der Kleinen Walachei und dem Banat von Temesvar im Frieden zu Passarowitz 1718 bestätigt. Venedig behält Korfu und die eroberten Plätze in Dalmatien und Albanien, verliert Morea (S. 304).

1720.

Ein Versuch Philipps V. von Spanien, die verlorenen Nebenländer (S. 274) wiederzugewinnen, wird durch die 1718 geschlossene Quadrupelallianz (England, Frankreich, Österreich, Holland) vereitelt. Der Herzog von Savoyen muß Sicilien (S. 274) an Österreich überlassen, erhält dafür Sardinien und nimmt den Titel König von Sardinien an.

Kaiser Karl VI., ohne männliche Nachkommen, setzt eine Erbfolgeordnung fest unter dem Titel Pragmatische Sanktion, welche 1. die Unteilbarkeit der zur österreichischen Monarchie gehörigen Länder anordnet, 2. dieselben in Ermangelung männlicher Nachkommen auf Karls Töchter (die älteste Maria Theresia) und deren Nachkommen nach dem Erstgeburtsrecht vererbt, 3. im Fall des Aussterbens dieser Linie die Töchter Josephs I. (vermählt mit Friedrich August II. von Sachsen (in Polen August III.) und Kurfürst Karl Albert von Bayern, S. 282) und deren Nachkommen zu Erben einsetzt.

1725.

Bündnis zwischen Österreich und Spanien zum Schutz der Pragmatischen Sanktion; Gegenbündnis (zu Herrenhausen bei Hannover) zwischen England, Frankreich und Preußen. Doch tritt Preußen bald wieder auf die Seite Karls VI., der 1728 in dem Berliner Vertrag verspricht, nach dem Aussterben des Pfalz-Neuburger Hauses Preußen zum Besitz des Herzogtums Berg (S. 252) zu verhelfen. (In einem geheimen Vertrage versprach Karl VI. 1739 die Erbnachfolge in Jülich und Berg der Linie Pfalz-Sulzbach, aus der auch Karl Theodor 1743 das Erbe antrat.) Auch England erkennt 1731 die Pragmatische Sanktion an.

1733–1735.

Polnischer Thronfolgekrieg.

Von Frankreich geleitet, wählt nach dem Tode Augusts II. von Sachsen 1733 die Mehrheit des polnischen Adels den König Stanislaus Lesczinski, welcher Schwiegervater Ludwigs XV. geworden war, zum zweiten Male (S. 277). Rußland und Österreich lassen von einer Minderheit den Kurfürsten von Sachsen (Augusts II. Sohn) als August III. wählen und halten die Wahl in Polen mit ihren Truppen aufrecht. Dagegen treten Frankreich, Spanien und Sardinien für Stanislaus mit den Waffen ein.

Hauptschauplatz des Krieges Italien, wo Mailand, Neapel und Sicilien erobert werden, die Österreicher also alles bis auf Mantua verlieren. Am Oberrhein kämpft der alte Prinz Eugen († 1736) ohne Glück, nur Herzog Franz Stephan von Lothringen, der spätere Gemahl Maria Theresias, hält die Ehre der kaiserlichen Waffen aufrecht. Lothringen von den Franzosen besetzt. Friedenspräliminarien 1735 und nach weiteren Unterhandlungen

1738.

Friede zu Wien: 1. Stanislaus Lesczinski verzichtet zum zweiten Mal auf den polnischen Thron, erhält als Entschädigung die Herzogtümer Lothringen und Bar, welche nach seinem Tode Frankreich zufallen (Stanislaus † 1766). 2. Der Herzog von Lothringen Franz Stephan, Gemahl der Maria Theresia, wird durch das Großherzogtum Toskana entschädigt, wo 1737 das Haus Medici (S. 240) ausgestorben war. 3. Österreich überläßt Neapel und Sicilien als eine Sekundogenitur (so daß dieses Königreich nicht mit der Krone Spanien vereinigt werden darf) an die spanische Linie des Hauses Bourbon; es erhält dafür Parma und Piacenza (nach dem Aussterben der Farnese (S. 239) 1731 durch Erbschaft an Spanien gekommen). 4. Frankreich garantiert die Pragmatische Sanktion.

