Herr Meister: Syrakus war eine Republik, aber Dionys hatte sich zum König gemacht; darum wollte Damon ihn töten und ging mit einem Dolche in den Palast des Königs. Aber des Königs Männer sahen ihn und brachten ihn gebunden (binden, gebunden) vor den König. Der König sprach: »Du mußt sterben.« »So will ich sterben,« sagte Damon. »Ich mag nicht leben unter einem König, ich mag nicht leben in einer Monarchie. Frei will ich leben und frei sterben. Doch, — ich bitte dich, o König, gieb mir nur drei Tage Zeit zum Leben, daß ich erst für meine Schwester sorgen und ihr einen Gatten (= Mann) geben kann. Ich komme wieder nach drei Tagen. Mein Freund wird dir so lange bleiben.« Der König aber dachte eine Weile, lächelte und sprach: »Drei Tage will ich dir Freiheit geben und Leben, so du den Freund mir bringst. Doch kommst du nicht wieder zur Zeit, dann muß der Freund für dich sterben, — du aber gehst frei.«

Damon kam zum Freunde und sagte ihm alles und fragte ihn dann: »Willst du, o Freund, für mich zum König gehen und bleiben bis ich wieder komme?« Und der Freund sprach kein Wort, umarmte ihn und ging zum Könige. Damon aber ging zur Schwester und sorgte für sie.

Und am dritten Morgen, früh, ging Damon vom Hause der Schwester auf den Weg nach Syrakus. Aber es hatte lange geregnet (es regnet, es regnete, es hat geregnet), und es regnete noch immer, und der Regen wurde stärker und stärker (stark, stärker). So kam Damon an den Strom, aber das Wasser war wild und stark und hatte die Brücke hinweggerissen, und da war auch kein Schiffer, und da war kein Boot, ihn über das Wasser zu bringen. Und auf und ab ging er am Ufer und rief laut nach einem Schiffer. Aber kein Schiffer kam. Da sank (ich sinke, ich sank, ich bin gesunken) er auf die Kniee und rief zu seinem Gott: »O, sende mir Hilfe, sende mir Hilfe, mein Gott! Es ist ja schon Mittag, und wenn die Sonne niedergeht und ich bin nicht in der Stadt, so muß der teure, teure Freund für mich sterben.« Aber Hilfe kam nicht, der Strom ward wilder. Damon denkt an den Freund und springt in den Strom und schwimmt und kommt an das andere Ufer und eilt weiter und dankt Gott und kommt in einen dunklen Wald. Da kamen Räuber auf ihn zu. Er aber tötet (Tod, tötet) drei von ihnen mit einem Schlage. Das sehen die anderen, fürchten sich und rennen fort.

Damon aber kann nicht mehr stehen, er sinkt zur Erde vor Durst, denn die Sonne schien (scheinen, schien) heiß. Und wieder betete er zu Gott: »O, Gott! Du hast mich gerettet aus den Händen der Räuber, du hast mich gerettet aus dem wilden Strome! Soll ich hier nun sterben vor Durst?« Aber da hörte er nahe bei sich Wasser rinnen aus einer Quelle. Er trinkt, er wird frisch und eilt weiter.

Nun ist es spät am Tage. Zwei Männer sieht er. Die kommen von Syrakus, und er hörte sie sagen: »Jetzt schlagen sie ihn ans Kreuz.« Sie sprachen von seinem Freunde, und er eilte noch mehr, — weiter, weiter. Es ist Abend, und da ist er vor der Stadt. Da kommt sein Diener und ruft: »Zurück, Herr! du kommst zu spät. Soeben (= in dieser Minute) töten sie deinen Freund. Der König hatte den Freund verlacht, aber der Freund wußte, du würdest kommen.« Da rief Damon: »Und ist es zu spät, und kann ich den Freund nicht mehr retten, so will ich mit ihm sterben!«

So ruft er und eilt in die Stadt. Da will man eben den Freund ans Kreuz schlagen. Damon aber ruft: »Haltet! Haltet! Hier bin ich; ich, Damon, bin hier. Hier bin ich!«

Die beiden Freunde umarmen sich und weinen vor Freude und vor Schmerzen (= Leid); und die Tausende von Menschen, sie alle, die da stehen, sie weinen. Und der König hört das Wunderbare, und man führt (= bringt) die beiden Freunde vor ihn. Er sieht (ich sehe, er sieht) sie lange, lange an. Dann sagt er: »Ich sehe, — ja, ich sehe — es giebt (= es sind) Freunde in der Welt. Ich bitte euch, nehmet auch mich zu eurem Freunde!«

Louis: Ist das das Ende?

