1567.

Herzog Alba mit einem spanischen Heere über Genua, Savoyen, Burgund nach den Niederlanden gesandt. Wilhelm von Oranien entflieht nach Nassau. Tausende von Niederländern verlassen ihr Vaterland. Alba übernimmt die Regierung; der von ihm in Brüssel eingesetzte Gerichtshof arbeitet entsetzlich, vom Volk als »Blutrat« bezeichnet.

1568.

Hinrichtung der Grafen Egmont und Hoorn.

Wilhelm von Oranien macht mit Flüchtlingen und deutschen Söldnern, die er in Nassau um sich gesammelt hat, einen Einfall in die Niederlande, wird aber von Alba zurückgeschlagen.

Die willkürlichen, von Alba auferlegten Steuern (der 10te Pfennig von jeder verkauften Ware, der 100ste vom Vermögen) erregen einen neuen Aufstand. Einnahme von Briel (an der Maasmündung) durch die Wassergeusen 1572. Schnelle Ausbreitung des Aufstandes, besonders in den nördlichen Provinzen, wo Wilhelm von Oranien nach seiner Rückkehr aus Deutschland an die Spitze tritt. Herzog Alba wird auf seinen eigenen Antrag 1573 zurückberufen.

Sein Nachfolger Luis de Requesens siegt zwar 1574 auf der Mooker Heide, wo zwei Brüder des Prinzen von Oranien fallen, belagert aber Leyden vergeblich (Durchstechung der Deiche, Gründung der Universität) und kann des Aufstandes nicht Herr werden († 1576). Plünderungen der Städte Antwerpen, Mastricht, Gent u. a. durch die königlichen Truppen führen die

1576.

Pazifikation von Gent herbei, einen Vertrag aller Provinzen, durch welchen sie sich, ungeachtet der religiösen und nationalen Unterschiede, vereinigen, um die spanischen Soldaten aus dem Lande zu treiben.

Der neue Statthalter Don Juan d’Austria, Philipps II. Halbbruder, wird von den meisten Provinzen nicht anerkannt, doch entsteht unter ihnen bald Uneinigkeit. Ihm folgt Alexander Farnese von Parma, Margaretes Sohn (1578–1592), ein staatskluger Fürst und trefflicher Feldherr. Dieser unterwirft unter dem Versprechen der Herstellung ihrer alten politischen Freiheiten die südlichen, katholischen Provinzen (Belgien). Die sieben nördlichen, überwiegend calvinischen (Holland, Seeland, Utrecht, Geldern, Overyssel, Groningen, Friesland) schließen

1579.

die Utrechter Union, sagen sich 1581 gänzlich von Spanien los und übertragen die Leitung Wilhelm von Oranien. Nach dessen Ermordung zu Delft 1584 durch den Fanatiker Balthasar Gerard tritt sein Sohn, der 17jährige Moritz von Oranien, an die Spitze. Kriegsglück Alexanders von Parma, Einnahme von Antwerpen 1585. Die den Holländern geleistete englische Hilfe (Leicester Statthalter) bestimmt Philipp zur Ausrüstung der Armāda, welche, angeführt vom Herzog Medina Sidonia, furchtbaren Stürmen und der Tapferkeit der Engländer erliegt (1588). Seitdem Niedergang der spanischen Seeherrschaft. Moritz erobert Breda 1590, dann Nimwegen und Groningen, die Spanier erobern 1604 nach dreijähriger Belagerung Ostende. Endlich wird unter König

1598–1621.

Philipp III.

1609.

ein zwölfjähriger Waffenstillstand geschlossen. Unter dem schwachen, von Günstlingen beherrschten Könige sinkt Spaniens Macht und Wohlstand weiter, namentlich auch infolge der Austreibung von 500000 Moriskos. Nach Ablauf des Waffenstillstandes mit den Niederländern wird der Kampf wieder aufgenommen, bis unter König

1621–1665.

Philipp IV. die Republik der Niederlande im Westfälischen Frieden 1648 (s. S. 260) die Anerkennung ihrer Unabhängigkeit von seiten Spaniens und des Deutschen Reiches erlangt.

In dem aufblühenden neuen Staate fehlt es nicht an inneren Parteiungen; der oranischen Partei steht die Generalstaaten-Partei gegenüber, den strengen Calvinisten (Gomarianern) die gemäßigten (Arminianer). Die Synode zu Dordrecht verurteilt 1619 den verdienten Staatsmann Olden Barneveld, welcher Moritz von Oranien entgegengetreten war, zum Tode; Hugo Grotius, zur Haft verurteilt, flieht 1621 nach Frankreich (sein Buch de iure belli ac pacis Grundlage des Völkerrechts, 1635 schwedischer Gesandter in Paris, † 1645). Die Statthalterwürde wird 1650 aufgehoben, 1672 wiederhergestellt.

    Wilhelm I. von Nassau-Oranien,
                †1584.
   _______________|_____________
  |                             |
Moritz,                Friedrich Heinrich,
†1625.                      †1647.
                    ____________|___________
                   |                        |
               Wilhelm II.,       Luise Henriette, †1667.
                 †1650.           Gem. Friedrich Wilhelm
                   |                   v. Brandenburg.
                   |                        |
               Wilhelm III.,           Friedrich I.
                 †1702.               von Preußen.

Aufschwung der niederländischen Seemacht: Ostindische Kompagnie 1602 gegründet, Neu-Amsterdam (New York, S. 270) 1612, Batavia auf Java 1619, Kapstadt 1651, Ceylon besetzt 1656, 1634–54 auch Brasilien. Tasman umfährt Australien (Neu-Holland) 1642.

