Title: Die Abenteuer Gawains Ywains und Le Morholts mit den drei Jungfrauen
Editor: H. Oskar Sommer
Unknown role: active 13th century de Boron Robert
Release date: December 10, 2008 [eBook #27483]
Most recently updated: January 4, 2021
Language: German
Other information and formats: www.gutenberg.org/ebooks/27483
Credits: Produced by Carlo Traverso and the Online Distributed Proofreading Team at https://www.pgdp.net (This file was produced from images generously made available by the Bibliothèque nationale de France (BnF/Gallica) at http://gallica.bnf.fr)
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1913
1913
Dem Andenken Gustav Gröbers
Inhaltsverzeichnis.
Einleitung.
1. Die Handschrift No. 112 der Pariser National Bibliothek IX 2. Der Text XI 3. Die Trilogie des pseudo-Robert de Borron XIV 4. Der Inhalt der Fols. 17b-58b der Hs. Nr. 112 XXVI
I. Die Abenteuer Gawains XVIII
II. Die Abenteuer des Morholt XLI
III. Die Abenteuer Ywains LV
IV. Die Suche nach Merlin LXV
V. Die Abenteuer Gaheriets LXX
VI. Das Abenteuer des Morholt LXXXVII
Der Text.
Die Abenteuer Gawains, Ywains und Le Morholts mit den drei
Jungfrauen aus der Trilogie (Demanda) des pseudo-Robert
de Borron.
I. Die Abenteuer Gawains 1
II. Die Abenteuer des Morholt 43
III. Die Abenteuer Ywains 66
IV. Die Suche nach Merlin 85
V. Die Abenteuer Gaheriets 94
VI. Das Abenteuer des Morholt 131
Verzeichnis der Personen- und Ortsnamen 135
Einleitung.
I. Die Handschrift No. 112 der Pariser National Bibliothek.
Die Handschrift No. 112[1] der Pariser National Bibliothek, ein gewaltiger, aus nahe an 800 Blättern bestehender Folioband, ist eine sorgfältig auf Pergament in vier Kolonnen geschriebene, mit vielen Miniaturen, Zierbuchstaben und Randverzierungen geschmückte, dem 15. Jahrhundert angehörige, hier und da gekürzte Abschrift des Vulgat-Zyklus der Artus-Romane in Prosa, in die, aus dem Tristan, Guiron le Courtois oder Palamedes, und aus der Trilogie des pseudo-Robert de Borron abgeschriebene, aber mit dem Vulgat-Zyklus weder in Zusammenhang stehende, noch irgendwie in Einklang gebrachte Stücke eingeschaltet sind.[2] Das ganze Werk muß ursprünglich aus vier Büchern bestanden haben, das erste Buch aber ist nicht mehr vorhanden, und muß schon gefehlt haben, als die drei andern zu einem Bande vereinigt wurden. Um der gewaltigen Kompilation wenigstens äußerlich den Charakter eines zusammenhängenden, einheitlichen Ganzen zu geben, hat der Schreiber (oder vielleicht besser: haben die Schreiber) dieselbe eine auf Befehl König Heinrichs von England von Maistre Robert de Borron aus dem Lateinischen ins Französische übersetzte Geschichte Lancelots[3] genannt, und demgemäß die vier Bücher der Reihe nach als: Le premier, le segond, le tiers et le derrenier Livre de Messire Lancelot du Lac bezeichnet und jedem der Bücher einen von ihm selbst verfaßten Prolog vorausgeschickt.
Das erste, fehlende Buch hat, wie aus zahlreichen Hinweisen, auf dasselbe in den drei anderen Büchern und aus dem Charakter der ganzen Hs. zu schließen ist, die Estoire del Saint Graal, Robert de Borron's Merlin und dessen Vulgat-Fortsetzung enthalten, entweder vollständig oder hier und da gekürzt; vielleicht ist auch ein Bruchstück der Trilogie des pseudo-Robert de Borron darin gewesen; ebenso wahrscheinlich aber ist es, daß das erste, wie das dritte Buch, nichts von der Trilogie enthielt.
Das zweite Buch beginnt nach einem Prologe[4] mit dem Anfang des Lancelot und des Tristan und besteht aus 248 Blättern, von denen fols. 1c-8a; 61b-68d; 78a-175a; 208a-236a, und 247d-248b den Lancelot repräsentieren, während fols. 8a-17a; 71c-78a; 175a-208a und 236a-247d dem Tristan entnommen sind. Fols. 58c-61b und 68d-71c sind aus dem Guiron le Courtois abgeschrieben und endlich fols. 17b-58b enthalten den Gegenstand der vorliegenden Ausgabe, die Abenteuer Gawains, Ywains und Le Morholts mit den drei Jungfrauen aus dem zweiten Buche der Trilogie des pseudo-Robert de Borron. Wer den Lancelot kennt, kann sich ein Bild davon machen wie dieses Bruchstück in denselben hineinpaßt.
Das dritte Buch beginnt, nach einem Prologe, mit Lancelots Heilung und Rückkehr aus Sorelois und besteht aus 301 Blättern, von denen fols. 1b-11a; 15c-51a; 56c-99b; 128c-214c dem Lancelot, fols. 11b-15c; 51a-56b; 99b-128a und 214c-301b dem Tristan entlehnt sind.
Das vierte Buch, das gleichfalls einen Prolog hat, besteht aus 233
Blättern. Fols. 1c-182a enthalten die Vulgat-Queste mit folgenden
Einschaltungen: Fols. 6a-6b; 28b-84d und 138d-140d aus dem Tristan;
fols. 84d[5]-128b; 146d-152c und 179d-180c aus dem dritten Buche der
Trilogie des pseudo-Robert de Borron; fols. 160a-163a aus dem Guiron
Le Courtois. Fols. 182a-233a enthalten die Vulgat-Version der Mort
Artus.
Der Lancelot und der Tristan sind nicht ganz ungekürzt, und das gilt von dem letzteren noch mehr als von dem ersteren, in die Kompilation aufgenommen worden, dagegen sind Vulgat-Queste und Mort-Artus vollständig vorhanden. Was aus dem zweiten Buche der Trilogie Aufnahme fand, ist augenscheinlich wie die Huth-Hs. ungekürzt, aber die Abschnitte aus dem dritten Buche sind nicht alle vollständig, so z. B. der Kampf zwischen Gawain und Baudemagus,[6] der mit dem Tode des letzteren endet, und das Zusammentreffen der drei Graalhelden und Percevals Schwester mit Kaiphas auf dem Felsen usw.[7]
2. Der Text
In seiner Introduction zu dem Huth-Merlin[8] schreibt Gaston Paris auf S. XLIX: "Le troisième conte du même genre nous montre Ivain et Gauvain, partis ensemble de la cour d'Arthur, et auxquels s'est adjoint le Morhout d'Irlande, engagés dans une triple aventure: chascun d'eux emmène une des trois demoiselles qu'ils ont rencontrées près d'une fontaine dans la forêt, et ils doivent se retrouver au bout d'un an. La fin de cette histoire n'est pas dans notre manuscrit, qui s'arrête presque aussitôt; mais on la connaît par la traduction anglaise dont nous parlerons tout à l'heure, et nous en donnons le résumé en note.[9] Elle est aussi aventureuse que l'autre, [c'est-à-dire la triple aventure de Gauvain, Tor et Pellinor H. O.S.] mais peut-être un peu plus intéressante. Il est possible quelle ait formé un conte à part, annexé par notre auteur à son oeuvre." Die Abenteuer Gawains, Ywains und Le Morholts mit den drei Jungfrauen, die ich hier, mit einigen anderen unzertrennlich damit verknüpften, deren Held Gaheriet, der jüngere Bruder Gawains ist, zum ersten Male veröffentliche, bilden jenen von Gaston Paris erwähnten "troisième conte". Obgleich er diesen "conte" nur aus Sir Thomas Malorys,[10] etwa auf ein Achtel gekürzte, unvollständige, willkürlich geänderte und in einigen Punkten ungenaue Wiedergabe in dem vierten[11] Buche der Le Morte Darthur kennt, erschien G. Paris derselbe doch ein wenig interessanter als andere Teile des Huth-Merlin. Ist es nicht wahrscheinlich, daß ihm das Original, wenn er es gekannt hätte, noch viel interessanter erschienen wäre? Seltsam, weder Paulin Paris, noch sein berühmter Sohn, noch irgend ein anderer auf diesem Gebiete arbeitender Gelehrter, hatte bis zum Jahre 1895, in welchem E. Wechssler[12] seine Entdeckung in der Hs. No. 112 bekannt machte, eine Ahnung von dem Inhalte derselben, ja ich glaube, daß keiner die Hs. eines Blickes gewürdigt hat, weil dieselbe aus dem 15. Jahrhundert stammte, und weil man vor 30 Jahren noch nicht erkannt hatte, daß bei der Forschung auf dem Gebiete der mittelalterlichen Literatur auch späte Hss. nicht zu verachten sind.
Als im Jahre 1893-94 E. Wechssler die Hss. der National-Bibliothek einer Durchsicht unterzog, wie er sich ausdrückt, fiel ihm auch die Hs. No. 112 in die Hände. Da er von Gaston Paris' "grundlegender Arbeit", der Einleitung zum Huth-Merlin ausging und mit der Abschrift der portugiesischen Hs. No. 2594 der K. k. Hofbibliothek zu Wien des verstorbenen Karl von Reinhardstöttner[13] ausgerüstet war, so war nichts natürlicher als daß er die Fortsetzung des Huth-Merlin und die anderen Bruchstücke der Trilogie des pseudo-Robert de Borron fand, aber gelesen kann Wechssler diese Bruchstücke nicht haben.
