27. Carte’s Life of Ormond.

28. Pepys’s Diary vom 14. Februar 1688—89.

29. Siehe den Bericht über den Prozeß Bath-Montague, der im December 1693 durch den Lord Siegelbewahrer Somers entschieden ward.

30. Dreiviertel Jahr lang, von Weihnachten 1689 an wurden die Einkünfte des Erzbisthums Canterbury durch einen von der Krone dazu angestellten Beamten erhoben. Die Rechnungsablage dieses Beamten befindet sich gegenwärtig im Britischen Museum (Lansdown Mscrpts. 885). Die Bruttoeinnahme während dieser drei Quartale betrug nicht ganz viertausend Pfund, und der Unterschied zwischen dem Brutto- und dem Nettoeinkommen war jedenfalls nicht unbedeutend.

31. King’s Natural and Political Conclusions. Davenant, On the Balance of Trade. Sir W. Temple sagt: „Die Einkünfte eines Hauses der Gemeinen haben selten viermalhunderttausend Pfund überstiegen.“ Dessen Memoiren. 3. Theil.

32. Langton’s Conversations with Chief Justice Hale, 1672.

33. Commons’ Journals vom 27. April 1689; Chamberlayne’s State of England, 1684.

34. Siehe die Reisen des Großherzogs Cosmus.

Zustand des Ackerbaues. Die Thatsache, daß sich der Ertrag der Steuern in England während eines Zeitraums von etwa zwei langen Menschenleben um das Dreißigfache vermehrt hat, ist auffallend und mag auf den ersten Anblick fast etwas Erschreckendes haben. Aber wen die Vermehrung der öffentlichen Lasten beunruhigt, der wird sich vielleicht wieder beruhigen, wenn er dagegen die Zunahme der öffentlichen Hülfsquellen in Erwägung zieht. Im Jahre 1685 überstieg der Werth der Bodenerzeugnisse bei weitem den aller anderen Früchte des menschlichen Fleißes. Gleichwohl befand sich damals der Ackerbau in einem Zustande, den man heutzutage roh und unvollkommen nennen würde. Die besten Statistiker jener Zeit schätzten den Umfang des pflügbaren Ackerlandes und des Weidelandes auf nicht viel über die Hälfte des gesammten Flächeninhalts der Monarchie.35 Das Übrige bestand angeblich aus Moor, Sumpf und Waldungen. Die Richtigkeit dieser Berechnungen wird durch die Reisebücher und Landkarten des siebzehnten Jahrhunderts vollkommen bestätigt. Aus diesen Büchern und Karten geht klar und deutlich hervor, daß viele Straßen, welche gegenwärtig durch endlose Obstpflanzungen, Wiesen und Bohnenfelder führen, damals über nichts als Haiden, Sümpfe und Jagdgehege gingen.36 Auf den Zeichnungen englischer Landschaften, welche damals für den Großherzog Cosmus angefertigt wurden, sieht man kaum eine Baumhecke, und zahlreiche Strecken, welche jetzt vortrefflich angebaut sind, erscheinen kahl wie die Ebene von Salisbury.37 Bei Enfield, wo man fast noch den Rauch der Hauptstadt sehen kann, war ein Gebiet von fünfundzwanzig Meilen im Umfange, das nicht mehr als drei Häuser und fast gar keine umfriedigten Felder enthielt. Das Rothwild tummelte sich dort zu Tausenden wie in einem amerikanischen Urwalde.38 Ich muß hierbei bemerken, daß wilde Thiere von bedeutender Größe damals noch viel zahlreicher waren als jetzt. Zwar waren die letzten Wildschweine, welche zum Vergnügen des Königs gehegt wurden und die mit ihren Hauern das angebaute Land verwüsten durften, während des zügellosen Treibens zur Zeit der Bürgerkriege durch das erbitterte Landvolk vernichtet, und der letzte Wolf, der auf unsrer Insel gehaust, kurz vor dem Ende der Regierung Karl’s II. in Schottland erlegt worden. Aber viele jetzt ganz ausgestorbene oder doch nur sehr selten vorkommende Arten von Säugethieren und Vögeln waren noch sehr gewöhnlich. Der Fuchs, dessen Leben gegenwärtig in vielen Grafschaften fast so heilig gehalten wird als das eines Menschen, wurde lediglich als eine Landplage betrachtet. Oliver St. John sagte dem Langen Parlamente, Stafford sei nicht als ein Hirsch oder Hase zu betrachten, auf den man noch einige Rücksicht nehmen könne, sondern als ein Fuchs, den man auf jede Weise verfolgen und ohne Mitleid todtschlagen müsse. Dieser Vergleich würde nichts weniger als glücklich gewählt sein, wenn man denselben gegen einen Landedelmann unserer Zeit aussprechen wollte; zu St. John’s Zeiten aber wurden nicht selten große Vertilgungkriege gegen die Füchse veranstaltet, zu denen sich die Landleute mit allen Hunden, die sie auftreiben konnten, eifrig drängten. Es wurden Fallen gelegt und Netze gestellt und kein Pardon gegeben; die Erlegung eines trächtigen Weibchens wurde als eine That betrachtet, welche den Dank der ganzen Nachbarschaft verdiente. Das Hochwild war damals in Gloucestershire und Hampshire so gewöhnlich, wie jetzt in den Grampian-Gebirgen. Die Königin Anna erblickte einst auf einer Reise nach Portsmouth ein Rudel von nicht weniger als fünfhundert Stück. Den wilden Stier mit seiner weißen Mähne begegnete man noch zuweilen in einigen südlichen Wäldern. Der Dachs grub noch an jedem Hügelabhange, der mit dichtem Gebüsch bewachsen war, seinen dunklen, gewundenen Bau. Wilde Katzen hörte man noch häufig des Nachts in der Nähe der Wildmeisterwohnungen heulen. Der gelbbrüstige Marder wurde noch in Cranbourne Chase seines Pelzes wegen gejagt, dem man nur das Zobelfell vorzog. Sumpfadler, welche von einer Flügelspitze bis zur andern über neun Fuß maßen, stellten den Fischen an der Küste von Norfolk nach. Auf allen Dünen vom Britischen Kanal bis nach Yorkshire schwärmten riesige Trappen in Schaaren von funfzig bis sechzig Stück umher und wurden oft mit Windhunden gehetzt. Die Moorgegenden von Cambridgeshire und Lincolnshire waren jedes Jahr einige Monate lang mit ungeheuren Schwärmen von Kranichen bedeckt. Durch die Fortschritte des Landbaues sind einige dieser Thiergattungen völlig ausgerottet; andere Arten haben sich so vermindert, daß das Volk ein Exemplar davon anstaunt, wie einen bengalischen Tiger oder einen Eisbär.39

Das Fortschreiten dieser großen Veränderung läßt sich nirgends leichter verfolgen als in der Gesetzsammlung. Die Anzahl der seit der Thronbesteigung König Georg’s II. genehmigten Einhegungsakte beträgt über viertausend, und der kraft dieser Bewilligungen eingefriedigte Flächenraum übersteigt nach mäßiger Schätzung zehntausend Quadratmeilen. Wieviel Quadratmeilen früher gar nicht, oder doch schlecht angebauten Landes in der nämlichen Zeit von den Besitzern ohne specielle Genehmigung der Behörden eingefriedigt und sorgfältig cultivirt wurden, läßt sich bloß muthmaßen. Man kann jedoch mit großer Wahrscheinlichkeit annehmen, daß im Laufe von wenig mehr als einem Jahrhunderte der vierte Theil von England aus einer Wildniß in einen Garten verwandelt worden ist.

