Peter. Wissen
Sie das nicht?
Valer. Herr
Barthold und Ihr alle seyd verrückt. Ein andermal soll man es mir
zweymal sagen, ehe ich hierher kommen und meine Rolle spielen
will.
(Geht ab.)
Isabelle. Kann ich denn wohl so
glücklich seyn, zu erfahren, was es für eine Heirath sey, woran
heute gearbeitet wird?
Harl. Sie soll
zwischen einem Bräutigam der sich Scrupel macht, einer Seits, und
zwischen einer Braut die sich keine macht, ander Seits,
geschlossen und nicht geschlossen werden.
Isabelle. Aus
diesem räthselhaften Geschwätze schließe ich, Harlekin, daß Du es
bist, der sich Scrupel macht.
Harl. Der
Henker traue den Mädchen! Ich glaube, sie lesen einem aus den
Augen was man denkt. Aber, was hat man denn auch anders in den
Augen, wenn man erst zu Verstande kömmt, als die Lust zu
heirathen? Sehen Sie mir das nicht gleich an?
Isabelle. O!
das habe ich Dir lange angesehen, und Kolombinen ebenfalls.
Harl. Ey,
schau doch, wie listig sie das Geheimniß herauslocken will!
Isabelle. So
war denn doch die Heirath zwischen Dir und Kolombinen das
Geheimniß? Nun, so wünsche ich Dir viel Glück damit; es ist ein
braves Mädchen.
Harl. Dürfte
ich wohl unterthänigst fragen, was Sie durch ein braves Mädchen
verstehen? Ich habe sonst gemeint, die Pferde würden nur brav
genannt.
Isabelle. Ich
will damit nur sagen, daß Kolombine ihre Rolle gut spielt, daß
sie sehr geschickt, sehr schön, sehr lustig, sehr gutherzig--
Harl. Aber
nicht auch sehr tugendhaft sey?
Isabelle. O!
das versteht sich von selbst; und ich kann Dir zur guten
Nachricht sagen, daß sie noch gar kürzlich ein paar brillantene
Ohrringe ausgeschlagen hat.
Harl. Aber der
Freyer, der sie ihr angeboten, sollte der nicht so gewisse
Vermuthungen gehabt haben, daß sie solche wohl annehmen
würde?
Isabelle. Ich
glaubte, Harlekin, Du dächtest besser von unsrer Schaubühne. Wenn
man alle diejenigen von uns verurtheilen wollte, welche etwa
einen freundlichen Blick vergelten, oder sich eine Versuchung
zuziehen, so würde man sehr ungerecht gegen uns seyn.
Peter. Nein,
der Faden muß wenigstens abbrechen und die Schnur vom Rade
fallen, sonst kann man seiner Probe nicht sicher seyn.
Isabelle. Das
dünkt mich auch, Peter; und wo ich Dich recht kenne, so würdest
Du mein Cathrinchen gern nehmen, ohne Scrupel; und Du, Harlekin,
thätest auch wohl, von der Probe nach der Hochzeit zu
reden.
Harl. Das ist
verflucht gefährlich, und zu seiner Zeit eben nicht
tröstlich.
Isabelle. Ich
wünsche Euch mit einander ein Paar Weiber, die Euch die Köpfe
zurechte setzen; und wenn Herr Barthold seine selige Frau noch
hätte, so würde er mich nicht hieher auf April geschickt haben.
Das sagt ihm nur, wenn Ihr ihn sehet.
(Geht ab.)
Harlekin
und Peter.
Harl. Nun,
Peter, wo hast Du meine Companie gelassen?
Peter. Hier
ist sie (indem er ihm das Kleid holet
und übergiebt).
Harl. (Zieht das Kleid über das seinige, und macht
dabey ein Theaterspiel).
Die Vorigen
und Scapin.
Scapin. Ha!
willkommen, mein werthester Herr Hauptmann!
Harl. Wie,
Scapin, kennest Du mich denn nicht mehr?