Hätte übrigens Wechssler die Hs. No. 112 nicht im Jahre 1894 entdeckt, so würde ich dieselbe im Jahre 1895 gefunden haben, denn ich widmete den Hss. des 15. Jahrhunderts besondere Aufmerksamkeit, weil ich hoffte, das "frensshe boke" zu finden, welches Sir Thomas Malory benutzt hatte, mit andern Worten eine Hs., die schon viele der von ihm zusammengefügten Versionen vereinigte. Die Hs. No. 112 ist tatsächlich eine solche Kompilation, wie aus dem, was ich über dieselbe und über die Methode ihres Schreibers gesagt habe, klar zu ersehen ist.
So geringwertig aber die Arbeit dieses Schreibers als ein konfuses, zusammenhangsloses Ganzes ist, so verdanken wir ihm doch die Überlieferung von Material, das wir ohne ihn vielleicht nie gekannt hätten.
Es ist leicht erklärlich, daß Wechssler die Bruchstücke der Trilogie des pseudo-Robert de Borron nicht durchgelesen hat, denn das Durchlesen einer so schweren und ungefügigen Hs. wie die No. 112, ist eine unbequeme und zeitraubende Arbeit. Auch ich konnte mich nicht entschließen, die Zeit zu dieser Arbeit in Paris zu opfern und lernte das in Frage kommende Material erst aus einer Abschrift kennen, die ich mir hatte anfertigen lassen, die aber, wie ich zu meiner Enttäuschung erkennen mußte, nicht genau genug war, obgleich ich einen anständigen Preis für dieselbe bezahlt hatte. Später, nachdem ich mit der spanischen[14] und portugiesischen Demanda vertraut geworden und die in den Tristan-Hss.[15] zu findenden Bruchstücke geprüft und den Entschluß gefaßt hatte, die französischen Fragmente des Originals herauszugeben, ließ ich die fehlerhafte Abschrift durch eine zuverlässige photographische Aufnahme ersetzen.[16] Die Photographien habe ich dann, nach und nach, noch einmal abgeschrieben, die Abschrift mit denselben kollationiert und zum Drucke vorbereitet. Die Druckbogen habe ich dreimal mit den Photographien verglichen, um die denkbar mögliche Genauigkeit zu erzielen. Um meinen Text mit der Ausgabe des Huth-Merlin in Einklang zu bringen, habe ich moderne Interpunktion eingeführt und alle Personen- und Ortsnamen mit großen Anfangsbuchstaben geschrieben. Die Rubriken der Hs., die meistens, doch nicht[17] immer, über Miniaturen zu finden sind, die aber augenscheinlich zu denselben gehören und von dem Illuminator geschrieben sind, habe ich in Kursivschrift wiedergegeben. Von den fols. 17b-58b der Hs. No. 112, welche den Text enthalten und das einzige, dem zweiten Buche eingeschaltete Bruchstück der Trilogie bilden, sind fols. 17b-22a dem Inhalte nach schon veröffentlicht worden, denn auf fols. 220a-230b der Huth-Hs. oder auf Seite 228-254 des zweiten Bandes des Huth-Merlin werden dieselben Ereignisse erzählt. Ich habe diesen Abschnitt dennoch hier gedruckt, um zu zeigen, in welchem Verhältnis die Huth-Hs. und die Hs. No. 112 zueinander stehen und um das Bruchstück vollständig zu geben, da es, obgleich es durch viele Fäden an vorhergehende Ereignisse geknüpft ist und ohne dieselben an vielen Punkten unklar sein würde, doch eine zusammenhängende Episode bildet. Gaston Paris' Vermutung, daß das dreifache Abenteuer Gawains, Ywains und Le Morholts mit den drei Jungfrauen einen selbständigen "conte" gebildet habe, den der Verfasser seiner Trilogie einverleibt habe, scheint mir wenig wahrscheinlich zu sein. In Noten am Fuße der Seiten habe ich alle wichtigen Unterschiede zwischen den beiden Texten angegeben und auch hier und da Varianten zwischen der Huth-Hs. und dem gedruckten Text angezeigt. Die in Klammern eingefügten Angaben wie z.B. 1. [17c]; [17d]; [18a] usw. weisen auf die vier Kolonnen jedes Blattes der Hs. No. 112 hin. 2. [H 220c]; [H 220d]; [H 221a] usw. zeigen die vier Kolonnen jedes der Blätter der Huth-Hs. an; und endlich 3. [U 231]; [U 232]; [U 233] usw. geben die Seitenzahlen des zweiten Bandes des Huth-Merlin an.
3. Die Trilogie des pseudo-Robert de Borron.
Die Huth-Hs.[18] besteht ihrem Inhalte nach aus zwei Teilen: Fols. 1-75 enthalten sehr mittelmäßige leçons der Prosaredaktionen der allgemein Robert de Borron zugeschriebenen Gedichte Joseph von Arimathia und Merlin, fols. 75-230, d. h. bis zum Schluß der Hs., enthalten eine Suite du Merlin, die in manchen Punkten mit dem Merlin im Widerspruch steht und mit dem Joseph nicht das geringste gemein hat. Jeder unbefangene Leser kann nicht verfehlen ohne Schwierigkeit zu erkennen, daß Robert de Borron, wenn er der Verfasser des Joseph und Merlin ist, nicht auch Verfasser der Suite du Merlin sein kann.
Dem pseudo-Robert — so muß er bezeichnet werden, obgleich er behauptet der echte zu sein — sind an zwei Stellen der Huth-Hs. scheinbar genaue Angaben über die Ausdehnung und Anordnung seines Materials in den Mund gelegt, in denen klar darauf hingewiesen wird, daß sein Werk ein aus drei gleichen Teilen bestehendes, mit andern Worten, eine Trilogie gewesen sei.
Die erste dieser Angaben steht auf fol. 125c, d (vol. I, S. 280 der
Ausgabe) und lautet folgendermaßen:
"Et sacent tuit cil qui lestoire monsigneur de Borron vau[d]ront oir comme il devise son livre en trois parties, l'une partie aussi grant comme lautre, la premiere aussi grande comme la seconde, et la seconde aussi grant comme la tierche. Et la premiere fenist il au commenchement de ceste queste et la seconde el commenchement dou graal et la tierche fenist il apries la mort de Lanscelot, a chelui point meisme quil devise de la mort le roi March. Et cest[e] chose amentoit [il] en la fin dou premier livre pour chou que [se] lestoire dou graal estoit corrompue par auchuns translatours qui apres lui venissent, tout li sage houme, qui meteroient lour entente a oir et a escouter, porroient par ceste parole savoir se elle lour se[r]oit baillie entière ou corrompue, et connisteroient bien combien il i fau[d]roit. Puis quil a ore ensi devise l'assenement de son livre, il retorne a sa matiere en tel maniere."
Die zweite Angabe steht auf fol. 230 b (vol. II, S. 254 der Ausgabe) und lautet:
"Si laisse ore atant li contes a parler de l[a] dame et del roi. Et de toute la vie Merlin. Et devisera d'une autre matiere qui parlera dou graal, pour chou que cest li commenchemens de cest liure."
Diese beiden Stellen, von denen ich im folgenden wiederholt zu handeln haben werde, will ich der Kürze und Deutlichkeit halber fernerhin mit Angabe I und Angabe II bezeichnen.
Prüft man diese Angaben aber auf den Inhalt der Huth-Hs., so findet man, daß dieselben auf diese keinen Bezug haben können, denn Angabe I zerlegt die Hs. nicht in zwei gleiche Teile; nur wenn man den Joseph wegließe, würde dies etwa der Fall sein.
Aus verschiedenen Bemerkungen und Hinweisen geht hervor, daß das dritte Buch der Trilogie eine Galahad-Queste und Mort Artus enthielt, die mit dem Tode Lancelots und des Königs Mark endete.
So bezeugt denn die Huth-Hs. selbst schon die Existenz einer Trilogie eines pseudo-Robert de Borron, aber sie läßt uns nicht erkennen, wie dieselbe in ihrer ursprünglichen Gestalt zusammengesetzt war.
Drei Versuche sind bisher gemacht worden, so viel mir bekannt ist, die Gestalt dieser Trilogie zu bestimmen. Gaston Paris[19] in seiner Einleitung zum Huth-Merlin machte den ersten, E. Wechssler[20] in seiner Habilitationsschrift den zweiten, und ich[21] selber in dem XXXVI. Bande der Romania den dritten Versuch. Wer mit dem Material vertraut, die drei Abhandlungen liest, wird nicht verfehlen zu erkennen, daß das Resultat einer jeden ein anderes ist. G. Paris' Trilogie ist verschieden von E. Wechssler's und die beider Gelehrten ist verschieden von der meinigen. Obgleich ich zwar, bis auf einen Punkt, meine Auseinandersetzung in der Romania aufrecht erhalte, benutze ich doch die Gelegenheit der Veröffentlichung der Fortsetzung des Huth-Merlin, um noch einmal, wenigstens was die Trilogie betrifft, meine Ansichten so klar wie möglich kurz darzulegen, und um zu zeigen, daß ich mit vollem Rechte[22] beanspruchen kann und darf, von einer Trilogie des pseudo-Robert de Borron zu reden, "which I have reconstructed and recalled from oblivion".
Ich wende mich nun ganz kurz zu G. Paris' Arbeit. G. Paris erklärt die Angaben I und II nicht; er hält alles, was er in der Huth-Hs. vorfindet, d. h. Joseph, Merlin und Suite du Merlin für etwas weniger als zwei Drittel einer, aus drei gleichen Teilen bestehenden, Trilogie und ordnet den Stoff, den drei Büchern gemäß, folgendermaßen an:
I. Buch: fols. 1a-125d, d. h. Joseph, Merlin und 50 Blätter
der Suite du Merlin.
