______________________________ _ Schörl (Mineral) _ ______________________________ Introduction ______________________________ Das Mineral Schörl ist ein häufig vorkommendes Ringsilikat aus der Turmalingruppe mit der idealisierten chemischen Zusammensetzung NaFe2+3Al6(Si6O18)(BO3)3(OH)3(OH). Schörl ist anhand äußerer Kennzeichen nicht von anderen dunklen Turmalinen wie Fluor-Schörl, Oxy-Schörl, Povondrait, Bosiit, Ferro-Bosiit oder eisenreichen Draviten oder Elbaiten zu unterscheiden. Sie kristallisieren mit trigonaler Symmetrie und bilden schwarze, oft gut ausgebildete, prismatische Kristalle von wenigen Zentimetern Größe, die in seltenen Fällen über einen Meter lang werden können. Die Prismenflächen zeigen oft eine deutliche Streifung in Längsrichtung. Im Dünnschliff zeigt Schörl einen sehr starken Pleochroismus von blass gelblich-braun nach intensiv gelb-braun. Wie alle Minerale der Turmalingruppe ist Schörl stark pyroelektrisch und piezoelektrisch. Typlokalitäten sind die Seifen in Flusssedimenten des sächsisch-böhmischen Erzgebirges, die seit dem 12. Jahrhundert von eingewanderten Bergleuten aus dem Fichtelgebirge abgebaut wurden. Hier tritt Schörl zusammen mit Zinnstein auf. Etymologie und Geschichte ______________________________ 'Ein nützlich Bergbüchlin' (hier die Ausgabe von 1527) enthält die erste Erwähnung von Schörl Der Name Schörl war in verschiedener Schreibweise vermutlich schon vor dem Jahr 1400 gebräuchlich, ist aber erst 1505 von Rülein von Calw in seinem „wohlgeordnet und nützlich büchlein, wie man bergwerk suchen und finden soll“ das erste Mal als 'Schörlein' schriftlich festgehalten worden. Im Jahr 1562 veröffentlichte der deutsche Pfarrer Johannes Mathesius seine 'Sarepta Oder Bergpostill, Sampt der Joachimßthalischen kurtzen Chroniken', eine Sammlung von 16 Predigten. In der 1559 entstandenen IX. Predigt „Vom Zin / Bley / Glet / Wismut und Spießglaß“ erwähnt er den 'Schürl', der zusammen mit dem 'Zwitter' (Zinnstein) vorkommt und die Qualität des gewonnenen Zinns beeinträchtigt. Über die Herkunft des Wortes Schörl gibt es verschiedene Hypothesen. Wahrscheinlich ist ein gemeinsamer Ursprung mit dem Wort 'Schor' für 'Abfall'. Auch ein Ursprung im althochdeutschen 'Schoro' bzw. 'Schorlo' für 'Felsgrund' wurde in Betracht gezogen. Die mittelalterlichen Funde im sächsischen Erzgebirgskreis nahe der Ortschaft Zschorlau führten zu der Vermutung eines gemeinsamen Ursprungs von Orts- und Mineralname. Einerseits wurde vermutet, das Mineral sei nach seinem Fundort nahe Zschorlau, vor 1400 auch Schorl, Schorla, Schorle und Schorlo, benannt worden. Umgekehrt wurde auch vermutet, der Ort könnte nach dem Mineral benannt worden sein. Für den Ortsnamen 'Zschorlau' wird eher eine Ableitung vom sorbischen Wort 'žórło' für 'Quelle' angenommen. Der schwedische Name 'skörl' geht möglicherweise auf 'skör' (spröde) zurück. Bis etwa 1600 waren noch folgende Namen in Gebrauch: 'Schurel', 'Schörle' und auch 'Schurl'. Im 18. Jahrhundert setzte sich dann im deutschen Sprachraum der Name 'Schörl' durch, der auch heute noch Verwendung findet. Im 18. Jahrhundert wurden die Bezeichnungen 'shorl' und 'shirl' in den angelsächsischen Sprachraum eingeführt und im 19. Jahrhundert auch die Bezeichnungen 'common schorl', 'schörl', 'schorl' und 'iron tourmaline'. Im 18. Jahrhundert wurde der Name Schörl (lateinisch 'Scorlus') für