(SZ)Schon geht's ans Eingemachte. George W. Bush braucht nach einer Woche weitere 63 Milliarden Dollar zur Finanzierung des Irak-Krieges. Doch ebenso wie ein Abrams-Panzer nur so lange die Wüste durchpflügt, wie der Treibstoff-Nachschub gesichert ist, kann der Kongress nur so lange Geld ins Pentagon pumpen, wie frische Devisen fließen ins Land der Freien und in die Heimat der Tapferen. Ein herber Schlag für die US-Wirtschaft ist darum die Totalverweigerung des Bonner Wirtes Bruno Kessler. Vor einigen Tagen strich er, gegen den Krieg protestierend, alle amerikanischen Produkte aus dem Angebot seiner Kneipe "Zuntz Selige Witwe". Keine Coke mehr, kein Tennessee-Whisky. Auch gebratene Stierhoden, eine texanische Spezialität, sucht man spätestens jetzt vergebens auf der Karte. Die Initiative trifft laut Kessler auf "ungeheure Resonanz". Letztlich ist das die einzig konsequente Antwort auf das Verhalten einiger New Yorker Restaurants, die als Strafe für den Antikriegskurs Frankreichs und Deutschlands schon seit Wochen keine Weine und Biere aus diesen Ländern mehr ausschenken. Seine volle Wucht kann der deutsche Konsumentenprotest jedoch nur entfalten, wenn die "Koalition der Willigen" ihn bis in ihre letzte Verästelung zu spüren bekommt. Zum Beispiel Dänemark, das sich auch "im Kriegszustand mit dem irakischen Regime" befindet und umgehend das U-Boot Sælen sowie die Korvette Olfert Fischer an den Golf entsandt hat. Erstes Beinahe-Opfer der Verhältnisse wurde der deutsche Dirigent Gerd Albrecht; der Dänische Rundfunk drohte ihm mit Entlassung, sollte er sich noch einmal, wie jüngst vor einem Konzert des Kopenhagener Radiosymphonieorchesters, gegen die dänische Kriegsbeteiligung aussprechen. Als Antwort könnten hier unmittelbar deutsche Sanktionen greifen: Gammeldansk-Aquavit verschwindet aus unserem Kühlregal, ebenso Tuborg-Bier; weder Smørrebrød noch Esrom-Käse stapeln sich fortan wie sonst auf dem guten Kopenhagener Porzellan, das sonntags zur Strafe im Schrank verstaubt. Findigen Friedensaktivisten ist zudem sicher nicht entgangen, dass die dänische Spielzeug-Firma Lego einen Roboter-Bausatz namens "Mindstorms(TM)" vertreibt - eine Bezeichnung, die jener der altbekannten Operation Desert Storm verdächtig ähnelt. Am härtesten dürfte das kriegerische Dänemark also ein deutscher Verzicht auf Lego und alle mit Lego verwandten Produkte treffen. Wie schmuck und zugleich wirkmächtig könnten sich die aus den Spielzimmern verbannten bunten Klötzchen in den Innenstädten türmen, Fanale für den Weltfrieden allesamt. Und wie in seligen Sponti-Zeiten würden die Menschen einander in der Gewissheit "echt total effektiver Antikriegsarbeit" über die Straße hin zurufen: "Frieden? Na Lego!"