Blüte der Wissenschaften auf der Universität Leyden (gegr. 1575). Der Philosoph Baruch Spinoza geb. zu Amsterdam 1632, † 1677.

Blüte der Malerei (Rembrandt † 1669, Ruysdael † 1682, Hobbema † 1709), der Dichtkunst (Vondel † 1679) und Musik (Roland de Lattre [Orlandus Lassus] † 1594 in München).

In den spanischen Niederlanden die Maler Rubens, geb. in Siegen 1577, † in Antwerpen 1640; van Dyk † 1641; Teniers der Ältere † 1649, Teniers der Jüngere † 1690; Snyders † 1657.

Auch in Spanien Blüte der Literatur (Cervantes † 1616, Lope de Vega † 1635, Calderon † 1681) und Malerei (Velasquez † 1660, Murillo † 1682), aber das Volk verarmt und unwissend; Gewerbfleiß, Handel und Seemacht im Niedergang begriffen.

Portugal im Besitz ansehnlicher Kolonien, blühend unter Emanuel dem Großen (1495–1521). Sein Urenkel Sebastian fällt 1578 in der unglücklichen Schlacht bei Alkassar in Marokko. Philipp II. von Spanien erhebt Erbansprüche als Sohn einer Tochter Emanuels, nimmt 1580 das Land in Besitz. Als spanische Provinz (1580–1640) verliert Portugal einen großen Teil seiner Kolonien (Molukken, Sunda-Inseln, Ceylon) an die Niederländer. 1640 Erhebung gegen die spanische Herrschaft; eine fast unblutige Revolution erhebt das Haus Braganza (König Johann IV.) auf den Thron, das ihn bis 1910 behauptet.

§ 6. England und Schottland.

1485–1603.

Haus Tudor (s. s. 213).

1485–1509.

Heinrich VII. erhöht das Ansehen der Krone, indem er dem Adel verbietet, bewaffnetes Gefolge zu halten (Gerichtshof der Sternkammer gegen Aufruhrversuche) und die Finanzen ordnet. Er versucht ganz Irland zu unterwerfen (S. 192). Seine Tochter Margarete vermählt mit Jakob IV., König von Schottland (aus dem Hause Stuart, s. S. 212).

1509–1547.

Heinrich VIII., grausam und tyrannisch. Er ist sechsmal vermählt, nämlich mit: 1. Katharina von Aragon, Schwester der »wahnsinnigen« Johanna (S. 225), Witwe seines Bruders Arthur, Mutter von Maria der Katholischen (geschieden). 2. Anna Boleyn, Mutter der Elisabeth (hingerichtet). 3. Johanna Seymour († nach der Geburt ihres Sohnes Eduard VI.). 4. Anna von Cleve (geschieden). 5. Katharina Howard (hingerichtet). 6. Katharina Parr (überlebt den König). Die verweigerte Scheidung von der ersten Gemahlin (Kardinal Wolsey, gestürzt 1529) wird für den anfangs streng katholischen König (Defensor fidei) Grund zur Trennung der englischen Kirche vom Papsttum (1531). Der König kirchliches Oberhaupt. Blutige Verfolgung aller den Suprematseid Verweigernden (der Kanzler Thomas More † 1535); Einziehung vieler Klöster, aber Beibehaltung katholischer Lehren (die 6 Artikel).

Stammtafel der Familien Tudor und Stuart (S. 213):

    Heinrich VII. †1509.
______________|_____________________________________
|                             |                    |
Heinrich VIII.              Margarete,           Maria,
†1547.                     Gem. Jakob IV.       Gem. Hz.
    |                        v. Schottland.       v. Suffolk
Maria d. Katholische            |                    |
†1558.                     Jakob V.                |
Elisabeth †1603.            v. Schottland        Franziska,
Eduard VI. †1553.           †1542.              Gem. Henry Gray.
                             Gem. Maria                   |
                             v. Guise.              Johanna Gray
                                 |                  †1554.
                         Maria (Stuart) †1587.
                         Gem. Darnley.
                                 |
                         Jakob VI. v. Schottland †1625.
1547–1553.

Eduard Vl., 10 Jahre alt. Die Regierung geleitet von dem Protektor Herzog von Somerset, dann von Graf Warwick, Herzog von Northumberland. Nun erst finden die Lehren der Reformation in England Eingang. Gründung der episkopalen Hochkirche (High Church). Book of common prayer und Glaubensbekenntnis in 42 Artikeln, verfaßt von Thomas Cranmer, Erzbischof von Canterbury.

1553–1558.

Maria die Katholische, »die Blutige«. Northumberlands Versuch, Johanna Gray, die Gemahlin seines Sohnes, auf den Thron zu setzen, mißlingt; alle drei werden hingerichtet. Maria vermählt sich mit Philipp II. von Spanien, dem aber keine Regierungsrechte zugestanden werden. Wiederherstellung der katholischen Religion. Grausame Verfolgung der Protestanten, Erzbischof Cranmer und viele andere verbrannt. Calais an Frankreich verloren (s. S. 236).

1558–1603.