Bella: Herr Meister, das ist sehr, sehr schön.

Anna: Ja, das ist schön.

Louis: Damon war ein guter Mensch.

Otto: Und sein Freund auch.

Herr Meister: Ich freue mich, daß Ihnen »die Bürgschaft« gefällt. Sie werden noch viel, viel schönes in Ihren Büchern finden. Lesen Sie, meine Freunde, lesen Sie! So, nun muß ich Ihnen auf lange Zeit Adieu sagen. Leben Sie wohl, meine Freunde!

Otto: Leben Sie wohl, Herr Meister!

Louis: Leben Sie wohl!

Anna: Adieu, Herr Meister!

Bella: Reisen Sie mit Gott!





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Gedichte.






Gefunden.

Ich ging im Walde
So für mich hin,
Und nichts zu suchen,
Das war mein Sinn.

Im Schatten sah ich
Ein Blümchen stehn,
Wie Sterne leuchtend,
Wie Äuglein schön.

Ich wollt' es brechen,
Da sagt' es fein:
Soll ich zum Welken
Gebrochen sein?

Ich grub's mit allen
Den Würzlein aus,
Zum Garten trug ich's
Am hübschen Haus.

Und pflanzt' es wieder
Am stillen Ort;
Nun zweigt es immer
Und blüht so fort.

Goethe.

Leise zieht durch mein Gemüt.

Leise zieht durch mein Gemüt
Liebliches Geläute,
Klinge, kleines Frühlingslied,
Kling' hinaus ins Weite.

Kling' hinaus bis an das Haus,
Wo die Blumen sprießen.
Wenn du eine Rose schaust,
Sag' ich lass' sie grüßen.

Heine.

Des Knaben Berglied.

Ich bin vom Berg der Hirtenknab'
Seh' auf die Schlösser all herab;
Die Sonne strahlt am ersten hier,
Am längsten weilet sie bei mir;
Ich bin der Knab' vom Berge!

Hier ist des Stromes Mutterhaus,
Ich trink' ihn frisch vom Stein heraus;
Er braust vom Fels im wilden Lauf,
Ich fang ihn mit den Armen auf;
Ich bin der Knab' vom Berge!

Der Berg, der ist mein Eigentum
Da ziehn die Stürme rings herum;
Und heulen sie von Nord und Süd,
So überschallt sie doch mein Lied:
Ich bin der Knab' vom Berge!

Und wann die Sturmglock' einst erschallt,
Manch Feuer auf den Bergen wallt,
Dann steig' ich nieder, tret' ins Glied
Und schwing' mein Schwert und sing' mein Lied:
Ich bin der Knab' vom Berge!

Uhland.

Der gute Kamerad.

Ich hatt' einen Kameraden,
Einen bessern findst du nit.
Die Trommel schlug zum Streite,
Er ging an meiner Seite,
In gleichem Schritt und Tritt.

Eine Kugel kam geflogen:
Gilt's mir oder gilt es dir?
Ihn hat es weggerissen;
Er liegt mir zu den Füßen,
Als wär's ein Stück von mir.

Will mir die Hand noch reichen,
Derweil ich eben lad';
»Kann dir die Hand nicht geben,
Bleib' du im ew'gen Leben,
Mein guter Kamerad!«

Uhland.

Schäfers Sonntagslied.

Das ist der Tag des Herrn.
Ich bin allein auf weiter Flur;
Noch eine Morgenglocke nur:
Nun Stille nah und fern.

Anbetend knie' ich hier.
O süßes Graun, geheimes Wehn!
Als knieten viele ungesehn
Und beteten mit mir.

Der Himmel nah und fern,
Er ist so klar und feierlich,
So ganz, als wollt' er öffnen sich.
Das ist der Tag des Herrn.

Uhland.

Zur Nacht.

Gute Nacht!
Allen Müden sei's gebracht.
Neigt der Tag sich still zu Ende,
Ruhen alle fleiß'gen Hände,
Bis der Morgen nun erwacht.
Gute Nacht!

Geht zur Ruh,
Schließt die müden Augen zu!
Stiller wird es auf den Straßen,
Und den Wächter hört man blaßen;
Und die Nacht ruft allen zu:
Geht zur Ruh!

Schlummert süß,
Träumt euch euer Paradies!
Wenn die Liebe raubt den Frieden,
Sei ein schöner Traum beschieden,
Als ob Liebchen ihn begrüß'.
Schlummert süß!

Gute Nacht!
Schlummert, bis der Tag erwacht,
Schlummert, bis der neue Morgen
Kommt mit seinen neuen Sorgen,
Ohne Furcht, der Vater wacht.
Gute Nacht!

