______________________________ _ Gemeine Winterlibelle _ ______________________________ Introduction ______________________________ Die Gemeine Winterlibelle ('Sympecma fusca') ist eine Libellenart aus der Familie der Teichjungfern (Lestidae). Verbreitet ist die Art vor allem im europäischen Mittelmeerraum, in Mitteleuropa und östlich bis zum Ural. Im Gegensatz zu fast allen anderen Libellenarten überwintert sie nicht als Larve oder im Eistadium, sondern als geschlechtsreifes Fluginsekt (Imago). Die Art wurde vom BUND und der Gesellschaft deutschsprachiger Odonatologen zur Libelle des Jahres 2026 gekürt. Imago _______ Vorderkörper eines Männchens. Die obere (dunkelbraune) Thoraxbinde weist im Gegensatz zur Sibirischen Winterlibelle eine gerade Unterkante auf Die Gemeine Winterlibelle ist eine Art, bei der sich die Imagines der Männchen und Weibchen bis auf die Hinterleibsanhänge und einige minimale Größenunterschiede nicht nennenswert unterscheiden, also keinen Sexualdimorphismus zeigen. Die Flügel dieser Kleinlibellen erreichen bei Weibchen wie Männchen Längen zwischen 20 und 22 Millimeter. Auch die Breite der Flügel ist bei beiden Geschlechtern annähernd gleich; sie beträgt bei den Weibchen 1,4 bis 1,7 Millimeter, bei den Männchen 1,3 bis 1,6 Millimeter. Der Körperbau ist schlank und der Hinterleib (Abdomen) ist mit 27 bis 29 Millimetern relativ lang. Die Grundfärbung reicht von einem hellen Beige bis Braun. Die braunen Stellen schimmern kupferfarben und bilden auf dem Abdomen ein Muster aus lanzenförmigen Flecken. Die Brust der Tiere zeigt seitlich zwei dunkle Binden. Bei 'Sympecma fusca' verläuft die Unterkante der oberen Binde gerade. Dieses Merkmal unterscheidet sie von der in Mitteleuropa seltenen Sibirischen Winterlibelle ('Sympecma paedisca'), bei der die Unterkante dieser Binde nach unten ausgebuchtet ist. Im Frühjahr dunkeln die Tiere nach und die Komplexaugen können oben einen bläulichen Ton annehmen. Larve _______ Direkt nach dem Schlupf aus dem circa einen Millimeter großen Ei ist die Larve sehr klein im Vergleich mit anderen Kleinlibellenlarven wie beispielsweise der Weidenjungfer ('Chalcolestes viridis'). Die Farbe der Larven ist ein dunkles bis gräuliches Gelbbraun. Mit den verschiedenen Häutungen hellt sich die Farbe zuerst auf und tendiert dann zu grünlich-grau bis durchsichtig. Mit der dritten Häutung treten erstmals Flügelscheiden auf, und nach der achten Häutung kommt es zur Verwandlung. Habitat ______________________________ Die unscheinbaren Winterlibellen, hier ein Weibchen, verschmelzen optisch mit ihrer Umgebung Larvalhabitat _______________ Das Habitat der Larven der Gemeinen Winterlibelle sind stehende Gewässer bis zu einem Meter Tiefe, sie halten sich aber meist in Tiefen um die 20 Zentimeter auf. Ist das Gewässer noch flacher, bevölkern die sonst auf submersen Pflanzenteilen lebenden Larven auch den Gewässergrund. Bei Gewässertiefen um 50 Zentimeter halten sich die Larven gerne in Beständen von Seggen, Binsen und Sumpfbinsen auf. Förderlich ist zudem ein lichter Bewuchs etwa mit Schilfrohr. Üblicherweise sind die Gewässer, in denen die Larven leben, mesotroph (mäßig nährstoffreich) bis eutroph (nährstoffreich). Zur Imaginalhäutung wählt die Gemeine Winterlibelle Orte bis zu 35 Zentimeter - Ausnahmen bis zu 80 Zentimeter - über der Wasseroberfläche, die vormittags zur Hauptschlupfzeit gut besonnt sind. Habitat der Fluginsekten __________________________ Die Imagines begeben sich zur Reife nach dem Schlupf in lichtes Unterholz oder an Stellen, die mit Adlerfarn bewachsen sind. Danach wählen sie bevorzugt braune Äste, auf denen sie optimal getarnt sind. Über die Überwinterungshabitate ist, außer dass sie teilweise mehrere Kilometer vom Schlupfort entfernt liegen können, wenig bekannt. Bei aufziehendem Frost ziehen sich die Tiere meist in geschützte Ritzen zwischen Steinen oder unter Baumrinde zurück. Aber auch ein „Einfrieren“ über Nacht überstehen sie. Zur Fortpflanzung sucht die Art ganztägig besonnte, von Röhricht bewachsene Gewässer, wobei sie kaum spezielle Vorlieben für bestimmte Größen zeigt. Lebensweise ______________________________ Paar während der Eiablage im zeitigen Frühjahr (hier schon Ende März) Verhalten ___________ Diese Libellen überwintern als voll entwickelte Tiere. An sonnigen Tagen unterbrechen sie ihre Winterruhe und können herumfliegend beobachtet werden, was ihnen auch