51. Heylin’s Cyprianus Anglicus.
52. Eachard, Causes of the Contempt of the Clergy; Oldham, Satire adressed to a Friend about to leave the University; Tatler, 255, 258. Auch in den Reisen des Großherzogs Cosmus, Anhang A, wird gesagt, daß die englische Geistlichkeit eine „niedrig geborene“ Klasse sei.
53. A causidico, medicastro, ipsaque artificum farragine, ecclesiae rector aut vicarius contemnitur et fit ludibrio. Gentis et familiae nitor sacris ordinibus pollutus censetur: foeminisque natalitio insignibus unicum inculcatur saepius praeceptum, ne modestiae naufragium, faciant, aut, (quod idem auribus tam delicatulis sonat) ne clerico se nuptas dari patiantur. — Angliae Notitia von T. Wood am New-College, Oxford 1686.
54. Clarendon’s Life II. 21.
55. Siehe die Verordnungen von 1559 in der Sammlung des Bischofs Sparrow. Jeremias Collier spricht in seinem Essay of Pride ebenfalls mit einem Unwillen von dieser Verordnung, welcher beweist, daß sein eigner Stolz noch nicht gebeugt war.
56. Roger und Abigail in Fletcher’s Scornful Lady, Bull und die Amme in Vanbrugh’s Relapse, Smirk und Susanna in Shadwell’s, Lancashire Witches sind nur einige Beispiele.
57. Swift’s Directions to Servants.
58. Diese Unterscheidung zwischen Land- und Stadtgeistlichen wird von Eachard besonders hervorgehoben und muß Jedem auffallen, der die Kirchengeschichte der damaligen Zeit studirt.
59. Nelson’s Life of Bull. Wie schwer es dem Landgeistlichen damals war, sich Bücher anzuschaffen, darüber findet man Näheres in der Biographie von Thomas Bray, dem Gründer der Gesellschaft zur Verbreitung des Evangeliums.
60. „Ich habe ihn (Dryden) oft mit wahrem Vergnügen äußern hören, daß er sein geringes schriftstellerisches Talent nur dem häufigen Lesen der Schriften des großen Erzbischofs Tillotson verdanke.“ Congreve’s Widmung zu Dryden’s Schauspielen.
61. Siehe S. 22 im zweiten Kapitel. D. Übers.
Die Freisassen. Dem Einflusse des Landadels und der Landgeistlichkeit hielt indessen der Einfluß der Freisassen, einer höchst energischen und biederen Klasse, einigermaßen die Wage. Die kleinen Grundbesitzer, welche mit eigner Hand ihr Feld bestellten und ein mäßiges Einkommen genossen, ohne sich um Wappen und Helmbüsche zu kümmern oder nach einem Sitze auf der Richterbank zu trachten, bildeten damals einen viel bedeutenderen Theil der Bevölkerung als gegenwärtig. Wenn man den besten Statistikern jener Zeit glauben darf, so lebten nicht weniger als hundertsechzigtausend Gutsbesitzer, welche mit ihren Familien mehr als ein Siebentel der ganzen Bevölkerung ausgemacht haben müssen, von dem Ertrage kleiner Freigüter. Das durchschnittliche Jahreseinkommen dieser kleinen Grundeigenthümer, bestehend aus Renten, Nutznießungen und Miethzinsen, wurde auf sechzig bis siebzig Pfund Sterling geschätzt. Man hatte berechnet, daß die Anzahl der Gutsbesitzer, welche ihren Grund und Boden selbst bebauten, größer war als die Zahl Derer, welche die Güter Anderer pachtweise bewirthschafteten.62 Ein großer Theil der Freisassen hatte sich seit dem Beginn der Reformation zu dem Puritanismus hingeneigt, war im Bürgerkriege auf die Seite des Parlaments getreten, hatte auch nach der Restauration dabei beharrt, Presbyterianer- und Indepedentenprediger zu hören, hatte die Exclusionisten bei den Wahlen stets kräftig unterstützt und betrachtete selbst nach der Entdeckung des Ryehousecomplots und der Verbannung der Whighäupter das Papstthum und die Willkürherrschaft noch mit ungeschwächter Feindseligkeit.
62. Ich habe hierbei Davenant’s Schätzung zum Grunde gelegt, die etwas niedriger ist als die von King.
Wachsthum der Städte. So groß auch die Veränderungen waren, die seit der Revolution auf dem platten Lande vorgingen, in den Städten waren sie noch viel staunenerregender. Gegenwärtig ist ein Sechstel der ganzen Bevölkerung in den Provinzialstädten von mehr als dreißigtausend Einwohnern zusammengedrängt. Zur Zeit Karl’s II. hatte noch keine einzige Provinzialstadt im ganzen Reiche dreißigtausend Einwohner, nur vier zählten zehntausend Seelen.
Bristol. Der Hauptstadt zunächst, aber noch immer in ungeheurem Abstande, kamen Bristol, damals der wichtigste Seehafen, und Norwich, damals die erste Fabrikstadt Englands. Beide sind seitdem von jüngeren Nebenbuhlerinnen weit überflügelt worden, haben aber gleichwohl beide sehr bedeutende positive Fortschritte gemacht, denn die Bevölkerung von Bristol hat sich vervierfacht, die von Norwich mehr als verdoppelt.
