1314–1347.}

Ludwig der Bayer (Haus Wittelsbach).

1314–1330.}

Friedrich von Österreich, Sohn Albrechts. Doppelwahl durch Parteiung der Fürsten; beide Könige sind Enkel Rudolfs von Habsburg. Friedrichs Macht wird geschwächt durch den

1315.

Sieg der Schweizer Eidgenossen am Berge Morgarten über Leopold von Österreich, Friedrichs Bruder. Darauf bestätigt der von der luxemburgischen Partei gewählte Herzog Ludwig von Oberbayern, der kurz vorher (1313) die Österreicher bei Gammelsdorf a. d. Isar besiegt hatte, den Waldstätten ihre Reichsunmittelbarkeit.

1322.

Schlacht bei Ampfing oder Mühldorf. Friedrich von Österreich geschlagen (Sage von Schweppermann) und als Gefangener nach der Burg Trausnitz geführt.

1324.

Papst Johann XXII., in Avignon (s. S. 207) unter französischem Einfluß, mischt sich in den Thronstreit und spricht den Bann über Ludwig aus, doch bleibt derselbe unwirksam, da durch die sittliche Entartung des päpstlichen Hofes in Avignon das Ansehen des Papsttums überhaupt gesunken ist.

Ludwig gibt die durch Aussterben der Askanier 1320 erledigte Mark Brandenburg (S. 179) seinem Sohne Ludwig, mit dem er später Margarete Maultasch, Erbin von Tirol und Kärnten, vermählt, nachdem diese ihre Ehe mit einem Sohne Johanns von Böhmen getrennt hat. Kärnten kommt, ehe die Vermählung stattfindet, an die Herzöge von Österreich (1335). Tirol wird von Margarete Maultasch nach dem Tode ihres zweiten Gemahls Ludwig doch dem Hause Habsburg vermacht (S. 200).

1325.

Friedrich wird gegen Verzichtleistung auf den Thron in Freiheit gesetzt, stellt sich wieder als Gefangener, wird von Ludwig als Mitkönig anerkannt, stirbt 1330.

1327–1330.

Ludwigs Römerzug. Er wird in Rom zum Kaiser gekrönt, stellt einen Gegenpapst auf, kann aber die kaiserlichen Herrschaftsrechte nur wenig zur Geltungbringen, In Deutschland Streitigkeiten mit den Fürsten. Frankreich und dem Papste gegenüber einigen sich endlich die Kurfürsten zur Unterstützung Ludwigs:

1338.

Der Kurverein zu Rense (am Rhein, oberhalb Koblenz) erklärt jeden rechtmäßig gewählten deutschen König auch ohne päpstliche Krönung für den rechtmäßigen römischen Kaiser.

Ludwigs eigenmächtiges Verfahren zur Vergrößerung seiner Hausmacht (Brandenburg, Tirol, Holland) führt im Verein mit päpstlichen und französischen Umtrieben 1346 zur Wahl eines Gegenkönigs: Karl a. d. Hause Luxemburg, Sohn des bei Crecy im Kampfe für Frankreich gefallenen Königs Johann von Böhmen (S. 208). Kaiser Ludwig † 1347 (auf der Bärenjagd bei München), Karl wird allgemein anerkannt.

1347–1437.

Luxemburgische Kaiser.

1347–1378.

Karl IV., ein staatskluger Fürst, gelehrt und kunstsinnig. Die bayrische Partei stellt 1349 den Grafen Günther von Schwarzburg als Gegenkönig auf; doch stirbt dieser schon nach wenigen Monaten. In Brandenburg tritt, von Karl begünstigt, der falsche Waldemar gegen die bayrischen Markgrafen auf. (S. Anhang.) 1350 Aussöhnung mit den Wittelsbachern.

1349–50.

Pest (schwarzer Tod) in Deutschland und in fast ganz Europa. Erbitterte Verfolgungen der durch Verleihen von Geld gegen Zinsen reich gewordenen Juden. Sie sollten die Brunnen vergiftet haben. Umzüge der Geißler (Flagellanten).

Karls Hauptsorge ist auf sein Erbland Böhmen gerichtet. Er zieht deutsche Ansiedler heran, baut in Prag den Dom und die Burg Hradschin, stiftet daselbst 1348 nach dem Muster von Paris (S. 192) eine Universität mit vier Fakultäten, die erste in Deutschland. Durch Verträge mit den schlesischen Fürsten (S. 182) vollendet er die schon von seinem Vater angebahnte Vereinigung Schlesiens mit Böhmen; auch die Lausitz kommt zu Böhmen.

1353.

Zutritt Berns zur Eidgenossenschaft, welche nun, immer noch zum deutschen Reich gehörig, Uri, Schwyz, Unterwalden, Luzern, Zürich, Glarus, Zug und Bern (die sogenannten 8 alten Orte) umfaßt.

1354–1355.

Erster Zug Karls IV. nach Italien. Während der Abwesenheit der Päpste in Avignon hatte Cola di Rienzi sich zum »Volkstribunen« gemacht und die altrömische Republik wieder aufgerichtet (S. 211). Karl empfängt die Huldigung der lombardischen Städte, verweilt aber in Rom nur einen Tag, um die Kaiserkrone zu empfangen.

1356.

