(SZ)Während die Christen in Berlin beten, tanzen, Erbsensuppe essen und überhaupt jede Menge Spaß haben, geht in Rom alles seinen gewohnten Gang, gewohnt auch insofern, als man dort fix zu reagieren weiß, wenn es irgendwo hakt. Kürzlich, bei der "kleinen Lage", gab es wieder eine echt knisternde Situation. Man war unter sich, der Papst, ein paar Kardinäle, etliche Monsignori, als einer auf den deutschen Episkopat zu sprechen kam. "Madonna mia", murmelte der Papst, hörte dann aber gut zu, als referiert wurde, dass im Traunsteiner Seminar St. Michael keine Firmung stattfinden könne, weil alle Bischöfe in Berlin seien und dort ihren Spaß hätten. "Joseph", sagte er, zu Kardinal Ratzinger gewandt, "Traunstein ist doch Oberbayern. La tua patria, è vero? Könntest du da nicht... - " Doch Ratzinger war schon in der Tür. "Geht klar, Heiliger Vater", rief er im Gehen, "mach ich!" Und so kam es, dass in Traunstein an Christi Himmelfahrt doch noch gefirmt wurde. Nun muss man der Ehrlichkeit halber erwähnen, dass Ratzinger generell sehr gern nach Bayern fährt und dass er einst, als Bub, selber in diesem Seminar war. Dennoch scheint aus seinem fliegenden Einsatz ein Geist zu sprechen, den man bei Führungskräften nicht alle Tage vorfindet, eine Art corporate culture, wie sie seinerzeit wohl schon Jesus vor Augen hatte, als er Petrus zum ersten Papst bestellte und ihm im Hinblick auf die neue Kirche versprach, die Pforten der Hölle würden sie nicht überwältigen. Das war kein "Persilschein", sondern ein allerdings sehr lecker verpackter Arbeitsauftrag. Wir im Himmel, hieß das, sind mit euch, aber ihr auf Erden müsst schon auch das euere tun, und sei es nur, dass ihr in Traunstein firmt oder mit Angela Merkel über den Gottesbezug in der Präambel der EU-Verfassung redet. Eine ddp-Korrespondentin traf in Berlin zwei Mädchen, deren eine die Offenheit ihrer Jugendgruppe mit folgenden Worten herausstrich: "Wir wollen keinen erbibeln." Erbibeln! Die Wortschöpfung hat etwas pfingstlich Inspiriertes, passt also ganz gut auf einen Kirchentag. Andererseits könnte sie bei der Kirche Missfallen erregen, weil die sich nach 2000 Jahren des Verbibelns, ja des Zerbibelns kaum dazu durchringen wird, nun auch noch aufs Erbibeln zu verzichten. Man wüsste übrigens gern, was eine nicht erbibelte Jugend sich unter "Pforten der Hölle" vorstellt. Eine aktuelle Deutung könnte lauten: Zu den Pforten der Hölle gehört auch die FDP, die ihre kirchen politische Sprecherin Marita Sehn erklären ließ, dass Kirchenspaltung betreibe, wer für das gemeinsame Abendmahl sei. Man sieht, die alte Schlange hat dazugelernt und ist um Listen weniger verlegen denn je. Diesmal freilich haben die Pforten der Hölle sich sauber gebrannt, denn Frau Sehn erhielt von der Welt postwendend die Kopfnote 5.