1158–1162.

Zweiter Zug nach Italien. Die lombardischen Städte, auch Mailand, unterwerfen sich. Reichstag auf den Ronkalischen Feldern (bei Piacenza), die kaiserlichen Hoheitsrechte über die Städte in Oberitalien auf Grund des römischen Rechts festgestellt. Die Mailänder empören sich von neuem. Streit des Kaisers mit dem Papste über die kaiserlichen Rechte in Rom. Krieg gegen Mailand, das sich nach längerer Belagerung ergeben muß. Auf Befehl des Kaisers wird

1162.

Mailand zerstört durch die Einwohner der Nachbarstädte.

1159–1177.

Kirchenspaltung. Papst Alexander III. (Roland von Siena) von der Mehrzahl der Kardinale gewählt, Viktor IV. von der kaiserlich gesinnten Minderheit. Friedrich entscheidet auf dem Konzil zu Pavia (Rainald, Erzbischof von Köln) für Viktor. Alexander III., im Bunde mit den lombardischen Städten, spricht über den Kaiser den Bann aus, sieht sich aber genötigt, nach Frankreich zu entweichen.

1163.

Dritter Zug. Der Kaiser ohne Heer. Er bestätigt die Anordnungen seines Kanzlers Rainald. Bald neue Unruhen in Italien, Alexander III. kehrt nach Rom zurück.

1166–1168.

Vierter Zug. Paschalis III., Viktors Nachfolger, wird von Friedrich nach Rom geführt; Alexander entflieht nach Benevent, findet Schutz im Normannenreich (S. 171). Unterdessen stellen die Lombarden Mailand wieder her, erbauen Alessandria (dem Papste zu Ehren benannt) und besetzen die Alpenpässe. Der Kaiser, dessen Heer durch eine in Rom ausgebrochene Seuche fast aufgerieben war, entkommt nur mit Mühe nach Deutschland.

Fehde zwischen Heinrich dem Löwen, der seine Herzogsgewalt über Mecklenburg und Pommern ausgedehnt hat, und den ihm feindlichen Fürsten (den Erzbischöfen von Magdeburg und Bremen, Albrecht dem Bären, Otto von Meißen, Ludwig dem Eisernen von Thüringen u. a.). Der Kaiser schlichtet den Streit zu Gunsten Heinrichs des Löwen, bringt aber durch Vertrag mit dem kinderlosen Welf VI. die welfischen Stammgüter in Schwaben (Altorf und Ravensburg) an sich, um seine Hausmacht zu vermehren. Heinrich der Löwe unternimmt eine Wallfahrt nach Jerusalem (1172).

1174–1178.

Fünfter Zug Friedrichs nach Italien. Er belagert vergeblich das feste Alessandria. Heinrich der Löwe verweigert auf den Anruf des Kaisers die Heeresfolge (Zusammenkunft in Partenkirchen oder Chiavenna). Der Kaiser greift die Lombarden an, wird aber in der

1176.

Schlacht bei Legnano besiegt. Unterhandlungen und Waffenstillstand mit Alexander III. und den lombardischen Städten.

1177.

Aussöhnung zwischen Kaiser und Papst in Venedig. Alexander III. wird durch Erzbischof Christian von Mainz im Auftrage des Kaisers nach Rom zurückgeführt. Friedrich ordnet die Verhältnisse Italiens, empfängt 1178 in Arles die burgundische Krone, kehrt dann nach Deutschland zurück, um seinen Vetter Heinrich den Löwen zu demütigen.

1180.

Heinrich der Löwe geächtet und seiner Lehen verlustig erklärt, nachdem er auf viermalige Vorladung nicht erschienen ist. Friedrich zieht mit Heeresmacht gegen ihn, dringt 1181 durch Sachsen bis Lübeck vor und nimmt diese Stadt ein, darauf unterwirft sich Heinrich der Löwe zu Erfurt. Er behält seinen Allodialbesitz von mütterlicher Seite, Braunschweig und Lüneburg, muß aber auf drei Jahre in die Verbannung gehen, begibt sich nach England zu seinem Schwiegervater König Heinrich II.

Teilung des Herzogtums Sachsen. Westfalen kommt größtenteils an das Erzbistum Köln; die Grafen von Holstein, Schwerin, Oldenburg, Teklenburg u. a. werden reichsunmittelbar; ebenso die Stadt Lübeck, während Hamburg den Grafen von Holstein, Bremen seinem Erzbischof noch Untertan bleibt.[34]

Das östliche Sachsen (Wittenberg und Lauenburg) mit der Herzogswürde erhält Bernhard von Askanien, Sohn Albrechts des Bären; Bayern (ohne Steiermark, welches selbständiges Herzogtum wird, bald aber an Österreich kommt) erhält Otto von Wittelsbach († 1183).

1183.

Friede mit den lombardischen Städten zu Konstanz. Die meisten beanspruchten Rechte (namentlich freie Wahl der Stadtobrigkeit, Consules) werden ihnen gegen Anerkennung der Oberhoheit des deutschen Reiches zugestanden.

1184.

Glänzendes Reichsfest in der Rheinebene bei Mainz; der Kaiser erteilt seinen beiden ältesten Söhnen den Ritterschlag. Einheit und Macht des deutschen Reiches überall anerkannt.

1184–1186.

Sechster (friedlicher) Zug nach Italien. Der Kaiser vermählt in Mailand seinen schon längst zum deutschen König gewählten 21jährigen Sohn Heinrich mit Konstanze, der Erbin des Normannenreiches in Unteritalien.