zahlreiche, aus heutiger Sicht vollkommen verschiedene, Minerale mit ähnlichen Aussehen verwendet. So führt z. B. Carl Abraham Gerhard in seinem 'Grundriss des Mineralsystems, zu Vorlesungen' von 1786 11 verschiedene Schörle mit unterschiedlichen, blättrigen bis stengeligen Habitus. Die Übereinstimmung der Kristallform von Schörl und Turmalinen beschrieb als erster Jean-Baptiste Romé de L’Isle 1772 und die ersten chemischen Analysen publizierten Johann Christian Wiegleb im Jahr 1785. Mit der Kristallform als Ausprägung der Struktur einerseits und der Zusammensetzung andererseits konzentrierten sie sich auf die Kriterien, die auch heute maßgeblich sind für die Definition eines Minerals, die Verwirrung um die zahlreichen Schörle konnten sie aber noch nicht eindämmen. So beklagt Anfang des 19. Jahrhunderts auch der Bürger Haüy in seinem Lehrbuch der Mineralogie bei der Beschreibung der Amphibole, dass insbesondere die französischen Mineralogen zahlreiche Minerale unter dem Namen Schörl zu den Amphibolen rechneten, die mit diesen wenig gemeinsam haben. Er listet 16 Schörle auf, z. B. Elektrischer Schörl (Turmalin), Grüner Schörl (Epidot), Vulkanischer Schörl (Augit), Violetter Schörl (Axinit), Weißer Schörl (Feldspat), Blauer Schörl (Kyanit), und befindet, dass „...die Naturgeschichte an keinem anderen Orte mehrere Irrthümer, in einem so kleinen Raume zusammengedrängt, aufzuweisen...“ hat. „Ja, zuweilen genügte das schon, wenn das Fossil mit keinem sonst bekannten Aehnlichkeit hatte. Man machte schnell einen Schörl daraus, blos weil man doch etwas draus machen musste“, klagt er weiter. Am Ende entschließt er sich, „...an diesem Worte, welches zu so vielen Irrthümern Anlass gegeben hatte, gleichsam ein Exempel zu statuiren, und es aus der Nomenklatur der Fossilien gänzlich zu verbannen.“ Der deutsche Mineraloge Martin Heinrich Klaproth bemerkt hierzu 1810, dass diese Verwirrung größtenteils bereits beseitigt wurde, „...indem die mehresten der, unter jener gemeinschaftlichen Bezeichnung sonst begriffenen Fossilien angemessenere Namen, und ihren Bestandtheilen entsprechendere Stellen im Systeme erhalten haben.“ Er plädiert daher dafür, den Namen Schörl weiterhin für das ursprünglich damit bezeichnete Mineral zu verwenden, den gemeinen Schörl (schwarzen Stangenschörl, Tourmaline opaque et noir). Als Referenz für die Eigenschaften und chemische Zusammensetzung von Schörl gibt er Beschreibungen und chemische Analysen von zwei Schörlkristallen von Fundorten am Eibenstock (Erzgebirge) und bei Aschaffenburg (Spessart) an. Suzanne Fortier und Gabrielle Donnay schließlich klärten 1975 die Struktur des Schörls auf. Klassifikation ______________________________ In der strukturellen Klassifikation der International Mineralogical Association (IMA) gehört Schörl zusammen mit Fluor-Schörl, Dravit, Fluor-Dravit, Tsilaisit, Fluor-Tsilaisit, Chrom-Dravit und Vanadium-Dravit zur Alkali-Untergruppe 1 der Alkaligruppe in der Turmalinobergruppe. In der letztmals 1977 überarbeiteten und daher veralteten 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz gehörte der Schörl zur Mineralklasse der „Silikate“ und dort zur Abteilung „Ringsilikate (Cyclosilikate)“, wo er gemeinsam mit Buergerit, Dravit, Elbait, Tsilaisit und Uvit in der „Turmalingruppe“ mit der Systemnummer 'VIII/C.08' steht. In der zuletzt 2018 überarbeiteten Lapis-Systematik nach Stefan