(SZ) Bei Licht betrachtet ist der Fernseher eine Satansmaschine. Er lockt den labilen Daheimseier etwa so, wie eine dominikanische Hafenhure den einsamen Seemann lockt. Man sagt sich erst, nein, ich schalt dich nicht ein, und dann holt man doch das Bügelbrett, weil man sowieso noch siebzehn Hemden bügeln muss, und da ist es auch schon wurscht, wenn man dabei Fernseh glotzt. An so einem Hafenhuren-Wochenende lernt man, dass das Abendland wirklich kurz vor dem Untergang steht. Man muss dazu nicht einmal Sat 1 sehen, wo am Sonntag eine lange Werbepause ausgestrahlt wurde, die gelegentlich von Filmsequenzen unterbrochen war, in denen verschmutzte Männer in dunklen Erdlöchern so schreckliche Angst hatten, als fiele ihnen nicht nur Gestein, sondern auch noch Haim Saban auf den Kopf. Dass ProRTLKabel7 Dinge ausstrahlen, die jede pessimistische These von Neil Postman rechtfertigen, weiß man. Dass das mit den öffentlich-rechtlichen Sendern auch nicht mehr wesentlich anders ist, ist auch bekannt. Trotzdem ärgert man sich immer wieder, wenn man sieht, wofür die Rundfunkzwangsabgabe ausgegeben wird. Das ZDF zum Beispiel versteht seinen Informations- und Bildungsauftrag so, dass es den raviolihaften Johannes B. Kerner über die 100 besten Deutschen schwadronieren lässt, zu denen Küblböck, Schröder und mehrere Rennfahrer gehören. Kerner hat immerhin einen elaborierteren Wortschatz als der Schimpanse aus "Unser Charly" (ZDF, gebührenfinanziert) und zählt auch deswegen zu den großen Entertainern des Mainzer Seniorensenders. Bei der ARD ist es auch nicht besser. Die GEZ-Steuer müssen wir, so heucheln die Intendanten, auch bezahlen, weil ARD und ZDF ja nach 20 Uhr keine Werbung mehr senden dürfen. Diese Argumentation ist so stimmig, dass sie jederzeit beim CDU-Kreisverband Fulda unter Applaus vorgetragen werden könnte. In dieser Woche zum Beispiel läuft im Ersten ein neues "Magazin" an. Es wird produziert von der Zeitschrift Bunte, wird schleichbeworben von einer Sektfirma und heißt natürlich Bunte-TV. Aha, denkt man sich, abgesehen von allem inhaltlichen Gruseln muss das zumindest deutlich vor acht Uhr abends kommen, weil es sich um eine Art Dauerwerbesendung für eine Zeitschrift handelt. Nebbich. Bunte-TV wird kurz nach 22 Uhr ausgestrahlt. Daraus folgt: Die ARD ist einerseits nicht in der Lage, selbst so ein Flach-Magazin zu produzieren, obwohl sie uns Monat für Monat die Kohle aus der Tasche zieht. Zweitens muss jeder Intendant, der von nun an vom Werbeverbot nach 20 Uhr faselt, für den Rest seiner Amtszeit in jenen Tunnel, in dem die SAT1-Bergleute so viel Angst haben, wenn nicht gerade Werbung läuft. Dahin gehören die Kerle, die unser Geld verbunten und zerkernern.