804.

Letzter Feldzug gegen die Sachsen; Karl zieht von Aachen aus nach Lippspringe, hält dort das Maifeld ab, dringt dann bis zur unteren Elbe (bei Harburg) vor.

806.

Karl der Jüngere besiegt den slavischen Stamm der Sorben (zwischen Elbe und Saale); Grenzfesten werden bei Magdeburg und Halle angelegt. Sorbische Mark gegründet.

808.

Karl der Jüngere bekämpft jenseits der Elbe die Dänen; ihr König Götrik befestigt das Danewerk (westlich von Schleswig) zum Schutz seiner Grenze, wird 810, als der Kaiser selbst gegen ihn zieht, von seinen Untertanen ermordet. 811 Friede mit seinem Nachfolger Hemming an der Eider. Bei diesen Expeditionen werden Hamburg und Itzehoe und nördlich von der Eider die Dänische Mark angelegt.

811.

Maifeld zu Aachen; dann besichtigt der Kaiser die in Boulogne zur Abwehr der Normannen gerüstete Flotte.

813.

Nach dem Tode der beiden älteren Söhne Karl und Pippin krönt Karl zu Aachen seinen jüngsten Sohn Ludwig als Nachfolger. Er stirbt daselbst, 72 Jahre alt, am 28. Januar 814. Sein Grab in dem von ihm dort erbauten Münster.

Grenzen des Frankenreiches: Ebro — Raab, Eider — Garigliano. Grenzmarken: die spanische und bretonische (S. 142) im Westen, die avarische und sorbische im Osten, die sächsische und dänische im Norden. Während seiner ganzen Regierung sorgt Karl d. Gr. für Gesetzgebung und Verwaltung. Aufzeichnung der noch ungeschriebenen Volksrechte (lex Saxonum); die in den verschiedenen Reichsteilen geltenden älteren Volksrechte der Franken, Westgoten, Burgunder, Alamannen, Bayern, Langobarden werden ergänzt durch die Capitularia, die bei den Versammlungen der geistlichen und weltlichen Großen (Placita, Conventus generales) verkündet werden. Aufsicht über die von den Bischöfen, Gaugrafen und Markgrafen (marchiones) geführte Verwaltung durch die Königsboten (missi regis, missi dominici); die Herzogswürde ist abgeschafft. Bei wachsender Ausbildung des Lehnswesens ruht doch die Hauptkraft des Heeres noch auf dem Heerbann der Freien; die ärmeren Freien werden geschützt gegen die Versuche der Großen, sie gewaltsam zu abhängigen Lehnsträgern zu machen.

Zur Förderung der Bildung im Frankenreiche werden ausländische Geistliche berufen, besonders der Angelsachse Alcuin, Abt von Tours. Hofschule zur Ausbildung tüchtiger Beamten; zahlreiche Klosterschulen (Fulda, St. Gallen). Paul, Warnefrieds Sohn (Paulus Diacŏnus) Geschichtschreiber der Langobarden; der Franke Einhard, Verfasser der Vita Carŏli imperatoris. Karl d. Gr. selbst bemüht sich um die Grammatik der deutschen Sprache, gibt den Monaten und den Winden deutsche Namen, läßt die alten Heldenlieder sammeln. Sorge für den Landbau (Capitulare de villis). Anlage eines Kanals von der Donau zum Main, 793 in Regensburg angeordnet, aber nicht vollendet. Residenzen des Herrschers die Pfalzen (palatia) zu Aachen, Ingelheim, Worms, Nimwegen, Heristal, Diedenhofen, Attigny u. a.

814–840.

Ludwig der Fromme. Die Reichsverwaltung wird zunächst in der von Karl d. Gr. begründeten Weise weitergeführt, doch wird der Einfluß der Geistlichen überwiegend. Ludwig läßt sich 816 in Reims nochmals vom Papste Stephan IV. krönen; sein ältester Sohn Lothar, schon 817 zum Mitregenten ernannt, übernimmt die Verwaltung Italiens und wird 823 in Rom zum Kaiser gekrönt.

826.

Taufe des Dänenkönigs Harald zu Mainz; der Mönch Ansgar von Corvey predigt das Christentum in Dänemark, dann auch in Schweden.

830.

Empörung der drei älteren Söhne, Lothar, Pippin und Ludwig, als der Kaiser die früher beschlossene Reichsteilung abändert zu Gunsten des jüngsten Sohnes Karl (aus zweiter Ehe mit Judith, die aus dem alamannischen Geschlecht der Welfen stammte). Eine Reichsversammlung zu Nimwegen setzt den Kaiser wieder in volle Macht ein.

831.

Gründung des Erzbistums Hamburg; Ansgar erster Erzbischof.

833.

Zweite Empörung der Söhne. Der Kaiser, auf dem Lügenfelde bei Colmar im Elsaß von seinem Heere verlassen, wird gefangen und von Lothar zu öffentlicher Kirchenbuße in Soissons genötigt, bald aber von Ludwig und Pippin befreit und wieder auf den Thron gesetzt.

838.

Pippin †, Ludwig erhebt sich gegen den Vater, der jetzt an Lothar eine Stütze findet.

840.

Ludwig der Fromme † auf einer Rheininsel bei Ingelheim; der Zwist der Söhne dauert fort.

841.

Schlacht bei Fontenay (unweit Auxerre an der Yonne); Ludwig und Karl siegen über Lothar.