1189–1190.

Friedrichs Kreuzzug und Tod (s. S. 175). Sein Sohn Heinrich Reichsverweser. Heinrich der Löwe, der bei des Kaisers Aufbruch abermals auf 3 Jahre das Reich hatte verlassen müssen, kehrt eigenmächtig aus England zurück. Da im Nov. 1189 König Wilhelm II. von Sicilien gestorben ist, so beeilt sich König Heinrich, mit Heinrich dem Löwen einen Vertrag zu schließen. Mittlerweile kommt die Nachricht von Kaiser Friedrichs Tode nach Deutschland.

1190–1197.

Heinrich VI., ein staatskluger, hochgebildeter Fürst, aber streng und rücksichtslos.

1191.

Erster Zug nach Italien. Heinrich empfängt die Kaiserkrone in Rom und zieht nach Neapel, um das Erbe seiner Gemahlin Konstanze dem Normannen Tankred von Lecce zu entreißen. Vergebliche Belagerung von Neapel. Krankheiten in seinem Heere zwingen den Kaiser zur Rückkehr nach Deutschland. Dort

1192–1194.

neuer Krieg mit Heinrich dem Löwen, der den Vertrag nicht gehalten hat. Den Krieg beendet ein Vergleich, welcher erleichtert wird durch die Freigebung von Heinrichs des Löwen Schwager, Richard Löwenherz von England (s. S. 176). Heinrich der Löwe stirbt 1195 zu Braunschweig.

1194.

Zweiter Zug nach Italien; das Königreich beider Sicilien unterworfen, Krönung zu Palermo. Kaiserliche Herrschaft über ganz Italien, deutsche Statthalter in Tuscien, Ancona, Spoleto.

1196.

Reichstag zu Würzburg. Der Plan Heinrichs, Deutschland (vereinigt mit dem Königreich beider Sicilien) zum Erbreich zu machen, wogegen ebenso alle Lehen, auch in weiblicher Linie, erblich werden sollen, scheitert an dem Widerstande der geistlichen und weltlichen Fürsten.

1197.

Dritter Zug Heinrichs nach Italien. Er unterdrückt eine Verschwörung mit grausamer Härte. Inmitten großartiger Pläne (Eroberung des oströmischen Reiches, Gründung einer Weltherrschaft, Kreuzzug) stirbt er, erst 32 Jahre alt, plötzlich in Messina. Sein Sohn Friedrich, noch nicht 3 Jahre alt, schon vor seiner Taufe von den deutschen Fürsten zum Nachfolger seines Vaters ernannt.

In Deutschland Doppelwahl;

1198–1208.

Philipp von Schwaben (jüngster Sohn Friedrich Barbarossas).

1198–1215.

Otto IV. von Braunschweig (Sohn Heinrichs des Löwen).

1198–1215.

Thronkrieg zwischen Staufern und Welfen.[35]

Otto IV. von Papst Innocenz III. anerkannt, von seinem durch den Papst gebannten Gegenkönig Philipp besiegt und fast auf Braunschweig beschränkt.

1208.

Philipp wird zu Bamberg ermordet von dem bayrischen Pfalzgrafen Otto von Wittelsbach (Privatrache). Darauf wird Otto IV., der sich mit Philipps junger Tochter verlobt, allgemein anerkannt und von Papst Innocenz III. in Rom 1209 zum Kaiser gekrönt, nachdem er dem päpstlichen Stuhle die Mathildischen Güter (S. 179) überlassen und andere Zugeständnisse gemacht hat. Bald aber gerät er in Streit mit dem Papste, welcher im Verein mit der staufischen Partei in Deutschland gegen ihn 1212 als König aufstellt seinen Mündel Friedrich, Sohn Heinrichs VI. Friedrich verspricht, Sicilien, das die Kurie als ein päpstliches Lehen ansah, nie mit dem Reich zu vereinigen.

1214.

Otto IV., als Bundesgenosse Englands von Philipp II. Augustus von Frankreich bei Bouvines (unweit Lille) besiegt (S. 193), zieht sich in seine Erblande zurück († 1218 auf der Harzburg).

Hohes Ansehen des Papsttums unter Innocenz III. (1198 bis 1216), der als Statthalter Christi auf Erden auch zwischen Frankreich und England (S. 193), in Aragon und Portugal, Ungarn und den skandinavischen Reichen als Schiedsrichter auftritt. Herstellung des Kirchenstaats, Krieg gegen die Ketzer in Südfrankreich (S. 191), Einsetzung der Inquisition auf dem Laterankonzil zu Rom 1215.

Blüte der ritterlichen Dichtkunst in Deutschland: Heinrich von Veldeke, Hartmann von Aue; Wolfram von Eschenbach und Walther von der Vogelweide am Hofe des Landgrafen Hermann von Thüringen († 1217) auf der Wartburg. Schriftliche Aufzeichnung des Nibelungenliedes.

1212(15)–1250.

Friedrich II., zugleich König beider Sicilien, der geistig bedeutendste Fürst des Mittelalters, leidenschaftlich, mehr Italiener als Deutscher (in Sicilien geboren, von seiner italienischen Mutter erzogen), entschiedener Gegner der geistlichen Herrschaft.

