Thema: Über mich und
meine Gründe - Aktuelle
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Aus dem Buch eine Leseprobe:
Die Geschichte ist noch nicht zu Ende. Sie geht weiter. Das habe ich
nicht zuletzt beim aufschreiben meiner Erlebnisse gemerkt. Es kommt immer wieder
Neues dazu und vielfach merke ich, dass ich Altes neu überdenken muss, oder
müsste...
Mit einem Buch möchte ich diese ganze Sache abschliessen und einen geistigen
Schlussstrich ziehen. Dass Sie es noch nicht im Laden holen können beweist nur,
dass ich noch nicht so weit bin :) Schliesslich ist es meine Geschichte und die
wird mir gewiss nicht weglaufen.
Lesen Sie nun ein paar Auszüge aus dem ersten Teil der Story.
Dianetics Auditor
Der Scheck war ausgefüllt, mein Kursmaterial hatte ich bekommen und ich
wurde dem Kursleiter vorgestellt. Thomas, einem netten, dunkelhaarigem
Burschen von Einundzwanzig Jahren. Wir verstanden und auf Anhieb. Ich bekam
ein Blatt Papier, ein Checksheet, das ist, so hatte er mir erklärt eine
abfolgende Aufstellung der einzelnen Kursaufgaben, die sicherstellen sollen,
dass der Kurs erfolgreich abgeschlossen wird. Ich befand mich nun in einem der
Kurszimmer, im ersten Stock. Ich hatte diesen Raum schon bei der Besichtigung
gesehen, er war mir nicht neu. Thomas zeigte mir, wo die Wörterbücher und
Studierunterlagen waren, zeigte mir den Drillraum, wo die übungen gemacht
wurden und bald darauf fing ich an. Ich nahm das Checksheet zur Hand.
Zuoberst auf dem Blatt, befanden sich
interne Bezeichnungen und Thomas wollte, dass ich in einem
Scientologywörterbuch nachschaute was es hiess. Es war im Kursmaterial dabei.
Ich fand das komisch, ich wollte ja Dianetik-Auditor werden, was da oben
stand, die Firmenabkürzungen und Copyrights gingen mich doch nichts an. Doch
Thomas setzte sich durch und ich lernte, LRH heisst L. Ron Hubbard. Dieses
Papier mit grüner Schrift ist ein Richtlinienbrief, Hubbard hat ein
Kommunikationsbüro das sich in einem Herrenhaus in Südengland befand, der
Patient im Auditing heisst PreClear, also VorGeklärter.
Ich brauchte lange Zeit um die ersten
fünf Linien dieses Checksheets zu klären, wie es im Scientologyjargon heisst.
Na klar, wenn etwas nicht verstanden wird, also ein Missverständnis, so wird
dies geklärt, weggemacht. Doch ich hatte noch nicht einmal beim ersten Punkt
der Aufgaben angefangen. Nach rascher Durchsicht des Checksheets wurde schnell
klar, dass ich noch viel mit Wörterbüchern arbeiten musste. Nun denn.
Thomas half und ich lernte viel. Es kam, dass er mich nach einzelnen
Begriffen fragte, die ich ihm dann anhand von Beispielen erklären sollte. So
sei sicher, dass ich es auch anwenden könne, meinte er. Es gefiel mir wie er
sich um mich kümmerte. Er wollte, das ich es verstand. Er erklärte mir nie
etwas, aber er verwies mich immer wieder auf die Stellen, die mir nicht klar
waren. Da ich Nachts arbeitete, konnte ich tagsüber meinen Kurs machen. Ich
hatte da auch meine Ruhe, weil tagsüber weniger Leute im Kursraum waren.
Thomas meinte es sei sehr wichtig, diesen Kurs schnell abzuschliessen, er
überredete mich auch an den freien Abenden zu kommen.