Sie befestigen ihr Bündnis 842 durch die Eide zu Straßburg, in welchen die Scheidung der deutschen und französischen Sprache im Frankenreiche deutlich hervortritt.

843.

Vertrag zu Verdun, Teilung des Reiches.

Kaiser Lothar erhält Italien und Mittelfranken, begrenzt östlich vom Rhein, westlich von Rhone, Saône, Maas und Schelde, mit den Hauptstädten Rom und Aachen;

Ludwig der Deutsche erhält Ostfranken, das rechtsrheinische Land, dazu auf dem linken Rheinufer die Gaue von Mainz, Worms, Speier (propter vini copiam).

Karl der Kahle erhält Westfranken (Neustrien, Aquitanien, Burgund).

In Ludwigs Reich überwiegt die germanische, in Karls Reich die romanische Bevölkerung. So entwickeln sich fortan Deutschland und Frankreich als nationale Staaten. Die Ostfranken nennen ihre Sprache im Gegensatz zu der römischen Sprache der gelehrten Geistlichkeit die deutsche, d. h. die volkstümliche; allmählich werden die deutschredenden Stämme als Deutsche vereinigt.

B. Vom Vertrage zu Verdun bis zum Beginn der Kreuzzüge. 843–1096.

§ 1. Italien und Deutschland.

843–875.

Karolinger[30] in Italien.

Lothar regiert bis 855, nach ihm sein ältester Sohn Ludwig II. als Kaiser bis 875; er herrscht über Italien; von den beiden jüngeren Söhnen erhält Lothar II. das Gebiet von der Nordsee bis zur Rhone und Saône (Lothari regnum, Lothringen), Karl den südlichen Teil. Die nordafrikanischen Araber (Sarazenen), seit 827 im Besitze Siciliens, beunruhigen durch Seezüge die Küsten Italiens. Rom gesichert durch die aurelianische Mauer (S. 134); Papst Leo IV. läßt auch den Stadtteil auf dem rechten Tiberufer (Peterskirche und Vatikan) ummauern.

Papst Nikolaus I. (858–867), gestützt auf die pseudo-isidorischen Dekretalen (S. 145) (Bischof Isidor von Sevilla, um 600, hatte zuerst päpstliche Entscheidungen gesammelt), bringt die päpstliche Macht gegenüber den Bischöfen und den karolingischen Herrschern zu hohem Ansehen, kann aber die durch dogmatische Streitigkeiten veranlaßte Loslösung der griechisch-katholischen Kirche von der Oberhoheit Roms nicht verhindern. Der Patriarch Photius in Konstantinopel tritt 863 dem päpstlichen Bann entgegen; völlige Trennung der beiden Kirchen erst 1054.

Die Slavenapostel Methodius und Cyrillus, 863 aus Thessalonich nach Mähren berufen, erkennen Roms Oberhoheit an; von Mähren aus verbreitet sich das Christentum um 900 nach Böhmen und Polen.

875.

Karl der Kahle von Frankreich gewinnt in Rom die Kaiserkrone, † 877 (Karl II.).

843–911.

Karolinger in Deutschland.

843–876.

Ludwig der Deutsche führt Grenzkriege gegen die Slaven (Abodriten in Mecklenburg, Sorben, Czechen), setzt in Mähren den Herzog Rastislav ein.

845.

Hamburg zerstört von den Normannen, die schon mehrmals die friesische Küste heimgesucht hatten; das Erzbistum wird nach Bremen verlegt. Die ferneren Raubzüge der Normannen richten sich gegen das westfränkische Reich.

870.

Vertrag zu Mersen (an der Maas) mit Karl dem Kahlen; nach dem Tode der beiden jüngeren Söhne Lothars I. wird deren Erbe zwischen Deutschland und Frankreich geteilt. Der germanische Teil (Friesland, Lothringen, Elsaß) kommt an Deutschland, der romanische (Flandern, Brabant, Verdun, Burgund, Provence) an Frankreich.

874.

Swatopluk, Fürst von Mähren, zur Huldigung genötigt.

876–887.

Karl der Dicke regiert zuerst gemeinsam mit seinen älteren Brüdern Karlmann und Ludwig. Letzterer weist durch den Sieg bei Andernach am Rhein 876 Karls des Kahlen Ansprüche auf Lothringen zurück. Karl zieht 879 und 881 nach Italien, erlangt 881 in Rom die Kaiserkrone (Karl III.) wird 884 auch in Westfranken zum König gewählt. So vereinigt er noch einmal Karls des Großen Monarchie mit Ausnahme von Niederburgund (Rhônegebiet), wo 879 Boso von Vienne, Schwiegersohn Kaiser Ludwigs II., zum König erwählt war (Hauptstadt Arles, daher der Name Arelatisches Reich). Aber er verliert bald sein Ansehen, weil er den Paris belagernden Normannen ein Lösegeld von 7000 Pfund Silber bewilligt und Burgund verpfändet; er wird von den zu Tribur (südöstlich von Mainz auf dem rechten Rheinufer) versammelten Fürsten des ostfränkischen Reiches abgesetzt und stirbt bald darauf. Hochburgund (Westschweiz und Franche-Comté) wird 888 ein selbständiges Reich unter dem Welfen Rudolf.

887–899.

