Reichstag zu Worms. Luther verteidigt seine Lehre vor dem Kaiser, der ihm das freie Geleit hält. Doch wird er in die Reichsacht erklärt und auf Befehl Friedrichs des Weisen aus Vorsicht auf die Wartburg gebracht. Das Wormser Edikt verbietet alle Neuerungen. — Luther beginnt die Bibelübersetzung (vollendet 1534). Er kehrt auf die Nachricht von Karlstadts Unordnungen nach Wittenberg zurück (Frühjahr 1522) und predigt gegen die Bilderstürmer, richtet dann den Gottesdienst mit deutscher Predigt und Abendmahl unter beiderlei Gestalt in Kursachsen ein. Die Ausbreitung der Reformation in Deutschland wird dadurch gefördert, daß Karl V. bald nach Spanien zurückkehrt und dann durch Kriege mit Franz I. von Frankreich in Anspruch genommen ist.
Reichstag zu Nürnberg. Die Durchführung des Wormser Edikts für unmöglich erklärt. Die Berufung eines Konzils verlangt.
Ritterkrieg im Rheinlande. Franz von Sickingen an der Spitze eines Ritterbundes gegen die geistlichen Fürstentümer, belagert vergeblich Trier, wird in seiner Burg Landstuhl (bei Kaiserslautern) eingeschlossen und fällt. Sein Freund Ulrich von Hutten stirbt als Flüchtling auf der Insel Ufnau im Zürchersee.
Bauernkrieg in Schwaben und Franken, begleitet von furchtbaren Greueln. Die 12 Artikel der Bauern fordern Wahl der Pfarrer durch die Gemeinde, Beschränkung der Abgabe des Zehnten auf den Kornzehnt, Aufhebung der Leibeigenschaft, Freiheit der Jagd und des Fischfanges u. a. Luther ermahnt anfangs zum Frieden, schreibt dann heftig »wider die mördischen und raubischen Bauern«. Die Aufständischen werden geschlagen (namentlich bei Königshofen a. d. Tauber) und blutig bestraft. — Die Wiedertäufer in Thüringen mit den Bauern verbündet; sie werden bei Frankenhausen geschlagen, ihr Führer Thomas Münzer mit 25 anderen Anführern in Mühlhausen in Thüringen hingerichtet.
Kurfürst Friedrich der Weise †. Ihm folgt sein Bruder Johann der Beständige (1525–1532). Reformation in Preußen. Hochmeister Albrecht von Brandenburg wird Herzog in Preußen unter polnischer Lehnshoheit.
Luthers Vermählung mit Katharina von Bora. Kirchenvisitation in Sachsen, Sorge für die Schulen, Katechismus 1529.
Erster Krieg Karls V. gegen Franz I. von Frankreich. Karl erhebt Ansprüche auf Mailand und das Herzogtum Burgund (S. 206), Franz auf das spanische Navarra und auf Neapel (S. 235). Die Franzosen werden aus Mailand vertrieben, welches Franz Sforza (S. 210) 1522 erhält. Der französische Connétable Karl von Bourbon geht zu Karl V. über. Mißglückter Einfall der Franzosen in Italien (1523–1524, auf dem Rückzuge fällt Bayard, S. 235), darauf Einfall der Kaiserlichen in das südliche Frankreich. Franz I. geht über den Mont Cenis, nimmt Mailand wieder.
Schlacht bei Pavīa, Sieg der Spanier unter Pescara und der deutschen Landsknechte unter Georg von Frundsberg; Franz I. gefangen.
Friede zu Madrid. Franz entsagt allen Ansprüchen auf Mailand und Neapel, sowie der Lehnshoheit über Flandern und Artois, willigt in die Herausgabe des Herzogtums Burgund, stellt seine Söhne als Geiseln. Gleichzeitig zeichnet er einen feierlichen Protest gegen den Frieden auf, läßt sich dann vom Papst von seinem Eide lösen und erklärt die in Madrid beschworenen Bedingungen als erzwungen für nichtig. Papst Clemens schließt (Mai 1526) mit Frankreich, Venedig, Florenz und Mailand die Heilige Liga von Cognac gegen Karl V.
Erster Reichstag zu Speier. Die Evangelischen, an der Spitze Kurfürst Johann der Beständige von Sachsen und Landgraf Philipp von Hessen, erwirken einen der Ausbreitung der neuen Lehre günstigen Reichsabschied.
Zweiter Krieg zwischen Karl V. und Franz I. Das kaiserliche (nicht bezahlte und aufrührerische) Heer unter dem Connétable von Bourbon nimmt Rom mit Sturm, Bourbon fällt, der Papst wird in der Engelsburg belagert (1527), doch erfolgt bald die Aussöhnung mit dem Hofe zu Madrid. Vergeblicher Einfall der Franzosen in Neapel.
Damenfriede zu Cambrai. Margarete von Österreich, Tante Karls, und Luise von Savoyen, Mutter des Königs von Frankreich. Letzterer zahlt 2 Millionen Kronen und entsagt den Ansprüchen auf Italien. Karl verspricht seine Ansprüche auf Burgund für jetzt nicht geltend zu machen und entläßt die französischen Prinzen.