II. Buch: fols. 126a-230b, plus 16 fehlende Blätter der
Suite du Merlin.
III. Buch: Graal-Queste und Mort Artus, zusammen 125
Blätter, die fehlen.
G. Paris erkennt nicht, daß der Joseph gar nicht, und der Merlin, wenigstens nicht so wie er in der Huth-Hs. vorliegt, zur Trilogie gehören kann. Er führt die Widersprüche zwischen Merlin und Suite du Merlin als Beweisgründe dafür an, daß der Verfasser der letzteren nicht Robert de Borron sein kann — eine Tatsache, die hinlänglich durch die in derselben zu findenden Hinweise und Anspielungen auf den Vulgat-Zyklus und den Tristan bewiesen ist — während diese Widersprüche, an und für sich betrachtet, doch nur beweisen, daß Robert de Borron's Merlin nicht mit der Suite du Merlin in Einklang gebracht ist. G. Paris glaubt, daß die Suite du Merlin bestimmt sei, auf den Lancelot vorzubereiten und den Merlin mit demselben zu verbinden, ähnlich wie die Fortsetzung des Merlin in dem Vulgat-Zyklus, aber er macht keinen Versuch, Gründe für seine Vermutung anzugeben, viel weniger dieselbe zu beweisen. Unbekannt[23] mit den Hss. No. 112, No. 340 und No. 343 der Pariser National-Bibliothek, mit den spanischen Drucken,[24] mit den portugiesischen Hss. in Wien und Lissabon, war G. Paris von Anfang an nicht in der Lage, eine grundlegende Arbeit zu schreiben, ein endgültiges Resultat zu erlangen.
Ich komme nun zu E. Wechsslers's Arbeit, der das eben genannte Material mit Ausnahme der spanischen Drucke und der Hs. in Lissabon (von der er zwar gehört hatte) nicht nur kannte, sondern zur Verfügung hatte. Wie stellte sich Wechssler die in der Huth-Hs. angedeutete Trilogie des pseudo-Robert de Borron vor?
Während G. Paris gegen den in der Huth-Hs. dem Merlin vorangehenden Joseph nichts einzuwenden hat, erkennt Wechssler richtig, daß manches in der Suite du Merlin darauf hinweist, daß nicht der Joseph, sondern die Estoire del Saint Graal vor derselben am Platze sei. Es ist ihm auch klar, daß die Einsetzung der langen Estoire für den kurzen Joseph die Angaben I und II der Huth-Hs. noch rätselhafter machen würde, als sie schon sind; da hilft er sich aus aller Verlegenheit damit, daß er einfach den unbequemen Joseph eliminiert und dem Schreiber der Huth-Hs., oder seinem Vorgänger, zur Last legt, er habe nach dem Muster des ältesten Graal-Zyklus (kannten die Schreiber den so gut wie Wechssler? H. O.S.), wo ebenfalls der Joseph dem Merlin vorangeht, aber hier mit Recht, diesen Joseph in seine Hs. aufgenommen. Ohne auch nur mit einem Worte die zwischen Merlin und Suite du Merlin bestehenden Widersprüche zu erwähnen, arrangiert dann Wechssler die in der Huth-Hs. angedeutete von ihm durch die Bezeichnung "jüngere Kürzung C" unterschiedene Trilogie wie folgt:
I. Buch: fols. 20-125, d. h. Merlin (allem Anschein nach wie derselbe in der Huth-Hs. zu finden ist H. O.S.), plus 50 Blätter der Suite du Merlin, zusammen 106 Blätter.
II. Buch: fols. 126-230 oder 104 Blätter und ein halbes.
III. Buch: Graal-Queste und Mort Artus, zusammen 105 Blätter, die aber fehlen.
Bezüglich des Inhalts des dritten Buches sagt Wechssler, es sei nicht erhalten, der Verlust sei aber um so weniger zu bedauern, als die beiden Branchen, wenn sie in dem engen Raum von etwa 105 Blättern Platz haben sollten, auf weniger als die Hälfte reduziert werden müßten. "Könnten wir nicht an der Suite du Merlin beobachten", fährt Wechssler fort, "wie der Redaktor sich damit hilft, daß er das Überschüssige ohne weiteres wegläßt, so wären wir berechtigt zu bezweifeln (ich habe stets bezweifelt, H. O.S.), daß dieses letzte Drittel überhaupt je ausgeführt wurde".
Kann, was Wechssler vorschlägt, wirklich ernstlich als eine Lösung des Rätsels angesehen werden? Kann eine solche, mechanisch zugestutzte, Version, wie er sie beschreibt, die zwar in einer einzelnen Hs., und vielleicht in einer Abschrift derselben durch einen unwissenden Schreiber bestehen kann, als literarische Produktion, als Glied in der Entwicklung eines Graal-Zyklus gelten, ist dieselbe als solches nicht einfach eine Unmöglichkeit?
Ich bin gerechtfertigt, wenn ich annehme, daß Wechssler, wenn er die spanischen Drucke gekannt hätte, "eine jüngste Kürzung D" angenommen haben würde.
Selbst zugegeben, daß Wechssler's Vorschlag die Stellung der Angabe II erklärlich erscheinen läßt, so kann das doch von der Angabe I durchaus nicht behauptet werden.
Scheinbar hat Wechssler seine jüngere Kürzung C selbst nicht befriedigt, denn er sucht sie dadurch zu stützen, daß er sie von einer zweiten Trilogie des pseudo-Robert de Borron herleitet, die er "ältere Kürzung B" nennt, und die er folgendermaßen beschreibt:
I. Buch: Estoire del Saint Graal.
II. Buch: Die Huth-Hs. minus Joseph plus Hs. No. 112, fols. 22-58.
III. Buch: Portugiesische Hs. Wien.
Ich habe keine Ahnung, welcher Art die Estoire sein kann, die Wechssler's erstes Buch ausfüllen soll, das aber kann ich sagen, die in der Hs. zu Lissabon befindliche ist es nicht, und kann es nicht sein. Vielleicht glaubte Wechssler, daß diese Estoire die erweiterte Hippocrates-Episode[25] und die Abenteuer des Grimaud enthielt?
Aber auch mit der älteren Kürzung B ist Wechssler noch nicht zufrieden, er postuliert endlich noch eine "vollständige Redaktion A", einen sechsteiligen Graal-Zyklus, den er, zum Unterschiede von dem Vulgat- oder pseudo-Map-Zyklus, den Robert-Zyklus nennt und der nach ihm aus folgenden Branchen zusammengesetzt war: 1. Estoire, 2. Merlin, 3. Suite du Merlin, 4. Lancelot, 5. und 6. was die portugiesische Hs. in Wien enthält, d. h. anstatt einer einzigen Version der Trilogie des pseudo-Robert de Borron nimmt Wechssler eine Aufeinanderfolge von dreien an, deren erste unmöglich, deren zweite weder richtig noch vollständig und deren dritte auf einer unbegründeten und unbegründbaren Hypothese beruht.
Was hat Wechssler veranlaßt zu glauben, daß der Lancelot je mit der Suite du Merlin und dem dritten Buche der Trilogie in einem Graal-Zyklus zusammen existierte?
In erster Linie, ohne Zweifel, die Hs. No. 112, deren Schreiber aus beiden und außerdem aus dem Tristan und dem Guiron Le Courtois abschrieb, ohne auch nur den Versuch zu machen, sein heterogenes Material in Zusammenhang zu bringen. Diese Hs. überschätzte Wechssler und ließ sich durch dieselbe irre führen. Einen anderen Grund gibt Wechssler selber an, denn er sagt: "Der Lancelot hat diesem Zyklus sicher angehört: __denn die Suite [du] Merlin ist, wie G. Paris bewiesen hat, als Vorgeschichte zu ihm geschrieben worden__ (Huth-Merlin, Einleitung XXXVII); und ebenso setzt ihn [d.h. den Lancelot H. O.S.] die Queste voraus".
Es bedarf keines Beweises, daß der pseudo-Robert de Borron den Lancelot gekannt hat, daß er aber die Suite de Merlin als Vorgeschichte zu demselben geschrieben hat, konnte weder G. Paris, noch kann es Wechssler beweisen, noch würde der Beweis irgend einem andern Gelehrten gelingen, das muß jedem klar werden, der sich die Mühe geben will, beide zu lesen.
Die Galahad-Queste und Mort Artus, die das dritte Buch der Trilogie des pseudo-Robert de Borron bilden, setzen, wenn man will, Bekanntschaft mit dem Lancelot voraus, aber sie bedingen seine Gegenwart nicht. Das einzige, was man erwarten dürfte, wäre ein Bericht über die Geburt Galahads und über Percevals Ankunft an Artus' Hofe usw., denn beide werden in der Queste eingeführt, ohne daß je vorher von ihnen die Rede war. Dagegen aber läßt sich einwenden, daß die Trilogie kein Graal-Zyklus nach dem Muster des Joseph-Perceval-Lancelot-Zyklus oder des Vulgat-Zyklus ist, und daß auch andere wichtige dramatis personae wie Lancelot, Tristan, Erec, Palamedes usw. auftreten, ohne daß vorher von ihrer Herkunft die Rede ist. Der einzige andere Grund für Wechssler's Handlungsweise, den ich finden kann, ist ein Auszug aus dem Lancelot und zwar in ungekürzter Form, enthaltend die Stücke, die in denselben eingefügt wurden, als die Galahad-Queste an Stelle des Perceval-Queste trat; dieser Auszug ist in sechs Tristan-Hss.[26] und in Sir Thomas Malory's Le Morte Darthur[27] zu finden, in die letztere ist derselbe durch Vermittlung einer Tristan-Hs. gekommen. Von diesem Auszuge werde ich weiter unten noch zu reden haben.