Er wird von einem Teile der Fürsten 1212 in Frankfurt zum König gewählt, verleiht 1214 die Pfalzgrafschaft am Rhein (S. 182) dem Herzog Ludwig I. von Bayern, dem Sohne Ottos von Wittelsbach, und bestätigt dem König Waldemar II. von Dänemark den Besitz der Länder jenseits der Elbe und Elde (Holstein und Mecklenburg), welche dieser während des deutschen Thronstreits an sich gerissen hatte.

1215.

Friedrich II. allgemein anerkannt und zu Aachen gekrönt. Er gelobt einen Kreuzzug und verläßt Deutschland 1220, nachdem er die Wahl seines jungen Sohnes Heinrich zum römischen König erreicht hat.

1220.

Kaiserkrönung Friedrichs II. in Rom nach erneutem Versprechen eines Kreuzzugs; darauf ordnet er die Verhältnisse des sicilischen Reiches. In Deutschland Erzbischof Engelbert von Köln Reichsverweser († 1225), dann König Heinrich.

1223.

Waldemar II. von Dänemark wird von dem Grafen Heinrich von Schwerin gefangen genommen und nach Deutschland geführt. Hermann von Salza, Hochmeister des Deutschen Ordens, vermittelt im Auftrage des Kaisers seine Freilassung, die erst 1225 gegen hohes Lösegeld und Verzicht auf die deutschen Gebiete erfolgt.

1226.

Der Kaiser bevollmächtigt den Deutschen Orden zur Eroberung Preußens (S. 178). Reichstag zu Cremona, Streitigkeiten mit den lombardischen Städten.

1227.

Das in Apulien versammelte Kreuzheer löst sich auf wegen Ausbruchs der Pest. Ludwig, Landgraf von Thüringen, Gemahl der heiligen Elisabeth, stirbt. Papst Gregor IX. (1227–41) spricht den Bann über den Kaiser aus.

1227.

Schlacht bei Bornhöved in Holstein. Waldemar II., der Sieger, besiegt von den Grafen von Holstein und Schwerin, Herzog Albert von Sachsen, dem Erzbischof von Bremen und den Bürgern von Lübeck und Hamburg. Das Land bis zur Eider für Deutschland gerettet.

1228–1229.

Kreuzzug Friedrichs II. (S. 177). Nach der Rückkehr vertreibt er die in sein italisches Reich eingedrungenen päpstlichen Truppen (Schlüsselsoldaten genannt).

1230.

Friede mit dem Papste zu San Germano, Aufhebung des Bannes. Gesetzgebung Friedrichs II. für das unteritalische Reich (Constitutio Monarchiae Siculae); geordnete Verwaltung und Rechtspflege; auf den Landtagen erscheinen neben dem Adel Vertreter der Städte; direkte und indirekte Steuern eingeführt; Beamtentum, Söldnerheer und Flotte geschaffen; staatliche Universität in Neapel gegründet.

1231.

In Deutschland wird die Landeshoheit der geistlichen und weltlichen Fürsten über ihre Gebiete befestigt durch die von Friedrich II. genehmigten Beschlüsse des Reichstags zu Worms.

1233.

Der Dominikaner Konrad von Marburg, Beichtvater der Landgräfin Elisabeth von Thüringen (1207–1231), welcher in Deutschland als Ketzerrichter auftrat, wird erschlagen; aber ein Kreuzheer besiegt und vernichtet 1234 die der Ketzerei beschuldigten Stedinger Bauern in Oldenburg.

1235.

Friedrich II. kommt wegen Empörung seines Sohnes Heinrich nach Deutschland, schickt ihn als Gefangenen nach Italien († 1242), erläßt auf dem Reichstag zu Mainz ein Landfriedensgesetz (erste Veröffentlichung eines Reichsgesetzes auch in deutscher Sprache) und verleiht dem Welfen Otto, Neffen Ottos IV., das Herzogtum Braunschweig-Lüneburg.

1236.

Siegreicher Kampf Friedrichs gegen die lombardischen Städte, in welchen die Partei der Guelfen herrscht. Sein Verbündeter der grausame Ezzelino da Romano, Markgraf von Verona, an der Spitze der Ghibellinen. Der Kaiser zieht noch einmal nach Deutschland, um Herzog Friedrich den Streitbaren von Österreich wegen Empörung zu strafen und die Wahl seines zweiten Sohnes Konrad zum römischen König durchzusetzen.

1237.

Glänzender Sieg Friedrichs über die Lombarden bei Cortenuova. Seine zu weit gehenden Forderungen vereiteln jedoch die völlige Unterwerfung der Lombardei. Sein Sohn Enzio mit der Erbin von Sardinien vermählt, über das die Kurie die Lehnshoheit beanspruchte. Papst Gregor IX. beschuldigt ihn der Ketzerei und bannt ihn 1239 abermals. Er dringt 1240 vor bis in die Nähe Roms, wendet sich dann nach Ancona und belagert Faenza.

1241.

Seesieg seines Sohnes Enzio bei Elba über die genuesische Flotte, viele zum Konzil nach Rom fahrende Geistliche gefangen. Gregor IX. †. Sein Nachfolger Innocenz IV. verhandelt mit dem Kaiser, entflieht aber 1244 nach Genua und weiter nach Lyon. (Bedrohung Deutschlands durch die Mongolen, s. S. 195).

1245.

Absetzung des Kaisers durch Beschluß des Konzils zu Lyon. Innocenz IV. erneuert den Bann gegen ihn und fordert die deutschen Fürsten zu einer Neuwahl auf. Die Bettelmönche (Franziskaner und Dominikaner) predigen das Kreuz gegen ihn.

1246–1247.