Ich lernte die TR's kennen, die Trainings
Routinen. Das sind verschiedene übungen die man braucht um auditieren zu
können. Es klang logisch, denn ich hatte im Auditing mit Philipp gemerkt, dass
ich manchmal ein bisschen gereizt reagierte. Die TR's sollen dann auch
Reaktionen verhindern. Oder man lernt ein Gespräch zu kontrollieren, zu
lenken. Man trainiert, das man die Reaktionen auf verschiedene Momente im
Griff hat. Oder man konfrontierte eine Sache. Ich verstand jetzt auch, wieso
dieses Wort so häufig gebraucht wurde. Konfrontieren. Etwas anzuschauen wie es
ist. Ohne mit der Wimper zu zucken. Schon als ich mit Roland sprach fiel mir
der Gebrauch dieses Wortes auf. Für mich hatte Konfrontieren etwas mit
Konflikt oder schmerzhaftes Zusammentreffen zu tun. Anscheinend hiess es etwas
anderes. "Einfach da zu sein und wahrzunehmen."
Eine übung bestand darin, sich
Minutenlang in die Augen zu schauen, ohne mit der Wimper zu zucken. Eine
andere übung war, jemand zu bestätigen, wenn er etwas sagte. "Gut", "Fein", "o.K."
und was es sonst noch so gibt. Ich war gut. Es war ein Wettkampf. Irgendwie
machte es Spass meine neu gewonnenen Fähigkeiten anzuwenden, die anderen taten
das auch alle. Ich gewöhnte mich daran, so zu sprechen, immer in die Augen
meines Gegenübers zu schauen, die Antworten zu bestätigen. Es wurde ja auch
trainiert und innert kürzester Zeit hatte ich dies verinnerlicht.
Schlussendlich dienten diese übungen dem
PreClear und das Auditing würde mit diesen Methoden besser funktionieren und
sicherer sein. Im Dianetik-Buch stand nämlich, wenn man ein Engramm
herausauditiert, würde man als Auditor sehen können, wie der PreClear oder PC,
zucken, schreien, weinen und stöhnen würde, wenn er ein schmerzhaftes
Geschehnis durchläuft. Da sei es nicht verwunderlich, wenn dem Auditor angst
und bange wird. Damit das Auditing dann auch alles zu Ende geführt würde,
wären solche Kontrollübungen nötig. Sie sagten dem Kontrolle ausüben. Für mich
hatte das Wort immer einen schalen Beigeschmack, doch hier wurde es viel und
ohne negative Bedeutung benutzt. Jemand hatte einen Willen, möchte etwas
ausführen, tut es und kontrolliert dann das Ganze, bis es zu Ende ist.
Ausgeführt und abgeschlossen. Kontrolle schien so etwas wie ein Sieg des
Geistes über eine Situation oder eine Sache zu sein.
Haben Sie vor diesem Leben gelebt?
"Haben Sie vor diesem Leben gelebt?", fragte mich das rote, schwere Buch.
Ich wusste es nicht. Ich habe einige Momente gehabt, bei Vollmond oder in
Stimmungen da ich mir selber sehr nah war, wo ich dachte und fühlte, ich
könnte etwas besonderes sein. Doch ich hatte auch Situationen in denen ich
mich als ganz kleines Würstchen fühlte. Der Gedanke schon einmal gelebt zu
haben wühlte mich auf.
Könnte es sein?
Oder auch nicht?
Die Antwort erhoffte ich mir aus diesem Buch. Die Dianetik wurde anscheinend
erfolgreich angewendet, ja sogar viel mehr, man hatte sie weiterentwickelt.
Scientology war daraus entstanden. Scientology war, das wusste ich bereits,
etwas anderes. Da ging es um mehr, ich wusste aber nicht um was. Ich wusste,
es gab dieses dreistöckige Gebäude, eine weltweite Scientology-Organisation
und ich hatte von Millionen von Mitgliedern gehört, die offenbar alle bei
Scientology mitmachten. Da musste ja was dran sein.
Ich öffnete das Buch und bald fand ich
das erste Kapitel. Personen äusserten sich über frühere Leben, hiess es und
ich war gefangen.
Hier wurde mit einer Sicherheit und Unbefangenheit, die ich noch nie erlebt
hatte, über frühere Leben geredet, dass sich in mir die Gedanken überschlugen.
Sollte ich schon einmal gelebt haben, was wäre da alles möglich. Ein Römer,
ein römischer Musiker vielleicht?
Oder eine Frau, war ich einmal eine Frau gewesen?
Oder hatte ich mit einem Segelschiff die sieben Weltmeere befahren?
