Thema: Aufklärung - Aktuelle
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Die Falle der völligen Freiheit:
Scientology, Dianetik und L. Ron Hubbard
von Jon Atack
Übersetzung: Martin Beyer
Übersetzung des NARCONON-Teils: Volkmar
Friauf
(Im Klappentext: Der Erinnerung an Khushroo Motivala gewidmet.)
Scientology ist eine religiöse Philosophie in seiner äußersten Bedeutung, denn sie führt
den Menschen zu völliger Freiheit."
L. Ron Hubbard, 'Religiöse Philosophie und religiöse Praxis', 21.Juni 1960, überarbeitet
am 18.April 1967.
"Eine
endlose "Freiheit von [ ... etwas; Anm.d. Übers.)" ist eine perfekte Falle,
eine Angst vor allen Dingen ... An zu viele Schranken gebunden sehnt sich der Mensch nach
Freiheit. Aber plötzlich in die völlige Freiheit entlassen ist er ziellos und unglücklich."
L. Ron Hubbard in "Der Grund weshalb", 15.Mai 1956.
Das
Werk von L. Ron Hubbard ist seit seiner ersten Ankündigung seiner "modernen
Wissenschaft der geistigen Gesundheit" im Jahre 1950 von Kontroversen umgeben. Seine
Anhänger versichern, daß er nicht nur die Reinkarnation von Buddha, sondern auch
Maitreya ist, der, der buddhistischen Legende zufolge, der Welt die Erleuchtung bringen
wird. Für Scientologen ist L. Ron Hubbard ganz einfach der weiseste, der mitfühlendste
und der scharfsichtigste Mensch, der jemals auf Erden wandelte.
Dennoch
wurde Hubbard durch einen Richter am Obersten Gericht Kaliforniens als "schizophren
und paranoid" bezeichnet und Scientology von einem Richter am Obersten Gericht in
London als "unmoralisch und gesellschaftlich anstößig" bezeichnet.
Scientologen wurden in Kanada, den USA, Dänemark und Italien wegen Straftaten verurteilt.
Eine enorme Menge an schriftlichen Beweisen zeigt, daß Hubbard nicht der war, für den er
sich ausgab und daß sein Fachgebiet nicht den Nutzen bringt, den es für sich
beansprucht.
Die
Scientology Kirche ist eine unglaublich reiche, weltweite Organisation mit mehr als
zweihundertsiebzig Kirchen und Missionen. Mit überaus eindringlichen hypnotischen
Techniken konnte sie die zeitweise fanatische Hingabe von Zehntausenden, bis dahin
normalen und intelligenten Menschen entfachen.
DER EINSTIEG
Die
meisten Menschen kommen zu Scientology, wenn ihr Leben in einer Krise steckt. Scientology
verwendet manipulierende Rekrutierungsmethoden, um Verletzbarkeit zu steigern und
verspricht lügnerischerweise eine Lösung für beinahe jedes Problem. Von Anfang an ist
der Neugeworbene Techniken ausgesetzt, die Euphorie hervorrufen. Das Bedürfnis nach
diesem euphorischen Zustand kann mit Drogenabhängigkeit verglichen werden, wobei die
Mitglieder unfähig werden, über Scientology kritisch nachzudenken.
Die
Beherrschung des Mitgliedes durch die Scientology Kirche entwickelt sich sehr zügig. Sie
verbietet den Umgang mit jedem, der der Bewegung feindselig gegenüber steht und besteht
darauf, daß eine riesige Verschwörung mit dem Ziel existiert, Scientology zu zerstören.
Das
Wahrzeichen des Fanatikers ist die Unfähigkeit, Beweismittel Oberhaupt in Betracht zu
ziehen. Leider verschließen die meisten Scientologen einfach ihre Augen und Ohren vor
Kritik.
L. RON HUBBARD
"Die
Beweise zeigen einen Menschen, der in Bezug auf seine Geschichte, seine Bildung und seine
Leistungen geradezu ein krankhafter Lügner war. Die vorliegenden Schriften und Dokumente
spiegeln seinen Egoismus, seine Gier, Habsucht, Machtgier, seine Rachsucht und
Aggressivität gegenüber Personen, die er für unloyal oder feindselig hält." Der
Richter am Obersten Gericht Kaliforniens, Beckenridge, über L. Ron Hubbard in einem
Urteil aus dem Jahre 1984.
Lafayette
Ronald Hubbard, der Schöpfer von Dianetik und Scientology wurde im Jahre 1911 in den USA
geboren. Hubbard behauptete, er konnte reiten ehe er gehen konnte, daß er im Alter von
dreieinhalb Broncos ritt und zu dieser Zeit auch lesen und schreiben konnte. Er behauptete
auch, mit vier Jahren ein Blutsbruder der Schwarzfußindianer gewesen zu sein. Die
Schwarzfußindianer verweisen den "Blutbruder" ins Reich der
Hollywood-Phantasie, und die anderen Prahlereien Hubbards enthalten auch nicht mehr
Wahrheit.
Seine
frühen Jahre waren unrühmlich; ein Freund aus Kindestagen erinnert sich, daß Hubbard in
Wirklichkeit Angst vor Pferden hatte. Hubbard gab vor, sein Großvater sei ein
wohlhabender Viehbaron gewesen. Tatsächlich war Lafayette Waterbury Tierarzt einer
kleinen Stadt, der eine Reihe von schlechtgehenden Unternehmen betrieb.
Hubbard
sagte, sein Interesse am menschlichen Geist sei im Alter von zwölf Jahren durch eine
Begegnung mit Commander Thompson, einem Arzt der U.S. Marine, wachgeworden. Hubbards
umfangreiche Jugendtagebücher, als Beweismaterial in einem kalifornischen
Gerichtsverfahren verwendet, zeigten jedoch kein Interesse an psychologischen oder
philosophischen Ideen.
Hubbard
erzählte seinen Anhängern, er habe fünf Jahre (von seinem vierzehnten bis neunzehnten
Lebensjahr) damit zugebracht, allein durch China, die Mongolei, Indien und Tibet zu reisen
und bei den heiligen Männern zu studieren. Er besuchte weder die Mongolei, noch Indien
und Tibet, und seine beiden Reisen nach China waren kurze Ausflüge in Begleitung seiner
Mutter. Hubbard gestand die Kürze seines Chinaaufenthaltes im Jahre 1935 in einem
Interview mit der Zeitschrift "Adventure".
Als
Hubbard neunzehn war, besuchte er die George Washington Universität, wo er im Hauptfach
Ingenieurbau studieren wollte. Wegen zu schlechter Noten erhielt er keine Zulassung für
das dritte Kursjahr. Später würde dann behauptet werden, Hubbard habe Abschlüsse als
Bauingenieur und Mathematiker. Er schloß keines von beiden ab, und seine Mathematiknoten
waren armselig.
An
der Universität fiel Hubbard auch in einem Kurs in "Molekular- und Kernphysik"
durch, was Anlaß für seine lächerliche Behauptung war, er sei einer von "Amerikas
ersten Nuklearphysikern" gewesen.
EXPEDITIONEN
Während
seines letzten Semesters an der Universität veranstaltete Hubbard die "Karibik
Filmexpedition". Später wurde behauptet, daß diese Expedition der Michigan
Universität und dem Hydrographischen Amt, die beide keine Aufzeichnungen darüber haben,
"unschätzbare Daten" geliefert habe. In Wirklichkeit wurde die Reise in der
Universitätszeitung unter dem Titel angekündigt: "L. Ron Hubbard leitet
Filmkreuzfahrt zu alten amerikanischen Piratennestern". Die Expedition erreichte in
ihrem verlauf nur drei der geplanten sechzehn Anlaufhäfen und drehte keinen Meter Film.
In einem Interview vom Jahre 1950 tat Hubbard sie als "unbedeutende Expedition und
finanziellen Fehlschlag" ab.
Hubbarde
zweite angebliche Expedition wurde von ihm als "erste vollständige mineralogische
Untersuchung" Puerto Ricos beschrieben. Wiederum gibt es keine Aufzeichnungen einer
solchen Untersuchung, denn Hubbard verbrachte scheinbar den größten Teil seiner Zeit in
Puerto Rico mit einer erfolglosen Suche nach Gold. Er arbeitete kurzzeitig als Assistent
eines Bauingenieurs, ehe er in die USA zurückkehrte.
Im
Februar 1949 "erplauderte" sich Hubbard die Mitgliedschaft des "Explorers'
Club" in New York; für die von ihm vorgeschlagene "Forschungsexpedition
Alaskafunk" wurde ihm eine Expeditionsfahne verliehen. Hubbard erprobte ein neues
System der Funknavigation und benutzte die "Expedition", um seine
zweiunddreissigfuß Ketsch, die "Magician", auszurüsten. Behauptungen der
Scientologen, daß die Expedition von der amerikanischen Regierung in Auftrag gegeben
wurde, entbehren jeder Grundlage.
In
einem Schreiben an den "Seattle Star" beschwerte sich Hubbard, daß die
"Expedition" durch häufige Maschinenschäden der Magician behindert worden sei.
Hubbard und seine erste Frau hingen die meiste Zeit in Ketchikan, Alaska, fest, wo er
versuchte, genügend Geschichten zu schreiben, um die teuren Reparaturen zahlen zu
können. Zum Schluß verwendete er geliehenes Geld, um Alaska zu verlassen, Geld, daß er
nicht zurückzahlte.
SCHUNDROMANE
Die
Scientologen haben behauptet, nach dem Verlassen des College "stieg Hubbard direkt in
die Welt der Prosaschriftstellerei ein, und keine zwei Monate später hatte er in diesem
Metier eine Verdienststufe erreicht, die für damalige Verhältnisse astronomisch
war". In Wirklichkeit brauchte Hubbard mehrere Jahre, um selbst ein unsicheren
Einkommen mit seiner Schriftstellerei zu erzielen. Er schrieb unter so aufsehenerregenden
Pseudonymen wie Rene Lafayette, Tom Esterbrook, Kurt von Rachen, Captain B.A. Northrup und
Winchester Remington Colt. Unter dem Namen "Legionär 148" bastelte Hubbard
"wahre" Geschichten Ober seine angeblichen Heldentaten in der französischen
Fremdenlegion zusammen, aber hauptsächlich schrieb er in schneller Folge
Abenteuergeschichten für die billigen Massenhefte.
Er
schrieb Beiträge für viele solcher Zeitschriften, so auch für Thrilling Adventures,
The Phantom Detective und Smashing Novels Magazine. Schließlich wandte er
sich der Science Fiction zu und schrieb hauptsächlich für Astounding Science Fiction.
Seine minderwertigen Geschichten waren zum Beispiel "Der Karneval des Todes",
"König der Revolverhelden" und "Menschenjäger der Luft".
Im
Jahre 1950, als er Dianetik erschuf, schrieb er einfallsreiche, wenn auch recht unmodische
Science Fiction und erforschte Ideen, die er später in Scientology einfließen lassen würde.
DIE KRIEGSJAHRE
Bevor
Hubbard an der Universität eingeschrieben wurde, hatte sein Sehvermögen seine Zulassung
zur U.S. Marine Akademie vereitelt. Im Jahre 1941 wurde er in die Reserve der Marine
aufgenommen, nachdem er wegen seiner schlechten Sehkraft zurückgestellt worden war.