Goldene Bulle,[37] Reichsgrundgesetz, beschlossen auf zwei Reichstagen zu Nürnberg und Metz. Die Kaiserwahl wird endgültig den 7 Kurfürsten übertragen, welche sie schon seit längerer Zeit tatsächlich ausübten;[38] drei geistliche: 1. Erzbischof von Mainz (Erzkanzler für Deutschland), 2. Erzbischof von Trier (Erzkanzler für Burgund), 3. Erzbischof von Köln (Erzkanzler für Italien); vier weltliche: 4. König von Böhmen (Erzschenk), 5. Pfalzgraf bei Rhein (Erztruchseß), 6. Herzog von Sachsen-Wittenberg (Erzmarschall), 7. Markgraf von Brandenburg (Erzkämmerer).

Die Kurfürstentümer, welche im Mannesstamme auf den Erstgeborenen forterben und gewisse Regalien erhalten (Privilegium de non appellando, Münzrecht, Bergwerks- und Salzhoheit, Judenzoll u. a. m.), sollen unteilbar sein. Bestimmungen über den Landfrieden; den Städten wird die Bildung besonderer Städtebündnisse und die Aufnahme von Pfahlbürgern (die in der Stadt nicht ansässig sind) untersagt.

1363.

Österreich erwirbt Tirol durch Vertrag mit Margarete Maultasch.

1365.

Karl IV. reist nach Avignon, um den Papst zur Rückkehr nach Rom zu bewegen, und läßt sich in Arles krönen, um die Oberhoheit über die tatsächlich an Frankreich gekommenen burgundischen Gebiete festzuhalten (S. 196, 198).

1368.

Zweiter Römerzug. Karl IV. führt Papst Urban V. nach Rom, aber bald nach seinem Abzuge kehrt der Papst nach Avignon zurück.

1373.

Durch den Vertrag zu Fürstenwalde überläßt Otto der Finne (Faule), der letzte bayrische Markgraf von Brandenburg, die Mark gegen ein Jahrgehalt an Karl IV.

Städtebünde.

Die Hanse. Verbindungen deutscher Kaufleute im Auslande, namentlich zu Wisby auf der Insel Gotland und in London schon im 12. Jahrhundert, haben Handelsbündnisse ihrer Heimatstädte zur Folge. 1241 Bündnis zwischen Lübeck und Hamburg. Um 1294 tritt Lübeck an die Spitze eines Bundes von Seestädten an der Nord- und Ostseeküste (von Bremen bis Reval), denen sich zahlreiche norddeutsche Binnenstädte (Köln, Osnabrück, Braunschweig, Magdeburg, Berlin, Thorn, Breslau u. a.) anschließen, später auch die niederländischen Seestädte (Kampen, Deventer u. a.) Zweck des Bundes: Sicherung der Straßen zu Wasser und zu Lande, Erwerbung und Erhaltung von Handelsprivilegien im Auslande. Hansetage meist zu Lübeck gehalten. Auswärtige Niederlassungen (Kontore) zu Brügge, London, Bergen, Nowgorod. In Wisby, Stockholm, Kopenhagen, Malmö, Riga zahlreiche deutsche Kaufleute ansässig. Jährlicher Markt zur Zeit des Heringsfangs an der Küste von Schonen. Einteilung des Bundes in 3 Drittel, im 16. Jahrhundert in 4 Quartiere mit den Vororten Lübeck, Köln, Braunschweig, Danzig.

1361–1362.

Krieg gegen Waldemar IV., König von Dänemark, welcher Wisby eingenommen und geplündert hatte. Die Kriegsflotte der Hanse hat anfangs Erfolge, wird aber vor Helsingborg geschlagen. Ihr Führer, der Lübecker Bürgermeister Johann Wittenborg, wird deshalb angeklagt und in Lübeck hingerichtet.

1367–1370.

Zweiter Krieg; Waldemar IV. flüchtet aus seinem Reiche. Kopenhagen, Helsingör u. a. Städte erobert. Im Frieden zu Stralsund 1370 wird die Küste von Schonen auf 15 Jahre an die Hanse abgetreten; auch verspricht der dänische Reichsrat, den Nachfolger Waldemars nur mit Zustimmung der Städte zu erwählen. Bis ins 16. Jahrhundert behauptet der Hansebund die Handelsherrschaft über Skandinavien, Rußland, England. Da er sich aber nicht an einen starken Staat anlehnte, so zerfiel er, als die nordischen Staaten mehr und mehr erstarkten. Die im Binnenlande gelegenen deutschen Städte wurden durch ihre Landesfürsten teilweise zum Austritt aus der Hanse gezwungen, wie z. B. Berlin durch Kurfürst Friedrich II.

Im Innern zeigt sich in den Hansestädten, in welchen der Großhandel die Gewerbtätigkeit übertrifft, das Festhalten an der aristokratischen Regierung des sich selbst ergänzenden Rats, während in den süddeutschen Städten die nach Zünften geordneten Handwerker bedeutenden Anteil an der meist jährlichen Neuwahl des Rats erhalten. Zunftkämpfe in Ulm 1292, Speier 1327, Straßburg 1332, Regensburg 1334, Augsburg 1368; in Nürnberg behaupten die Patrizier 1349 das Übergewicht, ebenso in Köln 1370, doch siegen dort die Zünfte 1396.