Scapin. In der
That, wenn Dich Deine Stimme nicht verrathen hätte, so würde ich
Dich schwerlich erkannt haben.
Peter. Aber
die Hosen?
Scapin. O! die
kann man bey jedem Kleide tragen, und ein Witwer mag sie so gar
in der Trauer anziehn.
Peter. Bey uns
sagt man, es ist kein Herr so groß, oder der Narr blickt irgendwo
hervor.
Harl. Ich
bitte Dich, Peter, mache doch solche dumme Vergleichungen nicht.
Ich habe diese Hosen mit Fleiß behalten; denn sollte die Probe
unglücklich ablaufen, so hänge ich das Kleid sogleich an den
Nagel, und bin wieder der ich
war. Aber, was denkst Du, Scapin, sollte man mich wohl aus
Achtung für die Uniform ungeschlagen zurückschicken?
Scapin. Mache
Dir doch nur solche Skrupel nicht. Wenn Kolombine ein ehrliches
Mädchen ist, und Du es recht bey ihr anfängst, so mußt Du Deine
Schläge bekommen, oder ich verliere fünf Gulden.
Harl. Gut! es
ist ein Wort.
Peter.
Wahrhaftig, ich wette mit, Herr Harlekin. Kolombine ist ein
ehrliches Mädchen. Sie bekommen die Schläge zuverlässig, und ich
gewinne mein Geld, oder Sie haben es nicht recht darnach
angefangen.
Harl. Peter,
es gilt fünf Batzen; und mit Freuden will ich sie euch beyden
auszahlen. Eins fällt mir aber itzt bey: ich habe gar kein Geld
in der Tasche. Ich müßte doch wohl, wenn ich einen Versuch wagen
will, so irgend einen Beutel mit Dukaten haben.
Scapin.
Glaubst Du denn nicht, daß ich weiß, was Dir in solchen Fällen
nöthig ist? Fühle nur einmal in die Taschen. In der einen steckt
meines Herrn leerer Geldbeutel mit Zahlpfennigen, und in der
andern das Futteral von seinen Schuhschnallen. Kolombine wird
Dukaten und Iuwelen darin vermuthen, und wenn Du es ihr
anbietest, Dir gewiß Beydes an den Kopf werfen, ohne zuzusehen
was darin ist.
Harl. Weißt Du
dies gewiß?
Scapin. So
gewiß als Du den Glauben auf den Puckel bekommen wirst.
Peter. Viel
Glücks dazu.
Harl. (zu Scapin) Wolltest Du mich wohl bey
Kolombinen melden?
Scapin. Ey,
warum nicht? Ich diene meines Herrn Uniform, und schäme mich
nicht, solche bey Kolombinen anzumelden.
Harl. So gehe
geschwind.
Harlekin
und Peter.
Harl. Der
Scapin ist doch ein durchtriebner Kopf, und weiß zu allem
Rath.
Peter. Nach
meinem dummen Verstande gehört eben nicht viel Witz dazu, Ihnen
zu einer guten Tracht Schläge zu verhelfen. Das wollte ich auch
wohl thun.
Harl. O mein
guter Peter, das ist weit über Deinen Horizont. Du weißt es
nicht, wie angenehm mir diese Schläge seyn werden.
Peter. Nun,
meinethalben. Alles wie Sie wollen. Wenn ich nur meine fünf
Batzen gewinne. Ich fange aber nunmehro an zu fürchten, Sie
werden, wenn die Wette verloren geht, in den Beutel mit
Zahlpfennigen greifen.
Harl. Du
sollst Deine fünf Batzen gewiß haben, oder ich heiße nicht
Hauptmann von Astaroth.
Peter. Ach,
meynen Sie nicht, daß die Leute Sie erkennen werden? Ihre Stimme
verräth Sie gleich.
Harl. Die weiß
ich schon zu verstellen. Ich will die ordentliche Rolle eines
Hauptmanns spielen, so wie ich sie gelernt habe.
