Zug Bernhards’ von Weimar nach Franken. Er läßt sich von dem schwedischen Kanzler mit den Bistümern Würzburg und Bamberg als Herzogtum Franken belehnen und besetzt die Oberpfalz.
Wallenstein rückt aus Böhmen nach Schlesien vor, nimmt bei Steinau an der Oder ein schwedisches Korps gefangen, kehrt dann aber nach Böhmen zurück und weigert sich, dem Kurfürsten Maximilian von Bayern abermals zu Hilfe zu kommen, obgleich Regensburg (14. Nov.) von Bernhard von Weimar besetzt ist. Spannung zwischen Wallenstein und dem kaiserlichen Hofe. Die ihm feindliche ligistisch-spanische Partei will ihn vom Oberbefehl entfernen. Wallenstein führt geheime Unterhandlungen mit den Sachsen, Schweden und Franzosen. Er beabsichtigt, sich durch sein Heer (Revers der Obersten in Pilsen) eine unabhängige Stellung zu verschaffen, den Kaiser von der Herrschaft der spanischen Partei zu befreien und den Reichsfrieden herzustellen.
Der Wiener Hof macht ihm die Hauptführer der Truppen (Gallas, Piccolomini, Aldringen, Maradas, Colloredo) abwendig; Ilow, Terzka, Kinsky bleiben Wallenstein treu. Ein kaiserliches Patent vom 18. Februar 1634 erklärt Wallenstein für abgesetzt, weil »er eine Konspiration anzuspinnen sich angemaßt, Uns und Unser hochlöbliches Haus von unserem Erbkönigreich, Land und Leuten zu vertreiben«. Wallenstein verläßt Pilsen und zieht nach Eger, wohin auch Bernhard von Weimar und Arnim kommen sollen.
Wallenstein ermordet zu Eger auf Veranstaltung des irischen Obersten Butler, der mit Gallas und Piccolomini im Einverständnis war. Der Kaiser hat den Mord nicht befohlen, aber die Mörder mit Ehren und Reichtümern belohnt.
Schlacht bei Nördlingen, Sieg der mit einem spanischen Hilfskorps vereinigten Kaiserlichen (unter Ferdinand, des Kaisers Sohn, und Gallas) und Bayern (Johann von Werth) über die Schweden unter Horn und Bernhard von Weimar. Die süddeutschen Protestanten suchen Hilfe bei Frankreich.
Friede zu Prag, zwischen dem Kaiser und dem Kurfürsten von Sachsen: 1. Der Kurfürst von Sachsen erhält die Lausitz erblich, das Erzbistum Magdeburg für seinen zweiten Sohn August auf Lebenszeit. 2. Die geistlichen Güter (s. S. 255) sollen den protestantischen Besitzern auf 40 Jahre verbleiben. 3. Gemeinsame Bekämpfung der Schweden und ihrer Bundesgenossen. — Brandenburg und andere protestantische Reichsstände treten diesem Frieden bei; einige aber bleiben dem Bündnis mit Schweden treu.
Frankreich, durch Richelieus Politik mit Schweden eng verbündet (S. 256), erklärt dem Kaiser, bald auch dem König von Spanien den Krieg. Subsidienvertrag mit Bernhard von Weimar, welcher sich, da er infolge der Schlacht bei Nördlingen sein Herzogtum Franken verloren hat, im Elsaß einen neuen Staat zu erobern sucht. Einnahme von Breisach 1638. Nach seinem Tode 1639 bemächtigt sich Frankreich seines Heeres und seiner Eroberungen.
Sieg der Schweden (nachdem sie fast bis an die Ostsee zurückgedrängt gewesen waren) unter Banér bei Wittstock über das kaiserlich-sächsische Heer.
Kaiser Ferdinand II. †. Sein Sohn
Ferdinand III., zum Frieden geneigt. Das pommersche Herzoghaus erlischt (1637).
Georg Wilhelm †. Friedrich Wilhelm, Kurfürst von Brandenburg (der Große Kurfürst, 1640–1688. S. auch Anhang):
Friedensverhandlungen in Hamburg, ein Kongreß verabredet.
Zweite Schlacht bei Leipzig (Breitenfeld), Banérs Nachfolger Torstenson siegt über die Kaiserlichen unter Erzherzog Leopold Wilhelm und Piccolomini, dringt darauf durch Böhmen nach Mähren vor. Die feindliche Haltung des auf Schwedens Erfolge eifersüchtigen Dänenkönigs Christian IV. (S. 255) veranlaßt ihn zur Umkehr.
Torstenson zieht in Eilmärschen durch Schlesien, Sachsen, Braunschweig nach dem Norden, erobert Holstein und Schleswig, rückt in Jütland ein.
Unterdessen dringen die Franzosen in Schwaben vor, werden aber bei Tuttlingen von einem österreichisch-bayrischen Heere (unter Mercy und Johann von Werth) geschlagen.
Die Gesandten der Krieg führenden Staaten versammeln sich in Münster und Osnabrück; langwierige Vorverhandlungen. Der Marschall Turenne und der 23jährige Herzog von Enghien, später Prinz Condé, erhalten den Oberbefehl über die französischen Truppen. Sie zwingen die Bayern zum Rückzug und erobern einen großen Teil der Rheinlande (Worms, Mainz, Bingen u. a. Städte).