Weiß, die formal auf der alten Systematik von Karl Hugo Strunz in der 8. Auflage basiert, erhielt das Mineral die System- und Mineralnummer 'VIII/E.19-050'. Dies entspricht der Klasse der „Silikate“ und dort der Abteilung „Ringsilikate“, wo Schörl zusammen mit Adachiit, Bosiit, Chrom-Dravit, Chromo-Alumino-Povondrait, Darrellhenryit, Dravit, Elbait, Feruvit, Fluor-Buergerit, Fluor-Dravit, Fluor-Elbait, Fluor-Liddicoatit, Fluor-Schörl, Fluor-Tsilaisit, Fluor-Uvit, Foitit, Lucchesiit, Magnesio-Foitit, Maruyamait, Olenit, Oxy-Chrom-Dravit, Oxy-Dravit, Oxy-Foitit, Oxy-Schörl, Oxy-Vanadium-Dravit, Povondrait, Rossmanit, Tsilaisit, Uvit, Vanadio-Oxy-Chrom-Dravit und Vanadio-Oxy-Dravit die „Turmalingruppe“ mit der Systemnummer 'VIII/E.19' bildet. Die von der International Mineralogical Association (IMA) zuletzt 2009 aktualisierte 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Schörl in die Klasse der „Silikate und Germanate“ und dort in die Abteilung „Ringsilikate (Cyclosilikate)“ ein. Hier ist das Mineral in der Unterabteilung [[Systematik der Minerale nach Strunz (9. Auflage)#Gruppe 9.CK|„[Si6O18]12−-Sechser-Einfachringe mit inselartigen, komplexen Anionen“]] zu finden, wo es zusammen mit Chrom-Dravit, Dravit, Elbait, Feruvit, Fluor-Buergerit, Foitit, Fluor-Liddicoatit, Magnesio-Foitit, Olenit, Oxy-Vanadium-Dravit, Povondrait, Rossmanit und Fluor-Uvit die „Turmalingruppe“ mit der Systemnummer '9.CK.05' bildet. In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen und zuletzt 1997 veröffentlichten Systematik der Minerale nach Dana hat Schörl die System- und Mineralnummer '61.03.01.10'. Das entspricht der Klasse der „Silikate“ und dort der Abteilung „Sechserringe“. Hier findet er sich in der „Turmalingruppe“, in der auch Foitit, Liddicoatit, Uvit, Feruvit, Fluor-Buergerit, Povondrait, Olenit, Elbait, Dravit und Chrom-Dravit eingeordnet sind. Chemismus ______________________________ Schörl ist das Fe2+-Analog von Dravit und hat die Endgliedzusammensetzung [X]Na[Y]Fe2+3[Z]Al6([T]Si6O18)(BO3)3[V](OH)3[W](OH), wobei [X], [Y], [Z], [T], [V] und [W] die Positionen in der Turmalinstruktur sind. Natürliche Schörle sind komplexe Mischkristalle mit variablen Gehalten der leichten Elemente Wasserstoff (H), Lithium (Li) und Bor (B) und enthalten neben verschiedenen weiteren Elementen fast immer auch dreiwertiges Eisen. Vollständige chemische Analysen erfordern daher eine Kombination verschiedener, aufwendiger Analysemethoden und werden selten durchgeführt. Für einen Schörl aus dem Alto-Ligonha-Pegmatitfeld in der Provinz Zambezia, Mosambik wurde folgende empirische Zusammensetzung ermittelt: * [X](Na0,64◻0,32K0,01Ca0,03) [Y](Mn0,18Fe2+1,71Al0,88Li0,11Zn0,03Ti0,07) [Z](Al5,67Fe3+0,28Mg0,05) [T](Si5,76Al0,24)O18(BO3)2,99(OH)3,96 F0,17 Die wesentlichen Substitutionen in schörlreichen Mischkristallen sind: * [W]OH− = [W]F− (Fluor-Schörl) * [Y]Fe2+ = [Y]Mg2+ (Dravit) * 3[Y]Fe2+ = 1,5[Y]Li+ + 1,5[Y]Al3+ (Elbait) * [Y]Fe2+ + [W]OH− = [Y]Al3+ + [W]O2− (Oxy-Schörl) * [X]Na+ + [Y]Fe2+ = [X]◻ + [Y]Al3+ (Foitit) Kristallstruktur ______________________________ Turmalinstruktur: Blick entlang der c-Achse; Grau: SiO4-Tetraeder, Hellgrün: Fe2+O6-Oktaeder; Dunkelgrün: Al3+O6-Oktaeder; Orange: Na+O9-Koordinationspolyeder Schörl kristallisiert mit trigonaler Symmetrie in der mit 3 Formeleinheiten pro Elementarzelle. Die Gitterparameter des oben