(SZ) Dem Menschen ist es schnell mal langweilig. Dann schaut er auf die Uhr, rutscht ungeduldig auf dem Stuhl hin und her oder steigt nervös von einem Bein aufs andere und wünscht herzinniglich, die Zeit möge doch um Gottes willen schneller vergehen. Andererseits möchte unsereiner immer dann, wenn es ihm wohl ist als wie fünfhundert Säuen, dass die Zeit endlos stehen bleibe. An solchem Hin und Her sieht der Kenner, dass es sich mit der Zeit wie mit dem Wetter verhält: Es gibt eine echte Zeit, bei der die Sekunden, Minuten, Stunden, Tage, Wochen, Monate und Jahre unerbittlich und unbeeinflussbar ablaufen bis zum unvermeidlichen Ende der Vorstellung. Und es gibt eine gefühlte Zeit, die je nach Menschenlaune mal dahinrast, mal auf der Stelle tritt. Nun wird Zeit letztlich gemessen, damit man Termine sowohl setzen wie einhalten kann. Also nicht im Ungefähren: Wir treffen uns, wenn die Sonne nicht mehr ganz im Zenit steht. Sondern mit Hilfe von Chronometern präzise: Wir sehen uns um 13 Uhr genau! Doch auch mit der Präzision kommt man irgendwann wieder ins Aschgraue. Ein Jahr nämlich dauert nicht sekundengenau 365, sondern vielmehr 365Komma2421896698 Tage. Deshalb führte 1582 Papst Gregor XIII. das Schaltjahr ein, das der ganzen Welt einen Tag mehr bringt, den 29. Februar nämlich. Und an dem wiederum erhöht sich heuer der Bierkonsum im Freistaat um rund 50 000 Hektoliter, wie der Verband bayerischer Bierbrauer vergnügt berechnet hat. Den Schalttag gibt es allerdings nur bei glatt durch vier teilbaren Jahren, während durch hundert teilbare Jahre keine Schaltjahre, aber durch vierhundert teilbare wieder Schaltjahre sind. Demnach gab es 1800 keinen 29. Februar, auch 1900 nicht, und 2100 wird der Februar auch nur 28 Tage haben, also nix mit 50 000 Hektolitern zusätzlich. Dafür können die Brauer sich schon auf 2400 freuen, da passt's dann wieder. Doch weil das gregorianische Jahr, genau genommen, 27 Sekunden zu lang ausfällt gegenüber dem Sonnenjahr, geht Gregors Kalender nach 4000 Jahren um einen halben Tag nach. Was die griechisch-orthodoxe Kirche auf den Plan rief, die die Sache mit den Schaltjahren nun extrem genau ausmachen wollte. Da wird durch neun geteilt, wobei der Rest zwei oder sechs ergeben muss. So wäre 2800 kein Schaltjahr, sondern erst 2900. Insgesamt geht dieser Kalender nur drei Sekunden nach. Angesichts solcher Wahnsinnsbemühungen um - fast - hundertprozentige Punktgenauigkeit sollte man unbedingt den Bierbrauern folgen und an jedem 29. Februar die 50 000 Hektoliter trinken. Immerhin gibt es in diesen Schaltjahren so manches Streiflicht über den Durst. Aber: Trotz aller Bierströme müssen auch in diesen Fällen exakt 72 Zeilen reichen, die Welt zu erklären.