Ein den Dänen zu Hilfe gesandtes kaiserliches Heer unter Gallas wird von Torstenson aus Holstein zurückgetrieben und bei Magdeburg fast vernichtet. Glänzender Sieg Torstensons über die Kaiserlichen
bei Jankau (in Böhmen), worauf er, mit dem siebenbürgischen Fürsten Rakoczy verbündet, Mähren erobert und bis nahe vor Wien rückt.
Turenne, von Mercy und Johann von Werth bei Mergentheim (in Franken) geschlagen, siegt mit Condé vereinigt bei Allerheim (unweit Nördlingen).
Friede zwischen Schweden und Dänemark zu Brömsebro (s. S. 250).
Nach dem Mißlingen der Belagerung von Brünn geht Torstenson nach Böhmen zurück und legt wegen Krankheit den Oberbefehl nieder, welchen Wrangel erhält.
Schweden und Franzosen rücken in Bayern ein, zwingen den Kurfürsten Maximilian (1647), einen Waffenstillstand zu schließen.
Zweiter Einfall der Schweden und Franzosen in Bayern, nachdem Maximilian den Waffenstillstand gekündigt hat; furchtbare Verheerung des Landes. Der schwedische General Königsmark nimmt die Kleinseite von Prag auf dem linken Moldauufer ein.
Westfälischer Friede. Unterhandlungen von 1645 bis 1648 zu Münster mit den Franzosen, zu Osnabrück mit den Schweden. Der kaiserliche Gesandte Graf Trautmannsdorf.
1. Schweden erhält als Reichslehen: Vorpommern mit Stettin, Rügen, Usedom und Wollin, die bisher mecklenburgische Stadt Wismar und die Bistümer Bremen (nicht die Stadt) und Verden (spr. Fērden) als weltliche Herzogtümer, dazu 5 Millionen Taler.
2. Frankreich erhält den Besitz der schon 1552 (s. S. 233) gewonnenen lothringischen Bistümer Metz, Toul und Verdun bestätigt; der Streit mit dem seit 1634 vertriebenen Herzog von Lothringen bleibt unerledigt (bis 1659, vgl. S. 262). Im Elsaß erhält es die österreichische Landgrafschaft (S. 195), den Sundgau und die Landvogtei über 10 Reichsstädte; diese Städte selbst verbleiben dem Reiche, ebenso Stadt und Bistum Straßburg. Auf dem rechten Rheinufer erhält Frankreich die Stadt Breisach und das Besatzungsrecht von Philippsburg.
3. Bayern bleibt im Besitz der Oberpfalz, Sachsen im Besitz der Lausitz; Brandenburg erhält Hinterpommern mit dem Bistum Kammin, die Bistümer Halberstadt und Minden und die Anwartschaft auf das Erzbistum Magdeburg (erworben 1680, S. 258). Hessen-Kassel erhält die Abtei Hersfeld und einen Teil der Grafschaft Schauenburg, Mecklenburg die Bistümer Schwerin und Ratzeburg, Braunschweig-Lüneburg ein Anrecht auf das Bistum Osnabrück, wo bis 1803 abwechselnd ein katholischer und ein evangelischer Bischof regiert.
1. Allgemeine Amnestie und Wiedereinsetzung in den Stand von 1618, doch bleibt die bayrische Linie des Hauses Wittelsbach im Besitz der Kurwürde; für die pfälzische wird eine neue, achte Kurwürde errichtet. 2. Den Reichsständen wird im Verhältnis zum Kaiser die Landeshoheit (Superioritas territorialis) zuerkannt, namentlich das Recht, Bündnisse unter sich und mit Auswärtigen, außer gegen Kaiser und Reich, zu schließen. 3. Die Republik der Niederlande (S. 244) und die Schweiz (S. 225) werden als unabhängig vom Reiche anerkannt.
1. Der Augsburger Religionsfriede wird bestätigt und auf die Reformierten ausgedehnt. 2. In betreff der geistlichen Güter und der Religionsübung wird der 1. Januar 1624 (Annus normalis) als maßgebend festgesetzt.
Frankreich und Schweden garantieren den Frieden. Ihre Truppen verlassen erst 1650 nach Abzahlung der Kriegsentschädigungen das deutsche Gebiet.
1. Deutschland ist verwüstet und kommt nur langsam wieder empor. Das Deutsche Reich ist nach außen ohnmächtig, im Innern geschwächt durch die Selbständigkeit der vielen kleinen Staaten. Sinken der Städte, der Hansebund ist aufgelöst.[47]
2. Die Religionsfreiheit ist für Deutschland und dadurch auch für das übrige Europa gesichert. 3. Frankreich und Schweden gelangen zu besonderem Ansehen im europäischen Staatensystem.
Der brandenburgisch-preußische Staat beginnt sich zu entfalten. Er übernimmt fortan in Deutschland den Schutz der vom Kurfürsten von Sachsen preisgegebenen protestantischen Sache.
Ludwig XIV., beim Tode seines Vaters Ludwig XIII. (S. 238) 5 Jahre alt, zunächst unter Vormundschaft seiner Mutter Anna, Tochter Philipps III. von Spanien; die Regierung leitet der Kardinal Mazarin.