Zweiter Reichstag zu Speier, wo Ferdinand (S. 225) und die katholische Partei infolge der siegreichen Machtstellung des Kaisers energischer auftreten. Der Reichstagsbeschluß von 1526 wird aufgehoben. Strenge Durchführung des Wormser Edikts in den evangelischen Territorien beschlossen. Hiergegen protestieren die evangelischen Stände (daher Protestanten genannt). Darauf Religionsgespräch zu Marburg zwischen Luther und Zwingli. Einigung über 14 Artikel, doch nicht über die Lehre vom Abendmahl.
Krieg mit den Türken. Sultan Soliman II., welcher 1522 die Johanniter (S. 219) aus Rhodus vertrieben hat, fällt in Ungarn ein; König Ludwig II. von Ungarn und Böhmen † in der Schlacht bei Mohacz (1526). Eine Partei des ungarischen Adels wählt Ferdinand, Karls Bruder, die andere Johann Zapolya von Siebenbürgen, zu dessen Schutze Soliman abermals erscheint, jedoch Wien vergeblich belagert (1529).
Karl V. in Bologna gekrönt; letzte Krönung eines deutschen Kaisers durch den Papst.
Glänzender Reichstag zu Augsburg unter persönlichem Vorsitz des Kaisers. Überreichung der von Melanchthon verfaßten Augsburgischen Konfession (Confessio Augustana). Der Reichsabschied gebietet die Aufhebung aller Neuerungen. Deshalb
Schmalkaldischer Bund der meisten protestantischen Fürsten und Reichsstädte.
Treffen bei Kappel; die Züricher von den katholischen Waldkantonen geschlagen, Zwingli †, doch behauptet sich seine Lehre.
Karl V. läßt seinen Bruder Ferdinand in Köln zum römischen König wählen und in Aachen krönen. Der Kurfürst von Sachsen protestiert im Namen der Evangelischen dagegen. Infolge der von neuem drohenden Türkengefahr kommt zustande der
Religionsfriede zu Nürnberg. Den Protestanten wird bis zu einem allgemeinen Konzil freie Religionsübung zugestanden.
Soliman II. fällt verheerend in Ungarn ein. Heldenmütige Verteidigung von Güns. Ein großes Reichsheer sammelt sich bei Wien, Soliman geht zurück. Karl V. reist wieder nach Spanien.
Unruhen der Wiedertäufer in Münster (Jan Matthys aus Harlem, dann Johann Bockelson aus Leyden, »König von Zion«).
Landgraf Philipp von Hessen führt den 1519 vom schwäbischen Bunde vertriebenen (lutherischen) Herzog Ulrich von Württemberg in sein Herzogtum zurück, mit welchem der Kaiser seinen Bruder Ferdinand belehnt hatte. Dieser verzichtet im Frieden zu Kadan auf den ferneren Besitz Württembergs, wird dafür von den Evangelischen als römischer König anerkannt. Landgraf Philipp leistet darauf dem Bischof von Münster Hilfe zur Unterwerfung der Stadt; Johann von Leyden nebst anderen Anführern grausam hingerichtet.
Württemberg, Pommern, Anhalt und mehrere Reichsstädte treten dem Schmalkaldischen Bunde bei (1536).
Karls V. Zug gegen Tunis (Seeräuber Chaireddin Barbarossa). Tunis erobert und alle Christensklaven befreit.
Dritter Krieg zwischen Karl V. und Franz I., letzterer erneuert seine Ansprüche auf Mailand nach dem Tode des Herzogs Franz Sforza. Er verbündet sich mit Soliman II., der Ungarn bedrängt und durch seine Flotte die Küste Italiens plündern läßt.
Waffenstillstand zu Nizza auf Grund des Besitzstandes. Darauf reist Karl V., um einen Aufruhr in seiner Geburtsstadt Gent zu bekämpfen, durch Frankreich, wo er von Franz I. ausgezeichnet empfangen wird.
Einführung der Reformation im Herzogtum Sachsen (Herzog Georg † 1539), im Kurfürstentum Brandenburg (1539), im Herzogtum Mecklenburg (1540).
Der Jesuiten-Orden, von dem Spanier Ignatius von Loyōla 1534 gestiftet zur Ausbreitung der katholischen Lehre, wird von Papst Paul III. bestätigt.
Reformation in Genf durch Johann Calvin. Jean Cauvin aus Noyon in der Picardie, geb. 1509, tritt 1532 in Paris als Reformator auf, findet Schutz bei Margarete von Navarra, Schwester Franz’ I. (S. 236). Aus Frankreich 1534 vertrieben, lebt Calvin abwechselnd in Basel, Genf, Straßburg, von 1541 bis zu seinem Tode 1564 in Genf. Die Anhänger Zwinglis schließen sich ihm allmählich an. Calvinische Kirchenverfassung: Die Gemeinde von den erwählten Geistlichen und Ältesten (Presbyterium) regiert, mehrere Gemeinden durch die Synode; strenge Kirchenzucht. Der Arzt Servet 1553 als Irrlehrer (De trinitatis erroribus) verbrannt.
