(SZ) Mensch kann es wohl nicht lassen. Mit allen zehn Fingern in die Ursuppe und probieren, wie das Gen so schmeckt. Schießpulver erfinden - und ein dummes Gesicht machen, wenn's knallt. Täglich Aufbruch zu neuen Ufern - und sei's eine unbekannte Pizza beim Italiener um die Ecke. So ist er, der Mensch. Selbstbeschreibung: gottähnlich, erkenntnissüchtig. Von den verbotenen Früchten des Paradieses habe er einfach naschen müssen, reklamiert Atomphysiker Adam die Schöpfungsgeschichte für sich und knurbscht andächtig einen geschmacklosen EU-Apfel. Was in eines Teddys Bauch und was in Blaubarts Zimmer sich verbirgt: Mensch muss es wissen, um jeden Preis. Seit Montag rast ein europäisches Raumschiffchen namens "Express" in Richtung des roten Lieblingsplaneten Mars, nach intergalaktischen Maßstäben gemächlich. Ungefähr elftausend km/h. Weihnachten soll es "oben" sein. Um dort was zu tun? Auf jeden Fall George W. Bush abfangen, welcher mit seinem dicken Mondauto erwartet wird, um die Huldigungen der befreiten Marsianer entgegenzunehmen. Good old Europe gibt nicht auf. Unsere Raumsonde Express schickt sodann ihren Beagle in die Ebene Isidis Planitia. Beagle 2, um genau zu sein. Ein Landegerät, das, wenn es heil bleibt, "gezielt" nach bescheidenen Spuren marsianisch-organischen Lebens schnüffeln soll, ohne sich von der Stelle zu bewegen. Die Erdlinge des 21. Jahrhunderts, durchs Kino längst gewöhnt an superintelligente Schleimspuren, würden nicht einen Moment sich wundern, sollte Beagle 2 eine tiefgefrorene Bazille erbohren. Ab! Marsch! In unseren Medienzoo! Wenn im Bauch der Express ein Landeapparat Beagle 2 unterwegs ist, muss da nicht ein Beagle 1 irgendwann gewesen sein? Verdacht zutreffend. Beagle (1) war ein wunderschöner Dreimaster, ein Segelschiff von 242 Tonnen. Es trug den immerzu von Seekrankheit bedrohten Naturforscher Charles Darwin fünf Jahre, von 1831 bis 1836, über die Weltmeere, bis zu den Galapagos und zurück nach England, währenddessen er zeichnete, sammelte, beobachtete und unbekannte Tiere erschoss. Und die Grundzüge der revolutionären Evolutionstheorie "Entstehung der Arten" bildeten sich auf jener langen Welt- Reise, ein Todesstoß für den Schöpfungsbericht der Bibel. (Doch frage man dieserhalb bei amerikanischen Fundamentalisten an.) Darwin aber, welcher die "Ursuppe" Meer hassen lernte und immer wieder physiognomisches Misstrauen seines Kapitäns Robert Fitz Roy zu widerlegen hatte - der Naturforscher Charles Darwin vermochte sich gleichwohl einem Sturmwind von Entzücken und Erstaunen hinzugeben, als er in die Tropen eintauchte. Wetten, dass wir von Beagle 2 nicht ein Staunenswörtchen hören werden!