(SZ) Vormals, in den Zeiten der alten Lieder und Balladen, hatte die Welt noch eine Ordnung. Da waren die Machtverhältnisse noch klar. Vor allem auch jene zwischen dem deutschen Menschen und dem Türken. Haben wir denn nicht alle in unseren Kindertagen froh und stolz die Verse des Dichters aufgesagt, Uhland aus Deutschland, und mit ihm das Loblied gesungen auf den wackren Schwaben ("forcht sich nit / ging seines Weges Schritt vor Schritt"), dessen Furchtlosigkeit in der Heldentat kulminierte, einen türkischen Ritter sauber in zwei Teile zu zerhauen: "Zur Rechten sieht man wie zur Linken . . ." Dies hat unsere Widerstandskraft gegen alles Türkisch-Osmanisch-Muselmanische gestärkt. Doch beim ersten Kirmesbesuch sind wir dann doch dem gefahrvollen Zauber des Orients erlegen - nicht abzuschätzen, wie viele niedliche deutsche Milchzähne dem süßen, klebrigen türkischen Honig damals zum Opfer gefallen sind. So fing es einmal an. Und jetzt, das muss man leider sagen, wird es bald zu spät sein. Auch wenn die tapfere Frau Merkel soeben in Ankara bewiesen hat, dass deutscher Heldenmut nicht nur aus Schwaben, sondern auch aus der Uckermark kommen kann, ist die Lage so gut wie hoffnungslos: Das Deutsche hat sich dem Türkischen längst ergeben! Und hieran ist, wie wir gleich zeigen werden, auch Frau Merkel schuld. Doch zuvor müssen wir noch die wichtigsten Nachrichten dieser Woche resümieren, die allesamt türkische oder halbtürkische Nachrichten sind. Der aufregendste deutsche Filmemacher heißt plötzlich nicht mehr Wim und Wenders, sondern Fatih Akin. Und Deutschlands aufregendste Frau, nach Angela Merkel natürlich, heißt Sibel Kekilli und hat, als Schauspielerin und Feuerfrau, dem Regisseur Akin zum Goldenen Bären verholfen. Letzte und bedrückendste Nachricht: Berlins kulinarischer Treffpunkt Nummer eins ist längst nicht mehr das Borchardt oder das Vau, sondern "Berlins erster VIP-Döner" in der Wilhelmstraße, geführt von Ahmet Sahin, wie jetzt das Hauptstadtblatt BZ enthüllte. Riester soll zu den Kunden gehören, sogar Kohl - und natürlich Eichel. Der hat, so Dönermeister Ahmet, "keine Extra-Wünsche und stellt sich immer hinten an die Schlange". Wir hatten von Eichel nichts anderes erwartet. Aber dass auch Angela Merkel hier "fast jede Woche vorbei kommt", ist doch ein Kulturschock. Denn jeder, der jemals einen guten Döner oder gar Doppeldöner aß, war alsbald dönersüchtig - und damit für die deutsche Bratwurst verloren. Der hat, anders gesagt: den Türken im Leibe. Der ist in seiner Widerstandskraft verhängnisvoll geschwächt. Der wird keinen Türken mehr mit dem Schwerte besiegen können. Der wird sich brav hinten anstellen, wie Eichel, wie Merkel, wie wir alle. Morgen schon! Donnerstag ist Dönertag.