Nicht von gleicher Dauer wie der Hansebund waren die süddeutschen Städtebündnisse, welche die Selbständigkeit der Städte gegen die Fürsten und die Reichsritter sichern sollten: der 1254 geschlossene rheinische Bund (S. 189) öfters von seiten der Städte erneuert; der schwäbische Städtebund, zuerst 1331, dann wiederum 1376 geschlossen, namentlich gegen den Grafen von Württemberg Eberhard den Greiner (d. h. Zänker), auch der Rauschebart genannt.

Adelsbündnisse in Schwaben, Franken und am Rhein gegen Fürsten und Städte gerichtet (der Löwenbund, der St. Georgsbund, die Schlegler).

1377–1389.

Süddeutscher Städtekrieg.

1377.

Sieg der schwäbischen Städte (Vorort Ulm) bei Reutlingen über Eberhards Sohn Ulrich. Der schwäbische Städtebund vom Kaiser anerkannt.

1378.

Tod Karls IV., nachdem er seine Länder unter seine drei Söhne so geteilt hat, daß Wenzel Böhmen und Schlesien (später fällt ihm auch Luxemburg zu), Sigismund die Mark Brandenburg, Johann die Lausitz erhält. In Mähren herrschen 2 Neffen Karls, Jobst und Prokop als Markgrafen. Zum deutschen König war schon gewählt worden

1378–1400.

Wenzel, Karls IV. ältester Sohn.

1381.

Der schwäbische Städtebund vereinigt sich mit den rheinischen und schließt bald auch ein Bündnis mit einem Teil der Schweizer Eidgenossenschaft.

1384.

Wenzel bringt einen Landfrieden auf vier Jahre zustande (Fürstentag zu Heidelberg), doch beginnen die Fehden, sobald er nach Böhmen zurückgekehrt ist, aufs neue. Herzog Leopold III. von Österreich bekriegt im Bunde mit dem süddeutschen Adel die Eidgenossen. Das Ritterheer wird in der

1386.

Schlacht bei Sempach (Arnold Winkelried?) gänzlich geschlagen, ebenso 1388 in der Schlacht bei Näfels. Die Herzöge von Österreich verzichten auf die Unterwerfung der Schweiz.

1388.

Erneuerung des Städtekrieges. Eberhard der Greiner siegt über die schwäbischen Städte bei Döffingen (wo sein einziger Sohn Ulrich fällt), Pfalzgraf Ruprecht über die rheinischen bei Worms.

1389.

Landfriede zu Eger, von König Wenzel verkündet. Die Städte behalten ihre Reichsfreiheit, müssen aber auf Sonderbündnisse verzichten.

1400.

Wenzel, in Böhmen durch Härte (der Generalvikar des Erzbischofs von Prag, Johann von Nepomuk, Beichtvater der Gemahlin Wenzels, in die Moldau gestürzt) und Trägheit verhaßt, aus Anlaß innerer Zerwürfnisse wiederholt gefangen gesetzt, wird von den am Königsstuhl bei Rense versammelten rheinischen Kurfürsten der deutschen Königswürde entsetzt. Er stirbt 1419 als König von Böhmen.

1400–1410.

Ruprecht von der Pfalz vermag selbst bei seiner Partei kaum das königliche Ansehen zur Geltung zu bringen.

1401.

Unglücklicher Zug Ruprechts nach Italien. Das deutsche Heer wird bei Brescia geschlagen von Johann Galeazzo Visconti, den König Wenzel zum erblichen Herzog von Mailand ernannt hatte (1395) (S. 198).

1409.

Infolge der hussitischen Streitigkeiten (s. S. 204) in Prag und einer Veränderung der Universitätsstatuten zu Gunsten der czechischen Nation verlassen die deutschen Professoren und Studenten die Universität Prag und gehen meist nach Leipzig, wo Friedrich der Streitbare von Meißen (S. 204) eine Universität stiftet.

1409.

Konzil zu Pisa, berufen zur Wiederherstellung der kirchlichen Einheit (seit 1378 zwei Päpste, einer in Rom, einer in Avignon). Der vom Konzil erwählte Papst Alexander V. vermag die beiden anderen nicht zur Abdankung zu nötigen.

1410–1437.

Sigismund, Wenzels Bruder, Markgraf von Brandenburg und König von Ungarn (als Gemahl der Tochter König Ludwigs des Großen, S. 217), gewählt besonders auf Betreiben des Burggrafen Friedrich VI. von Nürnberg, doch nur durch drei Kurstimmen, während die anderen für Jobst von Mähren abgegeben werden und Wenzel als dritter noch Ansprüche auf die Krone erhebt. Jobst † 1411; darauf zweite Wahl einstimmig für Sigismund. Dieser zieht nach Italien und einigt sich mit Papst Johann XXIII., Alexanders V. Nachfolger, über die Berufung eines allgemeinen Konzils nach einer deutschen Stadt.

1414–1418.

Kirchenversammlung zu Konstanz, zahlreich besucht von Fürsten und Prälaten, hat eine dreifache Aufgabe zu lösen: 1. Beseitigung der Kirchenspaltung (causa unionis), 2. Verbesserung der kirchlichen Zustände (causa reformationis), 3. Abstellung der Ketzerei (causa fidei).