Die Vorigen
und Scapin.
Scapin. Die
Mademoiselle Kolombine Barthold läßt sich dem Herrn Hauptmann von
Astaroth gar schön zurück empfehlen, und weil sie nicht glaubte,
daß der Herr Hauptmann ihr etwas Heimliches zu sagen haben
würden, so wollte sie die Ehre haben, denselben hier auf der
Bühne zu empfangen.
Harl. War sie
allein?
Scapin. Sie
saß und nähete an einem Unterrocke, worin sie mit Dir, wie ich
hoffe, getrauet werden wird; ein allerliebstes Röckchen von
feuerfarbenem Atlas mit Spitzen eingefaßt, nicht kostbar, aber
niedlich.
Peter. Sie
kommt! Sie kommt!
Scapin. Komm
Peter, wir wollen in die nächste Schenke gehn, und unsre künftige
Wette vertrinken.
(Letztere gehn ab.)
Harlekin.
Kolombine.
Harl. Assah!
Miß Pudding, wie stehts? Ist die Leber noch frisch, und seyd Ihr
diesen Winter gut bequartirt?
Kolombine.
Darf ich fragen: was zu des Herrn Hauptmanns Befehl sey?
Harl. Zu
meinem Befehl? Drey Küsse auf eine Stelle, mein Schatz, drey
Küsse--
Kolombine. Ich
weiß nicht, ob ich es recht verstanden habe, der Herr Hauptmann
von Astaroth sind bey mir gemeldet worden.
Harl. Das bin
ich im Original, mein kleines Zuckermündchen. Darf ich aber auch
wohl fragen, ob Sie nicht die Mademoiselle Kolombine Bartholdinn
sind?
Kolombine.
Ihnen aufzuwarten, Herr Hauptmann.
Harl. Nun, so
sind wir ja bekannte Leute und Nachbars Kinder. Komm dann, mein
Schatz, und küsse mich.
Kolombine. Ich
glaube immer noch, ich irre mich. Man hat mir gesagt, daß Sie
einige Bestellungen von einer sehr guten Freundinn, die ich auf
dem Lande habe, an mich hätten.
Harl. Ia,
recht, mein liebes Sauernüßchen. Hier habe ich ein Paar
orientalische, peruvianische Ohrringe, und dort einen Beutel mit
eintausend gerändelten Species-Dukaten. Was dünkt Dir dabey, mein
Rosenknöspchen?
Kolombine. Ich
begreife noch eigentlich nicht, wozu das alles?
Harl. Wozu,
Mädchen? Primo sollst Du mich dafür
neun und neunzig Mal küssen.
Kolombine.
Ach, wer weiß bey welchem Mädchen Sie diese Ohrringe wohl
erbeutet haben, und ob Sie ihr nicht gar dabey die Ohren
ausgerissen!
Harl. Ich
eroberte sie in dem Laufgraben vor Schweidnitz, und diese tausend
Dukaten habe ich einem französischen Marschalle en rase campagne abgenommen.
Kolombine. Ich
sehe wohl, Herr Hauptmann, Sie haben an mich nichts zu bestellen,
und ich will mich Ihnen nur gehorsamst wieder empfehlen.
Harl. O
Prinzessinn! so wird es nicht gehn. Flugs hierher!
(Er nimmt sie bey der Hand, und stellet
sie so daß sie ihm nicht entgehen kann.)
und diese Ohrringe, diese Dukaten, diese
Küsse angenommen.
(Er will sie küssen, und sie wehret
sich.)
Kolombine. Ich
bitte Sie recht sehr, Herr Hauptmann, mäßigen Sie Sich.
Harl. Was
mäßigen? Drey Iahre belagere ich eure verdammte Schaubühne, als
wenn ich eine Festung belagere; und beständig habe ich meine
Kanonen auf Dich gerichtet. Daß ich endlich einmal Sturm laufe,
mußt Du mir nicht verdenken. Sogleich diese Ohrringe
eingesteckt!