Pepys, welcher Bristol acht Jahre nach der Restauration besuchte, war erstaunt über den Glanz dieser Stadt. Allerdings scheint er keinen hohen Maßstab angelegt zu haben, denn er bezeichnet es als ein Wunder, daß man in Bristol allenthalben nichts als Häuser erblicke, wenn man sich umsehe. Danach scheint es, daß in keiner andren ihm bekannten Stadt, London ausgenommen, die Häuser Wald und Feld völlig verdrängt hatten. So groß Bristol damals erschien, bedeckte es doch nur einen sehr kleinen Theil des Flächenraumes, den es gegenwärtig einnimmt. Einige Kirchen von ausgezeichneter Schönheit erhoben sich aus einem Labyrinth von engen Gäßchen, deren Häuser keine besonders festen Grundmauern hatten. Fuhr ein Wagen oder Karren durch diese Gassen, so lief er Gefahr, zwischen den Häusern stecken zu bleiben oder in die Kellergewölbe einzubrechen. Die Waaren wurden daher fast ausschließlich auf kleinen, von Hunden gezogenen Karren in die Stadt gebracht und die reichen Einwohner trugen ihren Wohlstand nicht in goldstrotzenden Equipagen zur Schau, sondern indem sie sich auf ihren Gängen durch die Stadt von einer zahlreichen Dienerschaft in prächtiger Livree begleiten ließen und glänzende Gastmähler gaben. Der Pomp bei Taufen und Leichenbegängnissen überstieg dort Alles, was man irgend anderwärts in England sah. Die Gastfreundschaft dieser Stadt war weit berühmt, ganz besonders die Collationen, mit denen die Besitzer der Zuckerraffinerien ihre Gäste bewirtheten. Diese Mahlzeiten wurden in dem Siedekessel servirt und waren stets von einem aus dem besten spanischen Weine bereiteten köstlichen Getränk begleitet, das im ganzen Lande unter dem Namen „Bristolmilch“ bekannt war. Der damals blühende Handel mit den nordamerikanischen Pflanzungen und mit Westindien gestattete diesen Luxus. Die Leidenschaft für den Handel mit den Colonien war so allgemein, daß es in Bristol kaum einen Krämer gab, der nicht Handelsgüter am Bord eines nach Virginien oder nach den Antillen bestimmten Schiffes gehabt hätte. Diese Geschäfte waren allerdings zum Theil nicht der ehrenvollsten Art. In überseeischen Besitzungen der Krone war große Nachfrage nach Arbeitern und diesem Bedarfe wurde theilweis durch ein förmliches Preß- und Menschenraubsystem genügt, das sich in den englischen Seehäfen gebildet hatte. Dieses System wurde nirgends mit solcher Thätigkeit und in solchem Umfange betrieben als in Bristol. Selbst die höchsten Magistratsbeamten der Stadt scheuten sich nicht, sich durch einen so schmachvollen Handel zu bereichern. Aus den damaligen Heerdgeldlisten geht hervor, daß die Häuserzahl im Jahre 1685 gerade fünftausenddreihundert betrug. Die Zahl der Bewohner eines Hauses dürfen wir kaum höher annehmen, als sie in der City von London war, und hier kamen damals auf je zehn Häuser fünfundfünfzig Personen. Demnach muß die Bevölkerung von Bristol sich auf ungefähr neunundzwanzigtausend Seelen belaufen haben.63
63. Evelyn’s Diary, June 27. 1654; Pepys’s Diary, June 13. 1668; Roger North’s Lives of Lord Keeper Guildford, and of Sir Dudley North; Petty’s Political Arithmetic. Ich habe Petty’s Angaben zum Grunde gelegt, aber in den daraus hergeleiteten Folgerungen habe ich mich an King und Davenant gehalten, die zwar nicht geschickter waren als jener, aber den Vortheil hatten, daß sie nach ihm kamen. Bezüglich des Menschenhandels, wegen dessen Bristol berüchtigt war, sehe man North’s Life of Guildford, 121. 216. und die Rede Jeffreys’ in der „Unparteiischen Geschichte seines Lebens und Todes“ zusammengedruckt mit den „Blutigen Assisen“. Sein Styl war, wie immer, roh und widerlich, aber ich kann den Verweis, den er den Magistratsbeamten von Bristol gab, nicht zu seinen Verbrechen zählen.
Norwich. Norwich war die Hauptstadt einer großen und fruchtbaren Provinz, der Sitz eines Bischofs und eines Kapitels und der Hauptsitz des wichtigsten Fabrikationszweiges. Manche ausgezeichnete Männer der Wissenschaft hatten in letzter Zeit dort gelebt und keine Stadt des Landes, die Hauptstadt und die Universitätsstädte ausgenommen, enthielt so viele Sehenswürdigkeiten. Die Mitglieder der Royal Society waren der Meinung, schon die Bibliothek, das Museum, das Vogelhaus und der botanische Garten Sir Thomas Browne’s seien einer weiten Reise werth. Auch besaß Norwich einen kleinen Hof. Im Herzen der Stadt stand ein alter Palast der Herzöge von Norfolk, der für das größte städtische Wohnhaus im ganzen Lande, mit Ausnahme von London, galt. Dieser Palast, zu dem ein Ballhaus, eine Kegelbahn und ein großer Park gehörte, der sich an den Ufern des Wansum hinzog, ward zu Zeiten von der vornehmen Familie der Howard bewohnt, welche ein Haus führte wie mancher kleine Souverain. Die Getränke wurden den Gästen in Bechern von reinem Golde gereicht, selbst die Kohlenschaufeln und Feuerzangen waren von Silber. Die Wände waren mit Gemälden von italienischen Meistern geschmückt und die Zimmer mit einer prächtigen Sammlung von Gemmen gefüllt, die jener Earl von Arundel gekauft hatte, dessen Marmorbilder jetzt eine Zierde von Oxford sind. Hier war im Jahre 1671 König Karl mit seinem Hofstaate glänzend bewirthet worden, hier waren jedes Jahr von Weihnacht bis zum Dreikönigstag alle Gäste willkommen. Für das gemeine Volk floß das Bier in Strömen; drei Wagen, von denen einer, der vierzehn Personen faßte, fünfhundert Pfund Sterling gekostet hatte, fuhren jeden Abend in der Stadt umher, um die Damen zu den Festlichkeiten zu holen, und der Tanz wurde jedesmal mit einem glänzenden Festmahle beschlossen. Wenn der Herzog von Norfolk nach Norwich kam, wurde er empfangen wie ein König, der in seine Residenz einzieht. Die Glocken der Kathedrale und der Kirche St. Peter-Mancroft wurden geläutet, die Kanonen des Schlosses abgefeuert und der Mayor und die Aldermen überreichten ihrem hohen Mitbürger Glückwunschadressen. Im Jahre 1693 fand man durch wirkliche Zählung, daß die Bevölkerung von Norwich zwischen achtundzwanzig- und neunundzwanzigtausend Seelen betrug.64
Viel tiefer als Norwich, aber doch immer hoch in Ansehen und Bedeutung standen die Hauptstädte einiger anderen Grafschaften. Es geschah damals selten, daß ein Landgentleman mit seiner Familie nach London kam; seine Metropole war die Hauptstadt der Grafschaft und dort verlebte er zuweilen einen Theil des Jahres. Jedenfalls riefen ihn Geschäfte und Vergnügungen, Assisen, Quartalsitzungen, Wahlen, Musterungen der Miliz, Pferderennen und andere Festlichkeiten oft dahin. Dort waren die Säle, in denen die Richter in ihren scharlachrothen Röcken und begleitet von Trompetern und Hellebardieren zweimal des Jahres im Namen des Königs ihre Verhandlungen eröffneten. Dort waren die Märkte, auf welchen die Umgegend ihr Getreide, ihr Vieh, ihre Wolle und ihren Hopfen zum Verkauf brachte, sowie die großen Jahrmärkte, zu denen selbst Kaufleute von London kamen und wo die Landkrämer ihren Jahresbedarf an Zucker, Schreibmaterialien, Stahlwaaren und Kleiderstoffen einkauften. Dort waren endlich die Läden und Magazine, aus denen die angesehendsten Familien der Nachbarschaft ihre Spezereiwaaren und Modeartikel bezogen. Einige von diesen Städten hatten außerdem wegen geschichtlicher Erinnerungen eine gewisse Berühmtheit. Bald war es eine Kathedrale, die in aller Kunst und Pracht des Mittelalters strahlte, bald ein Palast, den eine lange Reihe von Prälaten bewohnt hatte, bald ein Domkapitel, umgeben von den ehrwürdigen Wohnungen der Dechanten und Canonici, bald ein festes Schloß, das in alter Zeit den Nevilles oder De Vere widerstanden hatte und das noch die neueren Spuren der Rache Cromwell’s oder Ruprecht’s zeigte.