Arnulf von Kärnten, Sohn Karlmanns, schlägt die Normannen bei Löwen an der Dyle 891 und kämpft im Bunde mit dem finnischen Reitervolke der Magyaren (Ungarn), das vom Ural her in die früheren Wohnsitze der Avaren eingedrungen ist, gegen Swatopluk von Mähren, dessen slavisches Reich nach seinem Tode (894) zerfällt. Arnulf zieht zweimal nach Italien, wird 896 in Rom zum Kaiser gekrönt, stirbt aber, ehe er sein Reich befestigen kann. Ihm folgt sein sechsjähriger Sohn

899–911.

Ludwig das Kind unter Leitung des Erzbischofs Hatto von Mainz. Furchtbare Verheerung Deutschlands durch die Raubzüge der Magyaren; wiederholt durchziehen sie Bayern (907 Herzog Luitpold, Stammvater der Wittelsbacher samt seinem Heer vernichtet), Thüringen und Sachsen. Zugleich innere Fehden: Graf Adalbert von Babenberg kämpft gegen die in Franken und Hessen begüterten Konradiner; er wird besiegt und vor seiner Burg hingerichtet.

In verschiedenen Reichsteilen erhebt sich wieder das durch Karl den Großen beseitigte Stammesherzogtum; es bilden sich die Stammherzogtümer Sachsen, Franken, Bayern, Schwaben, Lothringen. Nach Ludwigs Tode lehnt der greise Otto der Erlauchte, Herzog von Sachsen, die Königskrone ab und lenkt die Wahl der Großen auf den mit den Karolingern nahe verwandten Konradiner

911–918.

Konrad I. von Franken. Einfälle der Dänen, Slaven und Magyaren. Konrad kämpft vergeblich um die Anerkennung der Königsgewalt, namentlich gegen Heinrich, Ottos des Erlauchten Sohn, seit 912 Herzog von Sachsen. Lothringen wendet sich dem westfränkischen Reiche zu, Elsaß bleibt mit Schwaben verbunden.

In Italien, welches von Raubzügen der Magyaren und der Araber heimgesucht wird, hat nach Arnulfs Tode Berengar von Friaul ein Königtum begründet, er erlangt 915 auch die Kaiserwürde. Gegen ihn tritt 922 Rudolf II. von Hochburgund auf, gegen diesen Hugo von Niederburgund. Rudolf II. schließt 933 Vertrag mit Hugo, der zum König von Italien gekrönt, auf Niederburgund verzichtet; vereinigtes Reich Burgund (Hauptstadt Arles) 933–1033. Dagegen gewinnt das italische Königtum keinen festen Bestand; Hugo wird 945 von Berengar von Ivrea vertrieben; Hugos Sohn Lothar, mit Rudolfs II. Tochter Adelheid (deren zweiter Gemahl Otto der Große) vermählt, sucht nach dem Tode seines Schwiegervaters vergebens dessen Reich wiederzugewinnen, † 950. Das Papsttum ist in dieser Zeit in tiefem Verfall, abhängig von streitenden römischen Adelsparteien.

919–1024. Sächsische Könige und Kaiser.

           Heinrich I. †936.
________________|_______________________________________
Thankmar   Otto I. †973  Heinrich,                Brun,
†938.       |           Herzog v. Bayern †955.   Erzb. v.
_____________|_________  ________|___________     Köln.
  Lindolf  Otto II. †983.   Heinrich d. Zänker,
   †957      |              Herzog v. Bayern †995.
           __|__                   __|__
          Otto III.    Heinrich II. †1024.
           †1002.

Auf Wunsch des sterbenden Konrad und auf Betreiben Eberhards, seines Bruders, wird zu Fritzlar an der Eder von den Franken und Sachsen erwählt

919–936.

Heinrich I., der Begründer des Deutschen Reiches.

Er nötigt durch Kriegszüge die Herzöge Burkhard von Schwaben und Arnulf von Bayern zur Anerkennung seiner Oberhoheit, schließt 924 mit den Magyaren (Ungarn) einen 9jährigen Waffenstillstand, welcher gegen Tribut Sachsen und Thüringen sicher stellt, bringt 925 durch einen Kriegszug über den Rhein Lothringen wieder zum Reiche; Herzog Giselbert wird sein Schwiegersohn.

In Sachsen sorgt er für Befestigung älterer Ortschaften (Merseburg, Goslar) und Anlage neuer Burgen (Quedlinburg); die Sachsen gewöhnen sich allmählich an städtisches Leben und an Reiterdienst im Kriege.

928.

Glückliche Kämpfe gegen die Wenden; Brennabor, Stadt der Heveller, im Winter erobert; im Lande der Daleminzier die Feste Meißen gegründet.

929.

Zug nach Prag, Herzog Wenzel von Böhmen zur Huldigung genötigt. Währenddessen Aufstand der nördlichen Wenden; sie werden von den sächsischen Grafen Bernhard und Thietmar bei Lenzen (unweit Dömitz an der Elbe) geschlagen.

932.

Unterwerfung der Wenden in der Lausitz.

933.

Sieg Heinrichs über die Ungarn an der Unstrut (bei Riade); Sachsen fortan vor ihnen gesichert.

934.

Zug gegen die Dänen unter König Gorm; Wiederherstellung der Grenzmark zwischen Eider und Schlei, später Mark Schleswig genannt.

936.

