(SZ) Der Gast - ein weites Feld, da wir doch alle nur Gast auf Erden sind, wie es in dem ökumenischen Kirchenlied heißt. In solchen Dimensionen denken die Menschen aber gewöhnlich nicht; wer will schon an seine Hinfälligkeit erinnert werden, wenn der Karneval voll im Gang ist, tätä,tätä,tätä, wenn die Fußball-Bundesliga wieder brummt und die große Regierungspartei so mitreißende, frische Persönlichkeiten ins Rennen schickt. Immerzu nur Gast zu sein, das würde außerdem bedeuten, nirgends daheim zu sein und ewig das zu essen, was einem andere vorsetzen, panierten Camembert zum Beispiel oder rohen Fisch. Da mag man doch lieber Hausherr sein und unterscheidet profan die eingeladenen, die unerwünschten und die unerwünschten eingeladenen Gäste. Letztere sind nicht so selten, weil der, der hartnäckig eingeladen wird, nicht ad ultimo dringende Termine vorschützen kann, er also der Einladung irgendwann Folge leisten und sie seinerseits mit einer Gegeneinladung kontern muss. So wird ein unwilliger Gast zum unwilligen Gastgeber unerwünschter Gäste. Wenn im Fernsehen irgendein Gastgeber einlädt, ist das ganz anders. Die meisten Gäste kommen gerne, sie sind grundlos fröhlich, schunkeln zur Blasmusik und brechen spontan in Beifall aus, wenn es ihnen befohlen wird. Neuerdings laden sich die Fernseh-Gastgeber selber ein, sie besuchen ganz normale Menschen und lassen sich von ihnen bewirten. Thomas Gottschalk wird, so steht es in seiner Hauszeitung, für eine Woche Tag und Nacht in einer Familie verbringen und dort den Vater ersetzen, welcher für eine Zeit fortgeschickt wird. Er tut es nicht aus Geldmangel, sondern für eine ZDF-Serie, die, wie zu lesen ist, der Fernseh-Hammer des Jahres sein soll. Hut ab, kann man da nur sagen, vor so viel Kühnheit. Heuer ist immerhin eine Sendereihe der Konkurrenz zu toppen, in der sich Persönlichkeiten der prominenten Halbwelt im australischen Dschungel zum Affen machten. Wird aber schon nicht so schlimm werden, weil Gottschalk Omas Liebling ist und auf dem Gästebett schlafen soll. Aber werden genügend Familien zum Tausch bereit sein? Immer noch besser, als wenn die Vogelgrippe ins Haus käme, wird mancher sagen. Aber Vorsicht! Schon mal was von der chinesischen Tropfenfolter gehört? Der Mann kann reden wie ein Wasserfall, Tag und Nacht, sieben Tage, sieben Nächte. Wer das durchsteht, ist reif für den Dschungel. Apropos: Einer aus dem Dschungel-Camp, ein gewisser Werner Böhm alias Gottlieb Wendehals, soll zurzeit mit einem weiblichen Pavian zusammenleben. Auch eine schöne Familienszene - Gottschalk, Böhm, der Affe, vielleicht noch eine Fledermaus dazu, und alle singen: "Ich lade gern mir Gäste ein." Höchste Einschaltquoten.