14. In der Pepys’schen Bibliothek finden sich einige Balladen aus jener Zeit über das Heerdgeld, von denen ich hier einige Proben anführen will:
Sobald die guten Damen den Heerdmann kommen seh’n,
Flieh’n sie erschreckt hinweg mit Topf und Krug;
Im ganzen Lande ist Eine unter Zehn
Der bei dem Worte Heerdmann nicht entschlüpft ein Fluch.
Ferner:
Wie plündernde Soldaten stürmen sie herein
Zu rauben selbst dem Armen sein letztes Gut;
Wie auch die Kinder angstvoll mögen schrei’n
Nichts beuget ihren frechen Übermuth.
Im Britischen Museum finden sich Knittelverse über denselben Gegenstand und in gleichem Sinne:
Und wenn die Armuth nicht bezahlen kann
Greift rohe Hand das einz’ge Bett selbst an
Auf das der Arme legt sein müdes Haupt.
So Ruh’ und Brod zugleich man raubt.
Ich ergreife diese Gelegenheit, die erste, die sich mir darbietet, um dem Vorsteher und dem Vicevorsteher des Magdalenencollegiums zu Cambridge für die freundliche Bereitwilligkeit zu danken, mit der sie mir die werthvollen Pepys’schen Sammlungen zugänglich machten.
15. Meine hauptsächlichsten Autoritäten für diese finanziellen Angaben finden sich in den Commons’ Journals vom 1. und 20. März 1688—89.
Das Militairsystem. Auf unsrer Insel hingegen konnte man lange leben und weite Reisen machen, ohne ein einziges Mal durch irgend einen kriegerischen Anblick oder Ton daran erinnert zu werden, daß die Vertheidigung der Nationen eine Wissenschaft und ein Beruf geworden war. Die meisten jungen Engländer unter fünfundzwanzig Jahren hatten vielleicht noch nie eine Compagnie regulärer Truppen gesehen, und von den Städten, welche zur Zeit des Bürgerkrieges feindliche Heere tapfer zurückgeschlagen hatten, war kaum eine jetzt im Stande, eine Belagerung auszuhalten. Die Thore waren Tag und Nacht geöffnet, die Gräben waren ausgetrocknet und die Wälle hatte man verfallen lassen oder sie nur in so weit erhalten, damit sie den Bewohnern an schönen Sommerabenden zu einem angenehmen Spaziergange dienen konnten. Von den alten Stammburgen der früheren Barone waren viele durch die Kanonen Fairfax’ und Cromwell’s zerschmettert und lagen jetzt in Trümmerhaufen, auf denen Epheu wucherte. Die verschont gebliebenen hatten ihren kriegerischen Character verloren und waren jetzt ländliche Paläste des hohen Adels. Die Wallgräben waren in Behälter für Karpfen und Hechte verwandelt, die Mauern waren mit duftenden Sträuchern und Gebüschen bepflanzt, zwischen denen sich gewundene Pfade zu reizenden Lusthäusern schlängelten, die mit Spiegeln und Gemälden reich geschmückt waren.16 Auf den Vorgebirgen der Seeküste und auf vielen Anhöhen des Binnenlandes sah man noch hohe Pfähle mit leeren Fässern auf den Spitzen derselben. Diese Fässer waren einst mit Pulver gefüllt gewesen. In Zeiten der Gefahr wurden hier Wachen aufgestellt, und wenige Stunden nachdem ein spanisches Segel im Kanal entdeckt oder nachdem ein Schwarm schottischer Räuber über den Tweed gegangen war, loderten funfzig Meilen in der Runde Signalfeuer empor und ganze Grafschaften traten unter die Waffen. Doch viele Jahre waren verflossen, seit die Lärmfeuer geleuchtet hatten, und sie wurden nur noch mehr als merkwürdige Erinnerungszeichen an alte Sitten, denn als Theile einer für die Sicherheit des Staates nöthigen Einrichtung angesehen.17
Die einzige Armee, die das Gesetz anerkannte, war die Miliz. Diese Streitmacht war durch zwei kurz nach der Restauration erlassene Parlamentsacte umgestaltet worden. Jeder, der aus Grundeigenthum ein jährliches Einkommen von fünfhundert Pfund bezog oder ein bewegliches Vermögen von sechstausend Pfund besaß, war verpflichtet, auf seine Kosten einen Reiter zu liefern, zu equipiren und zu unterhalten, und wer funfzig Pfund jährlich von Grundbesitz bezog oder sechshundert Pfund bewegliches Vermögen hatte, mußte in gleicher Weise einen Lanzknecht oder einen Musketier stellen. Kleinere Grundbesitzer wurden zu einer Art Societät verbunden, für welche unsre Sprache keinen besonderen Namen hat, die aber ein Athenienser eine Synteleia genannt haben würde, und jede solche Societät war gehalten, je nach ihren Mitteln einen Reiter oder einen Fußsoldaten zu liefern. Die Gesammtzahl der auf diese Weise zusammengebrachten Reiterei und Infanterie wurde gewöhnlich auf hundertdreißigtausend Mann geschätzt.
Kraft der alten Verfassung des Reichs und durch die neuere feierliche Anerkennung beider Parlamentshäuser war der König der einzige Generalcapitain dieser starken Streitmacht. Die Lord Lieutenants und ihre Stellvertreter befehligten unter ihm und bestimmten die Zusammenkünfte zur Waffenübung und Musterung. Diese Übungen und Musterungen durften jedoch nicht mehr als vierzehn Tage im Jahre Zeit wegnehmen. Die Friedensrichter waren ermächtigt, für Disciplinarvergehen leichte Strafen zuzuerkennen. Die Krone trug zu den gewöhnlichen Kosten nichts bei; wenn aber die Miliz gegen den Feind aufgeboten wurde, so fiel ihr Unterhalt den allgemeinen Staatseinkünften zur Last und sie war dann der äußersten Strenge der Kriegsgesetze unterworfen.