64. Fuller’s Worthies; Evelyn’s Diary, Oct. 17. 1671; Journal of E. Browne, dem Sohne des Sir Thomas Browne, vom Januar 1663—64; Blomfield’s History of Norfolk; History of the City and County of Norwich, 2 vols. 1768.
Andere Provinzialstädte. Unter diesen interessanten Städten zeichneten sich namentlich York, die Hauptstadt des Nordens, und Exeter, die Hauptstadt des Südens, aus. Keine von beiden kann damals viel über zehntausend Einwohner gehabt haben. Worcester, die Königin des Ciderlandes, zählt deren achttausend, Nottingham wahrscheinlich eben so viel. Gloucester, berühmt durch seine entschlossene Vertheidigung, welche Karl I. so verderblich wurde, hatte gewiß zwischen vier- und fünftausend, Derby nicht ganz viertausend. Shrewsbury war der Hauptort eines großen fruchtbaren Bezirks, und die Sitzungen der Marken von Wales wurden daselbst gehalten. In der Sprache der Gentry viele Meilen im Umkreise von Wrekin hieß „zur Hauptstadt gehen“ so viel als nach Shrewsbury gehen. Die Stutzer und Damen, der Provinz ahmten so gut sie konnten, auf den Promenaden am Ufer des Severn die Moden und Sitten von St. James-Park nach. Die Einwohnerzahl belief sich auf ungefähr siebentausend.65
Die Bevölkerungen aller dieser Städte haben sich seit der Revolution mehr als verdoppelt, in einigen ist sie auf das Siebenfache gestiegen. Die Straßen sind fast durchgängig neu gebaut, das Stroh ist durch Schiefer, das Holz durch Backsteine ersetzt worden. Unser gegenwärtiges Pflaster und unsere Straßenbeleuchtung, die prachtvolle Ausstattung vieler Kaufläden und die in den Wohnungen der Gentry herrschende geschmackvolle Eleganz würden im siebzehnten Jahrhundert wie eben so viele Wunder angestaunt worden sein; dessen ungeachtet haben die alten Provinzialhauptstädte jetzt bei weitem nicht die relative Wichtigkeit, die sie ehedem hatten. Jüngere Städte, die von unseren früheren Geschichtsschreibern selten oder gar nicht erwähnt werden und welche keine Vertreter ins Parlament schickten, sind unter den Augen noch lebender Personen zu einer Größe herangewachsen, die unsere Generation mit Stolz und Bewunderung, aber auch nicht ohne Angst und Besorgniß betrachtet.
65. Aus den Tauf- und Sterbelisten in Drake’s Geschichte geht hervor, daß die Bevölkerung von York im Jahre 1730 ungefähr dreizehntausend Seelen betrug. Exeter hatte noch 1801 nur siebzehntausend Einwohner. Die Bevölkerung von Worcester wurde kurz vor der Belagerung im Jahre 1646 gezählt. Siehe Nash’s History of Worcestershire. Ich habe auf die während eines Zeitraums von vierzig Jahren wahrscheinliche Zunahme Rücksicht genommen. Im Jahre 1740 wurde durch eine Zählung die Bevölkerung von Nottingham gerade zehntausend Seelen stark gefunden. Siehe Dering’s History. Die Einwohnerzahl von Gloucester läßt sich aus der Häuserzahl, welche King in den Heerdgeldlisten fand, sowie aus den Geburts- und Sterbetabellen in Atkyns’ Geschichte leicht ermitteln. Derby zählte 1712 viertausend Einwohner. Siehe Wolley’s M.S. History, die in Lyson’s Magna Britannia erwähnt ist. Die Bevölkerung von Shrewsbury wurde im Jahre 1695 durch wirkliche Zählung ermittelt. Bezüglich der Annehmlichkeiten von Shrewsbury sehe man Farquhar’s Recruiting Officer. Farquhar’s Schilderung wird durch eine Ballade in der Pepys’schen Bibliothek bestätigt, deren Refrain lautet: „Shrewsbury für mich“.
Manchester. Indessen waren die hervorragendsten dieser Städte schon im siebzehnten Jahrhunderte als wichtige Sitze des Gewerbfleißes bekannt. Ja ihr rasches Emporblühen und ihr Reichthum ward sogar zuweilen in einer Sprache geschildert, welche Jedem, der ihren gegenwärtigen Glanz steht, spaßhaft vorkommt. Eine der bevölkertsten und blühendsten war Manchester. Der Protector hatte sie aufgefordert, einen Vertreter in sein Parlament zu schicken und die Schriftsteller aus der Zeit Karl’s II. nennen sie eine betriebsame und reiche Stadt. Seit einem halben Jahrhunderte schon wurde Baumwolle von Cypern und Smyrna dahin gebracht, aber die Fabrikation war noch in ihrer Kindheit, denn Whitney hatte noch nicht gelehrt, wie der Rohstoff in fast fabelhaften Quantitäten erlangt werden konnte, so wenig als Arkwright die Kunst gezeigt, sie mit einer zauberhaften Geschwindigkeit und Akkuratesse zu verarbeiten. Die jährliche Gesammteinfuhr erreichte zu Ende des siebzehnten Jahrhunderts noch nicht zwei Millionen Pfund, ein Quantum, das gegenwärtig kaum den Bedarf von achtundvierzig Stunden decken würde. Diese wundervolle Handelsstadt, die an Einwohnerzahl und Reichthum so viele berühmte Hauptstädte, wie Berlin, Madrid und Lissabon bei weitem übertrifft, war damals noch ein kleiner und schlecht gebauter Marktflecken mit kaum sechstausend Einwohnern. Damals hatte es nicht eine einzige Presse, jetzt hat es hundert Druckereien; damals besaß es nicht eine einzige Kutsche, jetzt zählt es zwanzig Wagenfabrikanten.66
66. Blome’s Britannia, 1678; Aikin’s Country round Manchester; Manchester Directory, 1845; Baines, History of the Cotton Manufacture. Die besten Aufschlüsse über die Bevölkerung von Manchester im siebzehnten Jahrhundert fand sich in einem von dem Rev. R. Parkinson verfaßten Aufsatze im Journal of the Statistical Society vom October 1842.