Selbst in denjenigen Theilen des Reichs, welche zu Ende der Regierung Karl’s II. am besten angebaut waren, stand die Landwirthschaft ungeachtet der großen Fortschritte, die seit den Bürgerkriegen darin gemacht waren, doch noch nicht auf einer solchen Stufe, daß man heutzutage von ihr sagen würde, sie sei mit Geschick betrieben worden. Bis jetzt hat die Regierung leider noch keine wirksamen Maßregeln angeordnet, um genaue Aufstellungen über den Ertrag des englischen Grund und Bodens zu erhalten. Der Geschichtsschreiber muß sich daher mit einigem Mißtrauen an die Angaben derjenigen Statistiker halten, welche am meisten in dem Rufe der Sorgfalt und Zuverlässigkeit stehen. Der gegenwärtige Durchschnittsertrag an Weizen, Roggen, Gerste, Hafer und Hülsenfrüchten wird auf weit über dreißig Millionen Quarters geschätzt. Die Weizenernte, die zwölf Millionen Quarters nicht überstiege, würde als eine schlechte gelten. Nach einer Berechnung Gregor King’s vom Jahre 1696 betrug damals die jährliche Gesammtproduction von Weizen, Roggen, Gerste, Hafer und Hülsenfrüchten etwas unter zehn Millionen Quarters. Den Ertrag des Weizens, welcher damals nur auf dem fettesten Lehmboden erbaut und nur von der wohlhabenderen Klasse consumirt wurde, schätzte er auf weniger als zwei Millionen Quarters. Karl Davenant, ein scharfsinniger und wohlunterrichteter, aber durchaus charakterloser und gehässiger Politiker, wich zwar in einigen Punkten der Berechnung von King ab, gelangte aber so ziemlich zu demselben allgemeinen Resultate.40

Die sogenannte Wechselwirthschaft verstand man damals noch sehr unvollkommen. Man wußte zwar, daß einige seit Kurzem auf unserer Insel eingeführte Pflanzen, namentlich die weiße Rübe, ein vortreffliches Winterfutter für Schafe und Rinder gaben; allein es war noch nicht gebräuchlich, das Vieh damit zu füttern. Es war daher keineswegs leicht, die Thiere während der Jahreszeit, wo das Gras selten wird, zu erhalten. Beim Beginn der kalten Witterung wurden sie denn auch in großer Menge geschlachtet und eingesalzen und mehrere Monate hindurch aß selbst der Reiche fast gar kein frisches Fleisch, ausgenommen Wild und Flußfische, welche eben deshalb damals in der Haushaltung eine viel wichtigere Rolle spielten als gegenwärtig. Aus dem Northumberland Household Book ersehen wir, daß unter der Regierung Heinrichs VII. selbst die Gentlemen im Gefolge eines großen Earl nur während der kurzen Zeit zwischen der Mitte des Sommers und Michaelis frisches Fleisch genossen. Im Laufe von zwei Jahrhunderten waren jedoch schon manche Verbesserungen in der Viehzucht eingetreten, und unter Karl II. legten die Familien ihren Wintervorrath von gesalzenem Fleische, das man damals Martinsfleisch nannte, nicht vor Anfang Novembers ein.41

Die Schafe und Rinder jener Zeit waren im Vergleich mit denen, welche heutzutage auf unsere Märkte getrieben werden, sehr klein.42 Unsere einheimischen Pferde waren zwar brauchbar, aber nicht besonders geschätzt und ziemlich wohlfeil. Die zuverlässigsten Autoritäten in der Berechnung des Nationalreichthums schlugen sie im Durchschnitt auf nicht höher als funfzig Schilling das Stück an. Die Pferde ausländischer Zucht wurden allgemein vorgezogen, und für die schönsten galten die spanischen Zelter, welche für den Bedarf des Luxus und des Kriegs eingeführt wurden. Die Kutschen des hohen Adels wurden von grauen flamändischen Stuten gezogen, welche für die elegantesten Traber galten und besser als irgend ein einheimischer Schlag geeignet sein sollten, die damaligen plumpen Equipagen über das holperige Straßenpflaster von London zu schleppen. Weder das Zugpferd noch das Racepferd der Neuzeit waren damals bekannt. Erst zu einer viel späteren Periode wurden die Vorfahren der riesigen Vierfüßler, welche jetzt von allen Fremden zu den größten Merkwürdigkeiten der Weltstadt gerechnet werden, aus dem Moorlande von Walcheren, die Ahnen eines Childers und Eclipse43 aus den Sandwüsten Arabiens zu uns gebracht. Indessen war schon damals unser Adel und unsre Gentry für die Vergnügungen der Rennbahn leidenschaftlich eingenommen. Man sah die Nothwendigkeit ein, unsere Gestüte durch Beimischung fremden Blutes zu veredeln, und zu diesem Zwecke war vor kurzem eine beträchtliche Anzahl von Pferden aus der Barbarei eingeführt worden. Zwei Männer, deren Autorität in solchen Dingen besonderes Gewicht hatte, der Herzog von Newcastle und Sir John Fenwick, erklärten, daß der geringste Klepper aus Tanger eine schönere Nachkommenschaft erzeugen werde, als man sie von dem besten Hengste unserer einheimischen Zucht erwarten könne. Sie ahneten damals schwerlich, daß eine Zeit kommen würde, wo die Fürsten und Edelleute der Nachbarstaaten eben so eifrig bemüht waren, Pferde aus England zu beziehen, als die Engländer damals nach der Einführung von Berberrossen trachteten.44

35. King’s Natural and Political Conclusions. Davenant, On the Balance of Trade.

36. Siehe das Itinerarium Angliae, 1675, von John Ogilby, königl. Kosmographen. Nach seiner Beschreibung befanden sich in einem großen Theile des Landes zu beiden Seiten der Straßen nichts als Wald, Sumpf und Haide. Auf einigen seiner Karten sind die durch eingehegtes Land gehenden Straßen mit Linien, und die durch uneingehegtes führenden mit Punkten bezeichnet. Der verhältnißmäßige Umfang des nicht eingehegten Landes, das, wenn es überhaupt angebaut war, doch sehr schlecht angebaut sein mußte, scheint sehr bedeutend gewesen zu sein. Zwischen Abingdon und Gloucester zum Beispiel, eine Strecke von vierzig bis funfzig Meilen, befand sich nicht eine einzige Einfriedigung, zwischen Biggleswade und Lincoln kaum eine solche.

37. Eine große Anzahl von diesen höchst interessanten Zeichnungen befinden sich in der Sammlung, welche Grenville dem Britischen Museum vermacht hat.

38. Evelyn’s Diary vom 2. Juni 1675.

39. Siehe White’s Selborne; Bell’s History of British Quadrupeds; Gentleman’s Recreation, 1686; Aubrey’s Natural History of Wiltshire, 1685; Morton’s History of Northamptonshire, 1712; Willoughby’s Ornithology, herausgegeben von Ray, 1678; Latham’s General Synopsis of Birds und Sir Thomas Browne’s Account of Birds found in Norfolk.

