Der Benedict hat dem Himmel den Scheidebrief des Glückes geschrieben, als er die Thüre der Strafanstalt zum erstenmal hinter sich schließen hörte; er war ein lebenslänglich Verurtheilter, alles Fühlen, Denken, Wollen und Streben seiner Person sollte fortan für die Welt verloren sein, blos sein Leichnam dereinst noch einmal dieselbe Straße wandern, durch welche er gerade gekommen.
Er hegte nur Einen Wunsch: Ruhe und forderte diese Ruhe vom Tode, glaubte auch, derselbe werde sie ihm gewähren.
Die Jahre hatten ihn gegen die Leiden der Gefangenschaft und gegen das Leben überhaupt abgestumpft, er glaubte dem Tode um einen starken Schritt näher zu kommen, wenn er in die Zelle versetzt würde und—hatte sich getäuscht.
Im Gegentheil lebte der Mensch von ehemals in ihm wieder auf, das versteinert geglaubte Herz begann von Neuem zu hämmern und zu pochen, das Kind und der Jüngling, der verirrte Halbmann und der elende Sträfling hielten aufregende Gespräche in ihm, durch die Freuden- und Sturmglocken der Erinnerung tönten leise zuweilen andere, fremdgewordene Glockentöne und die Möglichkeiten, welche hätten eintreffen können, wenn er diese oder jene Handlung vollbracht oder unterlassen hätte, bot allgemach dem Duckmäuser Stoff zu langen, schwermüthigen Betrachtungen.
Er hatte geglaubt, von Gott gänzlich verlassen und verstoßen zu sein und vom Tode doch jedenfalls Ruhe fordern zu dürfen, eher als viele minder schwer Verurtheilte.
Weßhalb?
Ei, er war freilich als Vatermörder verurtheilt und menschliche Richter waren nicht im Stande, ihn milder zu verurtheilen, als sie dies gethan hatten. Er vermochte die Richter nicht anzuklagen, doch klagte er Gott desto herber an und zwar deßhalb, weil Gott seine Gesinnungen kennen mußte und Miturheber seines Unglückes zu sein schien. Trug denn Benedict jemals den leisesten Vorsatz im Herzen, das gräßliche, todeswürdige Verbrechen des Vatermordes zu begehen? Nein, niemals einen Augenblick, nach der That schauderte er vor sich selbst zurück und begriff nicht, wie er dazu gekommen!—Tödtete er seinen Vater im Affect? Auch dies war wiederum nicht zur Hälfte wahr und Gott mußte wissen, daß er zwar im Schrecken mit einem mächtigen Prügel in den dunkeln Hausgang hineinschlug, jedoch nicht, um den Vater zu treffen, sondern lediglich, um ihm die Flinte wegzuschlagen und ihn vom Kindermord abzuhalten. Wußte er nicht, daß eine Doppelflinte ob dem Bette des Vaters hing und mußte er nicht glauben, daß dem ersten Schusse ein zweiter folgen werde? Selbst die Richter erfuhren genug von Jacobs harter, leidenschaftlicher Gemütsart, von seinem Hasse gegen den Hobisten und vergaßen nicht, die Flinte sammt dem Schuß ernstlich in Erwägung zu ziehen, sonst wäre Benedict unfehlbar um den Kopf kürzer gemacht worden.
Viele andere Umstände ließen sich nur dadurch erklären, daß man dieselben dem blinden Zufalle oder—dem allwissenden Gott in die Schuhe schob und dieser Gott sollte ein allliebender und allbarmherziger sein? Gegen tausend Andere wohl, gegen mich war er ein Tyrann! sagte der Benedict hundertmal, wenn der Schmerz ob dem verlornen Lebensglücke zuweilen gewaltig in ihm aufzuckte und die Trauergeschichte vom weißen Federbusch bestärkte ihn in der Meinung, ein von Gott Verstoßener oder zum Unglücke Erkorner zu sein.
In der Zelle erwachten mit den Jugenderinnerungen auch die Erinnerungen an das vielfache Kreuz und Elend, welches er den Eltern bereitete und er gelangte zur Einsicht, ein Kind, welches seinen Eltern großen Kummer verursache, dadurch ihre Freude am Leben zerstöre und sie vor der Zeit ins Grab stürze, sei eigentlich auch ein Elternmörder und der Tod der Eltern eigentlich auch ein gewaltsamer.
Von diesem Standpunkte aus fühlte er sich des Mordes beider Eltern schuldig.
Allein gibt es nicht Kinder seiner Art genug und keine Seele denkt daran, sie deßhalb ins Zuchthaus zu stecken?
Er begriff sein Schicksal so wenig als die heimlichen Qualen seines Herzens, hoffte vom Tode Ruhe, gegen diese Hoffnung erhob sich fortwährend die Religion und heute wurden Hoffnung und Ruhe durch die Worte:
"Wer meinen Leib unwürdig ißt und mein Blut unwürdig trinkt, der ißt und trinkt sich selbst das Gericht!" abermals heftig erschüttert.
Wenn diese Worte keine leere Drohung enthielten, wäre ich nicht schon hienieden ein gerecht Gerichteter? Wenn der Tod das, was in mir lebt, nicht zerstörte, wie würde es mit mir im Jenseits aussehen? Hienieden vieljähriges Kerkerleiden bis zum Tode, dort endlose, ewige Qual, schauderhafter Gedanke!
Diese Fragen beschäftigen den Spaziergänger, in die Zelle zurückgekehrt, schneidet er ellenlange Hobelspäne, arbeitet darauf los, daß große Tropfen von seiner Stirne rinnen, wird wirklich seiner wunderlichen Grillen Herr und ist im Stande, beinahe zu lächeln, wie er die Gangschelle zur Schule rufen hört. Eilig schlüpft er in den grauen Kittel, greift nach Mütze und Nummer, Schiefertafel und Schreibzeug und kaum öffnet der Aufseher die Thüre, so ist er bereits dem Mittelbau nahe und klimmt die Wendeltreppen hinan.
Er darf eilen, denn der Gang ist ziemlich leer, die meisten seiner Nachbarn mögen einer andern der 6 Klassen angehören, mit welchen sich zwei Lehrer beschäftigen oder auch das 36ste Lebensjahr zurückgelegt haben, in welchem Falle sie zur Altersklasse gezählt werden, die einigemal wöchentlich in der Kirche versammelt und durch Vorlesen aus einem gewählten Buche für den Schulunterricht einigermaßen entschädiget wird.
Das "Grabhemd" auf dem Kopfe tritt Numero 110 in die Schulstube und in seinen besondern Verschlag, hängt die Nummer auf, läßt sich einschließen, setzt sich und harrt mit stiller Sehnsucht, bis der Aufseher commandirt:
"Kappen herunter!"
In demselben Augenblicke wird der Oberlehrer den hohen Catheder besteigen, die Schüler seiner obersten Klasse werden ihn freundlich begrüßen, er wird den Gruß freundlich erwiedern, die Nummern herablesen und den Unterricht beginnen.
Wie in der Kirche sieht auch in der Schule kein Gefangener den Andern, dagegen Jeder den Lehrer, die Aufseher, Rechentafel, Landkarten u.s.w. Freilich hört hier Jeder die Stimme der aufgerufenen Nummern und mag aus der Mundart den Seehasen vom Pfälzer, den Schwarzwälder vom Odenwälder, das Stadtkind vom Dorflümmel leicht unterscheiden, ja der Benedict hat sogar in der vorigen Stunde die Stimme des Exfouriers und des Spaniolen vernommen, erkannt und im Gedächtnisse behalten, jener sei Nro. 349 und dieser Nro. 27, aber was kann solche Entdeckung nützen oder schaden? Nro. 110 weiß nicht genau, wo Nro. 349 in der Schulstube oder in welcher Zelle er sitzt, was er treibt und wenn er es auch wüßte, ja wenn beide Nachbarn wären und es ihnen gelänge sich Zeichen gegenseitigen Erkennens zu geben—Gefühle und Gedanken tauschen sie innerhalb dieser Anstalt nicht aus, der erste Versuch dazu würde auch zum letzten und müßte von großem Glücke begleitet sein, um erst nach dem Gelingen entdeckt zu werden, in jenem Austausche aber liegt die Hauptgefahr der Sträflingsgesellschaft.
Mag Einer sich dem Nachbarn auch durch Trommeln an die dicke Wand bemerkbar machen, lange dauert solches Trommeln gewiß nicht, auch ist noch niemals gehört worden, daß dadurch die Abschreckung oder Besserung eines Gefangenen beeinträchtiget wurde und die Versuche, mit einander zu reden, haben völlig ein Ende, seitdem die Oeffnungen der Luftkanäle vergittert wurden.
Der Wachtstubenwitze reißende und halbgelehrte Spöttereien über alles Hohe und Heilige zu Markt tragende Exfourier, der sozialdemocratische, selbstsüchtige Spaniol vermöchten dem Benedict nur noch zu schaden, weil er mit Beiden einst zusammenlebte und ein treues Gedächtniß besitzt— jedenfalls ist die Schule des Zellengefängisses der letzte Ort, wo die Hausordnung oder gar Religion und Sittlichkeit irgendwie Gefahr zu laufen vermöchten.
Der achteckige, thurmartige Mittelbau, von welchem die vier Flügel ausstrahlen, erscheint uns überhaupt als ein Sinnbild der Ordnung, welche nicht nur im Zellengefängnisse zu Bruchsal, sondern im großen Zuchthause der Welt herrschend sein sollte.