Ich las, ich frass dieses Buch.
Offensichtlich angesehene und
gutsituierte Leute kamen hier zu Wort und hatten schon einmal gelebt,
äusserten sich über ihre Erlebnisse, hatten Gewinne an diesem Auditing.
Das war also Scientology-Auditing. Im Buch ist ein Gespräch zwischen einem
PreClear, das ist die Person die auditiert wird, und einem Auditor
aufgeschrieben. Das war also die Methode, es funktioniert anscheinend. Sehr
wissenschaftlich wird dargestellt, wie und unter welchen Versuchsbedingungen
die Resultate erreicht wurden. Das Buch vergrösserte meine Gedankenwelt um ein
vielfaches. All die Möglichkeiten, all die Geschichten. Konnte das wahr sein?
Ich las diese Auditingberichte, ich las
darüber wie ein Thetan, eine Seele, eine Person ohne Körper, einfach aus
seinem eigenen Körper gehen sollte. Ich las, das Thetane einen Roboterkörper
haben konnten. Im Buch stand, dass es Fallen für solche körperlose Personen
gab. Geschichten von Raumschiffen und geistigen Kräften. Ich kannte das aus
der Science-Fiktion. Hier war aber die Möglichkeit, dass es solche Dinge gab.
Das wäre ja unglaublich.
Ich bezog alle diese Geschichten auf
mich, alle Dinge die hier beschrieben wurden, könnten auch mir passiert sein.
Ich könnte genauso meinen Körper verlassen. Ich könnte genauso Dinge erlebt
haben, wie die Leute die hier auditiert worden sind. Bin ich auch einmal mit
einem Raumschiff abgestürzt?
War ich auch 55'000'000'000'000'000'000 Jahre alt?
Das war unglaublich, doch in diesem Buch stand es so.
Dies hatte ich nicht erwartet. Ich
wusste, dass etwas funktioniert hatte, als ich Philipp auditierte, es hatte
sich eine Wirkung gezeigt und er hatte sich an etwas verborgenes erinnert.
Sollte das der Weg sein, sich an alles erinnern zu können?
War ich wirklich so ein Thetan?
Wenn ja, wieso kann ich mich selber nicht daran erinnern?
Ich wusste aus dem Dianetik-Buch, dass Erinnerungen durch schlechte
Erfahrungen zugeschüttet werden. Hatte ich schlechte Erlebnisse, dass ich mich
nicht erinnern konnte?
Ich wurde gebeten, noch einen Persönlichkeitstest zu machen. Ich nahm ihn mit
nach Hause und brache ihn ausgefüllt wieder zurück. Ich las weiter in meinem
roten Buch.
Völlig aufgewühlt ging ich in meinen Kurs. Ich lernte, mit den Büroklammern,
Gummis und Bleistiften, die sich überall in diesen Körbchen befanden,
Beispiele zu machen. Damit konnte man sich eine Situation oder einen Vorgang
leichter vorstellen. Ich hörte auf einem Tonband, dass jemand ein paar
Millionen Jahre früher von einem Säbelzahntiger gefressen wurde, und dass ein
Dianetik-Auditor wissen müsse, dass genau das geschehen kann, nämlich, der
Patient erinnert sich an ein früheres Leben.
Mann o Mann, und hier wird also eine
Möglichkeit geboten. Ich befand mich hier an einem Ort, wo man eine
Möglichkeit hatte, so etwas wie ein Erinnerungsprofi zu werden. Ich dachte
mir, wenn ich in einem früheren Leben einmal Musiker war, dann wüsste und
könnte ich ja schon vieles mehr als mir bewusst ist. Oder ein Schriftsteller?
Als Nebeneffekt, wird man noch von verschiedenen Problemen und Krankheiten
erlöst. Mir drehte der Kopf. Ich glaubte es einfach nicht, ich konnte es nicht
glauben als ich nach zweiundzwanzig Uhr aus dem Kursraum stolperte. Doch der
Laden lief, ich sah viele glückliche Menschen, lachende Gesichter, Augen die
einem voll ins Gesicht schauten und ich wusste, sie wissen auch davon.
Die Brücke
Jemand wartete auf mich.
