(SZ) Für neun von zehn Deutschen beginnt der Tag mit einer Schrecksekunde. Wenn sie, nackt oder nicht nackt, auf die Badezimmerwaage steigen und dortselbst die Quittung bekommen für erneutes persönliches Versagen. Weil sie wieder einmal, trotz verbissenen Bemühens, nicht abgenommen haben. Ja, in neun von zehn Fällen sogar wieder zugenommen haben. Gestern allerdings fand die erdrückende und bedrückte Mehrheit der allzu dicken oder nicht ausreichend dünnen Deutschen schon in der Frühstückszeitung Trost, und das gleich zweimal. "Ich bin dicker geworden vor Freude", erklärte der spanische König Juan Carlos, überwältigt vom Anblick seines schmucken Sohnes Felipe und der noch schöneren Braut Letizia. Und widerlegte damit in einem einzigen Satz den Köhlerglauben, dass es der Kummer ist, welcher den Menschen speckig macht. Schon ein paar Zeitungsseiten weiter die nächsten Freudenszenen: Unser scheinbar unheilbar mürrischer Außenminister tanzend, tatsächlich tanzend, bei einem Empfang (olé!) zu Ehren des spanischen Ministerpräsidenten. Fischer, das beweisen die bezaubernden Fotos, ist derzeit rundum glücklich, glücklich und rund. Er ist also jetzt endlich gleich weit weg von den beiden Fischermonstern der Vergangenheit: vom Fleischberg und vom Magermann. Dick oder dünn? Ein Ewigkeitsthema ist das, eine Menschheitsfrage. Wir fürchten uns dennoch nicht vor einer Antwort: Unsere Sehnsucht gehört dem Dünnen (einmal Felipe oder Letizia sein!), unsere Sympathie aber eher dem Dicken. Schon Julius Cäsar ("lasst wohlbeleibte Männer um mich sein!") misstraute den Mageren und Hageren - und hatte ja so recht! Wie verkniffen und besserwisserisch würde Herr Asterix auf uns wirken, ohne Herrn Obelix, den Zauberkoloss an seiner Seite? Wie doof und einsam stünde Herr Laurel da ohne seinen treuen fetten Freund, den Herrn Hardy? Womit wir schon mitten in den Mysterien der deutschen Politik angekommen sind. Natürlich reden wir alle gern vom schlanken Staat. Insgeheim aber fürchten wir den schlanken Staat noch mehr als den dicken. Herr Schröder hat die letzte Wahl gegen Herrn Stoiber ja nicht, wie immer wieder behauptet wird, der Themen Krieg und Flut wegen gewonnen, sondern weil er einfach der rundere der beiden Kandidaten war. Ein Mann, der aussieht, als würde er uns, dem Volk, Zigarre, Bierchen und Mittagsschlaf gönnen. Während man Stoiber leider immer im Verdacht hat, dass er uns das Taschengeld kürzen und den Nachtisch streichen will. Für die Wahl 2006 kann das nur heißen: Magere (etwa das Tandem Stoiber / Westerwelle) haben gegen das Kompaktduo Schröder / Fischer keine Chance. Womit denn auch (welch eine dicke Freude ist das!) die K-Frage der Union diesmal frühzeitig geklärt wäre. Danke, Majestät! Hispania locuta, causa finita.