1736–1739.

Unglücklicher Türkenkrieg Österreichs (im Bunde mit Rußland, s. S. 295); Friede zu Belgrad: Orsowa, Belgrad, Serbien und die Kleine Walachei den Türken zurückgegeben (S. 278). Temesvar bleibt bei Österreich.

1713–1740.

Friedrich Wilhelm I., König von Preußen, Sohn Friedrichs I. (S. 267) erschließt durch gute Verwaltung und soldatische Zucht die natürlichen Hilfsquellen des Landes und hebt dessen Ertragsfähigkeit (s. Anhang). Bei nur 2½ Mill. Einwohnern hinterläßt er ein vorzügliches Heer von 83000 Mann (Fürst Leopold von Anhalt-Dessau) und einen Staatsschatz von 10 Mill. Talern. Seine Regierung bereitet die künftige Größe Preußens vor.

1740–1786.

Friedrich II., der Große,[50]

vereint die strenge Staatsordnung mit vielseitigen Kulturbestrebungen (S. Anhang): »Der König ist der erste Diener seines Staates« (Schrift Anti-Macchiavell). Kluge Fürsorge für sein Land und Heer, hohe Feldherrnbegabung und politisches Talent wirken zusammen zu großen Erfolgen.

1740. Okt.

Mit dem Tode Karls VI. erlischt der Mannesstamm des Hauses Habsburg. (Stammtafel S. 282). Die deutsche Kaiserwürde bleibt erledigt bis 1742.

1740–1780.

Maria Theresia, Königin von Böhmen und Ungarn, Erzherzogin von Österreich, geb. 1717, vermählt 1736 mit Franz Stephan aus dem Hause Lothringen, seit 1738 Großherzog von Toskana (Mitregent).

1740–1748.

Österreichischer Erbfolgekrieg. Auf das habsburgische Erbe erhebt Anspruch Kurfürst Karl Albert von Bayern, der die Pragmatische Sanktion nicht anerkannt hatte, als Nachkomme einer Tochter Kaiser Ferdinands I. auf Grund eines Testaments von 1547. Er wird unterstützt von Frankreich, welches auch Philipp V. von Spanien und Friedrich August II. von Sachsen (Gemahl der ältesten Tochter Josephs I., S. 278, 282) veranlaßt, Ansprüche zu erheben.

Friedrich II. von Preußen erbietet sich, gegen Anerkennung seiner Ansprüche auf Teile Schlesiens für Österreich zu kämpfen; durch die Zurückweisung seines Anerbietens entsteht noch vor Eröffnung der Feindseligkeiten durch die übrigen Prätendenten der

1740–1742.

Erste Schlesische Krieg.

Preußische Ansprüche auf Teile Schlesiens: 1. Das Fürstentum Jägerndorf war 1523 von der Ansbacher Linie des Hauses Hohenzollern erworben, später (1596) mit Brandenburg vereinigt, aber Fürst Johann Georg wurde 1621 als Anhänger Friedrichs V. von der Pfalz von Kaiser Ferdinand II. in die Acht erklärt und vertrieben (S. 253 f.). 2. Mit dem Herzog von Liegnitz, Brieg und Wohlau hatte Kurfürst Joachim II. 1537 eine Erbverbrüderung geschlossen, der jedoch Ferdinand I. als König von Böhmen und Oberlehnsherr widersprochen hatte. Nach dem Aussterben des herzoglichen Hauses der Piasten 1675 setzte sich Österreich in den Besitz ihrer Länder. 1686 entsagte Kurfürst Friedrich Wilhelm den schlesischen Herzogtümern gegen Abtretung des Schwiebuser Kreises und Erteilung einer Anwartschaft auf Ostfriesland. Der Schwiebuser Kreis ward aber Österreich in einem geheimen Vertrag mit dem Kurprinzen wieder zugesichert und von diesem (als Kurfürst Friedrich III.) 1695 wieder zurückgegeben.

1740. (Dez.)

Friedrich besetzt einen großen Teil Schlesiens.

1741.