40. King’s Natural and Political Conclusions; Davenant, On the Balance of Trade.

41. Siehe die Almanachs von 1684 und 1685.

42. Siehe M’Culloch’s Statistical Account of The British Empire III. Thl. 1. Kap. 6. Abschn.

43. Namen berühmter Rennpferde der Neuzeit.  Anm. d. Übers.

44. King und Davenant wie oben; der Herzog von Newcastle über die Reitkunst; Gentleman’s Recreation, 1686. Die scheckigen flandrischen Stuten waren zu Pope’s Zeiten und auch noch später Zeichen von Vornehmheit. Das gemeine Sprichwort „die graue Stute ist das beste Pferd“ hat, wie ich vermuthe, seinen Ursprung ebenfalls in dem Vorzuge, den man den grauen flandrischen Stuten vor den schönsten englischen Kutschpferden gab.

Mineralreichthum des Landes. So groß aber auch die Vermehrung der Erzeugnisse des Pflanzen- und Thierreichs war, so erscheint sie doch nur unbedeutend im Vergleich mit der Zunahme unseres Mineralreichthums. Im Jahre 1685 war das Zinn von Cornwall, welches vor mehr als zwei Jahrtausenden die tyrischen Schiffe bis über die Säulen des Herkules hinaus gelockt hatte, noch eines der werthvollsten unterirdischen Erzeugnisse der Insel. Die Quantität, welche davon alljährlich gewonnen wurde, belief sich einige Jahre später auf sechzehnhundert Tonnen, ungefähr ein Drittel des gegenwärtigen Ertrags.45 Aber die in der nämlichen Gegend befindlichen Kupferadern wurden zur Zeit Karl’s II. noch fast gar nicht beachtet, und kein Grundeigenthümer brachte sie mit in Anschlag, wenn er den Werth seines Besitzthums feststellte. Gegenwärtig liefern Cornwall und Wales zusammen jährlich nahe an 15,000 Tonnen Kupfer im Werthe von fast anderthalb Millionen Pfund Sterling, das heißt dem ungefähren doppelten Werthe der jährlichen Ausbeute aller englischen Bergwerke irgend welcher Art zusammengenommen im siebzehnten Jahrhunderte.46 Das erste Steinsalzlager war nicht lange nach der Restauration in Cheshire entdeckt worden, scheint aber damals noch nicht ausgebeutet worden zu sein. Das Salz, welches durch ein rohes Verfahren aus Salzquellen gewonnen wurde, war nicht sehr geschätzt. Die Pfannen, in denen die Bereitung geschah, dünsteten einen Schwefelgeruch aus und nach vollendeter Verdampfung war die zurückgebliebene Substanz fast unbrauchbar. Die Ärzte schrieben die unter den Engländern verbreiteten Skorbut- und Lungenaffectionen diesem ungesunden Gewürz zu. Es wurde daher von den höheren und mittleren Ständen nur selten gebraucht und in Folge dessen fand eine regelmäßige und bedeutende Einfuhr aus Frankreich statt. Gegenwärtig decken unsere Quellen und Bergwerke nicht allein unseren eigenen großen Bedarf, sondern versenden jährlich noch ungefähr 700 Millionen Pfund vortrefflichen Salzes nach dem Auslande.47

Noch viel bedeutender sind die Fortschritte unsrer Eisenerzeugung. Schon lange existirten auf unsrer Insel Eisenwerke, aber sie wollten nicht gedeihen und wurden weder von der Regierung noch vom Publikum mit günstigen Augen angesehen. Es war damals noch nicht gebräuchlich, zum Schmelzen des Erzes Kohlen anzuwenden und der ungeheure Verbrauch von Holz machte die Staatsökonomen besorgt. Schon unter der Regierung Elisabeth’s klagte man laut darüber, daß ganze Wälder geschlagen wurden, um die Schmelzöfen zu speisen und das Parlament war eingeschritten, indem es den Fabrikanten verbot, Bauholz zu brennen. In Folge dessen gerieth die Fabrikation ins Stocken. Zu Ende der Regierung Karl’s II. wurde ein großer Theil des Eisenbedarfs für das Land von auswärts eingeführt und die Gesammtmasse des bei uns gewonnenen Eisens betrug nicht über zehntausend Tonnen. Gegenwärtig gilt dieser Fabrikationszweig für gedrückt, wenn weniger als eine Million Tonnen im Jahre producirt werden.48

Noch ist ein Mineral zu erwähnen, das vielleicht wichtiger ist als selbst das Eisen. Obwohl die Steinkohle in den Fabriken noch fast gar keine Verwendung fand, so war sie doch in einigen Gegenden, die so glücklich waren, große Lager davon zu besitzen, wie auch in der Hauptstadt, welche zu Wasser leicht damit versehen werden konnte, bereits das gewöhnliche Brennmaterial. Man kann mit Recht annehmen, daß damals mindestens die Hälfte der aus allen Gruben gewonnenen Menge in London verbraucht wurde. Die Consumtion Londons erschien den Schriftstellern jener Zeit ungeheuer und ward von ihnen oft als ein Beweis für die Größe der Hauptstadt erwähnt. Sie erwarteten kaum Glauben zu finden, wenn sie versicherten, daß in dem letzten Regierungsjahre Karls II. 280,000 Chaldrons, das heißt etwa 350,000 Tonnen zur Themse gebracht worden seien. Gegenwärtig braucht London jährlich nahe an 3½ Millionen Tonnen und die gesammte Jahresausbeute des Landes darf nach der mäßigsten Schätzung nicht unter 30 Millionen Tonnen angeschlagen werden.49

45. Siehe eine interessante Note von Tonkin in Lord de Dunstanville’s Ausgabe von Carew’s Survey of Cornwall.

46. Borlase’s Natural History of Cornwall, 1758. Meine Angabe der gegenwärtig erzeugten Kupfermenge ist den statistischen Verzeichnissen des Parlaments entnommen. Davenant schätzte den jährlichen Ertrag aller Bergwerke Englands im Jahre 1700 auf sieben- bis achtmalhunderttausend Pfund Sterling.

47. Philosophical Transactions Nr. 53, Nov. 1669, Nr. 66, Dec. 1670, Nr. 103, Mai 1674, Nr. 156, Febr. 1683—1684.

48. Yarranton, England’s Improvement by Sea and Land, 1677; Porter’s Progress of the Nation. Siehe auch die gedrängte, aber ungemein klare Geschichte der britischen Eisenwerke in M’Culloch’s Statistical Account of the British Empire.

49. Siehe Chamberlayne’s State of England, 1684, 1687; Angliae Metropolis, 1691; M’Culloch’s Statistical Account of the British Empire III. Thl. 2. Kap. (Ausg. v. 1847). Im Jahre 1845 betrug die nach London gebrachte Kohlenmenge nach den Parlamentslisten 3,460,000 Tonnen.

Zunahme der Grundrente. Während diese großen Veränderungen vor sich gingen, war die Grundrente, wie sich erwarten ließ, in fortwährendem Steigen. In einigen Districten hat sie sich mehr als verzehnfacht, in anderen nur verdoppelt; im Durchschnitt aber kann man annehmen, daß sie um das Vierfache gestiegen ist.

Ein großer Theil dieser Einkünfte vertheilte sich unter die Landgentlemen, eine Klasse von Leuten, deren Stellung und Character klar zu erkennen von großer Wichtigkeit ist, denn durch ihren Einfluß und ihre Leidenschaften wurde das Schicksal der Nation in mehreren wichtigen Krisen entschieden.