Hubbard
stellte viele bizarre Behauptungen über seine Leistungen in der U.S. Marine auf. Er brüstete
sich damit, der erste verwundete Kriegsheimkehrer aus dem fernen Osten gewesen zu sein. In
Wirklichkeit wurde er im Dezember 1941 nach Australien verlegt, wo er sich seine
Vorgesetzten so gründlich zu Feinden machte, daß er bereits nach wenigen Monaten wieder
nach Hause geschickt wurde. Nach seiner Rückkehr im März 1942 wurde er in New York als
Briefzensor eingesetzt.
Die
Scientologen haben sich damit gebrüstet, daß Hubbard "zum Geschwaderkommandeur
aufgestiegen" sei. Tatsächlich beaufsichtigte er das Ausrüsten zweier kleiner
Schiffe in amerikanischen Häfen. Sein zweites Kommando dieser Art wurde ihm nach einer
Fahrt entlang der Westküste entzogen. Während dieser Fahrt gelang es Hubbard, eine
Anzahl von Schiffen in ein 55-stündiges Gefecht zu verwickeln, gegen etwas, was er für
zwei japanische U-Boote hielt.
Der
Vorfall wurde von Admiral Fletcher überprüft, der bekanntgab: "eine Durchsicht
aller Berichte überzeugt mich, daß sich in dem Gebiet kein U-Boot aufhielt ... Die
Kapitäne aller Schiffe außer PC-815 (von Hubbard befehligt) geben an, sie hätten keinen
Hinweis auf ein U-Boot gehabt und glauben nicht, daß ein U-Boot in der Gegend gewesen
ist."
Hubbard
vervollständigte diese "Durchsuchungsfahrt", indem er auf eine glücklicherweise
unbewohnte mexikanische Insel das Feuer eröffnete. Er wurde des Kommandos enthoben.
Konteradmiral Braisted schrieb in einem Tauglichkeitsbericht: "Bin der Meinung, daß
diesem Offizier die wesentlichen Merkmale Urteilsfähigkeit, Führerschaft und Kooperation
fehlen. Er handelt ohne Rücksicht auf wahrscheinliche Folgen ... Wird derzeit als nicht
geeignet angesehen für Kommando oder Beförderung. Empfehle Einsatz auf einem großen
Schiff, wo er ordentlich beaufsichtigt werden kann." Diesem Ratschlag wurde Folge
geleistet und Hubbard diente kurzzeitig als Navigator an Bord der USS Algol vor deren
Verlassen amerikanischer Gewässer.
Hubbard
war einer von hunderten von Offizieren, die an die Princeton School of Military Government
versetzt wurden, die sich auf dem Gelände der Princeton Universität befand. Das sollte
zu Hubbards späterer und völlig falscher Behauptung führen, er habe auf Princeton einen
Grad erlangt.
Hubbard
gab in einem aufrichtigeren Augenblick zu, seine überseeprüfung nicht bestanden zu
haben.
KRIEGSVERLETZUNGEN
Zu
verschiedenen Zeiten wurden Hubbard zwischen einundzwanzig und siebenundzwahzig Orden
zugeschrieben, einschließlich des Purple Heart, das nur an jene verliehen wurde, die im
Kampf verwundet wurden. Nicht nur, daß Hubbard nicht verwundet wurde, er hat, abgesehen
von seinem eingebildeten U-Boot-Kampf, niemals ein Gefecht gesehen. Er erhielt vier
Routineauszeichnungen für seinen Dienst in Australien und den USA.
In
einem Artikel mit dem Titel "Meine Philosophie" behauptet Hubbard, er sei
"am Ende des 2. Weltkrieges an einer Verletzung der Sehnerven erblindet und durch
körperliche Verletzungen an Hüfte und Rückgrat bewegungsunfähig" gewesen.
"Meine Dienstakte stellte fest: [... ] dauerhaft körperbehindert". An anderer
Stelle sagte Hubbard, er habe wenige Tage vor Kriegsende in Hollywood drei Unteroffiziere
aufgemischt.
In
widersprechenden Berichten behauptet Hubbard, entweder zwei oder drei Jahre im Oak Knoll
Marinekrankenhaus verbracht zu haben, wo er an der Entwicklung der Dianetik gearbeitet und
durch deren Verwendung seine Verletzungen geheilt habe.
Der
Ursprung von Dianetik wird durch widersprüchliche Scientology Erklärungen verschleiert,
die unterschiedlich behaupten, seine Genesung sei 1944, 1947 oder 1949 erfolgt.
Tatsächlich verbrachte Hubbard die letzten Kriegsmonate großenteils als ambulanter
Patient im Oakland Marine Hospital. Sein Hauptleiden war ein Magengeschwür, obschon sich
zwischen seiner Einlieferung und der Entlassung aus der Marine sein Sehvermögen
wesentlich verschlechterte. Mit diesem Verfall der Sehfähigkeit begründete er zum Teil
seinen Rentenanspruch gegenüber dem Amt für Kriegsveterane.
SEX "MAGICK"
Bei
seinem Abschied von der Marine ließ Hubbard seine erste Frau und ihre zwei Kinder im
Stich, um sich dem Betreiben von "Magick" zuzuwenden [Anmerkung des übersetzers:
abgewandelte Schreibweise des englischen "magic", d.h. Zauberei).
Hubbard
hatte bei einer Zahnoperation unter Lachgasbetäubung im Jahre 1938 eine merkwürdige
Halluzination gehabt. Er glaubte, daß er während der Operation gestorben war und als
Toter einen großen Schatz an Wissen gezeigt bekommen habe. Nach seiner Genesung schrieb
er ein Buch mit dem Titel Excalibur, konnte aber keinen Verleger dafür finden.
Sein
Interesse an Okkultismus führte auch zu einer kurzen Mitgliedschaft bei einer
Rosenkreuzergruppe. Er erzählte einem Freund, daß er glaube, er werde von einem
Schutzengel namens "Die Kaiserin" beschützt und wiederholte diese Behauptung
einem Jünger gegenüber viele Jahre später. Im Jahre 1945 freundete sich Hubbard mit
Jack Parsons an, dem Vorsteher der Loge des Ordo Templi Orientis von Aleister Crowley in
Pasadena.
Crowley
gab sich selbst als "das Biest 666" aus, Diener des Antichristen, und befürwortete
die Verwendung von süchtigmachenden Drogen und bizarren Sexualpraktiken. Jack Parsons war
Chemiker und ein frühes Mitglied der Jet Propulsion Laboratorien in Kalifornien, seine
Leidenschaft aber war die "Magick" (wie Crowley den Begriff neu buchstabierte).
Hubbard
und Parsons veranstalteten sexuelle Zeremonien, um eine Frau dazu zu bewegen, die Mutter
von "Babalon" zu werden, der Verkörperung des Bösen. Die Affäre endete damit,
daß Hubbard nicht nur mit Parsons Freundin Sarah, sondern auch mit dessen Geld
verschwand. Hubbard heiratete Sarah Northrup in Bigamie und fing an, pathetische Briefe zu
schreiben, in denen er eine Kriegsversehrtenrente beantragte. Im Oktober 1947, als er
späteren Erzählungen zufolge sich selbst mit Hilfe von Dianetik "geheilt"
hatte, gestand Hubbard in einem Brief an das Amt für Kriegsveterane Selbstmordneigungen
und bat um psychiatrische Hilfe.
Hubbard
veranstaltete weiterhin Rituale in schwarzer Magie und fing an, Selbsthypnose zu
verwenden. Er vertraute seinem Tagebuch hypnotische Bekräftigungen an wie "alle
Menschen sind meine Sklaven". Seine persönlichen Papiere machen auch deutlich, daß
er vorsätzlich kriegsbedingte Gebrechen vorgab, um so eine Rentenerhöhung beanspruchen
zu können.
Zu
der Zeit war Hubbard bereits von Barbituraten abhängig, die ihm ursprünglich für sein
Magengeschwür verschrieben worden waren. Sein Drogenkonsum ging auch während seiner
Scientology-Karriere weiter, obwohl er später die scientologische Antidrogengruppe
Narconon fördern würde. Obgleich die Dianetik behauptet, sie überwinde mit Leichtigkeit
Zwänge, war Hubbard nicht in der Lage, sich das Rauchen abzugewöhnen und war mit achtzig
Zigaretten pro Tag Kettenraucher.
DIANETIK
"Hypnose
wurde zu Forschungszwecken verwendet und später aufgegeben." L. Ron Hubbard in
"Dianetik: die moderne Wissenschaft der geistigen Gesundheit".
Hubbard
gab im Jahre 1948 Hypnosevorführungen auf der Bühne und schrieb an seinen
Literaturagenten über ein neues Projekt mit vielen Verkaufsmöglichkeiten. Er verquickte
Hypnosetechniken mit Forschungsmaterial, das von Freud längst aufgegeben wurde und kam so
auf die Dianetik.
Im
Jahre 1950 modifizierte er die Hypnosetechnik ohne zusätzliche "Forschung", um
das Buch "Dianetik:. die moderne Wissenschaft der geistigen Gesundheit" zu
schreiben. In einem Vortrag aus dem Jahre 1909 erklärte Freud eine Methode, traumatische
Erinnerungen zu entdecken. Patienten wurden aufgefordert, frühere und noch frühere
Geschehnisse auf einer "Kette" zu erinnern, bis die emotionale
"Ladung" freigesetzt war. Hubbard bediente sich nicht nur dieser Technik, er
behielt sogar einige der Ausdrücke des übersetzers dieser Vorträge bei.
Freud
hatte die Technik aufgegeben, weil sie mühsam war und darin versagte, die wichtigsten
Verdrängungen aufzudecken. obwohl die Dianetik manchmal anfängliche Erleichterung
verschafft, endet dies in Wirklichkeit allzu oft in der gefährlichen überzeugung, daß
ganz und gar eingebildete Ereignisse wortwörtlich wahr seien. Hubbard übernahm Freuds
Techniken, fügte ein wenig der damals populären Allgemeinen Semantik hinzu und
behauptete, daß die "grundlegenden" oder ursprünglichen traumatischen
Ereignisse im Mutterleib passiert seien.
Dabei
folgte er der Arbeit von Otto Rank, Nandor Fodor und J. Sadger. Hubbard behauptete
außerdem, daß es tatsächlich möglich sei, sich an vorgeburtliche Ereignisse zu
erinnern, bis zurück zur Empfängnis (dem "Spermatraum"). Fodor hatte auch über
vorgeburtliches Gedächtnis geschrieben.
Hubbard
bestimmte den vorhandenen Begriff "Engramm" neu, als Bezeichnung für
traumatische Ereignisse, bei denen das Individuum das Bewußtsein verloren hat.
"Dianetik-. die moderne Wissenschaft der geistigen Gesundheit" erklärt, daß
durch das Löschen dieser Engramme der Mensch befreit wird von zwanghaftem Verhalten,
Zwangsvorstellungen und Neurosen. Ferner von Zuständen wie Herzbeschwerden, Sehschwäche,
Asthma, Farbenblindheit, Allergien, Stottern, Schwerhörigkeit, Sinusitis, Bluthochdruck,
Dermatitis, Migräne, Magengeschwüre, Arthritis, Morgenübelkeit, Erkältungen,
Bindehautentzündung, Alkoholismus und Tuberkulose. Es dauerte nicht lange, und Hubbard
behauptete, ein Heilmittel gegen Krebs und Leukämie zu haben. Niemals wurde irgendein
wissenschaftlicher Nachweis für diese Behauptungen erbracht.