Ich komme schließlich zu meinem eigenen Beitrage zur Beantwortung der Frage nach der Gestalt der in der Huth-Hs. angedeuteten Trilogie des pseudo-Robert de Borron. Wie ich schon auf S. XIII Note 2 mitgeteilt habe, kenne ich nicht nur das ganze, von Wechssler herangezogene Material, sondern ich habe den größten Teil[28] desselben herausgegeben und bin im Begriff den Rest[29] (mit Ausnahme der spanischen und portugiesischen Texte) herauszugeben. Ferner verfüge ich über den vollständigen Text des dritten Buches der Trilogie, und endlich befinde ich mich Wechssler gegenüber dadurch im Vorteil, daß ich die spanischen Drucke von Toledo 1515 und Sevilla 1535 und die Hs. No. 643 der Staatsarchive in der Torre do Tombo zu Lissabon benutzen konnte, von denen er die ersteren gar nicht und die letztere nur von Hörensagen kannte.
Das Verhältnis der Suite du Merlin zu den spanischen, portugiesischen und französischen Texten habe ich in der Romania beschrieben und bin zu dem Resultat gekommen, daß alle, ohne Ausnahme, ebenso wie die in den Tristan-Hss. vorhandenen Bruchstücke Teile der Trilogie eines pseudo-Robert de Borron sind, und zwar derjenigen, die ich beanspruche rekonstruiert zu haben. Als ein Beispiel führe ich hier eine Stelle an, die auf die Dreiteilung des Werkes Bezug hat, und die sich in der Hs. No. 343 auf fol. 101a, in der portugiesischen Hs. auf fol. 179a und in den spanischen Drucken im 355. Kapitel befindet:
ils sorent erranment que ce estoit Galahaz qui celle auenture auoit menée a fin et distrent bien que ce nestoit mie par cheualerie. Mes par miracle de nostre seignor. si firent metre celle auenture en escrit entre les autres auentures.
E Galahaz quant il se fu partiz del chevalier cheuaucha puis mainte iornee et maintes auentures mist a fin dont cil de beron ne parle mie. car trop eust a faire se il voloit a cestui point raconter toutes les merueilles del Grahal. et la darraine partie de son liure fust trop grant auers les autres deuspremieres: mes ce sanz faille quil lesse a deuiser en ceste paitie deuisse es contes del brait car li conte del brait sanz doute trait dune part, por faire les parties del liure egalles a nostre pooir.
E logo todos entenderom que aquele fora Galaaz e disserom que aquelo nom fora por caualaria mas por grande amor que Ihi avia deus e fezerom aquela auentura escriuer ante as outras. O que aqui mingua das auenturas de Galaaz iaz no conto do braado.
Galaaz pois se partiu do caualeiro andou muitas iornadas e para muitos logares que vos eu nom conto ça sobeio averia eu que fazer se vos contasse todalas marauilhas de Galaaz e demais a postomeira parte do meu liuro sseera maior ça es duas primeiras. Mas sen falha o que eu leixo em esta postumeira parte [que] iaz no conto do braado.
y luego entendieron todos que este cauallero era galaz y dixeron que aquello no fuera per ingenio: mas por gracia y amor de dios que auia con el & fizo el escreuir esta auentura con las otras & despues que Galaz se partio del cauallero anduuo muchas jornadas por do dios le guiaua de que no vos cuento aqui: ça sabed que muy gran cosa (seria) si todas las auenturas de galaz contasse y demas la postrimera parte deste nuestro libro mayor de gran pieça que delas primeras. mas lo que dexo en esta partida postrimera deste libro esta todo en el cuento del baladro."
Was die Angaben I und II angeht, so halte ich deren Inhalt als die Trilogie betreffend für wichtig, aber ihre Stellung in der Huth-Hs. für gleichgültig und von keiner literar-historischen Bedeutung, weil sich beide auf diese Hs. nicht beziehen können und weil eine Trilogie, wie sie die Huth-Hs. bietet, nie existiert haben kann. Dennoch aber halte ich es für die Aufgabe des Forschers zu versuchen, die Stellung der Angaben zu erklären, obgleich ein solcher Versuch nur hypothetischen Charakters sein kann.
Mir ist klar, daß die Stellung der Angaben in der Huth-Hs. nicht die Folge der einzelnen Handlung eines isolierten Schreibers sein kann, sondern das Resultat einer Verknüpfung von Umständen sein muß, deren Urheber wenigstens zwei Personen gewesen sind. In der Romania ist es mir nicht gelungen, zu meiner Zufriedenheit den Sachverhalt darzustellen, obgleich ich das Richtige gefühlt und gedacht habe, ich mache daher hier einen neuen Versuch.
Ich halte den Schreiber der Huth-Hs. für die Stellung beider Angaben in seiner Hs. nicht für verantwortlich, ich glaube, daß er einfach abgeschrieben hat, was er in seiner Vorlage fand, ohne zu verstehen, worum es sich handelte; dafür zeugt mir die Gegenwart des Joseph und des Merlin. Die beiden letzteren stammen aus einer Hs. A, wie es deren noch einige gibt, z. B. die Hs. No. 748 der National-Bibliothek; alles übrige d. h. fols. 75-230 repräsentieren die Abschrift einer Hs. B.
Die Hs. B enthielt den Merlin in der Form wie die spanischen Drucke und fols. 75-230 der Huth-Hs., und zwar genau in derselben Form wie diese. Die Vorlage des Schreibers von B war ein torso, d. h. eine verstümmelte Hs. der Trilogie des pseudo-Robert de Borron, in welcher am Anfang die Estoire und am Ende ein Teil des zweiten und das ganze dritte Buch fehlten, und in welcher Angabe I am Ende des Merlin (das ist wichtig) und Angabe II an der der Huth-Hs. entsprechenden Stelle stand. Angabe I, die in seiner Vorlage keinen Sinn hatte, rückte der Schreiber von B bis zur Mitte seiner Abschrift vor. Der Schreiber der Huth-Hs. wußte nicht, daß der Merlin, den er aus A abgeschrieben, verschieden war von dem der Hs. B. So war der Schreiber der Vorlage von B für die Stellung der Angabe II, der von B für die der Angabe I, der Schreiber der Huth-Hs. für die Vereinigung der Hss. A und B verantwortlich.
Die spanischen Drucke und die Hs. No. 643 zu Lissabon zusammen ermöglichten mir zu zeigen, daß sowohl Spanier wie Portugiesen demanda nicht nur im eigentlichen Sinne, d. h. in dem von "Queste", "Suche" gebrauchten, sondern auch zur Bezeichnung der ganzen Trilogie. Im spanischen Text wird das erste den Merlin und einen Teil der Suite du Merlin enthaltende Buch el primero, und das zweite, die Galahad-Queste und Mort Artus enthaltende, el segundo libro de la demanda del sancto Grial genannt. In der Hs. No. 643 wird Liuro de Josep abaramatia, d. h. die Estoire (nicht der Joseph), mit aprimeira parte da demanda do sancto grial bezeichnet.
Die spanischen Drucke gaben mir ferner das Mittel an die Hand zu beweisen, daß der Merlin, wie ihn die Huth-Hs. bietet, ebensowenig zur Trilogie gehört wie der Joseph. Das Kolophon der portugiesischen Hs. No. 643, die (spät und gekürzt) an sich von geringem Interesse ist, lautet wie folgt:
E agora se cala a istoria de todas estas linage~s que de Cecidones sairão e torna aos outros Ramos que chama estoria Demerlim que combem por toda maneyra jumtar com a estoria do graal por que he dos ramos e lhe pertence.[30] E saibão todos aqueles que esta Estoria ouuyrem que esta estoria era jumtada com ademerlim na quai he comemçamento da mesa redomda E A nacemça de Artur. E comemçamento das avemturas. mas por noso livro nom ser muy grãde repartimolo cadahu~u Em sua parte por que cadahu~u por si serão milhores Detrazer Aquy se acaba este livro. O nome de Deus.
Dieses Kolophon machte es mir möglich, nachzuweisen:
1. daß die Estoire kurz das Buch des Joseph von Arimathia genannt wurde, ein Umstand, der eine Verwechslung desselben mit Robert de Borron's Joseph durch den Schreiber der Huth-Hs. nicht für unmöglich erscheinen läßt. Er mochte gehört haben, daß der Suite du Merlin, Joseph und Merlin vorangingen, aber den Unterschied zwischen diesen und den Prosaredaktionen der Gedichte Robert de Borron's nicht gekannt haben,
2. daß das erste Buch der Trilogie die Estoire und den Merlin enthielt, dessen Weglassung der Schreiber motiviert.
Somit konnte ich den Inhalt des ersten und dritten Buches der Trilogie des pseudo-Robert de Borron, den die Huth-Hs. andeutet, auf klare und einfache Weise mit Hilfe des vorhandenen Materials bestimmen, und es bleibt nur übrig, den Inhalt des zweiten, so weit als möglich, zu bestimmen. In das zweite Buch gehören: 1. fols. 75-230 der Huth-Hs., 2. fols. 22-58 der Hs. No. 112, und 3. eine Anzahl von Blättern (wie viele läßt sich nur annährend [vgl. infra, S. XXV] bestimmen), auf denen, unter anderen Ereignissen der Tod des Königs Pellinor durch die Hand Gawains erzählt wird, eine Begebenheit, welche im dritten Buche der Trilogie erwähnt wird, und Abenteuer, die mit Gaheriets Besuch der Isle Merlin in Zusammenhang stehen (vgl. infra S. XLVIII).