Die Landgentlemen. Wir würden sehr irren, wenn wir glaubten, daß die Squires des siebzehnten Jahrhunderts ihren heutigen Nachkommen, mit den Grafschaftsabgeordneten und Vorsitzenden der Quartalsitzungen der Friedensrichter, wie wir sie kennen, eine genaue Ähnlichkeit gehabt hätten. Der Landgentleman unsrer Zeit erhält in der Regel eine sehr gute Erziehung, besucht nach genossener vortrefflicher Schulbildung eine ausgezeichnete Universität und es wird ihm jede Gelegenheit geboten, um etwas Tüchtiges zu lernen. Er hat sich gewöhnlich in fremden Ländern umgesehen, hat einen großen Theil seines Lebens in der Hauptstadt zugebracht und die verfeinerten Sitten der Hauptstadt begleiten ihn auf das Land. Es giebt vielleicht keine reizenderen Wohnungen, als die Landsitze der englischen Gentry. In den Parks und Gartenanlagen erscheint uns die durch die Kunst verschönerte, aber nicht verwischte Natur in ihrem lieblichsten Gewande. In den Gebäuden verbindet sich taktvolle Einsicht mit gutem Geschmack, um eine glückliche Vereinigung von Comfort und Eleganz zu erzeugen. Die Gemälde, die musikalischen Instrumente und die Bibliothek würden in jedem anderen Lande als ein Beweis von der feinen Bildung ihres Eigenthümers betrachtet werden. Ein Landgentleman, der die Revolution erlebte, bezog damals aus seinem Grundbesitz wahrscheinlich nur etwa den vierten Theil der Einkünfte, die seine gegenwärtige Nachkommenschaft genießt. Er war daher im Vergleich mit dieser ein armer Mann und in der Regel genöthigt, mit kurzen Unterbrechungen auf seinem Gute zu wohnen. Reisen auf dem Continente, eine häusliche Einrichtung in London oder selbst nur häufige Besuche der Hauptstadt waren Genüsse, die sich nur die großen Gutsbesitzer erzeugen konnten. Man kann dreist behaupten, daß von zwanzig Squires, deren Namen unter den Friedensrichtern und Grafschaftsvorständen figurirten, nicht einer war, der alle fünf Jahre einmal nach London gekommen oder je in seinem Leben nach Paris gereist wäre. Manche Gutsherren hatten eine Erziehung genossen, die sich von der ihrer Dienstleute wenig unterschied. Oft hatte der Erbe eines Gutes während seiner Knaben- und Jünglingsjahre auf dem Stammsitze seiner Familie keine anderen Hofmeister, als Lakaien und Wildhüter, und lernte kaum soviel, damit er seinen Namen unter einen gerichtlichen Verhaftbefehl schreiben konnte. Besuchte er eine Schule oder eine Universität, so kehrte er gewöhnlich schon vor dem zwanzigsten Jahre in die Abgeschiedenheit des väterlichen Hauses zurück und wenn ihn die Natur in geistiger Beziehung nicht besonders reich, begabt hatte, vergaß er bald seine akademischen Studien über ländlichen Beschäftigungen und Vergnügungen. Sein wichtiges Geschäft war die Sorge für seine Besitzung. Er untersuchte Kornproben, betastete Ferkel und an Markttagen schloß er beim Glase mit den Vieh- und Hopfenhändlern Verkäufe ab. Seine Hauptvergnügungen beschränkten sich fast ausschließlich auf Jagd und Pferderennen und auf die Genüsse einer rohen Sinnlichkeit. Seine Rede und seine Aussprache waren so, wie wir sie jetzt nur von dem ungebildetsten Menschen erwarten würden; seine Flüche, seine rohen Scherze und unsauberen Schimpfworte wurden in dem breitesten Dialecte seiner Provinz ausgesprochen. Schon nach den ersten Worten, die er sprach, konnte man leicht unterscheiden, ob er aus Somersetshire oder aus Yorkshire war. Er kümmerte sich wenig um die Ausschmückung seines Hauses, und wenn er wirklich einen derartigen Versuch machte, war das Resultat selten etwas Besseres als geschmacklose Entstellung. Der Unrath des Wirthschaftshofes sammelte sich unter den Fenstern seines Schlafzimmers und die Kohlköpfe und Stachelbeersträucher wuchsen bis dicht vor die Hausthür. Sein Tisch war reich besetzt mit ordinären Speisen und Gäste waren ihm an demselben herzlich willkommen. Da aber in der Klasse, der er angehörte, die Gewohnheit, übermäßig viel zu trinken, allgemein war und seine Mittel ihm nicht erlaubten, jeden Tag eine zahlreiche Gesellschaft mit Burgunder und Kanariensect zu berauschen, so war ein starkes Bier das gewöhnliche Getränk. Die Biermasse, welche zur damaligen Zeit consumirt wurde, war in der That ungeheuer, denn es wurde damals unter den mittleren und niederen Ständen nicht nur von denen getrunken, die es gegenwärtig trinken, sondern es ersetzte auch den jetzigen Genuß von Wein, Thee und Branntwein. Nur in vornehmen Häusern oder bei festlichen Gelegenheiten kamen ausländische Getränke auf die Tafel. Die Frau vom Hause, welche gewöhnlich das Mahl selbst bereitet hatte, zog sich zurück, sobald die Schüsseln geleert waren und ließ die Herren beim Ale und beim Tabak, denen die Schwelger in lärmender Fröhlichkeit oft noch so lange zusprachen, bis sie unter den Tisch fielen.

Nur sehr selten hatte der Landedelmann hin und wieder einen Blick in die vornehmen Zirkel gethan, und was er davon sah, diente eher dazu, seinen Verstand zu verwirren, als aufzuklären. Da er seine Ansichten über Religion, Verfassung, fremde Länder und frühere Zeiten nicht aus eigenen Studien und Beobachtungen oder aus der Unterhaltung mit gebildeten Leuten, sondern nur aus den Traditionen seines beschränkten Gesellschaftskreises geschöpft hatte, so waren es die Ansichten eines Kindes. Trotzdem hing er mit der Zähigkeit an denselben, welche unwissenden Menschen, die gewohnt sind, mit Schmeicheleien überhäuft zu werden, eigen ist, dabei besaß er zahlreiche und heftige Abneigungen. Er haßte Franzosen und Italiener, Schotten und Iren, Papisten und Presbyterianer, Independenten und Baptisten, Quäker und Juden. Gegen London und die Londoner hegte er einen Widerwillen, der mehr als einmal bedeutende politische Folgen hatte. Seine Gattin und seine Tochter standen in Bildung und Kenntnissen unter einer Haushälterin oder einem Kammermädchen unserer Tage. Sie näheten und spannen, braueten Stachelbeerwein, setzten Früchte ein und buken Wildpasteten.