aufgeführten natürlichen Mischkristalls sind 'a' = 15,983(2) Å, 'c' = 7,152(2) Å, die eines synthetischen Schörls 'a' = 16,059(2) Å und 'c' = 7,136(2) Å. Die Struktur ist die von Turmalin. Natrium (Na+) wird auf der von neun Sauerstoffen umgebenen [X]-Position eingebaut, Eisen (Fe2+) auf der oktaedrisch koordinierten [Y]-Position, die ebenfalls oktaedrisch koordinierte [Z]-Position ist mit Aluminium (Al3+) besetzt und Silicium (Si4+) besetzt die tetraedrisch von 4 Sauerstoffionen umgebene T-Position. Die Anionenpositionen [V] und [W] sind beide mit (OH)-Gruppen belegt. Eine ungeordnete Verteilung von Fe2+ auf die verschiedenen oktaedrischen Positionen [Y] und [Z], wie für Magnesium im Dravit beobachtet, spielt beim Schörl fast keine Rolle. Auf der [Z]-Position wird Eisen fast nur als Fe3+ eingebaut. Polymorphie Schörl kristallisiert gewöhnlich trigonal. Daneben sind niedrigsymmetrische Strukturvarianten bekannt, bei denen die Turmalinstruktur durch Ordnung verschiedener Kationen auf einer Oktaederposition, z. B. auf den drei Y-Positionen, monoklin und triklin verzerrt ist (Polymorphie). Im Jahr 2009 wurde so eine monokline Form des Schörls aus der Cleveland-Zinnmine bei Waratah in Tasmanien, Australien beschrieben und von der IMA als neues Mineral 'Luinait-(OH)' (IMA 2009-046) anerkannt. Da sich die Struktur abgesehen von einer leichten Verzerrung nicht von der des Schörls unterscheidet, wurde der Mineralstatus des 'Luinait-(OH)' 2022 wieder zurückgezogen. Eine erneute Untersuchung des monoklinen Schörls aus der Typlokalität von 'Luinait-(OH)' ergab eine trikline Symmetrie für diese Strukturvariante des Schörls. Entsprechend den IMA-Regeln zur Benennung derartiger Modifikationen wurde die Bezeichnung 'Schörl-1A' (A für 'anorthisch' - triklin) eingeführt. Die monokline Modifikation ist entsprechend als 'Schörl-1M' (M für 'monoklin') zu bezeichnen. Eigenschaften ______________________________ Die pyro- und piezoelektrischen Eigenschaften der Turmalinkristalle und damit auch von Schörl, waren mindestens seit Anfang bis Mitte des 18. Jahrhunderts bekannt. Die Besonderheit, dass die Kristalle nach dem Reiben oder Erwärmen elektrische Ladung aufbauten und dann in der Lage waren, Asche und kleine Papierschnipsel anzuziehen, wird unter anderem in Zedlers Universallexikon erwähnt. Holländische Ostindienfahrer, die diese Steine nach Europa mitbrachten, gaben ihnen daher auch den Namen „Aschentrecker“ oder „Aschenzieher“ (nach anderen Quellen auch „Aschentrekker“). Bildung und Fundorte ______________________________ Schörl (schwarz) mit Feldspat (weiß) und Quarz (grau) in einem granitischen Pegmatitgang Schörl ist das häufigste Mineral aus der Turmalingruppe und wurde weltweit an tausenden Fundorten dokumentiert. Es tritt akzessorisch in Graniten, granitischen Apliten, und verbreitet in lithiumarmen Pegmatiten und hochtemperierten hydrothermalen Gängen auf. Schörl kann bei der Gesteinsmetamorphose gebildet werden und sich wegen seiner hohen Verwitterungsbeständigkeit in Sedimenten wie Schwermineralsanden oder Seifenlagerstätten anreichern. Gängige Begleitminerale sind neben den gesteinsbildenden Mineralen Quarz, Albit, Kalifeldspat, Muskovit und Granat die Minerale Epidot, Kassiterit, Topas, Wolframit, Scheelit, Fluorit und Beryll. Die Druck- und Temperaturstabilität von Schörl ist nicht genau bekannt. Experimente unter Bedingungen