Als ich im Jahre 1907-8 die Artikel in der Romania und Modern Philology schrieb, glaubte ich auch den auf S. XX erwähnten Auszug aus dem Lancelot hierher rechnen zu müssen. Über diesen Punkt habe ich seitdem meine Meinung geändert. Heute glaube ich nicht mehr, daß dieser Auszug je zur Trilogie oder zu dem zweiten Teil des Tristan gehört hat, selbst wenn er in die eine oder andere Hs. der Trilogie aufgenommen worden wäre, wie er tatsächlich in sechs Tristan-Hss. und in Le Morte Darthur zu finden ist.
In den zweiten Teil des Tristan wurden ein gutes Stück der Vulgat-Queste[31] und einige Bruchstücke der Trilogie-Queste[32] aufgenommen, aber von dem Lancelot selbst nichts, davon kann man sich durch ein Studium der Hss. oder der Analyse E. Løseth's[33] überzeugen. Ich glaube, daß der genannte Auszug aus dem Lancelot durch irgend einen Schreiber seiner Tristan-Hs. beigefügt worden ist. Die Tristan-Hss., in denen uns derselbe erhalten ist und zu denen auch die von Sir Thomas Malory benutzte gehörte, stammen von dieser Hs. ab. Durch eine Tristan-Hs. dieser Familie mag der Auszug auch in einige Hss. der Trilogie des pseudo-Robert de Borron gelangt sein, so viel wir aber bis jetzt wissen, ist keine der Hss.,[34] weder mit oder ohne diese Einschaltung, erhalten geblieben.
Ob meine Erklärung der Art und Weise, wie dieser Abschnitt in die sechs Tristan-Hss. und in Le Morte Darthur gelangt ist, richtig oder nicht, so viel steht fest: es ist nicht der geringste Beweis vorhanden, daß derselbe etwas anderes ist als ein Auszug aus dem Vulgat-Lancelot, d. h. mit anderen Worten: Wechsslers sechsteiliger Graal-Zyklus "die vollständige Redaktion A" ist ein Gebilde seiner Phantasie. Es hat nie einen andern Robert-Zyklus gegeben als die Trilogie des pseudo-Robert de Borron, deren Existenz die Huth-Hs. bezeugt, deren Gestalt ich, soweit es möglich ist, d. h. bis auf eine beschränkte Anzahl von Blättern, festgestellt habe.
Es ist interessant zu ermitteln, um wie viel der Inhalt der vorliegenden Ausgabe, mit Ausnahme der Seiten 1-18, den zweiten Teil der Trilogie des pseudo-Robert de Borron verlängern würde, 1. ausgedrückt in Seiten des Huth-Merlin 2. ausgedrückt in Blättern der Huth-Hs.
Die ersten 18 Seiten meiner Ausgabe sind, nach Abrechnung des auf S. 1 und in den Fußnoten verbrauchten Raumes, gleich 16 vollen Seiten. 16 volle Seiten entsprechen 26 vollen Seiten des Huth-Merlin, d. h. mit ändern Worten, fügte man den Inhalt der fols. 22a-58b der Hs. No. 112, in derselben Form gedruckt wie der Huth-Merlin, demselben hinzu, so würde er um 185 Seiten verlängert werden.
Auf 26 Seiten des Huth-Merlin sind, so genau sich das bestimmen läßt, etwa 10 Blätter der Huth-Hs. gedruckt, auf 185 Seiten würden daher annähernd 70 Blätter gedruckt werden; mit andern Worten, wenn man den Inhalt der fols. 22-58 der Hs. No. 112, in demselben Stile geschrieben wie die Huth-Hs., derselben hinzufügte, würde sie um 70 Blätter verlängert werden.
Das Fragment des zweiten Buches der Trilogie, d. h. fols. 75-230 der Huth-Hs. plus fols. 22-58 der Hs. No. 112 würde demnach in der erstgenannten Hs. 225, in der letztgenannten 113 Blätter gefüllt haben. Die Frage ist nun: Wie viele Blätter würde das vollständige zweite Buch in beiden Hss. enthalten haben? So lange nicht irgendwo eine Hs. auftaucht, welche die vollständige Trilogie, oder wenigstens das vollständige zweite Buch derselben bietet, lassen sich diese Zahlen nur annähernd mit Hilfe der spanischen und portugiesischen Übersetzungen bestimmen. Wie ich auf S. X angegeben habe, befinden sich in dem derrenier livre de Lancelot der Hs. No. 112 verschiedene Bruchstücke des französischen Originals. Vergleicht man diese mit den denselben in der Wiener Hs. entsprechenden Abschnitten — man hat dabei zu berücksichtigen, daß die Blätter dieser abwechselnd von zwei verschiedenen Personen geschriebenen Hs. inhaltlich von sehr verschiedener Größe sind, denn die einzelnen Kolonnen bestehen aus zwischen 28 und 47 Zeilen — so findet man, daß im Durchschnitt etwa je 11 Blättern des portugiesischen, 8 Blätter des französischen Textes entsprechen.
Die Wiener Hs. hat 199 Blätter. Nimmt man an, daß die von mir in derselben, mit Hilfe der spanischen und französischen Texte, nachgewiesenen Lücken weitere 5 Blätter ausmachen würden, so würde das dritte Buch der Trilogie in der portugiesischen Version 204 Blätter enthalten haben. Nach dem was ich gesagt habe, würden diesen 204 Blättern in der Hs. No. 112, 149, in der Huth-Hs. 295 Blätter entsprechen; mit ändern Worten, in demselben Stile wie die Huth-Hs. geschrieben, fehlen an dem zweiten Buche der Trilogie noch etwa 70 Blätter, also gerade noch einmal so viel als die fols. 22-58 der Hs. No. 112 enthalten.
4. Der Inhalt der fols. 17b-58b der Hs. No. 112.
Der Inhalt[35] der fols. 17 b-22a der Hs. No. 112, d.h. der ersten 18 Seiten der vorliegenden Ausgabe, ist bekannt durch SS. 228-254 des zweiten Bandes des Huth-Merlin und durch die in demselben am Rande des Textes hinzugefügten und am Ende in schematischer Form wiederholten knappen Noten. In ähnlicher, wenn auch in manchen Punkten verschiedener, Form ist derselbe auch zugänglich im vierten Buche in den Kapiteln XV-XVIII irgend einer der vielen Ausgaben der Le Morte Darthur von Sir Thomas Malory. Eine ausführliche Analyse der den fols. 17b-22a entsprechenden fols. 220a-230a der Huth-Hs. habe ich in meinen "Studies on the Sources",[36] d. h. im dritten Bande, SS. 135-145 meiner Ausgabe der Le Morte Darthur geliefert. Daselbst habe ich auch die Erzählung, wie sie die Huth-Hs. bietet, mit der Sir Thomas Malory's verglichen und die zwischen beiden bestehenden Unterschiede angedeutet. Es ist daher hier nur nötig, ganz kurz den Inhalt der fols. 17b-22a zu rekapitulieren, um den Zusammenhang zwischen dem Schlusse der Huth-Hs. und der in der Hs. No. 112 vorhandenen Fortsetzung herzustellen.
Artus[37] hat Ywain wegen der Verräterei seiner Schwester Morgain, die nach der Trilogie König Urien's Weib und Ywain's Mutter ist, von seinem Hofe verbannt. Gawain, der seinem Vetter Ywain sehr zugetan ist, beschließt ihn zu begleiten. Beide verlassen zusammen Camelot. Nachdem sie den Wald von Camelot durchzogen, kommen sie eines Tages an eine schöne Ebene und sehen daselbst zwölf Mädchen um einen Baum herumtanzen, an welchem ein weißer Schild hängt, den sie verunglimpfen und dessen Träger sie verhöhnen und beschimpfen, weil er die Mädchen von Großbritannien haße. Zwei bewaffnete Ritter zu Pferde sehen den Mädchen zu. Der weiße Schild gehört dem Morholt, dem Bruder[38] der Königin von Irland, demselben der später von Tristan erschlagen wird. Bald erscheint der Morholt selbst. Die Mädchen fliehen so schnell sie können, die beiden Ritter werden von dem Morholt aus den Sätteln gehoben und tötlich verwundet. Nachdem der Morholt auch mit Ywain und Gawain gefochten, schließen die drei Ritter Waffenbrüderschaft. Sie rasten vier Tage auf einem in der Nähe liegenden Schloß des Morholt und ziehen dann zusammen auf Abenteuer aus. An einer Quelle im Walde von Aroie treffen sie drei Jungfrauen, eine ist kaum fünfzehn, die zweite wenigstens dreißig, und endlich die dritte siebzig Jahre alt. Die drei Gefährten sind bereit sich von den drei Jungfrauen die Abenteuer des Landes zeigen zu lassen, und zwar folgt Ywain der Siebzigjährigen, der Morholt der Dreißigjährigen und Gawain der jüngsten. So weit reicht die Erzählung in der Huth-Hs. auf fol. 227d. Auf fols. 228-230b wird dann die Episode von der Damoiselle du Lac und von dem verzauberten Mantel erzählt, und unmittelbar darauf folgt die den Inhalt des dritten Buches der Trilogie betreffende Angabe II. In der Hs. No. 112 folgen nun die Abenteuer der drei Gefährten mit den drei Jungfrauen, die in der Form wie dieselben hier vorliegen, wahrscheinlich in unseren Tagen vor mir niemand gelesen hat. In der Analyse dieser Abenteuer, die ich hier gebe, weisen die arabischen Zahlen in Klammern auf die Seiten meiner vorliegenden Ausgabe hin, und zwar steht jede Zahl am Beginne der Seite, deren Inhalt erzählt wird. Der Übersichtlichkeit halber, habe ich die Anfänge der in dem Text durch große Anfangsbuchstaben markierten Abschnitte in der Analyse stets durch entsprechende Absätze gekennzeichnet.