Er heisst Stefan und wollte mit mir etwas besprechen. Komm doch einen Moment
ins Büro, meinte er, wir trinken einen Kaffee zusammen. Ich ging mit. Blond,
gut gebaut und gleich alt, wie sich herausstellte, geschäftsmässig mit
schmaler Lederkrawatte und hellem Anzug, er war der Erfolgstyp. In seinem Büro
hing eine Urkunde. Ich konnte ein bisschen Englisch und ich las "State of
Clear". Es verschlug mir den Atem.
Ein Clear! Das war jetzt so einer. Einer, der keinen reaktiven Verstand hatte.
Ein Wundermensch. Im Dianetik-Buch wurden all die wunderbaren Fähigkeiten
eines Clears aufgezählt. Und nun stand ich vor einem Homo Novis, einem neuen
Menschen. Dem neuen Evolutionssprung. Er sah auch so aus, überlegen, gepflegt
und er wich meinen Blicken keinen Moment aus. Ich fühlte mich sehr klein.
Wir kamen ins Gespräch. Es war wohl eher
so, daß er mit mir ins Gespräch kam. Er wirkte auf mich sehr weise und
abgeklärt. Ein Clear. Alles was er sagte, klang für mich wie pure Weisheit, er
war ein Clear und ich wußte, was das bedeutete. Ich hatte das Dianetik-Buch
gelesen und ich hatte nun den Beweis vor mir. Es gab sie, die Clears.
Er hatte eine Art mich zu achten und auf
mich einzugehen, dass ich bald meine Scheu aber nicht meine Ehrfurcht verlor.
Er hatte eine Tabelle vor sich, genau die gleiche die ich schon bei meinem
ersten Besuch zu Gesicht bekam und mein Interesse stieg. Ich hatte ja noch
einmal einen Test gemacht und ich hatte ein paar Fragen anders beantwortet als
beim erstenmal und so war ich sehr am Ergebnis interessiert. Das Ergebnis des
kürzlich gemachten Intelligenztests wurde mir offenbart. Ich hatte nie zuvor
einen solchen Test gemacht und ich war sehr neugierig auf das Resultat. Ich
weiss nicht mehr ob’s 123 oder 128 war, aber irgend so herum müsste es gewesen
sein. Er lobte mich deswegen und ich fühlte mich anerkannt. Ein Clear mochte
noch viel Intelligenter sein als ich, doch, so sagte ich mir, war auch ich
nicht der Dümmste. Die Tabelle des Tests benutzte Stefan eigentlich recht
wenig, er erzählte vielmehr, markierte aber mit seinem Kugelschreiber die
wichtigsten Stellen. Meine negativen Punkte. Er meinte, daß dies meine Aussage
über mich selber sei. Das ist es, was der Test mir sagte, ich hatte Mängel in
meiner Aktivität und mit der Kommunikation stand es auch nicht zum Besten.
Meine negativen Punkte. Ich wusste
ich hatte solche. Stefan schaute mich an und sagte: "Scientology hilft dir,
diese negativen Punkte zu verbessern". Er schaute mir gerade in die Augen und
ich konnte keine List darin erkennen, ein Clear sprach zu mir. Lässig flippte
er den Kugelschreiber durch die Luft und fing ihn wieder auf.
Ich wollte etwas für mich tun. Ich war
mir meiner Unzulänglichkeiten ja bewußt, ich wußte ich konnte anders sein,
besser, mit Leuten besser umgehen können. Ich erzählte ihm, dass ich mit
meinen Freundinnen Probleme gehabt hatte, das ich gerne ein fotografisches
Gedächtnis hätte, mich besser Erinnern können. Es würde mir für meine Musik
nützen. Er meinte, genau diese Dinge würden mit Auditing gehandhabt,
Scientology würde mich verbessern, das gab er mir mehrmals klar zu verstehen.
Er liess mich immer ausreden und fragte sehr viel.