Im untersten Raume findet sich die Küche, ob derselben Stuben der Werkmeister, Oberaufseher, noch höher die Zimmer der Beamten, welche allgemach zu den Schullokalen emporsteigen, zu oberst aber steht die Kirche, während die bewaffnete Macht draußen an den Ringmauern, den äußersten Gränzen des Reiches verweilt und die Gehüteten nicht beständig an das Mißtrauen der Regierenden mahnt.—
Bereits steht der Oberlehrer auf dem Catheder, kritisirt die eingelieferten Aufsätze und läßt zwei derselben laut vorlesen.
Beide sind ziemlich lang gerathen, man erkennt bald, daß die Verfasser ihren Kopf beisammen hatten und beide zeigen einen Reichthum der Gedanken, einen dichterischen Schwung der Sprache, die wir bei Zellengefangenen ebenso häufig als auffallend finden.
Der erste Aufsatz ist von Nro. 62 und behandelt die Frage, weßhalb der Reichthum nicht nothwendig zum Glücke gehöre, den zweiten hat Nro. 205 geliefert, dieser sucht den Begriff vom Glück und Unglück festzustellen und findet, daß es für einen Menschen, der Religion nicht nur besitze, sondern religiös sei, kein eigentliches Unglück gebe, somit in der religiösen Durchdrungenheit das Geheimniß des wahren Glückes zu suchen sei. Nro. 62 ist ein blutarmer und, wie sich dies bei seinem Gewerbe fast von selbst verstehen soll, fast immer betrunkener Postillon gewesen, der so wenig daran dachte, durch seinen Jähzorn jemals in ein Zuchthaus zu gerathen, als daran, in diesem bitterbösen Hause ein meisterhafter Schuster und ein Mensch zu werden, der Geschriebenes und Gedrucktes geläufig lesen und noch viel Schönes und Nützliches dazu lerne. Nro. 205 ist ein ehemaliger Soldat, der mit seinen Schulmeistern ein besonderes Schicksal hatte. Der erste derselben war ein alter, braver Mann, der die weitschichtige Gelehrsamkeit der neuen Schulmeister nicht mehr faßte und alle Neuerungen, gute und schlimme, haßte. Dafür wurde auch er gehaßt, verfolgt und verspottet. Wie die Alten sangen, so zwitscherten die Jungen und als der Mann starb, kam ein junger Lehrer, der sich ganz nach dem Willen der Mehrheit seiner Schüler richtete und deßhalb die halbe Zeit keinen Unterricht gab oder die Stunden mit Geschichtlein tödtete. Nro. 205 war als einer der stärksten und größten Buben im Anfeinden des alten mit im Verherrlichen des neuen Lehrers ein Anführer gewesen und wurde aus der Schule entlassen, ohne daß ihn ein schwerer Schulsack drückte. Erst im Zuchthause hat er den Schaden erkannt und verbessert.
Nro. 62 wie 205 saß früher in gemeinsamer Haft, beide preisen sich glücklich, von ihrer alten Kameradschaft erlöst zu sein und wenn ihnen irgend ein Gelehrter vom Glücke der Sträflingsgesellschaft vorpredigte, würden sie es in ihrer Einfalt für Scherz oder Spott halten; beide gehören zu den fleißigsten und besten Schülern, während sie gleichzeitig zu den fleißigsten und besten Arbeitern gehören, von den Werkmeistern noch niemals wegen Saumseligkeit oder gar wegen Nichtfertigung des ganzen Tagwerkes verklagt wurden. Nachdem das Vorlesen der Aufsätze beendiget, kommen die Rechnungsaufgaben an die Reihe.
Der Duckmäuser hat den Cubikinhalt eines cylindrischen Gefäßes berechnet, welches doppelt so hoch als weit ist und ganz gefüllt 2 Pfund Wasser aufnimmt.
Nro. 70 löste die Frage richtig, wie groß eine Seite eines Würfels von Gold sei, welcher 24 Loth wiege.
Dagegen brachte 401 die folgende Rechnung nicht ganz ins Reine, nämlich: "Ein Brunnentrog aus Sandstein hat die Form einer Halbkugel, deren ganzer Durchmesser 4'3" beträgt, wahrend die Steinmasse selbst 4" dick ist. Wieviel (badische) Maaß Wasser faßt dieser Trog und welchen Cubikinhalt hat die Steinmasse?"
Nro. 401 beging bei der Lösung der zweiten Frage einen Fehler, die meisten Mitschüler stimmen in ihrer Lösung überein und diese ist auch die richtige. Jener entdeckt und entschuldigt seinen Irrthum, seine Stimme und Rede zeigt, er sei dem Weinen nahe, um diesen alten Weiner zu trösten, darf er die Lösung der letzten der heutigen Aufgaben nennen und liest mit ruhigere Stimme:
"Nach der Angabe v. Humboldt's soll eine der ägyptischen Pyramiden 800' Höhe und an der Grundfläche, welche ein Quadrat ist, ebensoviel Breite haben. Wieviel Cubikfuß beträgt der Inhalt und wieviel Zentner etwa das Gewicht dieser Pyramide, wenn man obiges Maaß als badisches betrachtet und das spezifische Gewicht des Marmors, aus welchem sie bestehen soll, zu 2,736 annimmt?"
Die Lösung, welche Nro. 401 gibt, ist richtig, fünf Hauptrechner bezeugen es, der Oberlehrer thut dasselbe und beginnt dann eine kleine Prüfung über die Lehre der drei Arten von Hebeln, gewöhnlichen und festen Rollen und Flaschenzügen.
Nro. 349 hat diesen Mittag für sich in der Zelle berechnet, ein Rammklotz von 60 Zentnern, der etwa bei Wasserbauten angewendet würde, und 15' hoch herabfalle, wirke mit der Kraft von 18,000 Zentnern, welche nur Einen Schuh fallen. Der etwas hartköpfige Nro. 334 erbittet und erhält eine Erklärung des "Rades an der Welle" und der Benedict erläutert schließlich den Potenzflaschenzug.
Dann geht der vortreffliche Oberlehrer, welcher mit Pestalozzi Bibel und Kalender für die wichtigsten Urkunden des Menschengeschlechtes hält, daran, den Sonntagsbuchstaben zu erklären, durch den sich der Wochentag eines geschichtlichen Ereignisses sicher bestimmen läßt und ist noch nicht fertig, wie die Glocke ertönt und anzeigt die Lieblingsstunde vieler Zellenbewohner sei wiederum vorüber. Der Lehrer verschwindet, die Schüler setzen das "Grabhemd" wiederum auf, die Aufseher öffnen einen Verschlag nach dem Andern in der Ordnung, daß kein Gefangener dem Andern auf dem Fuße folgt oder gar entgegenläuft, Einer nach dem Andern steuert der Thüre zu, welche in seinen Flügel führt und nach wenigen Minuten steht Nro. 110 wiederum vor der Hobelbank.
Bleiben wir noch einen Augenblick bei der Schule.
Die Sträflingsschule des Zellengefängnisses zu Bruchsal erregt besonders die Aufmerksamkeit und Bewunderung der Besucher, weil die Sträflinge einen Grad von intellectueller Bildung und Bildungsfähigkeit entwickeln, den man in den besteingerichteten Gefängnissen anderer Art vergeblich suchen würde.
Die Regierung verdient sich den Dank der Menschheit, indem dieselbe Vieles für die Anstalt überhaupt und deren Schule insbesondere thut, tüchtige Lehrer, indem dieselben unermüdlich und im engen Vereine mit den Geistlichen beider Confessionen dahin arbeiten, aus unwissenden und rohen oder halbgebildeten und eingebildeten Gefangenen Menschen und Christen zu machen und vor geistiger Verdumpfung zu bewahren.
Die Schüler dagegen empfinden auch das ganze Gewicht der Wohlthaten, welche ihnen durch Unterricht gespendet werden und beweisen es durch ihre Anhänglichkeit für die Geistlichen und Lehrer, durch ihren Eifer für die Schule und vor Allem durch die Fortschritte.
Wer nur immer anerkennt, daß in der Bildung an und für sich eine Macht liege, welche die schwer zerstörbare Selbstsucht des Menschen mindestens verfeinern, ihm soviel Klugheit, Ehrgefühl und Selbstbeherrschung gewähre, um nicht leicht ein Verbrechen zu begehen, der wird sich entschieden für eine Sträflingsschule der Art aussprechen, wie dieselbe hier besteht und blüht.
Wir kennen auch keinen Fall, daß ein Gefangener, welcher diese Schule längere Zeit besuchte, wiederum rückfällig geworden wäre und wenn in dieser Anstalt vorherrschend jugendliche Verbrecher untergebracht und ihres Unterrichtes theilhaftig gemacht würden, so würde die Erfahrung lehren, daß die Zahl der Rückfälle sich ansehnlich verminderte.
Aber leidet der Gewerbsbetrieb nicht durch die Schule Noth?
Die beste Antwort liegt in der Thatsache, daß der Gewerbsbetrieb des Zellengefängnisses trotz mißlicher Zeitverhältnisse und eigenthümlicher Hindereisse [Hindernisse] mehr blüht, als der jeder andern Strafanstalt des Landes und daß die Blüthe des Gewerbsbetriebes zunächst vom Fleiße und der Geschicklichkeit der Sträflinge abhänge, wird wohl kein Gegner der einsamen Haft läugnen.