Sobald
das erste Engramm (das "basic-basic" [englische Wortschöpfung für "das
Allererste", Anm.d.übers.]) gelöscht worden ist, ist das Individuum angeblich
"Clear", frei von allen Mängeln und mit einem hohen IQ. Nach wiederholten
Herausforderungen präsentierte Hubbard im August 1950 im Shrine Auditorium in Los Angeles
schließlich einen Clear. Trotz Hubbards Behauptung, ein Clear habe ein annähernd
perfekten Gedächtnis, konnte die Frau mit Hauptfach Physik sich nicht einmal an eine
grundlegende Formel der Physik erinnern. Sie konnte sich nicht einmal an die Farbe von
Hubbards Krawatte erinnern, als er ihr den Rücken zukehrte.
Dianetik
wurde 150 000 mal verkauft, ehe es vom Herausgeber vom Markt genommen wurde. Die
Amerikanische Psychologische Vereinigung warnte angehende Dianetiker, daß keine
wissenschaftlichen Beweise für die vielen Behauptungen aufgetaucht seien, die in Dianetik
gemacht wurden. Es kann kein Zweifel daran bestehen, daß Hubbard sowohl die Fälle als
auch die Statistiken erfand, um das Buch zu schreiben.
Hubbards
Gefolgschaft schrumpfte, als die Leute erkannten, daß seine Behauptungen wüst übertrieben
waren, wie auch durch den Zerfall der ersten Dianetik Stiftung und Hubbarde zweiter Ehe.
Sarah Hubbard klagte, ihr Ehemann habe sie mit Schlafentzug, Drogen und tätlichen
Angriffen gequält. Sie behauptete, er habe sie einmal gewürgt, bis ihre Eustachische
Röhre im rechten Ohr geplatzt und dadurch ihr Gehör beeinträchtigt worden sei.
Hubbard
floh nach Kuba, nachdem er ihre Tochter, ein Baby, entführt hatte, was sich als
erfolgreicher Versuch herausstellte, Sarah zum Schweigen zu bringen. Mit der Unterstützung
des Millionärs Don Purcell konnte Hubbard wieder in die USA zurückkehren, wo Sarah einer
Scheidungsregelung zustimmte. Sie zog ihre früheren Behauptungen im Gegenzug für ihre
Tochter, die sie monatelang nicht gesehen hatte, zurück. Die neugegründete Wichita
Stiftung geriet bald in Schwierigkeiten, und Hubbard überließ sie seinen Gläubigern. Er
beschuldigte Don Purcell, der Hubbard früher geholfen hatte, 500.000 US Dollar von der
Amerikanischen ärztevereinigung angenommen zu haben, um ihn zu ruinieren. Das war bei
weitem nicht das letzte Zeichen von Paranoia von seiten Hubbards.
SCIENTOLOGY
"Wir
haben hier ein paar neue Methoden, um Sklaven zu machen." L. Ron Hubbard,
Philadelphia Doctorate Course, Vortrag 20, 1952.
Im
Februar 1952 hatte Hubbard keinen Pfennig in der Tasche und war sowohl seiner
Urheberrechte an Dianetik als auch des größten Teils seiner Gefolgschaft beraubt. Einer
seiner Teilhaber stahl ihm die Adressenliste der Witchita Stiftung, und Hubbard begann,
lächerliche Angriffe auf die Stiftung und zunehmend pathetische Geldforderungen zu
verschicken. Außerdem hielt er die Hubbard College Vorträge vor einem winzigen Publikum
und hatte innerhalb von sechs Wochen ein neues Fachgebiet scheinbar aus dem Nichts
geschaffen.
Später
werde er seine Bewunderung für Aleister Crowley ("mein sehr guter Freund")
gestehen, und in der Tat haben die Grundlagen von Scientology viel mit Crowley's
"Magick"-Ideen gemeinsam, vermischt mit einer großen Portion Science Fiction.
In Scientology versicherte Hubbard, wir seien alle geistige Wesen ("Theta Wesen"
und später "Thetane"), die seit trillionen von Jahren leben und wieder und
wieder geboren wurden. Er behauptete, durch die Verwendung seiner neuen Techniken könne
jeder übernatürliche Kräfte erlangen. Vierzig Jahre lang wurde für diese Behauptungen
kein wissenschaftlicher Beweis erbracht.
Während
der Hubbard College Vorträge stellte Hubbard auch das Elektrometer oder E-Meter vor, von
dem Dianetiker Volney Mathison entwickelt. Das E-Meter ist im Grunde ein Lügendetektor,
ein naher Verwandter der Maschine, die in den Polygraphen der US Polizei verwendet wurde.
In
"Dianetik: die moderne Wissenschaft der geistigen Gesundheit" behauptete Hubbard
"Dianetik heilt, und heilt ohne Ausnahme". Zwei Jahre später gab er diese früheren
Techniken als "langsam und mittelmäßig" auf. Nun behauptete er, mit
Scientology könne "der Blinde wieder sehen, der Gelähmte gehen, der Kranke genesen,
der Geisteskranke gesund und der Gesunde gesunder werden".
MENTALE WISSENSCHAFT WIRD RELIGION
"Ich
möchte eine Religion gründen. Dort liegt das Geld." L. Ron Hubbard an Lloyd
Eshbach, 1949. Von Eshbach zitiert in "Over my Shoulder".
In
mehreren Gesprächen Ende der vierziger Jahre hatte Hubbard seinen Zuhörern versichert,
daß der beste Weg, reich zu werden, der sei, eine Religion zu gründen. Es wird
behauptet, daß Hubbard zur Zeit seines Todes im Jahre 1986 ein persönliches Vermögen
von 640 Millionen US Dollar mit Hilfe von Scientology angehäuft hatte (entgegen
Behauptungen, daß er nicht einmal Tantiemen für seine Bücher nahm). Im April 1953
schrieb Hubbard einer Stellvertreterin und fragte, was sie vom "religiösen
Aspekt" halte.
Später
in diesem Jahr ließ er die Scientology Kirche eintragen, die von seiner Church of
American Science lizensiert wurde. Die Eintragung wurde geheim gehalten, damit Hubbard
sich davon distanzieren konnte. Erst in den späten sechziger Jahren, als westliche
Regierungen zunehmend Kritik an ihren Methoden übten, zog sich Scientology hinter den
Schutzschirm der Religion zurück.
Scientology
"Geistliche" belegen einen Kurs über vergleichende Religion, der auf einem
einzigen Buch basiert und lesen die wenigen Zeremonien, die von Hubbard verfaßt wurden.
Ihre Ausbildung dauert ein paar Tage. In ihrer Kleidung ahmen sie christliche Geistliche
nach, den steifen Kragen der Geistlichen und ein Kreuz, das wie ein christliches zu sein
scheint, eingeschlossen. In Wirklichkeit ist das Kreuz ein Scientology Kreuz, das offenbar
dasjenige von Hubbards Vorbild, dem Magier Aleister Crowley, imitiert.
DER PERSöNLICHKEITSTEST
Scientology
rekrutiert die meisten seiner Anhänger von der Straße mit Hilfe eines kostenlosen
Persönlichkeitstests. Die Oxford Capacity Analysis (OCA) wurde von einem ehemaligen
Handelsschiffer ohne psychologische Ausbildung geschrieben. Sie hat keine Verbindung zur
Oxford Universität und entstammt letztendlich dem Johnson Temperament Analysis Profile.
Der
heutige 200 Fragen Test versorgt Scientology mit detaillierten persönlichen
Informationen. In der Vergangenheit hat sich die Scientology Kirche mehr als bereit
gezeigt, scheinbar vertrauliche Informationen gegen ehemalige Mitglieder zu verwenden. Im
Jahre 1991 offerierte ein Brief an Scientology Rekrutierer einen Kurs, der lehrt "wie
man Leuten das Ergebnis ihres OCA so beibringt, daß diese nach Scientology
verlangen". Ein anderes internes Dokument sagt aus, daß der Testauswerter "der
Person mit Hilfe der Auswertung des Persönlichkeitstests zeigen muß, was ihr Leben
ruiniert und wie Scientology sie vor diesem Ruin retten kann ... wenn Sie auf ein
niedriges Testergebnis hinweisen.... sagen Sie: 'Scientology kann das in den Griff
bekommen'."
Der
Test ist so angelegt, daß sichergestellt ist, daß nur sehr wenige Leute ein akzeptables
Persönlichkeitsprofil haben. Scientology-Verkäufer (Registrare) werden ausführlich
ausgebildet und in harten Verkaufstechniken gedrillt. Die erste Stufe der Rekrutierung ist
es, die Aufmerksamkeit der Person auf die betrüblichsten Bereiche ihres Lebens zu richten
(den "Ruin"). Hypnotherapeuten könnten so etwas als "emotionale
Induktion" bezeichnen. Jede intensive Emotion hat die Tendenz, das kritische Denken
zu überwältigen. Die Kühle rationalen Denkens ist etwas anderes als die Hitze der
Emotionen.
Der
Rekrutierer spielt dann mit der Angst der Person, daß sich der Zustand verschlechtern
wird. Dann wird die "Lösung" Scientology angeboten. Was auch immer das Problem
sein mag, die unmittelbare Lösung wird fast immer der Kommunikationskurs und eine Einführung
in Hubbard's Ideen über 'Unterdrückerische Personen" sein.
TECHNIKEN
'Scientology
ist böse; seine Techniken sind böse; ihre Ausübung ist eine ernste Bedrohung für die
Gemeinschaft, in medizinischer, moralischer und sozialer Hinsicht". Bericht des
Scientology Untersuchungsausschusses des Staates Victoria, Australien, 1965.
Obwohl
fast alle der wesentlichen Ideen der Scientology bis Ende 1952 formuliert wurden, schüttete
Hubbard weiterhin neue Techniken aus, um "garantiert" alle menschlichen
Gebrechen zu heilen. Er machte Anleihen bei vielen Therapie- und Meditationsmethoden und
errichtete eine ausgefeilte "Brücke", von der er behauptete, sie führe zu
"völliger Freiheit".
Scientology
Indoktrination beginnt normalerweise mit den Kommunikationskurs-Trainingsroutinen, den
"TRs". Diese sollen die Fähigkeit zur Kommunikation steigern, wurden aber von
einem Experten "die offensichtlichste Form der Hypnose, die von irgendeinem
destruktiven Kult verwendet wird" genannt. In der ersten TR sitzen sich zwei Leute
schweigend und mit geschlossenen Augen gegenüber. In der zweiten starren sie einander an,
manchmal stundenlang, und erzeugen Halluzinationen und eine unkritische Euphorie. Auf der
nächsten Stufe, TR-0 mit Reizen, muß der Student regungslos dasitzen, während der
"Coach" alles tut, um ihn oder sie zu stören. Der Student macht weiter mit dem
Lautlesen von zusammenhanglosen Sätzen aus "Alice im Wunderland", dann mit dem
Bestätigen von Aussagen aus demselben Text. Danach kommt TR-3, bei der der Student den
Coach wiederholt entweder "Fliegen Vögel?" oder "Schwimmen Fische?"
fragt.
