(SZ) Irgendwie wird es jetzt auch einmal Zeit, etwas Positives über Klaus Wowereit zu sagen. Richtig, das ist der Mann, der die Pleitehauptstadt Berlin regiert und in diesem Amt immerhin ein Nachfolger von Ernst Reuter, Willy Brandt und Richard von Weizsäcker ist. Das ist schon nicht schlecht. Politisch gesehen ist Wowereit bundesweit zwar als Verfassungsbrecher (siehe Zuwanderungsgesetz, Bundesrat) bekannt geworden, aber menschlich betrachtet ist er, soweit dies einem Berliner möglich ist, ein freundlicher Mensch, der gerne mal einen drauf macht. Und außerdem, jetzt kommt das wirklich Positive, gilt er als der zweitbestangezogene deutsche Mann, zumindest in der Kategorie Business. Wie, was, Kategorie Business? Ja doch, eine bunte Zeitschrift mit dem schönen Namen Männergesundheit (Men's Health) hat wieder einmal eine der unheimlich beliebten Listen veröffentlicht, die Auskunft darüber gibt, welche Männer in den Kategorien Style, Business und Eleganz Vorbilder zumindest in rebus klamottibus sind. Da jeden Tag große Mengen Unsinn veröffentlicht werden, wäre die Männergesundheitsauflistung eigentlich nicht weiter erwähnenswert. Dennoch: In all ihrer Absurdität ist die Liste ein kleiner Hinweis darauf, warum es so schlecht um den deutschen Mann als solchen steht. Die jeweils ersten Plätze in den drei Kategorien belegen ein Schalksnarr, ein Friseur und ein Schröderminister. Der Friseur heißt Udo Walz und ist ein Freund von Wowereit; der Schalksnarr ist, nein, nicht Christoph Schlingensief, sondern Daniel Küblböck; der Minister ist, wer hätte das gedacht, Peter Struck. Was ist aus diesem Land geworden, wenn Modemenschen glauben, ein lurchähnlicher Spätpubertist mit zwei Umlauten im Nachnamen sei vorbildlich gekleidet, obwohl er sich anzieht wie der Sohn des Hauptgeschäftsführers einer Altkleiderfirma in Lagos? Wie soll man als Mann depressionsfrei weiterleben, wenn einem Peter Struck, ein Motorrad fahrender Niedersachse mit Schnauzbart, als role model vorgehalten wird? Struuuck, möchte man da mit Trapattoni rufen, was erlaube Struuuck, bestangezogen? (Übrigens, der Friseur aus der Liste ist in Ordnung. Ein seriöser Mann mit einem graubebarteten Schädel, der phänotypisch und auch sonst Schröderminister oder Regierender Bürgermeister sein könnte.) Aber warum gelten die wirklich schön angezogenen Männer nicht mehr als Vorbilder? Joschka zum Beispiel, der seine größer werdende Wampe (ein Problem aller echten Männer) geschickt unter hübsch geschnittenem, italienischem Tuch versteckt. Und was ist mit all den Sakko-Hose-Kombinierern, die Tag für Tag ankämpfen gegen die Tatsache, dass Gott nur wenige Männer mit Geschmack ausgestattet hat? Sie sind die wahren Helden der Herrenoberbekleidung, und dennoch schaffen sie es nie auf solche Listen.