Elisabeth. Wiederherstellung der anglikanischen Kirche (Episkopalkirche), protestantische Lehre mit Beibehaltung der katholischen Hierarchie und teilweise des Kultus. Glaubensbekenntnis die 39 Artikel. Zahlreiche Dissenters (Presbyterianer, Puritaner). Handel und Schiffahrt entwickeln sich, besonders seit der Vernichtung der Armada. Entdeckungsreisen (Franz Drake, zweite Erdumsegelung 1577 bis 1580, S. 223). Ansiedelungen in Nordamerika, Walther Raleigh gründet die Kolonie Virginia 1584. Ostindische Kompagnie 1600. Die Kaufleute der deutschen Hanse werden 1598 aus ihrem Hause in London, dem Stalhof, vertrieben, erhalten es jedoch später noch einmal zurück. — Unter Elisabeths Regierung lebt der große dramatische Dichter William Shakespeare (1564 bis 1616 und der Philosoph Franz Bacon von Verulam, 1561 bis 1626).

1587. 8. Febr.

Hinrichtung der Königin Maria Stuart.

Maria Stuart, Tochter Jakobs V. von Schottland und der Maria von Guise (S. 236), Urenkelin Heinrichs VII. von England, geb. 1542, zuerst vermählt mit Franz II. von Frankreich († 1560), nimmt nach dem Tode der Königin Maria der Katholischen den Titel Königin von England an. Nach dem Tode ihres Gemahls Franz übernimmt sie die Regierung in Schottland (1561). Streit mit den schottischen Calvinisten. (John Knox, in Genf mit Calvin befreundet, † 1572). Maria heiratet ihren Vetter Heinrich Darnley, der ihren Günstling Riccio ermorden läßt (1566) und dann unter Mitwissenschaft der Königin von Bothwell ermordet wird (1567). Maria heiratet gleich darauf in dritter Ehe den Mörder Bothwell. Aufstand der Schotten, Maria gefangen, ihr und Darnleys einjähriger Sohn Jakob als König anerkannt. Maria entflieht nach England (1568). Hier wird sie bis 1587 gefangen gehalten und zuletzt in Fotheringhay wegen Teilnahme an Verschwörungen gegen das Leben Elisabeths hingerichtet.

1588.

Krieg mit Spanien, Vernichtung der spanischen Armada (130 große Schiffe) durch Seegefechte im Kanal und durch Stürme an den Küsten von Schottland und Irland (S. 244). Eine englische Flotte (unter Graf Essex und Admiral Howard) erobert 1596 Cadiz und kehrt mit reicher Beute zurück. Graf Essex, Günstling der Königin, wird darauf nach Irland gesandt, um den Aufstand dort zu dämpfen, kehrt eigenmächtig zurück, wird wegen Empörung hingerichtet (1601). Die von Spanien unterstützten katholischen Iren 1601 besiegt. Irland damit endgültig unterworfen (S. 245, 192). Nach Elisabeths Tode folgt in England als Erbe des Hauses Tudor das in Schottland (S. 212) seit 1371 regierende

1603–1649 (1714).

Haus Stuart. Personal-Union zwischen England und Schottland.

1603–1625.

Jakob I. (als König von Schottland Jakob VI.), Sohn der Maria Stuart, in Schottland calvinisch erzogen, bekennt sich dann zur anglikanischen Kirche. Das Fehlschlagen der Hoffnungen, welche die Katholiken auf ihn als Sohn der Maria Stuart gesetzt hatten, bewirkt die sogenannte Pulververschwörung (1605). Doch wird der Plan, König und Parlament in die Luft zu sprengen, noch rechtzeitig vereitelt. Streitigkeiten mit dem Parlament wegen der schlechten Finanzwirtschaft des Königs und der geplanten Vermählung des Thronfolgers mit einer spanischen Infantin.

1625–1649.

Karl I., Gemahl der katholischen Henriette von Frankreich, strebt nach unumschränkter Gewalt des Königtums. Geldverlegenheiten nötigen ihn zur Erhöhung des »Tonnen- und Pfundgeldes«, einer Steuer für ein- und ausgeführte Waren, und dann nach vergeblicher Auflösung von zwei Parlamenten zur Bewilligung der Bitte um Recht (Petition of Right 1628) gegen willkürliche Besteuerung und Verhaftung englischer Bürger. Karls Günstling, der Herzog von Buckingham, wird ermordet, als er in Portsmouth den Befehl über die zum Entsatz von La Rochelle (s. S. 239) bestimmte Flotte übernehmen will.

Nach Auflösung des dritten Parlaments (1629) regiert Karl 11 Jahre lang willkürlich ohne Parlament. Seine Ratgeber Lord Strafford, früher Mitglied der Oppositionspartei im Unterhause, und Erzbischof Laud. Willkürliche Erhebung des »Schiffsgeldes«, einer Geldabfindung der Seestädte für die Stellung von Schiffen zum Küstenschutz; John Hampden verweigert die Zahlung dieser Abgabe, wird gerichtlich dazu verurteilt. Dieser Prozeß ruft große Aufregung hervor. Auswanderung bedrückter Puritaner (John Milton ihr Dichter † 1674) nach den amerikanischen Kolonien, Boston gegründet 1630.

1637.

Der unkluge Versuch, die Liturgie und Verfassung der englischen Episkopalkirche in Schottland einzuführen, bewirkt offenen Aufruhr und einen förmlichen Bund der Schotten (Covenant) zum Schutze der religiösen und politischen Rechte und Freiheiten ihres Landes. Um Geld zum Kriege gegen die Schotten zu erlangen, beruft der König (April 1640) ein Parlament. Dieses bewilligt nichts, sondern erneuert die alten Beschwerden. Ein kleines, durch freiwillige Spenden und Darlehen der königlich Gesinnten aufgebrachtes Heer marschiert gegen die Schotten, wird aber zurückgeschlagen.