Aus dieser Beschreibung des englischen Esquires könnte man schließen, daß er sich wenig von einem Müller oder einem Schenkwirthe unserer Zeit unterschied; allein wir haben noch einige wesentliche Characterzüge zu erwähnen, welche diese Meinung bedeutend modificiren werden. So mangelhaft seine Bildung und seine Kenntnisse auch waren, so zeigte er sich doch in einigen wichtigen Punkten als ein ächter Gentleman. Als Mitglied einer stolzen und mächtigen Aristokratie zeichnete er sich durch manche den Aristokraten eigene, theils gute, theils schlechte Eigenschaften aus. Sein Familienstolz war größer als der eines Talbot oder eines Howard. Er kannte die Stammbäume und Wappen aller seiner Nachbarn, er konnte sagen, welche von ihnen sich widerrechtlich angemaßt hatten, Wappenträger zu halten, und welche so unglücklich waren, Urenkel von Aldermen zu sein. Er war Gerichtsherr und übte als solcher bei den Bewohnern der Umgegend unentgeltlich eine patriarchalische und rohe Justiz aus, welche trotz zahlreicher Irrthümer und gelegentlicher Acte von Tyrannei immer noch besser war als gar keine. Er war ferner Offizier bei der Miliz, und mochte diese militairische Würde den Tapferen, welche an einem Feldzuge in Flandern Theil genommen, auch lächerlich erscheinen, so erhob sie ihn doch in seinen eigenen Augen, wie in denen seiner Nachbarn. Übrigens war es auch in der That ungerecht, seine militairischen Functionen zu verspotten. In jeder Grafschaft gab es ältere Gentlemen, welche Zeiten gesehen hatten, in denen der Dienst der Bürgerwehr kein Kinderspiel war. Der Eine war nach der Schlacht von Edgehill von Karl I. zum Ritter geschlagen worden; ein Andrer trug noch das Pflaster auf einer Wunde, die er bei Naseby erhalten; ein Dritter hatte sein altes Schloß vertheidigt, bis Fairfax die Thür mit einer Petarde sprengte. Die Anwesenheit dieser ergrauten Cavaliere mit ihren alten Schwertern, ihren alten Pistolenholftern und ihren alten Geschichten von Goring und Lunsford verlieh den Musterungen der Miliz ein ernstes und kriegerisches Gepräge, das ihnen sonst gefehlt haben würde. Selbst diejenigen Landgentlemen, welche zu jung waren, als daß sie sich mit den Kürassieren des Parlaments geschlagen haben konnten, waren wenigstens von Jugend auf von den zurückgelassenen Spuren der letzten Kriege umgeben gewesen und waren mit den Geschichten der tapferen Heldenthaten ihrer Väter und Oheime genährt worden. So bestand der Character des englischen Esquire des siebzehnten Jahrhunderts aus zwei Elementen, die wir nicht gewohnt sind, beisammen zu finden; seine Unwissenheit, seine mangelhafte Bildung, seine rohen Neigungen und seine gemeine Sprache würden heutzutage als ein Zeichen von durchaus plebejischer Herkunft und Erziehung betrachtet worden sein: dessen ungeachtet war er entschieden ein Patrizier und besaß in hohem Maße die Tugenden und Fehler, welche denen eigen sind, die ihrer Geburt nach einen hohen Rang einnehmen und an Befehlen, an Decorum und an Selbstachtung gewöhnt sind. Einer Generation, welche gewohnt ist, ritterliche Gesinnungen nur im Verein mit wissenschaftlicher Bildung und feinen Manieren zu finden, wird es nicht leicht, sich einen Mann mit dem Benehmen, dem Vocabularium und der Redeweise eines Karrenführers zu denken, der gleichwohl in Sachen der Herkunft und der Rangordnung ungemein streng und bereit ist, eher sein Leben aufs Spiel zu setzen, als einen Flecken auf die Ehre seines Hauses werfen zu lassen. Indessen können wir uns eben nur durch die Vereinigung dieser Eigenschaften, welche in unserer eigenen Erfahrung selten oder nie beisammen gefunden werden, einen richtigen Begriff von dem Landadel bilden, der die Hauptstärke der Heere Karl’s I. war und lange Zeit mit bewundernswerther Treue die Interessen seiner Nachkommen vertheidigte.

Dieser rohe, ungebildete und selten gereiste Landgentleman war gewöhnlich ein Tory; aber obgleich ein entschiedener Anhänger der erblichen Monarchie, hegte er doch keine parteiliche Vorliebe für die Höflinge und Minister. Er war, und nicht ohne Grund, der Meinung, daß Whitehall mit den verderbtesten Creaturen angefüllt sei; er glaubte, daß ein Theil der ungeheuren Summen, die das Parlament seit der Restauration bewilligt, von schlauen Staatsmännern unterschlagen, ein anderer an Possenreißer und ausländischen Courtisanen vergeudet worden sei. Sein stolzes englisches Herz empörte sich bei dem bloßen Gedanken, daß die Regierung seines Vaterlandes von Frankreich Vorschriften annehmen sollte. In der Regel selbst ein alter Cavalier oder doch der Sohn eines solchen, gedachte er mit heftigem Unwillen des schnöden Undanks, mit dem die Stuarts ihre unglücklichen Freunde belohnt hatten. Wer ihn über die Geringschätzung, mit der er behandelt, und über die Verschwendung, mit der die Bastarde von Lorchen Gwynn und Madame Carwell ausgestattet wurden, murren hörte, hätte ihn für eine Rebellion reif halten können; aber sein Unmuth dauerte nur so lange, als der Thron in Gefahr schwebte. Gerade wenn Diejenigen, die der Monarch mit Reichthümern und Ehrenbezeigungen überhäuft hatte, ihn verließen, schaarten sich die zur Zeit seines Glücks so mürrischen und widersetzlichen Landedelleute wie ein Mann um ihn. So kamen sie Karl II., nachdem sie zwanzig Jahre lang gegen seine schlechte Regierung gemurrt hatten, im Augenblicke der äußersten Gefahr zu Hülfe, als seine eigenen Staatssekretäre und Lords des Schatzes von ihm abfielen, und setzten ihn in den Stand, die Opposition vollständig zu besiegen. Es unterliegt keinem Zweifel, daß sie auch seinem Bruder Jakob die nämliche Hingebung bewiesen haben würden, wenn er sich noch im letzten Augenblicke hätte enthalten können, ihre heiligsten Gefühle zu verletzen; denn eine Institution, aber auch nur diese eine, achteten sie noch höher als die erbliche Monarchie, und diese Institution war die englische Kirche. Ihre Liebe zu dieser war zwar nicht das Resultat des Nachdenkens oder des Studiums, denn nur wenige unter ihnen hätten einen aus der heiligen Schrift oder aus der Kirchengeschichte hergeleiteten Grund angeben können, weshalb sie den Lehren, den Gebräuchen und der Verfassung dieser Kirche anhingen, und eben so wenig waren sie, im Ganzen genommen, strenge Beobachter des allen christlichen Secten gemeinsamen Sittengesetzes; aber die Erfahrung vieler Jahrhunderte beweist uns, daß Menschen im Stande sein kennen, für eine Religion, deren Glaubenssätze sie nicht verstehen und nach deren Vorschriften sie so gut als gar nicht handeln, bis zum letzten Athemzuge zu kämpfen und die Gegner derselben erbarmungslos zu verfolgen.50

50. Meine Schilderung des Landadels des 17. Jahrhunderts ist zu vielen Quellen entlehnt, als daß ich sie hier anführen könnte. Ich muß daher meine hier angesprochenen Ansichten der Beurtheilung Derer überlassen, welche die Geschichte und die leichtere Literatur jener Zeit studirt haben.

Die Geistlichkeit. Die Landgeistlichkeit war in ihrem Toryismus sogar noch heftiger als die Landgentry und dabei ein kaum minder wichtiger Stand. Es muß jedoch bemerkt werden, daß der Geistliche als Individuum, verglichen mit dem Gentleman als solchem, auf einer viel tieferen Stufe stand als in unseren Tagen. Die hauptsächlichste Finanzquelle der Kirche war der Zehnten, und der Zehnten bildete damals einen viel geringeren Theil des Einkommens, als gegenwärtig. King schätzte die Gesammteinkünfte der Parochial- und Collegiatgeistlichen auf nicht mehr als vierhundertachtzigtausend Pfund Sterling jährlich, Davenant auf fünfhundertvierundvierzigtausend Pfund. Gegenwärtig übersteigen sie sicherlich das Siebenfache der letzteren Summe. Der Durchschnittsertrag der Landrente ist nach seiner Schätzung in gleichem Verhältnisse gestiegen, und daraus folgt, daß die Pfarrer und ihre Vikare im Vergleich zu den benachbarten Rittern und Squires im siebzehnten Jahrhunderte viel ärmer gewesen sein müssen, als im neunzehnten.