Der Zellenbewohner besucht nicht mehr Unterrichtsstunden als andere Sträflinge, dagegen ist es richtig, daß er Besuche vom Lehrer in der Zelle und bei dieser Gelegenheit besondern Unterricht erhält. Doch Besuche muß er überhaupt eine bestimmte Anzahl empfangen, wenn er nicht zu Grunde gehen soll und daß kein Besuchender, folglich auch kein Lehrer zu lange bei Einem verweile, dafür ist schon durch die Vorschrift gesorgt, daß jeder Beamte täglich eine verhältnißmäßig große Anzahl von Besuchen abzustatten hat.
Das Geheimniß der überraschenden Fortschritte, welche viele Zellenbewohner in Schulkenntnissen machen, liegt hauptsächlich in ihrer eigenthümlichen Lage. Die Einsamkeit verinnerlicht den Menschen, der Mangel an Gesellschaft treibt ihn, sich in arbeitsfreien Stunden selbst zu unterhalten und weil ihm Gelegenheit für schlechte Unterhaltung abgeschnitten, dagegen Gelegenheit zur guten reichlich geboten ist, so greift er eben nach letzterer.
Die Ruhestunden, die arbeitsfreien Tage, manche schlaflose Stunde der Nacht, in welcher das Denken eine Zerstreuung und Wohlthat zugleich wird, werden zumeist der Schule gewidmet und gerade der verhältnißmäßige Mangel an Eindrücken, welche er von der Außenwelt empfängt, stärkt sein Gedächtniß wunderbar für Alles, was in der Schule vorkommt, welche er besucht oder in den Büchern, welche er gelesen.
Sind wir überzeugt, der Gewerbsbetrieb würde wenig oder nichts gewinnen, wenn man die Schulen gesellschaftlich lebender Gefangenen wiederum aufhöbe, so sind wir noch weit mehr davon überzeugt, daß er in Zellengefängnissen bedeutend Noth litte. Gar viele Handwerker bedürfen einiger Kenntnisse im Zeichnen, in Mathematik und Geometrie, Chemie und andern Wissenschaften und je mehr sie davon erringen, desto besser ist es für ihr Gewerbe. Ferner ließe sich möglicherweise das vollständige Fertigen eines Tagwerkes durch Hungerkuren erzwingen, lange jedoch ginge dies nicht an und zum Fertigen guter und vortrefflicher Arbeit gehört eben auch im Zuchthause ein Arbeiter, der gut oder vortrefflich arbeiten kann und—will. Die Schule wird von Sträflingen als eine Wohlthat und Belohnung allgemein anerkannt, ihre Beeinträchtigung oder gar ihre Beseitigung würde gerade bei den Talentvollen den guten Willen zur Arbeit beeinträchtigen oder beseitigen oder derselbe müßte auf eine Weise angeregt werden, welche mehr kostete als die Schule.
Aber werden die Spitzbuben durch die Bildung, welche sie empfangen, nicht gerade raffinirter und führt die Schule nicht zur Halbwisserei?
Den ersten Theil dieses Einwurfes würden wir gar nicht beantworten, wenn er nicht schon von mehr als einer Seite gemacht worden wäre.
Wir haben einen Tag in einem gemeinsamen Zuchthause zugebracht und vermieden, pikante Spitzbubenhistörchen aufzuzeichnen, wenn man nicht etwa die maaßlose und keineswegs seltene Unverschämtheit des Patrik vom Hotzenwalde pikant finden will.
In gemeinsamer Haft geben die Meister der Greiferkunde Privatcollegien aus ungewaschenen Mäulern, die Blüthe des Gaunerthums erfreut sich dort einigen Ansehens und fruchtbarer Wirksamkeit, allein keine Sträflingsschule irgend einer Art befaßt sich mittelbar oder gar unmittelbar mit Ausbildung der Spitzbüberei. Freilich lehrt die Physik und noch mehr die Chemie Manches, was sich ein Langfingeriger für die Zukunft hinter die Ohren schreiben könnte, aber jedem Lehrer wird man soviel Verstand und Besonnenheit zutrauen, daß er seinen Stoff zu wählen versteht.
Erheblicher ist die Halbwisserei.
Unter Halbwisserei verstehen wir das religionslose Wissen, somit ziemlich dasselbe, was schon Plato darunter verstanden und worüber er als einer unheilbringenden Erbärmlichkeit geklagt hat. Vom Vorwurfe der Halbwisserei sind bei uns jedenfalls die Sträflingsschulen freizusprechen, denn Geistliche und Lehrer gehen einträchtig zusammen, Einer arbeitet dem Andern in die Hände, die Schule ist nicht nur ein Mittel allgemeiner Bildung, sondern auch allgemeiner religiöser Erhebung.
Eine bereits auf einige tausend Bände angewachsene Bibliothek, deren Bücher vor Allem mit Rücksicht auf löbliche Tendenzen gewählt und mit Rücksicht auf die verschiedenen Confessionen unter die Gefangenen vertheilt werden, unterstützt mächtig die Bemühungen der geistlichen und weltlichen Beamten.
Die sichtbaren Wunder der Natur, die weltbeherrschenden Gesetze der Physik, die einfachen, erhabenen und allbeherrschenden Gesetze der Bewegung der Weltkörper, lauter Dinge, welche jedem Schulknaben, geschweige einem Erwachsenen klar und deutlich gemacht werden können, wie sehr sind diese geeignet, den Menschen zum Herrn und Vater dieser Gesetze zu erheben? Und Abrisse aus der Geschichte, in welcher Gott den lohnenden Vater oder rächenden Amtmann spielt, eine Unthat unter dem Gewichte ihrer Folgen den Schuldigen und die Mitschuldigen begräbt, ohne vorher nach Stammbaum oder Taufschein zu fragen, wie sehr sind diese geeignet, den Verbrecher zum Nachdenken über das eigene Schicksal zu bringen? Jedenfalls mehr als die eigens für Gefangene und Verbrecher geschriebenen Bücher, unter denen wir und viele Andere außer dem von Suringar wenig Erträgliches und Ersprießliches entdeckten. Sträflinge sind schwer vom Glauben abzubringen, daß man die kleinen Spitzbuben fange, die großen dagegen laufen lasse, wissen recht gut, wie es mit dem Werthe Vieler steht, welche frank und frei herumlaufen und ebenso, daß sie keine unartigen Kindlein sind, denen man Religion und Jesusliebe als Brei einreichen könnte, deßhalb geben sie auch nichts auf Bücher, die aus gutmeinenden, aber unklugen oder unerfahrenen Federn zur angeblichen Erbauung von Gefangenen geflossen sind. Im Gegentheil werden Schriften dieser Art Religionslosigkeit und Verstockung eher vermehren als vermindern und besonders in gemeinsamer Haft nicht lange ungerupft bleiben.
Sie [Die] Schule vor Allem erweitert den geistigen Gesichtshorizont und je mehr sich dieser erweitert, desto kleiner fühlt sich der Mensch überhaupt, der Verbrecher insbesondere und wiederum desto größer, weil der Herr und Meister der Welt sich mit ihm abgibt.
Weßhalb eine ungewöhnliche Ausdehnung des Unterrichtes bei Zellenbewohnern?
Vom Buchstabenmalen und Zahlen zusammenzählen steigert sich Alles bis zum Auflösen von Gleichungen, Berechnungen des Kreises und Lösungen von Aufgaben, welche einige physikalische, chemische und sogar astronomische Einsichten voraussetzen. Weil Zellenbewohner aus innerm Antriebe gerne lernen und im Lernen so ziemlich ihre einzige Erholung finden, deshalb schreiten Viele auch rasch und sicher fort und sollen sie dafür mit Stillstand bestraft werden, für den sich nirgends ein Grund auftreiben ließe?
Weßhalb sollen Schwerverurtheilte, deren jugendliches Alter vielmaligen Schulbesuch gesetzlich sanctionirt, ohne ihre Schuld und noch mehr wider ihren Willen in den Mitteln des Fortschreitens zur Bildung und Besserung verkürzt werden? Die in der That ganz vortreffliche Hausordnung von Bruchsal ermuntert und belohnt sogar den Schulfleiß, erkennt in der Schule überhaupt ein mächtiges Mittel gegen geistige Verknüpfung und Versumpfung und daß es in ihr nicht gar zu hochgelehrt hergehe, dafür ist schon gesorgt, weil die meisten Sträflinge einen ziemlich armseligen und manche gar keinen Schulsack in die Zelle bringen.
Die Lehrer haben mit dem ABCschützen und Dummen überflüssig genug zu thun und sollen sie nun auch mit den weiter Fortgeschrittenen und Talentvollen dazu verurtheilt werden, Papageienrollen zu spielen und in diesem Jahre durchaus dasselbe zu schreien, was sie im vorigen Jahre geschrieen?
Wenn ein entlassener Zellenbewohner ungefähr weiß, was jeder ordentliche Realschüler zu wissen vermag, so weiß er noch lange nicht zuviel und wird durch das Gewicht seines Wissens schwerlich in den Pfuhl des Lasters und der Verbrechen hinabgedrückt!—
Während wir diesen etwas langgerathenen Gedankenspaziergang machten, arbeitete Nro. 110 in seiner Zelle rüstig fort und zuweilen tritt ein Werkmeister oder Aufseher herein, nicht sowohl um die Arbeit zu besichtigen, denn der Benedict arbeitet zu vortrefflich, als daß viele Besichtigung nöthig wäre, sondern um Etwas zu fragen oder die Leimpfanne zu bringen.