In
der letzten Trainingsroutine des "Kommunikationskurses" stellt der Student
erneut immer wieder eine dieser Fragen und lernte sich durch nichts von dem, was der Coach
sagt oder tut, ablenken zu lassen. Wiederholung ist ein weitere Methode, einen
veränderten oder tranceartigen Zustand hervorzurufen. Das Ausführen dieser Verfahren
macht den Einzelnen mit Sicherheit empfänglicher für die Anweisungen von Scientology.
Nach
dem Kommunikationskurs wird der Neuling normalerweise in das Reinigungsprogramm gehen,
nachdem er einen Scientology Verkäufer gesprochen hat, der ihn davon überzeugte, daß
das Programm den hohen Preis, der für ihn verlangt wird, wert ist. Die Teilnehmer des
Reinigungsprogramms nehmen extrem hohe Vitamin- und Mineraliendosierungen zu sich und
kombinieren täglich fünf Stunden lang Laufen und Saunabesuche.
Solch
hohe Vitamindosen können verschiedene physiologische Reaktionen auslösen, unter anderen
drogenähnliche Erfahrungen. Hubbard führte diese Reaktionen auf frühere Drogen und
Umweltgifte zurück, die aus dem Körper entfernt werden. Er stellte sogar die
lächerliche Behauptung auf, LSD lagere sich im Fettgewebe ab. Da LSD sowohl hochgradig
instabil als auch wasserlöslich ist, ist dies unmöglich, es zeigt aber Hubbards übliche
wissenschaftliche Ignoranz. Die Erschöpfung durch die Hitze in der Sauna kann zu
euphorischen Erfahrungen führen, die jedoch wiederum das kritische Denken
beeinträchtigen.
Die
Reihenfolge der Schritte auf der Scientology Brücke änderte sich Jahr für Jahr. Nach
dem Reinigungsprogramm und einem weiteren Gespräch mit einem Verkäufer könnte der
Geworbene ohne weiteres mit dem Hubbard Key To Life Kurs (zum Preis von viertausend
britischen Pfund oder achttausend US Dollar) weitermachen. Dieser unterhöhlt angeblich
jegliche frühere Ausbildung, indem er die Person zu den Grundlagen des Lesens und
Schreibens zurückführt. In Wirklichkeit trägt der Kurs dazu bei, einen Rückfall in frühere
Altersstufen zu verursachen, da er alle Klienten wie Vorschulkinder behandelt und macht
Menschen noch empfänglicher für Scientology.
Vom
Hubbard Key to Life Kurs geht der Einzelne in den Kurs für die Orientierung im Leben und
danach in die objektiven Prozesse. Es gibt mehrere hundert Scientology Beratungsverfahren
oder "Auditingprozesse". Die "Objektiven" wurden zum ersten Mal in den
fünfziger Jahren vorgestellt. Hubbard erklärte, es sei notwendig, einer Person zu
zeigen, daß reaktive Impulse dadurch kontrolliert werden können, daß man unter die
Lenkung durch eine andere Person (dem Scientology "Auditor") gestellt wird.
Einfacher könnte man das mit "Gedankenkontrolle" ausdrucken.
In
den "objektiven Prozessen" wird der Person strikte Anweisung gegeben, eine überwältigend
langweilige Verhaltensweise wiederholt auszuführen. Im "Eröffnungsverfahren durch
Duplikation" z.B., sind der Auditor und der Klient oder "Preclear" alleine
in einem Raum mit einem Tisch an zwei Seiten. Auf einem Tisch befindet sich eine Flasche,
auf dem anderen ein Buch. Der Preclear wird mit immergleichem Wortlaut angewiesen, den
Gegenstand auf der anderen Seite des Zimmers anzusehen, hinüberzugehen, ihn aufzunehmen
und dessen Farbe, Gewicht und Temperatur zu bestimmen.
Sitzungen
dauern oft bis zwei Stunden lang, und Fälle von achtzehn solcher Sitzungen für diesen
einen "Prozeß" sind nicht selten. Schließlich führt das mühsame Ritual zu
einer Empfindung des Schwebens, von der man in Scientology glaubt, es sei ein
"Heraustreten aus dem Körper", was aber ein gewöhnlicher Nebeneffekt
hypnotischer Trance ist.
Die
Scientology Brücke besteht aus einer Reihe von Schritten oder Graden, von denen jeder ein
vorgegebenen Ergebnis hat. Auf "Grad 0" zum Beispiel sollen die Klienten die
Fähigkeit erreichen, "mit jedem über jeden Thema frei zu kommunizieren". Ein
Grad 1 "Befreiter" ist angeblich ohne Probleme. 1959 führte Hubbard
"Sicherheitsüberprüfungen" ein, in denen Scientologen verhört werden und
lange vorbereitete Listen von Fragen über ihre moralischen Verfehlungen beantworten müssen.
Das E-Meter wird während dieser "Sitzungen" als Lügendetektor verwendet. Es
werden sorgfältige Aufzeichnungen von allen Bekenntnissen geführt. Diese haben sich als
höchst effektive Werkzeuge erwiesen, Abweichler zum Schweigen zu bringen.
Als
"Integritätsprozessing" findet sich das Verfahren mit genau den gleichen
Fragenlisten wie die früheren Sicherheitsüberprüfungen auf Grad Zwei wieder und wird
auch später oft wiederholt (zu Preisen von 130 bis 260 britischen Pfund oder 250 bis 500
US Dollar die Stunde).
Scientology
nimmt an, daß jedes ihrer Mitglieder jederzeit ein Sicherheitsrisiko werden könnte.
Dieser Verdacht hat seine Berechtigung, da Tausende die Bewegung verlassen haben,
einschließlich vieler fahrender Köpfe.
Es
gibt zwei weitere Befreiungsgrade, ehe der "Preclear" mit der heutigen Form des
Dianetik Auditings beginnt. In der Dianetik der Neuen ära wird der Preclear gebeten,
Ereignisse aus "vergangenen Leben" wiederzuerleben, was bei Scientologen zu
eigenartigen Wahnvorstellungen führen kann und einen Ausgleich für Unzulänglichkeiten
in deren wirklichem Leben schafft. Mit Hilfe der Dianetik sollen schließlich die
Preclears angeblich Clear werden und die Erkenntnis haben, daß sie ihren "reaktiven
Verstand", In dem die Engramme angeblich gespeichert sind, nicht mehr nötig haben.
Jetzt sind sie für die Fortgeschrittenen Kurse von Scientology vorbereitet, die
"operierender Thetan" oder "OT"-Stufen.
DIE GEHEIMEN STUFEN
Im
Jahre 1952 behauptete Hubbard, jeder sei nach Scientology-Auditing und -Indoktrination
"in der Lage, Krankheit und Aberration nach Belieben von anderen zu entfernen".
Scientologen haben hunderte, manchmal tausende von Stunden aufgewandt, um dieser Illusion
nachzujagen, sowie Hubbards oft wiederholten Versprechungen von übernatürlichen
Fähigkeiten. Ende der sechziger Jahre gab Hubbard seine "Operierender
Thetan"-Stufen frei. Ein Operierender Thetan ist ein Mensch, der angeblich imstande
ist, ohne einen Körper zu benötigen, zu handeln, zu "operieren"; Hubbard
stellte viele verlockende Behauptungen in Bezug auf seine außerordentlich teuren
OT-Stufen auf.
Die
OT-Stufen werden von der Scientology Kirche vertraulich gehalten. Allerdings ist der
Inhalt der meisten seit langer Zeit allgemein bekannt. Die erste OT-Stufe besteht aus
einer Reihe praktischer übungen, wie zum Beispiel die Straße entlang zu gehen und Leute
zu zählen, bis man sich euphorisch fühlt und irgendeine "Erkenntnis" hat.
Im
Jahre 1992 wurde "OT-Abschnitt 1" für eintausend britische Pfund oder
zweitausendzweihundert US Dollar angeboten. In der zweiten Stufe (Preis: zweitausend
britische Pfund oder viertausendzweihundert US Dollar) ringt der "Prä-OT" mit
scheinbar endlosen Listen von Sätzen und deren Gegenteil (zum Beispiel "ich muß
existieren" und "ich darf nicht existieren"), wobei er sich oft bei jedem
Satz vorstellen soll, er sehe ein Licht und empfinde einen Schock. Mindestens ein Opfer
ertrug sechshundert Stunden dieses abstumpfenden Rituals.
Der
Prä-OT trennt sich von einer "Mindestspende" von dreitausendvierhundert
britischen Pfund oder siebentausendzweihundert US Dollar, um die OT 3
"Feuerwand" zu durchqueren. Im OT 3 wird dem Teilnehmer versichert, daß die
Erde vor fünfundsiebzigmillionen Jahren Teil einer Galaktischen Föderation war, die von
einem bösen Prinzen namens Xenu regiert wurde.
Die
Föderation habe unter erheblicher überbevölkerung gelitten, daher habe Xenu einen Plan
gefaßt, durch den die Völker von etwa 76 Planeten zur Erde verfrachtet und vernichtet
worden seien.
Die
Geister oder Thetane dieser seien explodiert worden, indem Wasserstoffbomben in Vulkane
plaziert worden seien. Ferner seien sie auf "elektronischen Schleifen"
aufgereiht worden. Anschließend seien diese Opfer sechsunddreißig Tage lang mit Bildern
von zukünftigen Gesellschaften der Erde ge-"implantet" worden [Anm.d.übers.:
englisch "implant" steht für "Einpflanzung"].
Nach
Hubbard entstammen seither alle Kulturen und Religionen diesen hypnotischen
Einpflanzungen.
Er
sagte beispielsweise, daß Christus eine Illusion sei, die in jener Zeit eingepflanzt
wurde. Nach der Einpflanzung seien die Thetane dann in Klumpen zusammengepackt worden, und
gemäß OT 3 ist jeder lebende Mensch eine
Zusammenballung solcher Klumpen.
Die
Stufen von OT 4 bis OT 7 befassen sich ebenfalls ausschließlich mit diesen Klumpen und
den "Körperthetanen", aus denen sie bestehen. Jeder, der von diesem Material
erfährt, soll angeblich erkranken und innerhalb weniger Tage sterben.
Hubbard
wollte jedoch gegen Ende seines Lebens die wahre Geschichte (mit Sicherheit eine seiner
Besten) unter dem Titel "Revolte in den Sternen" als Film herausbringen.
Der
Inhalt von OT8, als Stufe nach Hubbarde Tod freigegeben (die höchste bis jetzt
erhältliche Stufe), ist geheimgehalten worden. OT8 ist ausschließlich an Bord der
Freewinds erhältlich, dem Kreuzfahrtschiff der Scientology, nachdem durch ausgedehnte
Sicherheitsüberprüfungen festgestellt wurde, daß fraglose Hingabe an Hubbard und seine
Lehren vorliegt.