Leeds. Leeds war schon damals der Hauptsitz der Wollenmanufactur von Yorkshire, aber die älteren Einwohner erinnerten sich noch recht gut der Zeit, als das erste Backsteinhaus, damals und noch lange nachher das „rothe Haus“ genannt, erbaut worden war. Sie rühmten sich laut ihres zunehmenden Wohlstandes und der ungeheuren Tuchverkäufe, welche unter freiem Himmel auf der Brücke abgeschlossen wurden. Hunderte, ja Tausende von Pfunden Sterling wurden an einem einzigen lebhaften Markttage umgesetzt. Die zunehmende Bedeutung von Leeds hatte die Aufmerksamkeit mehrerer aufeinanderfolgenden Regierungen auf diese Stadt gelenkt. Karl I. gewährte ihr gewisse städtische Vorrechte und Oliver Cromwell forderte sie auf, einen Vertreter in das Haus der Gemeinen zu senden. Aus den Heerdgeldlisten scheint jedoch klar hervorzugehen, daß die Bevölkerung des ganzen Stadtgebiets, zu welchem damals mehrere Dörfer gehörten, unter der Regierung Karl’s II. die Zahl von siebentausend Seelen nicht überstieg. Im Jahre 1841 zählte es deren mehr als hundertfunfzigtausend.67
67. Thoresby’s Ducatus Leodensis; Whitaker’s Loidis and Elmete; Wardell’s Municipal History of the Borough of Leeds.
Sheffield. Ungefähr eine Tagereise südlich von Leeds lag am Saume einer wilden Moorstrecke ein alter jetzt reich angebauter, damals aber unfruchtbarer und nicht einmal eingehegter Gutsbezirk, der unter dem Namen Hallamshire bekannt war. Dort gab es Eisen im Überfluß und die daselbst fabricirten plumpen Messer wurden im ganzen Lande verkauft. Geoffrey Chaucer erwähnt ihrer in seinen Canterbury Tales. Die Fabrikation machte jedoch während der nächstfolgenden drei Jahrhunderte nur sehr langsame Fortschritte. Dieser Umstand läßt sich vielleicht dadurch erklären, daß der Handel fast während jenes ganzen langen Zeitraums den Bestimmungen unterworfen war, welche der Gutsherr und dessen Gerichtshof vorzuschreiben für gut fanden. Die feineren Messerschmiedewaaren wurden daher theils in London fabricirt, theils vom Continent eingeführt. Erst unter Georg I. hörten die britischen Ärzte auf, die feinen Instrumente, deren sie zu ihren chirurgischen Operationen bedurften, aus Frankreich zu beziehen. Die Mehrzahl der Werkstätten von Hallamshire befand sich in einem Marktflecken, der in der Nähe des herrschaftlichen Schlosses entstanden war und der noch unter Jakob I. ein elender Ort mit etwa zweitausend Einwohnern war, von denen der dritte Theil aus halbverhungerten und halbnackten Bettlern bestand. Aus den Kirchenregistern ergiebt sich mit ziemlicher Gewißheit, daß die Bevölkerung zu Ende der Regierung Karl’s II. noch nicht viertausend Seelen betrug. Man sah dort eine Menge Krüppel und jeder Reisende erkannte auf den ersten Blick die verderblichen Wirkungen einer der Gesundheit und Kraft des menschlichen Körpers höchst nachtheiligen Beschäftigung. Dies war das Sheffield, welches gegenwärtig mit seinen Vorstädten hundertzwanzigtausend Einwohner zählt und seine vortrefflichen Messer, Scheeren und chirurgischen Instrumente bis nach den entferntesten Weltgegenden versendet.68
68. Hunter’s History of Hallamshire.
Birmingham. Birmingham ward zu Oliver’s Zeiten noch nicht für wichtig genug gehalten, um im Parlament durch ein Mitglied vertreten zu sein. Indessen waren die dortigen Fabrikanten schon ein sehr betriebsames Völkchen, dessen Wohlstand sich fortwährend vermehrte. Sie waren stolz auf den Ruf, den ihre Eisenwaaren, wenn auch noch nicht in Peking und Lima, in Bokhara und Timbuktu, so doch in London und selbst in Irland genossen. Eine minder ehrenvolle Berühmtheit hatten sie als Falschmünzer erlangt. Der Spottname „Birminghams“, den die Torypartei den Demagogen gab, welche einen heuchlerischen Eifer gegen das Papstthum zur Schau trugen, war eine Anspielung auf die dort verfertigten falschen Groatstücke. Die Bevölkerung der Stadt, welche gegenwärtig nicht viel unter zweimalhunderttausend Seelen beträgt, belief sich damals noch nicht auf viertausend. Die Birminghamer Knöpfe fingen eben erst an bekannt zu werben, von Birminghamer Schießgewehren hatte noch kein Mensch etwas gehört, und die Stadt, aus der zwei Generationen später die Prachtwerke Baskerville’s hervorgingen, welche alle Buchhändler Europa’s in Erstaunen setzten, hatte damals noch nicht einen einzigen ordentlichen Buchladen, wo man eine Bibel oder einen Kalender kaufen konnte. Nur an den Markttagen kam ein Buchhändler, Namens Michael Johnson, der Vater des großen Samuel Johnson, von Lichfield, um auf einige Stunden seine Marktbude zu öffnen, und diese literarische Bezugsquelle wurde lange Zeit für den Bedarf genügend erachtet.69
Diese vier Hauptsitze unsrer großartigen Fabrikindustrie verdienen besondere Erwähnung. Es würde ermüdend sein, wollten wir außerdem alle die jetzt dicht bevölkerten und reichen Bienenstöcke des Gewerbfleißes anführen, welche vor hundertfunfzig Jahren noch Dörfer ohne Pfarrkirche oder öde Moorstrecken waren, auf denen nur Birkhühner und andres Wild hauste. Nicht minder wichtig sind die Veränderungen in den Ausfuhrplätzen gewesen, durch welche sich die Erzeugnisse der englischen Webstühle und Schmieden nach allen Weltgegenden ergießen.