Von der Reformpartei wird die Abstimmung nach Nationen (deutsche, franz., engl., italien., je eine Kuriatstimme) durchgesetzt. Papst Johann XXIII., der persönlich erschienen war, wird zu öffentlicher Abdankung bewogen, entflieht dann aber mit Hilfe des Herzogs Friedrich von Österreich. Dieser, in die Acht erklärt, muß sich unterwerfen. Das Konzil spricht auf Antrag Gersons, des Kanzlers der Pariser Universität, den Grundsatz aus, daß das Konzil über dem Papste stehe; Johann XXIII. wird abgesetzt, Gregor XII. in Rom verzichtet freiwillig.

Inzwischen ist der Tscheche Johann Hus, Professor in Prag, Anhänger der Lehren des Engländers Wycliffe (S. 312, Verwerfung des Ablasses, der Ohrenbeichte, der Transsubstantiation), seit 1412 im Bann, im Vertrauen auf das von Sigismund ihm gewährte sichere Geleit in Konstanz erschienen; er wird als Ketzer verurteilt.

1415. 6. Juli.

Hus verbrannt, 1416 sein Freund Hieronymus von Prag. Sigismund reist nach Spanien, um Benedikt XIII., der sich von Avignon nach der Burg Peniscola (unweit Valencia) zurückgezogen hat, zur Abdankung zu bewegen. Dies mißlingt, aber die spanische Geistlichkeit sagt sich von Benedikt los. Sigismund reist über Paris nach England, um zwischen Frankreich und England Frieden zu vermitteln (S. 209), doch ohne Erfolg. Nach seiner Rückkehr 1417 Beratung über die Kirchenverbesserung (Beschränkung der päpstlichen Willkür in der Verleihung kirchlicher Ämter, Aufhebung drückender Abgaben, Besserung des Lebens der Geistlichen).

Dem Verlangen der Reformpartei, daß diese Verbesserung vor der Wahl eines neuen Papstes zum Abschluß komme, treten die Anhänger des Papsttums in den romanischen Nationen, verstärkt durch die Spanier als fünfte Nation, entgegen. Der neugewählte Papst Martin V. (Kardinal Colonna, S. 211) bringt drei Konkordate, mit den Deutschen, Engländern und Romanen, zum Abschluß, die aber nicht zur Abstellung der Mißbräuche führen.

1415.

Sigismund überträgt in Konstanz dem Burggrafen Friedrich VI. von Nürnberg, als Belohnung für wichtige, ihm und dem Reiche geleistete Dienste die Mark Brandenburg mit der Kur- und Erzkämmererwürde (Belehnung 1417).

1423.

Sigismund belehnt Friedrich den Streitbaren, Markgrafen von Meißen, aus dem Hause Wettin (s. S. 179, 203) mit dem Kurfürstentum Sachsen-Wittenberg, nach dem Aussterben der dort regierenden Askanier (S. 189). In Sachsen-Lauenburg regieren Askanier noch bis 1689, dann kommt das Land an Hannover.

1419–1436.

Hussitenkrieg. Entrüstung der Böhmen über Hus’ Hinrichtung. Seine Anhänger, Hussiten, auch Utraquisten genannt (weil sie das Abendmahl sub utraque specie, Brot und Wein, auch für die Laien verlangen), wollen die Ausübung ihrer vom Konzil verworfenen Lehre mit Gewalt durchsetzen. König Wenzel sucht zu vermitteln; nach seinem Tode 1419 Aufstand in Prag. Ziska, Anführer der Hussiten. Sigismund, Erbe der böhmischen Krone, wird zwar in Prag gekrönt, muß aber das Land bald verlassen. Die 1421 in Böhmen eindringenden Reichstruppen werden zurückgeschlagen, Sigismunds Heer wird 1422 bei Deutsch-Brod vernichtet. Verheerende Züge der Hussiten in die umliegenden Länder (Österreich, Bayern, Franken, Sachsen, Schlesien, Lausitz, Brandenburg); öftere Niederlagen der gegen sie aufgebotenen Reichsheere.

1431–1449.

Konzil zu Basel, zur Wiederherstellung des Friedens und zur Durchführung der kirchlichen Reformen berufen. Durch Gesandte des Konzils wird ein Vergleich mit den gemäßigten Hussiten (Kalixtinern, Utraquisten) geschlossen: Prager Kompaktaten 1433; die Taboriten, (Tabor, Stadt in Böhmen), welche den Vergleich nicht annehmen, werden bei Böhmisch-Brod 1434 besiegt, Sigismund zieht 1436 in Prag ein.

Während dieser Bedrängnis des deutschen Reiches im Osten erhebt sich im Westen die Macht der französischen Herzöge von Burgund, welche ansehnliche deutsche Reichslehen an sich bringen. Philipp der Kühne (S. 208) verschafft seinem zweiten Sohne die Nachfolge in Brabant und Limburg; sein Enkel Philipp der Gute erbt diese Länder und außerdem 1428 die Grafschaften Holland, Seeland, Hennegau, bald auch Luxemburg. Auch das Herzogtum Lothringen kommt nach dem Aussterben des Mannesstammes (S. 165) 1431 an eine französische Dynastie, da die Erbin sich mit René von Anjou, Graf von Provence, Titularkönig von Neapel (S. 211) vermählt.

Im Innern des deutschen Reiches Verwirrung, Fehden und Selbsthilfe. Bei der herrschenden Rechtsunsicherheit erlangen die Femgerichte (S. 190) für einige Zeit große Bedeutung.

1438–1740.

Kaiser aus dem Hause Habsburg.

1438–1439.