Unruhen der Fronde, veranlaßt durch den Widerstand des Pariser Parlaments gegen Mazarins Verordnungen. Eine unzufriedene Adelspartei schließt sich dem Widerstand an; Prinz Condé, anfangs für die Regierung kämpfend, entzweit sich ebenfalls mit Mazarin; dieser geht 1651 für kurze Zeit in die Verbannung. 1652 Kampf zwischen Condé und Turenne, der die königlichen Truppen befehligt, im Faubourg St. Antoine; Condé dringt in die Stadt Paris ein, wird aber bald beim Volke unbeliebt. Der Hof kehrt nach Paris zurück, Condé entweicht nach Spanien. Mazarin befestigt das Ansehen der Monarchie.
Frankreichs Erwerbungen im Westfälischen Frieden s. S. 260.
Der 1635 ausgebrochene Krieg mit Spanien (Sieg Condés bei Rocroy 1643) wird beendet durch den
Pyrenäischen Frieden:[48] 1. Frankreich erhält die Grafschaft Roussillon (im NO. der Pyrenäen) und mehrere Plätze in Artois und Flandern. 2. Der Herzog von Lothringen, Spaniens Verbündeter, wird in sein Herzogtum wieder eingeführt, muß jedoch den Franzosen eine Heerstraße von Metz nach dem Elsaß zugestehen. 3. Prinz Condé kehrt zurück; Ludwig XIV. heiratet Maria Theresia, älteste Tochter Philipps IV. von Spanien, welche jedoch ihren Erbansprüchen entsagt.
Tod Mazarins. Ludwigs Selbstregierung (1661 bis 1715), ohne Reichsstände (États généraux), ohne Beachtung der Einsprüche des Pariser Parlaments, nach persönlicher Willkür (L’État c’est moi). Colbert Finanzminister, Förderung der Gewerbtätigkeit und des Handels durch das Merkantilsystem (Schutzzölle zur Abwehr ausländischer Erzeugnisse, Verbesserung der Wege, Kanalbauten). Kolonien auf den Kleinen Antillen, in Canada, Cayenne, Louisiana, Pondichery. Große Handels- und Kriegsflotte. Louvois Kriegsminister; starkes stehendes Heer. Vauban genialer Festungsbaumeister.
Um Frankreichs Ansehen vor dem übrigen Europa zur Geltung zu bringen, unternimmt Ludwig XIV. eine Reihe von Eroberungskriegen gegen die Nachbarstaaten.
Raubkrieg gegen Spanien (Devolutionskrieg). Nach dem Tode Philipps IV. (1665) erhebt Ludwig XIV., gestützt auf das in einigen belgischen Provinzen geltende Devolutionsrecht, wonach die Töchter erster Ehe ein den Söhnen zweiter Ehe vorangehendes Erbrecht haben, Ansprüche auf die spanischen Niederlande. Turenne erobert einen Teil von Flandern und Hennegau, Condé besetzt die nicht verteidigte Freigrafschaft Burgund (Franche-Comté). Die von dem holländischen Ratspensionär Jan de Witt zustande gebrachte Tripelallianz (England, Holland, Schweden) führt den Frieden zu Aachen herbei: Frankreich erhält eine Anzahl von Grenzstädten, darunter Lille, welches von Vauban zu einer starken Festung umgeschaffen wird, gleichwie das 1662 von England (S. 270) erworbene Dünkirchen.
Raubkrieg gegen Holland. Ludwig XIV. schließt Bündnisse und Subsidienverträge mit England (S. 270), Schweden und mehreren deutschen Reichsfürsten (besonders den geistlichen Fürsten von Köln und Münster), vertreibt den Herzog Karl IV. von Lothringen 1670. Verbündeter der niederländischen Republik ist Kurfürst Friedrich Wilhelm von Brandenburg (s. S. 244).
Schnelle Eroberung eines großen Teiles der Niederlande (Turenne, Condé, der König an der Spitze von über 100000 Mann). Die Brüder de Witt, Führer der aristokratisch-republikanischen Partei, in einem Aufstande vom Volke getötet; Wilhelm III. von Oranien an die Spitze der Republik gestellt. Die Öffnung der Schleusen rettet die Provinz Holland und die Stadt Amsterdam.
Kurfürst Friedrich Wilhelm schließt mit Kaiser Leopold (S. 265) ein Bündnis gegen Frankreich, wird aber von dem kaiserlichen Feldherrn Montecuccoli in seinen Truppenbewegungen gehemmt. Turenne, in Westfalen vordringend, nötigt ihn 1673 zu einem Frieden, den Ludwig XIV. in Vossem (unweit Löwen) bestätigt: Der Kurfürst erhält das von den Franzosen besetzte Land Cleve (S. 252) zurück mit Ausnahme der Festungen Wesel und Rees.
Auch Spanien nimmt an dem Kriege teil. 1674 erfolgt die Kriegserklärung des Deutschen Reiches an Frankreich. Ludwig XIV. besetzt die Franche-Comté; Condé kämpft gegen den Prinzen von Oranien in der unentschiedenen Schlacht bei Seneffe (südlich von Brüssel), Turenne gegen den kaiserlichen General Bournonville bei Enzheim im Elsaß. Kurfürst Friedrich Wilhelm erscheint mit 20000 Mann im Elsaß, kann sich aber mit Bournonville nicht einigen über gemeinsames Vordringen; beide werden von Turenne zum Rückzug über den Rhein genötigt. Friedrich Wilhelm, durch den Einfall der mit Ludwig XIV. verbündeten Schweden in sein Land zurückgerufen, besiegt die Schweden in der
Schlacht bei Fehrbellin (Derfflinger). In demselben Jahre (Juli) fällt Turenne bei Sasbach in Baden. Die Franzosen gehen über den Rhein zurück, dringen aber bald wieder vor. Friedrich Wilhelm erobert bis 1679 Stettin und ganz Schwedisch-Pommern nebst Rügen, treibt die Schweden auch aus Preußen bis nach Livland zurück.