Die gesellschaftliche Stellung des Geistlichen war durch die Reformation völlig verändert worden. Vor diesem Zeitabschnitte bildeten die Geistlichen die Majorität im Hause der Lords; sie kamen an Glanz und Reichthum den vornehmsten weltlichen Baronen gleich, ja sie übertrafen diese zuweilen darin und bekleideten in der Regel die höchsten Staatsämter, der Lordschatzmeister war häufig ein Bischof, der Lordkanzler war es fast stets. Der Geheimsiegelbewahrer und der Staatsarchivar waren ebenfalls gewöhnlich Priester, Diener der Kirche versahen die wichtigsten diplomatischen Geschäfte, kurz, man war der Ansicht, daß der ganze, sehr bedeutende Zweig der Verwaltung, zu dessen Führung der rauhe, kriegerische Adel untauglich war, speziell den Theologen zustehe. Eben deshalb nahmen Männer, welche dem Lagerleben abgeneigt, dabei aber von dem Drange beseelt waren, eine hohe Stellung im Staate zu erlangen, in der Regel die Tonsur. Man zählte unter ihnen Söhne unserer vornehmsten Familien und nahe Verwandte des Thrones, wie die Scroop und Neville, die Bourchier, die Stafford und die Pole. Die Klöster bezogen die Einkünfte ungeheurer Grundbesitzungen und den ganzen sehr bedeutenden Theil des Zehnten, der sich gegenwärtig in den Händen von Laien befindet. Bis um die Mitte der Regierung Heinrich’s VIII. war daher kein Beruf so lockend für ehrgeizige und habsüchtige Charactere, als der Priesterstand. Dann aber trat eine gewaltsame Veränderung ein. Die Abschaffung der Klöster entzog der Kirche zu gleicher Zeit den größten Theil ihres Reichthums und das Übergewicht im Oberhause des Parlaments. Kein Abt von Glastonbury oder von Reading saß mehr unter den Peers und bezog Einkünfte, welche denen eines mächtigen Earl gleichkamen. Die fürstliche Pracht eines Wilhelm von Wykeham und eines Wilhelm von Wayneflete war verschwunden, der rothe Hut des Kardinals und das silberne Kreuz des Legaten waren dahin. Überdies hatte der Clerus auch den Einfluß verloren, der die natürliche Folge der Überlegenheit an geistiger Bildung ist. Wenn ehedem ein Mann lesen konnte, vermuthete man sogleich, daß er dem geistlichen Stande angehöre; zu einer Zeit aber, welche Laien, wie Wilhelm Cecil und Nikolaus Bacon, Roger Ascham und Thomas Smith, Walter Mildmay und Franz Walsingham hervorbrachte, war es nicht mehr nöthig, Prälaten als ihren Kirchspielen herbeizurufen, damit sie Verträge abschlössen, die Finanzen beaufsichtigten oder die Justiz verwalteten. Der geistliche Stand hatte nicht nur aufgehört, eine nothwendige Bedingung zur Übernahme hoher Staatsämter zu sein, sondern er begann sogar als eine Eigenschaft betrachtet zu werden, welche dazu unfähig machte. Die weltlichen Beweggründe, welche früher so viele intelligente, strebsame und vornehme junge Männer bestimmt hatten, das Priestergewand anzulegen, existirten somit nicht mehr. Unter zweihundert Pfarreien brachte noch nicht eine soviel ein, als ein Mann von Stande zu seinem Unterhalt für nöthig erachtete. Es gab zwar noch einträgliche Stellen in der Kirche, doch ihrer waren sehr wenige und selbst die reichsten erschienen dürftig im Vergleich mit dem Glanze, der früher die Fürsten der Kirche umgeben hatte. Das Haus, das ein Parker und Grindal führten, mußte Denen ärmlich vorkommen, die sich der kaiserlichen Pracht Wolsey’s, seiner Paläste, Whitehall und Hampton Court, welche die Lieblingswohnungen der Könige geworden waren, der drei glänzenden Tafeln, welche täglich in seinem Speisesaale gedeckt wurden, der vierundvierzig prachtvollen Chorröcke, die in seiner Kapelle hingen, der kostbaren Livreen seiner Bedienten und der vergoldeten Streitäxte seiner Leibwächter erinnerten. So verlor der geistliche Stand seine Anziehungskraft für die höheren Klassen, und während des ganzen Jahrhunderts nach der Thronbesteigung der Königin Elisabeth sah man kaum einen einzigen Jüngling von vornehmer Geburt in den Priesterstand treten. Zu Ende der Regierung Karl’s II. gab es zwei Bischöfe und vier oder fünf Geistliche mit einträglichen Stellen, welche Peerssöhne waren; aber diese wenigen Ausnahmen verwischten den Mißcredit nicht, der auf dem ganzen Stande lastete. Der Klerus wurde in seiner Gesammtheit als eine plebejische Klasse betrachtet. Und in der That, auf einen Geistlichen, der wie ein Gentleman lebte, kamen zehn andere, die nicht viel mehr als Hausdiener waren. Ein großer Theil von denjenigen, welche keine Pfründen hatten oder deren Pfründen zu gering waren, um ein anständiges Auskommen zu gewähren, lebte in den Häusern von Laien. Daß diese Sitte die Würde des geistlichen Standes untergraben mußte, hatte man schon längst erkannt; Laud hatte sich bemüht, eine Änderung herbeizuführen und Karl I. hatte mehr als einmal auf das Bestimmteste anbefohlen, daß es nur vornehmen und angesehenen Familien gestattet werden solle, Hauskaplane zu halten.51 Aber diese Verordnungen wurden nicht mehr befolgt. Während der Herrschaft der Puritaner konnten auch wirklich viele abgesetzte Diener der anglikanischen Kirche auf keine andere Art Obdach und Brod erhalten, als indem sie sich royalistischen Familien anschlossen, und diese zu den Zeiten der bürgerlichen Unruhen angenommene Sitte bestand noch lange nach der Wiederherstellung der Monarchie und des Episcopats. In den Häusern freisinniger und gebildeter Leute wurde der Kaplan allerdings freundlich und anständig behandelt, seine Unterhaltung, sein wissenschaftlicher und geistlicher Rath wurden als reichliche Gegenleistung für die ihm gewährte Kost, Wohnung und Besoldung betrachtet, allein so war es nicht bei der Mehrzahl der Landedelleute. Der ungebildete und unwissende Squire hielt es für ein nothwendiges Attribut seiner Würde, daß ein Priester in vollem Ornate an seiner Tafel das Tischgebet sprach und wußte es so einzurichten, daß er die Würde mit Sparsamkeit vereinigte. Für Kost, ein Dachstübchen und zehn Pfund Sterling jährlich war ein junger Levit — dies war die damals übliche Benennung — zu haben, und dafür mußte er nicht nur seine amtlichen Functionen verrichten, sondern auch die geduldige Zielscheibe des Witzes und den stets bereitwilligen Zuhörer abgeben, bei schönem Wetter jederzeit zum Kegeln, bei Regenwetter zum Beillespiel bei der Hand sein und zuweilen sogar die Ausgabe für einen Gärtner oder einen Bedienten ersparen, denn nicht selten verstutzte der hochwürdige Mann die Obstbäume, oder striegelte die Pferde, oder bezahlte die Rechnung des Hufschmieds, oder ging mit einem Briefe oder einem Packete zehn Meilen weit über Land. Er durfte zwar mit am Familientische essen, aber man erwartete von ihm, daß er sich mit der einfachsten Kost begnügte; er durfte sich seinen Teller mit Pökelfleisch und Möhren füllen so oft er wollte, sobald aber die Torten und Pasteten erschienen, stand er auf und ging auf die Seite, bis er wieder gerufen wurde, um Gott für eine Mahlzeit zu danken, die er nur theilweise genossen hatte.52