des oberen Erdmantels (3,5 GPa) und oxidierenden Bedingungen zeigen eine Oxidation von Schörl bei Temperaturen zwischen 500 °C und 700 °C entsprechend der Reaktion * Fe2+ + (OH)− = Fe3+ + O2− + 0,5 H2 (g) Bei höheren Temperaturen (700 - 850 °C) wird Schörl abgebaut zu Almandin, Topas und einer borreichen Schmelze: * NaFe2+3Al6(Si6O18)(BO3)3(OH)3(OH,F) (Schörl) = Fe2+3Al2[SiO4]3 (Almandin) + (Fe3+,Al)2SiO4(OH,F)2 (Topas) + 2SiO2 + Al2O3 + 0,5Na2O + 1,5B2O3 + H2O (Schmelze) Dies passt zu Beobachtungen in einem metamorphen Hochdruckgestein, einem granulitfaziellen Mylonit der Gneis-Eklogit-Einheit bei Forchheim nahe Pockau im Erzgebirge (Sachsen, Deutschland). Bei abnehmenden Druck und Temperatur beim Aufstieg des Gesteins setzt die Bildung von eisenreichen, schwarzem Turmalin bei 870 °C und mindestens 2,7 GPa ein, wobei zuerst Oxy-Schörl gebildet wurde, der zusammen mit Quarz, Feldspat, Granat und Phengit auftritt. Einschlüsse von Coesit und Kyanit sind Zeugen des hohen Drucks, bei dem diese Turmaline gebildet wurden. Deutschland _____________ Als Typlokalität des Schörs werden die Seifen in Flusssedimenten des Sächsischen und Böhmischen Erzgebirges angesehen, insbesondere die Zinnlagerstätten bei Ebersdorf, Geyer, Altenberg, Schneeberg, Zschorlau, Neustädtel und den böhmischen Orten Horní Slavkov (Schlackenwald), Nejdek (Neudek), Horní Blatná (Platten), Pernink (Bärringen), Černá Voda (Schwarzwasser) und Komáří hůrka. Neben zahllosen weiteren Fundorten im Erzgebirge tritt Schörl in Deutschland unter anderem an folgenden Orten auf: * im Fichtelgebirge, z. B. am Epprechtstein bei Kirchenlamitz in Oberfranken * im Harz z. B. im Hagental bei Gernrode in Sachsen-Anhalt oder im Gabbro-Steinbruch im Radau-Tal bei Bad Harzburg in Niedersachsen, * im Spessart z. B. in den Steinbrüchen bei Aschaffenburg in Unterfranken, wie dem Sommer-Steinbruch am Wendelberg bei Haibach, wo Schörl in einem Pegmatit mit Spessartin auftritt * im Schwarzwald z. B. in der Grube Clara bei Oberwolfach im Ortenaukreis in Baden-Württemberg Europa ________ Verbreitet findet sich Schörl in den Alpen, unter anderem * im Bezirk Zell am See in Österreich, z. B. in der Lohninger Grube bei Rauris oder der Teufelsmühle im Habachtal bei Bramberg am Wildkogel * im Kanton Wallis in der Schweiz, z. B. im Mättital in der Gemeinde Grengiols oder Z'Muttentschuggen im Täschtal in der Gemeinde Täsch (Bezirk Visp) * in der Region Trentino-Südtirol (Italien), z. B. in der Bedovina Mine bei Predazzo in der Provinz Trentino Schörl tritt noch in vielen weiteren Regionen Europas auf, wie z. B. * auf der Insel Elba (Provinz Livorno, Italien), z. B. in der Grotta d'Oggi bei San Piero in Campo in der Kommune Campo nell’Elba * in der Autonomen Gemeinschaft Madrid, Spanien, im Puentes-Viejas-Reservoir, Gandullas, Piñuécar-Gandullas und den Bergwerken in der Umgebung * im Distrikt Guarda (Portugal), z. B. in den Granitsteinbrüchen Portugal 1 & 2 bei Malpartida nördlich von Almeida * im Distrikt Viana do Castelo (Portugal) z. B. in der Serra D'Arga westlich von Ponte de Lima * in der Verwaltungsregion Okzitanien (Frankreich) z. B. in der Grube Mas d'en Freixa südlich von Montesquieu-des-Albères im Département Pyrénées-Orientales und weiteren Pegmatiten der Region * in den Pegmatiten und Graniten der Bretagne (Frankreich), z. B. in Kerhilio bei Baud südlich von Pontivy im Département