Von Vielen wurde jedoch die Miliz nicht mit freundlichem Auge betrachtet. Leute, die oft auf dem Continent gereist waren und die trotzige Entschiedenheit bewundert hatten, mit welcher in den von Vauban erbauten Festungen jede Schildwache sich bewegte und sprach, die die gewaltigen Heere gesehen hatten, die sich auf allen Straßen Deutschlands dahin wälzten, um den Osmanen von den Thoren Wiens zu verjagen, und die über die wohlgeordnete Pracht der Haustruppen König Ludwigs gestaunt hatten, machten sich bei jeder Gelegenheit darüber lustig, wie die plumpen Bauern von Devonshire und Yorkshire marschirten, sich bewegten und ihre Gewehre oder Piken trugen. Die Feinde der Freiheiten und der Religion Englands blickten mit entschiedener Abneigung auf eine Streitmacht, welche nicht ohne die größte Gefahr gegen diese Freiheiten und gegen diese Religion verwendet werden konnte, und sie benutzten jede Gelegenheit, um das ländliche Kriegsvolk zu verspotten.18 Und selbst aufgeklärte Patrioten mußten bei Vergleichung der ungeübten Truppen mit den wohl disciplinirten Bataillonen, welche in Kriegszeiten binnen wenigen Stunden an die Küste von Kent oder Sussex gelangen konnten, eingestehen, daß, so gefährlich auch die Unterhaltung eines stehenden Heeres sein könne, es am Ende doch noch weit gefährlicher sei, die Ehre und Unabhängigkeit des Landes in einem Kampfe zwischen Bauern unter der Anführung von Friedensrichtern, und langgedienten Kriegern unter dem Commando der Marschälle Frankreichs aufs Spiel zu setzen. Im Parlament mußte man jedoch solche Ansichten mit einiger Vorsicht aussprechen, denn die Miliz war eine außerordentlich populäre Institution. Jede tadelnde Bemerkung gegen dieselbe erregte den Unwillen beider großen Parteien im Staate und ganz besonders derjenigen, die sich vorzugsweise durch ihren Eifer für die Monarchie und für die anglikanische Kirche auszeichneten. Das Aufgebot der Grafschaften wurde fast ausschließlich durch Tories vom Adel und von der Gentry befehligt, und diese, stolz auf ihren militairischen Rang, betrachteten jede Beleidigung des Dienstes, dem sie angehörten, als eine Beleidigung ihrer selbst. Auch erkannten sie recht gut, daß Alles was gegen die Miliz gesagt wurde indirect für ein stehendes Heer sprechen sollte, und der bloße Name eines stehenden Heeres war ihnen schon verhaßt. Eine solche Armee hatte bereits einmal in England geherrscht und unter dieser Herrschaft war der König ermordet, der Adel seiner Ehren und Titel beraubt, die bürgerlichen Grundbesitzer ausgeplündert und die Kirche verfolgt worden. Es gab kaum einen Landedelmann, der nicht eine Geschichte von Beschimpfungen und Unbilden zu erzählen wußte, die er oder sein Vater von Seiten der Soldaten des Parlaments zu ertragen gehabt hatte. Jener alte Cavalier hatte es mit ansehen müssen, wie die Hälfte seines Stammschlosses in die Luft gesprengt ward; einem Andern waren seine uralten Ulmen umgehauen worden; ein Dritter konnte nicht in die Kirche seines Sprengels gehen, ohne durch die verstümmelten Wappen und Standbilder seiner Ahnen daran erinnert zu werden, daß Cromwells Rothröcke einst diese Räume zum Stall für ihre Pferde benutzt hatten. In Folge dessen waren gerade die Royalisten, welche am bereitwilligsten persönlich für den König gekämpft haben würden, die Letzten, von denen er die Mittel zur Werbung regulärer Truppen zu verlangen wagen durfte.
Gleichwohl hatte Karl einige Monate nach seiner Wiedereinsetzung angefangen, eine kleine stehende Armee zu errichten. Er fühlte, daß ohne einen besseren Schutz als den der Miliz und seiner Leibwächter sein Palast und seine Person in der Nähe einer großen Stadt, in der es von eben erst entlassenen kriegslustigen Männern der fünften Monarchie wimmelte, kaum sicher sein würden. Trotz seiner Sorglosigkeit und Verschwendungssucht beschloß er daher, seine Ausgaben für Vergnügungen in soweit zu beschränken, daß er die zum Unterhalt einer Leibgarde erforderliche Summe ersparte. Mit der Zunahme des Handels und des öffentlichen Wohlstandes vermehrten sich auch seine Einkünfte, und er wurde dadurch in den Stand gesetzt, trotz des gelegentlichen Murrens der Gemeinen, seine reguläre Streitmacht nach und nach zu verstärken. Noch wenige Monate vor dem Ende seiner Regierung erhielt dieselbe einen ansehnlichen Zuwachs. Die kostspielige, nutzlose und ungesunde Besitzung Sanger, wurde den umwohnenden Barbaren überlassen und die aus einem Regiment Reitern und zwei Regimentern Fußvolk bestehende Garnison nach England zurückgebracht.
Die kleine Armee, welche Karl II. auf diese Art gebildet, war der Keim zu seinem großen und berühmten Heere, das in dem gegenwärtigen Jahrhundert siegreich in Madrid und Paris, in Canton und Kandahar eingezogen ist. Die Leibgarden, welche jetzt zwei Regimenter bilden, bestanden damals aus drei Abtheilungen, von denen jede ohne die Offiziere zweihundert Carabiniers zählte. Dieses Corps, dem die Bewachung des Königs und der Königlichen Familie anvertraut war, hatte einen ganz eigenthümlichen Character. Selbst die Gemeinen wurden „Gentlemen von der Garde“ genannt; viele von ihnen waren von guter Familie und hatten während der Bürgerkriege Offizierstellen bekleidet. Ihr Sold war bedeutend höher als in unsrer Zeit der des bevorzugtesten Regiments und würde damals als ein ganz anständiges Einkommen für den jüngeren Sohn eines Landedelmanns betrachtet worden sein. Ihre schönen Pferde, ihre kostbaren Schabracken, ihre Brustharnische und ihre mit Bändern, Sammet und Goldtressen reich verzierten Wämser nahmen sich in St. James Park prächtig aus. Jeder Abtheilung war ein kleines Corps Grenadier-Dragoner beigegeben, welche von niederer Herkunft waren und auch geringeren Sold erhielten. Eine andere Truppe Leibcavallerie, die sich durch blaue Röcke und Mäntel unterschied und daher noch jetzt „die Blauen“ genannt wird, lag gewöhnlich in der Umgegend der Hauptstadt in Garnison. Eben so stand in der Nähe der Hauptstadt das Corps, welches gegenwärtig als das erste Dragonerregiment bezeichnet wird, damals aber das einzige derartige Regiment der englischen Armee war. Dieses Regiment war erst kürzlich aus der von Tanger zurückgekehrten Reiterei gebildet worden. Ein besonderer Zug Dragoner, der keinem Regiment angehörte, stand unweit Berwick, um die Räuber des Grenzgebiets im Schach zu halten, denn zu diesem Dienste wurde der Dragoner als besonders geeignet betrachtet. Später ist er ein bloßer Reitersoldat geworden; im siebzehnten Jahrhundert aber beschrieb ihn Montecucculi genau als einen Fußsoldaten, der sich des Pferdes nur dazu bediente, um schneller an den Ort zu gelangen, wo es militairischen Dienst zu verrichten gab.
