(SZ) Persönliches ist in dieser Kolumne verboten. Trotzdem sei heute aus Gründen, die in der Sache liegen, die Mitteilung gestattet, dass der Verfasser vorliegender Zeilen bei der Einstellung gefragt wurde, welches Sternzeichen er sei. Zaghaft bekannte er sich zum Krebs, und als er die Reaktion sah, wusste er, wie sich sein Berufsleben gestalten würde: Kaffee kochen, Druckerpapier nachfüllen, das Auto des Chefs waschen. So ging das die Jahre, bis nun plötzlich in der Bild am Sonntag zu lesen stand, dass unter den Bundestagsabgeordneten die Krebse die Oberhand hätten: 66 von 603, also beiläufig elf Prozent. Wenn dem so ist, sagte sich unser Mann, wenn die meisten unserer Besten Krebse sind: Wer wollte mich da noch hindern, auch einmal zur Feder zu greifen und was zu schreiben? So geschah es dann auch, obwohl unter den Konkurrenten Löwen, Stiere und Widder ohne Zahl waren. Normalerweise sind es ja die unter diesen Zeichen Geborenen, die wissen, woher der Wind weht und wo der Bartel den Most holt, und die darum auch die größten Kartoffeln ernten. Zwei der schärfsten Löwen der Geschichte, echte Sonntags- und Sonnenmenschen, sind zum Beispiel Napoleon und Trittin. Wenige haben der Welt ihren Stempel so klar wie sie aufgedrückt, und wo immer man vom Code Napoléon spricht, wird man auch der Verpackungsverordnung ehrend gedenken. Dass die Widder schon als Sieger zur Welt kommen, ist jedermann bekannt - und ihnen selbst am besten. Die Hälfte unserer Bundespräsidenten (Weizsäcker, Herzog, Rau) wurden unter diesem Zeichen geboren, ebenso drei von den bisher sieben Bundeskanzlern (Kiesinger, Kohl, Schröder), sodass man sagen könnte, die Erfolgsgeschichte der Republik sei großenteils dem Einfluss des Mars zu danken. Damit aber unsere Kampfwidder, Rammböcke und Leithammel nicht zu übermütig werden, hat es der Herr der Gestirne so eingerichtet, dass auch Hitler ein Widder war - gerade noch (20. April), aber immerhin. Bei aller Freude, die unter den Krebsen herrscht, bleibt ein Haken. Einerseits lässt sich die BamS-Studie natürlich in dem Sinn deuten, dass es um ein Sternzeichen, das 66 Bundestagsabgeordnete generiert, ganz so schlecht nicht bestellt sein kann. Andererseits bleibt der Krebs ein Krebs, da beißt die Maus keinen Faden ab: vom Mond abhängig, wehleidig bis dort hinaus, in sich gekehrt, ein Mutterbüberl. Wenn nun das Parlament von solchen Leuten geprägt wird, und sei es nur zu elf Prozent, muss man sich da noch wundern, dass es mehr rückwärts geht als vorwärts? Es gibt übrigens auch unter den Krebsen ein Paar wie unter den Löwen die Dioskuren Napoleon und Trittin: Cäsar und Schily. Ihre Ähnlichkeit ist freilich mehr eine äußere, und angesichts von Cäsars Ende kann Schily nur froh sein, dass das so ist.