Friede zu Nimwegen: 1. Die Republik der Niederlande erhält ihr ganzes Gebiet zurück gegen das Versprechen der Neutralität. 2. Spanien tritt an Frankreich die Franche-Comté und abermals Grenzplätze seines niederländischen Gebiets ab (u. a. Valenciennes und Cambrai). 3. Der Kaiser tritt Freiburg an Frankreich ab, welches das Besatzungsrecht von Philippsburg (S. 260) aufgibt. 4. Lothringen wird dem Herzog Karl V. unter sehr beschränkenden Bedingungen zurückgegeben; da er diese nicht annimmt, bleibt es von den Franzosen besetzt. Den vom Kaiser und Reich preisgegebenen Kurfürsten von Brandenburg zwingt Ludwig XIV. zu dem
Frieden zu Saint Germain en Laye, in welchem dieser den Schweden fast alle seine Eroberungen in Pommern (Stettin, Stralsund, Rügen) herausgeben muß. Bald darauf Bündnis des gegen den Kaiser erbitterten Kurfürsten[49]
mit Frankreich, bis 1685.
Infolge der Schwäche des Deutschen Reiches steigt der Übermut Ludwigs XIV. so weit, daß er 1680 Reunionskammern in Metz, Breisach, Besançon, Tournay einsetzt. Diese französischen Gerichtshöfe untersuchen und entscheiden, was jemals zu den in den letzten vier Friedensschlüssen an Frankreich abgetretenen Ländern und Plätzen gehört hat. Der König vollstreckt mit seinen Truppen die Reunionsbeschlüsse, indem er zu der Gewalttat mitten im Frieden den Hohn einer Rechtsform fügt.
Die Franzosen besetzen Straßburg im Einverständnis mit dem Bischof Franz Egon von Fürstenberg. Einfall in die spanischen Niederlande 1683. Besetzung von Luxemburg und Trier 1684. Diesen Rechtsverletzungen tritt das Deutsche Reich nur mit leeren Protesten entgegen; schließlich wird 1684 zu Regensburg ein zwanzigjähriger Waffenstillstand mit Ludwig XIV. abgeschlossen, wonach er alle bis zum 1. August 1681 besetzten Gebiete, dazu auch Straßburg behält.
Eine französische Flotte bombardiert Genua, um es für seine Verbindung mit Spanien zu strafen.
Aufhebung des Edikts von Nantes (s. S. 238). Die Ausübung des reformierten Bekenntnisses in Frankreich wird untersagt, die Erziehung der Kinder in der katholischen Religion befohlen, die Auswanderung verboten. Über 50000 Familien entkommen indes nach Holland, England, Brandenburg. Die Protestanten im Elsaß behalten die ihnen zugesicherte Religionsfreiheit.
Raubkrieg gegen Deutschland (Pfälzischer Krieg). Nach dem Tode des Kurfürsten Karl von der Pfalz (1685), dessen Schwester Elisabeth Charlotte (Liselotte) mit dem Herzog Philipp von Orléans, Bruder Ludwigs XIV., vermählt war, erhebt Frankreich gegenüber der Linie Pfalz-Neuburg Ansprüche auf einen großen Teil des Landes. Im Erzbistum Köln will Ludwig XIV. die Wahl des Straßburger Bischofs Wilhelm von Fürstenberg gegen den Prinzen Clemens von Bayern durchsetzen. Bündnis zu Augsburg 1686 gegen Frankreich zwischen dem Kaiser, Spanien, Schweden und den bedeutendsten Reichsfürsten, nach der in England 1688 erfolgten Thronveränderung (S. 271) zu der Großen Allianz erweitert, der England, Holland und Savoyen beitreten.
Die französischen Heere rücken in die Rheinlande ein (Sept. 1688). Furchtbare Verheerung der Pfalz durch Mélac auf Befehl von Louvois (März-Juni 1689); die Städte Heidelberg, Mannheim, Speier, Worms und Hunderte von kleineren Orten verbrannt. Das deutsche Reichsheer erobert Mainz und Bonn, kann aber am Oberrhein die Franzosen nicht vertreiben; der Markgraf Ludwig von Baden erobert Heidelberg wieder, hält sich dann aber meist allzu vorsichtig hinter seiner festen Verteidigungsstellung bei Heilbronn.
In den Niederlanden siegt der Marschall von Luxembourg bei Fleurus 1690, Steenkerken 1692, Neerwinden 1693, doch behauptet Wilhelm III. durch zähe Ausdauer das Feld. Eine französische Landung in Irland zu Gunsten des vertriebenen Jakob II. hat nur vorübergehenden Erfolg (s. S. 272).
Seesieg der verbündeten englischen und holländischen Flotte über die französische bei La Hougue (Ostseite der Halbinsel Cotentin).
Friede zu Ryswyk (spr. Reisweik, Dorf beim Haag): 1. Frankreich behält die im Elsaß besetzten Gebiete, gibt aber Freiburg zurück (S. 263); die pfälzische Erbschaftssache wird einem Schiedsgericht übergeben. 2. Der Herzog von Lothringen wird vollständig wieder eingesetzt (S. 263). 3. Spanien erhält Luxemburg zurück, tritt aber einige Grenzgebiete seiner Niederlande ab. 4. Wilhelm III. wird als König von England anerkannt.
