(SZ) Die Schlange, wir kennen sie. Sie ist in der Lage, ihre alte Haut abzustreifen, den Winter verbringt sie schlafend und erscheint danach wie neu geboren. Aver più anni d' un serpente, formuliert der Italiener als Lebensweisheit: Älter sein als eine Schlange. Und Silvio Berlusconi, oberster Italiener, tut es der Schlange gleich. Beim Häuten im Herbst ist ihm ein befreundeter Gesichtschirurg behilflich, im Winter verspeist er kübelweise Provitamine und Antioxidantien, um im Frühjahr ans Licht zurückzukehren, wobei er aussieht wie sein bislang verschollener, erheblich jüngerer Zwillingsbruder. Dann bastelt er Gesetze, die von den Gerichten kassiert werden, regiert ein sowieso unregierbares Land, tut also nichts Nützliches, aber das ist auch egal. Der alterslose Mensch ist ein Kunstwerk für sich, bei dem es nicht darauf ankommt, was er macht, sondern darauf, dass er existiert, in all seiner Pracht. In der Rangliste der Immergrünen liegt Signore Berlusconi auf Rang 5. Vierte ist Marlene Charel, Dritte Alice Kessler, Zweite deren Zwillingsschwester Ellen, auf Platz eins dieser Tabelle aber thront für alle Zeiten die amerikanisch-ungarische Schauspielerin Zsa Zsa Gabor, an deren Filme sich kein Mensch erinnert, eher schon an ihre zahlreichen Männer. Es waren immer reiche, bedeutende Männer an ihrer Seite, oder wenigstens hatten sie schöne Namen, Porfirio Rubirosa zum Beispiel. Jenen dominikanischen Diplomaten begleitete sie durch die Welt, Zsa Zsa Gabor, geschiedene Frau Belge, Frau Hilton, Frau Sanders, Frau Hunter, Frau Cosden, Frau Ryan, Frau O' Hara, nun verheiratet mit Frederic Prinz von Anhalt. Ikone aller Naddels und Veronas und Dschungelhüpfer. Queen-Mum der Selbstdarstellerinnen, sagen böse Menschen, die ihr Alter auf nahezu hundert schätzen. Noch nicht mal achtzig, behaupten andere. 1930 geboren, steht im Internet. Andererseits: schon 1936 wurde sie Miss Ungarn. Soeben hat die geheimnisvolle Zsa Zsa Gabor angeboten, sich zu Herrn Lugner in die Loge zu setzen. Zu Richard Lugner, genannt "Mörtel", Baumeister aus Wien, der in jedem Jahr eine berühmte Frau zum Opernball ausführt. Joan Collins, Sophia Loren, Sarah Ferguson, Claudia Cardinale, Raquel Welch und Pamela Anderson waren schon da, für eine Gage, über deren Höhe sich Mörtel jeweils ausschwieg, denn er ist ein Ehrenmann. Aber er ist auch in Geldsorgen mittlerweile, und Zsa Zsa wäre sogar kostenlos nach Wien gereist. Allerdings hat seine Frau Christina, die im Hintergrund die Chose regelt, geteufelt: Zsa Zsa Gabor? "Ich habe nicht einmal gewusst, dass die noch lebt." Jetzt schmückt sich Mörtel mit der Schauspielerin Andie MacDowell, die teurer ist und jünger. Mit dem Respekt vor dem Alter wie vor der Alterslosigkeit ist es also auch in Wien nicht mehr weit her.