Der Fleiß der Gefangenen wird in der Zelle leichter und besser controllirt, als in jedem Sträflingssaale und zwar auf eine Weise, daß der Zellenbewohner nichts davon weiß. Der Controllirende tritt zur Thüre, hebt einen kleinen Schieber in die Höhe und überschaut mit Einem Blicke die ganze Zelle, wahrend Nro. 110 vergeblich sich abmühen würde, durch dasselbe Fensterchen auf den Gang hinauszusehen. Nicht Eine Minute des Tages oder der Nacht ist er sicher, unbeobachtet zu sein und das Peinliche dieser Lage wird gerade dadurch gemildert für den Bessern und geschärft für den Schlechtern, weil er niemals Gewißheit davon hat.
Ein gefangener Taglöhner hat sein Zellenleben in ergötzlichen Reimen beschrieben, von denen einige charactristische hier ein Plätzlein finden mögen:
—Einmal ist der Obermeister kommen: "Du willst nicht sputen hab' ich vernommen? Hättest große machen sollen Dich soll gleich der Kukuk holen!"— "Ich will lieber machen kleine Das ist die Rede, die ich meine!"— "Du hast hier kein Recht, Seist du Meister oder Knecht, Mußt jetzt thun, was ich Dir sag' Oder hast gehabt zu Mittag, Und zu Nacht wirst auch nichts kriegen, Kannst noch in den Turm hinabfliegen! Dort kannst Du sitzen oder stehen Und wie es Dir noch sonst wird gehen. Dann thut man Dich in den Zwangstuhl schnallen Das wird Dir auch nicht gut gefallen!" Ich sah auf mein Spulrad hin Und dachte: "wenn nur dieser Mann wieder ging!" Aber er ließ sich nicht vertreiben Und ließ auch das Dräuen nicht bleiben. "Wenn ich noch eine einzige Klage hör', Dann komme ich wieder zu Dir hieher!" Das ist sein letztes Wort, Dann ist er fort. Ich dacht: Nun ist er doch einmal gangen, Das war ja mein einzig Verlangen! Hab mich wieder zum Rad gesetzt Und gespult, daß ich hab' geschwitzt. Hörte ich nur laufen im Gang, So glaubte ich: jetzt kommt der saure Mann!— Einmal hab' ich gesungen, Da kam er gleich gesprungen: "Hör' ich dies noch einmal hier, Dann gibt man nicht zu essen Dir!" Darauf sah ich ihn im Hof in seinem grauen Rock Und eilte was ich konnte in den zweiten Stock, Mache die Thüre eilends zu, Daß ich hab' vor diesem Manne Ruh. Er hat mir schon zu schwer gedräut, Ihn zu sehen, ist mir keine Freud'! Allein ich hab' vor ihm recht Respekt, Doch bin ich gern von ihm weit weg; Doch hat er mir noch nichts zu leid gethan Er kann doch sein ein guter Mann!
In diesem Augenblicke öffnet sich die Thüre von Nro. 110 und einer der beiden Obermeister steht vor Benedict. Er ist nicht mehr der alte Dräuer, über welchen der Taglöhner klagte, sondern ein ganz freundlicher ordentlicher Mann, der mit Blicken mehr ausrichtet als Andere mit vielem Lärm. Die Arme über die Brust gekreuzt, den rechten Fuß vorgestellt steht er ganz ruhig da und redet mit unserm Schreiner vom Wetter und den Rheinschnaken, diesen Moskitos der Rheinebene, deren Stich eben keine angenehme Empfindungen, wohl aber kleine Beulen erzeugt und die den Weg durch alle Kleider und die dicksten Teppiche hindurch zu finden wissen, während ihr Gesumme in Schlaf lullt.
Tabaksqualm verscheucht diese kleinen, blutgierigen Ungeheuer, aber der Gefangene darf nicht rauchen und muß sich begnügen, die Schnaken todzuschlagen [todtzuschlagen], wenn sie angefüllt von Blut träge an den Wänden sitzen und nicht weit zu fliegen vermögen. Wahrend der Obermeister den Ankläger der Schnaken anhört, überschaut er mit einigen Seitenblicken Alles und wenn Etwas am unrechten Nagel hängt, nicht vorschriftsmäßig aufgestellt oder hingelegt ist, darf der Zellenbewohner einer Ermahnung gewiß sein, wenn aber gar irgend ein Verstoß gegen die Reinlichkeit aufzutreiben ist, dann bleibt eine Zurechtweisung nicht aus.
Wieviel Schweiß und Aerger haben die kleinen Ziegelplatten des Zellenbodens den Benedict schon gekostet, den feinen, ungesunden Staub abgerechnet, der sich von denselben ablößt!
Jetzt versteht er sein Geschäft besser, der Obermeister vermag nichts zu entdecken, was der Reinlichkeit widerspräche, denn es fehlt zwar nicht an Sägspänen, Hobelspänen, Gerüchen des Holzes und der Politur, zumal das obere Fenster geschlossen ist, aber in welcher Schreinerwerkstätte der Welt fehlt es an diesen Dingen? Oder wo gibt es irgend eine Schusterboutique, aus welcher der Geruch von Leder und Pech verbannt ist oder einen Webstuhl, in dessen Nähe es nicht von Zeit zu Zeit nach Schlichte riecht?
Arme und reiche Handwerker sind an solche Dinge gewöhnt, die sich nicht vermeiden lassen, Gewohnheit stumpft gegen den schlimmen Einfluß derselben ab, weßhalb soll und wie soll der Zellenbewohner dagegen geschützt werden?
Tadeln ist in allen Dingen leicht, Verbessern häufig schwer.
Frische Luft und Reinlichkeit sind für die Gesundheit des Gefangenen wichtige Artikel, in Bruchsal ist in dieser Hinsicht das Möglichste geleistet, die Ziegelplatten der Zellenböden möchten freilich nicht viel taugen, aber sie sind nun einmal da, lassen sich nicht über Nacht wegbringen und leicht ohne große Kosten durch etwas Besseres ersetzen, dagegen läßt sich die Reinlichkeit jedes Einzelnen leicht controlliren.
Der Oberaufseher wünscht freundlich guten Abend und eilt zu Nro. 109 hinüber. Ein Herbsttag geht rasch vorüber, ehe man sichs versieht, ist die Dämmerung da. Die verschiedenen Zeiten des Jahres und Tages, die Wechsel der Witterung üben auf den Menschen Einfluß aus und wenn dieser Einfluß bei vielen Zellenbewohnern noch bemerkbarer wird als bei andern Gefangenen, so rührt dies wohl daher, weil ihr äußeres Leben ein ziemlich armes und einförmiges ist. Ein kurzer, trüber Herbsttag stimmte den Benedikt trübe und melancholisch, der Abend brachte ihm gar schwermüthige Gedanken. Er dachte an das Abendläuten, Lichteranzünden und an die Heimgärten im fernen Dörflein und war froh, als der Aufseher den Schalter öffnete, um den Wasserkrug zum letztenmal für heute in Empfang zu nehmen und das Licht anzuzünden.
Er griff wiederum zum Hobel, um die Grillen durch Arbeit zu verscheuchen, doch wollte es ihm nicht recht gelingen und zuweilen tief aufseufzend blickte er durch die Gitter zum dunkeln, sternenleeren Nachthimmel empor.
Abermals öffnet sich die Thüre und der Arzt tritt herein.
Dieser muß nicht nur seine Kranken, sondern auch alle Gesunden fleißig besuchen und fast noch mehr Seelenarzt als Leibesarzt sein.
Weil die Einzelhaft eine neue und aus fernen Landen zu uns gekommenne [gekommene] Einrichtung ist, welche je nach Clima, Lebensweise und Charakter eines Volkes Verschiedenheiten der Durchführung erheischt, über deren Art und Zweckmäßigkeit lediglich die Erfahrung allmählige Belehrung zu geben vermag, muß besonders auch der Gefängnißvorstand ein denkender und mit vielseitiger Bildung ausgerüsteter Mann und nicht etwa ein alter ausgedienter Soldat sein, wie dies manchmal in England stattfindet. Gediente Soldaten geben gute Oberaufseher und Aufseher; wo die Ordre anfängt, hört gemeiniglich ihr Denken auf, je nach der Ordre hauen sie den Gefangenen ebenso bereitwillig in Krautstücke als sie denselben noch als menschenähnliches Wesen passiren lassen und so vortrefflich solche Eigenschaft untergeordneten Werkzeugen ansteht, so mißliche Folgen würde sie nach sich ziehen, wenn der Vorstand einer Besserungsanstalt ein abdecretirter Schnurrbart wäre, der Menschen jeder Art als Maschinen betrachtete und bald im Vollgefühle seiner Unwissenheit und Ohnmacht Fünfe gerad sein ließe oder blind und brutal in Alles hineinblitzte und hineindonnerte, was nicht ganz nach seinem Kopfe ginge.
Weil Menschen und die allseitigen Wirkungen von Einrichtungen bis ins Kleinste studirt, Alles auf bestimmte Zwecke gerichtet und alle Zwecke Einem großen Zwecke untergeordnet werden müssen, deßhalb muß der Vorstand ein organisirender Kopf und weil ein Arzt jedenfalls am meisten Gelegenheit besitzt, sich theoretische und praktische Kenntnisse über den Menschen und das Volk, Krankheiten des Leibes und der Seele und unserer gesellschaftlichen Zustände zu erwerben, endlich weil Zellenbewohner in mancher Beziehung Ausnahmsmenschen werden und Einem Arzte sehr viel zu schaffen machen, wenn auch der Krankenstand ganz unbedeutend bleibt, deßhalb möchte es gut und zweckmäßig sein, wenn auch der Gefängnißvorstand ein Arzt ist.