Die Gardeinfanterie bestand aus zwei Regimentern, welche damals, wie noch jetzt das erste Regiment Fußgarden und die Coldstreamgarden genannt wurden und in der Regel um Whitehall und St. James Palast Dienste thaten. Da es damals noch keine Kasernen gab, nach der „Petition um Recht“ aber Militair in Privatwohnungen nicht einquartirt werden durfte, so waren alle Alehäuser in den Stadttheilen Westminster und Strand mit Rothröcken angefüllt.
Außerdem gab es noch fünf andere Infanterieregimenter. Eines davon, das sogenannte Admiral’s-Regiment, war speciell für den Dienst auf der Flotte bestimmt, und die vier übrigen werden noch jetzt als die vier ersten Linienregimenter bezeichnet. Zwei davon repräsentirten zwei Brigaden, welche auf dem Continente lange Zeit den Ruf der britischen Tapferkeit aufrecht erhalten hatten. Das erste oder Königliche Regiment hatte unter dem großen Gustav zur Befreiung Deutschlands wesentlich beigetragen, und das dritte Regiment, das sich durch fleischfarbene Aufschläge unterschied, welche ihm den allbekannten Namen der „Buffs“ (Rothgelben oder Büffelhäute) verschafften, hatte unter Moritz von Nassau nicht weniger tapfer für die Befreiung der Niederlande gefochten. Diese beiden wackeren Truppen waren endlich nach langen, wechselvollen Kämpfen von Karl II. aus dem fremden Dienste zurückgerufen und auf den englischen Militairetat gesetzt.
Die beiden Regimenter, welche gegenwärtig als das zweite und vierte Linienregiment bezeichnet werden, waren 1685 eben erst aus Tanger zurückgekehrt und hatten von dort grausame und ausschweifende Gewohnheiten mitgebracht, die sie während ihres langjährigen Krieges mit den Mauren angenommen. Außerdem lagen noch einige Compagnien Fußvolk, welche noch keinem Regimente einverleibt waren, als Garnison in Tilburg’ Fort, Portsmouth, Plymouth und einigen anderen wichtigen Plätzen an oder unweit der Küste.
Seit dem Anfange des 17. Jahrhunderts war in der Bewaffnung der Infanterie eine wichtige Veränderung eingetreten. Die Lanze war nach und nach durch die Muskete verdrängt worden, und am Schlusse der Regierung Karl’s II. waren die meisten seiner Fußsoldaten Musketiere. Es befanden sich indessen noch immer eine bedeutende Anzahl Lanzenträger darunter. Jede Truppengattung wurde gelegentlich im Gebrauche der Waffe geübt, welche vorzugsweise der anderen Gattung angehörte. Der Fußsoldat war zum Gebrauch beim Handgemenge mit einem Seitengewehr versehen; der Dragoner war bewaffnet wie ein Musketier und trug ebenfalls noch eine Nebenwaffe, die im Laufe vieler Jahre nach und nach eingeführt wurde und welche die Engländer damals Dolch (dagger) nannten, für die aber seit unsrer Revolution der französische Name Bajonett angenommen ist. Das Bajonett scheint jedoch damals noch kein so furchtbares Mordwerkzeug gewesen zu sein, als es nachmals geworden ist, denn es wurde in der Mündung des Gewehres befestigt und der Soldat verlor viel Zeit mit dem Herausziehen des Bajonetts, wenn er feuern wollte, und mit dem Aufstecken desselben, wenn er im Sturm angreifen mußte.
Die reguläre Armee, welche zu Anfang des Jahres 1685 in England unterhalten wurde, bestand mit Einschluß der Offiziere aus etwa siebentausend Mann Fußvolk und ungefähr siebzehnhundert Mann Reitern und Dragonern. Die sämmtlichen Kosten ihres Unterhalts beliefen sich auf etwa zweihundertneunzigtausend Pfund jährlich, das heißt noch nicht ein Zehntel von dem, was das französische Heer damals in Friedenszeiten kostete. Der Tagessold eines Gemeinen von der Leibgarde war vier Schilling, bei den Blauen zwei und ein halber Schilling, bei den Dragonern achtzehn Pence, bei der Fußgarde zehn Pence und bei der Linie acht Pence. Die Disciplin war locker und sie konnte auch nicht anders sein. Das englische gemeine Recht wußte nichts von Kriegsgerichten und machte in Friedenszeiten keinen Unterschied zwischen dem Soldaten und jedem andren Bürger; auch durfte es die Regierung damals nicht wagen, selbst das loyalste Parlament um ein Aufruhrgesetz anzugehen. Wenn daher ein Soldat seinen Obersten zu Boden schlug, so traf ihn dafür nur die gewöhnliche, auf Thätlichkeiten und Mißhandlungen gesetzte Strafe, und wenn er einem Befehl nicht gehorchte, oder auf seinem Wachposten einschlief oder desertirte, so verwirkte er dadurch gar keine gesetzliche Strafe. Allerdings wurden unter der Regierung Karl’s II. ohne Zweifel militairische Strafen verhängt, aber doch nur selten und in einer Weise, daß sie die öffentliche Aufmerksamkeit nicht erregten und keine Berufung an die Gerichtshöfe von Westminsterhall veranlaßten.
Ein solches Heer war sicherlich nicht geeignet, fünf Millionen Engländer zu knechten; es würde kaum im Stande gewesen sein, einen Aufstand in London zu unterdrücken, wenn die Stadtmiliz sich den Aufrührern angeschlossen hätte. Auch konnte der König, im Fall ein Aufstand in England ausbrach, nicht erwarten, daß er aus seinen anderen Besitzungen Beistand erhalten würde, denn obgleich sowohl Schottland als Irland ein eignes Heer unterhielten, so war dieses doch eben nur hinreichend, um die puritanischen Unzufriedenen des ersteren Landes und die papistischen Unzufriedenen des andren im Schach zu halten. Indessen hatte die Regierung eine andre bedeutende militairische Hülfsquelle, die nicht unberücksichtigt bleiben darf. Im Dienste der Vereinigten Provinzen standen sechs schöne Regimenter, welche früher der tapfere Ossory befehligt hatte. Von diesen Regimentern waren drei in England und drei in Schottland ausgehoben und ihr Landesfürst hatte sich das Recht vorbehalten, sie zurückrufen zu können, sobald er ihrer Hülfe gegen einen auswärtigen oder einheimischen Feind bedürfe. Inzwischen wurden sie unterhalten, ohne daß sie ihm selbst das Geringste kosteten, und standen unter einer vorzüglichen Disciplin, der er sie zu unterwerfen nicht hätte wagen dürfen.19
16. Man sehe zum Beispiel die Schilderung der Wälle von Marlborough in Stokeley’s Itinerarium Curiosum.
17. Chamberlayne’s State of England, 1684.
18. Dryden drückt in seinem Cymon und Iphigenia mit der ihm eigenen rücksichtslosen Derbheit die Besinnungen aus, welche unter den kriechenden Schmeichlern Jakobs II. im Schwunge waren:
Das ganze Land erdröhnt vom lauten Lärme
Der roh sich tummelnden Milizenschwärme.