Heinrich † zu Memleben an der Unstrut, begraben in dem von ihm gegründeten Münster zu Quedlinburg. Ihm folgt sein mit der angelsächsischen Königstochter Editha vermählter Sohn

936–973.

Otto I., der Grosse. Krönung in Aachen durch den Erzbischof von Mainz; die Herzöge verwalten dabei die Hofämter: Giselbert von Lothringen Kämmerer, Eberhard von Franken Truchseß, Hermann von Schwaben Mundschenk, Arnulf von Bayern Marschall. Otto, erst 24 Jahre alt, sucht die Selbständigkeit der Herzöge zu beschränken.

937.

Einfall der Ungarn in Franken; von Otto zurückgeschlagen ziehen sie nach Westen, verheeren große Strecken von Frankreich und Burgund, dringen auch in Italien ein.

938.

Aufstand des zu einer Strafe verurteilten Frankenherzogs Eberhard in Gemeinschaft mit Ottos Halbbruder Thankmar, der in der Eresburg getötet wird. Eberhard unterwirft sich und erhält Verzeihung; Otto schlägt einen Einfall der Ungarn in Sachsen zurück und zieht dann nach Bayern gegen die Söhne des Herzogs Arnulf († 937), die ihm Huldigung verweigern; er setzt Arnulfs Bruder Berthold als Herzog, einen der Söhne als Pfalzgrafen in Bayern ein zur Ausübung der höchsten Gerichtsbarkeit und Aufsicht über die königlichen Besitzungen und Einkünfte im Lande.

939.

Abermaliger Aufstand Eberhards in Gemeinschaft mit Ottos jüngerem Bruder Heinrich und dessen Schwager Herzog Giselbert von Lothringen. Eberhard fällt im Kampfe bei Andernach, Giselbert ertrinkt auf der Flucht im Rhein; Heinrich entkommt nach Frankreich, kehrt aber bald zurück und erhält Verzeihung.

940.

König Ludwig IV. von Frankreich, mit Giselberts Witwe vermählt, versucht Lothringen an sich zu reißen. Otto dringt mit Heeresmacht in Frankreich ein bis zur Seine, sichert Lothringen dem deutschen Reiche. Er gibt dieses Herzogtum 944 an Konrad den Roten (Ahnherrn des fränkisch-salischen Königshauses), der sein Schwiegersohn wird. Zum Herzog von Bayern ernennt er nach Bertholds Tode 947 seinen Bruder Heinrich, zum Herzog von Schwaben 950 seinen Sohn Liudolf; Franken und Sachsen behält er selbst.

Hermann Billung, Markgraf gegen die nördlichen Wenden und Dänen, erhält später die Herzogsgewalt in Sachsen. Die Mark an der mittleren Elbe verwaltet Markgraf Gero, unter dessen Schutze im Wendenlande die Bistümer Havelberg und Brandenburg gegründet werden.

946.

Zweiter Zug Ottos nach Frankreich bis Rouen, diesmal zur Unterstützung König Ludwigs IV., besonders gegen Hugo, den Herzog von Francien (beide seine Schwäger).

Die bedeutende Machtstellung, welche Otto errungen hat, legt es dem tatkräftigen Herrscher nahe, nun auch in die zerrütteten Verhältnisse Italiens einzugreifen.

951.

Erster Zug nach Italien (über den Brennerpaß) gegen Berengar von Ivrea (S. 158). Otto befreit und heiratet (in zweiter Ehe) die burgundische Königstochter Adelheid (s. S. 158). Er empfängt in Pavia die Huldigung der italischen Großen, Berengar unterwirft sich ihm als Vasall.

953.

Liudolf von Schwaben und sein Schwager Konrad von Lothringen empören sich gegen den König und verbinden

954.

sich mit den Ungarn, die durch Bayern und Franken bis nach Lothringen streifen. Sie werden nach hartem Kampfe besiegt und verlieren ihre Herzogtümer, sind fortan dem Könige getreu.

955. 10. Aug.

Sieg Ottos über die Ungarn auf dem Lechfelde bei Augsburg. Konrad, für den König kämpfend, fällt in der Schlacht. Die bayrische Ostmark (aus der später das Herzogtum Österreich hervorgeht) wird wiederhergestellt. Das Herzogtum Bayern geht nach dem Tode Heinrichs 955 auf dessen Sohn über (Heinrich der Zänker), in Schwaben regiert Heinrichs Schwiegersohn Burkhard; Lothringen verwaltet Ottos jüngster Bruder, Erzbischof Brun von Köln. Ottos Sohn Wilhelm ist Erzbischof von Mainz. So suchte Otto das Reich zu festigen, indem er die Herzogtümer seinen Verwandten gab. Zur Beaufsichtigung und Beschränkung der herzoglichen Gewalt setzte er überall Pfalzgrafen ein, die das Königsgut verwalteten.

Okt.

Zug Ottos gegen die Wenden, Sieg an der Recknitz (in Mecklenburg) im Verein mit Markgraf Gero.

957.

Liudolf zieht im Auftrage des Vaters nach Italien gegen Berengar, besiegt ihn, stirbt aber vor der Rückkehr.

961–965.

Zweiter Zug Ottos nach Italien, da Papst Johann XII. um Hilfe gegen Berengar bittet.

962. 2. Febr.