Morbihan, in Saint-Enogat südlich von Dinard bei Saint-Malo im Département Ille-et-Vilaine oder in Schwermineralsanden z. B. am Strand Le Loch Guidel-Plages in der Gemeinde Guidel des Départements Morbihan * in den zahlreichen Kupfer- und Zinnminen Cornwalls (England), z. B. in der Mount Wellington Mine (Wheal Magpie) zwischen Redruth und Truro, der Gunheath China Clay Pit bei Stenalees nördlich von St Austell oder Wheal Cock, Botallack Mine, Botallack nördlich von St Just * verbreitet in Norwegen, vor allem in den Provinzen Vestfold und Telemark z. B. in den Pegmatiten des Langesundsfjorden (auch Schörl-1A) oder in Nordland z. B. bei Hundholmen in der Kommune Narvik (Schörl und Schörl-1M (Luinait-(OH))) * in den Pegmatiten der Woiwodschaft Niederschlesien (Polen), z. B. im Michałkowa-Pegmatit in der Gmina Świdnica im Powiat Świdnicki östlich von Wałbrzych * in der Region Košice (Slowakei), z. B. im Železiar Gang der Mlynky Fe-Cu Lagerstätte bei Mlynky im Okres Spišská Nová Ves Asien _______ Viele Fundorte des Schörls in Russland liegen im südlichen Ural vor allem in der Oblast Tscheljabinsk, z. B. die Grube Nummer 50 (Blyumovskaya) im Ilmengebirge. In Pakistan wurde Schörl vor allem in den Pegmatiten und alpinen Klüften des Sonderterritoriums Gilgit-Baltistan gefunden, z. B. in Dassu im Braldu-Tal des Distrikts Skardu. In der edelsteinreichen Mandalay-Region in Myanmar wurde Schörl in vielen der Edelsteingruben gefunden, z. B. im Mienengebiet Chaung-gyi-ah-le-ywa beim Dorf Chaung-gyi nahe der Stadt Mogok im Bezirk Pyinoolwin. Schörl wurde auch in den japanischen Pegmatiten beschrieben, so z. B. in der Kiura Mine bei Saiki in der Präfektur Ōita, die auch Typlokalität des Turmalins Adachiit ist, oder dem Erzkörper No. 2 des Kannonyama Pegmatites im Landkreis Ishikawa der Präfektur Fukushima. Australien ____________ Die meisten australischen Fundorte liegen im Süden und Westen des Kontinents. Untypisch ist ein Vorkommen im Gravel Hill Strinbruch in den Ascot Hills nahe des Dookie Campus der Universität Melbourne, östlich von Shepparton (Victoria (Australien)). Hier wurde Schörl in metamorphen Vulkaniten mit zwischengelagerten marinen Sedimenten beschrieben, die durch borreiche Lösungen metasomatisch verändert wurden. Schörl tritt hier zusammen mit Danburit, Axinit-(Fe), Grossular, Vesuvianit, Chlorit (eisenreicher Klinochlor), Fluorit, Quarz und Calcit auf. Auf Tasmanien liegen die meisten dokumentierten Fundorte von Schörl im Nordwesten der Insel im Mount Heemskirk Mineralfeld westlich von Zeehan in der West Coast Municipality. Hier wurde Ende des 18. Jahrhunderts Zinn in Greisen der örtlichen Granite abgebaut. In Western Australia wurde Schörl in den zahlreichen Goldlagerstätten und Pegmatiten östlich von Perth gefunden, z. B. im Giles Columbit-Beryll-Pegmatit südlich von Coolgardie in der Region Goldfields-Esperance oder in den Goldminen bei Kalgoorlie-Boulder in derselben Region. Afrika ________ Die Pegmatite des Distrikts Antsirabe II in der Region Vakinankaratra sind bekannt für ihre Turmaline und die wesentlichen Fundorte von Schörl auf Madagaskar, z. B. Tompoambohitra im Sahatany Valley bei Ibity. In Ostafrika wurde Schörl vorwiegend in den Pegmatiten Sambias, Simbabwes und Mosambiks gefunden, z. B. Alto Ligonha Pegmatite Feld südwestlich von Nampula in der Provinz Zambezia in Mosambik. Die Pegmatite des