Theodor Körner.

Wanderschaft.

Das Wandern ist des Müllers Lust,
Das Wandern!
Das muß ein schlechter Müller sein,
Dem niemals fiel das Wandern ein,
Das Wandern.

Vom Wasser haben wir's gelernt,
Vom Wasser!
Das hat nicht Rast bei Tag und Nacht,
Ist stets auf Wanderschaft bedacht,
Das Wasser.

Das sehn wir auch den Rädern ab,
Den Rädern!
Die gar nicht gerne stille stehn,
Die sich mein Tag nicht müde drehn,
Die Räder.

Die Steine selbst, so schwer sie sind,
Die Steine!
Sie tanzen mit den muntern Reihn
Und wollen gar noch schneller sein,
Die Steine.

O Wandern, Wandern, meine Lust!
O Wandern!
Herr Meister und Frau Meisterin,
Laß mich im Frieden weiter ziehn
Und wandern.

Wilhelm Müller[G-1].

Der Hirtenknabe.

König ist der Hirtenknabe,
Grüner Hügel ist sein Thron;
Über seinem Haupt die Sonne
Ist die große goldne Kron'.

Ihm zu Füßen liegen Schafe,
Weiche Schmeichler, rotbekreuzt;
Kavaliere sind die Kälber,
Und sie wandern stolzgespreizt.

Hofschauspieler sind die Böcklein;
Und die Vögel und die Küh',
Mit den Flöten, mit den Glöcklein,
Sind die Kammermusici.

Und das klingt und singt so lieblich,
Und so lieblich rauschen drein
Wasserfall und Tannenbäume,
Und der König schlummert ein.

Unterdessen muß regieren
Der Minister, jener Hund,
Dessen knurriges Gebelle
Wiederhallet in der Rund'.

Schläfrig lallt der junge König:
Das Regieren ist so schwer;
Ach, ich wollt', daß ich zu Hause
Schon bei meiner Kön'gin wär'!

In den Armen meiner Kön'gin
Ruht mein Königshaupt so weich,
Und in ihren schönen Augen
Liegt mein unermeßlich Reich!

Heine.

Siegfrieds Schwert.

Jung Siegfried war ein stolzer Knab',
Ging von des Vaters Burg herab.

Wollt' rasten nicht in Vaters Haus,
Wollt' wandern in die Welt hinaus.

Begegnet' ihm manch Ritter wert
Mit festem Schild und breitem Schwert.

Siegfried nur einen Stecken trug,
Das war ihm bitter und leid genug.

Und als er ging im finstern Wald,
Kam er zu einer Schmiede bald.

Da sah er Eisen und Stahl genug,
Ein lustig Feuer Flammen schlug.

»O Meister, liebster Meister mein,
Laß' du mich deinen Gesellen sein,

Und lehr' du mich mit Fleiß und Acht,
Wie man die guten Schwerter macht!«

Siegfried den Hammer wohl schwingen könnt',
Er schlug den Amboß in den Grund.

Er schlug, daß weit der Wald erklang,
Und alles Eisen in Stücke sprang.

Und von der letzten Eisenstang'
Macht er ein Schwert so breit und lang:

»Nun hab' ich geschmiedet ein gutes Schwert,
Nun bin ich wie andre Ritter wert.

Nun schlag' ich, wie ein andrer Held,
Die Riesen und Drachen in Wald und Feld.«

Uhland.

Barbarossa.

Der alte Barbarossa,
Der Kaiser Friederich,
Im unterird'schen Schlosse
Hält er verzaubert sich.

Er ist niemals gestorben,
Er lebt darin noch jetzt;
Er hat, im Schloß verborgen,
Zum Schlaf sich hingesetzt.

Er hat hinabgenommen
Des Reiches Herrlichkeit
Und wird einst wiederkommen
Mit ihr zu seiner Zeit.

Der Stuhl ist elfenbeinern,
Darauf der Kaiser sitzt;
Der Tisch ist marmorsteinern,
Worauf sein Haupt er stützt.

Sein Bart ist nicht von Flachse,
Er ist von Feuersglut,
Ist durch den Tisch gewachsen,
Worauf sein Kinn ausruht.

Er nickt als wie im Traume,
Sein Aug' halb offen zwinkt;
Und je nach langem Raume
Er einem Knaben winkt.
[G-2]

Er spricht im Schlaf zum Knaben:
Geh' hin vors Schloß, o Zwerg,
Und sieh, ob noch die Raben
Herfliegen um den Berg.