Nachdem er einige Jahre so gedient, fand er vielleicht eine Anstellung, die sein Auskommen sicherte; aber oft mußte er dieses Glück durch eine Art von Simonie erkaufen, welche mehreren Generationen von Spöttern reichen Stoff zu Witzeleien lieferte. Es war gebräuchlich, daß er mit der Pfarre zugleich auch eine Frau nahm. Diese hatte gewöhnlich bei seinem Principal in Dienst gestanden, und er konnte von Glück sagen, wenn man sie nicht in dem Verdacht hatte, die Gunst ihres Herrn in zu reichem Maße besessen zu haben. Der Character der ehelichen Verbindungen, welche der Geistliche der damaligen Zeit zu schließen pflegte, bezeichnet in der That am besten die Stellung, die er in der Gesellschaft einnahm. Ein Oxforder, der einige Monate nach dem Tode Karl’s II. schrieb, beklagte sich bitter nicht nur über die Geringschätzung, mit der auf dem Lande der Advokat und der Apotheker auf den Pfarrer herabsahen, sondern auch darüber, daß man jedes junge Mädchen aus anständiger Familie eindringlich ermahnte, nie einen geistlichen Anbeter zu ermuthigen, und daß eine junge Dame durch Nichtachtung dieser Vorschrift fast in gleichem Grade entehrt wurde, wie durch eine unerlaubte Liebe.53 Clarendon, der gewiß der Kirche nicht feind war, erwähnt es als einen Beweis von der durch die große Revolution herbeigeführten Verschmelzung der verschiedenen Stände, daß einige junge adelige Fräulein sich mit Geistlichen verbunden hatten.54 Ein Kammermädchen wurde gewöhnlich als die geeignetste Lebensgefährtin für einen Pfarrer betrachtet. Die Königin Elisabeth selbst hatte dieses Vorurtheil gewissermaßen förmlich sanctionirt durch die specielle Verordnung, daß kein Geistlicher sich erlauben dürfe, ein Dienstmädchen ohne Erlaubniß ihrer Herrschaft zu heirathen.55 Daher waren denn mehrere Generationen hindurch die Liebesverhältnisse zwischen Geistlichen und Dienstmädchen ein unerschöpfliches Thema für Scherz und Spott, und es dürfte nicht leicht sein, in den Theaterstücken des siebzehnten Jahrhunderts ein einziges Beispiel zu finden, daß ein Geistlicher eine Frau bekommt, die sich über den Rang einer Köchin erhebt.56 Selbst noch unter der Regierung Georg’s II. bemerkte ein Geistlicher, der scharfsinnigste Beobachter der Lebensweise und der Sitten seiner Zeit, daß in reichen Häusern der Kaplan der letzte Trost für eine Kammerzofe von zweideutigem Rufe sei, die keine Hoffnung mehr habe, den Hausverwalter zu kapern.57

In der Regel machte der Geistliche, der seinen Kaplanposten um einer Pfarre und einer Gattin willen aufgegeben, sehr bald die Erfahrung, daß er seine Knechtschaft nur mit einer andren vertauscht hatte. Es gab unter funfzig Pfarrstellen noch nicht eine, die ihrem Inhaber so viel eintrug, daß er mit seiner Familie anständig leben konnte. In dem Maße als die Kinder sich mehrten und heranwuchsen, zog Noth und Elend in das Haus des Pfarrers ein; die Löcher im Dache seines Presbyteriums und in seinem einzigen Rocke wurden immer größer und zahlreicher; oft mußte er durch Handarbeit auf dem Felde, durch Füttern der Schweine oder durch Auf- und Abladen von Düngerkarren sein tägliches Brod verdienen und selbst die äußerste Anstrengung schützte ihn nicht immer davor, daß der Gerichtsbote ihm auf dem Wege der Execution seine Concordanz und sein Schreibzeug nahm. Es war ein Festtag für ihn, wenn er in die Küche eines vornehmen Hauses eingelassen und von der Dienerschaft mit kaltem Braten und Bier bewirthet wurde. Seine Kinder erhielten keine bessere Erziehung als die der benachbarten Landleute; die Söhne mußten den Acker pflügen und die Töchter in Dienst gehen. Zu studiren war ihm unmöglich, denn die Summe, für welche das Patronatrecht seines Amtes hätte verkauft werden können, würde kaum zur Anschaffung einer guten theologischen Bibliothek hingereicht haben; er mußte sich daher schon überaus glücklich schätzen, wenn er auf seinem Regale zwischen den Töpfen und Schüsseln etwa ein Dutzend alter Bücher stehen hatte. In einer so ärmlichen Lage mußte auch ein hervorragender und lernbegieriger Geist verrosten.

Zwar fehlte es auch damals der englischen Kirche nicht an Geistlichen, die sich durch Talente und wissenschaftliche Bildung auszeichneten, aber diese waren nicht unter dem Landvolke zerstreut. Sie concentrirten sich in einigen Städten, wo die Mittel und Gelegenheiten, sich Kenntnisse zu erwerben und die Verstandeskräfte durch häufige Übung auszubilden, in Überfluß vorhanden waren.58 An solchen Orten fand man Theologen, welche durch Talent, Beredtsamkeit, umfassende Kenntniß der Literatur, der Wissenschaft und des Lebens befähigt waren, ihre Kirche gegen Ketzer und Zweifler siegreich zu vertheidigen, die Aufmerksamkeit eines frivolen und weltlichen Zuhörerkreises zu fesseln, öffentliche Verhandlungen zu leiten und der Religion selbst bei dem ausschweifendsten Hofe Achtung zu verschaffen. Einige beschäftigten sich damit, die Tiefen der metaphysischen Theologie zu erforschen; Andere waren in der Auslegung der Bibel gründlich bewandert; noch Andere verbreiteten Licht über die dunkelsten Stellen der Kirchengeschichte. Diese zeigten sich als vollendete Meister in der Logik, Jene widmeten sich der Redekunst mit solchem Eifer und Erfolg, daß ihre Vorträge noch heute mit vollem Rechte für Muster des Styls gelten. Diese ausgezeichneten Männer fanden sich jedoch fast ohne Ausnahme nur auf den Universitäten, an den großen Kathedralen, oder in der Hauptstadt. Barrow war kürzlich in Cambridge gestorben, Pearson war von dort auf die Bischofsbank versetzt worden, und Cudworth und Heinrich More lebten noch daselbst. South und Pococke, Jane und Aldrich waren in Oxford, Prideaux in dem Kapitel von Norwich, Whitby in dem von Salisbury. Vorzugsweise aber war es die Londoner Geistlichkeit, von der man überhaupt stets wie von einer besonderen Klasse sprach, welche den Ruf der Gelehrsamkeit und Beredtsamkeit ihres Standes aufrecht erhielt. Die ersten Kanzeln der Hauptstadt waren damals mit einer bedeutenden Anzahl ausgezeichneter Männer besetzt, unter denen man auch einen großen Theil der Hauptwürdenträger der Kirche wählte. Sherlock predigte im Temple, Tillotson in Lincoln’s Inn, Wake und Jeremias Collier in Gray’s Inn, Burnet im Archive, Stillingfleet in der St. Paulskathedrale, Patrik in der St. Paulskirche in Coventgarden, Fowler in St. Giles, Cripplegate, Sharp in St. Giles in the Fields, Tenison in St. Martin, Sprat in St. Margaret, Beveridge in St. Peter in Cornhill. Von diesen zwölf Männern, die sich sämmtlich einen berühmten Namen in der Kirchengeschichte gemacht haben, wurden zehn Bischöfe und vier von diesen zehn Erzbischöfe. Ebenso waren fast die einzigen bedeutenden theologischen Werke, welche von einem Landgeistlichen herrührten, die von Georg Bull, der später Bischof von St. David wurde, und auch diese Werke würde Bull schwerlich zu Stande gebracht haben, hätte er nicht ein Gut geerbt, dessen Verkauf ihm die Mittel gewährte, sich eine Bibliothek anzuschaffen, wie sie damals wahrscheinlich kein anderer Landgeistlicher in England besaß.59