69. Blome’s Britannia, 1763; Dugdale’s Warwickshire; North’s Examen, 321; Vorrede zu Absalom and Achitophel; Hutton’s History of Birmingham; Boswell’s Life of Johnson. Im Jahre 1690 starben in Birmingham 150 Personen und 125 Kinder wurden getauft. Ich glaube daß die jährliche Sterblichkeit nicht mehr als vier Prozent betrug; in London war sie viel bedeutender. Ein Geschichtsschreiber in Nottingham rühmte funfzig Jahre später die außerordentliche Gesundheit seiner Vaterstadt, in der die Sterblichkeit nur 3⅓ Prozent betrug. Siehe Dering’s History of Nottingham.
Liverpool. Liverpool zählt gegenwärtig dreimalhunderttausend Einwohner und der Rauminhalt der in seinen Hafenregistern eingezeichneten Schiffe beträgt zwischen vier- und fünfmalhunderttausend Tonnen. Mehr als einmal ist im dortigen Zollhause in einem Jahre eine Summe bezahlt worden, welche das Gesammteinkommen der englischen Krone im Jahre 1685 um mehr als das Dreifache übersteigt. Die Einnahme des Postamtes zu Liverpool übertrifft selbst seit der Portoermäßigung die Summe, die das Postwesen des ganzen Reiches dem Herzoge von York eintrug. Seine riesigen Docks, Quais und Waarenspeicher werden zu den Weltwundern gerechnet, und doch scheinen sie für den Bedarf des ungeheuren Merseyhandels kaum zu genügen, so daß bereits eine rivalisirende Stadt am andren Ufer des Flusses rasch emporwächst. Zu den Zeiten Karl’s II. wurde Liverpool als eine aufblühende Stadt beschrieben, welche neuerdings große Fortschritte gemacht habe und mit Irland und den Zuckercolonien einen ergiebigen Handel treibe. Binnen sechzehn Jahren hatte sich der Ertrag der Zölle verachtfacht und die damals als ungeheuer betrachtete Summe von fünfzehntausend Pfund Sterling jährlich erreicht. Die Bevölkerung kann jedoch kaum viertausend Seelen überstiegen haben, der Gehalt seiner Schiffe betrug ungefähr vierzehnhundert Tonnen, das heißt weniger als der Tonnengehalt eines einzigen unserer jetzigen Ostindienfahrer erster Klasse, und die Anzahl der zum Hafen gehörenden Seeleute darf auf nicht mehr als zweihundert Köpfe angeschlagen werden.70
70. Blome’s Britannia; Gregson’s Antiquities of the County Palatine and Duchy of Lancaster, Part. II.; Petition von Liverpool in dem Privy Council Book, May 10, 1686. Im Jahre 1690 war die Zahl der Sterbefälle in Liverpool hunderteinundfunfzig, die der Taufen hundertzwanzig. Im Jahre 1844 belief sich der Reinertrag der Zölle in Liverpool auf 4,365,526 Pf. St. 1 Schill. 8 P.
Die Badeorte. So wuchsen die Städte empor, in denen Reichthümer erworben und aufgehäuft wurden. Nicht minder rasch erhob sich eine andre Klasse von Städten, in denen der anderwärts erworbene Reichthum entweder aus Gesundheitsrücksichten oder um des Vergnügens willen verzehrt wird. Von den bedeutendsten derselben sind einige erst seit den Zeiten der Stuarts entstanden.
Cheltenham. Cheltenham ist jetzt größer als irgend eine Stadt des ganzen Reichs im siebzehnten Jahrhundert, London allein ausgenommen, während es im siebzehnten und noch zu Anfang des achtzehnten Jahrhunderts von Lokalgeschichtschreibern nur als ein ländliches Kirchspiel erwähnt wird, das am Fuße der Cotswold-Hügel liege und guten Boden für Ackerbau und Weide habe. An der Stelle, welche gegenwärtig mit freundlichen Straßen und Landhäusern bedeckt ist, wuchs damals Korn und weidete Vieh.71
71. Atkyns’ Gloucestershire.
Brighton. Brighton wurde als ein ehemals wohlhabender Ort geschildert, der eine Menge kleiner Fischerboote besessen und in seiner höchsten Blüthe etwa zweitausend Einwohner gehabt habe, jetzt aber seinem Untergänge entgegeneile. Das Meer spülte ein Haus nach dem andren fort und die Stadt mußte endlich ganz verschwinden. Noch vor neunzig Jahren konnte man zwischen den Steinen und dem Seetang am Strande die Trümmer eines alten Forts sehen, und alte Leute konnten noch die Spuren der Grundmauern einer Straße von mehr als hundert Hütten bezeichnen, die von den Wogen verschlungen worden war. Nach diesem Unglücke verödete der Ort bald dermaßen, daß man die dortige Pfarrei kaum noch des Besitzes werth hielt. Einige arme Fischer fuhren jedoch fort, ihre Netze auf den Küstenfelsen zu trocknen, wo jetzt eine Stadt, die mehr als zweimal so groß und volkreich ist, als das Bristol der Stuarts in einer Ausdehnung von mehreren Meilen ihre freundliche und fantastische Fronte dem Meere zeigt.72
72. Magna Britannia; Grose’s Antiquities; New Brighthelmstone Directory, 1770.
Buxton. England war jedoch im siebzehnten Jahrhundert durchaus nicht ohne alle Badeorte. Die Gentry von Derbyshire und der benachbarten Grafschaften begab sich nach Buxton, wo sie in niedrigen hölzernen Hütten zusammengepfercht und mit einem Brode von Hafermehl und einem Fleische bewirthet wurden, welches die Gastwirthe für Hammelfleisch ausgaben, das aber die Consumenten stark in dem Verdachte hatten, daß es von Hunden herrührte.73