Und wenn die alten Raben
Noch fliegen immerdar,
So muß ich auch noch schlafen
Bezaubert hundert Jahr'.

Rückert.

Lied des Fischerknaben.

Es lächelt der See, er ladet zum Bade,
Der Knabe schlief ein am grünen Gestade.
Da hört er ein Klingen,
Wie Flöten so süß,
Wie Stimmen der Engel
Im Paradies.

Und wie er erwachet in seliger Lust,
Da spülen die Wasser ihm um die Brust,
Und es ruft aus den Tiefen:
Lieb Knabe, bist mein!
Ich locke den Schläfer,
Ich zieh' ihn herein.

Aus Schillers Wilhelm Tell.

Der Fischer.

Das Wasser rauscht', das Wasser schwoll,
Ein Fischer saß daran,
Sah nach dem Angel ruhevoll,
Kühl bis ans Herz hinan.
Und wie er sitzt und wie er lauscht,
Teilt sich die Flut empor;
Aus dem bewegten Wasser rauscht
Ein feuchtes Weib hervor.

Sie sang zu ihm, sie sprach zu ihm:
»Was lockst du meine Brut
Mit Menschenwitz und Menschenlist
Hinauf in Todesglut?
Ach, wüßtest du, wie's Fischlein ist
So wohlig auf dem Grund,
Du stiegst herunter, wie du bist
Und würdest erst gesund.

»Labt sich die liebe Sonne nicht,
Der Mond sich nicht im Meer?
Kehrt wellenatmend ihr Gesicht
Nicht doppelt schöner her?
Lockt dich der tiefe Himmel nicht,
Das feuchtverklärte Blau?
Lockt dich dein eigen Angesicht
Nicht her in ew'gen Tau?«

Das Wasser rauscht', das Wasser schwoll,
Netzt' ihm den nackten Fuß;
Sein Herz wuchs ihm so sehnsuchtsvoll,
Wie bei der Liebsten Gruß.
Sie sprach zu ihm, sie sang zu ihm;
Da war's um ihn geschehn:
Halb zog sie ihn, halb sank er hin,
Und ward nicht mehr gesehn.

Goethe.

Erlkönig.

Wer reitet so spät durch Nacht und Wind?
Es ist der Vater mit seinem Kind;
Er hat den Knaben wohl in dem Arm,
Er faßt ihn sicher, er hält ihn warm.

Mein Sohn, was birgst du so bang dein Gesicht? —
Siehst, Vater, du den Erlkönig nicht?
Den Erlenkönig mit Kron' und Schweif?
Mein Sohn, es ist ein Nebelstreif. —

»Du liebes Kind, komm, geh' mit mir!
Gar schöne Spiele spiel' ich mit dir;
Manch bunte Blumen sind an dem Strand;
Meine Mutter hat manch gülden Gewand.«

Mein Vater, mein Vater, und hörest du nicht,
Was Erlenkönig mir leise verspricht? —
Sei ruhig, bleibe ruhig, mein Kind;
In dürren Blättern säuselt der Wind. —

»Willst, feiner Knabe, du mit mir gehn?
Meine Töchter sollen dich warten schön;
Meine Töchter führen den nächtlichen Reihn,
Und wiegen und tanzen und singen dich ein.«

Mein Vater, mein Vater, und siehst du nicht dort
Erlkönigs Töchter am düstern Ort? —
Mein Sohn, mein Sohn, ich seh' es genau;
Es scheinen die alten Weiden so grau. —

»Ich liebe dich, mich reizt deine schöne Gestalt;
Und bist du nicht willig, so brauch' ich Gewalt.«
Mein Vater, mein Vater, jetzt faßt er mich an!
Erlkönig hat mir ein Leids gethan. —

Dem Vater grauset's, er reitet geschwind,
Er hält in Armen das ächzende Kind,
Erreicht den Hof mit Müh und Not,
In seinen Armen das Kind war tot.

Goethe.

Das Mädchen aus der Fremde.

In einem Thal bei armen Hirten
Erschien mit jedem jungen Jahr,
Sobald die ersten Lerchen schwirrten
Ein Mädchen, schön und wunderbar.

Sie war nicht in dem Thal geboren,
Man wußte nicht, woher sie kam,
Und schnell war ihre Spur verloren,
Sobald das Mädchen Abschied nahm.

Beseligend war ihre Nähe,
Und alle Herzen wurden weit;
Doch eine Würde, eine Höhe
Entfernte die Vertraulichkeit.

Sie brachte Blumen mit und Früchte,
Gereift auf einer andern Flur,
In einem andern Sonnenlichte,
In einer glücklichern Natur.