Viel Mäuler ohne Arm, kostspiel’ges Heer:
Im Frieden eine Last, im Krieg ’ne schwache Wehr.
Einmal im Monat tobt die Schaar durch’s Land,
Ist stets, nur nicht wenn man sie braucht, zur Hand.
So sieht man sie am Morgen der Parade
In Reih’ und Glied in ihrem Waffenstaate,
Bereit zum kurzen, flücht’gen Kriegesspiel.
Dann geht’s zum Trinkgelag’, dem wahren Ziel.
19. Die meisten Materialien, welche ich zu diesem Nachweis über die reguläre Armee benutzt habe, findet man in den auf Befehl König Wilhelm’s IV. und unter der Leitung des Generaladjutanten veröffentlichten Historical Records of Regiments. Außerdem sehe man Chamberlayne’s State of England, 1684; Abridgement of the english Military Discipline, auf besonderen Befehl gedruckt, 1685, und Exercise of foot, auf Befehl J. J. M. M., 1690.
Die Seemacht. Wenn aber das Mißtrauen des Parlaments und der Nation es dem Könige unmöglich machten, ein achtunggebietendes stehendes Heer zu unterhalten, so stand ihm kein ähnliches Hinderniß entgegen, England zur ersten Seemacht zu erheben. Whigs und Tories waren gleich bereit, jeden Schritt beifällig aufzunehmen, der darauf hinzielte, eine Macht zu verstärken, welche gegen die bürgerliche Freiheit nichts vermochte, während sie der beste Schutz für die Insel gegen auswärtige Feinde war. Die größten von englischen Soldaten verrichteten Heldenthaten, deren sich die damalige Generation erinnern konnte, waren im Kampfe gegen englische Fürsten ausgeführt worden. Unsere Seeleute dagegen hatten ihre Siege über fremde Feinde erfochten und den vaterländischen Boden vor Verwüstung und Plünderung bewahrt. Der Schlacht von Naseby erinnerte sich mindestens die Hälfte der Nation mit Abscheu, und selbst der von Dunbar nur mit einem Stolze, der nicht frei war von schmerzlichen Gefühlen; an die Niederlage der Armada aber und an die Seeschlachten Blake’s gegen die Holländer und Spanier dachten alle Parteien mit ungetrübter Begeisterung zurück. Seit der Restauration hatten sich die Gemeinen, selbst in Zeiten, wo sie höchst mißvergnügt und geizig waren, stets bis zur Verschwendung freigebig gezeigt, sobald es das Interesse der Seemacht galt. Während Danby Minister war, hatte man ihnen vorgestellt, daß viele Schiffe der königlichen Flotte alt und nicht mehr seetüchtig seien, und obgleich das Haus damals eben nicht in freigebiger Stimmung war, so bewilligte es doch eine Summe von nahe an sechsmalhunderttausend Pfund zum Bau von dreißig neuen Kriegsschiffen.
Die Freigebigkeit der Nation war jedoch durch die Sünden der Regierung fruchtlos gemacht worden. Die Liste der königlichen Kriegsfahrzeuge sah zwar ganz stattlich aus; sie zählte neun Linienschiffe ersten, vierzehn zweiten, neununddreißig dritten Ranges und viele kleinere. Allerdings waren die Linienschiffe erster Größe damals kleiner als in unseren Tagen die des dritten Ranges, und die der dritten Größe würden gegenwärtig nicht mehr für sehr große Fregatten gelten. Dessen ungeachtet würde diese Flotte, wenn sie wirklich vorhanden gewesen wäre, von den größten Machthabern als eine furchtbare betrachtet worden sein. Aber sie existirte nur auf dem Papiere. Gegen das Ende der Regierung Karl’s war seine Flotte in einem so schlechten, verfallenen Zustande, daß man es kaum glauben würde, wäre es nicht durch die ganz von einander unabhängigen und übereinstimmenden Aussagen von Zeugen bestätigt, deren Zuverlässigkeit über jeden Zweifel erhaben ist. Pepys, damals der ausgezeichnetste Admiral Englands, entwarf im Jahre 1684 für den König eine Denkschrift über den Stand seines Verwaltungszweiges. Einige Monate später legte Bonrepaux, der fähigste Kopf in der französischen Admiralität, der eigens zu dem Zwecke nach England gekommen war, um die Stärke seiner Seemacht zu untersuchen, Ludwig das Resultat seiner Nachforschungen vor. Beide Berichte stimmen im Wesentlichen mit einander überein. Bonrepaux erklärte, er habe Alles in Unordnung und in jämmerlichem Zustande gefunden, die Überlegenheit der französischen Seemacht werde in Whitehall mit Beschämung und Neid anerkannt und der Zustand unsrer Marine und unserer Schiffswerften biete schon an sich hinreichende Bürgschaft dafür, daß wir uns in die europäischen Streitigkeiten nicht mischen würden.20 Pepys berichtete seinem Gebieter, daß die Verwaltung des Seewesens ein beispielloses Gewebe von Geldverschwendung, Bestechung, Unwissenheit und Sorglosigkeit sei, daß man keiner Schätzung trauen dürfe, daß kein Vertrag gehalten, kein Verbot durchgesetzt würde. Die Schiffe, zu deren Bau die kürzliche Freigebigkeit des Parlaments die Regierung in den Stand gesetzt und welche noch nie den Hafen verlassen hatten, waren von so schlechtem Holze gezimmert, daß sie weniger seetüchtig waren als die alten Wracks, welche vor dreißig Jahren durch die Kanonen der Holländer und Spanier zerschossen wurden. Einige von den neuen Kriegsschiffen waren wirklich schon so verfault, daß sie auf ihren Ankerplätzen sinken mußten, wenn sie nicht schleunigst reparirt wurden. Und dabei wurden die Matrosen so unpünktlich bezahlt, daß sie froh waren, wenn sie einen Wucherer fanden, der ihre Soldanweisungen mit vierzig Procent Abzug kaufte. Die Commandanten, welche keine mächtigen Freunde bei Hofe hatten, waren noch schlimmer daran, und mehrere Offiziere, welche bedeutende Rückstände zu fordern hatten, waren, nachdem sie die Regierung viele Jahre hindurch vergebens um Bezahlung angegangen, aus Mangel an einem Stück Brod gestorben.
