(SZ) Jeder, der Kriminalromane liest oder gar schreibt, weiß, dass die Beseitigung der Leiche den Mörder vor fast unlösbare Probleme stellt. Alles ist schon versucht worden. So hatte Alfred Hitchcock im bunten Herbstwald den bekannten Ärger mit seinem "Harry". Als jüngste Idee wird in interessierten Kreisen die nächtliche Wiederöffnung frischer Gräber auf einsamen Friedhöfen kolportiert, um das Corpus Delicti hinzuzufügen: Auf Zeremoniell kann verzichtet werden, und die vorhandenen Kränze decken alles wieder zu. Spätere Zufallsfunde sind an solchem Ort unverdächtig. Und die praktischen langen Koffer fürs Autodach, passenderweise "Schneewittchensarg" genannt, finden sich überall. In der Praxis freilich kann vieles schief gehen, weshalb der Kommissar wieder als Letzter lacht. Dabei könnte alles so simpel sein - mit dem Doppeldecker-Sarg. Ein der sizilianisch-amerikanischen Mafia nahe stehender Bestattungsunternehmer erfand ihn schon in den Zwanzigerjahren. Wie jetzt durch einen Mordprozess in New York bekannt wurde, legte der kürzlich verstorbene Carlo Corsentino ein Opfer, das ihm seine Genossen von der DeCavalcante-Familie lieferten, jeweils in die untere Etage eines Sarges mit doppeltem Boden. In die obere kam ein auf konventionelle Weise Verschiedener. Gemeinsam verschwanden beide unter der Erde. "Manchmal schauten sich alle an", erzählte ein von der Familie abgefallener Zeuge dem Gericht. "Da trugen sechs starke Männer eine 80 Pfund schwere Grossmutter auf ihren Schultern, und sie hatten es nicht leicht damit." Da Hinterbliebene ihre Trauer gern durch schwere Mahagoni-Särge und massive Beschläge zum Ausdruck bringen, fiel während Jahrzehnten keiner Amtsperson etwas auf. Corsentino selber wurde mehr als hundert Jahre alt. Ein Sohn führt in Elizabeth (New Jersey) den Familienbetrieb weiter. Der American Way of Life wird hoch gerühmt, mit Spott begossen, ätzend kritisiert - und vor allem beneidet. Untrennbar verbunden mit der amerikanischen Lebensart ist ihr Gegenstück, das Bestattungswesen mit seinen Funeral Homes und Funeral Parlors, seinen kosmetisch aufbereiteten Leichen und sonstigem Nepp, den Corsentinos Konsorten mit Hinterbliebenen treiben. Die Engländerin Jessica Mitford, Aristokratin von Geburt, linksradikale Rebellin aus Überzeugung und Reporterin mit Talent, fand für ihr Buch den programmatischen Titel "The American Way of Death". Nicht Enthüllung, sondern die perfekte Satire "The Loved One" hatte Evelyn Waugh geschrieben: Das Wort ist in seinem ganzen salbungsvollen Gehalt schwer zu übersetzen. Aber so müssen Morticians, die Verkäufer fröhlichen Sterbens, ihre Objekte nennen. Denn "Tote" gibt es am besten nicht mehr.