Einzug Friedrichs in Breslau (3. Jan.), Erstürmung der Festung Glogau (9. März, Erbprinz Leopold von Dessau). Sieg bei Mollwitz (10. April, Feldmarschall Schwerin) über ein österreichisches Heer unter Neipperg, welches aber ungehindert aus Schlesien abzieht. Bündnis mit Frankreich (5. Juni).

Franzosen und Bayern rücken in Österreich ein und besetzen Linz (15. Sept.); Maria Theresia ruft in Preßburg die Hilfe des ungarischen Adels an und läßt durch Neipperg zu Klein-Schnellendorf einen Waffenstillstand mit Preußen schließen (9. Okt.), indem sie Niederschlesien aufgibt. Die Franzosen, Bayern und Sachsen erobern Prag (16. Nov.); Karl Albert läßt sich als König von Böhmen huldigen, wird bald darauf in Frankfurt als

1742–1745.

Karl VII. zum deutschen Kaiser gewählt.

1742.

Die Österreicher rücken in Bayern, die Preußen in Mähren ein. Friedrichs Sieg bei Chotusitz und Czaslau (17. Mai) führt zu dem

Frieden zu Breslau: Österreich tritt an Preußen Ober- und Niederschlesien und die Grafschaft Glatz ab, es behält nur die Fürstentümer Teschen, Troppau und (zum Teil) Jägerndorf.

Österreich führt nun den Krieg gegen Frankreich und Bayern mit mehr Glück; die Franzosen räumen Prag (Dez. 1742), Karl VII. muß aus München entfliehen (Juni 1743). Ein neues französisches Heer wird von König Georg II. von England (1727–1760), der als Bundesgenosse Österreichs die sog. Pragmatische Armee (Engländer, Hannoveraner, Hessen) heranführt, besiegt in der

1743.

Schlacht bei Dettingen (am Main unweit Aschaffenburg). Kaiser Karl VII. lebt als Flüchtling in Frankfurt.

      Deutsche Linie des Hauses Habsburg.

          Ferdinand I. (1556–1564).
  __________________|________________________________________
Maximilian II. (1564–1576). Ferdinand v. Tirol. Karl von Steiermark.
__________________|____________________________       |
Rudolf II.   Matthias     Maximilian.  Albrecht,   Ferdinand II.
(1576–1612). (1612–1619).              Statth.     (1619–1637).
                                       d. span.       |
                                       Niederlande, Ferdinand III.
                                       1595–1621.   (1637–1657).
                                                      |
                                                   Leopold I.
                                                   (1658–1705).
___________________________________________________|___________________
Maria Antonie,         Joseph I. (1705–1711).      Karl VI. (1711–1740).
Gem. Max Em.                  |                         |
v. Bayern.                    |                         |
______|__              _______|________                 |
Joseph Ferdinand,  Maria Josepha,    Maria Amalia,     Maria Theresia
Kurpr. v. Bayern   Gem. August III.  Gem. Karl Albert  (1740–1780).
(†1699).          v. Sachsen-Polen, v. Bayern
                                      (Kais. Karl VII.).


            Haus Lothringen.

Franz I., Großhzg. v. Toskana 1738, deutscher Kaiser 1745–1765.
Gem. Maria Theresia, Tochter Karls VI, des letzten Habsburgers.
_______________________|_______________________
Joseph II.,     Leopold II.,               Ferdinand,
1765–1790.      Großhzg. v. Toskana        Gem. d. Erbin v.
                seit 1765, deutscher       Modena.
                Kaiser 1790–1792.            _______________________
__________________|_____________________________________________    |
Franz II (I.),   Ferdinand, Karl,   Joseph, Johann, Rainer, Ludwig, |
deutscher Kaiser Grhzg. v.  †1847. †1847. Reichs- †1853. †1864. Franz IV.,
1792–1806,       Toskana,    |              verweser                Herzog v.
Kaiser v.        †1824.   Albrecht,        1848–1849,              Modena.
Österreich         |       †1895.          †1859.                   |
1804–1835.       Leopold II., Grhzg. v. Toskana.           Franz V. Ferdinand,
_______|_________________________________   |               1859 vertrieben,
Marie Luise,     Ferdinand I., Franz Karl  Ferdinand IV.,   †1875.
Gem.  1835–1848, †1875.       Gem. Sophie letzter Grhz.
Napoleons I.,                  v. Bayern.  v. Toskana.
Hzgn. v. Parma,                     |      †1908.
†1847.                              |
                                    |
____________________________________|_________________________
Franz Joseph I., Ferdinand       Karl Ludwig, †1896.       Ludwig.
Gem. Elisabeth   Maximilian,     ___|______________________________
v. Bayern,       Ks. v. Mexiko,  Franz Ferdinand,   Otto, †1906.  Ferdinand.
†1898.          †1867.         (Thronfolger).        |
____|___________________         Gem. Sophie,   _____|__________
Gisela,  Rudolf, Valerie,        Hzgn. v.     Karl Franz   Maximilian
Gem.     †1889. Gem. Franz      Hohenberg.   Joseph,      Eugen Ludwig.
Leopold          Salvator,                    präsumpt
von Bayern.      Neffe Ferdinands IV.         Thronerbe.
                                              Gem. Zita v.
                                              Bourbon-Parma.