ihren Namen eingebracht hat. Ab Anfang April findet man sie - als erste Libellen überhaupt - in Gewässernähe. Dort sitzen sie an Stängeln, wobei sie ihre Flügel an den Körper legen. Dies ist ansonsten untypisch für Teichjungfern und führte zu ihrem wissenschaftlichen Gattungsnamen, der sich von dem griechischen Wort 'pyknos' („zusammengelegt“) ableitet. Insgesamt sind die Imagines im Gegensatz zu den wenig erforschten Larven nicht sehr agil. Dies führt zusammen mit ihrer guten Tarnung und der Verhaltensweise, sich bei Annäherung potentieller Feinde auf die andere Blatt- oder Astseite zu drehen, dazu, dass ihre Anwesenheit nicht immer bemerkt wird. Fortpflanzung _______________ Zur Paarung warten die Männchen an Orten mit gegenüber der Umgebung leicht erhöhten Temperaturen auf die später am Tag eintreffenden Weibchen. Die im Paarungsrad stattfindende Paarung dauert dann einige Minuten bis zu einer halben Stunde. Danach bohrt das Weibchen mit üblicherweise weiter angekoppeltem Männchen die Eier in meist schwimmende, abgestorbene Pflanzenteile. Bei Raten von circa vier bis fünf Eiern pro Minute legt es über den Tag an verschiedenen Plätzen um die 350 Eier. Fallen die Lufttemperaturen unter 16 °C, wird die bereits ab 18 °C stark verminderte Eiablage gänzlich eingestellt. Zur Entwicklung brauchen die ungefähr einen Millimeter langen Eier zwischen drei und sechs Wochen. Flugzeit __________ Die Hauptflugzeit der überwinterten, paarungsbereiten Imagines der Gemeinen Winterlibelle liegt in Mitteleuropa im April und Mai, teilweise noch im Juni. In warmen Frühjahren sind schon Ende März Tiere an Gewässern anzutreffen und beginnen mit Fortpflanzungsaktivitäten. Zum Sommeranfang gibt es für gewöhnlich eine kurze Phase ohne Winterlibellen, bevor ab dem Monatswechsel Juni/Juli bis in den September die neue Generation schlüpft. (Gelegentlich kann sich die Phänologie zweier Jahrgänge aber auch überschneiden, dann treffen also die frisch geschlüpften noch auf alte Imagines des Vorjahres.) Die neu geschlüpften Winterlibellen sind noch bis in den späten Herbst aktiv, allerdings ohne sich in dieser Phase zu paaren und Eier abzulegen. Mit dem Beginn längerer Kälteperioden begeben sie sich zur Winterruhe. An wärmeren Tagen können aber selbst im Winter Tiere gesichtet werden. Gefährdung ____________ Während die Art früher in Deutschland als stark gefährdet galt, wird sie inzwischen nicht mehr als gefährdet eingeschätzt. Zum einen beruht dies auf neuen Fundorten und Ausbreitung, zum anderen wird vermutet, dass das Tier auf Grund seiner guten Tarnung in der Vergangenheit häufiger übersehen wurde. Wissenschaftliche Beschreibung und Namen ______________________________ Die erste wissenschaftliche Beschreibung der Art lieferte Vander Linden im Jahre 1820 unter dem Namen 'Lestes fusca'. 1840 wollte Toussaint von Charpentier die Art als Generotyp für die neu einzurichtende Gattung 'Sympycna' nutzen. Allerdings hatte sich Burmeister 1839 in einer Vorabveröffentlichung verschrieben, womit nach den geltenden Benennungsregeln der ältere Name 'Sympecma' zu verwenden war. 1927 kam durch eine Beschreibung von R. P. Longinos Navás noch 'Sympecma aragoniensis' als Synonym hinzu. Literatur ______________________________ * Klaus Sternberg & Rainer Buchwald (Hg.): 'Die Libellen Baden-Württembergs. Bd 1. Kleinlibellen.' Eugen Ulmer, Stuttgart 1999, ISBN 3-8001-3508-6 * Paul-André Robert: 'Die Libellen (Odonaten).' Autorisierte Übersetzung von Otto Paul Wenger, Kümmerly & Frey, Geographischer Verlag, Bern 1959 * T. Brockhaus: 'Die Winterlibelle Sympecma fusca (Van der Linden, 1820) in der Region Chemnitz-Erzgebirge (Odonata).' In: B. Klausnitzer (Hrsg.): Entomologische Nachrichten und Berichte, 42, 4, S. 231-234, Dresden 1998 * Christoph Kämper: 'Winterlibellen gibt es wirklich.' in: Lohmarer Heimatblätter 25, Lohmar 2011 * Reinhard Jödicke: 'Die Binsenjungfern und Winterlibellen Europas.' Westarp Wissenschaften, Magdeburg 1997 Weblinks ______________________________ * [http://www.natur-lexikon.com/Texte/MZ/001/00082-gemeine-Winterlibelle/MZ00082-gemeine-Winterlibelle.html Weitere Bilder und Informationen] * Kategorie:Teichjungfern License _________ All content on Gopherpedia comes from Wikipedia, and is licensed under CC-BY-SA License URL: http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/ Original Article: http://en.wikipedia.org/wiki/Gemeine_Winterlibelle .