Kaiserkrönung Ottos I. in Rom. Während Kaiser Otto in der Lombardei gegen Berengar kämpft, versucht Papst Johann XII. sich der kaiserlichen Schutzherrschaft zu entziehen. Otto kehrt mit Heeresmacht nach Rom zurück (Nov. 963); der Papst entflieht und wird abgesetzt. Otto zieht wieder nach Oberitalien; Berengar unterwirft sich und wird als Gefangener nach Bayern gesandt, stirbt 966 in Bamberg. Inzwischen wird der von Otto eingesetzte Papst Leo VIII. aus Rom vertrieben; Otto zieht zum dritten Mal dorthin und sendet den Gegenpapst Benedikt V. als Gefangenen nach Hamburg.

965.

Rückkehr des Kaisers nach Deutschland. Fürstentag in Ingelheim; dann in Köln Zusammenkunft mit seiner Schwester Gerberga, der Königin von Frankreich, und ihrem Sohne, König Lothar. Er begibt sich nach Sachsen und teilt nach dem Tode Geros dessen Gebiet in sechs Marken, die später in drei zusammengezogen werden: Nordmark (Altmark) an der mittleren Elbe, Ostmark (Lausitz) weiter südlich die Mark Meißen. Der Tod des Erzbischofs Brun veranlaßt den Kaiser 966 zu einem abermaligen Zuge nach Köln; er ordnet die Verhältnisse in Lothringen und hält dann einen Reichstag zu Worms.

966–972.

Dritter Zug nach Italien (über Chur und den Septimerpaß). Ottos Sohn, Otto II. (geb. 955), schon 961 als deutscher König gekrönt, empfängt in Rom die Kaiserkrone. Die Huldigung der Herzöge von Capua und Benevent (s. S. 152) gibt Anlaß zu Feldzügen nach Apulien gegen die oströmische Herrschaft. 968 Synode zu Ravenna; dort wird die Gründung des Erzbistums Magdeburg und der Bistümer Merseburg, Zeitz, Meißen beschlossen. Der Kaiser residiert längere Zeit in Pavia, schickt nach abermaligen Kämpfen in Apulien Gesandte nach Konstantinopel; 972 wird in Rom die Vermählung seines Sohnes Otto mit der oströmischen Prinzessin Theophano gefeiert. Apulien und Calabrien, Neapel und Salerno bleiben unter oströmischer, Capua und Benevent unter deutscher Herrschaft.

972.

Rückkehr nach Deutschland; Synode in Ingelheim, Fürstentag in Frankfurt. Im März 973 ist der Kaiser in Magdeburg, dann in Quedlinburg und Merseburg; er stirbt am 7. Mai 973 in Memleben, wird im Dom zu Magdeburg neben seiner ersten Gemahlin Editha bestattet.

Verfassung des deutschen Reiches: Wahlkönigtum; die Königsmacht beruht auf bedeutenden Reichsgütern in allen Teilen des Reiches, besonders in Franken und Sachsen, zu deren Verwaltung der König Pfalzgrafen ernennt. Keine feste Residenz; der König ordnet überall die wichtigen Angelegenheiten persönlich. Oberste Beamte sind die Herzöge, dem Könige ebenso zur Lehnstreue verpflichtet wie die ihnen untergeordneten Grafen und kleineren Vasallen. Da diese jedoch starke partikularistische Gelüste zeigen, so sucht der Kaiser die Reichseinheit später auf die Kirche zu gründen. Er stützt sich auf die nur von ihm ernannten Erzbischöfe und Bischöfe, welche bedeutende Reichslehen empfangen und nun einen neuen geistlichen Beamtenstand bilden, dessen Lehen nicht erblich sind. Diese vom Könige eingesetzten geistlichen Fürsten erweisen sich als bessere Stützen des Reiches, als die nach Erblichkeit der Lehen strebenden weltlichen Fürsten. Die Zahl der unabhängigen Freien ist vermindert; der Heerbann tritt allmählich zurück gegen das Lehnsaufgebot. Die Städte sind noch unbedeutend. Das Kaisertum gibt den deutschen Königen als obersten Herrschern über das römische Reich deutscher Nation Anspruch auf Oberhoheit über die benachbarten Länder und Schutzherrschaft über die Kirche.

973–983.

Otto II. erhält die von seinem Vater begründete Kaisermacht aufrecht. 974 Zug gegen Dänemark bis zum Danewerk, 976 Absetzung des aufständischen Herzogs Heinrich des Zänkers von Bayern. Bayern wird verkleinert durch Abtrennung des Herzogtums Kärnten mit der Mark Verona, sowie durch Errichtung einer Mark im Nordgau, nördlich von Regensburg. Die früher schon errichtete Mark Österreich erhält der Babenberger (s.S. 157) Luitpold. Herzog Boleslav von Böhmen huldigt 978 zu Magdeburg.

978.

König Lothar von Frankreich überfällt den Kaiser in Aachen, versucht Lothringen zu erobern, verzichtet aber darauf, nachdem Otto mit Heeresmacht bis Paris vorgedrungen ist.

980–983

Krieg in Italien. Der Kaiser dringt von Rom aus nach Unter-Italien vor, siegt 982 über die Griechen und Sarazenen am Kap Colonne, südlich von Cotrone (Kroton), muß aber nach einer vernichtenden Niederlage bei Squillace an der Küste von Calabrien umkehren. Reichstag zu Verona. Ottos dreijähriger Sohn zum König gewählt.