So zerfiel der anglikanische Klerus in zwei Klassen, die in Bezug auf Kenntnisse, Sitten und gesellschaftliche Stellung weit verschieden von einander waren. Die eine von diesen beiden Klassen, welche für die Städte und Höfe herangebildet war, enthielt Männer, welche gründliche Kenntniß der alten und neuen Wissenschaften besaßen; Männer, welche fähig waren, gegen einen Hobbes oder Bossuet mit allen Waffen der Polemik aufzutreten; Männer, welche in ihren Kanzelreden die Schönheit und Erhabenheit des Christenthums mit solchem Scharfsinn und so kräftiger Sprache zu schildern verstanden, daß selbst der gleichgültige Karl II. ihnen aufmerksam zuhörte und der übermüthige Buckingham zu hohnlächeln vergaß; Männer, welche ihre Bildung, ihre feinen Manieren und ihre Weltkenntniß befähigte, die Gewissensräthe der Reichen und Adeligen zu sein; Männer, mit denen Halifax gern über das Wohl und Wehe der Staaten sprach und von denen Dryden, wie er sich nicht scheute offen zu gestehen, schreiben gelernt hatte.60 Der andren Klasse war ein bescheideneres und härteres Loos bestimmt. Sie war auf dem platten Lande zerstreut und bestand größtentheils aus Leuten, die nicht wohlhabender und auch nicht viel gebildeter waren als kleine Pächter oder höhere Dienstboten. Und dennoch war bei diesen Landgeistlichen, die ihr Leben nur kärglich mit den Zehntgarben und Zehntferkeln fristeten und nicht die entfernteste Aussicht hatten, es je in ihrem Berufe zu etwas Höherem zu bringen, das Gefühl der Amtswürde am stärksten. Unter den Theologen, welche der Stolz der Universitäten und die Freude der Hauptstadt waren, und die Reichthum und hohen Rang entweder schon besaßen oder doch gegründete Hoffnung hatten, solche zu erlangen, gab es eine der Zahl nach sehr bedeutende Partei von höchst ehrenwerthem Character, die sich zu den constitutionellen Regierungsgrundsätzen hinneigte. Diese Partei lebte auf dem freundschaftlichsten Fuße mit Presbyterianern, Independenten und Baptisten, sie würde gern allen protestantischen Secten die unbeschränkteste Duldung gewährt und selbst einige Änderungen in der Liturgie bewilligt haben, um die aufrichtigen und redlichen Nonconformisten auszusöhnen. Von solcher Toleranz und Mäßigung aber wollte der Landgeistliche nichts wissen. Er war in der That stolzer auf seinen zerrissenen Rock als seine Vorgesetzten auf ihren Purpur und Batist. Gerade das Bewußtsein, daß er sich in Bezug auf seine gesellschaftliche Stellung nur wenig von den Landleuten unterschied, vor denen er predigte, war der Grund, warum er einen übertrieben hohen Werth auf die geistliche Würde legte, die ihm allein Anspruch auf ihre Achtung gab. Da er in beständiger Abgeschiedenheit gelebt und nur wenig Gelegenheit gehabt hatte, durch Lesen oder durch mündliche Unterredungen seine Ansichten zu modificiren, so glaubte und predigte er die Lehren von dem unveräußerlichen Erbrechte, dem passiven Gehorsam und der Verwerflichkeit des Widerstandes in ihrer ganzen abgeschmackten Ungereimtheit. Seit langer Zeit im Kriege mit den Dissenters der Nachbarschaft haßte er diese nur zu oft lediglich um des Unrechts willen, das er ihnen zugefügt und fand an den Fünfmeilen-61 und der Conventikelacte nichts weiter auszusetzen, als daß diese verhaßten Gesetzte nicht schärfer wären. Den ganzen Einfluß, den seine amtliche Stellung ihm verlieh, und dieser Einfluß war sehr groß, verwendete er mit leidenschaftlichem Eifer zu Gunsten des Toryismus. Man würde sehr irren, wollte man glauben, daß die Macht des Klerus damals geringer war als jetzt, weil der Landpfarrer im Allgemeinen nicht als ein Gentleman angesehen wurde, weil er sich nicht um die Hand einer Tochter des Gutsherrn bewerben durfte, weil er in höheren Gesellschaftszirkeln keinen Zutritt hatte und man es ihm überließ, mit den Dienstleuten zu trinken und zu rauchen. Der Einfluß einer ganzen Klasse richtet sich keineswegs nach dem Ansehen der einzelnen Glieder derselben. Ein Kardinal ist gewiß ein viel angesehenerer Mann als ein Bettelmönch, aber es würde ein gewaltiger Irrthum sein, wenn man annehmen wollte, daß das Kardinalscollegium deshalb eine größere Herrschaft über die öffentliche Meinung in Europa ausgeübt, als zum Beispiel der Franziskanerorden. In Irland steht gegenwärtig ein Peer weit höher im Ansehen als ein römisch-katholischer Priester; dennoch aber giebt es in Munster und Connaught wenige Grafschaften, in denen bei einem Wahlkampfe ein Verein von Priestern gegen eine Verbindung von Peers nicht den Sieg davon tragen würde. Im siebzehnten Jahrhunderte war die Kanzel für einen großen Theil der Bevölkerung das, was heutzutage die periodische Presse ist. Kaum einer von den Bauern, die zur Pfarrkirche kamen, hatte je in seinem Leben eine Zeitung, oder eine politische Flugschrift zu Gesicht bekommen. Mochten die Kenntnisse ihres Seelenhirten noch so gering sein, jedenfalls war er unterrichteter als sie. Allwöchentlich sprach er einmal zu ihnen und Niemand erwiderte etwas auf seine Reden; bei jeder wichtigen Gelegenheit ertönten auf vielen tausend Kanzeln zu gleicher Zeit heftige Schmähungen gegen die Whigs und Ermahnungen zum Gehorsam gegen den Gesalbten des Herrn, und die Wirkung dieser Reden war ungeheuer. Von allen Ursachen, welche nach der Auflösung des Oxforder Parlaments die heftige Reaction gegen die Exclusionisten hervorriefen, scheinen die Predigten der Landpfarrer die wirksamsten gewesen zu sein.