Heinrich Raspe, Landgraf von Thüringen, Schwager der heiligen Elisabeth, der sie mit ihren Kindern von der Wartburg vertrieb, als Gegenkönig anfangs siegreich gegen Konrad, Friedrichs Sohn, dann aber bei Ulm zurückgeschlagen, stirbt 1247 auf der Wartburg. Mit ihm erlischt das landgräfliche Haus von Thüringen, dessen östlicher Teil mit der Markgrafschaft Meißen vereinigt wird; aus dem westlichen geht die Landgrafschaft Hessen hervor.

1247–1256.

Wilhelm von Holland, zweiter Gegenkönig, der jedoch kein Ansehen in Deutschland erlangt.

Friedrich kämpft 1248 in Italien anfangs glücklich, wird aber vor Parma zurückgeschlagen. Sein Sohn Enzio gerät 1249 beim Kampfe gegen Bologna in Gefangenschaft († nach 23jähriger Haft im Kerker). Der Kanzler Petrus von Vinea wird wegen geheimer Verhandlungen mit dem Papste als Verräter geblendet, † 1249.

1250.

Friedrich stirbt zu Fiorentino (in Apulien) in den Armen seines Sohnes Manfred. Ihm folgt in Deutschland sein Sohn

1250–1254.

Konrad IV. (Gegenkönig Wilhelm von Holland), der aber schon 1251 nach Italien zieht, um gemeinsam mit Manfred um das unteritalische Erbreich zu kämpfen. Er erobert 1253 Neapel, stirbt aber im folgenden Jahre am Fieber.

1256.

Wilhelm von Holland fällt im Kampfe gegen die Friesen.

1256–1273.

Interregnum in Deutschland.

Graf Richard von Cornwallis, Bruder Heinrichs III. von England, Schwager Kaiser Friedrichs II., von einem Teil der Fürsten erwählt, in Aachen gekrönt, kommt nur am Rhein zur Anerkennung († 1272). Alfons X. von Kastilien, Enkel des Hohenstaufen Philipp von Schwaben, von andern Fürsten gewählt, kommt nie nach Deutschland.

Verfall des deutschen Reiches. Die Reichsgüter (S. 182) werden teils von den Fürsten in Besitz genommen, teils reichsfreier Besitz von Rittern, Städten und Klöstern. Fehden und Raubrittertum namentlich am Rhein und in Schwaben. 1254 Stiftung des rheinischen Bundes (ausgehend von den Städten Mainz und Worms; die Erzbischöfe von Mainz, Trier, Köln, mehrere Bischöfe, Grafen und Städte schließen sich an) zur Wahrung des Landfriedens und Beseitigung ungerechter Zölle.

Befestigung der Landeshoheit in den größeren fürstlichen Gebieten: die Wittelsbacher in Bayern und der Rheinpfalz (Residenz Heidelberg, S. 186), die Welfen in Braunschweig-Lüneburg (S. 188), die Askanier in Sachsen-Wittenberg und Sachsen-Lauenburg, Anhalt und Brandenburg (S. 180, 184), die Wettiner in Meißen und Thüringen (S. 188). In den östlichen Landschaften Fortschreiten der deutschen Kolonisation (S. 179).

Bei dem Mangel geordneter Rechtsprechung von Reichs wegen gewinnt das von dem sächsischen Schöffen Eike von Repgow um 1230 aufgezeichnete Rechtsbuch, der Sachsenspiegel, bald große Verbreitung; in ähnlicher Weise wird das in Oberdeutschland geltende Land- und Lehnsrecht um 1276 im Schwabenspiegel aufgezeichnet. In Westfalen entwickeln sich aus den alten Grafschaftsgerichten die Femgerichte; der Erzbischof von Köln Oberstuhlherr, Freischöffen im ganzen Reiche.

Allmähliches Aufblühen der Städte: sie streben, zum Teil auf frühere kaiserliche Privilegien gestützt, nach Selbstregierung durch den von den Bürgern erwählten Rat. Worms und Köln treten schon unter Heinrich IV. und V. hervor. Die Bürger von Köln behaupten ihre Rechte im Streit gegen den Erzbischof 1258–1271 und in der Schlacht bei Worringen 1288, die Bürger von Straßburg siegen über den Bischof 1262 bei Hausbergen. Diese und andere bischöfliche Städte (Worms, Speier, Augsburg, Regensburg) werden gleich den früher von königlichen Beamten (Burggrafen oder Vögten) regierten Städten (Frankfurt, Aachen, Dortmund, Lübeck, Goslar, Nürnberg, Ulm u. a.) allmählich zu freien Reichsstädten. Andere bleiben unter bischöflicher oder fürstlicher Hoheit (Mainz, Magdeburg, Würzburg, München, Braunschweig, Stralsund u. a.), erlangen aber doch bedeutende Rechte zur Sicherung ihres Handels und Gewerbefleißes.

Aufblühen der Baukunst. Den romanischen Rundbogenstil (Dome zu Mainz, Worms, Speier und Bamberg; Wartburg) verdrängt allmählich der zuerst von den Arabern angewandte sog. gotische Spitzbogenstil: Dom zu Köln 1248 vom Erzbischof Konrad von Hochstaden an Stelle eines älteren Doms gegründet; Erwin von Steinbach beginnt 1277 die Westfront des Münsters zu Straßburg.

1266–1268.

Untergang des staufischen Herrscherhauses in Italien.

