(SZ) Das eherne Gesetz, mit Namen keine Scherze zu treiben, durchbrechen wir nur, wenn Gefahr im Verzug ist oder uns die Ausnahme von außen aufgezwungen wird. Heute haben wir diese zweite Konstellation, weil sowohl im Fernsehen als auch in diversen Zeitungen zur Illustration von Manfred Stolpes Maut-Desaster das Verkehrszeichen Nr. 448 verwendet wurde, die blauweiße, mit einem stilisierten Autobahnteilstück verzierte Ankündigungstafel "Stolpe 1000 m". Der kabarettistische Hintersinn erschließt sich von selber: Kommt der deutsche Michel gefahren, sieht, dass es in nur 1000 Metern rechts nach Stolpe geht, will abbiegen, besinnt sich im letzten Moment des Doppelsinnes Ort/Minister, ruft "Nix wie weg!" und brummt weiter. Der andere Hintersinn: Tja, Stolpe, tausend Meter hast du noch auf der politischen Rennstrecke, dann Last exit respektive "aus die Maut" (um einen anderen Wortspiel-Brüller dieser Tage zu zitieren). Wobei anzumerken wäre, dass sich die Autobahn-Metaphorik bester Vorfahren rühmen kann, bis hinauf zum alten Andreas Gryphius und seiner unverwüstlichen Verszeile: "Dies Leben kömmt mir vor als eine Rennebahn." Für Manfred Stolpe kömmt sie uns wie auf den Leib geschnitten vor. Mehr noch: Als er nach jener Nacht, da er mit allen bösen Geistern von Toll Collect gerungen hatte, wieder ans Licht des Tages trat, sah er ganz danach aus, als wollte er eine andere Stelle aus Gryphii Abendsonett hersagen: "Wie ist die Zeit vertan!" Was wohl der Name Stolpe bedeuten mag? Man sagt ja nomen est omen, und es sollte uns nicht wundern, wenn hier etwas ganz und gar Ominöses vorläge. Eine starke Spur führt ins Skandinavische, wo man stolpe für Pfosten verwendet, auch für steifen Schrittes gehen. Auf die Gefahr hin, uns eine Gegendarstellung einzuhandeln, möchten wir andeuten, dass Manfred Stolpe jedenfalls im Umgang mit besagten Herrschaften seinen etymologischen Wurzeln die Treue hielt. Bei der Tafel "Stolpe 1000 m" dürfte es sich um ein Schild an der A 111 handeln, die westlich an Berlin vorbeiführt. Folgt man der Ausfahrt, kommt man in das Dorf Stolpe, das dank Golf und Stadtvillen einiges an Flair gewonnen hat, wo aber sonst, einer Kennerin zufolge, "der Hund begraben ist". Nun liegt der Hund nicht nur hier begraben, sondern auch und vor allem im Mautsystem, und insofern wäre es der Sache angemessener, wenn das Schild "Stolpe 1000 m" nach Stolpe im Unteren Odertal führen würde. Dort gibt es den dicksten Burgfried Deutschlands, genannt "Grützpott". Darin hausten einst Raubritter, die, als sie von wütenden Bauern belagert wurden und weder Steine noch Pech mehr hatten, Töpfe voll heißer Grütze auf die Köpfe der Angreifer gossen. Der Sage nach wurden sie von den Bauern "Das Betreiberkonsortium" genannt.