Albrecht II., der tatkräftige Schwiegersohn Sigismunds, dem er auch in Böhmen und Ungarn folgt, stirbt nach der Rückkehr von einem Türkenzuge.

1440–1493.

Friedrich III. von Steiermark, (Vetter Albrechts), der letzte in Rom (1452) gekrönte deutsche Kaiser. Ein durchaus unfähiger Herrscher, läßt er sich durch seinen Ratgeber Aeneas Silvius Piccolomini (später Papst Pius II.) bewegen, in dem Streit zwischen dem Baseler Konzil und Papst Eugen IV. auf die Seite des Papstes zu treten. Die von dem Konzil beschlossenen kirchlichen Reformen werden durch das Wiener Konkordat 1448 vereitelt; das Konzil löst sich auf 1449.

Bürgerkrieg in der Schweiz 1440–1450; Zürich mit Österreich verbündet. Auf Kaiser Friedrichs Bitte schickt Karl VII. von Frankreich den Dauphin (als König Ludwig XI.) mit den zügellosen Scharen der Armagnacs gegen Basel. Heldentod von 1600 Eidgenossen bei St. Jakob 1444. Die Armagnacs plündern darauf im Elsaß, bis der Kurfürst von der Pfalz sie vertreibt. Friede der Schweizer mit Frankreich. Das Haus Habsburg verliert seine letzten Besitzungen in der Schweiz; es behält seine Besitzungen im Elsaß und in Schwaben (Vorder-Österreich).

Fehden im deutschen Reiche, denen der Kaiser untätig zusieht. In Sachsen Bruderkrieg zwischen Kurfürst Friedrich dem Sanftmütigen und seinem Bruder Wilhelm (1446–50); im Anschluß daran der Prinzenraub: Ritter Kunz von Kaufungen entführt 1455 die beiden Söhne Friedrichs aus dem Schloß zu Altenburg, wird aber von Köhlern im Walde gefangen. Der Erzbischof von Köln führt Krieg gegen die Stadt Soest (Soester Fehde 1444–1449), Kurfürst Albrecht Achilles von Brandenburg gegen Nürnberg (1449–1453), Pfalzgraf Friedrich der Siegreiche gegen den Erzbischof von Mainz, den Grafen von Württemberg und den Markgrafen von Baden (Pfälzer Fehde 1462). Zur Herstellung des Friedens in Deutschland ist der schwäbische Bund förderlich, 1488 auf Betreiben des Kaisers von Fürsten, Rittern und Städten geschlossen.

Um 1450.

Johann Gutenberg (in Mainz) erfindet die Buchdruckerkunst. (Johann Fust, Peter Schöffer.)

In Böhmen Parteikämpfe während der Unmündigkeit des jungen Königs Ladislaus Postumus (Sohn Albrechts II.), für den Friedrich III. die Vormundschaft führt. Georg Podiebrad wird 1452 zum Reichsverweser, 1458 nach Ladislaus’ Tode zum König gewählt, aber als Utraquist angefeindet († 1471). Matthias Corvinus wird König von Ungarn (S. 218), besetzt die Nebenländer Mähren, Schlesien, Lausitz; schließt 1478 Frieden mit Georgs Nachfolger Wladislav (Sohn Kasimirs IV. von Polen).

1474–1475.

Karl der Kühne von Burgund, durch Verpfändung im Besitz der habsburgischen Teile des Elsaß, dringt in das Erzbistum Köln ein, um den abgesetzten Erzbischof zurückzuführen, belagert Neuß, wird aber durch das Anrücken eines Reichsheeres unter Friedrich III. und durch den Angriff der Schweizer auf Héricourt zum Abzug bewogen.

1476.

Karl der Kühne stürzt sich, nachdem er sich Lothringens bemächtigt und den Herzog Renatus vertrieben hat, auf die Schweizer, wird bei Granson und bei Murten geschlagen.

1477.

Karl der Kühne fällt im Kampfe gegen den zurückgekehrten Herzog von Lothringen vor Nancy; seine Tochter Maria vermählt sich mit Friedrichs III. Sohn, Erzherzog Maximilian. Dieser gewinnt dadurch die Niederlande und die Freigrafschaft Burgund (S. 198) für die habsburgische Hausmacht, verteidigt diese Erwerbung im Kriege gegen Ludwig XI. von Frankreich, der die burgundischen Städte in der Picardie und das Herzogtum Burgund als erledigte Mannslehen einzieht.

1490.

Friedrich III., von Matthias Corvinus aus Wien vertrieben (1485), wird nach dessen Tode († 1490) von seinem Sohn Maximilian zurückgeführt.

1491.

Wladislav IV. von Böhmen, nach Corvinus’ Tode auch König von Ungarn, sichert im Frieden zu Preßburg dem Hause Habsburg die Nachfolge zu.

   Albrecht II. †1439.
   Gem. Elisabeth, Tochter Sigismunds.
   _______________|_________________
   |                                |
   Elisabeth,                        Ladislaus Postumus,
   Gem. Kasimir IV. von Polen.    †1457.
                      |
                Wladislav,
1471 König v. Böhmen, 1490 König v. Ungarn.
            __________|______________
           |                         |
   Ludwig II. †1526.                 Anna,
Gem. Maria v. Österreich.            Gem. Ferdinand I.

§ 2. Frankreich.

1270–1285.

Philipp III., der Kühne (le Hardi), vermählt seinen

1285–1314.

