(SZ) Der Sinn der Privatisierung besteht ja darin, dass der Staat Dinge, die er vermasselt hat, schnell an Private abgibt, damit die sie besser machen. Ein Verfahren, das scheinbar glänzend funktioniert. So hatten wir beispielsweise nach der Privatisierung der Post nicht nur das Gefühl, dass Briefe jetzt schneller ankamen, es stand auch mehr drin. Nach der Privatisierung der Telekom schienen uns die Gespräche plötzlich anregender und nach der Privatisierung der Bahn waren Züge mit einem Mal nicht nur pünktlich, sie fuhren auch durch schönere Landschaften. Das sind natürlich alles Dinge, die der Staat nicht leisten kann. Das können nur Private. Darum sind wir nun auch ein wenig euphorisch, seitdem der Berliner Verkehrssenator Strieder angekündigt hat, er werde die Ampeln der Hauptstadt privatisieren. Er erwarte sich davon eine bessere grüne Welle, sagte er. Es wurde wirklich Zeit, dass in der Verkehrsleitbranche mal etwas passiert. Der gesamte Kreuzungsbereich ist doch seit Jahren überreguliert. Kein bisschen Flexibilität, stur wird das Farbschema heruntergeampelt. Auf die Situation des Bürgers wird überhaupt nicht eingegangen. So sind wir zum Beispiel morgens immer sehr in Eile, die Ampelanlage am Rosenthaler Platz aber sieht sich nicht in der Lage, die Grünphase großzügiger zu gestalten. Rot bleibt Rot, egal wie lang die Schlange ist. Zeigt man dann mal Eigeninitiative und fährt einfach los, straft einen die Bürokratie gnadenlos ab. Kreativität? Fehlanzeige! Stattdessen wird diese verquere Denke den Kindern in Deutschland bereits in Liedform eingeschärft ("Bei Rot bleibe stehen, bei Grün kannst du gehen!"). Dabei sind die Ampeln doch für die Menschen da und nicht etwa umgekehrt. Es ist gut und richtig, dass hier jetzt Wettbewerb einzieht. Schon im Frühjahr könnte das staatliche Ampel-Monopol fallen. Die Ausschreibung laufe bereits, sagt der Verkehrssenator. Wenn es erst verschiedene Anbieter gibt, kann der Bürger nicht mehr gezwungen werden, gewisse Ampeln zu benutzen. Da muss man ihm schon Angebote machen. Für Vielfahrer etwa eine Ampelcard 50, die die Wartezeit um die Hälfte reduziert. Verbundlösungen wären denkbar ("Berlin durchqueren - in nur 10 Minuten!"), ein Mondscheintarif oder eine Premiumschaltung. Natürlich werden sich trotz aller Konkurrenz Rotphasen nicht vollkommen vermeiden lassen. Die Frage ist nur, ob man die Wartezeit nicht auch attraktiver gestalten kann. Etwa durch kleinere Tanzdarbietungen auf dem Zebrastreifen (Motto: "Vielen Dank, dass Sie bei uns gewartet haben!"). An dieser Stelle möchten wir schon mal ankündigen, dass wir uns für die Lichtsignalanlage rund um den Rosenthaler Platz interessieren. Sollten wir den Zuschlag erhalten, werden wir sie allerdings abbauen und mit nach Hause nehmen.