Manfred verteidigt das Königreich beider Sicilien zuerst als Reichsverweser für Konradin, den in Deutschland zurückgebliebenen Sohn Konrads IV., seit 1258 als König. Er fällt 1266 in der Schlacht bei Benevent im Kampfe gegen Karl von Anjou, Bruder Ludwigs IX. von Frankreich, welchem der Papst das Königreich zu Lehen gegeben hat.

Konradin geht 1267 mit Friedrich von Baden (als Sohn der babenbergischen Erbtochter von Österreich auch Friedrich von Österreich genannt) nach Italien. Er wird 1268 bei Tagliacozzo (nahe dem Logo di Celano, Fuciner-See) geschlagen und auf Befehl Karls von Anjou in Neapel hingerichtet.

Die Grausamkeit des Königs erregt Unruhen in Sicilien.

1282. 30. März.

Sicilianische Vesper, so genannt, weil der Aufstand am Ostermontag gegen Abend ausbrach. Ermordung aller Franzosen in Palermo, dann in ganz Sicilien, angestiftet von dem Ghibellinen Johann von Procida. König Pedro III. von Aragon, Schwiegersohn Manfreds, vereinigt Sicilien mit seinem Reiche; Karl von Anjou behält das Königreich Neapel.

§ 3. Frankreich.

Allmähliches Erstarken des Königtums. Die Macht der Capetinger ist noch auf ihr Herzogtum Francien (Isle de France und Orléanais) beschränkt, doch halten sie die Lehnshoheit über die großen Vasallen fest.

Philipp I. (1060–1108) mit Gregor VII. in Streit wegen der Hoheitsrechte über die Bischöfe, während des ersten Kreuzzuges im Bann wegen Verstoßung seiner Gemahlin, vererbt doch die königlichen Rechte auf seinen Sohn Ludwig VI. (1108–1137). Dieser bringt mit Hilfe des staatsklugen Abtes Suger von St.-Denis die königliche Gerichtsbarkeit über die Vasallen zu Ansehen und fördert die Städte. Veredlung des Rittertums durch die Kreuzzüge; Aufblühen der ritterlichen Dichtkunst (Troubadours in der Provence, Trouvères in Nordfrankreich). Ludwig VII. (1137–1180) unternimmt den zweiten Kreuzzug (S. 174f.), läßt sich von seiner Gemahlin Eleonore von Aquitanien scheiden; diese heiratet Heinrich II. Plantagenet, König von England, der dadurch Poitou, Guyenne und Gascogne u. a.m. erhält.

1180–1223.

Philipp II. Augustus. Dritter Kreuzzug mit Richard Löwenherz (S. 175f.). Siegreiche Kriege gegen England nach der Rückkehr (S. 193); Mehrung der Königsmacht.

1209–1229.

Albigenserkriege in Südfrankreich, veranlaßt durch die Predigten der Cistercienser und Dominikaner (S. 178) gegen die kirchlichen Sekten der Katharer (in Deutschland Ketzer genannt) und Waldenser (Petrus Waldus zu Lyon 1173). Graf Raimund VI. von Toulouse nimmt sich der Bedrängten an, welche grausam verfolgt werden (Einwohnerschaft des erstürmten Béziers, 20000 Seelen, umgebracht), muß vor Simon von Montfort zurückweichen, gewinnt aber schließlich seine Besitzungen wieder. Philipp II., Augustus, vermeidet die Einmischung in den Krieg; sein Sohn Ludwig VIII. (1223–1226) folgt dem Hilferuf Amalrichs von Montfort gegen Raimund VII., stirbt aber vor Beendigung des Kriegszuges. Die päpstliche Inquisition vollendet die gewaltsame Bekehrung der Albigenser.

1226–1270.

Ludwig IX., der Heilige, anfangs unter Vormundschaft seiner Mutter Blanka von Kastilien. Raimund VII. unterwirft sich 1229; die Grafschaft Toulouse mit der Krone vereinigt, ebenso andere Provinzen durch Vertrag oder Erbanfall. Friedliche Regierung, Verbot der Fehden, Fürsorge für die Rechtspflege; Gottesurteile abgeschafft; die Gerichtsbarkeit der großen Vasallen beschränkt durch die Oberaufsicht der königlichen Gerichte (Parlamente). Aufblühen der Universität Paris. Ludwigs Kaplan Robert von Sorbon gründet die Sorbonne, berühmt als Hauptsitz der theologischen Studien. Sechster und siebenter Kreuzzug (S. 177).

§ 4. England.

1066–1154.

Normannische Könige.

1066–1087.

Wilhelm I., der Eroberer, Sohn Roberts II, des Teufels, vollendet in blutigen Kämpfen die Unterwerfung der Angelsachsen und richtet den normannischen Lehnsstaat ein, aber mit Beibehaltung der angelsächsischen Grafschaftseinteilung und Gerichtsverfassung. Aufzeichnung der Rechtsverhältnisse und Abgaben der Grundbesitzer im Domesdaybook (von domus dei): Ritterlehen, Kirchengüter, städtischer Besitz, freie Bauerngüter, Höfe der Unfreien. Zwei Volksstämme und zwei Sprachen, die sächsische und die französische, bestehen noch lange Zeit in England nebeneinander; König und Adel sind französische Normannen.