Erongogebirges in Namibia, Südliches Afrika, gehören zu den bekanntesten Edelsteinvorkommen Afrikas. Hier liegen zahlreiche Schörl-Fundorte, in denen sehr schöne Kristalle gefunden wurden, z. B. die Davib Mine der Davib Ost Farm 61 im Wahlkreis Karibib der Region Erongo. Das Erongogebirge ist der größte von mehreren Ringkomplexen, die zu Beginn der Kreidezeit in die älteren Granite und metamorphen Gesteine der Damara-Sequenz intrudierten. Dies geschah im Zuge des Auseinanderbrechens von Gondwana und des Auseinanderdriftens von Südamerika und Afrika bei der Öffnung des südlichen Atlantiks. Auf der anderen Seite das Atlantiks, im heutigen Brasilien, liegen daher vergleichbare Gesteine gleichen Ursprungs mit ebenso bekannten Edelsteinvorkommen. Südamerika ____________ Die kreidezeiltlichen Intrusionen Ostafrikas mit ihren mineralreichen Pegmatiten setzen sich auf der anderen Seite des Atlantiks in den brasilianischen Bundesstaaten Minas Gerais, Goiás und Bahia fort. Schörl ist hier in zahlreichen Mienen gefunden worden, z. B. in der Urucum Miene in Barra do Cuieté des Município Conselheiro Pena im Bundesstaat Minas Gerais, Brasilien. Die schwarzen Turmaline dieser Fundorte sind nicht immer Schörl und können z. B. Lithium enthalten. Die Analyse eines schwarzen Turmalins aus Urucum ergab, dass es sich bei diesem Kristall um einen eisenhaltigen Elbait handelte. Zahlreiche weitere Schörlvorkommen liegen in den Pegamtiten der Anden, vor allem in Argentinien z. B. westlich von Santiago del Estero in den Provinzen Tucumán und Catamarca sowie in Bolivien und Peru. Verwendung ______________________________ Perle aus geschliffenem Schörl Die Verwendung von Schörl als Schmuckstein ist nicht so verbreitet wie die von transparenten Turmalinen, z. B. Elbait. Zahlreiche Händler bieten Schörl, oft unter dem Handelsnamen 'schwarzer Turmalin', vor allem für Trauerschmuck an. In esoterischen Kontexten werden ihm Schutz- und Heilwirkungen wie unter anderem gesteigertes Selbstvertrauen und Durchhaltevermögen zugeschrieben. Außerdem soll er besonderen Einfluss auf das Stirn- und Wurzelchakra haben. Experimentelle Untersuchungen zeigen, dass sich Schörl als Katalysator für Oxidationsreaktionen organischer Verbindungen wie Methylorange durch Wasserstoffperoxid (H2O2) eignet und kann z. B. für die Reinigung von Abwässern mit Farbrückständen verwendet werden. Die hohe Wirksamkeit von Schörl als Katalysator bei dieser Variante einer Fenton-Reaktion wird auf ein elektrostatisches Feld der Schörlkristalle zurückgeführt. Dies geht wie die Pyro- und Piezoelektrizität auf das Fehlen eines Symmetriezentrums in der Struktur der Turmaline zurück. Einzelnachweise ______________________________ Fundortliste für Schörl beim [https://www.mineralienatlas.de/lexikon/index.php/MineralDataShow?mineralid=3413§ions=12 Mineralienatlas] (deutsch) und bei [https://www.mindat.org/min-3578.html#autoanchor25 Mindat] (englisch), abgerufen am 10. Mai 2026. Kategorie:Grandfathered Mineral Kategorie:Trigonales Kristallsystem Kategorie:Ringsilikate (Strunz) Kategorie:Natriummineral Kategorie:Aluminiummineral Kategorie:Eisenmineral Kategorie:Bormineral License _________ All content on Gopherpedia comes from Wikipedia, and is licensed under CC-BY-SA License URL: http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/ Original Article: http://en.wikipedia.org/wiki/Schörl_(Mineral) .