Ein
ehemaliges Mitglied behauptet, daß die Stufe sich mit dem Verhältnis des Einzelnen zum
Göttlichen befaßt. Anstatt aber die Gottheit im Gebet anzusprechen, wird der Scientologe
gebeten, sich an die Zeiten zu erinnern, als sie oder er in früheren Inkarnationen Gott
begegnete. Die Person soll sich dann daran erinnern, welche Probleme durch den Glauben an
Gott gelöst wurden (die "vorherige Verwirrung", die die Person
"empfänglich" für den Glauben machte).
Auf
diese Weise wird Glaube an Gott untergraben. Es wird behauptet daß auf OT8 Scientologen
gelehrt wird, daß sie in parallelen Universen existieren und daß sie angehalten werden,
die Verbindung zu ihrem parallelen Selbst abzubrechen.
Zum
Schluß soll der Scientologe Augenblicke seiner eigenen Erschaffung wiedererleben und
jegliche verlorengegangenen Einzelheiten des Selbst entdecken. Angeblich fährt dies zu
einer beträchtlichen Gotteserkenntnis. Ehemalige, die diesen Unsinn durchgestanden haben,
behaupten, daß die gewünschte Erkenntnis beinhaltet, daß Hubbard alle Lebewesen im
Universum erschaffen hat.
Ein
durchgesickertes OT8 Bulletin, dessen Echtheit nicht feststeht, behauptet, Hubbard sei
tatsächlich der Antichrist.
ETHIK
Mitte
der sechziger Jahre steigerte Hubbard die Kontrolle über seine Gefolgschaft durch die
Einführung von verschiedenen sogenannten "Ethik"-Verfahren. Jeder, der Hubbard
oder Scientology kritisiert, wird als "unterdrückerische Person",
"SP", oder "antisoziale Persönlichkeit" bezeichnet. Scientologen, die
mit jemandem verkehren, der als SP betrachtet wird, werden "Mögliche
Schwierigkeitsquelle" genannt; ihnen wird weiteres Auditing oder Ausbildung verboten.
Scientologen
kann tatsächlich befohlen werden, die Kommunikation mit jemandem zu beenden (auch
"Abbrechen der Verbindung" genannt), der von der Scientology Kirche als
unfreundlich betrachtet wird. Das "Abbrechen der Verbindung" ist praktisch
identisch mit der Praxis des "Schneidens", wie es von bestimmten extremen
Fundamentalisten praktiziert wird.
Hubbard
führte zu dieser Zeit auch "Ethik-Zustände" ein und gab "Formeln"
heraus, die angeblich jemandes ethischen Zustand anheben. In den sechziger Jahren wurde
Scientology Mitarbeitern, die in "Untere Zustände" versetzt worden waren, der
Schlaf entzogen (oft über mehrere Tage), sie durften sich nicht waschen oder rasieren,
wurden gezwungen, auf einer Wange ein schwarzes Mal zu tragen, um den Arm eine Kette oder
einen schmutzigen Lappen zu tragen und wurden Tag und Nacht auf dem Gelände der
Organisation eingesperrt.
Hubbard
ging mit seinen engsten Nachfolgern 1967 aufs Meer. Auf dem Schiff wurde jeder, der ihm
mißfiel, in den Kettenraum gesperrt. Hier mußte das Opfer im Bilgenwasser hocken, seine
Notdurft in totaler Finsternis verrichten, umgeben von Ratten, manchmal bis zu zwei Wochen
lang ohne Unterbrechung. Sogar Kinder wurden auf Hubbards Befehl hin in den Kettenkasten
gesteckt. 1968 wurde die Kettenkastenstrafe durch "überbordwerfen" ergänzt.
Hierbei wurden Leute, auch Nichtschwimmer, vom Deck ins Meer geworfen.
Im
Jahre 1973 ersetzte Hubbard diese grausamen und ungewöhnlichen Praktiken durch eine neue
und sehr effektive Form der Erniedrigung: das Rehabilitation Projekt Force oder RPF. Das
RPF wird heute noch in Scientology Organisationen auf der ganzen Welt verwendet. Jene, die
Befehle nicht befolgen, Fehler machen oder einfach ihre Produktionsquoten nicht erfüllen,
werden ins RPF gesteckt. Leute im RPF dürfen nur sprechen, wenn sie angesprochen werden.
Es wird erwartet, daß sie sich von Tischabfällen ernähren, noch weniger Stunden als die
anderen Mitarbeiter schlafen und sofort jeden Befehl fraglos befolgen. Sie arbeiten einen
ganzen Tag, verrichten körperliche Arbeit, und anschließend wird von ihnen erwartet,
daß sie fünf Stunden mit Beichten und dem Anhören der Beichte ihres RPF-Partners
verbringen.
Erst
wenn sie die Autorität ihrer Vorgesetzten vollständig akzeptieren, wird ihnen erlaubt,
das RPF zu verlassen.
Einen
Menschen auf diese Weise zu zähmen kann bis zu zwei Jahre dauern.
SCHIKANE - DAS GUARDIAN"S OFFICE
"Unsere
Organisationen sind freundlich. Sie sind ausschließlich dazu da, um Ihnen zu
helfen." L. Ron Hubbard, 'Dianetik Vertrag', 23.Mai 1969.
Im
Laufe der fünfziger Jahre empfahl Hubbard immer schärfere Maßnahmen gegen Kritiker und
Abtrünnige. Hubbards Kirche hat von jeher Kampagnen gegen jeden geführt, der Scientology
Techniken verwendet, ohne Anweisungen zu befolgen oder Lizenzgebühren zu zahlen.
Im
Jahre 1955 sprach er über eine hypothetische Splittergruppe und schrieb dazu: "wenn
Sie herausgefunden hätten, daß irgendeine Gruppe, die sich 'Richtschnur Prozessing"
nennt, ...in Ihrer Gegend... gegründet worden wäre, dann würden Sie alles in Ihrer
Macht stehende unternehmen, um die Dinge für sie interessant zu machen... Die Gesetze
können leicht verwendet werden, um zu schikanieren, und genügend Schikane ... wird
normalerweise ausreichen, seinen [sic] beruflichen Niedergang herbeizuführen. Wenn es
möglich ist, dann ruinieren Sie ihn natürlich gründlich."
1958
institutionalisierte Hubbard nachrichtendienstliches Datensammeln in seinem geheimen
"Handbuch des Rechts". Dort steht: "Der Nachrichtendienst besteht
hauptsächlich darin, Daten über Personen zu sammeln... Es wird andauernd gemacht, über
alles und über jeden." Das war das Vorspiel zur Errichtung der Geheimpolizei der
Scientology, dem Guardian's Office.
über
jeden Scientologen wird eine "Ethikakte" geführt. Sie enthält jedes peinliche
Geständnis, das während der Beratung gemacht wurde, Niederschriften von Verstößen und
"Wissensberichte". Von allen Scientologen wird erwartet, daß sie selbst über
die kleinste Kritik ihrer Mitscientologen gegen Hubbard, seine Organisation oder seine
Lehren berichten. Ein Scientologe, der es versäumt solch einen Bericht zu schreiben,
unterliegt denselben Strafen wie der eigentliche Kritiker. Diese Richtlinie basiert auf
derjenigen, die von den Nazis benutzt wurde. So wird aus jedem ein Spitzel, nur loyal
gegenüber Scientology.
Nach
der Einführung der "Ethik" Richtlinien im Jahre 1965 verließen viele die
Scientology, um sich einer Splittergruppe anzuschließen, die Amprinistics genannt wurde.
Ein wütender Hubbard schrieb: "Schikaniert diese Leute auf jede mögliche Art und
Weise" und drängte darauf, ihre Treffen aufzulösen.
Die
hohen Summen, die Hubbard verlangte und die harsche Behandlung, die seinen Anhängern
zuteil wurde, führten unweigerlich zu öffentlicher Besorgnis. Erzwungene
"Trennung" zerriß Familien. Im Dezember 1965 wurde Scientology in Victoria,
Australien, bei einer Untersuchung der Regierung scharf kritisiert. Im Februar des
folgenden Jahres bat Lord Balniel das britische Parlament um eine Untersuchung. Hubbard
antwortete mit der Gründung des Guardian's Office und verstärkte seine Richtlinie der
"lauten Erforschung" einer jeden Person, die Scientology kritisierte.
Hubbard
formulierte: "DIE VERTEIDIGUNG von irgendetwas ist UNHALTBAR. Der einzige Weg, etwas
zu verteidigen, ist ANGRIFF." Das Guardian's Office (GO) griff ohne Unterlaß an. Es
existierte, um für Scientology zu werben, um Kritiker anzugreifen und dafür zu sorgen,
daß die Mitglieder nicht aus der Reihe tanzten. Das GO fungierte als Geheimdienst,
unterwanderte Zeitungen, psychiatrische Krankenhäuser und sogar Regierungsstellen; und es
diente als interne Polizeimacht, um Abtrünnige zum Schweigen zu bringen.
Sehr
wenige ehemalige Scientologen haben sich gegen die Organisation ausgesprochen, in dem
Wissen, daß jede Einzelheit ihres Lebens in ihren Scientology "Ethikakten"
aufgezeichnet ist. Es gibt viele unwiderlegbare Beweise, daß diese Akten gegen frühere
Mitglieder verwendet wurden. Das Guardian's Office wuchs bis zum Jahre 1982 zu einem
einschüchternden Verband von 1100 Mitarbeitern heran.
In
einer geheimen Anweisung schrieb Hubbard: "wir werden die folgenden Tatsachen mit
Erfolg ins öffentliche Bewußtsein bringen... Leute, die Scientology angreifen, sind
Kriminelle... wenn man Scientology angreift, wird man wegen Verbrechen ausgeforscht...
Wenn man Scientology nicht angreift... ist man sicher."
Das
Guardian's Office oder GO nahm sich das System von Gehlen, dem Meister der
nationalsozialistischen Spionage, zum Vorbild. GO Agenten stahlen Krankenakten,
verschickten anonyme Verleumdungsbriefe, schoben Kritikern kriminelle Taten unter,
erpreßten, verwanzten und brachen bei Gegnern ein, infiltrierten Regierungsbüros, aus
denen sie tausende von Akten stahlen (einschließlich Interpolakten über Terrorismus,
sowie Unterlagen über den Austausch von nachrichtendienstlichem Material zwischen den USA
und Kanada).
Kritiker
sollten in den Zusammenbruch getrieben oder durch Schikanieren zum Schweigen gebracht
werden. In den frühen Achtziger Jahren schließlich wurden elf GO Funktionäre
einschließlich Hubbards Ehefrau Mary Sue und ihre Stellvertreterin, der Guardian, Jane
Kember, [Anm.d.übers.: engl. "guardian" heißt Hüter, Wächter.] in den USA
inhaftiert. Im Juli 1992 wurden die Scientology Kirche und drei Scientologen in Kanada
mehrerer Straftaten für schuldig befunden.
Zehn
Jahre vor dieser Verurteilung wurde das Guardian's Office durch das Büro für Spezielle
Angelegenheiten ersetzt. Der geheime Auftrag sowohl des Guardian's Office als auch seines
Nachfolgers war die Entdeckung und Ausschaltung der Konspiration, von der Hubbard glaubte,
sie sei gegen ihn gerichtet. Zu verschiedenen Zeiten machte Hubbard russische Kommunisten,
den Neofaschismus, Bankiers, Psychiater, die amerikanische Steuerbehörde und christliche
Pfarrer verantwortlich für die negativen Berichte über Scientology. Seine paranoide
Phantasie sah überall Feinde.