Wilhelms I. ältester Sohn Robert erbt die Normandie; in England folgen die jüngeren Söhne, zuerst Wilhelm II., dann Heinrich I., welcher 1106 auch die Normandie in Besitz nimmt. Ihm folgt sein Schwestersohn Stephan von Blois, gegen welchen Heinrichs Tochter Mathilde, vermählt mit dem Grafen Gottfried von Anjou, Erbansprüche erhebt. Langwierige Kämpfe; endlich wird Mathildens Sohn Heinrich von Anjou als Thronfolger anerkannt.

1154–1399.

Haus Anjou-Plantagenet.[36]

1154–1189.

Heinrich II. besitzt große französische Lehen: 1. Normandie und Bretagne als Erbe der normannischen Könige, 2. Anjou, Maine, Touraine von seinem Vater, 3. durch Heirat mit Eleonore (1152, s. S. 191) Poitou, Guyenne und Gascogne, also im ganzen mehr als halb Frankreich.

1164.

Reform der Rechtspflege durch die Beschlüsse von Clarendon, namentlich werden die Vorrechte der Geistlichen beschränkt. Deswegen Streit mit dem Erzbischof Thomas Becket von Canterbury, welcher von Anhängern des Königs 1170 ermordet wird.

1171.

Kriegszug nach Irland, die Fürsten der Insel unterwerfen sich der englischen Lehnshoheit. Durch einen Aufstand wird ein Teil wieder selbständig.

1174.

Heinrichs Buße am Grabe des auf sein Anstiften ermordeten Erzbischofs; seine aufständischen Söhne müssen sich unterwerfen. Die Gerichtsbarkeit über die Geistlichen wird durch Verträge mit Papst Alexander III. geregelt.

1189–1199.

Richard Löwenherz, in ritterlichen Kämpfen hervorragend, aber ohne Mäßigung. Kreuzzug, Gefangenschaft in Deutschland (S. 176), dann Kriege mit Philipp II. Augustus von Frankreich. Richards Bruder

1199–1216.

Johann (ohne Land) läßt seinen Neffen Arthur von der Bretagne, der ihm den Thron streitig macht, ermorden, wird deshalb als französischer Vasall (S. 192) von Philipp II. vor den französischen Lehnsgerichtshof geladen, verliert 1204 die Normandie, bald auch die übrigen französischen Lehen bis auf Guyenne an die Krone Frankreich. — Streit mit Papst Innocenz III. über die Wahl eines Erzbischofs von Canterbury (1205). England mit dem Interdikt, Johann mit dem Bann belegt. Der König unterwirft sich dem Papst und leistet ihm den Lehnseid (1213). Während er dann von La Rochelle aus die verlorenen Gebiete in Frankreich zurückzuerobern versucht, werden seine Verbündeten, der Graf von Flandern und Otto IV. von Deutschland, bei Bouvines geschlagen (1214 s. S. 186). Aufstand der großen Vasallen; sie erzwingen auf der Wiese Runnymede bei Windsor die Bewilligung der

1215.

Magna charta libertatum, Grundlage der englischen Verfassung: Freie Wahl der Bischöfe und Äbte durch die Geistlichen; Erblichkeit der Lehen; Steuern anstatt der Lehnsdienste (Schildgeld) und Hilfsgelder sollen nur mit Zustimmung der Prälaten und Barone erhoben werden; jeder Freie soll nur von seinesgleichen nach Landesrecht gerichtet werden; die Städte sollen ihre Privilegien behalten und die Kaufleute freien Verkehr haben.

1216–1272.

Heinrich III., anfangs unter Vormundschaft des Grafen Wilhelm von Pembroke. Ein französisches Heer, das in England gelandet war, wird zum Abzug genötigt. Vertrag mit Frankreich 1259; Guyenne als englischer Besitz anerkannt.

Öftere Streitigkeiten mit den zum Parlament versammelten Baronen; das Land bedrückt durch die Geldforderungen päpstlicher Legaten, um Heinrichs jüngstem Sohn Edmund die Herrschaft über Neapel und Sicilien zu verschaffen. Simon von Montfort, Graf von Leicester (spr. Lester), nimmt 1264 den König gefangen, beruft 1265 auch Vertreter der Grafschaften (zwei Ritter aus jeder Grafschaft) und der Städte zum Parlament, wird aber bei Evesham von dem Kronprinzen Eduard besiegt. Der König befreit; darauf erneute Bestätigung der Magna charta. In dieser Zeit allmähliche Vermischung und Ausgleichung der Angelsachsen und Normannen.

§ 5. Die Pyrenäische Halbinsel.

Fortdauernde Kämpfe zwischen Christen und Mohammedanern. König Alfons VI. von Kastilien überträgt dem Grafen Heinrich von Burgund 1095 die Grafschaft Portugal (zwischen Minho und Duero) als Lehen. Heinrichs Sohn Alfons macht sich von der Lehnspflicht frei und nennt sich 1140 König von Portugal. Deutsche Kreuzfahrer aus den Rheinlanden, welche zur See nach Palästina ziehen, helfen 1147 zur Eroberung von Lissabon.

1118.

König Alfons I. von Aragon vertreibt die Araber aus Saragossa. Durch die Vermählung seiner Nichte mit dem Markgrafen von Barcelona werden 1137 die Länder Aragon und Katalonien vereinigt.

1157.

Kastilien geschwächt durch Abtrennung von Leon. Dem erneuten Anstürmen der Araber treten die drei bald darauf gegründeten Ritterorden von Alcántara (am Tajo), Calatrāva (am Guadiana), San Jago di Compostella (in Galicien) erfolgreich entgegen.

1212.

Großer Sieg der vereinigten Könige und Ritter bei Tolosa (in der Sierra Morena).