        Haus Hohenzollern.

Friedrich Wilhelm der Große Kurfürst (1640–1688)
Gem. Luise Henriette von Oranien †1667.
Friedrich III. (I.) 1688 (1701)–1713.
Friedrich Wilhelm I., 1713–1740.
___________|_____________________________
|               |                |        |
Friedrich II., August Wilhelm, Heinrich, Ferdinand,
d. Große,      †1758.          †1802.    †1813.
1740–1786.      |                        _____|_____________
                |                         |                  |
         Friedrich Wilhelm II.,        Louis Ferdinand,  August,
         1786–1797.                    †1806.            †1843.
_________________|_____________________________________________________
|                                |       |           |           |      |
Friedrich Wilhelm III.,        Ludwig, Wilhelmine, Auguste,   Heinrich, Wilhelm,
1797–1840.                     †1796.  Königin d.  Kurfürstin †1846.   †1851.
Gem. Luise v. Mecklenburg,             Niederl.    v. Hessen,          |
†1810.                                †1837.      †1841. _____________|__
          |                                              |    |           |
          |                                       Adalbert, Waldemar, Maria,
          |                                       †1873.    †1849.    †1889.
          |                                                          Gem. Max. II.,
          |                                                          K. v. Bayern.
  ________|_____________________________________________________________...
|                           |                  |               |
Friedrich           Wilhelm I.,           Charlotte,        Karl.
Wilhelm IV.,        1861–1888,            †1860,            †1883.
1840–1861.          1871 deutsch.         Gem. Nikolaus I., Gem. Maria
Gem. Elisabeth      Kaiser,        Ks. v. Russland.  v. S.-Weimar.
v. Bayern.          Gem. Augusta                             |
                    v. Sachs.-Weimar,                        |
                    †1890.                                   |
      _______________|_____                      Friedrich Karl,
     |                     |                     †1885.
Friedrich III.,         Luise,         ___________|_______
†1888,                  Gem. Grhz.    |                   |
als Kronprinz           v. Baden,  Luise Margarete,  Friedr. Leopold,
Friedrich Wilhelm.      †1907.     Gem. Artur.       Gem. Luise Sophie
Gem. Viktoria,                     Hz. v. Connaught. v. Holst-Augustenb.
Princess Royal
v. England,
†1901.
_______________________________________________________________________
|                        |             |                    |           |
Wilhelm II.,          Charlotte,    Heinrich,  Viktoria,  Sophie,   Margarete,
seit 1888.            Gem. Erbprinz Gem. Irene Gem. Prinz Gem.      Gem. Prinz
Gem. Auguste Viktoria v. Meiningen. v. Hessen, Adolf v.   Kronprinz Karl v.
v. Holstein-                _________|         Schbg.     v.        Hessen.
Augustenburg.        ______|_______            -Lippe.   Griechenland.
    |               |              |
    |         Waldemar.         Sigismund.
___|___________________________________________________________________
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Wilhelm,        Eitel        Adalbert. August Wilhelm. Oskar. Joachim. Viktoria
Gem. Cecilie    Friedrich,             Gem. Alexandra                   Luise.
V. Mecklenburg. Gem. Sophie            v. Schl.-Holstein.
      |         Charlotte
      |         v. Oldenburg.
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Wilhelm.   Louis Ferdinand.   Hubertus Karl.   Friedrich