Sohn Philipp IV., den Schönen (le Bel), mit Johanna, Erbin von Navarra. Kampf mit Papst Bonifacius VIII., der dem König die Besteuerung der französischen Geistlichkeit untersagt. Der Papst wird 1313 in Anagni von Verschwörern gefangen genommen, doch von seinen Anhängern befreit, stirbt bald darauf.

1309.

Papst Clemens V., vorher Bischof von Bordeaux, verlegt die päpstliche Residenz nach Avignon (an der Rhone); das Papsttum von Frankreich abhängig (Babylonische Gefangenschaft (1309–1377)).

1312.

Aufhebung des Tempelherrnordens durch Clemens V., auf Antrieb des nach den Schätzen und Gütern des Ordens lüsternen Königs. In Paris werden 54 Ritter verurteilt und verbrannt, zuletzt auch der Großmeister Jakob von Molay (1314). Erwerbung burgundischer Gebiete (s. S. 198). Auf Philipp IV. folgen hintereinander seine drei Söhne Ludwig X., Philipp V., Karl IV., dann nach dem salischen Gesetz, welches die Frauen von der Thronfolge ausschließt[39] (Beschluß der Reichsstände von 1317), das

1328–1498.

Haus Valois (Nebenlinie der Capetinger).

1328–1350.

Philipp VI., Sohn Karls von Valois, eines Bruders Philipps IV. Gegen ihn erhebt Ansprüche auf den französischen Thron Eduard III. von England, als Sohn einer Tochter Philipps IV., daher

1339–1453.

mehr als hundertjähriger Krieg zwischen Frankreich und England.

1340.

Seesieg der Engländer bei Sluys, dem Hafenort von Brügge. Die flandrischen Städte, geleitet von Jakob von Artevelde, mit ihnen verbündet.

1346.

Sieg der Engländer bei Crécy in der Picardie, Anwendung von Geschützen; Tod des blinden Königs Johann von Böhmen (S. 199). Calais erobert 1347

1350–1364.

Johann II., der Gute.

1356.

Sieg des Schwarzen Prinzen (Sohn Eduards III.) bei Maupertuis unweit Poitiers. Johann 4 Jahre lang in England Gefangener. Währenddessen in Frankreich Verwirrung und furchtbare innere Kämpfe, da der junge Dauphin[40]

als Statthalter nicht durchzugreifen vermag.

1357–1358.

Aufstand in Paris, geleitet von Etienne Marcel, dem Vorsteher der Innungen (prévôt des marchands), der mit Karl dem Bösen, König von Navarra, in Verbindung tritt.

1358.

Bauernkrieg mit furchtbaren Greueltaten, Jacquerie genannt nach dem Anführer Guillaume Caillet, mit dem Beinamen Jacques Bonhomme, welcher dann zum Spottnamen des französischen niederen Volks wurde. Der Adel schart sich um den Dauphin; nach Unterwerfung der Bauern wird auch der Aufstand in Paris blutig unterdrückt.

1360.

Friede mit England zu Bretigny (bei Chartres): Eduard III. verzichtet auf die französische Krone und erhält Poitou, Guyenne und Gascogne als unabhängigen Besitz ohne Lehnspflicht (S. 192).

1363.

Johann gibt das Herzogtum Burgund seinem jüngeren Sohn Philipp dem Kühnen (burgundische Nebenlinie der Valois). Dieser legt durch seine Heirat mit der Erbtochter des Grafen von Flandern den Grund zur Herrschaft des burgundischen Hauses in den Niederlanden (S. 205).

1364–1380.

Karl V., der Weise. Beruhigung der inneren Verhältnisse, dann Erneuerung des Krieges; die meisten früheren (S. 192) englischen Besitzungen in Frankreich werden wiedergewonnen.

Ritter Bertrand du Guesclin, seit 1370 Connétable von Frankreich, siegreich gegen die Engländer.

1380–1422.

Karl VI., verfällt in Wahnsinn, seine Oheime, die Herzoge von Orléans und Burgund, Reichsverweser, 2 Parteien: Burgund und Orléans (Armagnacs) (S. 205).

1407.

Der Herzog von Orléans wird auf Befehl des Herzogs Johann von Burgund ermordet. Die dadurch veranlaßten Parteikämpfe erleichtern das abermalige Vordringen der Engländer.

1415.

Sieg Heinrichs V., Königs von England, bei Azincourt (unweit Crécy), darauf Eroberung der Normandie.

1419.

Johann von Burgund auf der Brücke von Montereau durch die Begleiter des Dauphin Karl (Duchâtel) ermordet. Johanns Sohn Philipp schließt deshalb mit Beistimmung der Königin Isabeau mit den Engländern den Vertrag von Troyes; Heinrich V. heiratet Katharina, Tochter Karls VI., und wird als Regent und Nachfolger auf dem Thron Frankreichs anerkannt, † 1422.

Unter Johann und seinem Sohne Philipp dem Guten erreicht das burgundische Herzogshaus den Gipfel seiner Macht. Blüte des Handels, der Gewerbe und der Künste in den flandrischen Städten, besonders in Brügge und Gent (die Maler Hubert und Johann van Eyck um 1420). Philipp bemächtigt sich der Erbschaft der Gräfin Jakobäa von Holland (S. 205).

1422–1461.

Karl VII., zunächst nur südlich von der Loire anerkannt, im Norden der minderjährige Heinrich VI., König von England, geb. 1421.