Und teilte jedem eine Gabe,
Dem Früchte, jenem Blumen aus;
Der Jüngling und der Greis am Stabe,
Ein jeder ging beschenkt nach Haus.

Willkommen waren alle Gäste;
Doch nahte sich ein liebend Paar,
Dem reichte sie der Gaben beste,
Der Blumen allerschönste dar.

Schiller.

Der Glücksvogel.

Es fliegt ein Vogel in dem Hain,
Und singt und lockt: Man soll' ihn fangen.
Es fliegt ein Vogel in dem Hain,
Aus dem Hain in den Wald, in die Welt hinein,
In die Welt und über die See.
Und könnte wer den Vogel fangen,
Der würde frei von aller Pein,
Von aller Pein und Weh!

Es fliegt der Vogel in dem Hain,
»O, könnt' ich mir den Vogel fangen!«
Es fliegt der Vogel in dem Hain,
Aus dem Hain in den Wald, in die Welt hinein,
In die Welt und über die See.
»O, könnt' ich mir den Vogel fangen,
So würd' ich frei von aller Pein,
Von aller Pein und Weh!«

Der Knabe lief wohl in den Hain,
»Ich will den schönen Vogel fangen.«
Der Vogel flog wohl aus dem Hain,
Aus dem Hain in den Wald, in die Welt hinein,
In die Welt und über die See.
Und hat der Knab' ihn erst gefangen,
So wird er frei von aller Pein,
Von aller Pein und Weh!

Adelbert von Chamisso.

Warnung vor dem Rhein.

An den Rhein, an den Rhein, zieh' nicht an den Rhein,
Mein Sohn, ich rate dir gut!
Da geht dir das Leben zu lieblich ein,
Da blüht dir zu freudig der Mut.

Siehst die Mädchen so frank und die Männer so frei,
Als wär' es ein adlig Geschlecht:
Gleich bist du mit glühender Seele dabei,
So dünkt es dich billig und recht.

Und zu Schiffe, wie grüßen die Burgen so schön,
Und die Stadt mit dem ewigen Dom!
In den Bergen, wie klimmst du zu schwindelnder Höhe
Und blickst hinab in den Strom!

Und im Strome, da tauchet die Nix' aus dem Grund,
Und hast du ihr Lächeln gesehn,
Und grüßt dich die Lurlei mit bleichem Mund,
Mein Sohn, so ist es geschehn.

Dich bezaubert der Laut, dich bethört der Schein,
Entzücken faßt dich und Graun:
Nun singst du immer: Am Rhein, am Rhein,
Und kehrst nicht wieder nach Haus.

Karl Simrock.

Alt Heidelberg, du feine.

Alt Heidelberg, du feine,
Du Stadt an Ehren reich,
Am Neckar und am Rheine
Kein' andre kommt dir gleich.

Stadt fröhlicher Gesellen,
An Weisheit schwer und Wein,
Klar ziehn des Stromes Wellen,
Blauäuglein blicken drein.

Und kommt aus lindem Süden
Der Frühling übers Land,
So webt er dir aus Blüten
Ein schimmernd Brautgewand.

Auch mir stehst du geschrieben
Ins Herz, gleich einer Braut,
Es klingt wie junges Lieben
Dein Name mir so traut.

Und stechen mich die Dornen,
Und wird mir's drauß zu kahl,
Geb' ich dem Roß die Spornen
Und reit' ins Neckarthal.

Jos. Victor Scheffel.



Tables of Grammar.

Die einzelnen Paragraphen enthalten das in den Unterrichtsstunden gewonnene Resultat und müssen Eigenthum des Schülers werden. — Es soll aber ihr Inhalt, so wie überhaupt jede sprachliche Form, aus dem lebendigen Organismus der Sprache heraus entwickelt und nicht gegeben werden.

Was im Rechnen das Einmaleins ist, das sind in der Sprache die einzelnen Formen derselben; sie müssen dem Schüler ebenso geläufig sein wie jenes: daher nach der Erkenntniß vielfache Uebung(Aus der Vorrede zu Bohm und Steinert's Sprachlehre[Gk-1].)