73. Tour in Derbyshire, by Thomas Browne, Son of Sir Thomas Browne.
Tunbridge Wells. Weit mehr Anziehendes hatte Tunbridge Wells, das etwa eine Tagereise von London in einer der reichsten und kultivirtesten Gegenden des Reiches lag. Gegenwärtig erblicken wir daselbst eine Stadt, die der Einwohnerzahl nach vor hundertsechzig Jahren die vierte oder fünfte Stadt Englands gewesen wäre. Die Eleganz der Läden und der Luxus der Privatwohnungen übertrifft jetzt Alles was England damals irgendwo aufzuweisen hatte. Als der Hof kurz nach der Restauration Tunbridge Wells besuchte, war es noch keine Stadt, sondern man sah nur eine Anzahl Hütten, etwas freundlicher und sauberer als die gewöhnlichen Hütten jener Zeit, welche in der nächsten Umgebung der Heilquellen zerstreut umherlagen. Einige von diesen Hütten waren transportabel und wurden auf Schleifen versetzt wohin man es wünschte. In diese Hütten kam die feine Welt von London, des Geräusches und des Rauches der Hauptstadt müde, zuweilen im Sommer, um frische Luft einzuathmen und einen Vorgeschmack vom Landleben zu erhalten. Während der Saison wurde täglich in der Nähe der Quellen eine Art Markt gehalten. Die Frauen und Töchter der Landwirthe von Kent brachten aus den umliegenden Dörfern Rahm, Obst, Weißkehlchen und Wachteln zum Verkauf, und mit ihnen zu scherzen und zu tändeln, ihre Strohhüte und ihre kleinen Füßchen zu rühmen, war für Wüstlinge, welche der prätentiösen Manieren der Schauspielerinnen und Hofdamen überdrüssig waren, ein angenehmer Zeitvertreib. Putzmacherinnen, Galanteriewaarenhändler und Juweliere kamen von London und eröffneten unter den Bäumen einen Bazar. In der einen Bude fand der Politiker seine Tasse Kaffee und die Londoner Zeitung; in einer andren wurde heimlich Basset gespielt; an schönen Abenden fanden sich Musikanten ein und auf einem weichen Rasenplatze wurde der Mohrentanz aufgeführt. Im Jahre 1685 war eben unter den Brunnengästen eine Sammlung zum Bau einer Kirche eröffnet worden, welche auf Verlangen der damals überall dominirenden Tories dem heiligen Karl, dem Märtyrer, geweiht werden mußte.74
74. Memoires de Grammont; Hasted’s History of Kent; Tunbridge Wells, a Comedy, 1678; Causton’s Tunbridgialia, 1688; Metellus, a poem on Tunbridge Wells, 1693.
Bath. Der wichtigste Badeort Englands war jedoch unstreitig Bath. Die dortigen Heilquellen waren schon zu den Zeiten der Römer berühmt und mehrere Jahrhunderte lang war die Stadt der Sitz eines Bischofs gewesen. Aus allen Theilen des Landes strömten die Kranken dahin und selbst der König hielt dort zuweilen seinen Hof. Bei alledem war Bath damals nur ein winkeliger Ort von vier- bis fünfhundert Häusern, welche unweit des Avon innerhalb einer alten Befestigungsmauer zusammengedrängt waren. Es giebt noch Abbildungen von den schönsten dieser Häuser, welche große Ähnlichkeit mit den schlechtesten Hütten und Schenken an der Radcliffestraße zeigen. Selbst die damaligen Reisenden klagten über die Enge und Unsauberkeit der Straßen. Die schöne Stadt, welche gegenwärtig selbst das Auge Derer entzückt, die an den Anblick der Meisterwerke eines Bramante und Palladio gewöhnt sind, und deren Boden durch den Genius von Anstey und Smollett, von Frances Burney und Johanna Austen eine klassische Berühmtheit erlangt hat, existirte damals noch nicht. Die jetzige Milsomstraße war noch ein Stück Feld, das weit außerhalb der Umfassungsmauer lag, und Baumhecken durchzogen den Platz, den gegenwärtig der „Crescent“ und der „Cirkus“ einnehmen. Die bedauernswerthen Kranken, denen der Gebrauch der Heilquellen verordnet war, mußten in Räumen zubringen, welche, um uns des Ausdrucks eines damaligen Arztes zu bedienen, mehr einem Stalle, als einer menschlichen Wohnung glichen. Über den Luxus und die Bequemlichkeiten, welche die zum Zwecke, der Kur oder des Vergnügens dahin kommenden vornehmen Badegäste in den Häusern fanden, haben wir vollständigere und genauere Nachrichten, als sie sonst in Bezug auf derartige Gegenstände zu erlangen sind. Ein Schriftsteller, der ungefähr sechzig Jahre nach der Revolution eine Beschreibung der Stadt herausgab, schildert mit großer Genauigkeit die Veränderungen, die im Bereiche seiner Erinnerung daselbst stattgefunden haben. Er versichert uns, daß in seinen jüngeren Jahren die Badegäste in Zimmern schlafen mußten, welche nicht viel besser waren als die Dachkammern, die er später von den Dienstleuten bewohnt fand. Der Fußboden der Speisezimmer war mit keinem Teppiche bedeckt und mit einer aus Ruß und Dünnbier bereiteten Flüssigkeit überstrichen, um seine Unsauberkeit zu verbergen; keine Wand war gemalt, kein Herd oder Kaminmantel war von Marmor, eine Platte von ordinären Quadern und Feuerböcke, die nicht mehr als einige Schillinge kosteten, wurden für genügend erachtet. Die besten Zimmer waren mit einem groben wollenen Stoffe ausgeschlagen und mit Rohrstühlen versehen. Leser, die sich für die Fortschritte der Civilisation und der nützlichen Künste interessiren, werden dem bescheidenen Topographen für die Aufzeichnung dieser Details dankbar sein und es vielleicht bedauern, daß anspruchsvollere Geschichtschreiber ihre Erzählungen von Schlachten und politischen Intriguen nicht zuweilen um einige Seiten abkürzen, um uns mitzutheilen, wie es in den Wohn- und Schlafzimmern unserer Voreltern aussah.75
75. Siehe Wood’s History of Bath, 1749; Evelyn’s Diary, June 27. 1654; Pepys’s Diary, June 12, 1668; Stukeley’s Itinerarium Curiosum; Collinson’s Somersetshire; Dr. Peirce’s History and Memoirs of the Bath, 1713, book I, chap. 8, obs. 2. 1684. Ich habe mehrere alte Pläne und Abbildungen von Bath, besonders einen höchst interessanten, der mit Ansichten der Hauptgebäude eingefaßt ist, vor Augen gehabt. Letzterer ist v. Jahre 1717.