983.

Aufstand der Dänen und Wenden; Hamburg und die Bistümer Havelberg, Brandenburg, Zeitz zerstört. Otto II. stirbt in Rom 28 Jahre alt, wird in der Peterskirche begraben.

983–1002.

Otto III., beim Tode des Vaters 3 Jahre alt. Heinrichs des Zänkers Anspruch auf die Vormundschaft, ja sogar auf die Krone, wird zurückgewiesen, doch erhält er Bayern zurück. Ottos Mutter, die Griechin Theophano, herrscht in Deutschland, seine Großmutter Adelheid in Italien. Wachsende Selbständigkeit der Großen des Reiches, doch wird der Reichsfriede erhalten. Nach Theophanos Tode (991) führen Adelheid und der Erzbischof Willigis von Mainz die Regierung, bis der junge Fürst 995 sie selbst übernimmt.

996.

Otto III. wird in Rom durch den von ihm eingesetzten deutschen Papst Gregor V. gekrönt, befreundet sich mit Adalbert von Prag und Erzbischof Gerbert von Reims, der bald nach Deutschland kommt und in Magdeburg Ottos Lehrer wird.

997.

Adalbert von den heidnischen Preußen erschlagen.

998–999.

Ottos zweiter Zug nach Rom, Gerbert als Papst eingesetzt (Silvester II.); Ottos Plan, als Kaiser in Rom seinen Wohnsitz zu nehmen und von hier aus die Christenheit als einen theokratischen Universalstaat zu beherrschen.

1000.

Ottos III. Wallfahrt zum Grabe des heiligen Adalbert in Gnesen, wo er in Gemeinschaft mit Herzog Boleslav von Polen ein Erzbistum errichtet: dann nach Aachen zum Grabe Karls d. Gr. Von da reist er nach Rom.

1001.

Papst Silvester II. verleiht dem Ungarnfürsten Stephan dem Heiligen, der sein Volk zum Christentum bekehrt, die Königskrone (Stephanskrone). Otto III., durch Aufstand aus Rom vertrieben, begibt sich mit dem Papste nach Ravenna, versucht vergebens Rom wiederzuerobern.

1002.

Otto † in Paterno (am Fuße des Sorakte), in Aachen bestattet. Silvester kehrt nach Rom zurück.

1002–1024.

Heinrich II. (der Heilige), Herzog von Bayern, Sohn Heinrichs des Zänkers und der Schwester König Rudolfs III. von Burgund, zu Mainz zum König erwählt und gekrönt, im Gegensatz zu Otto III. eine nüchterne, praktische Herrschernatur. Er stellt das erschütterte Ansehen der Kaisergewalt wieder her und behauptet das deutsch-italische Reich.

1004.

Erster Zug nach Italien gegen Arduin von Ivrea. Heinrich unterwirft Ober-Italien und wird in Pavia zum König von Italien gekrönt.

1004–1018.

Kriege gegen Boleslav Chrobry (der Kühne) von Polen, der Böhmen aufgeben muß, aber die Lausitz behält. Die Wenden im Havellande bleiben unabhängig.

1007.

Gründung des Bistums Bamberg. Förderung der von dem französischen Kloster Cluny ausgehenden, auf strengste mönchische Zucht und eine Erneuerung und Vertiefung des religiösen Lebens gerichteten Reform des Mönchtums. Die Bischöfe dienen, wie unter Otto I., der geordneten Reichsverwaltung.

1014.

Zweiter Zug nach Italien, Heinrich in Rom zum Kaiser gekrönt. Arduin gibt den Widerstand auf († 1015).

1016–1018.

Kämpfe und Verhandlungen Heinrichs, um sein Erbrecht auf Burgund zur Anerkennung zu bringen.

1022.

Dritter Zug nach Italien. Heinrich unterwirft Benevent, Capua, Salerno, wird beim Kampfe gegen die Griechen in Apulien von den nach einem Zuge nach Jerusalem dort unlängst eingewanderten Normannen unterstützt.

1023.

Fürstentag zu Aachen, dann Zusammenkunft mit König Robert von Frankreich zu Ivois am Chiers (Nebenfluß der Maas, südöstlich von Sedan).

1024.

Tod des Kaisers in der Pfalz zu Grona (bei Göttingen). Sein Grab im Dom zu Bamberg.

1024–1125 Fränkische oder salische Kaiser.

             Otto der Grosse †973
                           |
Konrad der Rote †955.   Luitgard.
|______________________________|
                       |
                     Konrad II. †1039.
                     Gem. Gisela.
                       |
                     Heinrich III. †1056.
                     Gem. Agnes von Poitou.
                       |
                     Heinrich IV. †1106.
_______________________|___________________________
Konrad       Heinrich V. †1125. Agnes, Gem.
†1101.                          Friedrich von Büren,
                                Herzog von Schwaben.

Königswahl durch die Fürsten aller Stämme auf der Rheinebene zwischen Mainz und Worms (bei Kamba). Die Wahl richtet sich auf die beiden Konrade, Brudersöhne, Urenkel Konrads des Roten (S. 159); nach kurzem Schwanken wird der ältere erwählt.

1024–1039.

Konrad II. unternimmt nach der Krönung zu Mainz einen Umritt durch das Reich (Aachen, Nimwegen, Dortmund, Hildesheim, Goslar, Magdeburg, Augsburg, Konstanz, Basel, Straßburg, Worms), hält dann einen Fürstentag in Tribur.