1429.

Johanna d’Arc (geb. 1412 in Domremy an der Maas), genannt die Jungfrau von Orléans, weil sie dieser Stadt Entsatz bringt. Die Engländer und Burgunder zurückgetrieben, Karl VII. in Reims gekrönt. Johanna 1430 bei Compiègne von den Burgundern gefangen, den Engländern ausgeliefert, 1431 in Rouen von einem geistlichen Gerichtshof als Zauberin und Ketzerin verurteilt und verbrannt. Das ungerechte Urteil wird später (1456) auf Befehl des Papstes widerrufen. Ihre Seligsprechung durch Papst Leo XIII. 1894.

1435.

Friede zu Arras zwischen Karl VII. und Philipp von Burgund. Die Engländer verlieren schließlich alle französischen Besitzungen außer Calais (S. 236), ihr Feldherr Talbot † 1453 in dem Treffen bei Castillon. Errichtung der Ordonnanz-Kompanien, Anfang der stehenden Heere.

1461–1483.

Ludwig XI. bricht durch Klugheit und Treulosigkeit die Macht der großen Vasallen, welche gegen ihn die Ligue du bien public schließen (Herzöge von Burgund, Bretagne, Orléans, Anjou, Nemours, Bourbon, Grafen von Charollais u. a.) und legt den Grund zur unumschränkten Monarchie. Nach dem Tode Karls des Kühnen (1477, s. S. 206) zieht er das Herzogtum Burgund als erledigtes Lehen ein, während die andern Besitzungen des Herzogs an Deutschland kommen; nach dem Tode Renés von Anjou (1480) werden Anjou, Maine und die Provence mit den Kronländern vereinigt.

1483–1498.

Karl VIII. gewinnt die Bretagne durch Vermählung mit der Tochter des letzten Herzogs (S. 235), zieht 1494 nach Italien, um die Ansprüche des Hauses Anjou auf das Königreich Neapel geltend zu machen (S. 190). Er erobert das Königreich, wird aber durch ein Bündnis zwischen dem Papste, dem Kaiser, dem Herzog von Mailand, Venedig und Spanien zum Rückzuge genötigt.

§ 3. Italien.

Entwickelung selbständiger Staaten seit dem Sinken der deutschen Kaisermacht (1250).

Mailand, seit Kaiser Heinrich VII. (1310) unter den Visconti als kaiserlichen Statthaltern, seit 1395 als Herzögen (S. 203). Nach dem Aussterben der Visconti bemächtigt sich der von den Mailändern in Sold genommene Condottiere Franz Sforza der Herrschaft und wird 1450 Herzog von Mailand.

Die Grafen von Savoyen, deren Ahnherr Graf Humbert Weißhand 1032 mit Burgund unter die Herrschaft der deutschen Könige kam, seit etwa 1050 durch Heirat auch im Besitz von Piemont, erhalten 1416 von Kaiser Sigismund die Herzogswürde. Die Markgrafen von Este (S. 166) werden 1452 von Friedrich III. zu Herzögen von Modena und Reggio erhoben; Papst Paul II. belehnt sie 1471 mit dem Herzogtum Ferrara.

Venedig, seit 697 durch Vereinigung der Inselgemeinden ein Staat unter einem Dogen (dux), seit etwa 1000 Beherrscherin des Adriatischen Meeres, wächst während der Kreuzzüge an Macht und Ansehen (s. S. 176, 178). Nach Beendigung der Seekriege mit Genua (1381) ist Venedig Herrin des Mittelmeeres und des Levantehandels. Sein Festlandsgebiet erstreckt sich über Padua und Verona bis Brescia; seine Seemacht stützt sich auf den Besitz von Dalmatien, Kandia und Korfu. Verfassung streng aristokratisch. 1172 Einsetzung des großen Rates (450 bis 500 Mitglieder), dann des kleinen Rates (Signoria), der die Macht des Dogen noch mehr beschränkt. 1298 Schließung des großen Rates, die Namen der ratsfähigen Familien (Nobili) werden in dem Goldenen Buch verzeichnet. Zur Unterdrückung von Verschwörungen 1310 der Rat der Zehn eingerichtet; Hinrichtung des Dogen Marino Falieri 1355. Seit 1539 ernennt der Rat der Zehn die drei Staatsinquisitoren, deren strenge Herrschaft aber erst 1583 beginnt.

Genua, seit Herstellung des griechischen Kaisertums (1261) im Orient mächtig, nach dem Siege über Pisa (1284) auch im Besitz der Inseln Sardinien, Korsika, Elba, dann aber durch die Kriege mit Venedig und innere Unruhen geschwächt, seit 1396 bald von Frankreich, bald von Mailand abhängig.

Florenz, seit 1282 mit demokratischer Verfassung (die Priori delle arti bilden die Signoria), öfters durch Parteikämpfe erschüttert, gewinnt allmählich die Herrschaft über die Landschaft Toskana; Pisa erst 1429 unterworfen. Seit 1400 gelangt das Geschlecht der Medici zu hohem Ansehen und fürstlicher Stellung. Johann von Medici, reicher Bankier, Begründer der Macht des Hauses. Sein Sohn Cosĭmo, der Vater des Vaterlandes, († 1464), Beschützer der Künste (Brunelleschi, Ghiberti, Donatello u. a.), Begründer der platonischen Akademie und der mediceischen Bibliothek. Unter dessen Enkel Lorenzo (il Magnifico, † 1492) die glänzendste Zeit für Florenz.