Die Verhältnisse eines Zellengefängnisses drängen von selbst darauf hin, daß entweder der Doctor vielfach zum thatsächlichen Vorstande und der Vorstand zu seinem Figuranten würde oder daß Beide sich in die Haare gerieten, wobei der Staat und die Gefangenen am Schlechtesten bestünden, wenn der Vorstand ein alter Soldat oder ein einseitiger Fachmensch überhaupt wäre.
Ein ehemaliger Offizier, der ein bischen vom Rechnungsfache verstünde, möchte sich zum Vorstande einer Anstalt mit gemeinsamer Haft vortrefflich eignen, schwerlich dagegen zum Leiter eines Zellengefängnisses.
Nro. 110 gehört zu jenen vielen Zellenbewohnern, welche ihren leiblichen Zuständen große, oft arg übertriebene Aufmerksamkeit zuwenden und denen ein bischen Mattigkeit in den Gliedern oder Reißen im Kopfe leicht Gedanken an schwere Krankheiten und das gefürchtete Brett der Anatomie erregte. Sie plagen und quälen den armen Doctor mit ihren Einfällen und Fragen und wenn er nicht darauf einzugehen Grund findet oder gar darob lächelt, dann halten sie ihn für einen halben Unmenschen, geht er darauf ein, für einen ganzen Dummkopf und macht er die Sache mit einem Thee oder einer Arznei statt mit Krankenkost ab, für einen vollendeten Tyrannen.
Heute weiß der gute Benedict sehr viel von Magenknurren zu erzählen und weil der Doctor ihn mit den violetten Knödeln tröstet, welche morgen aufgetischt werden, wird er melancholisch und redet von Todesahnungen, welche ihm jener wiederum auszureden sucht.
Kaum ist der Arzt fort, so tritt der Aufseher herein und lößt das Bett von der Wand ab. Unser Gefangener arbeitet noch einige Zeit und bringt es über das Tagwerk hinaus, dann läutet es wiederum in allen Flügeln auf einmal, wiederum klirren die Eßkessel, wiederum eilen die Aufseher der Küche zu, Benedict hört, wie sein Aufseher von Zelle zu Zelle geht, die Schalter zuschlägt und gute Nacht wünscht, bald fliegt auch sein Schalter auf, sein Schüsselchen wird gefüllt, der Schalter fährt zu und Benedict betrachtet wehmüthigen Blickes die Königin der Zuchthaussuppen, eine braune, ihm gar fad vorkommende "Wasserschnalle."
Doch—in der Kaserne bekam er Abends gewöhnlich Nichts, jetzt ist er hungrig, dort drinnen im braunen Schränklein findet er Salz, er salzt und ißt die Suppe. Nicht lange darnach tritt der Werkmeister zum letztenmal für heute herein, er nimmt die schneidenden Instrumente aus der Zelle weg, der Korb mit Hobelspänen wird in den Gang hinausgestellt, man sagt sich gute Nacht. Bald verhallen die Schritte der forteilenden Werkmeister und Aufseher draußen im Gange, alsdann herrscht Todtenstille, höchstens die fallenden Tropfen einer Brunnenröhre, die Schritte eines Nachbars, das starke Husten oder Aufseufzen desselben unterbricht diese Stille.
Leise und unhörbar schleichen die Aufseher in Filzschuhen oder in Socken durch die Gänge, kein Mensch sondern die Einsamkeit will mit dem Benedict eine ernste, schwermüthige Unterhaltung beginnen, eilig greift er nach dem reichhaltigen Lesebuch von Döll, dann nach der belehrenden "Menagerie" von Drugulin und ließt, dort über die Gasarten, was übermorgen in der Schule verhandelt werden soll, hier über die Wildschweinjagd mit Wurfspießen im fernen Indien.
Plötzlich lärmt die Hausschelle durch die Todtenstille und befiehlt, daß alle Lichter gelöscht werden, alle Gefangenen sich zu Bette legen müssen. Eilig legt Benedict sein Buch weg, klappt Tisch und Bank wiederum an die Wand und löscht die Lampe aus.
Sinnend steht er noch einige Augenblicke in der Zelle und blickt zum vergitterten Fensterlein empor, die sechs dicken Eisenstäbe gränzen sich scharf gegen den Nachthimmel mit seinen dunkeln, fliegenden Wolken ab, durch welche zuweilen das weiße oder röthliche Licht eines Sternes scheint oder flimmert und dieses traurige Haus wie die dunkeln Höhen des Schwarzwaldes, das Heimathdörflein, die Städte und Kasernen des Rheinthales überschaut und vielleicht in die Scheiben einer Hinterstube leuchtet, in welcher Meister März mit seinen Gottseligen conventikelt. Benedikt soll halblaut beten, die Hausordnung will es, doch er will nicht und murmelt sehnsüchtige Wünsche vor sich hin.
Dann legt er den Strohteppich zum Schutze gegen den kalten Boden vor das Bett und legt sich nieder, um zu schlafen.
Er hat den Tag über streng gearbeitet und befindet sich bald auf der Brücke zwischen Wachen und Schlafen, doch das langgedehnte Gebrülle einer gedankenlosen oder auch boshaften Schildwache laßt ihn einstweilen die Gedanken ans Einschlafen vergessen.
Man mag ein Zurufen der nicht weit von einander stehenden Schildwachen für zweckmäßig erklären, doch welchen Zweck soll ein mehr als viehisches Brüllen und absichtliches Wiehern haben, welches manche Soldaten allnächtlich auf den Ringmauern zum Besten geben?
Weit entfernt vom Militär kleiner Länder den Geist und die Haltung der Soldaten einer großen Armee und damit viel zu viel zu verlangen, möchte doch nicht zuviel verlangt sein mit der Forderung, daß die Wachkommandanten des Zellengefängnisses häufiger zur Einsicht kämen, gewaltsame Störung des Schlafes vieler Kranken und Gefangenen sei nicht nur etwas Unnöthiges, sondern auch etwas Unzweckmäßiges und Unwürdiges.—
Seufzend wickelt sich der Duckmäuser fester in seinen Teppich, kehrt sich gegen die Wand und der Bibelvers, welcher ihn heute so sehr beschäftigte, kommt abermals und immer wieder ihm in den Sinn. Er schließt die Augen gewaltsam und zählt so lange von Eins bis Hundert rückwärts, bis endlich der Schlaf dem Zählen ein Ende macht, ein Schlaf ohne Erquickung und Ruhe, denn was sich in seinem Gemüthe regt, lebt auch im Schlafe fort und die Gedanken, welche er heute gehabt, spinnen sich in die Traumwelt weiter. Wovon soll ein Zellenbewohner träumen? Von den kleinen Ereignissen der Gegenwart? Sie biethen ihm zu wenig Interesse dar, als daß sie sich häufig in seine Träume verweben sollten. Höchstens die Schule beschäftigt den Träumenden, er setzt manchmal Rechnungen fort oder sieht in lebendigen wunderlichen Gestalten vor seinen Augen vorgehen, was er dort gehört. Meistens träumt er von der Vergangenheit, von den Hauptereignissen seines Lebens, vom Prozesse, der ihn vernichtet oder auch von der Zukunft, einer bessern, freudevollern Zukunft, von einer Welt voll süßer Täuschungen, welche der Klang der Hausschelle am frühen Morgen wegzaubert.
Selten im Sträflingssaale, häufig bereits in der Zelle hat der Benedict geträumt vom Heimathdörflein, von den beiden Schwitten, von den Herzkäfern, dem Saumathis und Straßenbasche und vom Kasernenleben und manchmal ist er entsetzt aufgefahren, wenn die todte Mutter oder der Vater mit dem zerschmetterten Haupte oder dem ledernen Beutel, aus welchem er 50 Gulden herauszählte, vor ihm stand.
Sechs Jahre muß ein Zellenbewohner in der Zelle bleiben, wenn die Strafzeit 9 oder mehr Jahre beträgt. Sechs Jahre sind über 2190 Tage und ebensoviel Nächte eines eintönigen Lebens und eine solche Zahl sollte nicht ausreichen, um den alten Adam abzulegen?—
* * * * *
Mehrere Jahre sind verflossen, seitdem der Benedict das Inwendige eines Sträflingssaales zum letztenmale gesehen. Er sitzt noch immer in der Zelle, ist noch immer hineingebannt in den unerbittlichen Gang des Lebens, welches Jahr für Jahr und Tag für Tag so ziemlich in derselben Weise eintönig vorüberschleicht, wie wir es beschrieben. Aber der leichtsinnige Hobist ist indessen ein stiller, nachdenklicher, ein besserer und im Ganzen glücklicher Mensch geworden, der nicht mehr seine Freilassung für das Höchste hält, weil er aufhörte, die Erde als das Höchste zu betrachten.
Rasch und leicht ging solche Umwandlung keineswegs von Statten. Sie kostete bittere Thränen, schwere Kämpfe, verzweiflungsvolle Nächte, schonungslose Selbstanklagen, tausend vergebliche Vorsätze und mußte Schritt für Schritt mit dem stärksten, unermüdlichsten und grimmigsten Feinde, welchen der Mensch hat, nämlich mit der Selbstsucht im Kampfe liegen.
Als nakte Selbstsucht besiegt, kleidete sie sich in das Gewand der Tugend und Religion, mit Hülfe des Geistlichen entlarvt, mußte der Kampf von Neuem aufgenommen werden. Jetzt ist sie gebunden, gedemüthiget, aber noch nicht getödtet, erst der Tod wird sie vollkommen tödten.