Direkt neben Urkunde hing ein Stammbaum
wie ich ihn schon gesehen hatte und er verstand es, mir die verschiedenen
Verästelungen zu erklären. Dies ist die Brücke, sie ist ein Weg zu höherem
Bewusstsein. Er erklärte mir verschiedene Abstufungen, die benötigt wurden um
Clear zu werden. Bewusstseinszustände. Zuerst müsste ich die unteren Grade
machen, da würden verschiedene Bereiche einzeln durchgearbeitet. Da gibt es
einen Reinigungsprozess. So ist man von allen schädlichen Drogen- und
Strahlungsrückständen im Körper befreit. In einem andern, nächsten Schritt
werden die Kommunikationsprobleme gelöst. Man wäre dann frei mit jedem über
alles kommunizieren zu können. Man würde auf einem anderen Grad, die Fähigkeit
wiedererlangen Probleme zu lösen. Eines nach dem anderen, ganz technisch, bis
man bei Clear ankommt. Hier sah ich auch zu erstenmal das die Brücke nach
Clear weiterging. OT war die nächste Stufe.
Konfrontieren. Ob ich weiss, was
Konfrontieren ist, fragte er mich und flippte seinen Kugelschreiber. Ja, ich
hatte schon so übungen gemacht, ich konnte mir vorstellen was das war. Die
Fähigkeit zu haben, etwas wahrzunehmen, genau so wie es ist, ohne sich von
irgend etwas ablenken zu lassen. Ich blickte ihm denn auch so in die Augen,
wie ich es gelernt hatte. Ich bemühte mich auch die anderen übungen
anzuwenden, so ungeschickt ich noch war. Er blickte mir in die Augen und warf
seinen Schreiber.
Sein Büro sah besser eingerichtet aus als
die anderen, die ich bis jetzt zu Gesicht bekommen hatte. Er hatte ein
silbernes Kettchen mit einem Scientologysymbol am Handgelenk, die beiden
Dreiecke und das geschwungene S. Ich sah es als er mit seinem Kugelschreiber
auf die Beschriftungen deutete. Ich hatte dieses Kettchen schon bei einer
anderen Person gesehen, einer grossen, dunkelhaarigen Frau. Sie gefiel mir.
Ich hatte sie viel im Kursraum gesehen und sie fragte mich jedesmal wie es mir
gehe und ob ich vorwärts kommen würde. Sie hiess Marlies. War sie auch ein
Clear? War das ein Zeichen um zu Zeigen, dass man Clear ist?
Bewusstseinsstufen. Ich wusste das hatte
etwas mit der Erinnerung zu tun, wahrscheinlich die Menge der Erinnerung die
man sich zurückrufen kann. Vielleicht auch nicht. Ich wusste es nicht genau.
Man hatte keine Engramme mehr, das war mir klar. Was mochte da dahinterstecken.
Telepathie?
Aussersinnliche Wahrnehmungen?
Er fragte mich, was ich von vergangenen
Leben halte. Ich sagte ihm, ich wisse es nicht, ich sei mir nicht sicher. Wenn
ich denn ein Thetan sein soll wieso weiss ich es dann nicht?
Ich empfand ein nie gekanntes Gefühl, einer Mischung aus Geheimnis und Wissen,
mit jemandem über mögliche vergangene Leben zu reden. Ich hatte eine
reichhaltige Phantasie und ich konnte mir die tollsten Dinge vorstellen. Er
fragte mich ob ich den Film ‚Star-Wars‘ kenne und ich bejahte. Der Vorspann
der Saga fängt an mit: "Es war einmal vor langer Zeit..." sagte er zu mir und
mein Verstand fing an zu purzeln. Die ganze Science-fiction soll sich in der
Vergangenheit abgespielt haben? Das wäre ungeheuerlich, das wäre phantastisch,
all die Geschichten die ich gelesen hatte, waren wahrscheinlich alle einmal
wirklich passiert, die Autoren hatten sie sicher aus dem Unterbewusstsein
heraus geschrieben. Warum war ich selber nicht auf die Idee gekommen? Im roten
Buch stand ja auch schon etwas über Raumschiffe. Durch seine Fragen und
Gedankengänge brachte Stefan mich dazu die ungeheure Tragweite der Entdeckung
von Dianetik zu erkennen. Es war alles logisch.
Nur, ich wusste nicht ob das alles stimmte.
Er meinte, "Stell dir einmal eine Katze vor."
Ich tat es.