Entfaltung der italienischen Literatur durch die drei florentinischen Dichter Dante Alighieri († 1321), Petrarca († 1374), Boccaccio († 1375). Von Petrarca besonders angeregt entwickelt sich das erneute Studium der Wissenschaft und Poesie des Altertums (Humanismus), gefördert durch griechische Gelehrte, die nach der Eroberung Konstantinopels (S. 218) aus dem byzantinischen Reiche vor den Türken geflohen waren. Hand in Hand damit geht der Aufschwung der bildenden Kunst (Renaissance) zuerst in Florenz, dann in Rom (Peterskirche).

Der Kirchenstaat, in der Langobardenzeit begründet, durch die von Karl d. Gr. bestätigte Schenkung Pippins (s. S. 150) und andere Erwerbungen erweitert, seit Innocenz III. vom deutschen Reiche völlig unabhängig. Zerrüttung durch Adelskämpfe (die Orsini und Colonna), während die Päpste in Avignon residieren (1309–1376). Cola di Rienzi tritt 1347 als Volkstribun auf, wird vertrieben, kehrt 1354 als päpstlicher Senator zurück, wird aber durch Volksaufstand getötet (S. 199). Herstellung der Einheit der Kirche durch das Konzil zu Konstanz (S. 203f.), des Kirchenstaats erst durch Papst Nikolaus V. (1447 bis 1455), der als Freund der Wissenschaften die vatikanische Bibliothek begründet.

In Neapel Haus Anjou bis 1435. Sicilien 1282–1295 mit Aragon verbunden (S. 190), dann unter einer Nebenlinie des aragonischen Hauses, seit 1409 wieder bei Aragon, dessen König Alfons V. 1435–1442 auch Neapel erobert. Glänzende Hofhaltung, Pflege des Humanismus (Laurentius Valla). Nach Alfons’ Tode (1458) kommt Neapel ohne Sicilien an seinen natürlichen Sohn Ferdinand I. und dessen Nachkommen; in Sicilien aragonische Dynastie bis 1504. Von 1504–1713 Neapel und Sicilien bei Spanien (S. 235).

§ 4. England.

1272–1307.

Eduard I., Sohn Heinrichs III. (S. 193), unterwirft Wales vollständig (Prinz von Wales, Titel seines ältesten Sohnes und fortan jedes Thronerben), mischt sich als Lehnsherr in die schottischen Thronstreitigkeiten, beruft Vertreter der Grafschaften und Städte zum Parlament; Anfang des Unterhauses.

1307–1327.

Eduard II., von den Schotten geschlagen, muß Robert Bruce als schottischen König anerkennen. Er wird auf Anstiften der Königin und ihres Günstlings Mortimer vom Parlament abgesetzt und später auf grausame Weise ermordet. Ihm folgt der tatkräftige

1327–1377.

Eduard III. König David Bruce von Schottland als Gefangener in London, gegen Lösegeld freigelassen. Seit 1371 Haus Stuart in Schottland; Robert II., 1371–1390, Tochtersohn von Robert Bruce, nicht mehr lehnsabhängig von England. — Trennung des englischen Parlaments in Oberhaus und Unterhaus. Steuerbewilligungsrecht und Petitionsrecht des Unterhauses. Ausbildung des Selfgovernment in den Grafschaften (das Friedensrichteramt). Krieg mit Frankreich s. S. 207. Geoffrey Chaucer, Begründer der englischen Literatur, † 1400.

1377–1399.

Richard II., Enkel Eduards III. Die Bestrebungen des Reformators Wycliffe (Prof. in Oxford, 1382 abgesetzt, vgl. S. 203) werden vereitelt durch den gefährlichen Aufstand der Bauern unter Wat Tyler 1381. Richard zur Abdankung genötigt von seinem Vetter Heinrich von Lancaster, † im Gefängnis.

1399–1461.

Haus Lancaster (Nebenlinie des Hauses Plantagenet).

1399–1413.

Heinrich IV., Enkel Eduards III. Kämpfe gegen Empörungen des hohen Adels (Heinrich Percy); der König behauptet sich im Bunde mit der Kirche. Grausame Verfolgung der Anhänger Wycliffes.

1413–1422.

Heinrich V., als Prinz der Genosse wüster Gesellen, als König energisch und tapfer. Aufstand der Lollharden (Anhänger Wycliffes) unterdrückt. Krieg in Frankreich s. S. 209.

1422–1461.

Heinrich VI., beim Regierungsantritt unmündig, später von Günstlingen geleitet, kann den Übermut des Adels nicht im Zaum halten. Unglücklicher Ausgang des Krieges in Frankreich. Sein Vetter Richard von York, zweimal wegen Krankheit des Königs zum Protektor des Reiches erwählt, erhebt zuerst 1452 offen Anspruch auf die Krone. Gegen ihn die Königin Margarete (aus dem Hause Anjou) und der Herzog von Somerset († 1454).

1459–1485.

Bürgerkrieg in England; Parteien der Roten Rose (Lancaster) und der Weißen Rose (York). Richard von York bei Wakefield besiegt und getötet 1460. Dennoch behauptet sich seine Partei im Felde und ruft 1461 in London seinen Sohn Eduard zum König aus.

Die Familien Lancaster, York und Tudor.