Geht nicht eine alte Sage unter dem Volke, die zertretene Schlange vermöge nicht zu sterben, bevor die Sonne untergegangen?—
Der Duckmäuser ist noch jung und stark, er gehört zu den Gebesserten, insofern man Mienen, Gebärden, Reden, Benehmen, Eifer in Schule und Kirche, das gleichmüthige und heitere Ertragen aller Entbehrungen und Leiden eines einsamen Zellenbewohners, das unbedingte Anheimstellen des eigenen Schicksals in den Willen Gottes, die lebendigen Aeußerungen eines tiefen Bewußtseins der ehemaligen Unwürdigkeit, der gegenwärtigen Schwäche und einer dankbaren Anerkennung der erbarmenden Liebe des Erlösers gegen ihn als Zeichen von Besserung ansehen darf.
Er lebt so, als ob er nicht mehr allein in der Zelle sei, sondern als ob die friedlichen, beseligenden Gestalten des Himmels bei ihm ein und answandelten und als ob der Allmächtige den Fluch der bösen Thaten, die der Benedict verübt, von dessen Haupte hinweggenommen habe.
Aber so wenig wir auf eine Besserung halten, welche erst auf dem Todbette erfolgt oder deren Verdienst dem zunehmenden Alter, der wachsenden Einsicht in das Eitle und Nichtige alles Irdischen, der erkaltenden Begierde, günstiger gewordenen Lebensverhältnissen und andern Umständen hauptsächlich zugeschrieben werden können, so zweifelhaft und jedenfalls für die menschliche Gesellschaft fast unfruchtbar bleibt auch die geistige Wiedergeburt eines Zellenbewohners, so lange derselbe in der Zelle lebt.
Weßhalb?
Er kann in der That gebessert sein, mag in der sittlichen Erstarkung auch große Fortschritte gemacht haben und aufrichtig beschwören, ja auch den Schwur nach der Entlassung treulich erfüllen, daß er niemals wieder in eine Strafanstalt zurückkehre—aber seine Besserung kann immerhin vorherrschend als eine Besserung für das Zuchthaus und nicht als eine für die Welt betrachtet werden.
Zeit und Gewohnheit sind für jeden Leidenden ein Balsam, der Zellenbewohner entbehrt desselben nicht, aber er entbehrt vieler Gelegenheiten und Versuchungen zu Sünden, Lastern und Verbrechen, welche die Welt darbietet.
Man hat die Zellenbewohner schon mit Klosterbewohnern verglichen und dadurch einen hinkenden Vergleich mehr zu Papier gebracht.
Ein Zellenbewohner kann zwar so weit gelangen, daß er seine Strafe gleichsam aus freiem Entschlusse auf sich nimmt, doch kein freier Entschluß, den Versuchungen der Welt zu entfliehen, sondern ein Verbrechen hat ihn in die Einsamkeit getrieben, der Spielraum seiner Freiheit ist geringer, als der jedes Bruders eines jeglichen Ordens, seine Lage ist vielfach schwieriger als die des Trappisten und der Austritt aus der Zelle steht in keiner Weise in seiner Macht.
So wenig wir denen beistimmen, welche wähnen, ein Zellengefangener besitze keine Gelegenheit Beweise seiner Besserung abzulegen, so geben wir doch zu, daß die vollständige Besserung eines Zellenbewohners sich erst nach der Entlassung zu bewähren vermöge.
Ein gebesserter Sträfling soll aber nicht blos kein neues, von wandelbaren Gesetzen verpöntes Vergehen sich mehr zu Schulden kommen lassen, sondern überhaupt ein guter Mensch, treuer Familienvater und rechtschaffener Bürger sein.
Saufen, Spielen, Verschwenden, Betrügen, Ehebrechen, Faulenzen, Weib und Kinder und Mitmenschen mißhandeln soll er als trauriges Privilegium jenen Vielen überlassen, welche mit und ohne Glacéhandschuhe erhobenen Hauptes an Strafanstalten vorüberwandeln und gleich jenem Pharisäer jubeln: "Herrgott, was bin ich für ein prächtiger, vortrefflicher Kerl!—Noch niemals habe ich ein gemeines Verbrechen begangen, welches mich in eine Strafanstalt führte!"
Will eine Regierung sich vollkommen überzeugen, ob Zellenbewohner auf eine Weise gebessert werden, daß die menschliche Gesellschaft wirklichen Nutzen davon hat, so muß sie nach unseren Ansichten genaue Nachrichten über das Leben und Treiben aller Entlassenen von Zeit zu Zeit einziehen. Freilich, wo Leute erst dann in die Zelle gelangen, wenn sie im Laster bereits alt wurden, auch in diesem Falle oft nur kurze Zeit zu bleiben haben oder durch Hungerkost und Dunkelarrest für die nächste Zeit von Verbrechen abgeschreckt, dagegen der Besserung weit schwerer zugänglich gemacht werden, da läßt sich nicht allzuviel hoffen, doch jedenfalls würde sich herausstellen, daß jugendliche Verbrecher, welche 2 bis 3 Jahre in einer Zelle zubrachten, nicht wieder in eine Strafanstalt zurückkehrten und durch ihr Leben keinen Grund zur Befürchtung baldiger Rückkehr darbieten.
Damit wäre aber die Einzelhaft als eine für den Staat und die Gefangenen gleich wohlthätige Einrichtung gerettet, insofern von Besserung im strengsten Sinne des Wortes die Rede ist.
Ruhig und friedlich lebt der Benedict nunmehr in seiner Zelle und schaut wohlgemuth auf Alles zurück, was er in ihr durchgemacht hat.
In der ersten Zeit überraschte ihn die Neuheit seiner Lage, er hatte sich Alles viel fürchterlicher vorgestellt, als er es fand und dem leiblichen Tode würde er gleichmüthig ins Auge geschaut haben.
Es ist ein gewaltiger Irrthum, zu glauben, der Tod komme Verbrecher schwer an. Viele sterben ganz ruhig, weil auch der nahende Tod ihnen die tiefe Ueberzeugung nicht nimmt, daß sie weit eher Märtyrer als Verbrecher seien und zehnmal eher den Himmel als die Hölle oder auch Keines von Beiden zu erwarten hatten. Eine Hauptkrankheit aller Gefangenen ist die Schwindsucht, Schwindsüchtige sind bekanntlich die Letzten, welche an die Nähe ihres Todes glauben und haben auch keinen schmerzhaften Tod.
Ganz schön und leicht und ohne alle Gewissensscrupeln war der Zuckerhannes gestorben, einen ähnlichen Tod wünschte sich auch der Benedict.
Doch nicht der Tod, sondern ein neues Leben sollte ihm in der Zelle werden. In den ersten Monden der Zellenhaft gerieth er, gleich einem frisch eingefangenen, erwachsenen Thiere, das in einen engen Käfig gesperrt wird, in einen Zustand großer Empfindlichkeit und Reizbarkeit, den er mit unsäglicher Mühe beherrschte, um sich nicht bei den Vorgesetzten von vornherein das Spiel zu verderben. Er suchte sich beliebt zu machen und es gelang ihm, wie es ihm noch überall gelungen. Sein chronisches Seelenübel, Eitelkeit und Selbstgefälligkeit, fand jedoch nicht Pflege und Nahrung genug, dem Spiele einer lebhaften Phantasie überlassen, gerieth der vielbelesene Kopf zuweilen mit der rauhen Wirklichkeit in Fehde und weil er stets den Kürzern zog, machte sich die wachsende Reizbarkeit zuweilen Luft.
Das kurze Wort, der scharfe Blick eines Aufsehers konnte ihn in solcher Gemüthsstimmung beben machen und was Beamte und Geistliche der Anstalt, in der er früher gewesen, niemals gehört hatten, hörten die des Zellengefängnisses: schwere Anklagen gegen Gott und Welt, Gesetze, Richter, Zeugen, alle Menschen, welche ihm jemals etwas Böses zugefügt haben sollten.
Ein so entschuldbarer und schon so lange mißhandelter Mensch seiner Art gehörte freigelassen, das verstand sich von selbst—er machte Bittschriften und die Beamten mußten dieselben wohl entgegennehmen, wenn sie Schlimmes nicht schlimmer machen wollten. Natürlich lautete die Antwort kurz und gut, man fühle sich in keiner Weise veranlaßt, seine Begnadigung derzeit zu befürworten.
"In keiner Weise!"—["]also haben die Beamten und der Geistliche nicht für mich geredet! ... Verderben ihnen!" dachte der enttäuschte Benedict und schwor ingrimmig, keines Menschen Wort und Mienen mehr zu vertrauen. Er suchte sich in die ehemalige Gleichgültigkeit hineinzulügen, den Besuchern mit kalter Höflichkeit und schlauer Berechnung entgegen zu kommen, doch seine Jugend- und Lebenserinnerungen leisteten ihm beständig Gesellschaft, alle Gestalten derselben lebten und wandelten draußen herum, diesen gegenüber mochte er nicht gleichgültig bleiben und wenn er die Eisenbahn pfeifen hörte, welche glückliche Menschen seiner Heimath zutrug oder an stillen Sonntagen die Parademusik hörte, weinte er oft Thränen stiller Verzweiflung.
Ein unbedachtsamer Hitzkopf war er sonst nie besonders gewesen, aber jetzt wurde er es, weil er das Feuer, das in ihm zehrte, nicht zu bemeistern vermochte. Er redete, was er fühlte, ohne sich lange zu besinnen und gar Manches, was er in ruhigeren Stunden verdammte.