1026.

Zug nach Italien, Krönung zum lombardischen König, Kaiserkrönung zu Rom 1027 in Gegenwart Knuds des Großen, Königs von England und Dänemark, und Rudolfs III. von Burgund. In Apulien huldigen ihm die Fürsten von Benevent, Capua, Salerno. Rückkehr über Ravenna und Verona. Unterdessen Fürstenerhebung in Deutschland. In Ulm unterwirft sich ihm sein Stiefsohn Ernst, Herzog von Schwaben, welcher Ansprüche auf Burgund erhoben hatte, weil seine Mutter Gisela eine Nichte des kinderlosen Königs Rudolf III. war. Er kommt in Haft nach der Burg Giebichenstein bei Halle, wird nach einiger Zeit begnadigt, dann aber geächtet, weil er sich weigert, seinen Freund Werner von Kiburg zu bekämpfen; beide fallen 1030 in einem Gefecht im Schwarzwald.

1030.

Einfall der Polen unter Herzog Miesco; sie verwüsten das Land zwischen Elbe und Saale, werden von dem Grafen Dietrich von Wettin vertrieben. Der Kaiser unternimmt zunächst einen Zug nach Ungarn, um die bayrischen Marken gegen Einfalle zu sichern, zieht dann 1031 nach Polen. Miesco muß die Lausitz zurückgeben, huldigt dem Kaiser 1033 zu Merseburg.

1033

Burgund mit dem deutschen Reiche vereinigt. Konrad gewinnt das arelatische Königreich (S. 158) nach dem Tode Rudolfs III. durch drei Feldzüge gegen den Grafen Odo von Champagne, Neffen Rudolfs III, nach Abschluß eines Bündnisses mit König Heinrich I. von Frankreich. In Zürich und Genf huldigen ihm die burgundischen Großen.

1035

Konrad verlobt zu Bamberg seinen Sohn Heinrich, Herzog von Bayern (später auch von Schwaben) mit der Tochter Knuds von Dänemark und überläßt diesem die Mark Schleswig; die Eider wieder Reichsgrenze.

1037–1038.

Zweiter Zug nach Italien. Die Erblichkeit der kleineren Lehen wird für Italien durch Gesetz festgestellt. Der Normanne Rainulf wird mit der Grafschaft Aversa in Campanien belehnt.

1039.

Konrad † in Utrecht, begraben in dem von ihm gegründeten Dom zu Speier. Er war einer der bedeutendsten Herrscher des Mittelalters, reich an Erfolgen. Gegen die großen Vasallen suchte er ein Gegengewicht in den Inhabern der kleinen Lehen, für deren Erblichkeit er eintrat. Von den neu ernannten Kirchenfürsten verlangte er eine Abgabe. Ihm folgt sein schon als Knabe in Aachen zum König gekrönter Sohn

1039–1056.

Heinrich III. Hohe Machtstellung des Kaisertums. König Heinrich ist beim Beginn seiner Regierung Herzog von Bayern, Schwaben und Franken, setzt aber später in Bayern und Schwaben wieder andere Herzöge ein. In Sachsen ist die Kaiserpfalz zu Goslar oft sein Wohnsitz.

1041.

Unterwerfung des Herzogs Bretislav von Böhmen.

1042.

Zug nach Burgund, Herstellung des Landfriedens daselbst im Anschluß an die in Frankreich verkündete Treuga Dei (s. S. 169).

1042–1044.

In Ungarn wird König Peter, von Heinrich durch drei Feldzüge wieder eingesetzt, ein Vasall des Reiches. Vergrößerung der bayrischen Ostmark bis zur Leitha. Die Lehnshoheit über Ungarn wird nicht lange behauptet.

1046.

Zug nach Italien. Heinrich läßt durch die Synode zu Sutri drei gleichzeitige, der Simonie (Verkauf geistlicher Ämter) schuldige Päpste absetzen, ernennt einen Deutschen (Clemens II.), der ihn zum Kaiser krönt, und weiterhin noch drei deutsche Päpste, belehnt Drogo, Sohn des Normannen Tankred von Hauteville, mit Apulien.

1048.

Oberlothringen wird nach Absetzung des Herzogs Gottfried an den elsässischen Grafen Gerhard, Stammvater des lothringischen Herzogshauses, gegeben.

1055.

Zweiter Zug nach Italien; die Markgräfin Beatrix von Tuscien, mit welcher sich Gottfried vermählt hat, um in Italien neue Macht zu gewinnen, muß dem Kaiser nach Deutschland folgen. Unterdrückung einer Fürstenverschwörung; Gottfried unterwirft sich dem Kaiser.

1056.

Sieg der Wenden über ein sächsisches Heer bei Pritzlava an der Havelmündung. Heinrich, erst 39 Jahre alt, auf der Burg Bodfeld im Harz. Ihm folgt sein 6jähriger, bereits 1054 zu Aachen gekrönter Sohn.

1056–1106.

Heinrich IV. Seine Mutter Agnes von Poitou, Reichsverweserin, gibt Schwaben an ihren Schwiegersohn Rudolf von Rheinfelden, Kärnten an Berthold von Zähringen, Bayern an den sächsischen Grafen Otto von Nordheim. Die Macht der Fürsten erhebt sich bald gegen das Kaisertum.