London. London nahm im Verhältniß zu den anderen Städten des Königreichs zur Zeit Karl’s II. einen viel höheren Rang ein als gegenwärtig. Seine Bevölkerung ist jetzt wenig mehr als sechsmal so stark wie die von Manchester oder Liverpool; unter Karl II. aber überstieg dieselbe die von Bristol oder Norwich um mehr als das Siebzehnfache. Ich glaube nicht, daß es noch eine andre Hauptstadt in der Welt giebt, deren Größe in einem ähnlichen Verhältnisse zu der zweiten Stadt des Landes steht. Man hat guten Grund zu glauben, daß London schon 1685 seit etwa einem halben Jahrhundert die volkreichste Stadt in Europa war. Die Einwohnerzahl, welche jetzt mindestens neunzehnhunderttausend Seelen beträgt, belief sich damals wahrscheinlich auf nicht viel über eine halbe Million.76 Als Handelsstadt hatte London nur eine Nebenbuhlerin, die jedoch längst überflügelt ist: das mächtige, und reiche Amsterdam. Die englischen Schriftsteller rühmten den Wald von Masten, der von der Brücke bis zum Tower den Fluß bedeckte, und die enormen Summen, welche im Zollhause von Thames Street eingingen. Es unterliegt in der That keinem Zweifel, daß der Handel der Hauptstadt damals zu dem Handel des ganzen Landes in einem günstigeren Verhältnisse stand als jetzt; allein unserer Generation müssen die übrigens wohlbegründeten Lobpreisungen unserer Vorfahren doch ein wenig komisch vorkommen. Der Inhalt der der Stadt gehörenden Schiffe, den sie als ungeheuer betrachteten, scheint siebzigtausend Tonnen nicht überstiegen zu haben. Allerdings war dies damals mehr als ein Drittel des Tonnengehalts sämmtlicher Schiffe des Landes, gegenwärtig aber ist es nur ein Viertel von dem Tonnengehalte Newcastle’s, und der Tonnengehalt der Themsedampfer allein dürfte ihm ziemlich gleichkommen. Der Ertrag der Zölle belief sich 1685 in London auf ungefähr dreihundertdreißigtausend Pfund jährlich; in unseren Tagen übersteigt der Reinertrag derselben zehn Millionen.77
Wenn man die zu Ende der Regierung Karl’s II. erschienenen Pläne von London betrachtet, so findet man, daß damals nur erst der Kern der gegenwärtigen Hauptstadt existirte. Die Stadt erstreckte sich noch nicht in unmerklichen Abstufungen weit über die ländliche Umgegend. Es zogen sich noch keine langen Reihen von Landhäusern, umrankt von Hollunder und Bohnenbaum, von dem großen Mittelpunkte des Reichthums und der Civilisation bis zu den Grenzen von Middlesex und tief ins Herz von Kent und Surrey hinein. Man dachte noch nicht an die Anlage der endlosen Reihen von Waarenmagazinen und der künstlichen Seen, die sich jetzt im Osten der Stadt vom Tower bis Blackwall erstrecken. Im Westen sah man kaum eines von den stattlichen Häusern, in denen jetzt die Reichen und Vornehmen wohnen, und Chelsea, das gegenwärtig über vierzigtausend Einwohner zählt, war noch ein bloßes Dorf, dessen Bevölkerung tausend Seelen nicht überstieg.78 Im Norden weidete das Vieh und Jäger streiften mit ihren Hunden und Flinten umher, wo sich jetzt der Borough Marylebone befindet, sowie auf der noch weit größeren Fläche, welche die Boroughs Finsbury und Tower Hamlets bedecken. Islington war fast noch eine Einöde, deren friedliche Stille die Dichter gern dem lärmenden Getümmel des Ungeheuers London gegenüberstellten.79 Im Süden ist die Hauptstadt jetzt mit ihren Vorstädten durch mehrere Brücken verbunden, die an Schönheit und Festigkeit den stolzesten Bauwerken der Cäsaren nicht nachstehen. Im Jahre 1685 hemmte nur eine einzige Linie unregelmäßiger Bögen, mit einer Anzahl schmutziger und halb verfallener Häuser bedeckt und nach einer der nackten Barbaren von Dahomey würdigen Sitte mit etwa zwanzig verwesenden Köpfen verziert, die Schifffahrt auf dem Flusse.
76. Nach King fünfhundertdreißigtausend.
77. Macpherson’s History of Commerce; Chalmers’s Estimate; Chamberlayne’s State of England, 1684. Der Gehalt der dem Londoner Hafen gehörenden Dampfer betrug zu Ende des Jahres 1847 etwa sechzigtausend Tonnen. Die jährlichen Zolleinnahmen beliefen sich von 1842—45 auf durchschnittlich elf Millionen Pfd. Sterl.
