(SZ) Fühlt ein Käfer Schmerz? Professionelle Tierschinder sagen: nö, nicht die Spur, weil der Käfer zu den Insekten gehört, die ihrerseits ja kein dem unseren vergleichbares Nervensystem haben, sondern nur so was Strickleiterförmiges, mit Ganglien Bestücktes, das vielleicht bei der Balz nützlich sein mag, nicht aber bei der Schmerzwahrnehmung. So der Tierquäler, der deswegen auch (naturgemäß, wenn man so will) kein echtes Interesse an Käfern und überhaupt an Kerbtieren hat, außer vielleicht zum Üben. Andererseits kann man bei Brehm lesen, dass die zwei Hälften einer Maulwurfsgrille, "welche von ungefähr durch den Spaten halbiert worden war", 82 beziehungsweise 108 Stunden zuckten. Respekt vor der Ausdauer der kühl beobachtenden Forschung, aber ob das für die Grille völlig schmerzfrei ablief, wäre erst noch die Frage. Wie auch immer, man muss sich mit dem Problem befassen. Costa Cordalis hat nämlich einem lebenden Hirschkäfer den Kopf abgebissen, und die tz erinnert deswegen daran, dass man kein Tier zum Scherz quälen solle, weil es "wie du" den Schmerz fühle. Wie du! Ob damit auch Costa Cordalis gemeint ist? Einerseits nein, denn wer sich, und zwar zusammen mit den ersichtlich größten Knalltüten der Nation, von RTL in den Dschungel verfrachten lässt, müsste einen Grad von Schmerzfreiheit erlangt haben, der schon ans Wundersame, wenn nicht Gnadenhafte grenzt. Andererseits könnte es ja sein, dass es sich dabei um eine höhere Art von Schmerzfreiheit handelt, in die der banale körperliche Schmerz nicht eingeschlossen ist, und in diesem Fall wäre es keine geringe Mutprobe gewesen, dem Hirschkäfer den Kopf abzubeißen. Immerhin hätte Costa Cordalis in der Aufregung den Kopf samt "Geweih" auch verschlucken können, und wenn dann die Zange 82 oder gar 108 Stunden in seinem Magen weitergearbeitet hätte, wer weiß, ob man bei RTL geistesgegenwärtig genug gewesen wäre, das alles in Vollzeit zu senden und mit einer Endlosschleife seines unvergessenen Hits "Du hast ja Tränen in den Augen" zu unterlegen. Was übrigens das Abbeißen von Köpfen im Allgemeinen angeht, so handelt es sich dabei um eine der ältesten Mutproben der Welt; ihre stets frischen Schauder rühren daher, dass die Phantasie der Zuschauer mit der Möglichkeit spielt, das Tier könnte schneller sein und vor seinem Ende den Tapferen wenigstens noch kräftig in die Zunge beißen. Fast jeder von uns erinnert sich eines Schulkameraden, der für zehn Pfennige einen Regenwurm verschlang und für fünfzig Pfennige einer lebenden Maus den Kopf abbiss. Die Anerkennung, die man ihm zollte, änderte nichts an dem Urteil, dass er der bei weitem dümmste Hammel in der Klasse sei. Auf die Idee, den Tölpel deswegen im Fernsehen zu bringen, wäre trotzdem keiner gekommen.