Endlich versank er in einen Zustand stiller Trauer und hoffnungsloser Schwermuth. Er würde sich vielleicht aufgehängt haben, wenn das Hängen nicht ein gar zu gemeiner Tod und der Selbstmord überhaupt kein Akt tapferer Feigheit wäre. Er hatte angefangen, ernster und gründlicher als je in sich selbst hineinzuschauen und der Ich, welcher aus ihm heraus ihm selbst entgegengrinste, zeigte eine so schreckliche Gestalt, daß der Benedict nahe daran war, an Gott und an sich selbst zu verzweifeln.
Aus dem Trübsinn riß ihn der würdige Geistliche.
Er ließ sich das ganze Leben des Gefangenen erzählen, zeigte ihm, was er gewollt und gethan, anderseits was Gott gewollt und gethan habe und verwies auf die Tröstungen der Religion.
Ein erklärter Feind der Religion, Geistlichen und rechtschaffener Menschen war Nro. 110 niemals gewesen, kannte die Lehren der katholischen Kirche und wußte, wie tief die Wurzeln liegen, welche dieselbe mindestens noch beim Volke getrieben. Die äußern Gebräuche hatte er als Gefangener niemals vernachläßiget, aber religiös gesinnt konnte er nicht werden unter Menschen, die Mangel an Religion für die höchste Tugend erklärten. Ohne daß er es merkte und wollte, übten die Religionsspötter doch Einfluß auf ihn, als Betbruder zu gelten, däuchte ihm eine Unklugheit und halbe Schande.
Nachdem er in der Zelle genug geflucht, gewüthet und sich den Tod gewünscht, begann er zu beten.
Schule, Kirche, gute religiöse und andere Schriften machten einen wohlthätigen Eindruck auf ihn, eine herzhafte Generalbeichte wurde der Anfang zur Besserung.
Langsam und allmählig, wie der Benedict hochmüthig, leichtsinnig, diebisch und liederlich geworden, lernte er Demuth kennen und üben, die Sünden zuerst als eine unpraktische Dummheit und dann erst recht als eine Beleidigung der Majestät Gottes kennen, die Sehnsucht nach irdischen Gütern, Genüssen und Ehren minderte sich, je mehr sich ihm die Gestalten des Himmels offenbarten und auf dem Pfade zur Versöhnung mit sich selbst, der Welt und Gott ward ihm mannigfache Hülfe.
Hat er nicht einen Briefwechsel mit seinen Geschwistern angefangen, an welche er lange Jahre nicht geschrieben? Wurden die Antworten nicht eine reiche Quelle des Trostes und der Ermunterung für ihn? Erfuhr er nicht unter andern, der Vater habe noch einige Stunden gelebt und Zeichen der Verzeihung gegen das Bild an der Wand gemacht, welches den Benedict als Hobisten darstellte? Schöpfte der Unglückliche nicht daraus den Trost, der Vater habe ihn noch bei Lebzeiten nicht für seinen absichtlichen Mörder gehalten?
Am ersten Montage des Septembers 185... wurde Nro. 110 unvermuthet ins Besuchzimmer abgeholt. Er schrak ganz zusammen und die Kniee zitterten ihm, als er durch die kühlen Gange geführt wurde und erinnerte sich, auf diesem Wege sei er in die Anstalt hereingekommen.
Richtig liegt auch das Besuchzimmer im Vorderbau beim Eingange und der Gefangene, welcher Besuch empfängt, sieht die Thüre, die ins große Zuchthaus hinausführt.
Das Besuchzimmer des Zellengefängnisses ist so eingerichtet, daß der Gefangene nicht das Mindeste von den Besuchern in Empfang zu nehmen vermöchte, wenn auch gar keine Aussicht vorhanden wäre. Die Leute sehen einander mit Mühe, geschweige daß sie sich die Hand zu geben vermöchten und die Stimme ist wohl das Hauptsächlichste, woran sie sich gegenseitig erkennen. Hausordnungswidrig darf sich auch keine Stimme vernehmen lassen, denn zwischen den bis zur Decke eng verpallisadirten Käfigen der Besuchenden und des Besuchten steht ein Aufseher, so lange sie zusammen reden und diese Aufseher sind ausgewählte, pflichttreue Diener, wie man sie wohl selten in einer Strafanstalt beisammen trifft.
Für die übertrieben scheinende und in der That harte Einrichtung des Besuchzimmers finden wir nur Einen haltbaren Grund: man will die Angehörigen, Freunde und Bekannten der Zellenbewohner von Besuchen abschrecken.
Dieser Grund ist allerdings haltbar, weil ein Zellenbewohner wahrend seiner ganzen Haft mehr oder minder in einem empfindsamen, leicht erregbaren Zustande sich befindet und durch nichts leichter als durch Besuche in eine gewaltige und manchmal unheilbringende Aufregung versetzt wird.
Wer weiß, welchen Eindruck der jetzige Besuch auf den Benedict gemacht hätte, wenn er nicht bereits zum religiösen Halt in sich gelangt gewesen wäre!——
Er hat am Besuchzimmer später nichts ausgesetzt, denn er fühlte sich unwürdig, den beiden Lieben, welche ihn besuchten, näher zu treten und die Hand zu reichen und mußte sich im ersten Augenblicke an einer Pallisade halten, um nicht zusammenzubrechen. Standen doch ihm gegenüber der älteste Bruder, der Johannesle, welcher Zeuge der allerersten Arretirung in der Apotheke gewesen und neben ihm——das Rosele!
Stumm, von seltsamen Gefühlen bewegt, schauten sich diese drei Menschen an, so gut es möglich war, dann brachen sie in ein lautes Weinen und Schluchzen aus und endlich begannen sie zu reden, anfangs ohne recht zu wissen was und wovon. Der Benedict faßte noch zuerst Muth und Besinnung und erzählte ihnen sehr Tröstliches von seinem Zellenleben, was die Beiden ruhig machte.
Wie groß und mannhaft ist der Johannesle geworden und jetzt verheirathet, wie sehr hat das Rosele gealtert und wie manche Thräne mag über diese braunen, gefurchten Wangen geflossen sein! Das Weib des Straßenbasche ist todt, doch der alte Mann lebt noch, sie pflegt ihn und ist ledig geblieben bis zur Stunde. Der Mensch liebt nur einmal recht in seinem Leben, alles Späterkommende ist mit Lumperei vermischt!—
Daheim im Dörflein hat das Jahr 1848 die rothe Schwitt vollständig ans Ruder gebracht und der Willibald ist Obmann des Sicherheitsausschusses gewesen. Es gab nur Demokraten, welche soffen und schrieen und Einige, welche in Winkeln herumkrochen, das Maul hielten und erst nach der Ankunft der Preußen auf die frühern "Maulhelden," um deretwillen doch eine Armee ins Land rückte und das Pulver nicht sparte, tapfer schimpften. Dafür wurden diese Bürgermeister und Gemeinderäthe; nur Einer ging leer aus und meinte, er hätte es eher als Alle verdient. Dieser Eine war der Sohn des alten, längst vermoderten Fidele, der Max vom Rindhofe, der Taufpathe der rothen Schwitt.
Dieser Taugenichts, an welchem übrigens ein Heli von Vater, eine dem positiven Christenthum bereits entfremdete Schule und vor Allem schlechtes Beispiel Vieles versündiget, hatte die Zukunft der rothen Schwitt als Anführer derselben anticipirt, bevor die Februarrevolution ausbrach und alle Rothschwittler und Rothschwittlerinnen des Landes zu Ehren brachte.
Den gewöhnlichen Weg vom leichtsinnigen Müßigänger zum genußwüthigen Lumpen, von diesem zum kleinen und allgemach zum großen Verbrecher und entschiedenen Feinde Gottes und der Menschen durchmachend, lernte Max das Innere vieler Wirthshäuser, Spitäler und Gefängnisse kennen und benahm sich im Heimathdörflein so, daß selbst die ärgsten Rothschwittler nicht gerne mehr mit ihm sich abgaben.
Seit den Märztagen führte der Willibald das große Wort im Dörflein, das sich wie an den meisten Orten in drei Parteien theilte, nämlich in eine lärmende und herrschende, in eine feigherzig schweigende und unentschlossen abwartende und endlich in die Windfahnenpartei, welche sich heute zu dieser morgen zu jener neigte, heute das einige Deutschland und den Großherzog, morgen die Republik hochleben ließ.
Mit Max hielten es nur einige Schnapslumpen und Solche, welche auch bereits aus Erfahrung wußten, wie Gefängnißsuppen und Zuchthausbrod schmecken. Das Dörflein hat während der langen Abwesenheit des Benedict traurige Fortschritte in Liederlichkeit und Verarmung gemacht, trotz den Anstrengungen derer vom alten Schrot und Korn und der Jungen der schwarzen Schwitt seinen guten Ruf jährlich mehr eingebüßt und ist das Haus des Brandpeterle nebst einigen andern aus einer Schule der Laster zur Verbrecherschule geworden.
