(SZ) Es sind so Zeiten, in denen man kein Nachrichtensprecher sein mag. Traurig genug, ständig von Attentaten, Erdbeben und anderen Katastrophen zu künden. Erschwerend kommt hinzu, dass den Kollegen von Funk und Fernsehen ähnliche Leistungen abverlangt werden wie den Schlangenmenschen im Chinesischen Staatszirkus, nur dass sie statt der Gliedmaßen die beweglichen Teile des Sprechapparats verrenken müssen. Dass das in die Hosen gehen kann, leuchtet ein, da die Erzeugung von Lauten gewöhnlich in der Kindheit erlernt wird und sich ein altes Gaumensegel nicht mehr so in den Wind stellen lässt wie ein junges. So hat es vormals eine Zeit gebraucht, bis das L im Namen des polnischen Freiheitskämpfers Walesa lippentechnisch korrekt verknödelt war. Ganz aktuell ist hingegen die Sprechhilfe der Nachrichtenagentur AFP anlässlich des Flugzeugabsturzes in Scharm el Scheich (wahlweise Scheik): "Die Großbuchstaben CH bezeichnen einen ch-Laut wie in ,Achtung', der in diesem Fall jedoch stark gerieben gesprochen wird = scharmescheeCH." Man kann sich lebhaft vorstellen, wie das Training von Frau Slomka, Herrn Wickert und Frau Will nun abläuft. Ein strenger Lehrer aus Ägypten lässt sie unablässig ein CH durch den Rachenraum kratzen und schreit verzweifelt: "Stärker reiben! Stärker reiben!" Reibung aber erzeugt Wärme, und allen wird schon ganz blümerant zumute, wenn sie an den Ernstfall und die Studio-Beleuchtung denken. Normalsterblichen wird das nicht zur Nachahmung empfohlen, schon gar nicht in Bayern, weil die korrekte Aussprache wegen eines beliebten Wirtshaus-Dialogs unangenehme Folgen haben kann. Zecher eins eröffnet: "Da sprach der Scheich zum Emir / Erst zahln mir und dann gehn mir." Antwortet Zecher zwei: "Da sprach der Emir zum Scheich / Dann gehn wir lieber gleich." Da wegen der Reimangleichung gleich zweimal hartes Reiben erforderlich wäre, ist davon schon nach drei Maß Bier abzuraten. Trotz alledem ist das Bemühen der Deutschen zu loben, sich allezeit fortzubilden und der fremden Sprechweise anzupassen, im Kleinen wie im Großen. Kaum jemand trinkt mehr einen Kianti aus bauchiger Strohflasche. Wer Klein-Korschenbroich, die Heimat des Fußballtrainers Berti Vogts, nicht mit Doppel-O ausspricht, gilt zu Recht als Dämlack, war vermutlich nie in Mechiko, kennt keine Wusterscher-Soße und fährt noch immer nach Barzelona. Weltläufige Menschen machen hingegen ein Froschmaul, wenn sie Aalborg-Aquavit bestellen, ähnlich dem Islamkenner und Scheech-Vertrauten Peter Scholl-Latour, wenn der "al-Qaida" sagt. So wandern wir korrekt durch die Welt, von Soost/Westfalen bis Oorkansa/USA, und die Nachrichtensprecher sind uns ein stetes Vorbild.