A-Z







Kurrentschrift Beispiele[Gk-2]


Stein Buch Hand
| | |
r s e
der Stein das Buch die Hand
dieser Stein dieses Buch diese Hand
jener Stein jenes Buch jene Hand
welcher Stein welches Buch welche Hand

der Stein, der so schön ist, ist klein
der Stein, welcher so schön ist, ist klein
das Buch, das so schön ist, ist klein
das Buch, welches so schön ist, ist klein
die Hand, die so schön ist, ist klein
die Hand, welche so schön ist, ist klein



  ein Stein   ein Buch eine Hand
  kein Stein   kein Buch keine Hand
  mein Stein   mein Buch meine Hand
{ Dein Stein { Dein Buch { Deine Hand
Ihr Stein Ihr Buch Ihre Hand
[ sein Stein [ sein Buch [ seine Hand
ihr Stein ihr Buch ihre Hand
  unser Stein   unser Buch   unsere Hand
{ Euer Stein { Euer Buch { Eure Hand
Ihr Stein Ihr Buch Ihre Hand
  ihr Stein   ihr Buch   ihre Hand



der Stein ist klein — das Buch ist klein — die Hand ist klein

der Stein ist schön — das Buch ist schön — die Hand ist schön

der Stein ist klein, schön, grün und rund — das Buch ist klein, fein und gut — die Hand ist klein, fein und schön

der kleine Stein ist schön — das kleine Buch ist schön — die kleine Hand ist schön

der schöne Stein ist klein — das schöne Buch ist klein — die schöne Hand ist klein

der kleine, grüne, runde, schöne Stein ist hier — das kleine, feine, gute Buch ist hier — die kleine, schöne, feine Hand ist reizend

ein Stein ist klein — ein Buch ist klein — eine Hand ist klein

ein Stein ist schön — ein Buch ist schön — eine Hand ist schön

ein Stein ist klein, schön, grün und rund — ein Buch ist klein, fein und gut — eine Hand ist klein, fein und schön

ein kleiner Stein ist schön — ein kleines Buch ist schön — eine kleine Hand ist schön — ein schöner Stein ist klein — ein schönes Buch ist klein — eine schöne Hand ist klein [Gk-3]

ein kleiner, grüner, runder, schöner Stein ist hier — ein kleines, feines, gutes Buch ist hier — eine kleine, schöne, feine Hand ist reizend

die Hand — der Hand — der Hand — die Hand — die Hände  — der Hände — den Händen — die Hände

diese Hand — dieser Hand — dieser Hand — diese Hand — diese Hände — dieser Hände — diesen Händen — diese Hände

jene Hand — jener Hand — jener Hand — jene Hand — jene Hände — jener Hände — jenen Händen — jene Hände

welche Hand — welcher Hand — welcher Hand — welche Hand  — welche Hände — welcher Hände — welchen Händen — welche Hände

das Buch — des Buches — dem Buche — das Buch — die Bücher — der Bücher — den Büchern — die Bücher

dieses Buch — dieses Buches — diesem Buche — dieses Buch  — diese Bücher — dieser Bücher — diesen Büchern — diese Bücher

jenes Buch — jenes Buches — jenem Buche — jenes Buch — jene Bücher — jener Bücher — jenen Büchern — jene Bücher

welches Buch — ...... — welchem Buche — welches Buch — welche Bücher — welcher Bücher — welchen Büchern — welche Bücher

der Stein — des Steines — dem Steine — den Stein — die Steine — der Steine — den Steinen — die Steine

dieser Stein — dieses Steines — diesem Steine — diesen Stein  — diese Steine — dieser Steine — diesen Steinen — diese Steine

jener Stein — jenes Steines — jenem Steine — jenen Stein  — jene Steine — jener Steine — jenen Steinen — jene Steine

welcher Stein — ...... — welchem Steine — welchen Stein — welche Steine — welcher Steine — welchen Steinen — welche[Gk-4] Steine

eine Hand — einer Hand — einer Hand — eine Hand

keine Hand — keiner Hand — keiner Hand — keine Hand — keine Hände — keiner Hände — keinen Händen — keine Hände

meine Hand — meiner Hand — meiner Hand — meine Hand  — meine Hände — meiner Hände — meinen Händen — meine Hände

Deine Hand — Deiner Hand — Deiner Hand — Deine Hand  — Deine Hände — Deiner Hände — Deinen Händen — Deine Hände

Ihre Hand — Ihrer Hand — Ihrer Hand — Ihre Hand — Ihre Hände — Ihrer Hände — Ihren Händen — Ihre Hände

seine Hand — seiner Hand — seiner Hand — seine Hand — seine Hände — seiner Hände — seinen Händen — seine Hände

ihre Hand — ihrer Hand — ihrer Hand — ihre Hand — ihre Hände — ihrer Hände — ihren Händen — ihre Hände

unsre Hand — unsrer Hand — unsrer Hand — unsre Hand — unsre Hände — unsrer Hände — unsren Händen — unsre Hände

Eure Hand — Eurer Hand — Eurer Hand — Eure Hand — Eure Hände — Eurer Hände — Euren Händen — Eure Hände