"In welche Richtung schaut der Schwanz dieser Katze"
Ich sagte, "Nach oben."
"Wer schaut nun diese Katze an?", fragte er.
"Ich", war meine perplexe Antwort.
"Siehst du, das was dieses Bild in deinem Kopf anschaut, das bist du, der
Thetan", sagte er und lehnte sich zurück und flippte seinen Kugelschreiber.
"Und um den geht es in Scientology", fuhr er weiter.
Er erzählte mir das Scientology den
Thetan frei macht, Man wird Stück für Stück, auf einem sicheren Weg nach oben
gebracht. Er schilderte mir sehr eindrücklich, wie der Thetan das wichtigste
am Menschen sei und das dieser unsterblich sei. Konnte das wahr sein? Die
Seele, der Thetan. Ich war der Thetan und der Thetan bin ich. Die ganze
Erinnerung an hunderte von Leben würde man Wiederhaben. Dinge, die man mal
geübt hatte oder wußte, würde man wieder Wissen. Ich fühlte eine Gier danach
dies zu wissen, herauszufinden wer ich war.
Ich fragte ihn, ob dieser Ron Hubbard
noch lebe. Nein, er ist 1986 gestorben. Seine Gegenfrage war, ob ich mir
vorstellen könnte, warum er von seinem Körper fortgegangen sei.
"So wie ich ihn kenne, hat er das aus Forschungszwecken getan", sagte ich und
es kam mir in den Sinn, daß er meinen könnte, ich hätte Hubbard in einem
früheren Leben gekannt. Das verwirrte mich. Warum sagte ich solche Dinge?
Er sagte mir, es gäbe ein Videoband, daß dies zeigen würde. Er lächelte mich
an. Ich fühlte mich wissend.
Ich lernte viel, er erklärte mir weiter, daß es zwei verschiedene
Möglichkeiten gäbe um Clear zu werden. Das eine ist, sich auditieren zu
lassen, die andere ist, und das ist bei weitem die bessere und billigere
Variante, man trainiert sich als Auditor und macht Auditing mit einem Partner,
der auch trainiert. Dieses Training bestehe aus verschiedenen Kursen, übungen
und Auditing und man ist dann ein Auditor, der Clears machen kann.
Ich wußte nicht genau was ich denn noch
etwas trainieren sollte, ich war ja auf einem Auditorenkurs, da kann ich ja
auch jemand zum Clear machen. Was sollte es mehr als Dianetik geben? Ich hatte
schon eine Ahnung da ich ja das rote Buch las, doch ganz klar war mir das
nicht.
Es ist völlig anderes und neues Auditing, war seine Antwort, mehr Wert als
Gold oder etwas anderes. Jeder kann die Brücke hinaufgehen bis auf etwa zwei
Prozent der Bevölkerung. Die Brücke bis Clear zu machen koste etwa 60'000
Franken, wenn man sich nur auditieren läßt. Wenn man die Akademie, das
Training, so hieß das ganze Paket mit Kursen und Auditingsüberwachung, macht,
kostet es nur etwa 30'000 Franken. Viel weniger als diese Brücke überhaupt
Wert sei. Man ist dann voll ausgebildeter Auditor. Mir fiel auf, daß viele
Leute hier ehrfürchtig von den Auditoren sprachen, das war anscheinend ein
großes Ding, Auditor zu sein. Irgendwie glaubte ich es auch, da diese
Auditoren ja Menschen helfen konnten. Wenn es funktionierte.
Er meinte: "Stell dir vor, du zahlst
30'000 Franken für nichts. Dann ist es viel. Wenn du aber 100 Kilo Gold dafür
bekommst, dann ist es wenig. Sehr wenig".
Ich wollte auch Clear werden. Ich hatte
den übermächtigen Wunsch herauszufinden wer ich in vergangenen Leben war, wenn
es die überhaupt gab. Man mußte sich sammeln, da sein und die Sache einfach
anschauen. Das war die Methode. Ein Auditor wird dann beim herausfinden der
wichtigen Sachen helfen. Ich begann daran zu Glauben. Ich hoffte, es wäre so.
Er holte mir am Kaffeeautomaten noch einen Kaffee.