Verlängerung des Religionsfriedens auf dem Reichstag zu Regensburg in Gegenwart Karls V.
Soliman II. setzt in Ofen einen türkischen Pascha ein. Karls V. unglücklicher Zug nach Algier.
Vertreibung des Herzogs Heinrich von Braunschweig-Wolfenbüttel durch den Schmalkaldischen Bund.
Vierter Krieg Karls V. gegen Franz I., der wiederum mit Soliman II. verbündet ist. Der Kaiser unterwirft den Herzog von Cleve, der sich an Frankreich angeschlossen hat, und dringt bis Soissons vor.
Friede zu Crespy (spr. Crépi): Der Herzog von Orléans, zweiter Sohn des französischen Königs, soll eine kaiserliche Prinzessin heiraten und Mailand erhalten. Da er aber schon 1545 stirbt, so bleibt Mailand dem Kaiser, der es seinem Sohne Philipp zu Lehen gibt.
Hermann von Wied, Erzbischof von Köln, welcher Melanchthon zu sich berufen hatte, um in seinem Erzstift die Reformation einzuführen, wird vom Kaiser verwarnt und sucht Hilfe beim Schmalkaldischen Bunde.
Kirchenversammlung zu Trient (Tridentum) in Tirol, von den Protestanten nicht beschickt, vom Papste zweimal vertagt. Kirchliche Reformen, zugleich genauere Feststellung der katholischen Lehre.
18. Febr. Tod Luthers in Eisleben.
Schmalkaldischer Krieg. Karl V. will die reichsständische Selbständigkeit in Deutschland brechen und zugleich im Bunde mit dem Papste, der ihm Geld und Truppen sendet, die kirchliche Einheit wiederherstellen. Die Häupter des Schmalkaldischen Bundes, Johann Friedrich, Kurfürst von Sachsen, und Landgraf Philipp von Hessen werden in die Acht erklärt. Herzog Moritz von Sachsen, Philipps Schwiegersohn, schließt sich der Sache des Kaisers an.
Unentschlossene Kriegführung der Verbündeten an der Donau. Johann Friedrich wird durch einen Einfall des Herzogs Moritz in sein Land zur Rückkehr veranlaßt. Die süddeutschen Protestanten (Ulm, Augsburg, Straßburg, Herzog Ulrich von Württemberg u. a.) unterwerfen sich, Hermann von Wied wird aus Köln vertrieben. Karl V. zieht mit seinem aus Spaniern (Herzog Alba) und Italienern gebildeten Heere nach Sachsen, geht über die Elbe, schlägt in der
Schlacht bei Mühlberg (auf der Lochauer Heide, bei Torgau) den Kurfürsten von Sachsen, nimmt ihn gefangen und zieht als Sieger in Wittenberg ein. Vergleich unter Vermittelung Joachims II. von Brandenburg. Die Kurwürde und die Kurländer kommen an die Albertinische Linie des Hauses Wettin (Herzog Moritz); die Ernestinische Linie behält nur die thüringischen Gebiete (Weimar, Jena, Eisenach, Gotha u. a., S. 227). Philipp von Hessen unterwirft sich in Halle und wird, obgleich sich Moritz und Joachim II. für seine Freiheit verbürgt hatten, gefangen gehalten.
Auf dem Reichstag zu Augsburg dekretiert der Kaiser, da das Tridentiner Konzil vom Papste nach Bologna verlegt ist, das Interim, welches den Protestanten aufgezwungen werden soll. Einstweilen wird ihnen die Priesterehe und das Abendmahl unter beiderlei Gestalt zugestanden. Sonst soll Lehre und Kirchenverfassung im wesentlichen katholisch bleiben. Die Stadt Magdeburg, als Mittelpunkt des Widerstandes in die Reichsacht erklärt, wird vom Kurfürsten Moritz von Sachsen 1550–51 belagert, unterwirft sich ihm, ohne Glaubenszwang zu erleiden. Moritz, erbittert über die Behandlung seines Schwiegervaters und besorgt für seine Stellung und die »Libertät« aller deutschen Fürsten, rüstet heimlich gegen den Kaiser und nötigt ihn, nach Abschluß eines Bündnisses mit Heinrich II. von Frankreich, zur
Flucht aus Innsbruck. Das in Trient wieder versammelte Konzil vertagt sich und tritt erst 1562 wieder zusammen. In Passau tritt ein Fürstentag zusammen. König Ferdinand vermittelt den
Passauer Vertrag: Das Interim abgeschafft. Freilassung Philipps von Hessen, der Religionsfriede soll auf dem nächsten Reichstage festgestellt werden. Auch Kurfürst Johann Friedrich wird freigelassen.
Karl V. zieht mit Heeresmacht gegen Heinrich II. von Frankreich, welcher als Moritz’ Verbündeter die lothringischen Bistümer Metz, Toul und Verdun besetzt hat. Vergebliche Belagerung von Metz, welches Franz von Guise mit Erfolg verteidigt. Frankreich bleibt im Besitz der drei Bistümer, während das Herzogtum Lothringen nach wie vor beim deutschen Reiche bleibt.