(Er dringt ihr solche auf, sie fallen
aber auf die Erde.)
und hier diese tausend Dukaten, oder
(wie vorher.)
und nun gehts auf die Bresche los.
(Er umarmt sie auf seine Art.)
Kolombine. Ach
mein Gott! Gewalt, Gewalt, Gewalt!
Die Vorigen,
Barthold, Scapin und Peter
kommen von allen Seiten.
Barth. Was
ists, was ists, was ists?
Kolombine.
Sehen Sie nicht, der Herr Hauptmann will mich mit Gewalt küssen,
und mich zwingen tausend Dukaten und ein Paar brillantene
Ohrringe anzunehmen.
Barth. Und
darum schreyest Du so, Mädchen? Ich wette, wenn ich den Herrn
Hauptmann mit Gewalt zum Hause hinaus werfe, er macht nicht einen
solchen Lerm.
(Kolombine hebt inzwischen das Kästchen
auf und sieht aus Vorwitz hinein.)
Harl. Ich
bitte, sprechen Sie mit mehr Achtung von mir, sonst will ich
Ihnen was anders zeigen.
Barth.
Geschwind heraus damit, was wolltest Du mir anders zeigen?
Harl. Ich habe
es nicht nicht bey mir; aber, wenn Sie erlauben wollen, so will
ich hingehen und es holen.
Barth. Du bist
sehr fein, wie ich merke; inzwischen, wenn Sie es erlauben
wollen, so will ich Ihnen vors erste wohlmeynend eine Tracht
Schläge mitgeben. Sie mögten es vielleicht vergessen sie
abzuholen.
(Er prügelt ihn zur Schaubühne herunter.
Scapin und Peter halten ihm überall wo er hin läuft, die Hände
vor, um ihr Geld zu empfangen. Harlekin entflieht endlich.)
Wo ist der Beutel mit den tausend Dukaten,
und wo sind die demantenen Ohrringe? Diese erkläre ich hiermit
für verfallen. Ich muß dieses
Urtheil nur geschwind selbst sprechen, damit der Richter das
Corpus delicti nicht zu sich
nehme.
Kolombine. Ach
daß Gott erbarme! Lassen Sie doch diese Sporteln immerweg dem
Richter; er wird sie den Parteyen treulich wieder ausliefern, und
sich gern mit der Gebühr befriedigen. Sehen Sie hier.
(Er nimmt den Beutel und das
Kästchen.)
Scapin.
Erlauben Sie, Herr Barthold, daß wir Ihnen eine Vorstellung thun.
Es war unser guter Harlekin, der hier, in des Herrn Hauptmanns
Kleidung, die Erfrischung zu sich genommen.
Barth. Wie?
Harlekin?
Peter. Ia, bey
meiner Treue; er hat die Schläge nur auf des Herrn Hauptmanns
Rechnung genommen, und ich bin froh, daß er sie empfangen hat.
Ich habe mit ihm um fünf Batzen gewettet, und bereits die Hälfte
davon vertrunken.
Kolombine. O,
der arme Harlekin! wenn ich das gewußt hätte, ich würde ihm gewiß
zu seiner mehrern Beruhigung noch eins mitgegeben haben.
Scapin. Ich
kann Sie versichern, er ist so froh von seinen Schlägen, daß er
sie gerne noch einmal nehmen wird, wenn er die Ehre haben kann
und Sie Sich die Mühe nehmen wollen.
Kolombine.
Kömmt Zeit, kömmt Rath.
Barth. Aber es
ärgert mich doch, daß die tausend Dukaten-- Fast hätte ich Lust,
ihm den Prozeß machen zu lassen. Falsche Münze! Nothzucht--
wahrhaftig, eins von Beyden hat schon manchen ehrlichen Mann an
den Galgen gebracht. Aber still;
hört, geht Ihr hin, und trinkt Eure Zeche. Ich will alles gut
machen. Sagt ihm aber nichts davon, daß ich einige Nachricht von
seiner Verkleidung habe.