Wie
jeder Psychopath war Hubbard unfähig, Fehler zuzugeben. Er war vergeßlich, was den
antisozialen Charakter der Praktiken betraf, die korrekterweise Kritik an Scientology
hervorrufen.
DIE SEE ORGANISATION
Nachdem
Hubbard im Jahre 1966 nahegelegt worden war, Rhodesien zu verlassen und aus Furcht vor
Maßnahmen der britischen Regierung (er erhielt später Einreiseverbot), floh er nach Las
Palmas und gründete die See-Organisation.
Acht
Jahre lang, von 1967 bis 1975 durchpflügten Hubbard und sein Gefolge (mehrere Hundert)
mit einer Flotte von seeuntüchtigen Schiffen das Mittelmeer und den Atlantik. Die
Inkompetenz der Besatzung führte zu vielen Unfällen.
Mitglieder
der See-Organisation wurden in pseudo-Marineuniformen gesteckt, erhielten
Marinerangbezeichnungen und unterschrieben einen Vertrag über eine Milliarde Jahre, um
der "Befehlsabsicht" zu dienen. Das Management der Scientology wurde eine
paramilitärische Organisation unter der Führung von "Commodore" L. Ron
Hubbard. Von allen "Sea Org" Mitgliedern wird erwartet ' Training in waffenloser
Selbstverteidigung und Waffenausbildung zu erhalten. Ein leitender Mitarbeiter wurde
später prahlen, das Management sei "zäh" und "unbarmherzig". Mitgefühl
ist in den umfangreichen Lehren von Hubbard praktisch unbekannt.
Sea
Org Mitglieder haben einen langen Arbeitstag (gewöhnlich wenden sie mehr als neunzig
Stunden pro Woche für Scientology auf), die Bezahlung ist ein Hohn. Sie müssen oft
wochen- oder monatelang mit einer Nahrung auskommen, die nur aus Reis, Bohnen und
Haferbrei besteht. Die Disziplin ist streng, wobei der Entzug von Bezahlung und
ordentlichem Essen der Verbannung aus den Schlafquartieren vorausgeht (wenn Mitarbeiter
der "Schweinekoje" zugewiesen werden).
Sea
Org Mitglieder haben eingeschränkten Zugang zu ihren Kindern. Normalerweise dürfen sie
sie nur ein oder zwei Stunden pro Woche sehen. Kinder werden in der Kadettenorganisation
gehalten, mit der ausdrücklichen Absicht, aus ihnen Sea Org Mitglieder zu machen.
Tatsächlich können Sea Org Kinder im Alter von zwölf Jahren anfangen, für die
Organisation zu arbeiten. Es kommt vor, daß sie vor ihrem fünfzehnten Geburtstag hohe
Posten bekleiden. Kinder im Alter von acht Jahren haben als Auditoren fungiert und dabei
Erwachsenen die Beichte abgenommen.
VORZEIGEGRUPPEN
Hubbard
schrieb im Jahre 1966: "Denkt daran, KIRCHEN WERDEN ALS REFORMGRUPPEN BETRACHTET.
Daher müssen wir uns verhalten wie eine Reformgruppe." Seitdem wurden Dutzende von
Vorzeigegruppen gebildet, manche, um den Ruf von Scientology zu verbessern, andere, um
neue Mitglieder zu werben. Das World Institute of Scientology Enterprises (WISE)
lizensiert Scientologen, um die Hubbard Materialien in ihren gewerblichen
Ausbildungsprogrammen zu verwenden. WISE Mitglieder bieten solche Programme ohne den
Hinweis an, daß die Materialien, die sie verwenden, Scientology Materialien sind.
Sterling Management in den USA wurde kritisiert, weil sie teure Kurse an Fachleute des
Gesundheitswesens verkauften, die dann wiederum für Scientology geworben wurden.
Die
Association for Better Living and Education (ABLE) [Anm.d.übers.: 'Gesellschaft für
Besseres Leben, Erziehung und Ausbildung'] fördert "Reformgruppen" wie Criminon
(die Gefängnisinsassen mit Scientology schult), die Concerned Businessmens' Association
[Anm.d.übers.: 'Vereinigung Besorgter Geschäftsleute], Cry Out! (die mit der Sorge um
die Umwelt Kasse macht) [Anm.d.übers.: etwa 'Erheben Sie Ihre Stimme!' oder 'Sag was!'],
Applied Scholastics (die Menschen in Hubbards "Studiertechnologie" ausbildet)
und Narconon.
NARCONON
Narconon
wurde Mitte der Sechziger Jahre von William Benitez, einem vorbestraften Drogensüchtigen,
gegründet. Nach eigenen Angaben ist es ein Rehabilitationsprogramm für Alkoholiker und
andere Drogensüchtige, das zeitweise von verschiedenen staatlichen Stellen unterstützt
wurde (wobei diese Unterstützungen zurückgezogen wurden, sobald die Verbindung von
Narconon mit Scientology bekannt wurde oder nachdem die Unwirksamkeit der von Narconon
angewendeten Methoden bekannt wurde). Narconon flankiert die "Sag Nein zu
Drogen" (?) -Kampagne von Scientology; in der öffentlichkeit wird Narconon von der
Scientologin Kirstie Alley, die früher kokainabhängig war, vertreten.
Seit
einigen Jahren versucht Narconon, ein großes Therapiezentrum im Reservat der
Chilocco-Indianer im US-Bundesstaat Oklahoma aufzubauen. Im Oktober 1991 verweigerte das
Oklahoma Mental Health Board die Genehmigung mit der Begründung, daß es keinen
wissenschaftlichen Beweis dafür gäbe, daß das von Narconon propagierte Programm Wirkung
zeige. Das Programm wurde zudem als "unsicher" bezeichnet. Nicht nur sei die
medizinische Betreuung unzureichend, die Absolventen des Programmes würden auch sogleich
als Mitarbeiter übernommen. Bei Narconon würden Alkoholiker und andere Abhängige nicht
über den Drogenmißbrauch aufklärt, sondern pauschal dem Programm unterworfen. Das
Oklahoma Mental Health Board bemängelte weiterhin, daß der Behandlungsplan von Narconon
genereller Natur sei, auf alle Studenten gleichermaßen angewendet würde und daß keine
individuelle Fallbehandlung erfolge. Außerdem würden keine Nachfolgestudien angestellt
(weshalb die Behauptung, daß das Programm effektiv sei, nicht bewiesen werden könne),
und die Entlassungspläne seien unzureichend. Als besorgniserregend wurde betrachtet, daß
Narconon-Teilnehmer - einschließlich Alkoholikern - von Seiten Narconons mitgeteilt
wurde, daß, wenn sie nach Abschluß des Programms keinen Alkohol mehr zu sich nehmen
könnten, daß Programm offensichtlich nur unzureichend absolviert worden sei. Kern des
Narconon-Programms ist Hubbards "Reinigungs-Rundown", in dem der Körper durch
Zufuhr massiver Vitamindosen und fünfstündige Saunaaufenthalte die Drogensubstanzen
ausschwemmen soll. Das Oklahoma Mental Health Board bemängelte die unzureichende überwachung
der Saunatemperaturen und warnte vor Gefahren solcher Saunaaufenthalte, insbesondere bei
Heroinabhängigen.
Das
Oklahoma Mental Health Board hatte keinen Zweifel daran, daß Narconon "unzureichend
ausgebildete und zur Behandlung von Drogen- und Alkoholabhängigen nicht vorbereitete
Mitarbeiter" beschäftigt, und man war außerordentlich schockiert darüber, daß
Narconon seinen in Behandlung befindlichen Patienten gestattet, andere Patienten zu
behandeln, Medikamente zu verabreichen, die Saunagänge zu überwachen und sich um
Patienten mit psychatrischen problemen zu kümmern. Bei Narconon sind keine Psychiater,
Psychologen etc. beschäftigt.
Während
des Reinigungs-Rundowns sind die Dosierungen der verabreichten Vitamine gefährlich hoch
(bestimmte Vitamine sind in hohen Dosierungen giftig, und Vitamin B1 kann das
Wahrnehmungsvermögen in ähnlichem Ausmaß wie bestimmte Drogen beeinträchtigen). Das
Oklahoma Mental Health Board zeigte sich insbesondere über den Einsatz von Vitamin B3 in
Form von Niacin besorgt, das unter Verdacht steht, in hohen Dosierungen zu Leberversagen
zu führen. "Während des Narconon-Programms werden den Patienten große Mengen an
Niacin zugeführt, um den Körper von radioaktiver Strahlung zu reinigen. Es gibt jedoch
keinen nennenswerten wissenschaftlichen Beweis dafür, daß die Einnahme von Niacin auf
irgendeine Weise zur Beseitigung von radioaktiver Verstrahlung dienen könnte. Es
existieren vielmehr Belege dafür, daß die Zufuhr großer Mengen an Niacin ein
medizinisches Risiko für die betroffenen Personen darstellt."
Völlig
unerwartet erließ das Oklahoma Mental Health Board im August 1992 Narconon die staatliche
überprüfung, ohne die zuvor geäußerte Kritik zurückzuziehen.
SCIENTOLOGY UND RELIGION
"Einige
ungewöhnliche Merkmale der Mitgliedschaft wurden erwähnt ... sowie die starke Betonung
des Wirtschaftlichen... Ganz gleich, ob die Mitglieder leichtgläubig oder in die Irre geführt
worden sind, oder ob die Praktiken der Scientology schädlich oder nicht einwandfrei sind,
das Beweismaterial ... ergibt, daß Scientology zu einschlägigen Zwecken in Victoria als
'eine Religion' anerkannt werden muß." Australisches Gerichtsurteil.
Hubbard
behauptete, daß Scientology nicht konfessionsgebunden sei und nicht im Widerspruch zu
irgendeiner Religion stehe. Der Anspruch ist absurd. In seinen geheimen Schriften
versichert Hubbard, daß Christus eine Kunstfigur ist, eine implantierte hypnotische
Suggestion. Yoga und daher auch den Hinduismus wies er als eine Falle zurück. In einem
Interview gab er an, sein liebstes Buch sei "Zwölf gegen die Götter", in dem
der Autor William Bolitho Mahomet einen Psychopathen nennt.
Natürlich
ist die Lehre von der Reinkarnation, die für Scientology wesentlich ist, für das
Judentum, den Islam oder das Christentum unannehmbar. Hubbard behauptete, Scientology sei
"der Buddhismus des zwanzigsten Jahrhunderts". Die wesentliche Doktrin des
"anatta" oder "keine Seele" wird jedoch in Scientology, die an ein
unsterbliches und unzerstörbares Ego oder "Thetan" glaubt, völlig verneint.
Desweiteren hat Hubbard den Buddhismus fallengelassen, indem er feststellte, daß
"keine Kultur in der Weltgeschichte, außer den gründlich verkommenen und im Verfall
begriffenen, es versäumt hat, die Existenz eines Höchsten Wesens zu bekräftigen".
Scientology
widerspricht den Lehren aller großen Religionen, indem sie erklärt, großer Reichtum sei
eine Tugend, ein Maßstab für geistlichen Erfolg.