Moritz siegt bei Sievershausen (unweit Hannover) über seinen bisherigen Verbündeten Albrecht Alcibiades von Brandenburg-Kulmbach (der den Passauer Vertrag nicht anerkennen will), wird aber tödlich verwundet.
Karl V. zieht sich verstimmt nach den Niederlanden zurück, überläßt die Herstellung des Friedens in Deutschland seinem Bruder Ferdinand.
Augsburger Religionsfriede. Die Landesherren und freien Städte, welche sich zur Augsburgischen Konfession bekennen, erhalten Religionsfreiheit und das Recht, in ihren Gebieten die Konfession ihrer Untertanen zu bestimmen: cuius regio, eius religio. Den andersgläubigen Untertanen soll das Recht auszuwandern gewahrt bleiben. Zu Gunsten der katholischen Kirche geistlicher Vorbehalt (Reservatum ecclesiasticum), daß geistliche Reichsstände, welche protestantisch werden, Amt, Gebiet und Einkünfte verlieren sollen (S. 232). Die Evangelischen fügen sich dieser Bestimmung gegen eine Deklaration, daß evangelische Untertanen geistlicher Reichsstände bei ihrer Religion gelassen werden sollen. Die Reformierten sind von dem Frieden ausgeschlossen.
Die von Deutschland ausgehende religiöse Bewegung führt in den meisten europäischen Ländern 1. zur Abschaffung kirchlicher Mißbräuche und Vertiefung des religiösen Lebens, 2. zu erhöhter Pflege der von den Fesseln der Kirche befreiten Wissenschaften, Verbesserung des Schulwesens, Verbreitung geistiger Bildung, 3. zur Stärkung der Gewalt der Territorialfürsten und durch den Gegensatz der Konfessionen zu politischen Kämpfen, in denen das europäische Staatensystem sich ausbildet.
Luthers Lehre verbreitet sich nach Dänemark, Schweden, Norwegen und den Ostseeprovinzen, Calvins Lehre (die reformierte Kirche) nach Frankreich, den Niederlanden, Schottland; in Deutschland findet sie namentlich im Kurfürstentum Pfalz (Heidelberger Katechismus 1563), in Hessen und Bremen Eingang.
Hebung des Wohlstandes in Deutschland, namentlich in den oberdeutschen Reichsstädten; die Kaufmannshäuser Fugger und Welser in Augsburg. Aufblühen der deutschen Literatur: Hans Sachs († 1576) in Nürnberg, Joh. Fischart in Straßburg († 1591); das protestantische Kirchenlied. Die Maler Lukas Kranach, Vater und Sohn, in Wittenberg, später in Weimar († 1553 bezw. 1586).
Abdankung Karls V. in Brüssel. Die Krone Spanien (mit den Kolonien), dazu Neapel, Mailand, Freigrafschaft Burgund und die Niederlande kommen an seinen Sohn Philipp, die Kaiserwürde an seinen Bruder Ferdinand I. (s. S. 225). Karl lebt in der Nähe des Klosters S. Just (in Estremadura, nördlich vom Tajo) als Privatmann (nicht Mönch), stirbt 1558.
Häuser Orléans und Angoulême.
Nebenlinien des Hauses Valois (s. S. 208), deren Zusammenhang mit der Hauptlinie die folgende Stammtafel darstellt.
Die französische Monarchie, nach Zeiten schwerer Erschütterung wieder erstarkt, beginnt schon unter Karl VIII. (S. 209) eine gegen Italien gerichtete Eroberungspolitik, doch ohne dauernden Erfolg.
Ludwig XII. heiratet Anna von der Bretagne, Karls VIII. Witwe, um dieses Herzogtum bei der Krone zu erhalten, macht Ansprüche auf Mailand als Enkel von Valentine Visconti, verjagt den Herzog Ludovico Moro (aus dem Hause Sforza, s. S. 211), der, als er nach Mailand zurückkehrt, gefangen wird (1500).
Ludwig XII. erobert im Bunde mit Ferdinand dem Katholischen, König von Aragon, das Königreich Neapel. Spanier und Franzosen bald uneinig, die letzteren von dem spanischen Feldherrn Gonsalvo de Cordŏva am Garigliano geschlagen (1504). Ludwig XII. verzichtet auf Neapel, behauptet aber die Schutzherrschaft über Genua. Neapel und Sicilien bis 1713 in spanischem Besitz. Gonsalvo erster Vizekönig.
Teilnahme Ludwigs an der Liga zu Cambrai gegen Venedig, aber Papst Julius II., Ferdinand der Katholische und Venedig verbinden sich 1511 zur Heiligen Liga, um die Franzosen aus Italien zu vertreiben. Diese führen den Krieg unter Gaston de Foix, Neffen Ludwigs XII., anfangs glücklich, nehmen 1512 Brescia mit Sturm (Bayard, der Ritter ohne Furcht und Tadel, S. 229), schlagen mit Hilfe von 5000 deutschen Landsknechten das spanisch-päpstliche Heer bei Ravenna, werden aber 1513 von den Schweizern bei Novāra geschlagen und räumen Italien.