Scapin. Sie
sind ein redlicher Mann, Herr Barthold. Kein Wort aus meinem
Munde!
(Er hält den Finger auf den Mund, und
geht ab.)
Peter. Auf
Ihre und Mamsell Kolombinens Gesundheit!
(Er hält die ganze Hand auf den Mund, und
geht ab.)
Barthold
und Kolombine.
Barth. Ich
zweifle nicht daran; oder Harlekin wird itzt kommen, nachdem er
seine närrische Probe gemacht, und um Dich anhalten. Euer sind
viele, meine liebe Kolombine, und wenn Harlekin bisweilen ein
bisschen einfältig ist, so mußt Du denken: daß diese seine
Einfalt unsrer Bühne vielen Vortheil bringt, und daß wir ohne ihn
nicht wohl fertig werden konnen. Was meynst Du also von ihm? Soll
ich Ia, oder Nein sagen, wenn er um Dich anhält?
Kolombine.
Nein, Papa!
Barth. Nein,
Papa! und warum denn, Nein, Papa?
Kolombine.
Aber ein Mann, der mir ein so schlechtes Vertrauen beweißt? Der
erst mit Schlägen zur Vernunft
gebracht werden muß?-- Der--
Barth. O! die
Liebe macht auch kluge Leute Narren; man muß dieser Thorheit
etwas zu gute halten, und Schläge auf der Bühne beschimpfen
Harlekin nicht. Das ist so seine tägliche Rolle. Er wird zu allem
geschlagen, und sogar zum Hahnrey. Und Du kannst mir als Deinem
Vater wohl glauben, die Leute,
welche eine gewisse bekannte Art von Klugheit oder Narrheit
haben, sind am besten zu regieren. Die mehrsten Menschen
heirathen als Narren, und werden erst klug als Männer, wenn sie
auch im Ehestande nichts weiter lernen, als die Kunst zu
schweigen. Zu einer guten friedlichen Ehe gehört Iugend,
Gesundheit und Geld. Das übrige läßt sich entbehren, insbesondere
der Verstand, wenn man sein Brot mit der Dummheit verdienen
muß.
Kolombine. Es
sey darum wie es wolle; da wir keine Comödie spielten, so hätte
er mehr Verstand gebrauchen sollen. Er ist so dumm nicht, wie Sie
meynen, und ich habe von Natur einen verzweifelten Trieb die
Listigen zu überlisten.
Barth. Du
kannst ihn nicht besser überlisten, als wenn Du ihn zum Manne
nimmst.
Kolombine.
Erst soll er mir wenigstens hier vor allen Leuten öffentlich
Abbitte thun, und dann will ich sehen was ich thue.
Barth. Warum
soll er denn aber für den Hauptmann von Astaroth Abbitte thun,
mein Kind? Wir brauchen es ja nicht zu wissen, daß Harlekin sich
so übel aufgeführt hat.
Die Vorigen
und Harlekin.
Harl. Nun,
mein liebes Kolombinchen, wollen wir itzt Braut und Bräutigam
spielen? Ich will wohl, wenn
Sie will.
Kolombine. Ich
will aber nicht.
Harl. Wie? Du
willst nicht?
Kolombine.
Haben Sie mich diese Antwort nicht selbst gelehret?
Harl. Ia, das
habe ich gethan; aber das war nur eine Rolle in der
Comödie.
Kolombine.
Nun, ich spiele itzt die meinige. Ich will nicht.
Barth. Kinder,
was Ihr thun wollt, das thut bald; es ist meine Zeit zu trinken,
und die versäume ich nicht gern.
Harl. Noch
einen Augenblick, Herr Barthold, ich muß Ihnen erst einen
listigen Streich erzählen. Kennen Sie den Herrn Hauptmann von
Astaroth?