Hubbard
unterteilte das "Streben nach überleben" in acht "Dynamiken". Diese
sind das überleben als oder durch einen selbst, durch Familie und Fortpflanzung, durch
Gruppen, die Menschheit, Lebensformen, das Materielle, das Geistige, und die Unendlichkeit
oder das Höchste Wesen. Hubbard behauptete, daß es für eine vernünftige Entscheidung
nur nötig sei, die Auswirkung auf diese "Dynamiken" zu beurteilen und den Weg
zu wählen, der der größten Anzahl zum 'Vorteil gereicht.
Der
achten Dynamik oder Gott wird in diesem Schema kein besonderer Platz zugewiesen, daher ist
es möglich, eine Entscheidung zu fällen, weil es die Mehrheit der anderen sieben
Dynamiken begünstigt. Dieses Vorgehen ist für all jene, die an Gott glauben,
gewissenlos. Hubbard verwarf auch die Idee des Mitleids. Scientologen glauben, daß alles,
was einer Person zustößt, selbst verursacht ist, daher werden die Unglücklichen
"Opfer" genannt, die sich ihr Unglück "hereingezogen" haben. Mitgefühl
wird mißbilligt und als eine "niederere" emotionale Reaktion als Angst oder Wut
betrachtet.
Alle
Transaktionen müssen einen angemessenen Austausch erhalten, daher neigen Scientologen
nicht dazu, für wohltätige Zwecke (außer ihre eigenen Vorzeigegruppen) zu arbeiten oder
zu spenden. Hubbard druckte es so aus: "Wenn sie einer Person erlauben, nichts für
etwas zu geben, dann ermutigen Sie in Wirklichkeit Verbrechen". Scientology bewirkt
Verachtung für alle Nicht-Scientologen, die "Wogs" oder "rohes
Fleisch" genannt werden.
MANIPULATION
"Wenn
jemand sich einschreibt, dann betrachten Sie es so, daß er oder sie für die Lebensdauer
des Universums beigetreten ist - gestatten Sie niemals eine "lockere"
Einstellung... Wenn sie beigetreten sind, sind sie an Bord, und wenn sie an Bord sind,
dann sind sie zu den gleichen Konditionen hier wie wir alle: gewinnen, oder beim Versuch
untergehen. Lassen Sie sie niemals halbherzig Scientologen sein... Wenn Frau Meier zu uns
kommt, um unterrichtet zu werden, dann machen Sie aus dem schwankenden Zweifel in ihrem
Blick ein festes, engagiertes Leuchten ... Die richtige Ausbildereinstellung ist: 'Wir
sähen Sie lieber tot als unfähig.'" L. Ron Hubbard, "Die Funktionsfähigkeit
der Scientology erhalten", 7.Februar 1965, wiederherausgegeben am 27.August 1980.
Hubbard
behauptete, seit seiner Jugend Hypnose studiert zu haben. Am Anfang gab er zu, daß seine
Dianetik-"Forschung" mit Hilfe der Verwendung von Tieftrancehypnose durchgeführt
wurde. In der ersten Zeit gab er außerdem zu, daß das dianetische Verfahren eine Trance
hervorrufen kann. Der Ausdruck "Hypnose" hat viel Kontroverse hervorgerufen. Das
vermutlich genaueste Gedankengebäude wurde von dem Hypnotherapeuten Milton Erickson
zusammengestellt, der erklärte, daß Hypnose eine Interaktion zwischen Personen Ist,
welche veränderte Bewußtseinszustände zugänglich macht.
Die
heutige Psychologie nimmt an, daß die meisten mentalen Vorgänge unterhalb des
Bewußtseinsniveaus ablaufen. Ein Hypnotherapeut gewinnt Zugang zum Unbewußten und
versucht, vorteilhafte Suggestionen darin einzusetzen, die die gleiche Antriebskraft auf
die Person ausüben werden, wie deren eigene Entscheidungen. In der Hypnotherapie gibt der
Patient die Erlaubnis für diesen Vorgang. In Scientology geschieht dieser Vorgang ohne
Einwilligung.
Hubbard
erklärte, alles Existierende sei ein Ergebnis des Bewußtseins: "Realität ist Übereinstimmung",
"das Universum ist ein Schein, über den Übereinstimmung herrscht". Aus diesem
Blickwinkel versucht Scientology, die Wahrnehmung der Realität eines Menschen zu
verändern und sie durch Hubbards Vorstellungen zu ersetzen, während gleichzeitig so
getan wird, als werde die Person bewußter und "selbstbestimmter". Scientology
behauptet, wissenschaftlich zu sein, tatsächlich ist es aber unmöglich,
"Auditing" durchzufahren, ohne sich Glaubensinhalten unterzuordnen, die nicht
wissenschaftlich bestätigt wurden, wie z.B. Wiedergeburt, Besessenheit durch Geister
(oder Körperthetanen) und die Existenz und den Einfluß von "Engrammen".
Scientologen
werden Einschränkungen auferlegt, um zu verhindern, daß sie ein kritisches Verstehen von
Scientology erreichen. Erklärungen der Werke Hubbards sind verboten; die Materialien müssen
genau zitiert werden. Abweichung von den Materialien ist ebenfalls verboten - die
"Erkenntnisse" des Scientologen in der Beratung müssen in Einklang mit
Hubbard's Erklärungen über die Beschaffenheit der Realität sein. Jede NichtÜbereinstimmung
mit Hubbard oder seiner Lehre führt die Person zum "Ethikbüro", einer
Abteilung von Scientology's interner Polizei.
Der
Scientologe darf über seinen "Fall" oder seine Probleme mit keinem anderen als
seinem Auditor sprechen, dadurch werden enge Bindungen verhindert. Die
"Technologie" der Scientology hat und hatte immer recht (sogar, als Hubbard sie
alle paar Monate änderte), und das Ausbleiben von spektakulären Erfolgen (d.h.,
euphorischen Zuständen) wird immer als Fehler des Auditors oder des Preclears betrachtet,
niemals der Methoden. Scientologen werden glauben gemacht, daß Kritik (es sei denn, sie
kommt von Hubbard) immer von Schuldgefühlen aufgrund eigener Vergehen herstammt. Die
Aufmerksamkeit des Einzelnen wird nach innen gerichtet und so davon abgelenkt,
Betrachtungen anzustellen über Fehler von Hubbard oder von Scientology.
Scientology-Verfahren
sind mit denen der Hypnotherapie vergleichbar. In der Trainingsroutine 0 sollen sich zwei
Leute gegenübersitzen und sich "mehrere Stunden lang" anschauen. Blickfixierung
ist seit langem als ein Mittel der Erzeugung von veränderten oder Trancezuständen
anerkannt. Wiederholung ist eine weitere Methode der Erzeugung, und Hubbard gab zu, daß
eine Reihe seiner Verfahren abstumpfend monoton sind. In Scientology ist es möglich,
mehrere Stunden lang dazusitzen und die gleiche einzeilige Frage zu beantworten, im
Wortlaut unverändert, wie z.B. "Von wo aus könntest Du mit einem Opfer
kommunizieren?"
Schließlich
wird die gesamte Wahrnehmung und das Glaubenssystem der Person durch Scientology
aufgehoben. Der Scientologe darf nicht über die Operierender Thetan Stufen sprechen,
daher ist er vom größten Teil der Menschheit isoliert und glaubt, daß böse Geister der
wahre Grund für alle Unfähigkeit und Konflikte sind. Scientologen akzeptieren keine
andere Wahrnehmung der Wirklichkeit als die von Hubbard.
Hubbard
verspottete die Hypnotherapie, Psychologie, Analyse, Meditation und religiöse Beratung,
indem er behauptete, Scientology sei das einzig effektive System. Mitarbeiter,
insbesondere die der Sea Org, werden noch beeinflußbarer durch lange Arbeitstage,
Schlafentzug, mangelhafte Ernährung und regelmäßige Portionen "Rehabilitation
Project Force".
HARTER VERKAUF
"Fortgeschrittene
Kurse (in Scientology) sind die wertvollsten Dienste auf dem Planeten.
Lebensversicherungen, Häuser, Autos, Aktien, Wertpapiere, Sparverträge, all das ist
vergänglich und nicht von Dauer... Es gibt nichts, was man mit Fortgeschrittenen Kursen
vergleichen könnte. Sie sind unendlich wertvoll und reichen weiter als die Zeit
selbst." L. Ron Hubbard über seine "Operierender Thetan Kurse", Flag
Missionsanweisung 375.
Harte
Verkaufstechniken sind ein weiterer Aspekt der Verwendung übermäßiger Beeinflussung
oder zerstörender überredung an Mitgliedern. Klienten der Scientology werden mit
Forderungen nach stetig steigenden "Spenden" für Auditing und Schulung
schikaniert. Der Abschluß der Scientology "Brücke" kostet in der
Größenordnung von zweihunderttausend britischen Pfund oder dreihunderttfünfzigtausend
US Dollar (es gibt Scientologen, die sogar mehr bezahlt haben). Viele Scientologen endeten
als Ergebnis von hartem Verkaufen obdachlos und tief verschuldet.
Verkaufsgespräche
können bis zu 13 Stunden dauern und beruhen auf der ausgefeilten Manipulationstechnik in
Les Danes Buch "Big League Sales Closing Techniques" [etwa: "Die
Verkaufsabschlußtechniken der Meister", Anm.d. Übers.]
Ein
weiterer alarmierender Aspekt von Scientology's Gier ist der Verkauf von
Hubbardartefakten, "Special Properties" genannt. Dies sind limitierte Auflagen
von Hubbard's Büchern und allem, was von Hubbard signiert ist. Diese Werke werden den
Scientologen aufgedrängt, wobei darauf bestanden wird, daß sie höchst marktfähige
Waren mit großem Investitionspotential sind. in Wirklichkeit sind sie außerhalb der
Grenzen der Scientology Welt praktisch wertlos.
Unerhörte
Beträge werden für diese Artikel verlangte Ein früheres Mitglied wurde dazu gebracht,
etwa sechsundzwanzigtausend britische Pfund auszugeben, von denen zehntausend Pfund
geliehen waren. Es wurde versprochen, daß der Wert dieser "Special Properties"
in die Höhe schießen würde. Trotz intensiver Nachfragen über sieben Jahre hinweg
konnten die "Special Properties" nicht einmal den ursprünglichen Kaufpreis
erzielen. Das ehemalige Mitglied hatte ein einzelnes, signiertes Foto von Hubbard für
mehr als 8.000 britische Pfund erworben. Dies ist kein Einzelfall: ein Scientologe gab die
unglaubliche Summe von neunzigtausend britischen Pfund für "Special Properties"
aus.
Die
Scientology Organisation stößt Mengen von Werbematerial aus, von einfachen Flugblättern
bis hin zu ausgewachsenen Fernsehkampagnen. Obwohl Hubbard der Psychologie höchst
kritisch gegenüberstand, war er gerne bereit, die Techniken der Motivationsforschung zu
verwenden. Sorgfältige Umfragen bestimmen die Schlüsselwörter, Symbole und Farben, auf
die potentielle Kunden ohne kritische überlegungen reagieren werden. Hubbard brüstete
sich mit der manipulativen Wirkung dieser Techniken.