Ihre Hand — Ihrer Hand — Ihrer Hand — Ihre Hand — Ihre Hände — Ihrer Hände — Ihren Händen — Ihre Hände

ihre Hand — ihrer Hand — ihrer Hand — ihre Hand — ihre Hände — ihrer Hände — ihren Händen — ihre Hände[Gk-5]

ein Buch — eines Buches — einem Buche — ein Buch

kein Buch — keines Buches — keinem Buche — kein Buch  — keine Bücher — keiner Bücher — keinen Büchern — keine Bücher

mein Buch — meines Buches — meinem Buche — mein Buch — meine Bücher — meiner Bücher — meinen Büchern — meine Bücher

Dein Buch — Deines Buches — Deinem Buche — Dein Buch — Deine Bücher — Deiner Bücher — Deinen Büchern — Deine Bücher

Ihr Buch — Ihres Buches — Ihrem Buche — Ihr Buch  — Ihre Bücher — Ihrer Bücher — Ihren Büchern — Ihre Bücher

sein Buch — seines Buches — seinem Buche — sein Buch  — seine Bücher — seiner Bücher — seinen Büchern — seine Bücher

ihr Buch — ihres Buches — ihrem Buche — ihr Buch — ihre Bücher — ihrer Bücher — ihren Büchern — ihre Bücher

unser Buch — unsres Buches — unsrem Buche — unser Buch — unsre Bücher — unsrer Bücher — unsren Büchern unsre Bücher

Euer Buch — Eures Buches — Eurem Buche — Euer Buch  — Euere Bücher — Eurer Bücher — Eueren Büchern — Euere Bücher

Ihr Buch — Ihres Buches — Ihrem Buche — Ihr Buch  — Ihre Bücher — Ihrer Bücher — Ihren Büchern — Ihre Bücher

ihr Buch — ihres Buches — ihrem Buche — ihr Buch — ihre Bücher — ihrer Bücher — ihren Büchern — ihre Bücher



   

ein Stein — eines Steines — einem Steine — einen Stein

   

mein Stein — meines Steines — meinem Steine — meinen Stein — meine Steine — meiner Steine — meinen Steinen  — meine Steine

{  

Dein Stein — Deines Steines — Deinem Steine — Deinen Stein — Deine Steine — Deiner Steine — Deinen Steinen — Deine Steine

 
 
 

Ihr Stein — Ihres Steines — Ihrem Steine — Ihren Stein  — Ihre Steine — Ihrer Steine — Ihren Steinen — Ihre Steine

 
 
   

sein Stein — seines Steines — seinem Steine — seinen Stein  — seine Steine — seiner Steine — seinen Steinen — seine Steine

   

ihr Stein — ihres Steines — ihrem Steine — ihren Stein — ihre Steine — ihrer Steine — ihren Steinen — ihre Steine

   

unser Stein — unsers Steines — unserm Steine — unsern Stein — unsre Steine — unsrer Steine — unsren Steinen  — unsre Steine

[  

Euer Stein — Eures Steines — Eurem Steine — Euren Stein — Eure Steine — Eurer Steine — Euren Steinen  — Eure Steine

 
 
 

Ihr Stein — Ihres Steines — Ihrem Steine — Ihren Stein — Ihre Steine — Ihrer Steine — Ihren Steinen  — Ihre Steine

 
 
   

ihr Stein — ihres Steines — ihrem Steine — ihren Stein — ihre Steine — ihrer Steine — ihren Steinen — ihre Steine



klein — der Kleine — die Kleine — das Kleine
gut — der Gute — die Gute — das Gute
schön — der Schöne — die Schöne — das Schöne

das Schöne — des Schönen — dem Schönen — das Schöne

die Schöne — der Schönen — der Schönen — die Schöne — die Schönen — der Schönen — den Schönen — die Schönen

der Schöne — des Schönen — dem Schönen — den Schönen — die Schönen — der Schönen — den Schönen — die Schönen