Barth. O ja,
ganz gut. Ich habe noch eben die Ehre gehabt, ihn aus meinem
Hause zu prügeln.
Kolombine. Es
ist ein sehr schlechter Mensch.
Harl. O wenn
Sie es wüßten!
(Er geht auf der Bühne herum, und freuet
sich.)
Barth. Ich
denke doch nicht; daß er sich der empfangenen Ehre rühmen
wird?
Harl. O, mein
guter Herr Barthold, wenn Sie es wüßten! Gelt? Sie glauben den
Herrn Hauptmann von Astaroth geschlagen zu haben? Ha! ha!
ha!
Barth. Ia, das
meyne ich.
Harl. Sehen
Sie mich einmal recht an! und fühlen hier auf meinen Rücken! He!
he! he!
Barth. Bey
meiner Ehre, ich sollte fast glauben, daß ich hieher geschlagen
hätte. Ich kenne ungefähr meinen Zug. Aber, wie geht das in aller
Welt zu?
Kolombine. O,
mein lieber Harlekin, thun Sie mir den Gefallen, und sagen mir,
ob nicht ein wenig Hexerey mit unterläuft?
Harl. Nun, was
soll ich haben, wenn ich Dir das Geheimniß entdecke?
Kolombine. Wir
wollen auch oft Braut und Bräutigam mit einander spielen.
Harl.
Unvergleichlich! aber erst, mein liebes Kolombinchen, mußt Du mir
im Vertrauen sagen, warum Du so gern die Braut spielest?
Kolombine. Das
kann ich Ihnen nicht sagen; aber ich bin denn so munter, so
leicht, so aufgeräumt, so tanzend.
Harl. Hast Du
wohl schon so recht im Ernste getanzt?
Kolombine.
Nun, da Sie wieder so fragen, will ich das Geheimniß gar nicht
mehr wissen. Gehen Sie damit, und eröffnen es meinem
Cathrinchen.
Harl. Du
sollst es nun aber wissen.
Kolombine.
Nichts! Itzt durchaus nicht; und wenn Sie mir auch tausend
gerändelte Dukaten geben wollten.
Harl. Ich
merke schon--
Barth.
Vertrauen Sie es mir allein, Harlekin; bey Mädchen sind die
Geheimnisse ohnehin etwas lose verwahrt. Sie fallen leicht aus
der Hülse.
Harl. Hören
Sie, Herr Barthold; und St! St! Kolombine,--ich war der Hauptmann von Astaroth. Ich hatte
nur seinen Rock hier über den meinigen gezogen. Ha! ha! ha!
Barth.
Nimmermehr.
Harl. In der
That. Aber kannten Sie mich nicht hier an meinen bunten Hosen?
Ha! ha! ha!
Kolombine.
Ietzt
besinne ich mich; ich sahe etwas davon schimmern.
Harl. Gelt!
mein guter Herr Barthold, ich habe Sie einmal rechtschaffen
angeführt? Ha! ha! ha!
Barth. Auf
solche Art sollte der ehrlichste Mann betrogen werden. Aber, ich
bitte Sie tausendmal um Vergebung, daß ich mich so nachdrücklich
gegen Sie herausgelassen habe.
Harl. O! Sie
haben gar nicht Ursache. Ich bin vielmehr froh, daß es so
gekommen ist; denn nunmehr bin ich versichert, daß Kolombinchen
die Krone von allen Iungfrauen ist. Meine Scrupel sind nun alle
weg.
Kolombine. Die
meinigen gehen aber nun erst an.
Harl. O, mein
allerliebstes Lockvögelchen, Du kannst mich nur wieder ein
Vierteljahr auf die Probe nehmen, ich bin es gerne zufrieden. Wenn
Sie will,
ich will wohl.
Kolombine. Die
Probe mögte schlecht ausfallen; ich weiß schon, wie das geht.
