(SZ) "Tüt tittelüt tüttelit tittelüüh!" So tönt, die meisten werden's erkannt haben, Johann Sebastian Bachs h-Moll-Suite, BWV 1067. Und was tanzt da zierlich, sommerfrisch und heiter wie ein beschwipster Rennkuckuck dem Orchester voran? Na klar, die Querflöte. Ihrem Tittelüt erliegt auch das finsterste Gemüt. Bei ihrem Klang möchte man aufspringen, die Fenster aufreißen und all jenen zurufen, die jetzt in den Alleen hin und her unruhig wandern: "Lasst nicht den Herbst in eure Herzen kriechen! Lauscht der Flöte, sie wird euch erwärmen wie die Junisonne, nur besser!" Schöner, als die Querflöte zu hören, ist allein, die Querflöte zu spielen. Dieser Erkenntnis folgte auch ein Salzburger Mercedes-Fahrer, den die Autobahnpolizei bei Traunstein anhielt. Andere Verkehrsteilnehmer waren auf ihn aufmerksam geworden, als er sie mit 130 Stundenkilometern überholte und dabei Querflöte spielte. Gelenkt hatte er mit den Knien. Wer die Strecke zwischen München und Salzburg kennt, der weiß: Nichts fügt sich harmonischer in die Bukolik dieser Voralpenlandschaft mit ihren Kühen und Häuschen als das behauchte Tschilpen einer Traversflöte - die herrliche e-Moll-Fantasie für Soloflöte eines Johann Joachim Quantz zumal oder die Sonate Es-Dur, komponiert von Preußenkönig Friedrich II., der selbst gern auf der Flöte blies. Der Salzburger, ein Landsmann Mozarts immerhin, hatte sich also prinzipiell das angemessene Instrument ausgesucht für seine Fahrt. Einige werden jedoch sofort einwenden: Musik machen, ja, gut und schön. Aber muss das beim Autofahren sein? Das ist doch gefährlich! Recht haben sie. Der Auto-Flötist handelte nicht im Interesse der Verkehrssicherheit. Aber darf man dem Mann allein die Schuld geben? Oder haben die Autohersteller bisher einfach an den musikalisch veranlagten Käuferschichten vorbeiproduziert? In diesen Tagen gehäufter Neuwagen-Enthüllungen macht sich ein wirklich beklagenswerter Mangel bemerkbar: Die wenigsten Modelle erlauben dem Fahrer das Querflöten, vom Kontrabass- und Tubaspiel ganz zu schweigen. Was gibt es nicht alles: ein elektronisches Sensorium, das den gleichbleibenden Abstand zum Vordermann gewährleistet; ein Unfall-Früherkennungssystem, das rechtzeitig Fenster schließt und Gurte strafft; sogar eine Lidschlag-Frequenzerkennung, die den Fahrer mittels Warngeräusch davor bewahrt, einzunicken. Letzteres ist bei musizierenden Fahrern kaum zu befürchten, denn wer die Flöte bläst, der schläft nicht. Erfreulich wäre es also, bei der nächsten Internationalen Automobil-Ausstellung eine technische Neuerung zu finden, wie es sie seit der Freisprechanlage für Mobiltelefone nicht gegeben hat: eine Halterung für Blasinstrumente am Armaturenbrett - die Freiflötanlage.