I. __Die Abenteuer Gawains__.[39] SS. 19-44. — (19) Nachdem Gawain sich von Ywain und dem Morholt verabschiedet hatte, ritt er mit seiner Jungfrau den ganzen Tag durch den Wald, ohne daß ihm etwas Bemerkenswertes passiert wäre. Am Abend kehrten beide bei einem alten vavasour ein, der sie freundlich aufnahm. Als Gawain seinem Wirte erzählte, daß er Abenteuer suchte, versprach dieser, ihm am nächsten Tage in dem Walde ein Wunder zu zeigen, welches bisher noch niemand zu erklären vermochte. Gawain wollte sogleich wissen, welcher Art das Wunder wäre, aber sein Wirt erklärte, er müßte dasselbe erst sehen. Am andern Morgen ritten Gawain, seine Jungfrau, sein Knappe und sein Wirt zusammen in den Wald. Nachdem sie einen Hügel erklommen hatten, kamen sie auf eine schöne Ebene, in deren Mitte, neben einer einzigen prächtigen Ulme, ein Kreuz stand. "Hier laßt uns absteigen", sagte der Wirt, "denn hier werdet ihr das Wunder sehen". Kaum waren alle drei abgestiegen, so sahen sie zehn wohlbewaffnete Ritter auf die Ebene kommen und in deren Mitte anhalten. "Bald wird ein einzelner Ritter kommen", sagte der Wirt, "der wird diese zehn der Reihe nach aus dem Sattel heben, und dann werdet ihr das Wunder sehen".
Kaum hatte der Wirt geendet, so erschien wirklich ein stattlicher Ritter ohne alle Begleitung. (20) Im Vorbeireiten grüßte er Gawain und die mit ihm waren, und Gawain wünschte ihm Ehre und Ruhm. Weinend antwortete der Ritter: "Gott könnte deinen Wunsch erfüllen, aber er tut es nicht, denn wie große Ehre ich auch gewinne, nachher habe ich um so größere Schande; und das ist nicht wunderbar, denn von hier geht keiner ohne Schande weg." Damit ritt der Ritter auf einen der zehn los, warf ihn nicht nur aus dem Sattel, sondern brachte auch sein Pferd zu Falle.
Hierauf tat er jedem der übrigen neun Ritter ein gleiches, ohne auch nur einen einzigen beim ersten Angriff mit der Lanze zu verfehlen.
Gawain pries die Gewandtheit und Tapferkeit des Ritters und sagte, einem solchen Manne könnte es nie an Ehre fehlen. Bald kamen die zehn Ritter, umringten ihren Besieger, töteten sein Pferd, fesselten ihn, banden ihn an den Schweif eines Pferdes und schleiften ihn mit sich fort. Gawain war empört, als er dieses sah, und wollte dem Mißhandelten zu Hilfe eilen, aber sein Wirt hielt ihn zurück und sagte: "Du setzest dein Leben aufs Spiel ohne jede Möglichkeit, dem Ritter zu helfen, bleibe hier und erwarte was noch weiter geschehen wird."
Nur ungern folgte Gawain dem Rate seines Wirtes, aber er setzte sich wieder neben seine Jungfrau. Bald sahen sie einen anderen schönen und wohlbewaffneten Ritter von der einen Seite her auf der Ebene erscheinen, während von der anderen (21) ein häßlicher Zwerg auf stattlichem Roß und wohlbewaffnet heranritt, ein Knappe zu Fuß folgte ihm und trug seinen Helm. Der Zwerg fragte den Ritter, ohne ihn eines Grußes zu würdigen, ob er die Jungfrau gesehen hätte. Der Ritter antwortete, er hätte sie nicht gesehen, sie werde aber bald kommen. Und tatsächlich erschien auch nach kurzer Zeit eine schöne Jungfrau auf weißem Pferde mit kostbarem weißen Sattelzeug, von zwei alten Damen begleitet. Sobald er ihrer ansichtig wurde, ergriff der Zwerg den Zügel ihres Pferdes und forderte sie auf, ihm zu folgen. Der Ritter trat ihm aber entgegen, gebot ihm zu fliehen und beanspruchte die Jungfrau für sich. "Nicht ohne Kampf überlasse ich sie dir", erklärte der Zwerg, "denn ich habe so viel Recht auf sie wie du". "Ich kann mich nicht erniedrigen, mit einem wie du einer bist zu kämpfen, die Jungfrau aber nehme ich mit", erwiderte der Ritter. "Ich verlange nur was recht und billig ist", sagte der Zwerg, "du kannst mir nicht solches Unrecht tun wollen, doch laß uns jenen Ritter (auf Gawain deutend) zu unserem Schiedsrichter machen". Beide riefen Gawain und sagten zu ihm: "Herr Ritter, wir haben diese Jungfrau gestern zusammen erobert, jeder von uns begehrt sie, doch kann sie nur einem gehören, entscheidet wem". "Ich bin noch jung", sagte Gawain, "und kenne die Sitten dieses Landes nicht und könnte leicht eine Entscheidung (22) treffen, die euch nicht gefiele, daher mische ich mich sehr ungern in euren Streit". "Wir verpflichten uns mit deiner Entscheidung zufrieden zu sein, wie sie auch immer ausfallen möge," erklärten beide. Nachdem Gawain beide hatte schwören lassen, dieses Versprechen zu halten, sagte er zu ihnen: "Sagt mir vor allen Dingen, ob ihr die Jungfrau liebt und ob euch daran gelegen ist, daß meine Entscheidung ihr gefällt?" Beide erklärten, daß letzteres eine unerläßliche Bedingung sein solle. Dann fragte Gawain die Jungfrau, ob sie gleichfalls gewillt sei, bei seiner Entscheidung zu beharren, und als sie das bejahte, sagte er: "In diesem Falle wird niemand meinen Richterspruch tadeln, wenn ich erkläre, daß du zu demjenigen der beiden Bewerber gehen magst, den du am meisten liebst." Die Jungfrau dankte Gawain und ging dann, zu aller Verwunderung, zu dem Zwerge und begrüßte ihn als ihren Freund und Beschützer; und zu dem Ritter sagte sie: "Du hast mich verloren; ich hätte nie geglaubt, daß in so schöner Hülle so viel Schlechtigkeit stecken könnte;" damit ritt sie mit dem Zwerg, der jubelte, und mit ihren beiden Begleiterinnen davon. Der Ritter blieb traurig zurück und gestand Gawain, daß er die Jungfrau über alles liebte. Gawain konnte nicht verstehen, was die Jungfrau bestimmt haben konnte, eine so seltsame Wahl zu treffen. Weinend verabschiedete sich der Ritter von Gawain, und war ihm bald aus den Augen verschwunden. "Du hast mir wahrlich ein Wunder gezeigt", sagte Gawain, sich zu seinem Wirte wendend; "glaubst du, (23) daß wir heute hier noch mehr zu sehen bekommen werden?" "Sicherlich", erwiderte der Wirt, "wenn wir noch hier bleiben".
Alle vier, d.h. der Wirt, Gawain, seine Jungfrau und sein Knappe blieben bei dem Kreuze. Bald sahen sie zwei wohlbewaffnete Ritter in die Ebene reiten und auf sich zukommen. Einer derselben forderte Gawain, ihn beim Namen nennend, mit lauter Stimme zum Kampfe heraus. Gawain konnte sich nicht erklären, woher der Fremdling seinen Namen wußte, machte sich aber sogleich kampfbereit. Mit solchem Ungestüm ritten beide Gegner aufeinander los, daß beide zu Boden stürzten und die Pferde ihnen auf die Körper fielen. Als der andere Ritter das sah, sagte er zu Gawain's Jungfrau (der 15jährigen): "Wenn du Gawain verlassen willst, will ich dein Ritter sein und dich lieben und in Ehren halten." "Gern", antwortete die Jungfrau, "denn Gawain ist nicht ein so guter Ritter als ich glaubte". Damit wandte sich die Jungfrau an den Knappen, der Gawain von Camelot her gefolgt war, und sagte zu ihm: "Auch du solltest den schlechten Ritter verlassen, in dessen Dienste du nur Schande haben kannst; hast du nicht heute gesehen, wie er sich zurückhalten ließ, dem Ritter zu Hilfe zu eilen, den die zehn hinter sich herschleiften." Der Knappe zögerte nicht und folgte der Jungfrau. Als Gawain's Wirt das sah, bestieg auch er sein Pferd und ritt nach Hause.