Was man wenig überlegt und selten gelten lassen will, nämlich die Mitschuld der Gesellschaft an den Verbrechen der Einzelnen ließe sich gelegentlich dieses Dörfleins bis ins Einzelnste nachweisen, mit Namen, Thatsachen und sogar mit Zahlen belegen und spielte der Name eines Pfarrverwesers der Nachbarschaft dabei leider eine ebenso erhebliche als unläugbare Rolle. Wir können uns hier nicht näher darauf einlassen und melden zunächst nur, daß die Lumpen und Schlechten begreiflicherweise der Gesellschaft und dem Staate nicht einige Mitschuld, sondern übertreibend die Hauptschuld an ihren Lumpereien, schlechten Streichen und Verbrechen aufbürdeten und beim Ausbruche des Lärmes freudenroth und blutigroth schillerten und redeten, weil sie vermeinten, nunmehr sei das goldene Zeitalter der "Bürger" Schurk und Compagnie vor der Thüre und bereit waren, Alles zu thun, was ihren alten Gegnern zuwider und arg und ihren Wünschen entsprechend war.
Doch der Willibald trat sogleich an die Spitze der Liberalen, die in einer Woche zu vollblütigen "Demokratern" wurden und statt mit dem Max und dessen engern Freundeskreis zu fraternisiren, warf man ihm die bittere Wahrheit haufenweise ins Gesicht und durfte in Gegenwart der alten Freunde kaum ein Gläslein im Hirzen trinken, ohne in Gefahr und wegen seines bösen Maules manchmal in den Fall zu gerathen, eine unfreiwillige Reise durch die Luft zu machen. Der Max, darob erbost, liebäugelte einige Zeit mit den alten Freunden seines Vaters, welche aus ruhigen Bürgern zu heillosen "Aristokraten" geworden. Diese machten es ihm gerade wie die Windfahnen; sie scheuten sich, ihm und seiner Sippschaft offen entgegenzutreten und ließen sich nur durch die Unverschämtheit, mit welcher er Jeden mit "Du" und "Bürger" anredete, in die Häuser eindrang und schmarotzte, zuweilen bewegen, ihm nicht mit schweigender Verachtung zu begegnen, sondern gleich den Demokratern mit Dreschflegeln zu winken.
Kurz und gut, der redegewandte Max mit den Seinigen gelangte zu keinem Einfluß, fand Alle gegen sich und schimpfte heidenmäßig auf Alle. Als im Spätjahr 1848 die Nachricht kam, wie Struve im Interesse der Freiheit, Bildung und des Wohlstandes Aller im Oberland die Einzelnen traktire, Beamte in Ketten schlage, ganzen Dörfern mit Brand und Mord drohe, Einzelne fange, Gelder des Staates einsäkle und zahmgewordenen Kammerlöwen mit dem Sarras winke, um sie zu patriotischen Liebesgaben an die soziale Republik aufzumuntern, da schwoll dem Max das Herz in freudigbanger Erwartung, seine Sippe steckte die Köpfe zusammen, die Demokrater kratzten hinter den Ohren, die Aristokrater ließen schwere Seufzer fahren und gruben Nachts Löcher im Keller, die Windfahnen vertilgten mehr Wein, Bier und Schnaps als je, um beim etwaigen Einzuge des "Statthalters und der Statthalterin" dauerhafte Gurgeln zum Vivathochschreien zu haben.
Leider machte ein regnischer Sonntag im September den frühlingshaften Ahnungen der Rothen, Röthern und Röthesten des Ländleins durch die "Schlacht" bei Staufen ein Ende und als der Max gar erfuhr, daß Struve in der Nacht mit der Eisenbahn als Gefangener durch die erste Provinz seines Reiches gesaust, da rief er in tiefem Schmerz:
"Mit Deutschlands Einheit ist's Mathäi am Letzten. Das Parlament läßt nicht hängen und köpfen, der deutsche Michel läßt seine besten Männer besiegen, die Elsässer halten uns mit ihren Pralereien zum Narren, rächen wir uns an der schwarzen Schwitt, denn diese trägt an allem Schuld!"——
Gesagt, gethan. Er stand mit einigen Kameraden dem Willibald als einem Abtrünnigen und "Aristokrater" auf den Weg, sie schlugen denselben halbtodt und nahmen sich das Trinkgeld dafür aus seiner Tasche. Schon einige Stunden später saßen Alle im Amtsthurme, doch der Rädelsführer fröhlich und guter Dinge, denn erstens war die Kerkerkost besser als in friedlichen Zeiten, zweitens hegte er keinen Zweifel als politischer Verbrecher behandelt, beurtheilt und, amnestirt zu werden und drittens dann als politischer Märtyrer etwas einträglichere Geschäfte als bisher machen zu können.
Die Untersuchung währte sehr lange; die Richter empfanden damals große Scheu, irgend einem Sohne des souveränen Volkes Unrecht anzuthun und beliebäugelten das Individuum im Spiegel der Allgemeinheit. Doch nach der Mairevolution erwachte der alte Heldenmuth und eine niegesehene Rührigkeit im Verurtheilen und der Max spazirte als Räuber dahin, wohin er gehörte.
"Er hat's noch nicht abgesessen und lebt unter Einem Dache mit Dir!" schloß der Johannesle; siedendheiß fuhr es dem Benedict durch die Glieder, denn der alte Schwarzschwittler regte sich in ihm und konnte es nicht lassen, mit dem Haupte der rothen Schwitt am gleichen Ziel angekommen zu sein und unter Einem Dache zu leben.—
Nach vielen Herzkäfern und Schulkameraden, deren Stolz und Freude er dereinst gewesen, wagte er gar nicht zu fragen, denn der Johannesle besaß keinen Funken jenes Taktes, mit welchem Besucher mit Zellengefangenen reden müssen, wenn sie denselben keine schweren Stunden und schlaflose Nächte bereiten wollen und das Rosele war etwas schweigsam und kurz.
"Hab' oft für Dich gebetet, Benedict und will für Dich jetzt täglich in die Frühmesse gehen. Was ich nicht über Dich vermochte, vermag am Ende dieses wunderliche Haus noch am besten!—Sei getrost, der alte Herrgott lebt noch und weiß, was für Dich gut ist und die großen Herren sind besser als die kleinen. Betrübe Dich nicht zu sehr, weil Du da sitzest, denn daheim und im Lande sieht es so aus und geht es so zu, daß auch ordentliche Leute manchmal fast froh wären, hier oder doch tausend Stunden vom Rhein weg zu sein und Maxes alte Kameraden erzählen genug, wie man im Zuchthaus ungeschorener und besser lebe als in der Freiheit!"—
"Viele, die selbst mitmachten, sind jetzt die ärgsten Anzeiger und Leuteschinder; wenn man's sieht, wie das Land ausgefressen und ausgesogen, dem Armen das letzte Leintuch unter dem Leibe weggerissen wird, weil der "Vollstrecker" oder der Staat Geld braucht und wie nirgends Zutrauen und Verdienst zurückkehren wollen, da wunderts Einen nicht, weßhalb Tausende jetzt auswandern nach Amerika. Am Ende kommst Du auch noch hinein, Benedict, denn seitdem die Gemeinden und der Staat Solche, die im Zuchthaus gewesen wegen Stehlen und Rauben, mit den Politischen nach Amerika spediren, geht das Gerede, alle Zuchthäuser würden allgemach geleert und der Befehlshaber von Amerika habe herausgeschrieben, man solle ihm doch alle Arrestanten schicken, weil es an Händen fehle zum—Arbeiten!"
Benedict schüttelte etwas ungläubig den Kopf und meinte:
"Für mich gibts keine irdische Hoffnung mehr!—Ich habe schon an Dir, Rosele, mein Loos verdient, weil ich Deine einst so treue Liebe so mißachtete und mißhandelte!—Ich möchte nicht einmal wieder unter die Menschen, denn was habe ich zu erwarten? Gutes wenig, sei es im Badischen oder in Amerika. Lebewohl, Liebe, bete für mich und denke, daß ich endlich doch hier ein anderer Mensch werde!"
Rosele fuhr mit der Schürze über die Augen, winkte dem Unglücklichen noch einmal mit der Hand und wandte sich nach der Thüre, während Johannes einen Besuch im nächsten Jahr nach der Erndte versprach, falls diese gut ausfalle und ziemlich kühl Behütegott sagte.
Der Benedict hat sich eine Minute an den Pallisaden gehalten, als die Beiden gingen, hat gezittert und sich schier die Lippen wund gebissen, um nicht laut aufzuschreien. Doch ist er seiner selbst Meister geworden und still in seine Zelle zurückgekehrt, wo er auf die Kniee fiel und Gott ein heiliges Gelübde machte.
Seitdem ist er allgemach zu einem rechten Christenmenschen geworden, hat tief in sich hineingeschaut wie selten Einer und ernsthaft an seiner innern Läuterung gearbeitet, so daß er nunmehr alle Leiden um Christi willen freudig trägt.
Und wenn heute der herzensgute Fidele vom Grabe auferstünde und seinen Einzigen im grauen Kittel in der Zelle sähe, so würde sein Schmerz durch die Freude überwogen, in diesem zwar einen Verbrecher, aber einen gebesserten Verbrecher zu finden.
Der Max vom Rindhofe hat in der Zelle auch Gelegenheit erhalten, über sich selbst lange und ernstlich nachzudenken und sich selbst gründlich kennen zu lernen. Selbsterkenntniß aber ist und bleibt der Anfang aller Weisheit. Könnte man alle Menschen gleich den Zellenbewohnern zum Nachdenken zwingen—die Erde hörte auf, ein großes Zuchthaus zu sein und der Streit, ob man Mitmenschen pennsylvanisch, auburnisch oder nach der alten Methode drangsaliren müsse, damit die Gesellschaft sicher sei, würde als Kennzeichen einer rohen und barbarischen Zeit betrauert werden.