Blüte der französischen Literatur im Zeitalter Ludwigs XIV. Corneille († 1684), Racine († 1699), Molière († 1673), La Fontaine († 1695), Boileau († 1711), Bossuet († 1704), Fléchier († 1710), Fénelon († 1715).
Ludwigs Hofleben in Versailles, Marly, Trianon das Vorbild der europäischen Höfe. Bauten, Luxus, Maitressen (La Vallière, Montespan, Fontange). Nach dem Tode seiner Gemahlin Maria Theresia von Spanien († 1683) vermählt sich Ludwig insgeheim mit Françoise d’ Aubigné, Witwe des Dichters Scarron, die er zur Marquise von Maintenon erhebt. Seitdem Frömmelei am Hofe. Die Finanzen geraten nach Colberts Tode (1683) in Unordnung, zunehmende Willkürherrschaft im Innern. Beginn des wirtschaftlichen Niedergangs.
Leopold I. (Sohn Ferdinands III.), mehr auf die Mehrung der habsburgischen Hausmacht bedacht, als auf die Wiederaufrichtung des geschwächten Deutschen Reiches. Unter den Reichsfürsten ragt Friedrich Wilhelm, der Große Kurfürst von Brandenburg (1640–1688) hervor als Verteidiger der Selbständigkeit Deutschlands, während andere, namentlich die drei geistlichen Kurfürsten zu gegenseitigem Schutze mit Frankreich 1658 den Rheinbund schließen (aufgelöst 1667).
Seit 1663 dauernder Reichstag zu Regensburg, von den Gesandten der 8 Kurfürsten, der 33 geistlichen, der 61 weltlichen Fürsten (dazu 2 Kurien der Prälaten, 4 Kurien der Reichsgrafen) und der 51 Reichsstädte gebildet. Für Religionssachen getrennte Beratung, Corpus Catholicorum und Corpus Evangelicorum. Neben dem Reichskammergericht in Wetzlar (S. 224) gilt auch der Reichshofrat zu Wien als oberstes Gericht. Kriegswesen und Finanzen in schlechtem Zustande, weil alles von der Bewilligung der so zahlreichen Reichsstände abhängt. Doch kämpfen die Reichstruppen tapfer mit in den von Österreich mit Nachdruck geführten Türkenkriegen.
Sieg des kaiserlichen Feldherrn Montecuccoli über die Türken bei St. Gotthard an der Raab. Darauf Friedensschluß; die größere Hälfte von Ungarn bleibt unter türkischer Hoheit (vgl. S. 232). Eine Verschwörung ungarischer Magnaten gegen die habsburgische Herrschaft wird 1670 entdeckt und bestraft; Aufstand unter Führung des Grafen Tököly 1678; dieser ruft die Türken zu Hilfe.
Belagerung Wiens durch die Türken. Heldenmütige Verteidigung, geleitet durch Rüdiger von Starhemberg. Glücklicher Entsatz durch die Schlacht am Kahlen Berge; Sieg des vereinigten deutschen und polnischen Heeres unter Karl V. von Lothringen und dem Polenkönig Johann Sobieski. 1684 Beitritt Venedigs zum Kriegsbündnis gegen die Türkei.
Ofen erobert von kaiserlichen und brandenburgischen Truppen. Sieg Karls von Lothringen bei Mohacz.
Der Reichstag zu Preßburg überträgt dem österreichischen Mannesstamm die erbliche Thronfolge in Ungarn.
Sieg des Markgrafen Ludwig von Baden bei Slankamen unweit Peterwardein, des Prinzen Eugen von Savoyen bei Zenta an der Theiß 1697.
Friede zu Karlowitz: Ungarn und Siebenbürgen kommen an Österreich, türkisch bleibt nur das Gebiet von Temesvar. Morea kommt an Venedig, Asow an Rußland.
Standeserhöhungen deutscher Fürsten am Ende des 17. und am Anfang des 18. Jahrhunderts:
1. Herzog Ernst August von Braunschweig-Lüneburg (Haus der Welfen, s. S. 184) erhält als Kurfürst von Hannover die neunte Kurwürde.
2. Friedrich August I., Kurfürst von Sachsen, wird nach dem Tode Johann Sobieskis zum König von Polen erwählt als August II. (der Starke).
3. Kurfürst Friedrich III. von Brandenburg (1688 bis 1713), Sohn des Großen Kurfürsten, nimmt
mit Zustimmung des Kaisers (S. 272) den Titel König in Preußen (Friedrich I.) an und krönt sich in Königsberg.
Wiederherstellung des Geisteslebens in Deutschland nach der Zerrüttung des Dreißigjährigen Krieges:
Paul Gerhard († 1676), Ph. J. Spener († 1705), A.H. Franke (gründet 1698 das Waisenhaus in Halle). Der Philosoph, Mathematiker und Geschichtsforscher G.W. Leibniz (geb. 1646 zu Leipzig, 1676 in Hannover, 1700 in Berlin, † 1716 in Hannover). Chr. Thomasius in Halle († 1728) hält zuerst deutsche Vorlesungen, bekämpft die Hexenprozesse und die Anwendung der Folter.
