(SZ)Jubel landauf, landab. Steuern runter, Wohlstand rauf. Es wird alles, alles wieder gut. Der Eichel wird's richten. Und wenn nicht? Dann schaun wir mal. Die Sinngedichte unseres Barockdichters Friedrich von Logau lassen wir noch aufgeschlagen liegen auf dem Studiertischchen, die Seite mit den Zeilen " O es müsse höllisch Feuer / Fressen die verfluchte Steuer!" Man weiß ja nie, ob dichterische Stärkung nicht doch noch vonnöten sein wird. Wir greifen aber erst einmal zum milden, gleichwohl begeisternden Uhland. Hat er doch vorweg die bezauberndste Bildunterschrift geliefert zur rührend jackettfreien Szene im Steuergarten von Schloss Neuhardenberg: "Die linden Lüfte sind erwacht, / Sie säuseln und weben Tag und Nacht, / Sie schaffen an allen Enden." Und herrlich: Nicht nur die Lüfte säuselten und webten. Das gesamte Kabinett säuselte und webte mit. Das dürfte im Sinne Uhlands gewesen sein. Der reimte auf "Enden": "Nun muss sich alles, alles wenden." So sind sie, die deutschen Dichter. Immer das passende Wort zur Lage im Köcher. Jetzt, in der Stunde des Jubels, wagen wir uns tiefer hinein ins Sprachgebirg, rasten beim redlichen Adelung, der am Ende des 18. Jahrhunderts eines der ersten umfangreichen Wörterbücher schuf, einen Schatz, dem zu entnehmen ist, wie alles, auch die Steuer, zu seiner Bedeutung kam. Nix Steuerruder zum Lenken des Staatsschiffs durch raue See, wie mancher glaubt. Die Steuer, weiß Adelung, meinte einst "Schutz", gar "Schutz der Engel". Veraltete Bedeutung, gibt er zu. Dann aber: "In mehr thätigem Verstande, Hülfe, Beystand." Ist das nicht herzerwärmend an diesen heißen Tagen? Steuer ist Hülfe! Ist Beystand! Merks dir, Merz! So war das einmal. Adelung zitiert den Dichter Martin Opitz als Gewährsmann: (im Gebüsch lauert ein Drache) "Komm, uns Armen, doch zu Steuer / Wider dieses Ungeheuer." Selige Zeiten. Tempi passati. Denn irgendwann (wer war der Schuft?) dreht sich, verdreht, verwurschtelt sich die wundersame Bedeutung. Anfangs noch unverfänglich: "Im engern Verstande ist die Steuer eine Beyhülfe an Gelde oder andern Bedürfnissen, dem Mangel eines andern abzuhelfen." Eines andern? Uns schwant Furchtbares. Steuer meint endlich "eine Abgabe, welche der Obrigkeit zur Bestreitung der Bedürfnisse des Staates gegeben wird." Wir sind im Heute angekommen. Selbst Adelung fällt kein Dichterwort mehr ein. Wenn er zum Wort "steuern" kommt, notiert er als Erstes "ungestüm, mit Heftigkeit verlangen." Auch "auf etwas erpicht seyn". Kennen wir. Adieu Adelung, du hast uns sehr geholfen. Wir haben verstanden. Was einmal gut und schön war, bleibt nie so. Wo ist noch Trost? Vielleicht bei den Alten? Bei Cicero? "Eine bedeutende Steuerquelle ist die Sparsamkeit." Aber das wussten wir schon.