(SZ) An trüben, grauen, nassen Tagen, potthässlichen wie diesen, wendet man sich gern dem Gegenteil zu. Der Schönheit also. Was wäre schöner als die Schönheit der Frauen? Nur hat es damit seine Schwierigkeiten. Die schwere und bange, uralte Frage lässt sich nicht umgehen: Was ist sie, die Schönheit (der Frauen)? Der eine schätzt dicke, dumme, runde weibliche Wesen. Ein anderer bewundert stramme, schlanke, ranke Damen. Wieder ein anderer liebt die röhrenförmigen intelligenten mit dem stählernen Blick. Selbstredend gibt es noch Hunderte Typen, Kombinationen mehr - ein Chaos der Schönheit. Sollen wir heute noch einem Philosophen des 16. Jahrhunderts trauen, der verkündete, die Länge der Nase müsse der der Lippen entsprechen, beide Ohren müssten so viel Fläche bedecken wie der geöffnete Mund, aber auch nicht mehr? Nein, so kann es nicht gehen. Wir brauchen eine Schönheitsformel, die alles umspannt, die es erlaubt, mit dem Dichter auszurufen: "Ist's möglich, ist das Weib so schön?" Zum Glück gibt es Chinesen. Sie haben das Schießpulver erfunden, die Silvesterrakete, den Kompass. Jetzt auch die Formel der Schönheit. Jintu Fan von der Polytec University in Hongkong und sein Team haben 31 bewegliche Drei-D-Bilder ganz unterschiedlicher kaukasischer Frauen hergestellt, sie 29 männlichen und 25 weiblichen Betrachtern gezeigt. Die sollten dann die Attraktivität, die Schönheit, auf einer Skala von eins bis neun benoten. Noch ein bisschen Rechenarbeit - und heraus kam die Formel. Zugegeben, die Formel selbst sieht nicht besonders schön aus. Sie hat etwas abweisend Sprödes: V : G2 = S. Das V steht für das Volumen der Dame, vielleicht am besten zu messen in der Badewanne. Das Volumen entspricht der Menge des verdrängten Wassers. G ist die Größe von den Fußsohlen bis zum Kinn im Quadrat. V teilt man durch G2, und schwupps hat man die Schönheitszahl. Bewegt sie sich auf die Neun zu, hat man eine schöne Frau vor sich. So einfach ist das. Einwände gegen das im Alltag nicht immer leicht zu praktizierende Verfahren wischt Jintu Fan mit dem Argument weg, man würde auch ohne Messung, intuitiv, durch bloßes Anschauen zum richtigen Ergebnis kommen. Schönheit, wussten schon unsere Vorfahren, liegt im Auge des Betrachters. Wozu die Formel? Die Antwort kann nur lauten: Wissenschaft eben. Die Hoffnung auf Gewissheit hat sich nicht erfüllt. Und überhaupt: Was ist mit den Männern? Sind sie nicht, manchmal wenigstens, auch schön? Jintu Fan schweigt zu dieser Frage. Die amerikanische Kosmetikfrau Elizabeth Arden sagte, wie bei Pferden solle man die Schönheit betrachten: Beine, Kopf und Hinterteil. Das ist zwar keine richtige Formel und boshaft ist es auch. Aber das Wort schön kommt von schauen und meint nichts anderes als ansehnlich.