Franz I.
Er erobert Mailand wieder durch den glänzenden Sieg über die Schweizer bei Marignano.
Zusammenkunft mit Heinrich VIII. von England (Camp du drap d’or) in der Nähe von Calais.
Kriege mit Karl V. (s. S. 229–232): Mailand verloren. Künste und Wissenschaften werden gefördert durch den Verkehr mit Italien. Schloßbauten: der Louvre in Paris.
Erhöhung der königlichen Macht durch ein Konkordat mit dem Papste (1516), welches die Wahl der Bischöfe und Äbte im wesentlichen dem König überläßt; dagegen Wiedereinführung der Annaten (Gebühren für die Bestätigung durch den Papst in der Höhe eines Jahreseinkommens) und Verzichtleistung auf den Grundsatz des Konstanzer und Baseler Konzils, daß ein allgemeines Konzil über dem Papste stehe (s. S. 203). Verfolgung der Protestanten und grausame Hinrichtungen.
Heinrich II. Wachsende Macht der Guisen, eines Nebenzweiges des Hauses Lothringen, (Franz, Herzog von Guise, und Karl, der »Kardinal von Lothringen«). Verfolgung der Protestanten in Frankreich, aber Unterstützung der deutschen Protestanten. 1552 Metz, Toul, Verdun gewonnen, Krieg mit Karl V. (s. S 233).
Krieg mit Philipp II. von Spanien. Die Franzosen von den Spaniern (mit Hilfe der Engländer) bei St. Quentin 1557 und durch den Grafen Egmont bei Gravelingen 1558 geschlagen. Franz von Guise nimmt Calais, die letzte Besitzung der Engländer in Frankreich (S. 209).
Im Frieden zu Cateau Cambrésis geben die Franzosen alle Eroberungen, außer Calais, heraus. Philipp II. heiratet Elisabeth, älteste Tochter Heinrichs II. Auf Heinrich II., der an einer Turnierwunde stirbt, folgen hintereinander seine drei schwachen Söhne.
Franz II., erster Gemahl der Maria Stuart von Schottland, einer Nichte der Guisen. Verfolgung der Protestanten, grausame Hinrichtungen (Chambres ardentes). Des Königs Mutter Katharina von Medici mit den Guisen verbündet, während die Prinzen aus dem Hause Bourbon, Anton, König von Navarra,[44] und Ludwig von Condé, sich der Protestanten annehmen.
Karl IX., 10 Jahre alt, ebenfalls unter der Leitung seiner Mutter Katharina von Medici,
Hugenottenkriege.[45]
Die Verletzung eines den Reformierten gewährten Toleranzedikts durch Franz von Guise (Blutbad zu Vassy in der Champagne 1562) und grausame Verfolgungen in mehreren Städten veranlassen eine bewaffnete Erhebung der Reformierten unter Führung des Prinzen von Condé und des Admirals Coligny. Sie erkämpfen in drei Kriegen (bis 1570) das Zugeständnis bedingter Religionsfreiheit, welches durch Einräumung von 4 Sicherheitsplätzen (namentlich der Hafenstadt La Rochelle) gewährleistet wird.
Die Bartholomäusnacht oder Pariser Bluthochzeit. Bei Gelegenheit der Vermählung Heinrichs von Bourbon und Navarra, der nach Condés Tode an die Spitze der Hugenotten getreten war, mit der Schwester des Königs Karl IX., Margarete von Valois, zuerst ein Mordanschlag auf Coligny gemacht, dann Ermordung aller in Paris anwesenden Hugenotten, geleitet von Heinrich von Guise und der Königin-Mutter Katharina von Medici. Heinrich von Navarra rettet sein Leben durch Übertritt zur katholischen Kirche. In der Hauptstadt werden über 2000, in ganz Frankreich gegen 20000 Hugenotten ermordet. Diese Bluttat entzündet den vierten Krieg (1572–1573). La Rochelle, von Herzog Heinrich von Anjou, Bruder des Königs Karl IX., belagert, verteidigt sich tapfer (Graf Montgomery). Die Wahl des Herzogs von Anjou zum König von Polen bewirkt einen Vergleich.
Karl IX. stirbt 1574. Sein Bruder, der aus Polen entweicht, wird König von Frankreich als
Heinrich III. Der fünfte Krieg, während dessen Heinrich von Navarra wieder zum reformierten Glauben übertritt, wird 1576 unter Bedingungen beendigt, die für die Hugenotten günstiger sind als die früheren Friedensschlüsse. Daher Unzufriedenheit der strengen Katholiken; die Heilige Ligue beabsichtigt im Bunde mit Philipp II. Vernichtung der reformierten Partei und Erhebung der Guisen auf den Thron. Der König erklärt sich aus Furcht vor der Ligue zum Haupt derselben und verbietet den reformierten Gottesdienst in ganz Frankreich.