1640. Nov.

Karl beruft von neuem ein Parlament. Dieses, das sogenannte Lange Parlament, wird bald mächtiger als der König. Der Minister Strafford, vom Unterhause vor dem Oberhause angeklagt, wird trotz seiner glänzenden Verteidigung verurteilt und hingerichtet. Erzbischof Laud verhaftet und später ebenfalls hingerichtet. Ein Aufstand der katholischen Irländer vermehrt den Unwillen des englischen Volkes. Der Versuch des Königs, 5 Häupter der Opposition persönlich im Parlament zu verhaften, bringt den Aufruhr in London zum Ausbruch (1642). Parteinamen der Kavaliere (Royalisten) und der Rundköpfe (Republikaner). Karl verläßt London und geht nach York.

1642–1649.

Bürgerkrieg in England; den Truppen des Königs tritt ein Parlamentsheer entgegen. Der König, anfangs siegreich, beruft das Parlament nach Oxford (1644), wo sich 83 Lords und 165 Mitglieder des Unterhauses einfinden. Dagegen Vereinigung der Schotten mit dem englischen Parlamentsheere. Die Königlichen werden bei Marstonmoor (der Reiterführer Cromwell) und 1645 bei Naseby geschlagen. Karl, in Oxford belagert, flieht zu den Schotten, die ihn an das englische Parlament ausliefern (Januar 1647).

Während des Bürgerkrieges wird die Episkopalkirche in England aufgehoben; gegen die Presbyterianer aber, die zum Vergleich mit dem Könige geneigt sind, erhebt sich die Partei der Independenten, an ihrer Spitze Oliver Cromwell. Sie erlangen das Übergewicht im Heere und bemächtigen sich auch des gefangenen Königs. Cromwell schlägt die jetzt zu Gunsten Karls in England einfallenden Schotten bei Preston und verjagt seine presbyterianischen Gegner aus dem Parlament (1648). Das nunmehrige Rumpfparlament (Rump-Parliament) setzt den König ab und läßt ihn durch einen Gerichtshof verurteilen.

1049.

30. Jan. Karl I. zu Whitehall in London hingerichtet.

Abschaffung des Oberhauses. England wird Republik, geleitet von dem Parlament und einem Staatsrat von 42 Mitgliedern.

§ 7. Der Norden und Osten.

Christian II. von Dänemark (1513–23) versucht Schweden zu unterwerfen (vgl. S. 216), aber das Stockholmer Blutbad (1520) führt die vollständige Auflösung der skandinavischen Union herbei. Aufstand der Talbewohner (Dalkarlar) unter Gustav Wasa (geb. 1496, als Geisel nach Dänemark geführt 1518, flüchtet 1519 nach Lübeck, kehrt 1520 insgeheim zurück). Er wird 1521 zum Reichsverweser, 1523 zum König erwählt, nimmt Stockholm ein mit Hilfe der hansischen, von Lübeck und Danzig gestellten Kriegsflotte.

1523–1654.

Haus Wasa in Schweden. Unter Gustav I. Wasa (1523–1560) Einführung der Reformation. Der Thron erblich; die Handelsprivilegien der deutschen Hanse werden bald beschränkt, schließlich aufgehoben (S. 201, 246).

1561.

Auflösung des deutschen Ordensstaates in Kurland, Livland und Estland (S. 217). Der größte Teil seines Gebiets kommt an Polen, Estland an Schweden; der letzte Landmeister Gotthard Kettler wird als Herzog von Kurland polnischer Vasall.

Gustav Wasas ältester, geisteskranker Sohn Erich XIV. wird 1568 entthront von seinem Bruder Johann III. Dessen Sohn Sigismund katholisch und seit 1587 König von Polen, wird in Schweden 1598 verdrängt von seinem Oheim Karl IX., dem jüngsten Sohne Gustavs I. Dieser ordnet die zerrüttete Verwaltung des Landes und behauptet gegen Polen den Besitz Estlands. Sein Sohn

1611–1632.

Gustav II. Adolf gewinnt im Kriege mit Rußland Karelien und Ingermanland (1617), im Kriege mit Polen (S. 256), Livland (1621), schließt 1629 unter Richelieus Vermittelung mit Polen Waffenstillstand, um den Krieg in Deutschland (S. 256) zu beginnen. Ihm folgt, zuerst unter Vormundschaft des Reichsrats, seine Tochter

1632–1654.

Christine, gelehrt, aber ohne Lust für die Regierungsgeschäfte. Sie dankt 1654 ab zu Gunsten ihres Vetters Karl Gustav von Pfalz-Zweibrücken (Sohn einer Schwester Gustav Adolfs), wird dann katholisch, stirbt in Rom 1689.

Dänemark und Norwegen bleiben bis 1815 vereinigt. Schon unter Christian II., Schwager Kaiser Karls V., dringt die Reformation in Dänemark ein. Christian von seinem Oheim, dem Herzog von Schleswig-Holstein, verdrängt, der als Friedrich I. (1523–1533) mit Hülfe Lübecks den dänischen Thron besteigt und die Reformation begünstigt.

1534–1536.

Die Grafenfehde: Jürgen Wullenwever, protestantischer Bürgermeister von Lübeck, unterstützt den Grafen Christoph von Oldenburg gegen Friedrichs I. Sohn Christian III. Dieser aber behauptet die Herrschaft in Dänemark (1534–1559) und führt die Reformation vollständig durch. Wullenwever vom Erzbischof von Bremen verhaftet, an den Herzog von Braunschweig ausgeliefert, 1537 in Wolfenbüttel hingerichtet.

1559–1588.