Schweden, durch den Besitz bedeutender Nebenländer (S. 256, 260) fast rund um die Ostsee ausgedehnt, ist seit dem Dreißigjährigen Kriege die erste Macht des Nordens.
Haus Pfalz-Zweibrücken (s. S. 250).
Schwedisch-Polnischer Krieg.
Karl X. Gustav (1654–1660) beginnt Krieg mit Polen, weil Johann Kasimir (aus der katholischen Linie des Hauses Wasa) ihn ebenso wenig anerkennen will, wie früher Sigismund III. Gustav Adolf (S. 250). Er dringt von Pommern her in Polen ein, nimmt Warschau und Krakau; Johann Kasimir flüchtet nach Schlesien. Kurfürst Friedrich Wilhelm von Brandenburg sieht sich genötigt, im Vertrage zu Königsberg 1656 sein Herzogtum Preußen von Schweden, wie bisher von Polen (S. 229), zu Lehen zu nehmen; dazu erhält er das Bistum Ermeland. In Polen Aufstand gegen die Schweden. Karl Gustav und Friedrich Wilhelm gewinnen die dreitägige
Schlacht bei Warschau gegen die Polen.
Um sich die weitere Hilfe des Kurfürsten von Brandenburg zu sichern, gesteht Karl Gustav diesem in dem Vertrage zu Labiau die Souveränität (lehnsfreie Herrschaft) über Ostpreußen und Ermeland zu. Allein es erklären sich gegen Schweden: Rußland, Dänemark, der Kaiser Leopold I. und bald auch der Kurfürst von Brandenburg, dem Polen im Vertrage zu Wehlau 1657 ebenfalls die Souveränität über Ostpreußen (ohne Ermeland) zusichert. Die Schweden werden bald aus Polen zurückgedrängt, nur Polnisch-Preußen bleibt von ihnen besetzt. Karl Gustav greift Dänemark an und erzwingt durch schnelles Vordringen (Übergang über die gefrorenen Belte, Januar 1658) den
Frieden zu Roeskild: Dänemark tritt den südlichen Teil der skandinavischen Halbinsel (Schonen, Halland, Blekingen), das Stift Dronthjem und die Insel Bornholm an Schweden ab.
Noch in demselben Jahre zweiter Angriff Karl Gustavs, aber die belagerte Hauptstadt Kopenhagen verteidigt sich tapfer. Eine holländische Flotte (die Holländer Handelsrivalen der Schweden) kommt zu Hilfe; kaiserliche, polnische und brandenburgische Truppen vertreiben die Schweden aus Holstein und Schleswig. Die Brandenburger besetzen unter Führung des Kurfürsten die Insel Alsen. Karl X. hebt die Belagerung von Kopenhagen auf, stirbt bald darauf zu Gotenburg. Ihm folgt sein minderjähriger Sohn Karl XI. (1660–1697).
Friede zu Olīva (Kloster bei Danzig).
Johann Kasimir entsagt allen Ansprüchen auf den schwedischen Thron, sowie auf Livland und Estland; der Herzog von Kurland wird als polnischer Vasall wieder eingesetzt. Die Souveränität Preußens wird von Schweden und Polen bestätigt.
Gleich darauf Friede zu Kopenhagen mit Dänemark; der Roeskilder Frieden bestätigt, aber Dronthjem und Bornholm an Dänemark zurückgegeben.
In Dänemark wird gleich nach dem Frieden von dem der Adelsherrschaft überdrüssigen dritten Stande (Bürger) und der Geistlichkeit dem Könige Friedrich III. (1648–1670) eine ganz unumschränkte Gewalt übertragen. Im Anschluß daran erklärt das Königsgesetz 1665 Dänemark für ein Erbreich in männlicher und weiblicher Linie; es gilt aber nicht für die Herzogtümer Schleswig-Holstein, welche auch ihren eigenen Landtag behalten. Das Herzogtum Oldenburg 1667 nach dem Aussterben der dort regierenden Linie (S. 216) mit Dänemark vereinigt.
Auch in Schweden übertragen die Stände, der übermäßigen Gewalt des Reichsrats müde, 1682 dem großjährig gewordenen Könige Karl XI. eine fast unumschränkte Gewalt.
In Polen dagegen ist seit der Einführung der Wahlmonarchie 1572 (S. 250) die königliche Macht zum Schatten herabgesunken, der Staat ist tatsächlich eine Adelsrepublik. Der aus dem Senat (Bischöfe, Woiwoden, Kastellane) und den gewählten Landboten (Abgeordnete des Adels) bestehende Reichstag übt alle Gewalt aus. Das liberum veto, d. h. das Recht jedes einzelnen Mitgliedes, einen Reichstagsbeschluß durch seinen Einspruch ungültig zu machen, führt zu Bestechung, Gewalttat und schließlich fast zur Anarchie; nur selten kommt ein Beschluß zustande.
Nach Johann Kasimirs, des letzten der 3 katholischen Wasas Abdankung blutige Thronstreitigkeiten; dann regiert Johann Sobieski 1674–1696, der den kriegerischen Adel durch Feldzüge gegen die Türken (vgl. S. 266) an sich fesselt. Ihm folgt August II. von Sachsen 1697–1733; Friede mit den Türken zu Karlowitz.