Daher nochmals drei Kriege, der letzte (1585–1589) genannt Krieg der drei Heinriche (Heinrich III. von Valois, Heinrich von Navarra, Heinrich von Guise). In Paris bildet sich die Ligue der Sechzehn, welche die Absetzung des schwachen Königs bezweckt. Volksaufstand, Tag der Barrikaden 12. Mai 1588. Heinrich III. entflieht nach Blois, wohin er die Reichsstände (États-généraux) zusammenruft. Da er bei diesen keinen Beistand gegen die Ligue findet, läßt er den Herzog Heinrich von Guise und dessen Bruder, den Kardinal Ludwig, ermorden. Aufstand der Katholiken, an dessen Spitze sich der Bruder der Ermordeten, Herzog Karl von Mayenne, stellt. Heinrich III. flieht zu Heinrich von Navarra in das Lager der Hugenotten, wird vor Paris, in St. Cloud, von dem Mönch Jakob Clément ermordet (1589).
Haus Bourbon (stammt ab von einem jüngeren Sohne Ludwigs IX., des Heiligen).
Heinrich IV. Die katholische Partei verweigert ihm die Anerkennung. Heinrich IV. siegt über Karl von Mayenne bei Ivry 1590, belagert aber vergeblich Paris, welches von Mayenne und dem Herzog von Parma (s. S. 243) entsetzt wird. Erst nachdem Heinrich in St.-Denis abermals seinen Übertritt zur katholischen Kirche erklärt hat, öffnet ihm Paris die Tore (1594). Darauf Aufhebung des päpstlichen Bannes, Friede mit Philipp II. von Spanien. Die Religionskriege werden beendet durch das
Edikt von Nantes, welches den Reformierten gleiche bürgerliche Rechte mit den Katholiken gibt, aber keineswegs vollständig freie Religionsübung. Es gestattet den reformierten Kultus den Edelleuten mit selbständiger Gerichtsbarkeit (seigneurs hauts justiciers) und den Bürgern in einer bestimmten Anzahl von Städten und Flecken, untersagt ihn aber in allen bischöflichen und erzbischöflichen Städten, am Hofe des Königs, in Paris, sowie im Umkreise von 5 Meilen um die Hauptstadt. Die Reformierten werden zu öffentlichen Ämtern zugelassen und behalten ihre Sicherheitsplätze. Das Edikt wird erst nach langer Weigerung von den Parlamenten (d. h. höchsten Gerichtshöfen) registriert.
Heinrichs IV. Minister, der Herzog von Sully, trifft Maßregeln zur Wiederherstellung des zerrütteten Wohlstandes und der Finanzen. Förderung des Ackerbaues und Gewerbes, des Seehandels; Kolonien in Kanada (Quebec 1608). Der König beabsichtigt, als Verbündeter der protestantischen Union in den Jülich-Cleveschen Erbstreit (S. 252) einzugreifen, wird aber von dem Fanatiker Franz Ravaillac in Paris ermordet. Sein Sohn
Ludwig XIII., 9 Jahre alt. Regentschaft seiner Mutter Maria von Medici. Sully vom Amte entfernt; an die Spitze der Geschäfte tritt der Italiener Concini (Maréchal d’Ancre), nach dessen Ermordung 1617 der Herzog von Luynes, endlich der große Staatsmann Kardinal Richelieu (Armand-Jean du Plessis, geb. 1585 in Poitou, 1607 Bischof von Luçon, 1616 Staatssekretär, 1622 Kardinal, † 1642). Von 1624–1642 verwaltet Richelieu eigentlich allein das Reich; nur einmal (11. Nov, 1630, journée des dupes) glaubt Maria von Medici ihn gestürzt zu haben, doch beherrscht er von da an den König sicherer als je.
Richelieus Ziel ist die Erhebung Frankreichs zur ersten Macht Europas und die Begründung der Allgewalt des Königs. Er bricht die Macht des Adels, macht die Krone unabhängig von den Reichsständen, die nicht mehr berufen werden, besiegt die Hugenotten (Belagerung und Einnahme von La Rochelle 1628), welche fortan nicht mehr eine bewaffnete politische Partei, sondern eine geduldete Sekte sind. Unruhen, erregt von Gaston von Orléans, Bruder des Königs, enden mit dem vollständigen Siege Richelieus; die Königin-Mutter wird verbannt, Gaston entflieht nach Lothringen, versucht vergebens gewaltsame Rückkehr mit Hilfe des Herzogs von Montmorency, des Statthalters von Languedoc; dieser wird 1632 in Toulouse hingerichtet.
Das Herzogtum Lothringen (vgl. S. 206, 233) von französischen Truppen besetzt (bis 1659). Der Dreißigjährige Krieg bietet Gelegenheit, Frankreichs Macht auf Kosten Deutschlands zu erhöhen.
Richelieu legt den Grund zur Machtstellung Ludwigs XIV. Frankreich verdankt ihm die Segnungen einer geordneten Verwaltung und das Aufblühen seiner klassischen Literatur. Stiftung der französischen Akademie 1635, der maßgebenden Behörde in Sachen der Sprache und des Stils; Corneilles Cid 1636.