1230.

Ferdinand III. vereinigt Leon wieder mit Kastilien, erobert 1236 Cordova, 1248 Sevilla. Sein Sohn Alfons X., der Weise (S. 189) erweitert sein Reich auf Kosten der Mauren. Selbst Philosoph und Astronom (seine Verbesserung der Ptolemäischen Planetentafeln), ist er ein eifriger Förderer der Wissenschaften; Universität Salamanca. Alfons 1282 abgesetzt, † 1284 als Flüchtling bei den Mauren in Sevilla.

1238.

Jakob I. von Aragon erobert Valencia, bald darauf vertreibt Alfons III. von Portugal die Araber aus Algarbe. Nur in Andalusien behauptet sich das arabische Königreich Granāda bis 1492.

§ 6. Der Osten.

Das oströmische Reich ist unter den letzten Komnenen (S. 172) durch Thronstreitigkeiten geschwächt; die Bulgaren machen sich 1186 unabhängig. Das 1204 von den Kreuzfahrern errichtete Lateinische Kaisertum (S. 176) gewinnt keinen festen Bestand; griechische Sprache und Sitte behauptet sich. Unter dem Hause der Paläologen seit 1261 bleibt das Reich von dem Ansturm der Mongolen verschont, wird aber bald danach von den Türken bedrängt.

1206.

Die Mongolen erheben am Amur den Stammfürsten Temudschin zu ihrem Oberhaupt, Tschingis Chan † 1226. Er beginnt große Eroberungszüge, unterwirft Nord-China und vernichtet nach Westen zu das Reich der Chowaresmier, welche seit 1150 die meisten seldschuckischen Sultanate und das frühere Gasnavidenreich (S. 172) erobert hatten. Sein Sohn Oktai macht Karakorum zum Herrschersitz. Sein Enkel Kublai Chan (1260–1294) begründet in China die mongolische Dynastie Jüan (1280–1367), sucht auch Japan zu erobern (S. 220). An Kublais Hofe in Peking der venezianische Reisende Marco Polo (S. 221).

1237.

Temudschins Enkel Batu dringt vom Chanat Kiptschak (Reich der Goldenen Horde) aus erobernd in Rußland ein. Moskau und Kiew verbrannt, dann Zug durch Polen und Angriff auf Schlesien. Ein deutsches Ritterheer unter Heinrich dem Frommen, Herzog von Liegnitz, tritt den Mongolen entgegen.

1241.

Schlacht bei Wahlstatt (Liegnitz). Die Mongolen, obwohl Sieger, ziehen nach Südosten ab durch Ungarn, nehmen ihre Wohnsitze im Chanat Kiptschak; Hauptstadt Sarai (Gouv. Astrachan). Rußland bleibt ihnen Untertan bis 1480.

1258.

Vernichtung des Kalifats durch die asiatischen Mongolen, welche Bagdad zerstören. Ihrem Vordringen nach Syrien treten die Mamelucken (S. 177) entgegen. Das große Reich der Mongolen, welche größtenteils den Islam annehmen, löst sich in einzelne Chanate auf; China wird 1368 durch Taitsu, einen buddhistischen Priester, von der Mongolenherrschaft befreit. Mit ihm beginnt die Dynastie der Ming (1368–1644).

D. Vom Ende der Kreuzzüge bis zur Entdeckung Amerikas. (1270–1492.)

§ 1. Deutschland.

1273–1347.

Könige und Kaiser aus verschiedenen Häusern.

1273–1291.

Rudolf I., Graf von Habsburg, reich begütert im Aargau und am Vierwaldstättersee, Landgraf im Elsaß, wird in Frankfurt von den sieben angesehensten Reichsfürsten zum römischen König gewählt, besonders auf Betreiben seines Verwandten, des Burggrafen Friedrich III. von Nürnberg (aus dem Hause Hohenzollern). Krönung zu Aachen, erster Reichstag 1274 zu Nürnberg; Beschluß, das Reichsgut zurückzufordern. Doch kommt dieser Beschluß nur in geringem Maße zur Ausführung; der König sieht sich auf Vergrößerung seiner Hausmacht angewiesen.

1276.

Krieg gegen Ottokar, König von Böhmen, welcher nach dem Aussterben der Babenberger (1246) Österreich in Besitz genommen, von den Ungarn Steiermark wieder erobert, Kärnten und Krain durch Erbschaft erworben hatte. Ottokar wird geächtet, unterwirft sich, erneuert aber bald den Krieg.

1278.

Sieg Rudolfs auf dem Marchfelde (bei Dürnkrut), Ottokar fällt. Vergleich mit dem Vormunde seines Sohnes Wenzel. Dieser behält Böhmen, später bekommt er auch Mähren zurück. Bildung der habsburgischen Hausmacht: Österreich, Steiermark und Krain kommen als Reichslehen an die Söhne Rudolfs, Kärnten an Graf Meinhard von Tirol, seinen Schwager.

1281.

Rudolf verkündet Landfriedensordnungen in Bayern, Franken und am Rhein. In Schwaben leisten Graf Eberhard von Württemberg und Markgraf Rudolf von Baden (Stammburg Zähringen bei Freiburg im Breisgau) der Absicht des Königs, das Herzogtum Schwaben wiederherzustellen, erfolgreich Widerstand.

1289.

Feldzug nach Burgund; die Freigrafschaft (Franche-Comté, Hauptstadt Besançon) für das deutsche Reich wiedergewonnen. Die Provence und Avignon bleiben im Besitz Karls von Anjou (S. 190).