Friedrich Wilhelm III.,1797–1840.
Gem. Luise v. Mecklenburg,
†1810.
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    Alexandrine,       Luise,              Albrecht,
    †1892.             †1870.              †1872.
    Gem. Grh. Paul     Gem. Friedrich,     Gem. Marianne,
    Friedr.v.Meckl.    Prz. d. Niederl.    Przin. d. Niederl.
                                               |
                                           Albrecht,
                                           Regent v. Braunschw.
                                           †1906.
                                               |
                                           Friedr. Heinr.
                                           Joachim Albrecht.
                                           Friedrich Wilhelm.
                                           Gem. Agathe
                                           v. Ratibor
                                           u. Corvey.

Diese Erfolge Österreichs und dessen Verträge mit Sardinien und Sachsen gegen Preußen machen den König Friedrich für seine neue Erwerbung besorgt. Er schließt abermals ein Bündnis mit Frankreich und Karl VII. und beginnt, nachdem er (1744) Ostfriesland nach dem Aussterben des Fürstenhauses der Cirksena mit seinem Staate vereinigt hat (S. 281), den

1744–1745.

Zweiten Schlesischen Krieg.

Mit 80 000 Mann »kaiserlicher Hilfstruppen« rückt der König durch Sachsen in Böhmen ein, erobert Prag, wird aber bald darauf infolge des Rückzuges der Franzosen, die ihn ohne Beistand lassen, nach Schlesien zurückgedrängt (1744).

1745.

Nach Karls VII. Tode in München entsagt sein Sohn Max Joseph (1745–1777) im Frieden zu Füßen allen Erbansprüchen auf Österreich und verspricht dem Gemahl der Maria Theresia, Franz Stephan, seine Stimme bei der Kaiserwahl.

Die Franzosen unter dem Marschall Moritz von Sachsen, einem Sohne Augusts II. und der Gräfin Aurora Königsmark, dringen nach dem Siege bei Fontenoy in die österreichischen Niederlande ein und erobern Brüssel.

1745.

Friedrichs Siege bei Hohenfriedeberg (in Schlesien, 4. Juni, über Herzog Karl von Lothringen, Bruder Franz Stephans) und bei Soor (im nordöstl. Böhmen, 30. Sept.) beweisen aufs neue die Überlegenheit der preußischen Waffen. Nach einem dritten Siege, den der alte Feldmarschall Leopold von Dessau († 1747) bei Kesselsdorf (unweit Dresden, 15. Dez.) über die Sachsen davonträgt, folgt der

Friede zu Dresden: Bestätigung des Besitzes von Schlesien; Friedrich erkennt den Gemahl Maria Theresias als Kaiser an.

1745–1765.

Franz I. deutscher Kaiser (Haus Lothringen- Toskana 1745–1806).

Beendigung des Österreichischen Erbfolgekriegs: Nachdem die besten englischen Truppen nach England gegen den von Frankreich unterstützten Prätendenten Karl Eduard (S. 299) abberufen sind, vollendet der Marschall Moritz von Sachsen durch den Sieg bei Raucoux 1746 die Eroberung der österreichischen Niederlande. Maria Theresia schließt ein Bündnis mit Elisabeth von Rußland (S. 295), die 1748 Truppen nach Deutschland sendet. Frankreichs Verluste in dem gleichzeitigen Seekriege mit England (S. 299f.) dämpfen die Kriegslust der Franzosen.

1748.

Friede zu Aachen: 1. Österreich tritt Parma und Piacenza an den spanischen Infanten Don Philipp ab (zweite Sekundogenitur der spanischen Bourbons in Italien, S. 279). 2. Gewährleistung Schlesiens für Preußen, der Pragmatischen Sanktion für Österreich, der britischen Thronfolge für das Haus Hannover (S. 272).