Die meisten brauchbaren Kriegsschiffe wurden von Männern befehligt, welche nicht für den Seedienst erzogen und gebildet waren. Dies war allerdings kein Mißbrauch, den die Regierung Karl’s eingeführt hatte. Kein alter oder neuer Staat hatte bis dahin den Seedienst streng von dem Landkriegsdienste getrennt. Bei den großen civilisirten Nationen der alten Welt hatten Cimon und Lysander, Pompejus und Agrippa zur See so gut wie zu Lande Schlachten geliefert, und auch der Aufschwung, den die Schifffahrtskunde am Schlusse des fünfzehnten Jahrhunderts nahm, hatte keinen wesentlichen Fortschritt in der Theilung des Dienstes zur Folge gehabt. Bei Flodden wurde der rechte Flügel des siegreichen Heeres von dem englischen Admiral befehligt; bei Jarnac und Moncontour führte der französische Admiral die Reihen der Hugenotten. Weder Johann von Österreich, der Sieger von Lepanto, noch Lord Howard von Effingham, dessen Leitung die britische Seemacht anvertraut war, als die Spanier sich in feindseliger Absicht unseren Küsten näherten, hatte eine seemännische Erziehung genossen. Der als Schiffscommandant so hoch gerühmte und gefeierte Raleigh hatte mehrere Jahre in Frankreich, den Niederlanden und Irland als Soldat gedient. Blake hatte sich durch seine geschickte und tapfere Vertheidigung einer Binnenstadt ausgezeichnet, bevor er den übermüthigen Stolz Hollands und Castiliens zur See beugte. Das nämliche System war auch nach der Restauration noch befolgt worden, man hatte die Führung großer Flotten Ruprecht und Monk übertragen, von denen Ersterer vorzugsweise als ein feuriger und waghalsiger Reiteroffizier bekannt war und Letzterer die Heiterkeit seines Schiffsvolks erregte, wenn er, um die Richtung seines Schiffes verändern zu lassen, „links abgeschwenkt!“ commandirte.
Um diese Zeit aber kamen kluge Männer zu der Einsicht, daß die raschen Fortschritte in der Kriegskunst, wie in der Schifffahrtskunde es nöthig machten, zwischen diesen beiden bisher vermischten Berufsarten eine Scheidelinie zu ziehen. Das Commando eines Regiments sowohl wie eines Schiffes war jetzt eine Beschäftigung, welche die ganze Thätigkeit eines Mannes in Anspruch nahm. Die französische Regierung beschloß daher im Jahre 1672, junge Männer aus guter Familie von früher Jugend an ausschließlich für den Seedienst heranbilden zu lassen. Anstatt aber dieses treffliche Beispiel nachzuahmen, verlieh die englische Regierung nicht nur nach wie vor hohe Schiffscommando’s an Offiziere des Landheeres, sondern wählte dazu sogar solche Leute, denen man auch zu Lande einen wichtigen Posten nicht mit Ruhe hätte übertragen können. Jeder junge Laffe von adeliger Abkunft, jeder sittenlose Höfling, für den eine der Maitressen des Königs ein gutes Wort einlegte, durfte hoffen, daß ein Linienschiff und mit demselben die Ehre des Landes und das Leben von Hunderten wackerer Seeleute seiner Obhut anvertraut werden würde. Daß er in seinem Leben noch keine andre Reise zu Wasser als auf der Themse gemacht, daß er sich bei einem Sturme nicht auf den Füßen erhalten und die Längengrade nicht von den Breitengraden unterscheiden konnte, war Nebensache. Eine vorhergehende Ausbildung für seinen Beruf wurde nicht für nöthig erachtet, oder man schickte ihn höchstens auf kurze Zeit auf ein Kriegsschiff, wo er keiner Disciplin unterworfen, mit ausgezeichneter Achtung behandelt wurde und seine Zeit unter Vergnügungen und Lustbarkeiten hinbrachte. Lernte er in den wenigen Stunden zwischen Schmausen, Trinken und Spielen die Bedeutung einiger technischer Ausdrücke und die Benennungen der Compaßstriche, so war er vollkommen befähigt, um das Commando eines Dreideckers zu übernehmen. Diese Schilderung ist durchaus nicht übertrieben. Im Jahre 1666 diente der siebzehnjährige John Sheffield, Earl von Mulgrave, als Freiwilliger zur See gegen die Holländer. Er brachte sechs Wochen auf seinem Schiffe zu, amüsirte sich nach Möglichkeit in Gesellschaft einiger junger vornehmer Wüstlinge und kehrte dann nach Hause zurück, um das Commando einer Reitertruppe zu übernehmen. Hierauf ging er nicht wieder zur See bis zum Jahre 1672, wo er abermals in die Marine eintrat und fast sogleich zum Kapitain eines Schiffes von vierundachtzig Kanonen, das für das schönste der ganzen Flotte galt, ernannt wurde. Er war damals dreiundzwanzig Jahr alt und hatte im Ganzen keine drei Monate auf der See zugebracht. Sobald er wieder ans Land zurückkam, wurde er zum Obersten eines Infanterieregiments ernannt. Dies ist ein Beispiel von der Art und Weise, wie zur damaligen Zeit die höchsten Befehlshaberposten in der Marine vergeben wurden, und zwar ist es noch ein günstiges Beispiel, denn es fehlte Mulgrave allerdings an Erfahrung, aber wenigstens nicht an Talent und Muth. Auf dieselbe Art wurden jedoch auch Andere befördert, welche nicht nur keine guten Offiziere waren, sondern denen es selbst an der geistigen und sittlichen Befähigung fehlte, jemals gute Offiziere zu werden und deren einzige Empfehlung darin bestand, daß sie sich durch thörichte Verschwendung und Lasterhaftigkeit zu Grunde gerichtet hatten. Der Hauptköder, der diese Leute in den Seedienst lockte, war der Gewinn, den sie durch die Beförderung edler Metalle und anderer werthvoller Waaren von einem Hafen zum andern ziehen konnten, denn das Atlantische wie das Mittelländische Meer wurden damals durch Seeräuber aus der Barbarei so unsicher gemacht, daß die Kaufleute werthvolle Ladungen nicht gern einem anderen als einem Kriegsschiffe anvertrauten. Auf diese Weise verdiente ein Kapitain zuweilen mehrere Tausend Pfund Sterling durch eine kurze Seereise, und über dieses einträgliche Geschäft vernachlässigte er nur zu oft das Interesse seines Landes und die Ehre seiner Flagge, erniedrigte sich fremden Mächten gegenüber, mißachtete die bestimmtesten Befehle seiner Vorgesetzten, lag unthätig in einem Hafen, während er auf einen Seeräuber von Salleh Jagd machen sollte, oder segelte mit einer Geldladung nach Livorno, während seine Instructionen ihn nach Lissabon riefen. Und dies Alles konnte er ungestraft thun. Der nämliche Einfluß, der ihm den Posten, für den er ganz untauglich war, verschafft hatte, erhielt ihn auch auf demselben. Ein Admiral, der von diesen verderbten und leichtsinnigen Palastgünstlingen zum Besten gehalten wurde, wagte es kaum, ihnen schüchtern mit dem Kriegsgericht zu drohen. Zeigte ein Offizier mehr Pflichtgefühl als seine Kameraden, so gelangte er bald zu der Einsicht, daß er dadurch Geld verlor, ohne Ehre zu gewinnen. Zu einem Kapitain, der durch strenge Befolgung der Admiralitätsbefehle sich eine Ladung entgehen ließ, die ihm viertausend Pfund Sterling eingebracht haben würde, sagte Karl mit unedler Leichtfertigkeit, er sei ein rechter Narr, daß er so gewissenhaft gehandelt habe.