1290.

Rudolf residiert zu Erfurt, schlichtet Streitigkeiten in Thüringen, läßt 29 Raubritter enthaupten und 66 Burgen brechen.

1291.

Rudolf † zu Speier. Zum Nachfolger wird nicht sein Sohn Albrecht gewählt, sondern auf Betreiben des Erzbischofs von Mainz, Gerhard v. Eppstein, ein mit diesem verwandter, minder mächtiger Graf,

1292–1298.

Adolf von Nassau. Dieser will den Streit zwischen Landgraf Albrecht dem Entarteten von Thüringen und seinen Söhnen Friedrich und Diezmann (S. 181) benutzen, um die Mark Meißen als erledigtes Reichslehen einzuziehen, wird aber, ehe er dies durchführen kann, durch eine von Erzbischof Gerhard v. Eppstein berufene Fürstenversammlung abgesetzt und fällt in der Schlacht bei Göllheim (am Donnersberge) im Kampfe gegen den nun zum Throne berufenen

1298–1308.

Albrecht I. von Österreich, Sohn Rudolfs I. Papst Bonifacius VIII. verweigert ihm die Anerkennung; Albrecht schließt ein Bündnis mit König Philipp IV. von Frankreich und demütigt die vier rheinischen Kurfürsten (Mainz, Trier, Köln, Pfalz), indem er 1301 zu Gunsten der Städte die willkürlichen Rheinzölle aufhebt.

1303.

Aussöhnung mit dem Papste, dessen Recht auf Bestätigung der deutschen Königswahl Albrecht anerkennt. Gleich darauf Sturz der päpstlichen Macht (S. 207), doch unternimmt Albrecht keinen Zug nach Italien, sondern versucht Böhmen für seine Hausmacht zu gewinnen. Das von ihm nach Meißen entsandte Heer wird 1307 von Friedrich und Diezmann bei Lucka unweit Altenburg geschlagen.

1308.

Albrecht wird von seinem Neffen Johann (Parricīda), dem er sein Erbe vorenthielt, zwischen Aar und Reuß, nahe bei der Habsburg ermordet. Die Königswahl lenkt der Erzbischof von Trier auf seinen Bruder:

1308–1313.

Heinrich VII., Graf von Luxemburg. Dieser stellt die Rheinzölle zu Gunsten der Fürsten wieder her. Den Söhnen Albrechts bestätigt er den Besitz ihrer Lehen, erkennt aber 1309 die Schweizer Waldstätte als reichsunmittelbar an.

Entstehung der Schweizer Eidgenossenschaft.

Schon in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts treten die Waldorte dem Bestreben der Grafen von Habsburg, die mit der Grafschaft verbundene Vogtei zu einer vollständigen Landeshoheit über sie auszubilden, entgegen. König Heinrich (S. 187) erteilt 1231 einen Freibrief für Uri, Kaiser Friedrich II. 1240 für Schwyz. König Rudolf erkennt den Freibrief für Uri an, ernennt in Schwyz nur einheimische Amtleute. Gleich nach seinem Tode, am 1. August 1291, schließen die drei Waldorte Uri, Schwyz, Unterwalden zur Erhaltung ihrer Freiheit einen ewigen Bund, fügen sich aber zunächst noch der Herrschaft König Albrechts.

Die von der Volksdichtung ausgeschmückte Erzählung, welche die Tatsache des allmählichen Erringens der Reichsunmittelbarkeit der Waldstätte auf ein kurzes Zeitmaß zusammendrängt, erscheint erst nach und nach sich ausbildend in Chroniken des 15. Jahrhunderts und steht vielfach in Widerspruch mit den Urkunden. Weder der Schwur auf dem Rütli (1307, Werner Stauffacher, Walter Fürst, Arnold vom Melchtal), noch die Vertreibung der Vögte am 1. Januar 1308 ist historisch verbürgt. Ein Landvogt Geßler hat weder in Uri noch in Küßnacht regiert. Die Sage vom Apfelschuß findet sich auch in Norwegen, Island, Dänemark, am Rhein und in England; sie ist eine allgemein germanische Sage. Das älteste Lied von Tell stammt aus der Zeit der burgundischen Kriege (1477); die uns geläufige Tradition gibt erst der Chronist Tschudi (um 1550).

1310.

Heinrichs VII. Sohn Johann wird König von Böhmen, gewählt durch die böhmischen Stände entgegen den Ansprüchen der Habsburger (der Mannesstamm der Prschemysliden in Böhmen war 1306 ausgestorben, Johann heiratet den letzten weiblichen Sproß); dadurch erhalten die Luxemburger eine Hausmacht. Seitdem Gegensatz zwischen den Habsburgern und Luxemburgern.

1310–1313.

Heinrichs VII. Römerzug. Er wird von den Ghibellinen (Dante, 1302 aus Florenz verbannt) herbeigerufen, schlichtet die Parteikämpfe in Mailand (die Visconti hier seit 1277), unterwirft Brescia, wird in Genua und Pisa freudig aufgenommen, in Rom zum Kaiser gekrönt, belagert aber vergeblich die guelfisch gesinnte Stadt Florenz und stirbt auf dem Zuge gegen Neapel.

In dieser Zeit bringt König Philipp IV. von Frankreich die Freigrafschaft Burgund (S. 196) durch Heirat an sich und zwingt den Erzbischof von Lyon zur Huldigung.