Friedrich II. beginnt seine Regierung mit der Unterwerfung der Dithmarschen (S. 216), führt

1563–1570

im Bunde mit Lübeck Krieg gegen Schweden, beschränkt die Privilegien der Hansa.

1588–1648.

Christian IV., nimmt am 30jährigen Kriege teil (s. S. 255). Im Frieden zu Brömsebro 1645 werden von ihm an Schweden die Provinzen Jämtland und Herjedalen, die Inseln Gotland und Ösel abgetreten, auch wird den schwedischen Schiffen Freiheit vom Sundzoll zugestanden.

Polen gewinnt unter den Jagellonen (1386–1572) seine größte Ausdehnung (Ostsee, Karpathen, Schwarzes Meer), doch schon in dieser Zeit entwickelt sich durch die Privilegien des zahlreichen Adels der Keim des Verfalls. Seit 1572 ist Polen Wahlreich. Einführung des liberum veto auf den Reichstagen. Wahlkönige: Heinrich von Anjou (s. S. 237), Stephan Bathŏry von Siebenbürgen, dann (1587–1668) 3 Könige aus dem Hause Wasa: Sigismund III. † 1632, Wladislaw IV. † 1648, Johann Kasimir (dankt ab 1668).

Rußland unter Iwan IV., dem Schrecklichen (1533 bis 1584) vergrößert durch Eroberung der Reiche Kasan und Astrachan; der Kosakenhetman Jermak beginnt 1581 die Eroberung Sibiriens. Nach dem Aussterben des Hauses Rurik mit Iwans IV. Sohn Feodor I. 1598 (Feodors jüngerer Bruder Demetrius war von Boris Godunow [Zar von 1598–1605] umgebracht worden) mehrjähriger Thronstreit; 1605–1606 regiert der von Polen unterstützte falsche Demetrius, dem dann noch zwei andere folgen. Ein Reichstag zu Moskau erhebt 1613 Michael Romanow auf den Thron, dessen Haus bis 1762 regiert.

Das Reich der osmanischen Türken erreicht seine höchste Blüte unter Soliman II. (1520–1566), dem Zeitgenossen Kaiser Karls V. (vgl. S. 230–232). Er stirbt in Ungarn bei der Belagerung der von Zriny tapfer verteidigten Feste Szigeth (1566). Unter seinen Nachfolgern beginnt der Verfall, namentlich infolge der Unbotmäßigkeit der Janitscharen.

In China kommt die Dynastie der Mandschu oder Tsing zur Regierung (1644 bis jetzt noch). Im 17. Jahrh. der größte Teil der Dsungarei, ganz Turkestan und Tibet erobert. Auch den Russen, Franzosen und Engländern (Kanton) Handelsverkehr gestattet (S. 223f.).

Japan wird nach Abschaffung des Shogunats (1573–1603) dem Mikado nach und nach wieder Untertan. Ende des mehr als 500jährigen Bürgerkrieges. Begünstigung des Christentums. Unglücklicher Eroberungskrieg gegen Korea 1598.

1603.

Das Shogunat wird vom Mikado der Familie Tokugawa erblich übertragen. Ihre Residenz Tokio. Seitdem 250jähriger Friede und hohe Kulturentwickelung. Seiden- und Baumwollenindustrie, Aufschwung der Porzellanfabrikation. Unter den Tokugawa (1603–1867) Abschließung Japans gegen das Ausland. Fernhaltung der Fremden. 1614 die fremden Priester für Landesfeinde erklärt und Ausrottung des Christentums befohlen; grausame Verfolgungen. Erst seit dem Niedergang der Tokugawa-Herrschaft Handelsbeziehungen mit Europa und Amerika angeknüpft und von 1854 an einzelne Häfen geöffnet.

§ 8. Deutschland, Dreißigjähriger Krieg.

1556–1564.

Ferdinand I., seit 1526 König von Böhmen und Ungarn; doch muß er die größere Hälfte Ungarns den Türken überlassen. Unter ihm und seinem Nachfolger Friedenszeit in Deutschland, aber die Ostseeprovinzen (S. 249) und die Niederlande (S. 242ff.) gehen dem Deutschtum verloren. Während die Protestanten sich durch theologische Streitigkeiten entzweien (Haß der strengen Lutheraner an der 1548 eröffneten Universität Jena gegen den »Kryptocalvinismus« Melanchthons), befestigt sich der Katholizismus durch das eifrige Wirken der Jesuiten (S. 231) und das Tridentinum (S. 232). Beginn der Gegenreformation in Österreich, Bayern und den geistlichen Fürstentümern.

1564–1576.

Maximilian II., mild und den Protestanten zugetan, denen er in seinen Erblanden freie Religionsübung gestattet. Doch wird Herzog Johann Friedrich von Sachsen-Gotha, der im Bunde mit dem gewalttätigen Reichsritter v. Grumbach die Länder seines Vaters (S. 232 f.) wiederzugewinnen trachtet, 1566 geächtet und bis an seinen Tod (1595) in Österreich gefangen gehalten (Grumbachsche Händel).

1576–1612.

Rudolf II., von den Jesuiten erzogen, gelehrt, aber unfähig zu regieren. Die Astronomen Tycho de Brahe (aus Schonen, † 1601) und Kepler (S. 227) an seinem Hofe in Prag.