Die Disciplin der Flotte war durchgängig in allen Rangverhältnissen gleich. Wie der höfische Kapitain die Admiralität verachtete, so wurde er wieder von seiner Mannschaft verachtet. Es ließ sich nicht verhehlen, daß er in seemännischen Kenntnissen jedem Matrosen an Bord nachstand, und man konnte daher nicht erwarten, daß alte Seeleute, die mit den Stürmen der Tropengegenden und mit den Eisbergen der Polarmeere vertraut waren, einem Vorgesetzten, der von Wind und Wellen nicht mehr wußte, als man auf einer Fahrt in vergoldeter Barke zwischen Whitehall-Stairs und Hampton-Court lernen konnte, pünktlichen und ehrerbietigen Gehorsam leisten sollte. Einem solchen Neuling die Leitung eines Schiffes anzuvertrauen, war geradezu unmöglich. Diese wurde demnach dem Kapitain entzogen und dem ersten Leutnant übertragen; aber diese Theilung der Autorität hatte unzählige Nachtheile in ihrem Gefolge. Eine strenge Grenzlinie war nicht gezogen und konnte vielleicht auch nicht gezogen werden; daher gab es beständig Streit und Zank. Der Kapitain, der um so gebieterischer auftrat, je unwissender er war, behandelte seinen Leutnant mit vornehmer Geringschätzung, und der Leutnant, der wohl wußte, wie gefährlich es für ihn werden konnte, wenn er sich seinen mächtigen Vorgesetzten zum Feinde machte, gab nur zu oft gegen seine Überzeugung nach kurzem Widerstreben nach, und man konnte noch von Glück sagen, wenn Schiff und Mannschaft nicht dabei zu Grunde gingen. In der Regel waren die unschädlichsten unter den hochadeligen Kapitainen diejenigen, welche die Leitung ihres Schiffes ganz und gar anderen Händen überließen und sich nur damit beschäftigten, Geld zu verdienen und zu verschwenden. Diese Herren führten indeß ein so glänzendes und üppiges Leben, daß sie bei all’ ihrer Habgier doch nur selten reich wurden. Sie kleideten sich beständig wie zu einer Galacour in Versailles, speisten von Silbergeschirr, tranken die feinsten Weine und hielten förmliche Harems auf ihren Schiffen, während Hunger und Skorbut unter der Mannschaft wütheten und täglich Leichname über Bord geworfen wurden.
Dies war der gewöhnliche Character derjenigen, welche damals Gentlemen-Kapitaine genannt wurden. Zum Glück für unser Vaterland gab es jedoch unter ihnen auch Schiffscommandeure ganz anderer Art, Männer, die ihr ganzes Leben auf dem Meere zugebracht und sich von der niedrigsten Stufe zu Rang und Auszeichnung emporgearbeitet und gekämpft hatten. Einer der vorzüglichsten von diesen Offizieren war Sir Christoph Mings, der als Kajütenjunge in den Dienst trat, im tapferen Kampfe gegen die Holländer fiel und von seiner Mannschaft unter Thränen und Rachegelübden zu Grabe getragen ward. Von ihm stammten gewissermaßen durch eine eigenthümliche Art von Nachkommenschaft eine Reihe tapferer und erfahrener Seeleute ab. Sein Kajütenjunge war Sir John Narborough, und dessen Kajütenjunge wieder Sir Cloudesley Shovel. Dem ausgezeichneten natürlichen Verstande und dein unerschrockenen Muthe dieser Klasse von Männern ist England zu großem Danke verpflichtet, den es nie vergessen darf. Durch solche energische Charactere wurden trotz schlechter Verwaltung und trotz der Mißgriffe höfischer Admiräle, viel traurige und gefahrvolle Jahre hindurch unsere Küsten beschützt und der gute Ruf unserer Flagge aufrecht erhalten. Dem Nichtseemanne erschienen diese „Theerjacken“, wie man sie nannte, als ein ganz sonderbares und halb wildes Geschlecht. Ihre Kenntnisse beschränkten sich lediglich auf ihren Beruf, und auch diese waren mehr praktischer als theoretischer Art. Außerhalb ihres Elements waren sie einfältig wie Kinder; ihr Benehmen war unbeholfen, selbst in ihrer Treuherzigkeit lag etwas Rauhes und wo ihre Rede nicht mit Seemannsausdrücken durchflochten war, strotzte dieselbe nur zu häufig von Flüchen und Schwüren. Dies waren die Befehlshaber, unter deren strenger Zucht jene rauhen Krieger gebildet wurden, nach denen Smollet im folgenden Jahrhundert den Leutnant Bowling und den Commodore Trunnion zeichnete. Es scheint jedoch unter keinem der Stuarts einen einzigen Flottenoffizier gegeben zu haben, wie er nach den Begriffen unserer Zeit sein soll, das heißt ein Mann, der in der Theorie wie in der Praxis seines Berufs gleich erfahren, gegen alle Gefahren des Kampfes und des Sturmes abgehärtet ist und dabei doch einen gebildeten Geist und feine Manieren besitzt. Es gab in der Flotte Karl’s II. Gentlemen und Seemänner; aber die Seemänner waren keine Gentlemen und die Gentlemen keine Seemänner.
Die englische Seemacht hatte nach den genauesten Schätzungen, welche auf uns gekommen sind, mit einem Aufwande von dreihundertachtzigtausend Pfund jährlich in gutem Zustande erhalten werden können. In Wirklichkeit aber wurden vierhunderttausend Pfund für dieselbe ausgegeben, und mit wie geringem Nutzen, haben wir eben gesehen. Die französische Marine kostete ungefähr eben so viel zu unterhalten, die holländische dagegen bedeutend mehr.21
20. Ich beziehe mich hier auf eine Depesche von Bonrepaux an Seignelay vom 8—18. Februar 1680. Sie wurde während des Friedens von Amiens für Fox aus den französischen Archiven abgeschrieben und mir nebst anderen Materialien, welche dieser große Mann zusammengetragen hat, durch die Gefälligkeit der verstorbenen Lady Holland und des gegenwärtigen Lord Holland zur Benutzung anvertraut. Ich muß noch bemerken, daß ich selbst inmitten der Unruhen, welche vor kurzem Paris bewegten, keine Schwierigkeiten fand, um durch die Liberalität der dortigen Beamten Auszüge zu erlangen, die einige Lücken in Fox’ Sammlung ausfüllen.
