(SZ) Dunkel, langweilig und viel zu kalt - das Weltall gehört zu den Phänomenen, die nur wenigen Leuten eine freundliche Hintergrundstrahlung ins Gemüt zaubern. Will man seinen Kollegen erklären, warum Schwarze Löcher faszinierend sind, schauen sie einen an wie einen dieser Zausel, die in der Fußgängerzone fotokopierte Zettel aus einer speckigen Jutetasche ziehen und dazu murmeln: "Glauben Sie mir, das Ende ist nah." Weil die Kollegen einen aber nicht verletzen wollen, fangen sie an zu mitmenscheln und reden von etwas anderem, vermeintlich Harmlosem, vom pubertierenden Nachwuchs etwa oder von ihrem unaufgeräumten Schreibtisch. Dabei ist unser Schreibtisch eins der größten Rätsel überhaupt: Morgens legen wir Zeitungen, Bücher, Butterbrezen darauf ab. Nachmittags sind sie weg. Einfach weg. Irgendwo in den Weiten der Stapel verschwunden. Die Schreibtischoberfläche aber liegt da, still und starr wie der Starnberger See, und tut ganz unschuldig, die alte Sau. Ähnlich: Pubertierende. Eltern reden an sie hin. Eltern geben ihnen Geld. Sie aber sitzen am Frühstückstisch, still und starr, Elternworte und Scheine verschwinden irgendwo in ihnen, ohne dass je eine Antwort oder Restgeld zurückkäme. Überforderte Eltern kaufen Ratgeber, überforderte Schreibtischbesitzer eine Putzfrau. Beides nützt natürlich nichts. Was für Chancen hat eine Putzfrau schon gegen ein kosmisches Gesetz? Das Gesetz lautet: Alle Schreibtische sind Schwarze Löcher. Alle Pubertierenden auch. Es hilft also nur ein Blick in den Himmel. Ob der Astronom Eugen Hintsche pubertierende Kinder oder eine hilflose Putzfrau hat, wissen wir nicht. Als er aber in einer der vergangenen Nächte mit Hilfe seines Röntgenteleskops ins kosmische Schweigen schaute, konnte er dabei zusehen, wie ein Schwarzes Loch in der Galaxie RXJ1242-11 einen Stern auffraß. Das Schwarze Loch hat an dem Stern dermaßen gezogen, dass dieser erst bananenförmig verzerrt und dann zerrissen wurde. Beim Einströmen in das Schwarze Loch heizten sich seine Überreste so stark auf, dass ein im All forschendes Teleskop die ausgesandte Röntgenstrahlung wie einen letzten Hilfeschrei registrierte. Jetzt ist er weg. Grausam. Und der Mensch hat erstmals bei einem solchen intergalaktischen Massaker zugeschaut. Hilft uns das nun weiter? Erklärt das die geheimnisvollen Gravitationskräfte auf unserem Schreibtisch? Immerhin tauchen dort Brezen ja oft nach Monaten wieder auf. Sind die dann röntgenverstrahlt? Und wird das Schwarze Loch den Stern auch eines Tages hinten wieder ausscheiden? Ist der Stern dann so staubtrocken wie unsere Breze? Gibt es bei einem Schwarzen Loch überhaupt hinten und vorn? Vor allem aber: Alle Pubertierenden deformieren ihre Eltern. Können sie sie auch verschlucken?