So blieben die beiden Kämpfer allein auf der Ebene zurück. Sie erhoben sich bald, zogen ihre Schwerter und setzten den Kampf fort, bis beide von der Anstrengung und dem Blutverlust, den sie erlitten, so erschöpft waren, daß sie der Ruhe bedurften. Während sie sich ruhten, fragte der Ritter Gawain, was er eigentlich von ihm wollte. "Ich möchte von dir wissen", sagte Gawain, "weshalb du mich hier ohne jeden Grund angriffst". "Ich tat, was ich tun mußte, und du gleichfalls, dabei wollen wir es bewenden lassen", sagte der Ritter, "denn wir haben einander gezeigt, was wir zu tun vermögen, (24) und ich habe in dir zehnmal so viel Tapferkeit gefunden, als ich zu finden vermutete, darum erlasse ich dir den weiteren Kampf". "Das genügt mir keineswegs", erklärte Gawain, "du hast die Wahl, entweder erklärst du dich für besiegt oder ich töte dich". Da der Ritter fühlte, daß er zu schwach war, weiteren Widerstand zu leisten, ergab er sich. Gawain wollte nun von ihm eine Erklärung haben, weshalb er gesagt hatte, daß er getan hätte, was er mußte. "Gern", antwortete der Ritter, "will ich dir das erklären. Ich habe hier in diesem Walde ein Schloß, das ich von dem König von Norgales als Lehen halte; ich muß mit jedem Ritter, der hierher kommt, kämpfen, und wenn ich verhindert bin, muß einer meiner Ritter mich vertreten. Wenn mehrere Ritter kommen, so greife ich sie mit mehreren meiner Ritter an, jedoch kämpft immer nur einer gegen einen. Du siehst also, daß es meine Pflicht war, dich anzugreifen, ich tat sie; und du tatest die deinige, denn du verteidigtest dich, und zwar so gut, daß du mich besiegtest, mich, der ich bisher immer meine Gegner besiegt hatte. Nun sei aus Höflichkeit mein Gast und mache mir eine Freude, die ich höher schätze als ein wertvolles Geschenk." "Wenn meine Begleiterin nichts dagegen hat, bin ich bereit, deine Einladung anzunehmen", sagte Gawain, sah sich um und bemerkte nun erst, daß seine Jungfrau, sein Wirt und sein Knappe verschwunden waren. Der Ritter erzählte nun Gawain, daß die Jungfrau seinem Ritter aus freiem Willen gefolgt wäre, und daß sie den Knappen veranlaßte, mit ihr zu gehen. Gawain bekreuzte sich und meinte: "Hier gibt es wahrlich nichts als Wunder und Abenteuer." "Das ist nicht wunderbar", erklärte der Ritter, "denn wir sind hier auf der Plaine Aventureuse". "Von der habe ich oft reden hören", sagte Gawain, "aber ich wußte nicht wo sie war; ich bin begierig zu wissen, was meine Jungfrau veranlaßt haben kann, mich zu verlassen, denn ich bin mir nicht bewußt, ihr irgendwelchen Grund zu dieser Handlungsweise gegeben zu haben". "Darum solltest du dich nicht grämen", tröstete der Ritter, "denn das ist so der Weiber Art, die folgen immer ihren Launen". Gawain schwieg, (25) denn er war nicht sicher, ob er nicht doch vielleicht etwas getan hätte, was das Verhalten der Jungfrau rechtfertigen könnte. Beide bestiegen dann ihre Pferde und erreichten bald des Ritters Schloß am Fuße eines Hügels und stiegen daselbst ab.
Gawain wurde von dem Ritter aufs beste bewirtet, ja er hätte nicht mehr geehrt werden können, wenn er König Artus selbst gewesen wäre. Nach dem Abendessen bat Gawain seinen Wirt, ihm zu erklären, was er auf der Plaine Aventureuse gesehen hatte, und erzählte ihm zuerst von dem tapferen Ritter, den zehn andere so gemißhandelt hatten. "Ja gewiß", sagte der Wirt, "das kann ich dir erklären, es ist eine traurige Geschichte und ich beklage keinen Ritter mehr als diesen. Er ist der beste dieses Landes, und alles was du gesehen hast, duldet er um eines Weibes willen, die er über alle Maßen liebt, die aber zu stolz ist, seine Liebe zu erwidern, weil er ihr nicht ebenbürtig ist. Es ist noch nicht lange her, so fand hier in der Nähe ein großes Turnier statt, zu dem von nah und fern viele Ritter und Damen kamen. Unter diesen befand sich jene Dame, Arcade mit Namen, und jener unglückliche Ritter, der Pellias heißt. Der Sieger in dem Turnier sollte das beste Schwert des Landes erhalten und außerdem berechtigt sein, einen goldenen Kranz derjenigen der anwesenden Damen zu überreichen, die ihm als die Schönste erschien."
"Pellias zeichnete sich vor allen andern Rittern aus; das Schwert wurde ihm einstimmig zuerkannt. Da nahm er den goldenen Kranz und überreichte ihn der Arcade, indem er sagte: 'Nimm ihn, er gehört dir, denn deine Schönheit überstrahlt die aller derer, die hier sind. Wenn einer bereit ist, das zu bestreiten, so bin ich bereit, (26) ihn noch heute zu besiegen oder zu töten, oder nie mehr in meinem Leben einen Schild um den Hals zu hängen.' Da die große Stärke und Tapferkeit des Pellias allen bekannt waren, wagte niemand ihm zu widersprechen, obgleich es vielen klar war, daß verschiedene andere Damen gegenwärtig waren, die Arcade an Schönheit übertrafen."
"Arcade kehrte hocherfreut über diese Auszeichnung in ihr Land zurück und war nur zu gern bereit zu glauben, daß Pellias recht hatte. Eines Tages kam Pellias zu ihr und bat sie um ihre Liebe; da wies sie ihn stolz ab, mit der Bemerkung, sie könnte sich nicht erniedrigen ihn zu lieben, denn er wäre nur der Sohn eines vavasour. Vergeblich erklärte ihr Pellias, daß nur der Tod ihm seine Liebe zu ihr aus dem Herzen reißen könnte. "Kann ich nichts tun", fragte Arcade, "wodurch ich deine Liebe in Haß verwandele?" "Nichts", erklärte Pellias, "doch mache den Versuch". "Ich tue es nicht gern, aber ich will versuchen, dich zu heilen. Ich verbiete dir, auf die Plaine Aventureuse zu kommen, die mir gehört. Solltest du meinem Gebot zuwiderhandeln, so werde ich dich fangen lassen und in ein Gefängnis stecken, welches du nicht so bald verlassen wirst. Nun geh, denn ich hasse dich."
"Traurig ritt Pellias zu seinem Pavillon zurück. Arcade vermied ihn auf alle mögliche Weise, so daß er so gut wie keine Gelegenheit hatte, diejenige, die er so sehr liebte, zu sehen. Als ihm das klar wurde und als er fühlte, daß seine Liebe von Tag zu Tag wuchs, beschloß er sich Gelegenheit zu verschaffen, Arcaden zu sehen. Er wollte ihren Rittern schaden, sich von ihnen fangen lassen, um dann vor sie gebracht zu werden. Er ging auf die Plaine Aventureuse, besiegte Arcadens Ritter, und ließ sie dann zu ihr zurückkehren. Arcade war erzürnt; sie schickte zehn bewaffnete Ritter (27) mit dem Befehl nach der Ebene, einer nach dem andern gegen Pellias zu kämpfen, ihn aber unter keinen Umständen mit dem Schwert anzugreifen oder ihn zu töten, "denn ich will", sagte sie, "seine große Liebe zu mir auf die Probe stellen". Wenn Pellias die Ritter besiegte, so sollten sie ihm bei der Treue, die er Arcaden schuldig war, befehlen, sich nicht länger zu verteidigen, ihn fesseln, an den Schweif eines Pferdes binden und ihn zu ihr schleifen. "Wenn ihr das ein- oder zweimal getan haben werdet, wird er mich hassen," sagte Arcade. Die Ritter taten alles genau wie ihre Herrin befohlen hatte. Als Pellias zum ersten Male so schmachvoll vor ihr gebracht wurde, fragte sie ihn, ob er sie noch immer liebte. 'Mehr denn je', antwortete Pellias, 'ich liebe dich noch mehr, weil ich um deinetwillen gelitten habe'. Darauf schickte ihn Arcade weg. Auf diese Weise ist er schon mehr als zehnmal geschleift worden, und er duldet alles, wie du heute selbst gesehen hast, ohne sich zu verteidigen, denn er hält die Schande, die sie ihm antun, für die höchste Ehre, weil er weiß, daß sie auf ihren Befehl handeln. Aber noch immer weigert sich Arcade, seine Liebe zu erwidern."
"Nun habe ich dir erzählt, was du zu wissen wünschtest," schloß der Ritter. "Es ist traurig, daß so große Liebe unerwidert bleibt," sagte Gawain. "Noch nie habe ich von einem so stolzen, hartherzigen Weibe reden hören; ich kann nicht glauben, daß sie von so vornehmer Geburt ist, wie du sagst, denn sonst wäre sie wenigstens nicht so grausam, dem, der sie liebt, solche Schande anzutun. Wenn ich mit beiden auf gutem Fuße stände, würde ich alles tun, was ich vermöchte, um sie zusammenzubringen." "Du hat recht", sagte der Wirt, "auch ich kenne keine stolzere und grausamere Frau".
(28) "Nun sage mir noch", nahm Gawain wieder das Wort, "wer der Ritter war, den die Jungfrau verließ, um dem häßlichen Zwerg zu folgen und warum sie es tat". "Das kann ich dir nicht sagen", antwortete der Ritter, "ich vermute aber, daß die Jungfrau in dem Zwerge gute, in dem Ritter schlechte Eigenschaften bemerkt hatte". "Ich werde nicht eher ruhen", sagte Gawain, "als bis ich den beiden Rittern geholfen haben werde. Auch möchte ich gern wissen, weshalb meine Jungfrau (d.h. die fünfzehnjährige) mich verlassen hat." "Ich auch," erklärte der Wirt. Nachdem Gawain eine angenehme Nacht verbracht hatte, nahm er am nächsten Morgen nach der Messe von dem Ritter Abschied und schlug den Weg durch den Wald ein. Er war noch nicht weit geritten, da traf er Pellias, der in Gedanken versunken vor sich hinritt, und grüßte ihn. Pellias hielt an, erwiderte Gawain's Gruß und fragte ihn, woher er käme. Gawain erklärte, daß er ein fremder, fahrender Ritter wäre und daß er sehr wünschte, sein Gefährte zu werden, um ihm behilflich zu sein, das zu erlangen, wonach er so sehnlichst trachtete.