Im Reiche nehmen Streitigkeiten überhand. Sonderung der Lutheraner von den Reformierten durch die Konkordienformel, 1580 zuerst in Sachsen verkündet, aber nicht von allen lutherischen Landeskirchen angenommen. Auf den Reichstagen Streit über den geistlichen Vorbehalt (S. 234). Der Kurfürst von Köln Gebhard Truchseß von Waldburg 1583 vertrieben, weil er zum Protestantismus übertritt. In Straßburg 1592 zwiespältige Bischofswahl; der von den Protestanten gewählte Administrator muß 1604 zurücktreten. Die Reichsstadt Donauwörth, vom Kaiser in die Acht erklärt, weil das Volk eine katholische Prozession gestört hatte, wird von Maximilian von Bayern, der die Acht vollstreckt (1607), besetzt und mit Bayern vereinigt. Deshalb

1608.

Gründung der protestantischen Union; Oberhaupt der reformierte Kurfürst Friedrich IV. von der Pfalz;

1609.

Katholische Liga, Oberhaupt Herzog Maximilian von Bayern. Beide Fürsten sind Wittelsbacher (S. 200, Anm. 2); Sachsen bleibt der Union fern.

1609–1014.

Jülich-Clevescher Erbfolgestreit. Johann Sigismund von Brandenburg und Wolfgang Wilhelm von Pfalz-Neuburg nehmen das Land als das Erbe ihrer Gemahlinnen nach dem Tode des letzten Herzogs Johann Wilhelm gemeinsam in Besitz und werden von der Union gegen den vom Kaiser gesandten Erzherzog Leopold Wilhelm geschützt. Später entzweien sie sich, Wolfgang Wilhelm wird katholisch und ruft die Hilfe der Liga und Spaniens an. Johann Sigismund tritt zur reformierten Lehre über und findet Rückhalt an Holland und Heinrich IV. von Frankreich († 1610, S. 238), doch wird ein Krieg vermieden.

Vertrag zu Xanten 1614: Cleve, Mark und Ravensberg kommen an Brandenburg, Jülich und Berg an Pfalz-Neuburg. Spanische und holländische Besatzungen bleiben noch längere Zeit, erst 1666 wird der Vertrag vollständig ausgeführt.

Kaiser Rudolf, von seinem Bruder Matthias gezwungen, ihm Ungarn, Mähren und Österreich zu überlassen, gibt den Böhmen, um sie für sich zu gewinnen, den

1609.

Majestätsbrief. Dieser gestattet allen Bewohnern Böhmens den Anschluß an die »utraquistische«, auf entschieden protestantischem Standpunkt stehende Böhmische Konfession von 1575 und erlaubt den 3 Ständen der Herren, Ritter und königlichen Städte den Bau von Kirchen. Der zugleich abgeschlossene, vom Kaiser anerkannte ständische Vergleich gibt diese Erlaubnis auch den Untertanen auf den königlichen Gütern.

1611.

Rudolf verliert auch die Herrschaft über Böhmen, stirbt 1612 machtlos in Prag.

1612–1619.

Matthias verschafft, da er kinderlos ist und seine Brüder Verzicht leisten, seinem streng katholischen, von den Jesuiten erzogenen Vetter Ferdinand, Herzog von Steiermark, Kärnten und Krain, die Nachfolge auch in Böhmen und Ungarn, trotz des Widerwillens der protestantischen Stände.

1618–1648.
Der Dreißigjährige Krieg.

Versuch des Hauses Habsburg, im Bunde mit der katholischen Kirche die Machtstellung des Kaisertums zu erhöhen. In den drei ersten Abschnitten des Krieges überwiegt die religiöse Parteiung; aus dem Aufstand in Böhmen entwickelt sich ein großer Kampf des katholischen Europa gegen das protestantische. Zuletzt führen Schweden und Frankreich im Kampf gegen das Haus Habsburg Eroberungskriege auf deutschem Boden.

1. Böhmisch-pfälzischer Krieg 1618–1623.

Veranlassung: Schließung der utraquistischen Kirche in Braunau im Gebiet des dortigen Abts und Niederreißung der Kirche in Klostergrab im Sprengel des Erzbischofs von Prag, also in Gebieten geistlicher Stände, welche nach Auffassung der Protestanten kraft der böhmischen Landesverfassung als königliche Güter zu betrachten waren. Versammlung der 1609 mit Zustimmung des Kaisers eingesetzten Defensoren und der protestantischen Stände.

1618. 23. Mai.

Aufstand in Prag; an der Spitze steht Graf Matthias von Thurn. Die Statthalter Martinitz und Slawata und der Geheimschreiber Fabricius werden aus den Fenstern der kaiserlichen Burg hinausgestürzt, kommen aber mit dem Leben davon. Die Aufständischen übertragen die Regierung Böhmens an 30 Direktoren. Aus Italien kommt Graf Ernst von Mansfeld zu Hilfe, gesandt vom Herzog von Savoyen; aus Schlesien zieht Markgraf Johann Georg von Jägerndorf herbei.

1619.

Kaiser Matthias stirbt; Graf Thurn zieht gegen Wien. Die österreichischen, meist protestantischen Stände stellen drohende Forderungen an Ferdinand, der durch die Ankunft einiger Truppen aus der gefährlichsten Lage gerettet wird. Thurn wird durch eine ungünstige Wendung des Krieges in Böhmen zum Abzug bewogen. Ferdinand begibt sich nach Frankfurt, wird dort von den drei geistlichen Kurfürsten und den Gesandten von Pfalz, Sachsen, Brandenburg zum Kaiser gewählt.

1619–1637.

Ferdinand II. Unterdessen sprechen die Böhmen seine Absetzung als König von Böhmen aus und wählen den jungen Friedrich V., Kurfürsten von der Pfalz, Oberhaupt der Union und der deutschen Calvinisten, Schwiegersohn Jakobs I., Königs von England.