21. Meine Angaben über den damaligen Zustand der Marine sind hauptsächlich aus Pepys geschöpft. Der Bericht, den er Karl II. im Mai 1684 vorlegte, ist, wie ich glaube, nie gedruckt worden. Die Handschrift befindet sich im Magdalenen-Collegium zu Cambridge. Ebendaselbst befindet sich auch ein werthvolles Manuscript, das eine ausführliche Abhandlung über das Seewesen des Landes im December 1684 enthält. Pepys’ Memoirs relating to the State of the Royal Navy for Ten Years, determined December 1688, sowie sein Tagebuch und sein Briefwechsel während seines Aufenthalts in Tanger, sind gedruckt, und ich habe diese Schriften vielfach benutzt. Man sehe außerdem Sheffield’s Memoirs, Teonge’s Diary, Aubrey’s Life of Monk, The Life of Sir Cloudesley Shovel, 1708, und Commons’ Journal vom 1. und 20. März 1688—89.
Die Artillerie. Die Kosten der britischen Artillerie waren im siebzehnten Jahrhundert im Vergleich mit den Ausgaben für andere Bedürfnisse des Heeres und der Flotte, weit geringer als gegenwärtig. Wohl befanden sich bei allen Besatzungen Geschütze und an diesem und jenem wichtigen Platze auch ein Ingenieur; aber es gab kein besonderes Artillerieregiment, keine Brigade Sappeurs und Mineurs und keine Anstalt, in der junge Leute die wissenschaftliche Seite der Kriegführung lernen konnten. Die Schwierigkeit, Feldstücke zu transportiren, war außerordentlich groß. Als Wilhelm einige Jahre später aus Devonshire nach London marschirte, erregte der Kriegsapparat, den er mit sich führte, obgleich ein solcher auf dem Festlande schon längst in Gebrauch war und derselbe gegenwärtig in Woolwich als roh und schwerfällig gelten würde, bei unseren Vorfahren die nämliche Bewunderung, mit der die Indianer Amerika’s die kastilianischen Büchsen betrachteten. Von dem Pulvervorrathe, welcher damals in den britischen Festungen und Zeughäusern aufbewahrt wurde, sagen patriotische Schriftsteller der damaligen Zeit, daß derselbe den Nachbarvölkern wohl Respect einflößen werde. Er belief sich auf vierzehn- bis fünfzehntausend Fässer, ungefähr ein Zwölftel des Quantums, das man in unseren Tagen immer vorräthig zu halten für nöthig erachtet. Die Ausgaben für die Artillerie betrugen im Durchschnitt etwas über sechzigtausend Pfund jährlich.22
Die Gesammtkosten für den Effektivbestand der Armee, der Marine und der Artillerie beliefen sich auf etwa siebenhundertfunfzigtausend Pfund. Ausgaben für den nichtaktiven Dienst, welche gegenwärtig einen sehr bedeutenden Theil unserer Staatslasten bilden, gab es damals so gut wie gar nicht. Nur eine sehr geringe Anzahl von Seeoffizieren, die nicht im wirklichen Dienste angestellt waren, bezog halben Sold. Auf der Liste stand kein Leutnant und sogar kein Kapitain, der nicht ein Schiff ersten oder zweiten Ranges befehligt hatte. Da nun das Land damals nur siebzehn Schiffe ersten und zweiten Ranges besaß, welche jemals zur See gewesen waren, und ein großer Theil der Offiziere, welche derartige Schiffe commandirt hatten, einträgliche Posten zu Lande bekleideten, so können die Ausgaben unter dieser Rubrik in der That nur sehr unbedeutend gewesen sein.23 Bei dem Landheere wurde der halbe Sold ebenfalls nur als eine besondere und zeitweilige Vergünstigung einer kleinen Anzahl von Offizieren zweier bevorzugter Regimenter bewilligt.24 Das Hospital von Greenwich war noch nicht gegründet; das von Chelsea war im Bau begriffen, aber die Kosten dieser Anstalt wurden zum einen Theil durch einen Abzug von der Löhnung der Truppen, zum andern durch Privatbeiträge bestritten. Der König versprach nur zwanzigtausend Pfund zu den Baukosten und fünftausend Pfund jährlich zum Unterhalt der Invaliden beizusteuern.25 Daß auch Invaliden außerhalb des Hospitals Pensionen erhalten sollten, lag nicht im Plane des Unternehmens. Der Gesammtaufwand für den nicht aktiven Land- und Seedienst kann zehntausend Pfund des Jahres kaum überstiegen haben. Jetzt beträgt derselbe täglich über zehntausend Pfund.
22. Chamberlayne’s State of England, 1684; Commons’ Journals vom 1. März und 20. März 1688—89. Im Jahre 1833 wurde nach reiflicher Erwägung festgesetzt, daß beständig hundertsiebzigtausend Fässer Schießpulver vorräthig gehalten werden sollten, und diese Norm wird noch jetzt festgehalten.
23. Aus den Urkunden der Admiralität geht hervor, daß Flaggenoffizieren im Jahre 1668 halber Sold gewährt wurde, Kapitainen ersten und zweiten Ranges erst seit 1674.
24. Verordnung in den War Office Records, d. d. 26. März 1678.
25. Evelyn’s Diary vom 27. Januar 1682. Ich habe eine geheime Kabinetsordre vom 17. Mai 1683 gesehen, welche Evelyn’s Aussage bestätigt.
Kosten der Civilverwaltung. Von den Kosten der Civilverwaltung trug die Krone nur einen kleinen Theil. Die große Mehrzahl der Beamten, denen die Ausübung der Justiz und die Aufrechthaltung der Ordnung übertragen war, leisteten ihre Dienste dem Publikum entweder ganz unentgeltlich, oder sie wurden auf eine Weise bezahlt, daß diese Ausgabe den Staatseinnahmen nicht zur Last fiel. Die Sheriffs, Mayors und Aldermen der Städte, die Landedelleute, welche als Friedensrichter fungirten, die Oberkonstabels (Head-boroughs), Bailiffs und Unterkonstabels kosteten dem Könige nichts. Die höheren Gerichtshöfe wurden hauptsächlich durch den Ertrag ihrer Gebühren unterhalten.