78. Lyson’s Environs of London. Von 1680—90 wurden in Chelsea jährlich nicht mehr als zweiundvierzig Kinder getauft.
79. Cowley, Discourse of Solitude.
Die City. Der wichtigste Theil der Hauptstadt war die City. Sie war zur Zeit der Restauration größtentheils aus Holz und Mörtel erbaut worden, die wenigen Backsteine, die man dazu verwendet, waren schlecht gebrannt, die Buden, in denen die Waaren feilgeboten wurden, traten weit in die Straße hervor und die oberen Stockwerke der Häuser hingen gleichsam über ihnen. Einige Beispiele von dieser Bauart kann man noch in den Straßen sehen, die bei dem großen Brande verschont geblieben waren. Diese Feuersbrunst hatte binnen wenigen Tagen einen Flächenraum von ziemlich einer Quadratmeile mit den Trümmern von neunundachtzig Kirchen und dreizehntausend Häusern bedeckt. Die City aber war mit einer Schnelligkeit wiedererstanden, welche die Bewunderung der Nachbarländer erweckte. Leider wurde die vorherige Richtung und Breite der Straßen zum großen Theile beibehalten und da sie ursprünglich zu einer Zeit angelegt waren, wo selbst die Prinzessinnen zu Pferde reisten, waren sie meist zu schmal, damit Räderfuhrwerke einander bequem ausweichen konnten. Reiche Leute konnten daher zu jener Zeit, wo sechsspännige Equipagen ein modischer Luxus waren, die City nicht gut bewohnen. Der Baustyl der neuen Häuser war übrigens weit schöner als der der niedergebrannten und das gewöhnliche Baumaterial waren Ziegelsteine von viel besserer Qualität, als die früher benutzten. An der Stelle der früheren Pfarrkirchen hatten sich eine Menge neuer Kathedralen, Thürme und Thürmchen erhoben, welche das fruchtbare Genie Wren’s bekundeten. Überall, mit Ausnahme eines einzigen Punktes, waren die Spuren der verheerenden Feuersbrunst vollständig verschwunden, aber noch lange sah man unzählige Arbeiter, gigantische Gerüste und Massen behauener Steine an der Stelle, wo sich der stolzeste aller protestantischen Tempel langsam aus den Trümmern der alten St. Paulskathedrale erhob.80
Seit jener Zeit hat sich der ganze Character der City durchaus verändert. Gegenwärtig kommen die Bankiers, die Großhändler und die vornehmsten Detailhändler an den sechs Werktagen der Woche jeden Morgen dahin, um ihre Geschäfte zu besorgen, aber sie wohnen in anderen Theilen der Hauptstadt oder auf nahegelegenen Landsitzen mit schönen Parken und Gärten. Diese Umwälzung in den Privatgewohnheiten hat eine politische Veränderung von nicht geringer Wichtigkeit hervorgebracht. Die reichen Kaufleute hängen nicht mehr mit der Vorliebe, die Jedermann für seine Heimath empfindet, an der City und es knüpfen sich keine häuslichen Zuneigungen und Annehmlichkeiten mehr an diesen Namen, denn der häusliche Herd, die Kinderstube, die gesellige Tafel und das trauliche Bett befinden sich nicht mehr dort. Lombard Street und Threadneedle Street sind weiter nichts mehr als Lokalitäten zum Arbeiten und Geldverdienen; um das erworbene Geld auszugeben und zu genießen geht man anderswohin. Des Sonntags oder des Abends nach den Geschäftsstunden sind viele Höfe und Passagen, in denen es wenige Stunden zuvor von eiligen Füßen und ängstlichen Gesichtern wimmelte, still und einsam wie ein Friedhof. Die Häupter des Handelsstandes sind nicht mehr Bürger der City; sie vermeiden und verachten fast die städtischen Ehren und Pflichten und überlassen dieselben Anderen, welche zwar ebenfalls ganz nützliche und achtbare Männer sein mögen, aber doch nur selten den fürstlichen Handelshäusern angehören, deren Firmen in der ganzen Welt bekannt sind.
Im siebzehnten Jahrhunderte dagegen wohnten die Kaufleute auch in der City. Die noch vorhandenen Wohnhäuser der ehemaligen reichen Bürger sind zu Comptoirs und Waarenmagazinen eingerichtet, aber man sieht es ihnen noch heute an, daß sie ursprünglich den Palästen des hohen Adels an Schönheit und Pracht nicht nachstanden. Sie stehen zum Theil in abgelegenen und düsteren Höfen und haben unbequeme Zugänge, aber ihr Umfang ist bedeutend und ihr Aussehen majestätisch. Ihre Eingänge sind mit reicher Bildhauerarbeit verziert, die Treppenhäuser und Vorplätze sind prächtig und die Fußböden zuweilen auf französische Art parquettirt. Der Palast Sir Robert Clayton’s in der alten Judenstadt enthielt einen prachtvollen Speisesaal mit Wandgetäfel von Cedernholz und mit Frescogemälden, welche die Kämpfe der Götter und Titanen darstellten.81 Sir Dudley North verwendete viertausend Pfund, eine Summe, welche damals für einen Herzog schon bedeutend gewesen wäre, auf die reiche Ausschmückung seiner Wohnzimmer in Basinghall Street.82 In solchen Häusern entfalteten noch unter den letzten Stuarts die Häupter der großen Firmen eine außerordentliche Pracht und Gastfreundschaft, und die stärksten Bande des Interesses und des Herzens fesselten sie an dieselben. Hier hatten sie ihre Jugend verlebt, ihre Freundschaften geschlossen, ihre Gattinnen kennen gelernt und ihre Kinder heranwachsen sehen; hier ruhten die irdischen Überreste ihrer Eltern, an deren Seite sie ebenfalls einst ruhen wollten. Unter solchen Verhältnissen mußte sich in hohem Maße der glühende Patriotismus entwickeln, welcher Denen eigen ist, die auf einem engen Raume beisammenleben. London war dem Londoner, was Athen zu den Zeiten des Perikles dem Athener, was Florenz dem Florentiner des fünfzehnten Jahrhunderts war. Der Bürger war stolz auf die Größe seiner Stadt, legte hohen Werth auf die Wahrung ihres Ansehens wie auf die Bekleidung von städtischen Ehrenämtern und war eifersüchtig auf ihre Freiheiten.
Zu Ende der Regierung Karl’s II. erfuhr der Stolz der Londoner eine schmerzliche Demüthigung. Ihr alter Freibrief war ihnen genommen und die Magistratur neu organisirt worden. Alle städtischen Beamten waren Tories und die Whigs, obgleich an Zahl und Reichthum ihren Gegnern überlegen, sahen sich von jedem Ehrenamte ausgeschlossen. Indessen hatte sich der äußere Glanz der städtischen Verwaltung durch diesen Wechsel eher noch vermehrt als vermindert. Unter der Herrschaft einiger Puritaner, welche unlängst an der Spitze der Behörden gestanden, hatte der alte Ruf der City hinsichtlich des heiteren Wohllebens in der That abgenommen, unter dem neuen Magistrate aber, der einer lebenslustigeren Partei angehörte und an dessen Tafel oft vornehme und angesehene Gäste von jenseit Temple Bar zu finden waren, wurden Guildhall und die Säle der großen Gesellschaften oft durch glänzende Gastmähler belebt. Bei diesen Banketten wurden Oden, die der gekrönte Dichter der Corporation zu Ehren des Königs, des Herzogs und des Mayors verfaßt hatte, unter Musikbegleitung gesungen. Es wurde stark getrunken und laut gejubelt. Ein toryistischer Beobachter, der oft an diesen Gelagen Theil genommen, bemerkt, daß die Sitte, nach ausgebrachten Toasten donnernde Hurrahs erschallen zu lassen, sich aus jener fröhlichen Zeit herschreibe.83