(SZ) Das Zusammenleben von Mensch und Tier bietet immer wieder Neues und Überraschendes. Dies gilt gewiss für die Erkenntnisse, die Professor Eulenberger auf der Parasitologen-Tagung "Läuse, Federlinge und Haarlinge" zur Bekämpfung der dickhäuterplagenden Elefantenlaus vortrug. Wobei laut Veranstaltungsbericht lobend zu erwähnen ist, dass "Dr. Schmäschke, Leipzig, die Tagung mit kulturhistorischen Aspekten über Läuse im Zusammenleben mit Menschen ausklingen ließ"; aber das nur am Rande. Neu und überraschend kann auch eine Begegnung mit Tieren selbst sein. Etwa für den abendlichen Passanten, der in der S-Bahn-Unterführung hinterrücks von einem Dackel in den Po gebissen wird, während die Halterin seinen Bemühungen, dem tobenden Tier Einhalt zu gebieten, mit Flüchen und Verwünschungen begegnet. So benehmen sich die Tierfreunde, deren Gebaren von einer gefährlichen Subspezies aber noch übertroffen wird. Das ist der gemeine Tierschützer. Trotz mancher, durch vegane Ernährung verursachten Ausfall- und Mangelerscheinungen kann der deutsche Tierschützer erhebliche kriminelle Energie an den Tag legen. Dann kettet er sich vor dem Schlachthof an, von den vorübertrottenden Objekten seiner Fürsorge stumpf betrachtet, schickt dem Fischhändler anonyme Drohbriefe ("Karpfenschinder, wir kriegen dich") oder durchschneidet nächtens den Drahtzaun zum Tierheim, leider nicht mit der Absicht des Dichterwortes von Walt Whitman: "Ich wollt, ich könnt mich den Tieren zugesellen." Stattdessen holt er den einäugigen Pittbull- Rüden namens Wotan und dessen Kumpane heraus. Am liebsten aber schikaniert er den Zirkusdirektor. In der Welt des Tierschützers entspricht der Zirkusdirektor den Elefantenzwickern des Professor Eulenberger: eine kleine Laus, schuld an Elend und Qual der großen Tiere. Seinerseits verwehrt der Zirkusdirektor, um Geschrei und Geplärr während der Vorstellung zu unterbinden, dem Tierfreund den Eintritt (man erkennt ihn in der Kassenschlange leicht am vorwurfsvollen Gesichtsausdruck). Eine Tierschutztruppe, die auf ihrer Homepage erklären lässt, Zoos seien für Elefanten "wie Konzentrationslager in ihrer schlimmsten Form", suchte nun nebst einer größeren Polizeieinheit den Zirkus Renz heim: Sheila, dreieinhalb Tonnen schwere Elefantendame, sollte wegen fehlender Papiere beschlagnahmt werden. Doch Direktor Renz hatte von seinen Feinden gelernt: Er kettete sich an Sheila fest, Polizei zog ab, Elefant blieb. Was Sheila von all dem hielt, blieb ungeklärt. Vielleicht hat sie sich lässig eine Elefantenlaus von der Haut gepustet, vom Tumult unberührt. Schließlich heißt es in Bertolt Brechts Gedicht über Herrn K.'s Lieblingstier, den Elefanten: "Seine Ohren sind verstellbar. Er hört nur, was ihm passt."