Rußland unter dem Hause Romānow (1613–1762) wachsend an Macht und Ansehen. Michael Romānow (1613 bis 1645) kämpft zwar unglücklich gegen Polen, ordnet aber die innere Verwaltung. Sein Sohn Alexei (1645–1676) gewinnt die Länder am Dnjepr (Smolensk und Kiew) von Polen zurück, unterwirft Sibirien bis zum äußersten Osten und das Amurland (S. 250) und fängt an, europäische Kultur in Rußland zu verbreiten. Nach dem Tode seines ältesten Sohnes Feodor (1682) werden von den Strelitzen, der adligen Leibwache des Zaren, dessen beide Brüder Iwan und Peter unter Vormundschaft ihrer älteren Schwester Sophia zu Zaren ausgerufen. Peter in Preobraschensk (bei Moskau) mit militärischen Übungen beschäftigt; aus seinen Spielgefährten (Poteschnie) wird später die Garde des Heeres gebildet. Sophia, die ihn vom Thron ausschließen will, wird 1689 in ein Kloster geschickt.
Peter der Große, regiert als Alleinherrscher, da der geistesschwache Bruder Iwan bis zu seinem Tode (1696) ohne jede Macht bleibt. Er ist der Gründer des russischen Staates.
Peter beginnt seine Reformen mit Hilfe des Schotten Gordon und des Genfers Lefort. Asow erobert 1696 (S. 266). Grausame Bestrafung eines Aufruhrs der Strelitzen. Darauf Reise des Zaren durch Deutschland über Königsberg und Berlin nach Holland, wo er in Zaandam als Schiffszimmermann arbeitet, dann nach England. Anwerbung ausländischer Handwerker, Künstler, Offiziere. Fortsetzung der Reise über Dresden nach Wien; im Begriff nach Venedig abzureisen, wird der Zar durch die Nachricht von einem abermaligen Aufruhr der Strelitzen zurückgerufen. Blutiges Strafgericht; das ganze Korps wird aufgelöst, das Heer nach europäischer Weise gebildet.
Nach Leforts Tode 1699 Menschikow Günstling und Minister des Zaren, bemüht um weitere Einführung der westeuropäischen Kultur in Rußland, doch auch habsüchtig und bestechlich. Peters Entschluß zu dem Kriege gegen Schweden (S. 274) wird entscheidend für Rußlands weiteren Aufschwung.
England Republik (Commonwealth).
Cromwell (s. S. 249) unterwirft nach blutigem Kampfe die über die Hinrichtung des zum Katholizismus hinneigenden Königs Karl erbitterten Iren, dann durch die Siege bei Dunbar (1650) und bei Worcester (spr. u_͡__ustĕr, 1651) das aufständische Schottland (S. 249), von wo er des hingerichteten Königs Sohn, Karl II., vertreibt. In England löst Cromwell das Rumpf-Parlament und das von ihm selbst berufene, aus eifrigen Independenten bestehende Barebone-Parlament auf. Durch das Heer wird
Cromwell Lord-Protektor der drei Reiche (England, Schottland, Irland). Seine Regierung hält die Ordnung im Innern aufrecht und macht England zur ersten protestantischen Macht in Europa.
Navigationsakte, welche den Fremden auf ihren eigenen Schiffen nur die Einfuhr eigener Erzeugnisse erlaubt und namentlich den holländischen Zwischenhandel schwer trifft, da die Erzeugnisse der englischen Kolonien nur auf englischen Schiffen nach England gebracht werden dürfen. Daher Krieg mit Holland (1652–1654), aus welchem die Engländer als Sieger hervorgehen. England seitdem die erste Seemacht; Holland tritt mehr zurück (S. 244). Im Kriege mit Spanien (1655–1658) Eroberung Jamaikas und Einnahme von Dünkirchen.
Nach Oliver Cromwells Tode folgt ihm als Protektor sein ihm unähnlicher Sohn Richard Cromwell, der schon nach 8 Monaten abdankt. Zwistigkeiten unter den Befehlshabern des Heeres führen zur
Herstellung des Königtums. General Monk versammelt ein neues Parlament (Oberhaus und Unterhaus, S. 249), welches auf den Thron ruft Karls I. Sohn, den gewissenlosen, verschwenderischen und ausschweifenden
Karl II. Herstellung der Episkopalkirche; von der Amnestie werden diejenigen ausgenommen, welche Karl I. zum Tode verurteilt hatten. Cromwells Leiche an den Galgen gehängt. 1662 Dünkirchen an Frankreich verkauft; 1664–1667 abermaliger Seekrieg mit Holland; 1664 New-York (1612 von den Holländern als Neu-Amsterdam gegründet) von den Engländern besetzt. 1666 Pest und große Feuersbrunst in London. 1667 dringt Admiral Ruyter (1607–1676) in die Themse ein.
Der Minister Clarendon 1667 verbannt; das Cabal-Ministerium (Clifford, Arlington, Buckingham, Ashley, Lauderdale) bewegt den König, für französische Jahrgelder aufs neue Krieg gegen Holland (1672–74, s. S. 262) zu führen und zu Gunsten der Katholiken die Indulgenzerklärung zu erlassen. Allgemeine Entrüstung; das Parlament setzt 1673 die Testakte durch, welche jeden Engländer, der ein Amt bekleiden will, zur Anerkennung der Oberhoheit des Königs über die englische Kirche und zu einer Erklärung gegen die katholische Abendmahlslehre zwingt. Der katholische Bruder des Königs, Jakob, Herzog von York, legt sein Amt als Großadmiral nieder. 1674 das Cabal-Ministerium gestürzt, Friede mit Holland.