Veränderung des europäischen Staatensystems durch den Eintritt Preußens in die Reihe der Hauptmächte. Friedrichs d. Gr. Friedensregierung (s. Anhang) wird ein Vorbild für andere Staaten. — In Sanssouci (1745–1747 erbaut) lebt 1750–1763 Voltaire; auch die Gelehrten Maupertuis, d’Argens, La Mettrie und Algarotti werden herangezogen.

In Österreich durch Maria Theresia Abstellung vieler Mißstände, Hebung der Finanzen, Bildung eines tüchtigen Heeres (Daun). Sparsame Hofhaltung. Sorge für Handel, Industrie und Ackerbau. Erleichterung der Leibeigenschaft. Gründung der Volksschule. Abschaffung der Folter.

In Dresden glänzende Hofhaltung Augusts des Starken († 1733) und Augusts III. († 1763). Italienische Oper, Gründung der Gemälde-Gallerie 1746. Minister Graf Brühl († 1763).

Aufblühen der deutschen Literatur: Albrecht von Haller in Bern, dann in Göttingen (Universität gegr. 1737; † 1777 in Bern). Fr. von Hagedorn in Hamburg († 1754), Gottsched († 1766) und Gellert († 1769) in Leipzig; Gleim in Halberstadt († 1803), Ramler († 1798) und Ewald von Kleist in Berlin († 1759 in Frankfurt a. O.). Klopstock geb. 1724 zu Quedlinburg (1748 der Messias), 1751 in Kopenhagen († 1803 in Hamburg). Lessing geb. 1729 zu Kamenz (Oberlausitz), 1751 in Berlin († 1781 in Braunschweig).

1756–1763.

Siebenjähriger (Dritter Schlesischer) Krieg.

Maria Theresia, seit 1746 mit Rußland verbündet, sucht auch Frankreich zu gewinnen. Fürst Kaunitz (1740–1753 österreichischer Gesandter in Paris, dann Reichskanzler in Wien) bewirkt eine Aussöhnung der Jahrhunderte lang feindseligen (S. 206) Kabinette von Wien und Versailles; die Marquise von Pompadour begünstigt das Bündnis. England, 1750 dem österreichisch-russischen Bündnis angeschlossen, tritt 1755 mit Rußland in besonderen Bund, aber erneute Feindseligkeiten Frankreichs wegen der Besitzungen in Nordamerika veranlassen Georg II., im Jan. 1756 den Vertrag von Westminster mit Preußen abzuschließen. Beide Mächte garantieren sich ihren Besitz. Für den Fall eines Krieges verspricht England Hilfsgelder. Darauf Bündnis zwischen Frankreich (Ludwig XV. 1715–1774) und Österreich (Mai 1756).

Friedrich d. Gr., von den Plänen seiner Feinde unterrichtet, entschließt sich ihnen zuvorkommen und eröffnet den Krieg, ehe die Rüstungen der Gegner beendet sind.

1756.

(29. Aug.) Einfall Friedrichs in Sachsen mit 67000 Mann. Dresden besetzt, das sächsische Heer bei Pirna eingeschlossen. Friedrich zieht mit 24000 Mann den Österreichern entgegen und gewinnt den

1. Okt.

Sieg bei Lobositz (in Böhmen).

16. Okt.

17000 Sachsen ergeben sich als Kriegsgefangene und werden zum Dienst im preußischen Heere gezwungen. Kurfürst Friedrich August II. verläßt die Festung Königstein und entflieht nach Warschau (S. 279).

1757.

Erklärung des Reichskrieges an Preußen; doch bleiben Hannover, Hessen, Braunschweig, Sachsen-Gotha mit Preußen verbunden. Österreich und Rußland (Elisabeth, Tochter Peters d. Gr. 1741–1762) schließen einen. Angriffs- und Teilungsvertrag gegen Preußen (Febr.), ebenso Österreich und Frankreich (Mai). König Adolf Friedrich von Schweden (1751–1771, S. 294) tritt gegen das Versprechen, Pommern zu bekommen, dem Bunde gegen seinen Schwager Friedrich bei; seine Teilnahme am Kriege ist jedoch unbedeutend. Bündnis zwischen Preußen und England; letzteres verpflichtet sich 1758 zur Zahlung von Hilfsgeldern (4 Millionen Taler jährlich).