(SZ) Luca Pitti war als Geschäftsmann eine Zeit lang ziemlich erfolgreich - so erfolgreich, dass er es eines Tages den Medici, der reichsten Familie in Florenz, einmal richtig zeigen wollte. Er begann daher 1448 mit dem Bau eines Palastes, der den Sitz der Medici im Stadtzentrum weit überstrahlen sollte. Als das Renommiergebäude stand, war Luca Pitti pleite, und die Medici kauften es für Peanuts auf. Bemerkenswert daran ist weniger das Gebaren Pittis, denn überhebliche Pleitiers gibt es bis in unsere Zeit die Fülle, als vielmehr die Nonchalance, mit der die Familie Medici sich aus der Konkursmasse bediente. Der souveräne Zugriff wahrer Herrscher! So könnten macchiavellistische Naturen denken, und noch fiebriger werden sie womöglich, wenn sie jetzt lesen, dass bei den Medici nach einem "Macht-Gen" gefahndet werden soll. Das erwartet zumindest die Boulevard-Presse von einer Untersuchung, die italienische und amerikanische Wissenschaftler vorhaben: 49 Mitglieder des Medici-Clans sollen aus ihren marmornen Gräbern geholt und auf Herz und Nieren untersucht werden. Kein Macht-Gen ist allerdings das primäre Ziel der geplanten Leichenanalysen, sondern die Krankheitsgeschichte der notorisch gichtigen Fürstensippe. Aber was ist das überhaupt für eine Idee, Machtwille werde in Herrschergeschlechtern ebenso weitervererbt wie, sagen wir, Fettsucht oder Haarausfall? Ein unbedacht Böswilliger könnte sich dazu versteigen, einen Zusammenhang herzustellen zwischen äußerer und innerer Familienähnlichkeit. Je weiter sich beispielsweise im Hause Habsburg seit Stammvater Guntram dem Reichen der Unterkiefer von Generation zu Generation in heftigem Unterbiss nach vorn schob (man spricht von der "Habsburger Lippe"), desto mehr festigte und erweiterte sich die Macht dieser Dynastie. Eine solche Verquickung ist natürlich Unsinn und Klitterung. Betrachten wir hierzu zwei Herrscher der Neuzeit, die Präsidenten George Bush und George W. Bush, beides Männer von straffer Statur und fahriger Gestik, beides Männer, die offenbar Schwierigkeiten mit dem Schlucken haben: Bush senior erbrach sich einst in den Schoß des japanischen Premierministers, Bush junior scheiterte am Verzehr einer Brezel. Niemand würde das ernsthaft in Zusammenhang bringen mit dem Umstand, dass Vater Bush vier Jahre lang der mächtigste Mann des mächtigsten Staates der Welt war und sein Sohn jetzt das nämliche Amt bekleidet. Ergebnislos bleibt also vorerst die Suche nach dem Erbgut, das nicht nur Herrscherfamilien wie die Medici und die Bushs im Inneren zusammenhält, sondern sie auch über die Epochen hinweg miteinander verbindet. Nur ein Zyniker würde in diesem Kontext anführen, dass die Bushs eine der reichsten Familien in Texas sind.