Das Herzogtum Mailand ist seit 1556 (s. S. 234) ein Nebenland von Spanien, dem Namen nach deutsches Reichslehen. In Mantua herrscht seit 1328 das Haus Gonzaga; nach dessen Aussterben der Mantuanische Erbfolgekrieg 1628–1631. Richelieu zieht persönlich gegen die Kaiserlichen zu Felde und setzt die Ansprüche der französischen Nebenlinie Nevers auf das Herzogtum durch.
Glänzender Hof der Herzöge von Ferrara (S. 210). Nach dem Tode Alfons’ II. 1597 wird Ferrara als päpstliches Lehen mit dem Kirchenstaate vereinigt; Modena und Reggio verbleiben einer Nebenlinie des Hauses Este.
Parma und Piacenza früher zu Mailand gehörig, 1512 vom Papst Julius II. für den Kirchenstaat in Besitz genommen, bilden seit 1545 ein selbständiges Herzogtum im Besitz des Hauses Farnese bis 1731.
Venedig ist 1508 gefährdet durch die Liga von Cambrai (Papst Julius II., Kaiser Maximilian I., Ludwig XII., Ferdinand der Katholische); doch wendet sich der Krieg bald gegen Frankreich (S. 235). Während der folgenden Kriege ist Venedig meist mit Karl V. verbündet. Gegenüber dem Vordringen der Türken schließt es sich an Spanien an, muß aber trotz des mit den Spaniern gemeinsam erfochtenen Sieges bei Lepanto (S. 242) 1573 den Türken Cypern abtreten; es behält von seinem Inselbesitz nur Kandia und die Ionischen Inseln.
Genua macht sich 1529 unter dem Dogen Andrea Doria, welcher der Republik eine neue Verfassung gibt, frei von der französischen Schutzherrschaft (S. 235). Verschwörung desFiesco 1547. Giannettino Doria, der Neffe des Dogen, wird ermordet, Andrea Doria muß flüchten. Schon sind die Verschworenen im Besitz fast der ganzen Stadt, als Fiesco durch Zufall ertrinkt. Rückkehr des Dogen, Wiederherstellung der Verfassung.
Die Herzöge von Savoyen, welche auch Piemont besitzen (S. 210), sind unter den einheimischen Fürsten von Nord-Italien die mächtigsten. Doch verlieren sie 1536 das Waadtland an Bern und geraten während der Kriege Frankreichs mit Karl V. und Philipp II. in Bedrängnis. Nach dem Frieden von Cateau-Cambrésis (1559, S. 236) wird Emanuel Philibert in sein Herzogtum zurückgeführt.
In Florenz wird 1494 Pietro von Medici, Lorenzos Sohn, weil er mit dem erobernd vordringenden Karl VIII. von Frankreich (S. 209 f.) einen Vertrag geschlossen hatte, vertrieben. Haupt der demokratischen Partei der Dominikaner Savonarōla. Er bewirkt auf kurze Zeit eine Wendung zur Sittenstrenge, verfällt aber dem päpstlichen Bann und wird 1498 hingerichtet. Infolge des Sieges der Heiligen Liga (S. 235) werden 1512 die Medici wiedereingesetzt. Zweite Vertreibung 1527, die Republik auf kurze Zeit wiederhergestellt. Karl V. setzt 1531 Alessandro von Medici als erblichen Herzog ein. Dessen Nachfolger Cosimo vereinigt die Republik Siena mit seinem Gebiete und wird 1569 vom Papst Pius V. zum Großherzog von Toskana erhoben (bestätigt von Kaiser Rudolf II. 1576). Unter Cosimos II. Regierung lehrt in Florenz Galileo Galilei, der 1633 von der Inquisition in Rom gezwungen wird, das Kopernikanische Sonnensystem abzuschwören († 1642 in Arcetri bei Florenz).
Die Päpste dieser Zeit sind mit Erfolg bestrebt, den Kirchenstaat zu vergrößern und ihr geistliches Ansehen zu erhöhen.
Alexander VI. aus dem Hause Borgia, durch Ausschweifungen berüchtigt; sein Sohn Cesar Borgia herrscht grausam in der Romagna.
Julius II., kriegerisch und kunstliebend, beginnt den Neubau der Peterskirche, beruft dazu den Baumeister Bramante, den Bildhauer Michelangelo (an Julius’ II. Grab Statue des Moses) und den Maler Raffael nach Rom.
Leo X., Sohn Lorenzos von Medici (S. 211), kunstliebend und gelehrt.
Hadrian VI., aus Utrecht, früher Lehrer Karls V., auf Abstellung kirchlicher Mißbräuche bedacht.
Clemens VII., Neffe Lorenzos von Medici, klug, aber nicht tatkräftig.
Paul IV., streng kirchlich, hat 1542 als Kardinal unter Paul III. die Herstellung der Inquisition (S. 186) und die Einrichtung des Index librorum prohibitorum bewirkt.