Graf Thurn zum zweitenmal vor Wien, mit Bethlen Gabor, Fürsten von Siebenbürgen, vereinigt (Nov. 1619). Kälte, Mangel und der Einfall eines kaiserlichen Parteigängers in Ungarn bewirken den Rückzug.

Ferdinand verbündet sich mit seinem Jugendfreunde Maximilian, Herzog von Bayern, dem Haupt der katholischen Liga, welcher ihm die österreichischen Stände unterwerfen hilft, mit Spanien (Spinŏla bricht in die Kurpfalz ein) und mit dem lutherischen Kurfürsten Johann Georg von Sachsen, welcher die Lausitz und Schlesien wieder unterwirft. Maximilian von Bayern zieht mit dem Heere der Liga (Tilly) nach Böhmen, vereinigt sich mit dem kaiserlichen Feldherrn Buquoi. Beide siegen in der

1620. 8. Nov.

Schlacht auf dem Weißen Berge bei Prag über Friedrichs V., vom Fürsten Christian von Anhalt geführte Truppen. Friedrich, der »Winterkönig«, entflieht nach Holland, wird vom Kaiser trotz kurfürstlichen Protestes geächtet, ebenso Christian von Anhalt und der Markgraf von Jägerndorf. Strenges Walten der Sieger in Böhmen; die Häupter des Aufstandes hingerichtet, viele Güter eingezogen, der Protestantismus ausgerottet. Gewaltsame Gegenreformation auch in Österreich und (weniger hart) in Schlesien.

Die protestantische Union löst sich auf, als die Kriegsgefahr näher rückt. Das Kurfürstentum Pfalz wird in Vollstreckung der Reichsacht von Maximilians Feldherrn Tilly mit Hilfe spanischer Truppen unter Spinŏla erobert. Heidelberg erstürmt, die Bibliothek (Palatina) nach Rom gebracht. Tilly, 1622 bei Wiesloch von Mansfeld geschlagen, siegt bald darauf bei Wimpfen über den Markgrafen von Baden-Durlach, bei Höchst über Christian von Braunschweig, Administrator des Bistums Halberstadt.

1623.

Tilly dringt nach Westfalen vor, siegt bei Stadtlohn abermals über Christian, bleibt mit seinen Truppen im niedersächsischen Kreise zum Schutz der geistlichen Gebiete. Herzog Maximilian erhält auf dem Fürstentag zu Regensburg die pfälzische Kurwürde und die Oberpfalz, Sachsen die Lausitz (zunächst als Pfand).

2. Dänisch-niedersächsischer Krieg 1625–1629.

Christian IV., König von Dänemark (S. 250) und Herzog von Holstein, als Oberster des niedersächsischen Kreises (S. 224) an der Spitze der Protestanten, von Holland und England zur Wiedereinsetzung Friedrichs V. angetrieben, aber unzureichend unterstützt.

Albrecht von Wallenstein (eig. Waldstein) geb. 1583 in Böhmen, aus utraquistischer Familie, aber katholisch erzogen, 1619 Oberst, 1623 Fürst, 1625 Herzog von Friedland, wird kaiserlicher Obergeneral über ein von ihm selbst errichtetes, durch ein Raubsystem zu erhaltendes Söldnerheer.

1626.

Wallenstein schlägt Mansfeld bei der Dessauer Brücke, verfolgt ihn durch Schlesien und Mähren nach Ungarn, wo sich Mansfeld mit Bethlen Gabor vereinigt, aber von diesem keine Hilfe erhält. Mansfeld stirbt in Bosnien. (»Imperatorem decet stantem mori!«)

1626. Aug.

Tilly schlägt Christian IV. bei Lutter am Barenberge in Braunschweig. Tilly und Wallenstein erobern Holstein (1627), Wallenstein allein Schleswig und Jütland. Er besetzt Mecklenburg, wird vom Kaiser 1628 mit diesem Herzogtum belehnt und zum General des Baltischen und Ozeanischen Meeres ernannt. Er zwingt den Herzog von Pommern zur Unterwerfung, erhält aber von den Hansestädten keine Schiffe und belagert vergebens Stralsund (1628), dessen Bürger sich mit dänischer und schwedischer Hilfe zehn Wochen lang tapfer verteidigen. Sein Unterfeldherr Arnim zieht darauf mit 15000 Mann nach Westpreußen, um die Polen gegen Gustav Adolf (S. 250) zu unterstützen.

1629.

Friede zu Lübeck zwischen dem Kaiser und Christian IV. Dieser erhält seine Länder zurück, entsagt aber jeglicher Teilnahme an den deutschen Streitigkeiten. Ferdinand II. erläßt das

Restitutionsedikt: 1. Auf Grund des geistlichen Vorbehaltes (S. 234) sollen die seit dem Passauer Vertrage 1552 von protestantischen Fürsten in Besitz genommenen geistlichen Güter herausgegeben werden. Dies betrifft 2 Erzbistümer: Magdeburg und Bremen; 12 Bistümer: Minden, Verden, Halberstadt, Lübeck, Ratzeburg, Meißen, Merseburg, Naumburg (diese drei werden jedoch dem Kurfürsten von Sachsen ausnahmsweise belassen), Brandenburg, Havelberg, Lebus und Kammin, außerdem viele Klöster und Stifter. 2. Nur die Bekenner der Augsburgischen Konfession sollen freie Religionsübung haben, alle anderen »Sekten« — also auch die Reformierten — sollen aufhören. — Anfang rücksichtsloser Ausführung des Resitutionsedikts durch die Truppen der Liga und Wallensteins.