Der Herr — der Mensch — der Gatte — der Knabe — der Neffe — der Bauer — der Soldat — der Poet — der Bediente — der Franzose — der Russe — der Preuße — der Türke — der Student — der Philosoph — der Präsident — der Graf — der Fürst — der Bote — der Tyrann — der Narr — der Elephant — der Löwe — der Bär — der Hase

der Herr — des Herrn — dem Herrn — den Herrn — die Herren — der Herren — den Herren — die Herren

der Löwe — des Löwen — dem Löwen — den Löwen — die Löwen — der Löwen — den Löwen — die Löwen

der schöne Herr — des schönen Herrn — dem schönen Herrn — den schönen Herrn — die schönen Herren — der schönen Herren — den schönen Herren — die schönen Herren

der kleine Stein — des kleinen Steines[Gk-6] — dem kleinen Steine — den kleinen Stein — die kleinen Steine — der kleinen Steine — den kleinen Steinen — die kleinen Steine

der kleine, grüne, feine Stein — des kleinen, grünen, feinen Steines  — dem kleinen, grünen, feinen Steine — den kleinen, grünen, feinen Stein

die kleinen, grünen, feinen Steine — der kleinen, grünen, feinen Steine — den kleinen, grünen, feinen Steinen — die kleinen, grünen, feinen Steine

das kleine Buch — des kleinen Buches — dem kleinen Buche — das kleine Buch

die kleinen Bücher — der kleinen Bücher — den kleinen Büchern  — die kleinen Bücher

das schöne, kleine, feine Buch — des schönen, kleinen, feinen Buches  — dem schönen, kleinen, feinen Buche — das schöne, kleine, feine Buch

die schönen, kleinen, feinen Bücher — der schönen, kleinen, feinen Bücher — den schönen, kleinen, feinen Büchern — die schönen, kleinen, feinen Bücher

die kleine Hand — der kleinen Hand — der kleinen Hand — die kleine Hand

die kleinen Hände — der kleinen Hände — den kleinen Händen — die kleinen Hände

die kleine, schöne, feine Hand — der kleinen, schönen, feinen Hand — der kleinen, schönen, feinen Hand — die kleine, schöne, feine Hand

die kleinen, schönen, feinen Hände — der kleinen, schönen, feinen Hände — den kleinen, schönen, feinen Händen — die kleinen, schönen, feinen Hände

ein kleiner Stein — eines kleinen Steines — einem kleinen Steine  — einen kleinen Stein

mein kleiner Stein — meines kleinen Steines — meinem kleinen Steine — meinen kleinen Stein

meine kleinen Steine — meiner kleinen Steine — meinen kleinen Steinen — meine kleinen Steine

ein kleiner, grüner, feiner Stein — eines kleinen, grünen, feinen Steines — einem kleinen, grünen, feinen Steine — einen kleinen, grünen, feinen Stein

mein kleiner, grüner, feiner Stein — meines kleinen, grünen, feinen Steines — meinem kleinen, grünen, feinen Steine — meinen kleinen, grünen, feinen Stein

meine kleinen, grünen, feinen Steine — meiner kleinen, grünen, feinen Steine — meinen kleinen, grünen, feinen Steinen — meine kleinen, grünen, feinen Steine

ein kleines Buch — eines kleinen Buches — einem kleinen Buche ein kleines Buch

mein kleines Buch — meines kleinen Buches — meinem kleinen Buche — mein kleines Buch

meine kleinen Bücher — meiner kleinen Bücher — meinen kleinen Büchern — meine kleinen Bücher

ein schönes, kleines, feines Buch — eines schönen, kleinen, feinen Buches — einem schönen, kleinen, feinen Buche — ein schönes, kleines, feines Buch

mein schönes, kleines, feines Buch — meines schönen, kleinen, feinen Buches — meinem schönen, kleinen, feinen Buche — mein schönes, kleines, feines Buch

meine schönen, kleinen, feinen Bücher — meiner schönen, kleinen, feinen Bücher — meinen schönen, kleinen, feinen Büchern — meine schönen, kleinen, feinen Bücher

eine kleine Hand — einer kleinen Hand — einer kleinen Hand — eine kleine Hand

meine kleine Hand — meiner kleinen Hand — meiner kleinen Hand  — meine kleine Hand

meine kleinen Hände — meiner kleinen Hände — meinen kleinen Händen — meine kleinen Hände

meine kleine, schöne, feine Hand — meiner kleinen, schönen, feinen Hand — meiner kleinen, schönen, feinen Hand — meine kleine, schöne, feine Hand

meine kleinen, schönen, feinen Hände — meiner kleinen, schönen, feinen Hände — meinen kleinen, schönen, feinen Händen — meine kleinen, schönen, feinen Hände

kleiner Stein — »kleinen Steines« und »kleines Steines« — kleinem Steine — kleinen Stein

kleine Steine — kleiner Steine — kleinen Steinen — kleine Steine

kleines Buch — »kleinen Buches« und »kleines Buches« — kleinem Buche — kleines Buch

kleine Bücher — kleiner Bücher — kleinen Büchern — kleine Bücher

kleine Hand — kleiner Hand — kleiner Hand — kleine Hand kleine Hände — kleiner Hände — kleinen Händen [Gk-7] kleine Hände