Harl. Wie? Du
weißt es wie das geht?
Barth. Haben Sie
noch Scrupel?
Harl. Ach nein!
aber Sie weiß wie das geht.
Kolombine. Ia,
ich weiß wie das geht. Ein ehrliches Mädchen, das einen Mann auf
die Probe nimmt, muß ihn hernach immer behalten; und das will ich
nicht.
Harl. Höre, mein
Schätzchen, wenn Du willst, so will ich es Dir schriftlich geben,
daß die Probe nicht länger als einen Monat währen soll.
Kolombine.
Bemühen Sie Sich nicht. Sie wissen, was Sie mir zuvor sagten: Wenn
die Comödie aus ist, so hat die Freyerey ein Ende. Ich empfehle mich
Ihnen ganz gehorsamst.
(Sie will abgehn.)
Harl. O Herr
Barthold! Herr Barthold! das wäre zu viel, erst Schläge, und nun
gar einen Korb! Das ist eine Comödie und auch keine Comödie.
Barth. Hier,
Kolombine! Die Comödie ist noch nicht zu Ende. Du weißt, sie muß
allezeit mit einer Heirath schließen.
Kolombine. Nein,
Papa! Das ist nicht nöthig; wir haben viele Stücke auf unsrer Bühne,
welche sich bloß mit Schlägen endigen: und wenn es recht zugegangen
wäre, so hätte Harlekin, oder der Herr Hauptmann von Astaroth, auch
damit zu Hause gehen müssen.
Barth. Ich rathe
Ihnen, mein lieber Harlekin, hier meiner Tochter Ihre Scrupel
öffentlich abzubitten.
Harl. O von
Herzen gern! Siehe hier, mein Engels Kolombinchen, ich liege hier
vor Dir auf den Knieen, und bitte öffentlich um Vergebung.
Kolombine. Sie
müssen mir erst Ihr Schwert übergeben. Es schickt sich nicht, daß
Sie solches in dieser Stellung an der Seite tragen.
(Er überreicht ihr seinen Säbel.)
Sie hätten verdient, Herr Hauptmann von
Astaroth, daß ich Ihnen jetzt mit Ihrem eigenen Säbel die
Haut voll schlüge. --Weil Du es aber bist, mein allerliebstes
Harlekinchen, so will ich--
Harl. O kein:
will ich nicht! kein will ich nicht!
Kolombine. So
will ich--
Harl. Nun, so
will ich--
Kolombine. So
will ich die Strafe fürs erste noch aufschieben--
Harl. Nur nicht
bis in den Ehstand!
Kolombine. Aber
mit der ausdrücklichen Bedingung: daß wir noch immerfort alle Tage
Braut und Bräutigam spielen.
Harl. O ja! o ja!
Barth. Ach, meine
lieben Kinder, ihr wißt noch nicht, was dazu gehört.
Harl. Wie? Herr
Barthold, so bekomme ich ja alle Tage von der braunen Kruste.
Barth. Die ist
für eine tägliche Kost etwas zu hart; und wenn man ein Stück zu oft
wiederholt, so werden es sogar die Zuschauer müde.
Kolombine. Sorgen
Sie nicht, Papa; ich weiß schon, wie Harlekin sie am liebsten ißt.
Er kann es ja probiren, und wenn er sie dann nicht mehr mag, so will
ich ihm was anders vorsetzen.
Barth. O du liebe
Einfalt! aber kommt Kinder, weil der Braten noch warm ist.
Kolombine. Ich
bin fertig.
Barth. Ie nun;
so wollen wir den Zuschauern eine gesegnete Abendmahlzeit
wünschen.
Harl. Und zur
Probe, eine braune Kruste.
*) Man sehe über dies
scherzhafte Stück die Nachricht, welche ich in Möser's Leben S. 81 f. davon gegeben habe. Da es
in seiner Art merkwürdig ist, habe ich es auch besonders abdrucken
lassen. R.