1630.

Kurfürstentag zu Regensburg.

Die katholischen Kurfürsten, gestützt auf die lauten Klagen aller Reichsstände über die von Wallensteins Truppen verübten Grausamkeiten und Erpressungen, erlangen vom Kaiser Ferdinand II. die Absetzung Wallensteins.

3. Schwedischer Krieg 1630–1635.
1630. Juni

Gustav II. Adolf, König von Schweden, landet auf der Insel Usedom.

Zwecke und Gründe seiner Einmischung: Schutz der unterdrückten Protestanten; Wiedereinsetzung der Herzöge von Mecklenburg, seiner Verwandten; Sicherung seiner Herrschaft gegen die mit dem Kaiser verbündete polnische Linie des Hauses Wasa (s. S. 250); Besorgnis vor der Begründung einer kaiserlichen Seemacht auf der Ostsee.

Damalige Machtstellung Schwedens: Finnland, Karelien, Ingermanland, Estland, Livland (S. 249 f.), gehörten zu Gustav Adolfs Reiche, Kurland stand unter schwedischem Einfluß. Es lag für einen ehrgeizigen Monarchen nahe, an die Erwerbung von Preußen und Pommern zu denken, welche das Baltische Meer völlig unter den beherrschenden Einfluß Schwedens gebracht hätte.

Nach der Eroberung der Inseln Usedom, Wollin und Rügen besetzt Gustav Adolf Stettin, schließt ein Bündnis mit Herzog Bogislaw XIV., vertreibt die kaiserlichen Truppen aus Pommern. Subsidienvertrag mit Frankreich (Richelieu). Er rückt an der Oder vor, wo ihm Tilly entgegentritt (1631), wendet sich nach Mecklenburg, dann zur Oder zurück, nimmt die Stadt Frankfurt ein. Inzwischen hat Tilly Magdeburg zu belagern begonnen. Gustav Adolf unterhandelt mit seinem Schwager Georg Wilhelm, Kurfürsten von Brandenburg, der Bedenken trägt, vom Kaiser abzufallen; endlich wird ihm die Festung Spandau eingeräumt. Weitere Unterhandlungen mit Kurfürst Johann Georg von Sachsen, der neutral zu bleiben versucht. Währenddessen

1631.

(10./20. Mai.) Eroberung Magdeburgs durch Tilly. Der Sturm geleitet von Pappenheim. Furchtbares Blutbad und Plünderung durch die zügellosen Soldaten Tillys. Durch eine plötzlich an verschiedenen Stellen ausbrechende Feuersbrunst wird die Stadt Magdeburg mit Ausnahme des Domes in Asche gelegt (nicht auf Tillys Befehl).

Tilly will den Kurfürsten von Sachsen zum Anschluß an den Kaiser zwingen. Johann Georg ruft Schwedens Hilfe an.

1631. 7. / 17.Sept.

Schlacht bei Leipzig oder Breitenfeld. Zuerst werden die Sachsen von Tilly in die Flucht geschlagen, dann glänzender Sieg Gustav Adolfs.

Die Sachsen unter Arnim, dem früheren Unterfeldherrn Wallensteins, rücken in Böhmen ein und nehmen Prag. Gustav Adolf zieht durch Thüringen und Franken nach dem Rhein (über Erfurt, Würzburg, Hanau, Frankfurt). Die Pfalz erobert. Mainz besetzt, hier Winterquartiere.

Wallenstein, vom Kaiser wieder zum Kommando und unbeschränkten Oberbefehl über alle kaiserlichen Truppen berufen, wirbt ein neues Heer und vertreibt (Mai 1632) die Sachsen aus Böhmen. Gustav Adolf zieht nach Nürnberg und siegt über Tilly bei Rain am Lech (5./15. April). Tilly, tödlich verwundet, stirbt in Ingolstadt.

Gustav Adolf nimmt Augsburg ein, belagert vergeblich Maximilian in Ingolstadt, zwingt München zur Übergabe. Wallenstein von Maximilian zu Hilfe gerufen.

1632. Juli–Sept.

Festes Lager bei Nürnberg. Gustav Adolf und Wallenstein lagern einander 7 Wochen gegenüber. Ein Angriff der Schweden auf Wallensteins Verschanzungen wird blutig zurückgeschlagen. Darauf rückt Gustav Adolf gegen die Donau, Wallenstein nach Sachsen. Auf den Hilferuf des Kurfürsten kommt Gustav Adolf in Eilmärschen herbei, vereinigt sich mit Bernhard von Weimar und greift, als er hört, daß Wallenstein von Leipzig aus Pappenheim nach Nordwesten abgesandt hat, die Kaiserlichen (etwa 18000 gegen 20000 Schweden) an.

6./16. Nov.

Schlacht bei Lützen. Gustav Adolf fällt. Pappenheim, der, schnell zurückgerufen, von 3 Uhr ab mit seinen Reitern an der Schlacht teilgenommen hatte, war kurz vor dem König tödlich verwundet worden. Der Sieg der Schweden wird durch Bernhard von Weimar vollendet.

Bernhard, Gustav Horn und Banér erhalten den Befehl über die schwedischen Heere. Die politische Leitung übernimmt der schwedische Reichskanzler Axel Oxenstierna; er schließt den Heilbronner Bund: Schweden an der Spitze der 4 oberdeutschen Reichskreise (Baden, Württemberg, Hessen-Kassel, die süddeutschen Reichsstädte).