Ich kann mir dies nicht leisten, sagte
ich zu ihm und er meinte, ob ich auch schon an einen Kredit gedacht hätte.
Nein, war meine Antwort, ich möchte keinen Kredit aufnehmen. "Hast du denn
Angst keinen zu bekommen?" fragte er mich. Ich wich aus und meinte nein, das
wäre nicht das Problem. Ich erzählte von meiner Finanzlage und wie wenig ich
verdiente. Auf einem Zettel schrieb er auf, wie die monatlichen Raten sein
würden, zeigte mir wieviel Zins ich bezahlen müßte und ich fand, daß rund
fünfhundert Franken im Monat noch bezahlbar sind. Das würde schon gehen. Doch
was war mit meinen Betreibungen, die ich vor zwei Jahren hatte? Da würde ich
wohl keinen Kredit erhalten, dachte ich mir. Irgendwie hatte er diese Bedenken
aber herausgefunden und so fragte er ich ob ich meinen Wohnort gewechselt
hatte, denn dann sei das nicht so schlimm. Ich hatte. Aber immer noch weigerte
ich mich, denn ich hatte keine Lust mich Bankleuten vorstellen zu müssen und
um einen Kredit zu Betteln. Er schien auch das zu bemerken. Er meinte, das sei
kein Problem. Er könnte alles für mich erledigen und legte ein Formular auf
den Tisch. Er füllte es für mich aus. Er sah mich an und ich ihn. Ich
versuchte herauszufinden ob er es ehrlich meinte. Er wich meinen Blicken nicht
aus. Der Typ war genau gleich alt wie ich, hatte es jetzt schon zu etwas
gebracht. Er hatte eine starke Persönlichkeit. Das war jedenfalls mein
Eindruck.
Sollte das alles wahr sein
Sollte ich hier die größte Sache meines Lebens finden?
Konnte das wirklich sein?
Stefan sagte: "Du findest es heraus, wenn du es tust. Ich hab's getan und
nicht bereut, sonst wäre ich nicht hier. Du brauchst nur zu unterschreiben und
du wirst es herausfinden.".
"Ein Thetan weiß!"
Ich unterschrieb.
Unterdrückerische Person?
Die Sache war erledigt, kaum eine Woche nachdem ich mit meinem
Auditorenkurs angefangen hatte. Die ganze Akademie, die vollständige Brücke bis
Clear war gekauft. Mit geliehenem Geld.
Die Anfrage bei der Bank verlief positiv,
ich hatte einen Betreibungsregisterauszug organisieren müssen, innert zwei Tagen
war das ganze durchgezogen. Ich verstand das Argument von Stefan, dass der Preis
nicht zu hoch war. Ich hatte eine lebhafte Phantasie und er forderte mich
geradezu auf, "es" mir vorzustellen, was als freies geistiges Wesen alles
möglich war. Die Leute, eine riesige Organisation, weltweit, Erfolgsberichte,
Bücher, es war alles da ich brauchte es nur auch zu tun. Viele taten es. Allen
schien es gut zu gehen. Sie halfen mit, diesen Planeten sicherer zu machen. Auf
der Quittungsrückseite sind die Ziele der Scientology beschrieben und die fand
ich sehr edel. Die Scientology wollte die Menschheit von der Kriminalität
befreien, keine Kriege mehr, jeder sollte ein freies Leben führen können und
sich zu höheren Ebenen entwickeln.
Ich war erstaunt wie sicher und überzeugt
das alles klang. Ich las das diese Bestrebungen vor gar nicht langer Zeit,
fünfzehn Jahren, inmitten einer turbulenten Welt bekanntgegeben wurden, und dass
sie ohne weiteres zu erreichen seien. Ich war begeistert. Alle, gleichgültig
welcher Rasse oder Religion sie angehörten konnten da mitmachen. Der Mensch war
wichtig. Das war eine gute Sache und ich wollte mithelfen.
Das Geld habe ich nie gesehen, da Stefan
mich den Check auch gleich ausfüllen liess. Er und ich trafen uns in seinem Büro
wieder und er stellte mir die Quittungen aus. Ich wollte noch etwas Wissen. Ich
fragte ohne gross zu erklären: "Was ist denn mit diesen zwei Prozent?"