Neue Streitigkeiten mit dem Parlament, in welchem sich das Verlangen erhebt, den Herzog von York als »Papisten« von der Thronfolge auszuschließen. Unter dem Ministerium Shaftesbury wird 1679 die Habeascorpusakte (Schutz gegen willkürliche Verhaftung) durchgesetzt.
Entstehung der Parteinamen Whigs (Liberale) und Tories (Konservative), ursprünglich Spottnamen, der erstere ein schottischer für Anhänger des Covenants (S. 248), der zweite ein irischer für Anhänger des Papismus.
Die Ausschließungsbill wird im Unterhause von den Whigs durchgesetzt, im Oberhause verworfen. Die Entdeckung einer Verschwörung gegen den König hat strenge Maßregeln gegen die Whigs zur Folge; Lord Will. Russell und Algernon Sidney hingerichtet, der Herzog von Monmouth (natürlicher Sohn des Königs) flüchtet nach Holland. Karl II. stirbt 1685, nachdem er auf dem Totenbette Katholik geworden ist.
Jakob II., Bruder Karls II., bei der überlieferten Politik seines Hauses verharrend, sucht die unumschränkte Königsgewalt und den Katholizismus in England wieder herzustellen. Monmouth landet in England, wird bei Sedgemoor geschlagen, gefangen und hingerichtet (1685). Blutige Assisen (Gerichtssitzungen), geleitet von dem grausamen und habsüchtigen Oberrichter Jeffreys.
Anstellung von Katholiken unter Erlassung des durch die Testakte verlangten Eides. Dann Aufhebung der Testakte; Religionsfreiheit verkündet. Sieben anglikanische Bischöfe weigern sich, die Indulgenzerklärung zu verkündigen. Prozeß und Freisprechung der Bischöfe. Durch die Geburt eines katholischen Prinzen von Wales (von Jakobs zweiter Gemahlin Maria d’Este, Prinzessin von Modena) wird die Aussicht auf protestantische Thronfolge vereitelt; die beiden Töchter Jakobs aus erster Ehe, Maria und Anna, waren protestantisch. Whigs und Tories wenden sich an Wilhelm von Oranien, Gemahl der Maria, und durch seine Mutter Enkel Karls I. (vgl. die Stammtafel S. 299).
Landung Wilhelms, der von Friedrich III. von Brandenburg und andern norddeutschen Fürsten unterstützt wird, in Torbay; das Heer und die ganze Nation fallen ihm zu, Jakob entflieht nach Frankreich.
Wilhelm III. (und Maria bis 1694), durch Parlamentsakte auf den Thron erhoben. Personalunion zwischen England und Holland. Die Regierung führt Wilhelm III. allein. Das Gesetz der Rechte (Bill of rights 1689) sichert die verfassungsmäßigen Freiheiten der Nation.
Aufstand der katholischen Iren für Jakob, der daselbst landet und fast ein Jahr herrscht. Wilhelm schlägt ihn 1690 am Boynefluß. Teilnahme am Kriege gegen Ludwig XIV., s. S. 264; Englands Seemacht gesichert. 1701 Ordnung der Thronfolge: die katholischen Stuarts ausgeschlossen, erbberechtigt ist das protestantische Haus Hannover (S. 299).
Aufschwung der Literatur und Wissenschaft: Die Dichter Milton († 1674) und Dryden († 1700); der Theosoph Bunyan († 1688); die Philosophen Hobbes († 1679) und Locke († 1704), der Naturforscher Newton († 1722).
Kaiser Leopold I. hatte außer seiner Tochter Maria Antonie zwei Söhne aus dritter Ehe, Joseph I. (Kaiser 1705–1711) und Karl VI. (Kaiser 1711–1740). Er nimmt als Vertreter der deutschen Linie des Hauses Habsburg das spanische Erbe für den zweiten Sohn in Anspruch. Ludwig XIV. dagegen fordert es für seinen zweiten Enkel Philipp von Anjou. Wilhelm III. an der Spitze der Seemächte (England und Holland) schließt mit Ludwig XIV. 1698 einen Teilungsvertrag: Haupterbe soll der Kurprinz Joseph Ferdinand von Bayern sein, Frankreich und Österreich die Nebenländer erhalten. Dagegen setzt Karl II. den Kurprinzen durch Testament zum Erben der gesamten Monarchie ein. Nach dessen plötzlichem Tode 1699 neue Unterhandlungen; endlich unterzeichnet Karl II. ein Testament, welches Philipp von Anjou zum Erben einsetzt. Große Allianz der Seemächte (1701) mit Kaiser Leopold, zunächst um dem Hause Österreich die spanischen Besitzungen in den Niederlanden und in Italien zu verschaffen. Auf Frankreichs Seite stehen die Herzöge von Savoyen und Mantua, die Kurfürsten von Bayern und Köln (zwei Brüder); die übrigen deutschen Reichsstände und Preußen (Friedrich III. von Brandenburg durch den »Krontraktat« die Annahme der Königswürde gestattet) sind mit dem Kaiser verbündet. Portugal tritt der großen Allianz bei, endlich auch Savoyen (1703).
Vier Kriegsschauplätze: Spanien, Italien, Niederlande, Deutschland.
Philipp von Anjou wird in Spanien als König Philipp V. anerkannt. Seine Hauptstütze ist Kastilien.