1062.

Entführung des jungen Königs von Kaiserswert nach Köln durch Erzbischof Anno von Köln, der die Erziehung des Königs übernimmt, aber bald seinen Einfluß mit Erzbischof Adalbert von Bremen teilen muß. König Heinrich, 1065 mündig erklärt, entfernt auf Verlangen der Fürsten Adalbert aus seiner Umgebung, richtet alsbald seinen Unwillen gegen die sächsischen Großen.

1070.

Otto von Nordheim, eines Mordanschlags auf den König angeklagt, verliert das Herzogtum Bayern; es kommt an seinen Schwiegersohn Welf, den Sohn des Markgrafen Azzo von Este und der letzten Welfin, der nach dem Aussterben des Mannsstammes eine neue Linie des Welfenhauses (S. 154) begründet. Magnus, Sohn des Sachsenherzogs Ordulf, wird als Bundesgenosse Ottos in Haft gehalten.

1073.

Aufstand der Sachsen gegen die von Heinrich in ihrem Lande angelegten Burgen; Flucht Heinrichs von der Harzburg, demütigender Friede zu Gerstungen, Zerstörung der Harzburg. Heinrich findet Hilfe bei den Bürgern von Worms und mehreren Fürsten, besiegt die Sachsen an der Unstrut 1075. Bald aber gerät er in Streit mit

1073–1085.

Papst Gregor VII. (Hildebrand), aus einer Bauernfamilie in Toskana stammend, aufgewachsen in Rom unter dem Einfluß der von dem französischen Kloster Cluny (westlich der Saône, unweit Mâcon) ausgehenden streng kirchlichen Richtung. Er hatte als Archidiakonus und Kanzler unter fünf Päpsten die weltlichen Geschäfte des römischen Stuhles geleitet. Unter seinem Einfluß erließ 1059 Nikolaus II. das Dekret über die Papstwahl durch die Kardinäle.

Gregors Ziel ist die von allen Cluniazensern angestrebte Erhebung der Kirche über die Staaten, des Papsttums über das Kaisertum. Er gebietet strenge Durchführung des Cölibats (Ehelosigkeit) der Geistlichen, verbietet die von Heinrich ebenso wie von Konrad II. geübte Simonie (Geldzahlung für den Empfang eines geistlichen Amtes. Apostelgesch. 8, 18) und die Laieninvestitur (kein Bischof oder Abt soll die Belehnung mit Ring und Stab aus Laienhand empfangen).

1076.

Heinrich läßt den Papst durch eine Synode deutscher Bischöfe in Worms für abgesetzt erklären; darauf spricht Gregor gegen ihn den Bann aus. Ein Fürstentag zu Tribur erklärt den König für abgesetzt, wenn er nicht binnen Jahresfrist sich vom Banne löse.

1077. Januar.

Heinrich büßt vor dem Papst in Canossa, einem Schlosse bei Reggio nell’ Emilia, der Markgräfin Mathilde von Tuscien, Tochter der Beatrix, gehörig (S. 165). Der Papst löst ihn vom Banne unter der Bedingung, daß er in seinem Streit mit den Fürsten die Entscheidung des Papstes anerkenne. Heinrich bleibt in Oberitalien, verhindert die Reise des Papstes nach Deutschland. Die Fürsten wählen Rudolf von Schwaben zum deutschen König.

1077–1080.

Krieg in Deutschland zwischen Heinrich IV. und seinem Schwager Rudolf, letzterer wird in der Schlacht an der Elster 1080 tödlich verwundet; sein Herzogtum Schwaben hat Friedrich von Hohenstaufen, Heinrichs Schwiegersohn, bereits 1079 erhalten.

1081.

Heinrich, zum zweiten Mal gebannt, zieht nach Italien, erobert Rom 1084, wird durch den von ihm erhobenen Gegenpapst Clemens III. zum Kaiser gekrönt. Gregor in der Engelsburg belagert, durch die ihm treu ergebenen Normannen unter Robert Guiscard befreit, stirbt 1085 in Salerno. Seine letzten Worte »Dilexi iustitiam et odi iniquitatem, propterea morior in exilio«.

Deutschland durch Bürgerkrieg zerrüttet. Kaiser Heinrich erobert 1084 Augsburg, zieht dann nach Metz, läßt 1085 durch eine Synode zu Mainz den Gottesfrieden für das ganze Reich verkünden. In Sachsen bekämpft er den Gegenkönig Hermann von Salm, welcher 1088 abdankt; die Sachsen unterwerfen sich nach Anerkennung ihrer alten Rechte.

1090–1097.

Heinrich kämpft in Italien gegen die Markgräfin Mathilde und Papst Urban II. Abfall seines Sohnes Konrad († 1101). In Deutschland ist Herzog Welf von Bayern Führer der päpstlichen Partei. Der Kaiser verweilt fast machtlos in Italien, während Urban II. als Gebieter der ganzen Christenheit auftritt und das große Unternehmen des ersten Kreuzzuges (S. 173) ins Werk setzt. Nach Aussöhnung mit Herzog Welf kehrt der Kaiser nach Deutschland zurück, stellt den Landfrieden zum Schutze der Bürger und Bauern wieder her und besetzt die Bistümer nach seinem Ermessen. Aber die Bischöfe fast immer auf der Seite seiner Gegner.