Unsere Vertretung an auswärtigen Höfen war nach einem äußerst sparsamen Fuße eingerichtet. Der einzige diplomatische Agent, der den Titel eines Gesandten führte, residirte in Konstantinopel und wurde zum Theil von der Türkischen Compagnie unterhalten. Sogar am Hofe von Versailles hatte England nur einen Geschäftsträger, und an dem spanischen, schwedischen und dänischen Hofe nicht einmal einen solchen. Die Gesammtausgaben unter dieser Rubrik können im letzten Jahre der Regierung Karl’s II. nicht viel über zwanzigtausend Pfund betragen haben.26
26. Jakob II. schickte Gesandte nach Spanien, Schweden und Dänemark, aber dennoch betrug der jährliche Aufwand für die Diplomatie unter seiner Regierung nicht viel über dreißigtausend Pfund. Siehe Commons’ Journals vom 20. März 1688—89, und Chamberlayne’s State of England, 1684, 1688.
Große Einkünfte der Minister und Höflinge. Diese Sparsamkeit war jedoch keineswegs lobenswerth. Karl war wie immer knauserig am unrechten Orte und freigebig am unrechten Orte. Die Staatsdiener ließ er darben, um Höflinge zu mästen. Die Ausgaben für die Flotte, für das Geschützwesen, für Pensionirung bedürftiger alter Offiziere und für die auswärtigen Gesandtschaften müssen der jetzigen Generation sehr gering erscheinen. Dagegen wurden die persönlichen Günstlinge des Königs, seine Minister und die Kreaturen dieser Minister mit dem Gelde des Landes förmlich überschüttet. Ihre Gehalte und Pensionen waren im Vergleich zu den Einkünften des hohen Adels, der Gentry und der Handels- und Gewerbsleute jener Zeit ungeheuer. Die größten Vermögen im Königreiche überstiegen damals wenig mehr als zwanzigtausend Pfund Renten. Der Herzog von Ormond hatte jährlich zweiundzwanzigtausend Pfund,27 der Herzog von Buckingham, bevor sein großes Vermögen sich durch Verschwendung vermindert, neunzehntausendsechshundert Pfund zu verzehren.28 Georg Monk, Herzog von Albemarle, der zum Lohn für seine ausgezeichneten Dienste mit unermeßlichen Kronländereien beschenkt worden und wegen seiner Geldgier wie wegen seines Geizes gleich bekannt war, hinterließ fünfzehntausend Pfund jährlicher Einkünfte von Grundstücken und sechzigtausend Pfund zinsbar angelegte Kapitalien, welche höchst wahrscheinlich sieben Prozent trugen.29 Diese drei Herzöge galten allgemein für drei der reichsten englischen Unterthanen. Der Erzbischof von Canterbury kann kaum fünftausend Pfund jährlich gehabt haben.30 Das durchschnittliche Einkommen eines weltlichen Peers wurde von den Bestunterrichteten auf dreitausend Pfund, das eines Baronets auf neunhundert, das eines Mitglieds des Unterhauses auf weniger als achthundert Pfund geschätzt.31 Tausend Pfund jährlich galt als ein hohes Einkommen für einen Rechtsanwalt. Auf zweitausend Pfund brachte man es kaum beim Gerichtshofe der Kings-Bench, die Kronanwälte ausgenommen.32 Aus dem allen ergiebt es sich, daß ein öffentlicher Beamter gut bezahlt gewesen wäre, wenn er den vierten oder fünften Theil von dem bekommen hätte, was gegenwärtig als ein angemessener Gehalt betrachtet wird. Trotzdem aber standen sich die höheren Staatsbeamten thatsächlich eben so gut als jetzt, ja nicht selten noch besser. Der Lord Schatzmeister hatte zum Beispiel achttausend Pfund jährlich, und wenn der Staatsschatz durch eine Commission verwaltet wurde, so hatten die derselben angehörenden jüngeren Lords sechzehnhundert Pfund. Der Zahlmeister des Heeres bekam von allem Gelde, das durch seine Hände ging, eine Provision, die sich auf ungefähr fünftausend Pfund im Jahre belief. Der Oberkammerherr hatte fünftausend Pfund, die Zollcommissäre jeder zwölfhundert, die Kammerherrn jeder tausend Pfund jährlich.33 Allein der feste Gehalt war damals der geringste Theil des Einkommens eines öffentlichen Beamten. Von den Edelleuten an, welche den weißen Stab und das große Siegel führten, bis herab zu dem untersten Zollbeamten und Aichmeister wurde ungescheut und ungestraft ausgeübt, was man jetzt grobe Bestechlichkeit nennen würde. Titel, Stellen, Ämter und Begnadigungen wurden von den hohen Würdenträgern des Reichs täglich auf offenem Markte verkauft, und jeder Schreiber in irgend welchem Staatsbureau ahmte das böse Beispiel nach so gut er konnte.
Während des letzten Jahrhunderts ist kein auch noch so mächtiger Premierminister im Amte reich geworden, mehrere setzten sogar ihr Privatvermögen zu, um ihre hohe Stelle auch äußerlich würdig auszufüllen. Im siebzehnten Jahrhundert dagegen konnte ein Staatsmann, der an der Spitze der Verwaltung stand, in nicht zu langer Zeit, ohne Ärgerniß zu geben, ein Vermögen sammeln, das mehr als hinreichend war, um ein fürstliches Haus zu führen. Es ist sehr wahrscheinlich, daß das Einkommen eines Premierministers während seiner Amtsführung das jedes anderen Unterthanen weit überstieg. Die Stelle des Lord Lieutenants von Irland wurde auf vierzigtausend Pfund jährlich geschätzt.34 Die Einkünfte des Kanzlers Clarendon, Arlingtons, Lauderdale’s und Danby’s waren kolossal. Der prachtvolle Palast, den das gemeine Volk von London Dunkirk-House nannte, die stattlichen Pavillons, die Fischteiche, der Thiergarten und die Orangerie von Euston, der mehr als italienische Luxus von Ham mit seinen Statuen, Springbrunnen und Vogelhäusern waren einige von den vielen Zeichen, welche den kürzesten Weg zu unermeßlichen Reichthümern andeuteten. Dies ist auch die wahre Ursache der rücksichtslosen Heftigkeit, mit welcher die Staatsmänner der damaligen Zeit nach hohen Ämtern rangen, der Zähigkeit, mit der sie, aller Mühseligkeiten, Demüthigungen und Gefahren ungeachtet, daran hingen, und der schmachvollen Erniedrigungen, zu denen sie sich herabließen, um dieselben zu behaupten. Selbst in unsrer Zeit würde, so groß auch die Macht der öffentlichen Meinung und so streng der Maßstab der Rechtschaffenheit gegenwärtig ist, eine beklagenswerthe Veränderung in dem Character unserer Staatsmänner ernstlich zu befürchten sein, wenn der Posten des ersten Lords des Schatzes oder des Staatssekretärs hunderttausend Pfund jährlich eintrüge. Zum Glück für unser Land sind die Einkünfte der höchsten Beamtenklasse nicht nur keineswegs im Verhältniß zu der allgemeinen Vermehrung unsres Wohlstandes gestiegen, sondern sie haben sich sogar positiv vermindert.