(SZ) Der Biedermann gilt als vertrauensselig und leicht täuschbar, denkt aber andauernd an den Brandstifterund wird dabei unweigerlich von einer gewissen Unruhe erfasst. Denn der Brandstifter kann zwar aussehen wie ein Brandstifter. Er kann aber auch aussehen wie ein Biedermann. Zum Glück gibt es Theaterstücke, Romane und andere Ratgeber, die den Blick des Biedermanns schärfen, indem sich andauernd Biedermänner als Brandstifter, harmlose Ehemänner als perfide Lustmörder, würdige Honoratioren als haltlose Windbeutel entpuppen. Das geht jetzt schon seit Jahrhunderten so, und wenn man heutzutage den Biedermann fragen würde, was Menschenkenntnis ist, dann würde er sagen: die Kunst, im Biedermann den Brandstifter zu erkennen. Es ist an der Zeit, einmal laut und deutlich zu sagen, dass diese Biedermann-Weisheit allenfalls aus der Vorschule der Menschenkenntnis stammt. Die hohe Schule verlangt mehr: im Brandstifter den Biedermann, im Revolutionär die Stütze der Ordnung, im Exzentriker den braven Familienvater zu erkennen. Die wichtigste Lehrmeisterin in dieser höheren Schule der Menschenkenntnis ist die britische Krone. Zwar verdankt sie ihre Virtuosität in der Kunst, zwischen Sein und Schein zu unterscheiden, der Erfahrung von Jahrhunderten. Aber sie ruht sich gerade nicht auf den Einsichten der Königsdramen Shakespeares aus, in denen hinter dem Lächeln Richards ein Abgrund an Bosheit lauert. Queen Elizabeth II. hat früh begriffen, dass seit dem zwanzigsten Jahrhundert der umgekehrte Fall ins Zentrum gerückt ist: In der modernen Kultur gähnen hinter dem Schein von Unbotmäßigkeit und bösem Außenseitertum wahre Abgründe an Harmlosigkeit.Die Queen hat darum schon die Beatles in den Adelsstand erhoben, als noch einige Lords dagegen protestierten. Sie hat sich von irgendwelchen obszönen Fingergesten nicht täuschen lassen und Mick Jagger zum Ritter gemacht. David Beckham hat zwar ein Spice-Girl geheiratet und mit auffälligen Haarschnitten einigen Wirbel entfacht. Aber dass die Queen sich durch derlei nicht täuschen lassen würde, war abzusehen. Also hat sie Beckham, der nicht raucht, nicht trinkt, nie über die Stränge schlägt und seine Abende zu Hause verbringt, nun zum "Officer of the British Empire" ernannt . Wer aber war 1989 bis 1993 Jugendtrainer bei Manchester United und also Führungsoffizier des jungen David Beckham? Nobby Stiles, der grinsende Inbegriff des bad guy, der Gesäßentblößer und Weltmeister von 1966 mit der Aura Richards III. Beckham, o.k, geht in Ordnung. Aber nachdrücklicher hat die Queen ihre Kunst der Menschenkenntnis schon im März 2000 bewiesen, als sie Nobby Stiles die Auszeichnung "Member of the British Empire" verlieh.