Er sah mich kurz an, ging in sich, lächelte und gab mir als Antwort einen
Abschnitt aus einem Buch zu lesen. Ich hatte im nicht erklärt was ich überhaupt
mit diesen zwei Prozent meinte, doch er erinnerte sich sofort an unser Gespräch
und bat mich etwas über diese zwei Prozent der Bevölkerung zu lesen. Ich dachte
ich hätte gerade ein Beispiel für die Fähigkeiten eines Clears gesehen. Ein Wort
und die ganze Erinnerung war da.
In dem dicken grünen Buch das er mir gab
erfuhr ich, dass es Leute gab die man nicht auditieren konnte. Sie waren
unterdrückerische Personen, SP's war die englische Abkürzung dafür. Eine nicht
auditierbare, böse Person. Diese Personen waren durch und durch schlecht und es
folgte eine Aufstellung ihrer bösen Eigenschaften. Da stand, sie sprächen nur in
Verallgemeinerungen. Dann würden sie hauptsächlich nur schlechte Nachrichten
weitergeben, die Leute um sich herum Krank machen und sich das falsche Ziel
aussuchen. Dann gab es eine Aufstellung der guten Personen und ihren
Charakterzügen. Sie wären immer ehrlich, würden nur gute Nachrichten verbreiten,
lieb und sehr hilfreich. Ich entdeckte bei beiden Aufstellungen meine eigenen
Eigenschaften und Charakterzüge wieder und begann mich zu fragen, ob ich ein SP
sei. Ich hatte schliesslich auch von Unfällen erzählt, Witze über andere
gemacht, mehrmals gelogen, auch gestohlen. Ich wurde mal mit meinem Bruder
erwischt, als wir im Kaufhaus was klauten. Ich hatte auch schon generell über
Autofahrer geschimpft, mehrere Male. All das hatte ich ein paarmal gemacht in
meinem Leben. Ich hatte ja solche Eigenschaften, nicht alle, aber ich hatte
welche, das war mir klar.
Ich sagte es zu Stefan und dieser verwies
mich auf den letzten Satz. Da stand, dass SP's nicht darüber nachdenken ob sie
SP's sind. Sie würden sich keine Selbstkritik leisten. Sie wüssten, dass sie
nicht verrückt sind. Ich dachte darüber nach. Ich hatte schon manchmal Gedanken
ob ich einen Dachschaden hätte. Also war ich kein SP. Ich war beruhigt.
Ich bekam Bücher und Kursmaterialien,
Tonbänder und ein E-Meter. Ich erhielt Handbücher über die Naturgesetze in
Scientology und Bilderbücher. Eines davon war das vom Reinigungsprozess. Ich
fand die Bilder kitschig, irgendwie komisch, überzeichnet. Die Beispiele waren
auch immer sehr extrem. Ich selber sah mich nicht als abgefahrener Junkie der
unbedingt etwas für sich machen musste. Ich wusste, ich hatte Haschisch geraucht
und Alkohol getrunken. Auch hatte ich diverse Sonnenbrände im Leben. Das diese
gefährlich sein konnten erfuhr ich hier. Mit dem rauchen von Haschisch hatte ich
vor zwei Monaten aufgehört, Alkohol trank ich selten. Also, kein Grund zur
Panik, so vergiftet war ich auch noch nicht.
Ich sagte, ich hätte gern den
Auditorenkurs fertiggemacht. Stefan meinte aber, es sei sehr wichtig, dass ich
so schnell wie möglich auf der Brücke starte. Du willst ja Clear werden, sagte
er zu mir, also der Reinigungsprozess ist dein erster Schritt auf der Brücke in
Richtung Clear. Je schneller du diesen Schritt machst, desto schneller wirst du
da oben sein und zeigte auf die Brücke. Er war Clear, er konnte nicht irren,
oder?
Ich wollte weiter auf meinen Kurs, doch
das was er sagte war für mich auch nicht unsinnig. Dieser Reinigungsprozess
musste so etwas wie Auditing sein, so jedenfalls klangen die Erfolgsberichte von
Leuten die ihn gemacht hatten. Und ich war scharf auf Auditing.
Den Auditorenkurs konnte ich ja auch später noch beenden.
Karl E. Maij