Als Pellias das hörte, glaubte er kaum seinen Ohren trauen zu können. "Wenn du das bewirken könntest", sagte er zu Gawain, "so wollte ich, anstatt dein Gefährte, dein Ritter und Sklave sein. Aber sage mir, wie kannst du vollbringen, was du gesagt hast? denn dadurch würdest du mich glücklich machen." (29) "Ich glaube zuversichtlich, daß ich das tun kann", sagte Gawain, "laß uns unsere Rüstungen und Waffen auswechseln und dann warte. Ich werde zu Arcaden gehen und vorgeben, ich hätte dich getötet. Darüber wird sie erfreut sein, weil sie dich haßt." Pellias war bereit, alles zu tun, was Gawain vorschlug. Sie gelobten einander treue Freundschaft und verabredeten, daß Pellias Gawain in seinem Pavillon erwarten sollte, den er ihm zeigte. Gawain begab sich nach dem Schlosse, wo Arcade sich aufhielt. Er fand sie in einem Pavillon mit zwei Rittern, die ihr Gesellschaft leisteten. Sobald sie Gawain in der Rüstung des Pellias erblickte, rief sie erschreckt und entrüstet: "Entfernt diesen Teufel, diesen Treulosen, oder ich sterbe". Gawain erklärte nun, daß er ein fremder, fahrender Ritter wäre, der Pellias getötet hätte; auf Arcades Verlangen, nahm er seinen Helm ab. Als Arcade ihren Irrtum erkannte, war sie hocherfreut und wie umgewandelt. Sie bewillkommente Gawain und dankte ihm, für den großen Dienst den er ihr geleistet, und bat ihn, seine Waffen abzulegen und ihr Gast zu sein. Gawain erfüllte bereitwillig ihren Wunsch, und freute sich, (30) daß sein Plan so gelang, denn nun glaubte er sicher Pellias helfen zu können. Als Gawain seine Rüstung gegen ein kostbares Gewand vertauscht und neben Arcaden Platz genommen hatte, fragte ihn diese nach seinem Namen und seiner Herkunft, und war nicht wenig erfreut, als er ihr die Wahrheit sagte, denn als Königssohn schien er ihr noch begehrenswerter.
Ehe sie sich's versah, entbrannte die stolze Arcade von heißer Liebe zu ihrem Gast, der wohl bemerkte, wie es um seine schöne Wirtin stand, und um seines Gefährten Pellias willen hoch erfreut war. Arcade erkannte bald, daß Gawain nicht wagen würde, sie um ihre Liebe zu bitten, und beschloß ihm zu helfen. "Die Ritter deines Landes", sagte sie zu ihm, "können stolz sein, denn man hält sie nicht nur für die besten, sondern auch für die galantesten und lustigsten; aber sie haben noch einen andern Vorzug, den ich am meisten an ihnen schätze: sie lieben alle die Frauen". "Du hast recht", erwiderte Gawain, "denn wenige Ritter am Hofe meines Onkels haben keine Geliebte". "Dann hast du auch eine dort?" fragte Arcade. "Ich sagte nicht", erwiderte Gawain, "daß alle eine Geliebte hätten, sondern die meisten; ich selber bin noch so jung, erst vor kurzem Ritter geworden, ich habe noch keine Geliebte, aber ich kenne eine Jungfrau, die ich lieben würde, wenn es ihr gefiele." "Wer ist sie?" fragte Arcade, "du kannst nicht so unhöflich sein wollen, mir den Namen zu verheimlichen". Nach einigem Zögern, das Arcadens Spannung noch erhöhte, sagte Gawain, daß sie selber diese Jungfrau wäre. "Wie kannst du mich lieben", fragte Arcade unschuldig, "du hast mich ja nie vorher gesehen?" "Das weiß ich nicht", erklärte Gawain, "aber es ist so". "Dann muß auch ich dich lieben", fuhr Arcade fort, "denn ich wäre zu hochmütig, wenn ich einen Ritter, der so hübsch als Mann ist wie ich als Frau und der mir noch dazu an Geburt überlegen ist und sehr tapfer ist, zurückwiese. Ich gebe mich dir Leib und Seele auf ewig und verlange ein gleiches von dir." Gawain willfahrte ihr, denn auch ihn hatte, ehe er sich dessen bewußt wurde, die allmächtige Liebe ergriffen und besiegt. Er hatte das Pellias gegebene Versprechen, die ihm geschworene Treue vergessen, ja er haßte ihn wie einen Todfeind und der Gedanke, einem anderen, die zu überlassen, die er in den Armen hielt, schien ihm unerträglich.
So gewaltig ist die Macht der Liebe, sie beugt Männer und Frauen ihrem Willen! Gawain, der im Interesse seines Gefährten zu Arcaden gekommen war, liebte sie nun und dachte nur an sie. Beide waren glücklich und hatten keinen anderen Wunsch (32) als einander zu besitzen. Sie verabredeten sich zu sehen, wenn alle anderen zur Ruhe gegangen waren. Am andern Morgen erklärte Arcade ihren Rittern, daß sie Gawain liebte, und befahl ihnen, ihrem Herrn und Gebieter, ebenso treu und ergeben zu dienen wie ihr selber. Die Ritter billigten die Handlungsweise ihrer Herrin, denn Gawains Vorzüge erkannten alle.
Während Gawain bei Arcaden glücklich war, litt Pellias unsägliche Schmerzen; denn Gawain war nicht zurückgekehrt, und wie er glaubte, weil er nicht im Stande gewesen, Arcaden's Sinn zu ändern. (33) In seinem Schmerze verwünschte Pellias die Stunde seiner Geburt; er aß und trank nicht und konnte keine Ruhe finden. Als der Tag graute, erhob er sich von seinem Lager, rüstete sich, bestieg sein Pferd und ritt nach Arcadens Pavillon, um zu erfahren, was aus Gawain geworden war.
Am Ziel seines Rittes angelangt, beschloß er Arcaden aufzusuchen und sie auf den Knien zu bitten, Mitleid mit ihm zu haben. Er stieg ab, band sein Pferd an einen Baum und trat leise in den ersten Pavillon ein. Er fand daselbst zwei Ritter, die fest schliefen. In einem zweiten Pavillon fand er vier Damen, aber nicht diejenige, die er suchte. Im dritten fand er Gawain und Arcaden nebeneinander in tiefem Schlafe.
Sofort war ihm klar, daß Gawain ihn schändlich verraten hatte, Gawain, auf den er seine Hoffnung gesetzt, dem er als Freund getraut hatte. (34) Da regte sich mächtig der Wunsch in ihm, an dem Treulosen Rache zu nehmen, er zog sein Schwert, zückte es, um Gawain zu töten, doch er ließ es wieder sinken, denn der Gedanke, seinen Feind im Schlafe zu töten, widerstrebte seinem ehrlichen, ritterlichen Gemüt. Er kam zu der Überzeugung, daß er besser täte, Gawain an irgend einem Hofe des Verrats anzuklagen und ihn dann im offenen ehrlichen Kampfe zu töten, denn daß er ihn besiegen würde, daran zweifelte er nicht. So verließ er traurig den Pavillon. Als er ein Stück gegangen war, schien es ihm, daß er nicht richtig gehandelt hätte, weil er nicht ein Zeichen seiner Anwesenheit im Pavillon zurückgelassen hatte. Er kehrte wieder um, zog sein Schwert und legte es zwischen die beiden Schlafenden, ohne sie zu erwecken, und verließ den Pavillon. Als er draußen war, überwältigte ihn sein Schmerz. "Gawain", rief er aus, "wer hätte je gedacht, daß du, ein Königssohn, solches Verrates fähig wärest! Ich bin nur ein armer Ritter, der Sohn eines vavasour, aber ich habe mich nicht hinreißen lassen, dir zu vergelten, was du mir getan. Vielleicht wird mich Gott für meine Ehrlichkeit belohnen, wenn du den Tod erleidest für deine Treulosigkeit. Lieber will ich wegen meiner Ehrlichkeit sterben, als wegen meiner Treulosigkeit leben!"
So jammernd und klagend und Gawain tadelnd, ritt Pellias nach seinem Pavillon zurück; er legte seine Waffen ab und warf sich auf sein Bett. "O Gott", rief er aus, "warum ließest Du mich geboren werden, wenn ich mein Leben in solchem Schmerze beschließen muß? Aber ich danke Dir schlecht für das Gute, was Du mir getan hast, denn ich habe dem Teufel gedient und ihm meine Seele gegeben, die ich Dir schulde." Dann rief er zwei seiner Gefährten und sagte zu ihnen: "Ich werde bald sterben; ich bitte euch, mir eine Gunst zu erweisen, wenn ich tot bin." Als ihm beide das Versprechen gegeben hatten, sagte Pellias: "Wenn ich gestorben bin, nehmt mein Herz und tragt es in jener silbernen Schüssel, die sie mir selbst gegeben, zu Arcaden und saget ihr, daß ich noch sterbend Gott gebeten habe, sie glücklicher zu machen, als ich es gewesen bin. Und wenn ihr Gawain bei ihr findet, so saget ihm, daß ich seinen Verrat gekannt habe." Dann erzählte ihnen Pellias, was er gesehen und getan hatte. Als sie ihn verlassen hatten, gab er sich von neuem seinem Schmerze hin. __Die Erzählung kehrt nun zu Gawain zurück.__