Gregor XIII. ordnet 1582 den verbesserten Kalender an (Ausfall des Schaltjahres am Ende des Jahrhunderts, mit Ausnahme jedes vierten Jahrhunderts).
Sixtus V. unterdrückt das Räubertum im Kirchenstaat; Vollendung der Peterskirche.
Neapel ist von 1504–1713 ein Nebenland Spaniens (s. S. 235). Der Aufstand des Fischers Tommaso Aniello, genannt Masaniello (1647), wird schnell unterdrückt.
Blütezeit der italienischen Kunst und Literatur.
Maler: Leonardo da Vinci († 1519), Raffael Santi († 1520), Antonio Allegri, genannt Correggio († 1534), Michelangelo Buonarotti († 1564), zugleich Bildhauer und Architekt, Tizian († 1576), Paul Veronese († 1588). Musiker: Palestrina († 1594). Dichter: Ariosto († 1533), Torquato Tasso († 1595). Unter den Prosaschriftstellern ragt hervor der Politiker Macchiavelli († 1527 in Florenz: Il Principe, Buch vom Fürsten).
Ferdinand der Katholische, König von Aragon, übernimmt 1504 nach dem Tode seiner Gemahlin Isabella (S. 215) die Regierung in Kastilien für seine abwesende Tochter Johanna, Gemahlin des Erzherzogs Philipp von Österreich (S. 225). Philipp und Johanna kommen 1506 nach Kastilien; Ferdinand tritt in einem Vertrage die Regentschaft an Philipp ab, aber bald darauf stirbt dieser plötzlich 1506. Johanna, schon früher schwermütig, verfällt in Wahnsinn, lebt im Schlosse Tordesillas in Haft bis zu ihrem Tode (1555). Ferdinand übernimmt wieder die Regentschaft, erweitert 1512 das Reich Aragon durch Eroberung des kleinen Königreichs Navarra; nur der nördlich von den Pyrenäen gelegene Teil desselben bleibt dem französischen Grafen Jean d’Albret (S. 236). Befestigung der Monarchie in dem nunmehr vereinigten Königreich Spanien mit Hilfe des staatsklugen Kardinals Ximenez.
Karl I. (als deutscher Kaiser Karl V., s. S. 228) begründet nach Niederwerfung eines Aufstandes in Kastilien (1521) die unbeschränkte Königsgewalt in Spanien; die Cortes fortan ohne Bedeutung. Durch Erwerbung großer Gebiete in Amerika (S. 223) gelangt Spanien zu hoher Machtstellung.
Philipp II., viermal vermählt, mit: 1. Maria von Portugal (Mutter des Don Carlos), 2. Maria der Katholischen von England (S. 246), 3. Elisabeth von Valois (S. 236), 4. Anna, Tochter Maximilians II. Unter seinem starren Despotismus erschöpfen sich die Kräfte des spanischen Reiches.
Krieg mit Frankreich (S. 236). Blutige Verfolgung der Moriskos und der Protestanten in Spanien; die Schrecken der Inquisition (S. 215) dauern fort. Zwist zwischen dem König und seinem Erben Don Carlos; dieser wird verhaftet und stirbt im Gefängnis 1568. Über die Türken, welche 1565 vergeblich die dem Johanniterorden (S. 178) gehörige Insel Malta angreifen (tapfere Verteidigung durch den Großmeister La Valette), erficht Don Juan d’ Austria, Karls I. (V.) natürlicher Sohn, den großen
Seesieg bei Lepanto (Naupaktos, S. 44). In demselben Jahre werden die Philippinen-Inseln in Besitz genommen (1898 an die Union abgetreten).
Freiheitskrieg der Niederlande.
Veranlassung: Die seit Karls V. Abdankung an Spanien gekommenen niederländischen Provinzen (S. 225) waren seit alter Zeit im Besitz bedeutender Privilegien; die Stände (Staaten, États) hatten Steuern und Truppen zu bewilligen. Aber Druck der spanischen Besatzungen, Strafedikte gegen die Ketzer, die geplante Gründung neuer Bistümer, Furcht vor Einführung der spanischen Inquisition bewirken unter der Statthalterin Margarete von Parma (1559–1567), der Halbschwester des Königs Philipp II. (ihr Ratgeber Bischof Granvella), heftige Erregung. Bund des Adels (Kompromiß zu Breda) zur Verteidigung der Privilegien. Im Staatsrat sind Graf Egmont, Statthalter von Flandern, und Wilhelm von Nassau-Oranien[46], Statthalter von Holland und Seeland, um Erhaltung des Friedens bemüht.
Überreichung einer Bittschrift an die Statthalterin in Brüssel durch 300 Vertreter des niederen Adels (Geusen, Bettler, ihr Parteiname, entstanden durch den verächtlichen Ausruf des Grafen von Barlaimont: Ce n’est qu’un tas de gueux). Volksunruhen, veranlaßt durch calvinische Prediger; Bildersturm und Plünderung der Kirchen. Egmont und Wilhelm von Oranien treten diesen Unordnungen entgegen.
Obwohl die Ruhe schließlich wiederhergestellt war, wird