Es
wird von Scientologen erwartet, Tausende für Kurse auszugeben und sie müssen dann
lächerlich teure Bücher, Kursmaterialien, E-Meter und Tonbänder von Hubbard's
Vorträgen als Vorbedingung für den Besuch dieser Kurse kaufen. Die Tonbänder werden im
allgemeinen für etwa dreissig Pfund verkauft, und Hubbard hielt tausende von Vorträgen.
Von jedem Scientologen wird erwartet, daß er mindestens zwei E-Meter kauft, in der
Preislage von siebenhundert bis zweitausendsiebenhundertfünfzig britischen Pfund. Die
Bauteile, aus denen ein E-Meter besteht, kosten nur einen Bruchteil davon.
SCIENTOLOGY LüGEN
"Mit
Wahrheit umzugehen, ist eine Sache für sich ... Teile eine annehmbare Wahrheit mit."
L. Ron Hubbard, 'Der fehlende Bestandteil', 13.August 1970.
Scientology
behauptet, weltweit sieben Millionen Mitglieder zu haben, dennoch nannte ein interner
Mitgliederbericht von 1987 lediglich vierzigtausend. Es gibt auch oft wiederholte
Behauptungen, daß sich Hubbards Bücher millionen Mal verkauft haben. In Wahrheit wurden
Hubbard-Bücher durch sorgfältig ausgeklügelte Kampagnen auf die Bestsellerlisten
"gemogelt". Scientology hat es wahrscheinlich geschafft, durch Rückkauf und
Wiederverkauf mehr Bücher zu verkaufen, als gedruckt wurden. Eine Buchhandlung erhielt
sogar eine Sendung Bücher, die bereits deren eigene Preisschilder trugen.
PROZESSFüHRUNG UND FAIR GAME
In
den sechziger und siebziger Jahren wurde Scientology wegen Ihrer Bereitschaft, Prozesse zu
fuhren, berechtigt. Solche Prozesse waren selten erfolgreich, bewirkten aber, daß die
Medien zögerten, über Scientology zu berichten und viele Kritiker sich zurückzogen. Mit
dem Niedergang des Guardian's Office ging das Klagetempo beträchtlich zurück. Nur
wichtige Gegner werden jetzt verklagt. Die Zahl der Prozesse gegen Scientology jedoch ging
in die Höhe. Berichten zufolge hatte Scientology Anfang 1992 mehr als siebenhundert
Verfahren gegen sich.
In
seiner Entscheidung am Obersten Gericht von Kalifornien stellte Richter Breckenridge im
Jahre 1984 fest: "Zusätzlich zur Verletzung und dem Mißbrauch der Bürgerrechte
ihrer eigenen Mitglieder hat die Organisation mit ihrer Fair Game Doktrin über die Jahre
hinweg jene Personen, die nicht in der Kirche sind und die sie als Gegner sieht,
schikaniert und beschimpft." Im 'Fair Game' Gesetz erklärte Hubbard, daß jene, die
von Scientology als Unterdrücker eingestuft wurden, "ihres Eigentums beraubt oder in
beliebiger Weise verletzt werden dürfen.... sie dürfen hereingelegt, verklagt, belogen
oder zerstört werden".
Der
fortgesetzte Gebrauch von Fair Game wurde auch 1984 in London in einem Sorgerechtsprozess
festgestellt, sowie in einer Entscheidung eines kalifornischen Berufungsgerichts vom Jahre
1989. In dieser letztgenannten Entscheidung, im Fall Larry Wollersheim gegen die Church of
Scientology of California, bestätigte das Gericht Wollersheim's Vorwurf, er sei
Gegenstand von Fair Game gewesen. Der Richter stellte weiterhin fest:
"das
Verhalten der Kirche war erwiesenermaßen unerhört. Indem sie ihre Position als sein
religiöser Führer ausnutzte, nötigten die Kirche und ihre Vertreter Wollersheim dazu,
das Auditing fortzusetzen, obwohl seine geistige Gesundheit durch die Praktik wiederholt
bedroht war... Wollersheim wurde gezwungen, seine Frau und seine Familie durch die
Richtlinie des Abbrechens der Verbindung im Stich zu lassen. Als seine Geisteskrankheit
eine solche Stufe erreichte, daß er aktiv seinen Selbstmord plante, wurde ihm verboten,
professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen."
Im
Jahre 1992 wurde die Scientology Kirche für schuldig befunden, die "Toronto, Ontario
und Königlich Kanadische Berittene Polizei" infiltriert zu haben, sowie die Büroräume
der Revenue Canada, des Oberstaatsanwalts von Ontario und der Landesregierung. Tausende
von Akten waren von Hubbards Spionagenetzwerk gestohlen worden.
DIE DESTRUKTIVEN AUSWIRKUNGEN VON SCIENTOLOGY
Wie
der Wollersheim Fall zeigt, kann Scientology "Auditing" tiefgründig destruktive
Auswirkungen haben. Nach einer Untersuchung von achtundvierzig Gruppen berichteten Conway
und Siegelman, daß ehemalige Scientologen die höchste Rate an gewalttätigen Ausbrüchen,
Wahnvorstellungen, sexuellen Fehlfunktionen und Selbstmordneigung haben. Sie schätzten,
daß eine vollständige Erholung von Scientology durchschnittlich zwölfeinhalb Jahre
dauert.
Mitglieder
werden mit Hubbards verblendeter und unwissenschaftlicher Weltsicht völlig durchtränkt.
Sie sehen sich selbst als Teil einer kleinen Elite, von allen Seiten durch eine riesige
Konspiration schikaniert. Scientologen sprechen und denken in einer komplizierten von
Hubbard geschaffenen Sprache (Scientology Wörterbücher enthalten bis zu mehr als
eintausend Seiten an Definitionen). Sie werden trainiert, eine ruhige, fröhliche
Erscheinung zu präsentieren, ganz gleich, was ihre wirklichen Gefühle sind. Die meisten
werden "Auditingjunkies", unfähig, dem Leben ohne regelmäßige
"Sitzungen" ins Auge zu blicken. In jeden Lebensbereich eines Menschen wird
eingedrungen, denn Hubbard hat sich über fast jedes Thema ausgelassen, von Unternehmensführung
bis zur Kindererziehung.
Scientology
ruft eine phobieartige Reaktion gegenüber Praktikern des Psychohygienewesens hervor,
daher sind ehemalige Mitglieder meist nicht bereit, professionelle Hilfe aufzusuchen, um
wieder auf die Füße zu kommen. Diese Situation wird dadurch erschwert, daß die meisten
Praktiker der Psychohygiene unfähig sind, die Kulterfahrung zu verstehen. Dadurch geraten
viele ehemalige Scientologen in andere Kultgruppen oder Ableger von Scientology wie z.B.
EST (Das Forum), Avatar, Dianasis, Re-Evaluation Co-Counselling oder Idenics.
MAßNAHMEN DES STAATES.
Im
Juni 1992 wurde die Church of Scientology durch eine kanadische Jury krimineller
Aktivitäten für schuldig befunden. in Deutschlands fahrender politischer Partei wird
Scientologen wegen der Richtlinie der Infiltrierung nunmehr die Mitgliedschaft verweigert.
Gegen Scientology werden in Frankreich und Spanien Ermittlungen angestellt. Im Februar
1992 billigte der Europarat eine Empfehlung, nach der die Mitgliedsstaaten der EWG
Informationsgruppen fördern sollten, um die öffentlichkeit über Neue Religiöse
Bewegungen zu unterrichten. Bis jetzt wurde nichts unternommen.
HILFE FüR MITGLIEDER
'Wenn
ein Freund oder,Verwandter'sich mit Scientology einläßt, ist es wichtig, ihre
Entscheidung nicht anzugreifen. Eine Haltung freundlicher Sympathie und die Bereitschaft,
zuzuhören, sind sehr wichtig. Der Person Material zu zeigen, das feindselig gegen
Scientology ist, wird im allgemeinen ihre Vernarrtheit nur verstärken, wird sie noch
abwehrender und weniger gesprächsbereit machen. Seien Sie mit ihren Bedenken gegen
Scientology aufrichtig aber nicht aggressiv.
Gestatten
Sie dem Menschen, ohne Unterbrechung über den Nutzen zu sprechen, den sie oder er meint,
daraus gezogen zu haben. Es ist tatsächlich entscheidend, die Person sprechen zu lassen,
denn die Notwendigkeit, Gedanken in Worte zu fassen, macht das Denken oftmals klarer.
Versuchen Sie nicht, ihnen das Denken abzunehmen. Unterbrechen Sie nicht und machen Sie
keine hinterhältigen Bemerkungen. In einer freundlichen Umgebung werden sie einige der in
Scientology liegenden Widersprüche für sich selbst herausfinden. Wenn man sie
auffordert, nach solchen Widersprüchen zu suchen, dann kann es passieren, daß sie
einfach nicht mehr zuhören.
Wenn
Sie sicher sind, daß die Person sich nicht bedroht fühlt, fragen Sie, ob sie bereit ist,
sich scientologyfeindliches Material anzusehen, anstatt es ihr einfach vorzulegen. Entführungsdeprogramming
ist sowohl moralisch verwerflich als auch gesetzwidrig. In Scientology Fällen ist es auch
weitgehend erfolglos. Es gibt jedoch einige wenige Berater, die nicht auf Entführen zurückgreifen
und eine ausreichende Kenntnis von Scientology besitzen, um Mitgliedern helfen zu können,
ihr Engagement in einer zwangfreien Umgebung neu zu überdenken.
WEITERE INFORMATION
Jon
Atack, der Autor dieser Broschüre, war von 1974 bis 1983 Klient der Scientology. Seit
seinem Austritt aus der Scientology Kirche hat er viele führende Zeitungen und
Zeitschriften beraten, wie zum Beispiel die Sunday Times, Forbes, TIME, die Los Angeles
Times und Reader's Digest. Im Jahre 1987 war er der führende Berater für Panorama, den
Dokumentarfilm des BBC Fernsehens. Er hat auch [Anm.d.übers.: die Fernsehgesellschaften:]
TVS, Central TV, Granada TV, CBC, NBC, CBS und ABC beraten.
Jon
Atack's Buch "A Piece of Blue Sky"
(ISBN 0-8184-0499-X) wurde von Lyle Stuart Books in den USA und von Musson Bock Company in
Kanada verlegt. "A Piece of Blue Sky" ist eine vierhundertseitige Geschichte von
Hubbard, seinen Organisationen und seinen Techniken. In Europa kann es direkt vom Autor in
Avalon, Cranston Rd, East Grinstead, West Sussex, RH19 3HG, England, bezogen werden. Zum
besseren Verständnis der Glaubensinhalte und Techniken der Scientology siehe auch
Hubbards "Handbuch für den Ehrenamtlichen Geistlichen". Zum besseren
Verständnis des Manipulativen Charakters der Scientology siehe "Combatting Cult Mind Control" von
Steven Hassan (auch in deutsch erschienen bei RoRoRo, Nr. 9391) und The "Anatomy of
Illusion" von Thomas und Jacqueline Keiser.
Diese
Seite habe ich bei Tilman Hausherr
stibitzt. Weiterführendes Material über Jon Atack findet ihr hier. Das meiste in Englisch.